Ausgabe 
(26.7.1935) Nr. 204
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parteiamtklageszeitung der Nationalsozialisten Bremens

Das flmtsblatt des Senats

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der Freien Hansestadt Bremen

Monatsbezug: RM. L.so einschl. M Rps. ZustcllungSgebichr: I .

NS.-Eauoerlag Weser-Ems G. m. v. H„ Bremen, Am Eeeren K—8 / Fernsprecher: Roland 825. l >

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Nr. 264 / 5. Zakrgang

srettag, 26. Juli

klnzelpreis 15 Npf.

Völkerbundsrat;um Z1. lull einberufen

kam für Wiederaufnahme des italienisch-abesfinischen Schiedsverfahrens / kngland verbietet Waffenausfuhr

vnse^ lagssspisgel

Der Bölkerbundsrat ist zum 31. Juli einbe- rufen worden.

Die englische Regierung hat beschlossen, die Waffenausfuhr nach Italien und Abessinien zu verbieten.

Italien erklärt sich in einer Note an Abessi­nien zur Wiederaufnahme des Schiedsver­fahrens bereit.

Der Newyorker Bürgermeister treibt vertrags­widrige deutschfeindliche Handelspolitik aus eigene Faust.

Der „Stahlhelm" ist jetzt auch im westlichen Mecklenburg ausgelöst worden.

Der Volksgerichtshof fällte gestern sein erstes Todesurteil.

Unter Mitwirkung des Reichsanleihe-Konsor- tiums werden neue Is^proz. Reichsbahn- und Reichspost-Schatzanweisungen herausgegeben. Die Aussichten für einen erfolgreichen Ver­lauf der Heringssangzeit sind äußerst günstig. Die Termine der Auszahlung von Spenden für die Bremer Unwetter-Geschädigten stehen jetzt fest.

Am Sonntag veranstaltet das Bremer NSKK. in Verbindung mit der Orsgruppe des DLB. eine Ballonverfolgungswettsahrt.

Im Juternatioualen Wasserballturnier wurde Deutschland von Schweden 5:3 besiegt. Niedersächsische Turner führten in Kopen­hagen eine gelungene Werbeveranstaltung durch.

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heimtückischer Kampf gegen die Sfl

München, 26. Juli.

Wie bereits gemeldet, hat sich in Vocholt ein Fall von Denkmalsschändung zugetragen, als de­ren Urheber die Staatspolizei Kommunisten und Zentrumsangehörige feststellte.

Die Oberste SA.-Führung teilt hierzu mit: In seiner Erklärung vom 7. Juli hat der Stabschef darauf hingewiesen, daß es kein Zufall ist, wenn gerade im Gebiet des Münsterlandes und West­falen systematische Angriffe gegen die SA. und die nationalsozialistische Bewegung vorgetragen werden. Und heute mutz hinzugefügt werben: Es ist kein Zufall, daß gerade SA.-Männer als Täter besonders bei Kirchenschändungen und Denkmals­beschädigungen angeprangert werden. Die Feinde des nationalsozialistischen Deutschland richten be­wußt ihre Angriffe gegen die SA., wie einst in der Zeit vor der Machtergreifung, da sie merken, datz auch heute noch die SA. der stärkst e Block und der Kerntrupp der nationalsozialistischen Be­wegung und ihrer Weltanschauung ist. Die SA. wird in unerbittlicher Folgerichtigkeit im Geiste ihrer toten Kameraden weitermarschieren und mit ihren Feinden niemals ein Kompromiß eingehen.

(vrabtbsriobt unserer Ssrlinsr Sobriktlsitung) llr. Berlin, 26. Juli

Wie vom französischen Autzenministerium mit­geteilt wird, ist der Bölkerbundsrat zur Behand­lung des italienisch-abessinischen Streitfalles auf den 31. Juli nach Gens einberufen worden.

Aus Rom liegen Meldungen eines internatio­nalen Nachrichtendienstes vor, nach denen die italienische Regierung bereits entschlossen sei, wegen der Differenzen, in die sie aus Anlaß des abessinischen Konflikts vor allem mit England ge­raten ist, ihren Austritt aus dem Völker­bund zu erklären. In Berliner politischen Kreisen ist man auf Grund zuverlässiger gegen­teiliger Informationen der Ansicht, daß diese Meldungen irreführend sind. Von italienischer Seite werden die Gerüchte auf das bestimmteste dementiert.

