Ausgabe 
(23.7.1935) Nr. 201
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parteiamtl.Iageszeitung der Nationalsozialisten Vremens

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Das flmtsblatt des Senats der Lreien Hansestadt Vremen

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Nr. 201 / 5. Jahrgang

Dienstag, 25. Juli

kinzelpreis 15 Npf.

Uniformverbot für konfessionelle lugend

Sie Staatsfüstrung stestt dem gefährlichen Ireiben katholischer lugendorganisationen nicht mehr länger;u

Berlin. 23. Juli.

In der letzten Zeit hat in steigendem Matze beobachtet werden müssen, datz die konfessionellen Verbände, insbesondere die katholischen Jugendverbände, die Grenzen, die ihrer Betätigung durch die politische Entwicklung ge­zogen worden sind, überschreiten und auf Gebieten eine rege Tätigkeit entfalten, die heute alleinderHitler-Jugend als der vom Staat anerkannten Jugendorganisation vorbehalten sind. Die Staatsführung kann diesem Treiben» welches nachgerade eine allgemeine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung herbeigeführt hat, nicht länger zusehen. Der Reichs- und preutzische Minister des Innern hat deshalb mit Erlatz vom 23. Juli die Landesregierungen angewiesen, den kon­fessionellen Iugendverbänden das Tragen von Uniformen oder uniformähnlicher Kleidung sowie das geschlossene öffentliche Auftreten mit Wimpel und Fahnen, ferner das Tragen von Abzeichen und das Tragen einer einheitlichen Kluft als Ersatz der Uniformierung sowie jede geländesportliche Betätigung zu verbieten.

kngland will in Nom vermitteln

Vor abesflnische Desanbte in London auf der Suche nach Seld / „klnliellsfronl der Schwarzen"

Unser lagesspiegvl

Der Reichsinnenminister hat ein Uniform- verbot für konfessionelle Jugendverbände er­lassen.

Eine Anordnung des Regierungspräsidenten von Osnabrück stellt die ordnungsmäßige Be- slaggung alle, Kirchen sicher.

In einem fünften Verfahren wegen der De- visenschiebungen Ordensgeistlicher wurden wieder Zuchthausstrafen verhängt.

Das englische Kabinett hat sich im italienisch- abessinischen Streitfall für Vermittlung in - Rom entschieden.

Die Angelegenheiten der Holzwirtschaft sowie des Wildbrethandels und der Ein- und Aus­fuhr von lebendem Wild sind auf das Reichs­forstamt übergegangen.

Das polnische Finanzministerium bestätigt die Ausschaltung der Danziger Zollverwaltung für die polnische Einfuhr.

Die neue Straßenbahn-Betriebsordnung für Bremen ist in Kraft getreten.

Unsere Bremer Hitlerjungen kehren heute um 12.89 Uhr von Bad Essen zurück

Im Rahmen des 16. Rhön-Segelslugwettbe- werbs konnte L. Hofsmann mit fast 599 Kilo- meter einen neuen Streckenweltrekord auf­stellen.

Bei einem Bootsunglück bei Allenstein kamen 11 Personen ums Leben.

nlle Kirchen muffen flaggen

Osnabrück, 23. Juli.

Der Regierungspräsident von Osnabrück gibt bekannt:

„Der selbstverständlichen Pflicht der Beflaggung der Kirchen und kirchlichen Gebäude an den Feier- und Gedenktagen des nationalsozialistischen Staates glaubt sich immer noch ein Teil der Geist­lichen entziehen zu können. Sogar die Aufforde­rung der Regierung zum Hissen der Trauerfahnen am Tage der Beisetzung der Opfer des Reins- dorfer Unglücks ist von zahlreichen Pfar­rern nicht befolgt worden. Sie haben sich damit offenkundig außerhalb der Volksgemein­schaft gestellt. Ihr Verhalten ist außerdem ge­eignet, Ruhe und Ordnung zu gefährden.

Nachdem ich wiederholt auf die maßgeblichen kirchlichen Stellen dahin gewirkt habe, für eine ordnungsmäßige Beflaggung der Kirchen und kirchlichen Gebäude zu sorgen, diese Stellen Ich aber zur Durchführung des Flaggengebotes außer­stande gezeigt haben, werde ich nunmehr in Zu­kunft gegen jeden einzelnen Pfarrer, der den ent­sprechenden Anordnungen zuwiderhandelt, die Machtmittel des Staates zur Anwendung bringen."

