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Par1eiamtl.lageszeitung der
Das Amtsblatt des Senats
Zeitmly
Nationalsozialisten Sremens
der Lreien Hansestadt Vremen
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Nr. 205 / Jahrgang
Sonnabend, 27. Zuli
kinzelpreis 15 Npf.
NSVfv (Stalillielm) in Sstpreußen aufgelöst
veispiellose liehe gegen den Nationalsozialismus / Vas Ziel der Verräter: Nllgemeine Zersetzung der Volksgemeinschaft
Unssr lagvsspisgsl I
Aus Anordnung der Staatspolizeistelle Königsberg wurde der NSDFB. (Stahlhelm) in Ostpreußen ausgelöst.
In Moskau ist der 7. Weltkongreß der kommunistischen Internationale eröffnet worden.
Die Regierungskrise in Holland führte zum Rücktritt des Kabinetts Colijn.
Reichsführer SS. Himmler erließ eine Verordnung über die Vetätigung konfessioneller Jugendoerbände.
Gestern wurde die Atlas Levante-Linie A.-E., Bremen, gegründet.
Durch die neue Durchführungsverordnung zum Devisengesetz wird die Devisenkontrolle verschärft.
Die Kruppe Nordsee ruft alle Unternehmer aus, den noch stellungslosen SA.-Miinnern Arbeit zu geben.
Im Kampf um die Eaumeisterschaft besiegte Bothe-Vremen Steinmetzger-Bremerhaven.
flbl Schachlettner erklärt:
München, 27. Juli.
Abt Albanus Schachleitner, Osb., ersucht den „Völkischen Beobachter", folgende private Mitteilung zu veröffentlichen:
„2n letzter Zeit häufen sich in meinem Briefwechsel Anfragen aus allen Teilen Deutschlands, ich möchte doch über diese und jene aktuelle Fragen meine persönliche Meinung dartun. Von vielen Arbeiten in Anspruch genommen, kann ich aus diese Anfragen nicht einzeln antworten. Hier das, was ich all diesen Fragestellern zu sagen habe:
Jetzt erst recht! In unerschütterlicher Treue siehe ich zum Führer! Ich erhlicke die mir von Gott für den Abend meines Lebens gestellte Aufgabe darin, den Volksgenossen im Inland und Ausland zu zeigen, daß man und wie man der strenggläubige Christ (in meinem Falle: Katholik) und zugleich kämpfend und opfernd der begeisterte Nationalsozialist sein kann."
öedenkstunde am Mobe-kbrenmal
Kiel, 26. Juli
Am heutigen Freitag, 26. Juli, jährt sich zum dritten Mal der Tag, an dem das Segelschulschifs „Niobe" bei Fehmarn in einer schweren Böe kenterte. Am Denkmal aus dem Garnison-Friedhof legte Konteradmiral Eoetting im Namen des kommandierenden Admirals der Marinestation der Ostsee, Vizeadmiral Albrecht, neben den schon niedergelegten Kränzen des Segelschulschisses Eorch Fock und verschiedener Angehöriger einen Kranz mit der Inschrift: „Die Kriegsmarine
ihren geliebten Kameraden vom SSS. „Niobe" nieder. Nach einem stillen Gedenken und einem kurzen Verweilen an den Gräbern der Ertrunkenen verließ die Abordnung der Kriegsmarine wieder den Militärfriedhof.
I Königsberg, 27. Juli
I Auf Anordnung der Staatspolizeistelle Königsberg als Leitstelle für die Provinz Ostpreußen ist aus Grund des 8 1 der Verordnung zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 in Verbindung mit 8 1 des PolizeiverwaltungsGesetzes vom 1. Juni 1931 der Landesverband Ostpreußen des Nationalsozialistischen Deutschen Frontkämpferbundes (Stahlhelm) einschließlich seiner hlntergliederungen mit sofortiger Wirkung aufgelöst und gleichzeitig Beschlagnahme des Vermögens angeordnet worden.