Italien ist im Gegenteil zur Wiederauf­nahme des Schiedsverfahrens geneigt, wie aus einem Telegramm der italienischen Re­

gierung an den Generalsekretär des Völkerbundes hervorgeht, in dem es heißt:

„Die italienische Regierung hat bereits am 14. Juli der abessinischen Regierung erklärt, datz sie noch immer zur Wiederaufnahme der Kom­missionsarbeiten bereit sei, allerdings unter der Bedingung, datz diese Arbeiten sich in den Gren­zen des Schiedskompromisses halten. Die italie­nische Regierung hat am 23. Juli der königlichen Gesandtschaft in Addis Abeba neuerdings tele­graphisch die Weisung zugehen lassen, diese Ab­sicht zu bestätigen und die abessinische Regierung in aller Form zu befrage», ob sie sich an die in dem Schiedskompromitz übernommenen Verpflich­tungen halten wolle."

Eine gewisse Entspannung im Verhältnis Rom —London ist dadurch eingetreten, datz die eng­lische Regierung nunmehr beschlossen hat, dis

Durch diese Hinweise mag der, der sich im Variete nur „amüsierte" oder wenigstens meinte, sich nur zu amüsieren, zu einem gehaltvollen Er­lebnis vordringen, und der, der das Variete als etwas Gehaltloses ablehnte, mag nun vielleicht seine Meinung ändern, wenn er aufhorcht und wenn er tiefer blickt. Aber unsere Hinweise sollen nicht etwa das Lachen aus dem Variets ver­scheuchen. Beileibe nicht. Ein todernstes Gesicht im Zuschauerraum wäre etwas Schreckliches. Eine Heiterkeit auf klugem, ernstem Grunde — das wäre wohl die goldene Mittelstraße, die wir finden müßten.

Das moderne Variets drängt darauf hin, die einzelnen „Nummern" aus der Starrheit, mit der sie früher vorgeführt wurden, zu erlösen: die Nummern werden gelockert, geglättet und zwar durch Musik, durch Mimik, durch ausgebildete tänzerische Eleganz, und vor allem und in allem durch Erfreulichkeit, durch Humor. Manche Ar­tistentruppen, die durchaus „seriös" arbeiten, haben einen Komiker bei sich, der im Kleide des Clowns zunächst täppisch, dann aber überlegen und könnerisch an ihren Nummern teilnimmt. Die Partnerin des Seiltänzers Collin verstellt sich als ungeschickte Seiltanzschülerin; freilich verlangen diese „Ungeschicklichkeiten" auf dem Seil, bei denen es immer um ein Haar zum Absturz kommt, in Wirklichkeit eine überragende Könnerschaft.

Eine neueste, aber nur erst schwach durch­dringende Bestrebung des Varietes geht dahin, die einzelnen „Nummern" des Programms nicht hart aufeinander folgen zu lasten, sondern sie zueinan­der in Beziehung zu setzen, so daß wo möglich ein Stück aus dem andern auf Grund seiner arti­stischen Eigenart oder in einer angedeuteten Hand­lung herauswächst. Ja, mit ganz guten Publi­kumserfolgen hat man schon sämtliche Nummern, die an einem VarietS-Abend zu zeigen waren, in eine komödien- oder operettenhafte Handlung eingebaut. So versucht man auch in die Gesamt­heit eines Variete-Ablaufs eine erfreuende ästhetische Form zu bringen, die den Zuschauer über ein rohes Amüsement hinaushebt.

Waffenausfuhr nach Abessinien bis auf weiteres zu verbieten. Allerdings soll auch die Waffen­ausfuhr nach Italien verboten werden.

In den Kriegsvorbereitungen sind sowohl auf italienischer wie auf abessinischer Seite keine Stockungen eingetreten. Italien hat in Alexandria 366 Ford-Lastkraftwagen mit Ersatzteilen gekauft. Der abessinische Gesandte in London ist weiterhin auf der Suche nach Kriegskrediten.