London, 23. Juli.

Das britische Kabinett befaßte sich am Montag mit der abessinischen Frage. Es verlautet, daß Großbritannien seine Bemühungen, aus diplomati­schem Wege eine Lösung zu erzielen, fortsetzen werde und zwar über die Botschaften in Rom und Paris. Man scheint sich entschlossen zu haben, die beiden streitenden Parteien zu bewegen, ihren Standpunkt vor dem Völkerbund auseinanderzu­setzen, um dann weiter zu sehen, was geschehen könne.

In Pariser diplomatischen Kreisen hat man nach der Entscheidung Londons, die dem Minister- Präsidenten Laval durch den britischen Botschafter zur Kenntnis gebracht wurde, den Eindruck einer außerordentlichen Verschärfung der Lage. Der französische Ministerrat wird heute zu­sammentreten und sich vor allem mit der außen­politischen Lage beschäftigen.

Es verlautet, daß heute der Generalsekretär des Völkerbundes, Avenol, in Paris eintreffen wird, um mit der französischen Regierung über die Einberufung des Völkerbundsrates Rücksprache zu nehmen.

Gut unterrichtete Kreise glaube«, daß der Völkerbundsrat am 39. Juli zusammentreten werde.

Die englische Zeitung „Daily Expreß" meldet, der neue abessinische Gesandte in London habe in einer Unterredung erklärt: Ich bin nach London gekommen, um eine Anleihe von zwei Millionen Pfund Sterling für Abessinien aufzunehmen. Wir haben Seld bitter nötig, nicht nur für einen Krieg, sondern auch, um die ausgedehnten Bodenschätze unseres Landes zu entwickeln.

Der Gesandte erklärte, wenn die Verhandlungen mit britischen Finanzleuten fehlschlagen wurden,

so hoffe er, mit dem amerikanischen Bankier Morgan zusammenzutreffen, der gegenwärtig in England weile, um über eine Anleihe zu ver­handeln. Ferner habe er zwei weitere Aufträge, nämlich die britische Regierung zu veranlassen, Abessiniens Sache zu unterstützen und seinen Ein­fluß zu gebrauchen, damit der Völkerbund Sanktionen zur Anwendung bringe, wie z. V. die Schließung des Suezkanals. Ferner wolle er sich dafür einsetzen, daß die britische Regierung das Ausfuhrverbot für Waffen auf­hebe.

Auf die Frage, ob Abessinien für einen bal­digen Krieg vorbereitet sei, habe der

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Gesandte gesagt, Abessinien habe bereits große Mengen von Munition in den Befestigungen von Addis-Abeba, ferner Maschinengewehre, Lewis- Eeschütze, Haubitzen, ein Paar Feldgeschütze von großer Schußweite und Luftabwehrgeschütze. Die Truppen des Kaisers seien mit modernen Ge­wehren ausgerüstet, aber auch die irreguläre Armee habe zuverlässige Feuerwaffen. Die Abes- sinier legten mehr Wert auf ihre Gewehre als auf andere moderne Waffen. Tanks können in Abessiniep wegen der Struktur des Landes nicht zur Anwendung gebracht werden. Die einzige Gefahr drohe aus der Lust. Aber dem Feinde werde es an Zielen fehlen. D«l Gebrauch von Giftgas betrachteten die Abessinier als niedrigste Form der Barbarei.

Der Sonderkorrespondent der „Times" in Ad­dis-Abeba berichtet, in allen patriotischen Reden werde dort immer größeres Gewicht auf die Einigkeit der christlichen und der mohammeda­nischen Abessinier gelegt. Zum ersten Male habe man Aeußerungen über gemeinsamen Widerstand der schwarzen Raste gegen den Angriff der weißen Raste gehört. Zum Beispiel sei erklärt worden, „unsere Hautfarbe ist unsere Fahne" oder „wir Schwarzen müssen zusammenhalten".