In der Begründung werden einige besonders krasse Vorfälle mitgeteilt: Trotz der Auslösung des Stahlhelm-Studentenringes im Dezember 1933 bestand diese Organisation unter der Leitung des Hochschulgruppenstihrers Biftrick fort und ar
beitete im engsten Einvernehmen mit der Landesleitung Ostpreußen des NSDFB. weiter. Daß das Ziel nur allgemeine Zersetzung der Volksgemeinschaft sein konnte, trat am deutlichsten zutage bei dem Besuch dieser Führerclique in Arnau, wo die Fahnen des aufgelösten Studentenringes aufgestellt sind. Der Bericht dieser sogenannten Führer über diesen Besuch lautet: „Die Trauerflore von unseren Fahnen wurden nicht abgenommen. Es wurde gesagt, wir hätten keinen Grund, wir warteten aus andere Zeiten. Den Befehl, die für Versailles angebrachten Trauerflore abzunehmen, hat Seid te bei der Wiedereinführung der Wehrpflicht gegeben, aber von diesem Verräter haben wir uns getrennt. Leider wurde auch darauf verzichtet, die nazistischen Fahnenbänder zu entfernen. Nach dem Gottesdienst fuhren wir in die Stadt und tranken und aßen in einem schönen alten Weinlokal. Wir tranken uns gehörig fest. Die tollsten Witze des Dritten Reiches und die bitter
sten Vorwürfe gegen das System erfüllten unser Zimmer. Es war eine seltene Einheitlichkeit."
Ihre Ansicht über den Muttertag gaben diese Führer wie folgt kund: „Voy der organisierten Mutterliebe halte ich nichts. Ich möchte meine Empfindungen an einen von der Reichsgeltungs- bedllrfnisanstalt festgesetzten Tag des Jahres nicht binden."
Der Sozialismus dieser Herren geht aus folgendem Ausspruch hervor: „Wenn ich so häßlich und klein wäre, würde ich auch Sozialist sein." Ueber die Fliegerei des Deutschen Reiches äußerten sich diese Nationalisten wie folgt: „Ich bin mir zu schade, als daß sich über mein« Leiche die deutsche Luftfahrt emporschwingen sollte. Doch gut, daß es auch Draufgänger gibt, die das Geld und das Spiel mit dem Schicksal lockt." Den Film des Reichsparteitags „Triumph des Willens" bezeichnet diese Führerschicht als „eklatanten Fall von religiösem Wahnsinn".
Sind die Zuden eine Minderlieiir
Das Judentum versucht in letzter Zeit, das Minderheitenschutzgesetz für sich in Anspruch zu nehmen. Die folgenden Darlegungen zeigen, wie absurd dieses Unternehmen ist.
Die Frage erscheint auf den ersten Blick absurd. Denn natürlich gibt es weniger Juden in Deutschland als Arier; selbstverständlich sind sie zahlenmäßig eine Minderheit. Aber über das rein Zahlenmäßige hinaus hat das Wort Minderheit eine technische Bedeutung. Mit ihm verbindet sich ein bestimmter Begriff, den die folgenden Zeilen erläutern sollen.
Im Weimarer Staat und vorher gab es den Begriff und das Schlagwort von „religiösen Minderheiten". Er war mit dem Parteien- wesen jener Zeit auffällig eng verbunden. Wir erinnern uns, daß das Zentrum sich ausdrücklich zum Ziele gesetzt hatte, die „Rechte der religiösen Minderheiten in Deutschland" politisch zu vertreten. Es sprach bewußt nicht von einer religiösen Minderheit, nämlich den Katholiken, um den Anschein einer konfessionellen Partei zu vermeiden, sondern von den religiös e n Minderheit e n. Und das hatte zur Folge, daß auch die Juden ihre Interessen durch das Zentrum gewahrt fanden. Schon unmittelbar nach der Novemberrevolte 1918 nahm das orthodoxe Judentum die Verbindung mit dem Zentrum auf; schließlich führte die Entwicklung dahin, daß die christ-katholische Zentrumspartei einen nicht einmal durch die Taufe getarnten Juden zum Reichstag kandidieren ließ. Diese Vorgänge setzten voraus, daß das Judentum eine Konfession sei. Diese Lüge ist inzwischen durchschaut; die Konfessionen sind Erscheinungsorten des christlichen Glaubens und können als solche das Judentum nicht in sich begreifen. Aber wenn auch keine Konfession, so sind die Juden doch eine Religion. Gewiß, aber eine Religion, welche an die jüdische Rasse gebunden ist und welche ausschließlich der Erhaltung dieser Rasse und ihrer Organisation, eines internationalen „Staates", dient.