Die französische Regierung hat in einem Ministerrat die Haltung ihres Außen­ministers im abessinischen Streitfall gebilligt. Es soll auch in Zukunft die Freundschaft weder mit Italien noch mit England in Gefahr gebracht werden.

K

Jm Völkerbundssekretariat ist am Donnerstag auch eine Note der abessinischen Regierung einge­gangen, die die sofortige Einberufung des Völkerbundsrates im Wege des Dringlichkeits­verfahrens beantragt (Siehe auch Seite 2).

KirchenkUmpfe

Von

Dr. sVssltsr Bsstian

Es gibt in der Welt und unter ihren Völkern weit über 306 Bekenntnisarten in Form von Kirchen, Sekten und sonstigen religiö­sen Bestrebungen. Diese Unzahl gefühlsmäßiger und geistiger Einstellungen zu den letzten Fragen des Seins wird noch vermehrt durch die soge­nannten philosophischen Weltanschauungen und Weltbilder. Es liegt in der Natur des Menschen, sich irgendwie mit den übersinnlichen Dingen zu beschäftigen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und zu einem Standpunkt oder zu einem Glauben zu gelangen. Der eine nennt diese Art der Aus­einandersetzung philosophisch, der andere bezeich­net sie kirchlich und der nächste spricht von seiner religiösen Hingebung.

Man kann den Ablauf der Geschichte unter den verschiedensten Gesichtspunkten betrachten. Fichte erkannte, daß „Männer die Geschichte machen". Die Irrlehre des Marxismus brachte die soge­nannte materialistische Geschichtsauffassung. Hier­aus resultiert die Verherrlichung des Klassen- kampfgedankens, dem der Nationalsozialismus die Idee der Volksgemeinschaft siegreich entgegengesetzt. In den fernen Ländern des Orients spielten im Staatengetriebe Religions­stifter, wie Buddha und Mohammed, letzte ent­scheidende Rollen, wie freilich auch das Christen­tum und seine Offenbarungen nur zu häufig in Frontstellung zur Politik zu kommen trachteten.

Die gläubigen Untertanen der Kirchen und Religionsgemeinschaften haben bei solchen Ent­wicklungen und Ereignissen nicht immer ihr See­lenheil gefunden, sie sind vielmehr nur zu oft aus eine Bahn gelenkt worden, die statt in einen religiösen Frieden direkt in schwerste blu­tige Auseinandersetzungen geführt hat. Staatsmänner von Format haben immer eine Abneigung und nicht selten sogar einen Abscheu vor religiösen Kämpfen gehabt, weil solche Aus­einandersetzungen von fanatischem Geist erfüllt zu sein pflegen und ganze Staaten und Staaten­gruppen ins Chaos zu stürzen drohen. Die Schuld aber an solchen Entwicklungen haben nur selten die Staatsmänner, wohl aber überwiegend Kirchenfesten und Theologen auf ihr Konto zu buchen gehabt.

Freilich soll es auch Staaten gegeben haben und noch geben, die die religiöse Zersplitterung eines Landes geschickt auszunutzen verstehen, um ihre eigenen imperialistischen Zwecke und Ziele verfolgen zu können. Man komme aber nicht mit dem berühmten Satz, daß Politik die „Kunst des Möglichen" sei und daher jedes Mittel gerecht wäre, um bestimmte imperialistische Pläne zur Erfüllung zu bringen. Das ist eine gefährliche

„für 50 00l> Neichsmark in den Himmel"

Katholische Ordensschwester verspricht ostsriesrschem Volksgenossen für veihilse zu einem klosterbav ewige Seligkeit

Berlin, 26. Juli.

Der „Angriff" veröffentlicht in Photokopie ein Schreiben der katholischen Ordensschwester Alfonsa aus dem Hause der Bencdiktinerinnen in Kempen im Rheinland an einen Herrn Ollig WesseIs in Jdafehn in Ostfriesland. Das Schrei­ben besagt, daß die Pforten des Himmels sich ,>uch für ih:, mit Bestimmtheit öffnen werden, nenn er der katholische Kirche als Beihilfe für einen ge- planten Klosterbau in Hannover 56 660 tu, Verfügung stellt. Das Schreiben hat sollenden Wortlaut:

Kempen (Rheinland), 27. März 1635.