> (Siehe auch Seite 2)

Neue Todesopfer in velfast

London, 23. Juli

In Belfast kam es erneut zu Schießereien, bet denen ein Protestant so schwer verletzt wurde, daß er auf dem Wege zum Krankenhaus verstarb. Ein Katholik wurde bei Nacht von einigen Män­nern in seiner Wohnung überfallen und durch Schüsse schwer verletzt. Die Unruhen haben sich auch auf den Freistaat ausgedehnt. In Elones (Grafschaft Monaghan) wurden drei protestan­tische Eebetshallen eingeäschert. Die Fenster der Häuser von Protestanten wurden durch Stein­würfe zertrümmert.

stetze in Vanzis

Von

stV. tlbslw 2ar. slrs

Eine zahlenmäßig schwache Opposition, deren Front von den Kommunisten bis zu den Monarch! st en reicht, setzt in Danzig alle Hebel in Bewegung, um die nationalsozialistische Staats­führung in ihrem schwierigen Werk zu behindern und die Sicherheit des Staatslebens zu unterwüh­len. Bezeichnenderweise sind der aktivere Teil die- ser Gesinnungsgenossen nicht die marxistischen Ge­nossen, als vielmehr der Restklüngel der einstmals einflußreichen politischen Kreise aus den Reihen der zusammengekrachten bürgerlichen Par­teien.

Die charakterlich^ Gesinnung dieser Herren kommt dadurch zum Ausdruck, daß sie schon einmal freiwillig unter dem Erdboden verschwunden wa­ren. Sie selbst haben damals unter dem Eindruck des großen Sieges der N--DAP. in Danzig trotz der Freizügigkeit der Danziger Verfassung die Be­rechtigung des nationalsozialisti- schen Anspruchs anerkannt. Jetzt, erst nach dem Eintritt schwieriger wirtschaftlicher Ver­hältnisse, entlarven sie sich als das, was sie immer waren: Kloingeistige Sonderlinge,

denen die Nation und der Kampf um die Heimat nichts ist, ihre persönliche Eitelkeit aber alles.

Sie haben nichts empfunden von den historischen Werten aller Vorgänge, die das deutsche Volk und damit auch Danzig berühren. Aus Verärgerung und falschem Ehrgeiz begeben sie sich in eine geistige Emigration und bstätigen sich als Feinde des Reiches. Ihre Verbindungen und ihre gedank- lichen Beziehungen reichen zu allen europäischen Zentralen, wo Feindschaft gegen Deutschland orga­nisiert wird. Unter diesem Einfluß steht ihre ge­samte Haltung zu allen Danziger Fragen, und selbst wenn es um das Schicksal des deutschen Dan­zig geht, verleugnen sie das sonst so starke Betonen ihrer Herkunft aus dem nationalen Lager und sind dort zu finden, wo internationale, marxistische und jüdische Kräfte gegen Adolf Hitler und das natio­nalsozialistische Deutschland schüren. Es ist beschä­mend, in welcher Weise sich national nennende und damit dieses Wort schändende Politiker verrannt haben.

Einige Beispiele, die nur kleine Ausschnitte aus dem betrüblichen Bild des innerpolitischen Kampfes sind, sollen aufzeigen, daß ein Unter» schiedzwischenMarxistenundDeutsch- nationalen in Danzig nicht besteht.

Das persönliche Recht auf RassenlMiene

Line Unterredung mit Professor Dr. Zischer, Berlin

Unmittelbar nach dem Erlaß des Reichs- und Preußischen Ministers des Innern — dem Treiben gegen das Gesetz zur Ver­hinderung erbkranken Nachwuchses ist Einhalt zu gebieten! - hatte un,er Mitarbeiter eine Unterredung mit dem Direktor des Kaiser-Wilhelm-Lnstituts für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik. Professor Dr. Fischer-Berlin. Die kurzen Ausführungen, die Professor Fischer über die Arbeit der Rasten- Hhgiene gab sind deshalb besonders interessant, weil Professor Fischer auch der Präsident des am 28. August 1935 in Berlin beginnenden inter­nationalen Kongresses für Bevölkerungswisten- schaft ist.