Der Führer schreibt darüber („Mein Kampf", S. 168): „Der jüdische Staat war nie in sich räumlich begrenzt, sondern universell unbegrenzt auf den Raum, aber beschränkt auf die Zusammenfassung einer Rasse. Daher bildete dieses Volk auch immer einen Staat innerhalb der Staaten. Es gehört zu den genialsten Tricks, die jemals erfunden worden sind, diesen Staat als „Religion" segeln zu lassen und ihn dadurch der Toleranz zu versichern, die der Arier dem religiösen Bekenntnis immer zuzubilligen bereit ist. Denn tatsächlich istdiemosaischeReligion nichts anderes als eine Lehre der Erhaltung der jüdischen Rass e." Diese
„Keneralswb ver welttevolutlon
Vor 7. Weltkongreß / sallstklrmabsprlngerlnnen vor der kommunistischen Internationale
Moskau, 27. Juli.
Der 7. Weltkongreß der kommunistischen Internationale trat am Donnerstagnachmittag unter Teilnahme von Vertretern der kommunistischen Parteien aus 68 Ländern im Eewerkschaftshaus zusammen. Dem Kommunisten Wilhelm Pieck wurde die Aufgabe zuteil, den Kongreß für eröffnet zu erklären. Nach seiner Ansprache wurde ein 42gliedriger Porstand gewählt. Im Anschluß daran wählte der Kongreß auf Vorschlag eines spanischen Kommunisten Thälmann in Abwesenheit zum Ehrenvorsitzenden.
Das Tagungsprogramm sieht folgende Punkte vor: Rechenschaftsbericht des Vollzugsausschusses der Komintern; Vordringen des Faschismus. Vorbereitung des imperialistischen Krieges; Wahlen.
Nach der Annahme des Tagungsprogramms sprach u. a. ein Mitglied der kommunistischen Partei Spaniens, der „den hier versammelten Generalstab der Weltrevolution" feierte.
Dann folgte ein für diese Umgebung bezeichnendes Zwischenspiel. Den Saal betrat eine Abordnung von männlichen und weiblichen Fall- schirmabspringern, die zur Erhöhung der theatralischen Wirkung himmelblaue Hosen trugen. Einer von ihnen hielt eine Rede, in der u. ä. erklärt wurde: „Wir wollen würdige Kämpfer zur Verteidigung unseres großen Vaterlandes werden. Wir werden uns schlagen, so wie sich kein Soldat eines imperialistischen Landes schlagen kann. Wir werden siegen, weil wir in der Schlachtentradition der Partei erzogen sind." Dieser Ansprache folgte die Rede einer Fallschirmspringerin, die noch kriegerischer als ihr männ
licher Genosse auftrat und unter anderem erklärte: „Wir haben den Leipziger Prozeß, die Aufstände in Asturien und die Kämpfe der chinesischen Roten mit Aufmerksamkeit verfolgt. Wenn wir im Augenblick noch keine Möglichkeit haben, den leidenden ausländischen Proletariern zu helfen, so mögen ihnen unsere Erfolge ein Unterpfand für die Zukunft sein."
Pieck wandte sich u- a. im weiteren Verlauf seiner Ansprache immer wieder mit besonderem Haß gegen das neue Deutschland und erging sich in diesem Zusammenhang in wilden Kriegsdrohungen. So verkündete er, daß das „Proletariat und der Kommunismus" nicht umhin können würden, einzugreifen, wenn der „deutsche Faschismus" einen Anschlag auf die nationale Unabhängigkeit und Einheit heute selbständiger kleiner Nationen Europas unternehmen sollte(!)
Der 7. Weltkongreß der kommunistischen Internationale liefert der ganzen Welt wieder einmal den schlagenden Beweis dafür, daß die politische Einstellung Sowjetrußlands unter keinen Umständen mit den Erundauffassungen der europäischen Staaten in eine Linie gebracht werden kqnn. Wenn trotzdem die französische Regierung noch .vor kurzem geglaubt hat, mit Sowjetrußland ein Militärbündnis abschließen zu sollen, ohne dabei auf die unüberbrückbare Kluft Rücksicht zu nehmen, die zwischen dem Bolschewismus und den anderen politischen Weltanschauungen besteht, so wird man in Paris und überall in der Welt aus den Reden, die jetzt in Moskau gehalten worden sind, abermals mit aller Deutlichkeit entnehmen müssen, daß diese äußere Annäherung,
die Moskau an einem anderen Staat vollzieht, nicht den geringsten Einfluß auf die grundsätzliche Haltung der Bolsche- wisten hat. Der Kongreß der Komintern hat sich selbst als den „Generalstab der Weltrevo- lution" bezeichnet und diese Parole ist in Moskau in Anwesenheit der gleichen politischen Persönlichkeiten ausgegeben worden, die zu anderer Zeit mit derselben Selbstverständlichkeit nach Genf fahren und sich dort aktiv an der Völkerbundspolitik beteiligen.