Sehr verehrter Herr Wesscls! Sie werden sich erinnern, wie ich etwa Mitte November bei Ihnen einen Besuch machte und wir uns bei einer Tasse Tee unterhalten haben. Ich freue mich sehr, daß Ihnen was daran liegt, in den Hmrn.el zu kommen. Nun hören Sie meinen Rat, meinen Vorschlag: Ich will alles aufbieten bei Tag und Nacht, mich ganz Hinopfern, damit Sie sicher hin­einkommen und hoch hineinkommen, aber unter oer einen Bedingung, daß S>e gleich 50606 RM. (fllnfzigtausend Mark) stiften für den Kirchen- und Klo st erbau in Hannover. Sie tun damit ein wahrhaft apostolisches Werk, denn dort ist für 1300 Katholiken noch in einem Tar.zsaal Gottesdienst, und das Kloster sRl ein Anb.'tungskloster werden für die ganze norddeut- sche Diaspora. „In Hannover müssen wir ein An­betungskloster haben", hat Bischof Bares selig ge­sagt. Der Herr Propst von Hannover, der die Zache

in der Hand hat, besteht darauf, daß ich 50 006 schaffe (!!! Die Schrift!.).

Und nun, mein Freund, seien Sie ein kluger Handelsmann, ein Held. Sie haben ja bei Ihrem Autounglück, von dem Sie mir erzählten, schon mal die Nähe der Ewigkeit gespürt, seien Sie ein heiliger Franziskus, der alles Irdische wie Kot erachtet im Vergleich mit dem Himmel! In den Himmel muß ich kommen, sür den Himmel ist mir nichts zu viel und zu schwer! Sie haben ein langes Weltleben hinter sich und können 'elbil nicht mehr viel für den Himmel tun. hier haben Sie Gelegenheit, durch eine einma­lige Stiftung von 50 000 Mark leicht in den Himmel zu kommen und durch die Gründung auch noch vielen anderen den Weg zum Himmel zu. bahnen. Sehen Sie, wenn Gott, der Herr, Ihnen einen Schiaganfall schickt und Sie plötzlich vor seinem Richterstuhl stehen, was nützt Ihnen all Ihr Geld dann? Schenken Sie es ihm aber zu Lebzeiten, so machen Sie gleich Ihren Richter zum Schuldner und der Heiland ist dankbar. Er läßt keinen Trunk kalten Wassers, aus Liebe gereicht, unbelohnt. Und ich verspreche Ihnen auch meine innigste Dankbarkeit im Leben und nach Ihrem Tode. — Ja, ich bin bereit, Sie in den Himmel zu lassen und selbst draußen zu bleiben, wenn es sein müßte, oder wenn ich schon vor Ihnen darin wäre, wieder herauszukommen und Sie zuerst hineinzulassen.

Nun also — ein größeres Anerbieten kann Ihnen nicht gemacht werden — seien Sie

klug!!! Schicken Sie darum das Geld bitte gleich nach Hannover, ich lege Ihnen ein fertig geschriebenes Postscheckkonto bei und schreiben Sie mir bitte auch gleich, damit ich Ihnen danken kann. Nun wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen alles Gute, Gottes Segen langes Leben, Gesund­heit, Frieden des Hörens und Hauses.

Mit liebem freundlichem Gruß!

Ihre in Gottes Liebe dankbare Sr. Alfonsa OSB.

Dieser Brief hat, wie der „Angriff" mit Recht betont, der katholischen Kirche einen schlechten Dienst geleistet. Was uns aus den übelsten Zeiten des Ablaßhandels von ekelhaftem Eeschacher um das Seelenheil der Gläubigen überliefert wird, ist hier übertroffen worden. „Der Lehre von der Wirkung der guten Werke", so schreibt das Ber­liner nationalsozialistische Vlatt weiter, „ist ein schallender Schlag versetzt worden mit der Forde­rung, „ein guter Handelsmann" zu sein und durch die „einmalige Gelegenheit" einer Stiftung von 50 000 Mark sich den göttlichen Richter zum Schuldner zu machen. Für 50 000 Mark opfert sich die barmherzige Schwester, die in so mensch­licher Weise ihren Glaubensbruder Wessels an sein nahes Ende und den möglichen Schlaganfall erinnert, gerne ganz hin!" Interessieren würde es auch uns, ob Herr Ollig Westels von diesem einmaligen vorteilhaften Angebot Gebrauch ge­macht hat.