Wir arbeiten, so führte Profestor 8i!^ru m aus, an einer positiven und einer "Dativen Rastenhygiene. Und wie das häufig ist, kennt die breite Öffentlichkeit das Gebiet der soge­nannten negativen Arbeit besser und spricht viel mehr davon. Es ist nämlich die Aufgabe alle Menschen, deren Fortpflanzung d. .--Nachkom­menschaft für das Gesamtvolk ungünstig wäre von der Fortpflanzung abzuhalten. Also, es handelt sich um die wissenschaftltche Un - tersuchung für das Ge, etz zur Ver­hinderung erbkranken Nachwuchses. Das ist allerdings nur einerderEruno. Nedanken ist dem gesamten Geb et der für Erb- und Rastenhygiene notwendigen Ge,etz-

^Den^von gewisten Seiten immer wieder ge­hörten Einwand, eine Sterilisation verstoge Segen den Willen Gottes halten wir nicht für stichhaltig. Der Arzt sagt sich. rch muß die Blinddarmoperation be dem Pa­tienten vornehmen, obwohl ich nicht ES, ob Gott den Menschen sterben lasten will Ich muß auf jeden Fall versuchen, ihn zu retten hat mir die Fähigkeit dazu gegeben. Wie

Einzeldasein, so soll es auch im Volksleben sein: Die Führung hat die Pflicht, dem Volk zu helfen, es vor Verderben zu bewahren. Daran hat jeder Beauftragte des Staates sein größtes Können zu setzen. In dieser sittlichen lleberlegung findet unsere Arbeit für diese Art Gesetze ihre größte Stütze. Wir glau­ben, daß es gegen die Naturgesetze ver­stieße, wenn es sich der Staat zur Aufgabe machte, Krankes und Minderwertiges zu fördern, statt es auszumerzen. Wir glau­ben, daß es zu den wichtigsten Dingen gehört, wenn sich ein Volk nur erbgesund vermehrt.

Der sogenannten negativen Aufgabe der Rastenhygiene steht nun' das außerordentliche Gebiet der positiven gegenüber. Es ist die F ö r - derung der erbgesunden Familie. Eine Arbeit, die eigentlich viel zu wenig Be­achtung findet, denn sie hat schließlich die grund­legendste Bedeutung für ein Volk. Mit Hilfe der wissenschaftlichen Erkenntnisse der Rastenhygiene schafft der Staat seine entsprechende Gesetz­gebung. Eine der Auswirkungen, die jeder Volks­genosse spürt, ist die Steuergesetzge­bung: Die Besteuerung der Jung­gesellen, der Kinderlosen, der Aus­gleich der Familienlasten, die Ein­stellung der gesamten Steuergesetzgebung auf die Familie mit Kindern, nicht auf das Einzel­individuum, dann aber auch Ermäßigungen für Kinderreiche z. B. auf der Eisenbahn, Schulgeld­nachlaß für zahlreiche Geschwister usw. — alles Einzelbeispiele für die Arbeit des Staates, die von Rastenhygiene wissenschaftlich vorgearbeitet wurde.

Da nun eben jeder — ganz gleich ob Arbeiter an der Autobahn, Handwerker an der Hobelbank, Profestor an der Hochschule, Wachtmeister oder Kaufmann — durch diese Gesetzgebung gewisser­maßen an seinem eigenen Geldbeutel getroffen

Von kjans §ranck

löedichte für „Damen "

wird, kann er auch verlangen, daß sich seine Re­gierung darum kümmert, ob sich der Staat — erbbiologisch gesehen — in Gefahr befindet. Es kann dem Volksgenossen nicht gleichgültig sein, wieviel Todesfälle und wieviel Geburten in sei­nem Volke in einem bestimmten Zeitraum ge­zählt werden, für wieviel Menschen, die nicht arbeiten können, er schaffen muß. Erkann ver­langen, daß der Staat, soweit es in Menschen­hand gegeben ist, dafür sorgt, daß keine erb­kranken, sondern nur gesunde und ar­beitsfähige Menschen g e b o r e n werden.

Um über alle diese Fragen Erfahrungen aus­zutauschen, Anregungen zur Förderung der Rassen­hygiene zu empfangen darum treffen sich die Be- völkerungswissenschaftler der verschiedenen Länder und erörtern die schwebenden Probleme. Vevöl- kerungswissenschaftliche Kongresse haben schon häufig stattgefunden: In Rom, in Brüssel, in London, in Paris, und stets haben die Teilnehmer neue Erkenntnisse in die Heimat mit­genommen.