In Genf vertritt man (wenn auch nicht immer mit positivem Erfolg) das politische Programm des Friedens und der Achtung vor den Verträgen. In Moskau erklärt man hohnlächelnd, daß die Genfer Politik nichts anderes als ein „Geschwätz der Nichteinmischung" sei. In Moskau treten dieselben, die in Genf so gut den Redestil des internationalen parlamentarischen Getriebes gelernt haben, als unverhllllte Demagogen und Apostel der Weltrevolution auf. Wer diese Gegensätze noch auf einen Nenner zu bringen vermag, muß wahrhaftig ein politischer Tausendkünstler sein. So mag man sich vor allen Dingen in Paris wieder einmal die Frage vorlegen, mit wem man sich beim Ab- schluß des russisch-französischen Militärbündnisses an «inen Tisch gesetzt hat. In Deutschland und hoffentlich in recht vielen Ländern der Welt wird man aber aus den Verhandlungen des Moskauer Kongresses erneut eine Bestätigung dafür entnehmen, daß unsere Auffassung vom Wesen des bolschewistischen Staates und unsere Warnungen vor der Propaganda der bolschewistischen Weltrevolution nur allzu berechtigt gewesen sind.
Rudolf pausten
warum ist die L^rik wichtig?
Vor einigen Jahren hätte mein Aufsaß noch beweisen müssen, d aß die Lyrik wichtig ist, heute soll er zeigen, warum sie wichtig ist. Daran erkennen wir den Schritt vorwärts, der tatiächlich gemacht worden ist. Die Lyrik steht nicht mehr als Aschenputtel in der Schmutzecke, sie hat ihren Platz in der Thinghalle des Volkes zurückgewönnen. Verstummt sind alle eleginhen Klagen über den Tod der Lyrik, vergessen unzählige Aufsätze mit der Frage: stirbt die Lyrik? Niemand ist mehr der Meinung, daß nur das Drama und der Roman Daseinsberechtigung haben, obwohl es natürlich durchaus richtig ist, den jungen Dichtern W raten, sich nicht mit lyrischen Versuchen zu begnügen. Die wahren Lyriker bleiben deshalb dach hei dckr Lyrik. Und es ist nicht besser, wenn in Drama und Roman gepfuscht wird statt in der Lyrik, eher sogar schlimmer, sofern schlechte Lyrik Aussicht hat, 'im Verborgenen zu blühen und zu welken, während Romane, weil sie mehr „gefragt sind, selten ganz angelesen am Volke vorübergehen. Das schlechte Drama allerdings durfte heute mit einiger Sicherheit vom Erscheinen vor der Öffentlichkeit ausgeschlossen sein.
Immerhin wundern wir uns, wie schnell No- wane und Dramen überhaupt verschwinden, die vielleicht sogar eine Zeitlang hoch in Gunst standen. Was sind die Namen ganzer. Scharen von Dramatikern neben denen der größten Lyriker! Pergessen und versunken. Warum nur. List
nannten sie sich „Bühnendichter" ... ja, waren s nur Dichter gewesen! .. .
Da eben liegt es. E i n L y r l k e r d e r l a n , S - r leben ' will als einen Tag, muß,
!ch°n ein wirklicher Dichter >ein OK
braucht er dreißig Jahre, bis das Volk ihn erkennt und anerkennt. Ost wird er erst nach !-inem Dode entdeckt und heginnt dann erst jern eigentliches Leben, indem er wirkt. ,
, Dramatiker, die echte Dichter waren, leben auch heute noch, und wenn sie vor hundert Jahren
starben, wohingegen Bühnenschriftsteller, die vor fünf Jahren berühmt waren, heute schon unbekannt sind.