2r. Johannes SLnther

Leistung und Lormwille im variets

man fragt: „Gehen Sie gern sins

dann werden die einen antworten, er'ständlich!" und die andern werden den chütteln. Wenn man weiter fragt: i?" dann werden die einen zugeben: ,ir uns im Variete prachtvoll amüsieren' andern werden, auf eigenes Drängen hm, machen: „Nein, wir haben nichts vom ; es mag sein, datz wir uns ein paar ^ lang ganz gut unterhalten, aber wenn stellung vorbei ist, dann gehen wir leer us."

ßlich sehen die einen und die andern am ichen des Varietes vorbei. L,as Wejent- rs menschlich Wertvolle der Artlsten- ist nämlich im Amüsement nicht er>chopjtz vielleicht gar nicht im Gebiete des Amu- !S ist so tief und so wichtig, daß man es s einen Ertrag mit nach Hause nehmen

sieht dem Artisten mit ernsteren Gedanken im man sich vergegenwärtigt, eme wie ;e Lehrzeit von Jugend an, wieviel schwere Seit in dem frappierenden Trick steckt, ein bevollss Leben ein Artist hat, der nach- und abends „arbeitet", jG wie es in i üblich ist, sogar auch noch vormittags n mutz, so daß im ganzen vier bis fünf ungen herauskommen, ein Uebermaß, aus siL ergibt. daß die Artisten, die, wie man neint, so herzlich weit herumkommen, ver- näßig sehr wenig von den Sehenswurdig- er Städte anschauen können. Es 'st viel- hon bekannt, muß aber nochmals betont daß der Artist in seinem Privatleben nicht mvagnnte Mensch ist, den maiiche m ihm m mögen: um seine kühnen Tricks aus^ zu können, um seine Kräfte ganz zur Ber- zu haben, mutz er maßvoll sein und sich m Zucht halten. Ich habe m so manche

Artistenfamilie hineingesehen und stand mit Ehr­furcht vor dem Biedersinn, der da herrschte, auch vor der lauteren Erziehung, die ihren Kindern zuteil wurde. Aber das sind Erwägungen, die wir von uns aus hinzubringen; jedoch das Wesentliche liegt unmittelbar in der artistischen Leistung, in der Vorführung des Tricks selbst.

Der Artist ist ein Sinnbild und hat, als Sinn­bild, jedem etwas zu sagen, der seinem Berufe hingegeben ist; er ist ein Sinnbild für jeden ernst erfaßten Beruf. Er muß ganz bei der Sachs sein. Denken wir an die Arbeit eines Lust-Akrobaten oder eines Jongleurs! Wie präzis müssen sie ar­beiten! Eine falsche Bewegung, nur eine irrende Zuckung — und ihre Tricks können fehlgehen: der Luftakrobat kann in die Tiefe stürzen und tot sein oder dem Jongleur können seine Teller, seine Kugeln zu Voden rollen und er wird ausgelacht und das würde für ihn ebensoviel bedeuten wie Totsein! Für den Artisten ist Persönlichkeit und Arbeit eins. Wir sollten uns ein Beispiel an ihm nehmen. Präzision ist alles.

Es mag sein, daß der Artist hier eine Einwen­dung macht, er wird strgern Auch die Artisten sind

nicht immer präzis. Der Artist ist kerne Majchine, kein Automat, er ist ein Mensch und er ist somit Schwankungen unterlegen. Kommt nun bei seiner Vorführung eine Modulation, eine Unebenheit, oder ein kleiner Fehler vor, dann muß er soviel Geistesgegenwart besitzen, daß er im weiteren Ver­lauf des Kunststücks— es handelt sich manchmal um Sekunden — die Unebenheit ausgleicht. Daraufhin müßen wir aber sagen: dieser schein­bare Mangel an Präzision bringt eigentlich wie­der nur-einen Beweis für die Präzision, für die unbedingte Bereitschaft der ganzen persönlichen Kraft' denn auch durch kleine Schwank'-ngen läßt sich der Artist nicht aus der Fassung bringen: auch dann setzt er noch sein Letztes dran. das Ziel zu vollenden.