Kinder spielen oft Theater. Sie bewegen sich dramatisch mit Dolch und Gewehr, mit Hinterhalt und Lärm. Blechdonner und Trompeten; aber sie dichten nicht. Und warum nicht? Weil ihnen das Wort unwichtig ist, nur Pathos und Geste bedeutsam. Davon ist.vielen Dramatikern etwas geblieben. Auch sie. längst erwachsene und ernsthafte Leute, nehmen das Wort nicht wichtig genug. Wort-Kunst ist zwar eine nicht unbestritten gute Bezeichnung, sie steht nicht unbedingt richtig für Dichtung, aber in diesem Falle muß schon von Wort-Kunst gesprochen werden. Denn wirklich müßten die Dramatiker das Wort so auf die Goldwaage legen, wie das die Lyriker tun, seit die großen lyrischen Dichter der letzten Jahrzehnte sie dazu erzogen haben. Es würden nicht Tausende von gedruckten Dramen ungelesen in den Bibliotheken modern. nicht Tausende von ausgeführten aus dem Gedächtnis gerottet sein, wenn sie sich einer sorgfältigeren Sprache beflissen und also von der Lyrik etwas angenommen hätten.
Ein Drama kann im Augenblick starke Wirkung üben und ist doch schon zum Tode verurteilt, wenn es nicht auch ohne die Bühne leben kann. Das kann es aber nur, wenn es als Sprachkunstwerk sicher in sich selbst steht - . . - >
Es kann sein, dag nicht zuviel gefordert wird. jeder Dichter müsse neben und zu allem andern unbedingt ein guter Lyriker sein, wie gering dem Umfang nach sein lyrisches Werk auch bleibe. Er müsse ein vollkommenes dreistrophiges Esdickft schreiben können wer ein vollkommenes Drama wolle dichten können. Denn von vornherein ,e' das gedichtete Drama dem Umfang nach zu groß als daß der Anfänger den großen Rahmen ,o- ileich ohne Vorübung auf engstem Felde auszufüllen vermögen werde.
Wir proklamieren also die Lyrik als den Zuchtmeister unserer dichterischen Sprache. Es wäre ein Wahn, diesen Zuchtmeister für milde zu halten. Sieht denn nicht einem elenden Gedicht sogleich jeder durch die plundrigen Lappen? Wie viel eher nötigt ein mißlungenes Drama, ein minderwertiger Roman Achtung ab, allein-durch ihre Länge! Das überschaubare Gedicht aber legt vor dem kritischen Auge bloß. Der lyrische Dichter kann sich am wenigsten verstecken. Seine moralischen wie seine künstlerischen Qualitäten sind am schwersten zu tarnen. Ein langes, nichtssagendes Gedicht empfindet jedermann sogleich als zu lang, weil langweilig. Beim Drama und Roman ist der Umfang einigermaßen gleichbleibend. Ein fünfaktiges Drama imponiert also auf jeden Fall, weil auch Goethe Fünfaktiges geschaffen hat, ähnlich steht es mit dem Entwicklungsroman von sechshundert Seiten.
Daß die Lyrik leicht sei, gar die leichteste der dichterischen Formen, wird heute wohl so schnell niemand mehr behaupten. Sollte aber diese ehemals allgemeine Meinung noch irgendwo verbreitet sein, dann möge einmal umso schärfer be- tont werden, wie schwer es ist, kurz und zugleich bedeutend zu sein. Das lyrische Gedicht ist unrevidierbar, es kann auch nicht in dem Maße vom Leser oder Hörer revidiert werden wie das Drama oder der Roman, an denen die Fantasie und Interpretation des Aufnehmenden kräftig mitarbeitet, Fehlendes ergänzt, über Unnötiges hinweggleitend.
Die Lyrik ist im Grunde ohne Spannung. Im Roman und im Drama hilft das Moment der Spannung über leere Stellen hinweg. Das Gedicht aber ist entweder gut, dann ist es rund und ohne Spannung, oder es ist eben schlecht (von der Ballade ist hier abgesehen).
In einem guten Gedicht muß jedes Wort, jede Silbe am rechten Ort eingerammt stehen. Kaum je können wir uns in einem Mcistergedicht irgendein Wort durch ein anderes ersetzt denken, was bei Drama und Roman durchaus möglich ist. Es wird allerdings auch hier um so weniger möglich sein, je dauerhafter ein Werk ist. Doch liegen
schon die Kontroll- und Aufmerksamkeitsverhältnisse ganz anders, weil nur selten jemand einen Roman oder ein Drama „auswendig" kann. Das gute Gedicht aber trägt man mit sich und das setzt seine Unveränderlichkeit, seine Vollkommenheit voraus.
Karl Vurkert
Die
Der Vorhang ist zum letztenmal gefallen, unwiderruflich zum allerletztenmal. Die Beifallsstürme sind vertoft. Ein paar Hände, die noch nachklappen, kommen schon zu spät, erregen einige Verwunderung. Auch die Tränen gelten jetzt nicht mehr, werden, wo sie noch in einem Auge, an einer Wange glänzen, verlegen und eilig fortaewischt.
Schon sind die Türen geöffnet. Die weiche, würzige Luft der Aprilnacht wogt herein, spült das letzte Fetzlein Illusion hinweg und bringt die Menschen wieder zu sich selbst. Nun wissen sie, daß das alles nur ein Spiel war. Aber welch ein Spiel! Nein, „Kabale und Liebe" werden alle, die heute diese Premiere erlebt haben, nie und nimmer vergessen.
Und wer hätte sie nicht erlebt? Die ganze Residenz war heute auf den Beinen. Aber nicht nur das. Auch von Heidelberg, Worms, Speyer und Mainz war man, zu Roß und Wagen, nach Mannheim gekommen, und wenn auch die wenigsten eine Loge erhalten konnten, man war ja schon zufrieden und glücklich, wenn man nu> hineinkam.
Aber das ist jetzt vorbei. Noch eine kurze Weile blitzt und flirrt es von Degen unü Tressen, von seidenen Fräcken und bauschigen Kriolinen aus dem mondhellen Platz vor dem kleinen kurfürstlichen Theater, dann rollt eine Karosse nach der anderen davon, verlieren sich allmählich auch die Fußgänger, und dann wird es still
Aber es wird heute und morgen und in den folgenden Wochen noch viel von dieser Premiere gesprochen werden. Seit den .Räubern", bei denen es beinahe zu einem Skandal kam, bei denen man schluchzte, aujschrie, die Fäuste ballte und
Auch . das spricht für die Wichtigkeit der Lyrik. Kann jeder eine solche mit sich tragen, so könnte auch jeder durch die Wortkunst der Lyrik sprachlich erzogen werden, zur Sparsamkeit, zur Genauigkeit, zum eigentlichen Ausdruck, kurz: zur Kürze und damit zur Ehrfurcht vor dem Wort.
e Luise
in Ohnmacht sank, sich wie ein Irrenhaus gebär- dete, gilt „Kabale und Liebe" für die größte Sensation, die das Nationaltheater bis da gesehen hat. Die einen jubeln über die hohe, freie Gedankenwelt, die in diesem Stück emporflammt, die anderen schaudern vor dem Chaos, das es, nach ihrer Meinung, unabwendbar heraufbeschwören muß, und sie prophezeien den Untergang aller menschlichen und göttlichen Ordnungen.
Auch mit den Darstellern des heutigen Abends wird man sich noch lange begeistert beschäftigen. Man weiß, man kann sich sehen lassen mit diesem Ensemble. Die glänzendsten Namen, die die deutsche Bühne kennt, hat Herr von Dalberg, dieser weltberühmte Intendant, in seiner Truppe vereinigt. Die Frauen, wenn sie von Jffland sprechen, der diesmal die Rolle des Ferdinand hatte, bekommen ekstatische Augen. Und wenn die Männer an Mademoiselle Baumann und ihre Luise denken, diese erste Luise in „Kabale und Liebe", dann möchten sie am liebsten niederknien.
Nur von einem ist kaum einmal die Rede, von diesem jungen Theaterdichter. Was weiß man von die>em Herrn Schiller? Nicht viel. Und das wenige, was über ihn im Umlauf ist, das kann ihn schwerlich empfehlen.
Er sei ein daoongelaufener Regimentsmedikus, der dem Herrn von Dalberg binnen Jahresfrist, sur lumpige dreihundert Gulden, drei abendfüllende Stücke schreiben müsse, wolle er nicht mit Schimpf und Schande davongejagt werden. Er habe Schulden bis über den Haarbusch hinauf und wohne bei einer armen Beamtenwitws in einer kahlen, schimmligen Kammer. Er ist ein