Richard-Wagner-Lestwoche in Vetmold

von unserem Sonderberichterstatter fjans TNeseke

Die Detmolder Wagner-Festwoche, die das Schaffen des Meisters von Bayreüth in seiner Gesamtheit über alle Stufen der Entwicklung vorführt, ist bis zum Beginn der zweiten Lebens­hälfte Wagners und damit bis zum Höhepunkt seines Schaffens gekommen. Der künstlerische Leiter der Festwoche, Otto D aub e -Detmold, führt jeweils in Vortrügen die einzelnen Schaffensperioden vor, die dann durch Aus­führungen der Kernstücke aus den betreffenden Werken erläutert werden. Entsprach auch sein erster Vortrag über die Geschichte der Oper von den Florentiner-Renaissance-Musikern bis zu Wagner insofern nicht der heutigen Geschichts­auffassung, als hier die Vorläufer Wagners gleichsam als Ausbilder einzelner Elemente des Musikdramas bezeichnet und Wagner selbst als deren erlösender Vereiniger gesehen wurde — die Entstehung der Oper hat sich in Wirklichkeit viel weniger spekulativ vollzogen —, so konnte man seinen bisherigen weiteren Referaten ohne weiteres zustimmen, da diese den Meister von Bayreüth aus seinem musikgeschichtlichen Umkreis in der Gesamtheit seiner geistigen Erscheinung erfassen und erkennen So war das Referat am Montag „Das romantische Kunstwerk" bewußt auf jene Ausarbeitung der bezeichnenden Ziel­richtung „Verbindung zwischen Dichtkunst und Musik" bestrebt, der E. T. A. Hoffmann mit seinem Satz „Vollkommene Einheit des Textes und der Musik ist nur denkbar, wenn Dichter und Komponist ein und dieselbe Persönlichkeit ist" den Weg wies. So hat denn Wagner von seinem „Fliegenden Holländer" an seine Laufbahn als Dichter begonnen, und damit die des Verfertigers von Opernterten verlassen. Folgerichtig stand am Anfang der musikalischen Werkbeispiele die Senta-Ballade, von der der Meister sagt, er habe sie zu allererst in Vers und Musik ausgeführt und

mit ihr unbewußt den thematischen Kern zu ganzen Musik der Oper niedergelegt. Der All brachte fernerhin Teile aus dem Werk; i Steuermannslied und den Matrosenchor, i Spinnerinnenchor, Dalands Begrüßung, i Holländer-Monolog, die Szene Senta-Hollän und die Ouvertüre. AIs Solisten zeichneten vornehmlich die bekannte schwedische Wagn sängerin Nanny Larsen-Todsen und I, Correck durch charakteristischen Ausdruck , hervorragende Stimmittel aus. Das Reich orchester des Deutschen Luftspo, Verbandes unter Generalmusikdirektor Ruk Schulz-Dornburg bot achtbare Leistum in vollendeter Klangschönheit und Reinheit einzelnen Jnstrumentengruppen.

Der dritte Tag stand unter dem Leitmc „Kunst und Revolution", über das Otto Da, in einem wiederum einleitenden Vortrage spr und hier die Dresdener Jahre Wagners, in der denkwürdige Mai-Aufstand fiel, in ihrer i deutung für Leben und Schaffen Wagners k nachzeichnete. Naturgemäß waren auch Schriften Wagners aus dieser Zeit weitgehl berücksichtigt. Es folgte dann Musik aus „Loh grin", mit dem „die alte Opernwelt ein Ei nahm". Die Aufführungen waren wiederum du hohes Niveau ausgezeichnet, sowohl die Solis Herbert Alsen, Hilde Singen streu. I, Eorreck und Josef Ianko als auch die Eh des Schubertbundes-Detmold beftail durch Kultur und offenbar sorgfältig gepfleg Wagner-Stil. Der-vierte Tag wurde durch ei, ausführlichen Vortrag „Romantischer Pessim mus" eingeleitet, in dem Otto Daube tiefe E blicke in des Meisters Wesensart, in seine S sichten. Schriften und Lehren, seine Stellung Schopenhauer und die zu diesem Zeitpü hieraus sich folgernde Schaffensweise gab. T