Es ist für uns Deutsche aber eine besondere Freude, daß der diesjährige Kongreß in Deutsch­land angesetzt ist. Unsere Freunde im Ausland werden bei dieser Gelegenheit feststellen können, wie jeder einzelne im Dritten Reich frei und un­gehemmt arbeiten kann und wie unsere Regierung besonders bemüht ist, die Erkenntnisse der Wissen­schaft für ihre politischen Maßnahmen in rich­tiger Weise zu verwerten.

Lin TNusiksest wird abgeblasen

Der Karlsbader Stadtrat hat das Internationale Musikfest, dessen An­fang auf den 2. September gesetzt worden war, abgesagt. Trotz aller Einschränkungen hätten die Unkosten dieses Festes immerhin noch 129 900 Kronen betragen. Bei der schwierigen Finanzlage der Karlsbader Stadtgemeinde wäre dieser Betrag nicht auszutreiben gewesen, beson­ders. da die Ansuchen des Kurortes bei staat­lichen Stellen um Subventionen und andere Un­terstützungen des Festes, so beispielsweise Be­willigung eines ermäßigten Fahrpreises für Kon­greßteilnehmer auf den Staatsbahnen, abgelehnt worden sind.

Randbemerkungen zum „Almanach der Dame" — 50 ausgewählte Gedichte, Proph- läen-Vsrlag, Berlin. Der bekannte nieder­deutsche Dichter setzt sich hier in erfreu­licher Schärft mit dem kürzlichen Preis­ausschreiben des Ullstein-Berlages aus­einander.

Der erste Satz des Geleitwortes, das der unge­nannte (oder: die ungenannten) Herausgeber die­sem Almanach mit auf den Weg gibt (bezüglich: geben), lautet: „Die hier vorgelegte Sammlung bisher unveröffentlichter lyrischer Gedichte aus unserer Zeit will und soll nicht als eine Antho­logie verstanden werden, deren Aufgabe es wäre, einen Querschnitt durch die gesamte'deutscheLyrik unserer Tage zu vermitteln." Aber wenn man aus 15 990 Einsendungen anläßlich eines Preis­ausschreibens 50 Gedichte auswählt und diese ge­ringe Anzahl lyrischer Gebilde in einem gefällig ausgestatteten Bündchen öffentlich vorlegt, dann erhebt man damit einen Anspruch auf Gültigkeit und Bedeutung der geleisteten Arbeit, ganz gleich, ob man es nun zugibt oder nicht. So lautet denn der letzte Satz des Geleitwortes auch völlig anders als der erste, in mancher Hinsicht geradezu ent­gegengesetzt. Es heißt da nämlich, die Schriftlei­tung der „Dame", die das erwähnte Preisaus­schreiben veranstaltete, wolle „gleichsam ein lite- rarisches Programm umreißend., ihrem Glauben an die immer jungen, unversiegbaren Seelen- kräfte des deutschen Menschen lebendigen Aus­druck" geben. Im Hinblick auf dieses Wollen ist aber zu sagen, daß das mit dem Almanach der Dame vorgelegte Ergebnis der Auswahl aus 15 009 Gedichten beschämend ist, um nicht zu sagen kläglich. Stände es so um die deutsche Lyrik, um die Kunst der Jungen und der Gereiften, wie man nach diesem Almanach vermuten könnte, es wäre traurig um sie bestellt. Aber es steht anders um sie, völlig anders. Von den lebendigen Kräf­

ten, den neuen und den bewährten, die für die Wiedererstehung unserer Lyrik in den letzten Jahren bereits Bedeutsames geleistet haben und, wenn nicht alle Zeichen trügen, während der aller­nächsten Zeit in noch höherem Maße leisten wer­den, ist in diesem Almanach fast nichts zu ver­spüren. Es fehlen nahezu alle ent­scheidenden Namen. Dafür aber macht sich eine Mittelmäßigkeit, ja ein Dilettantismus breit, daß man auf das schmerzlichste bedauert, ein wie großer Aufwand hier vertan wurde. Haben die Preisrichter versagt, unter denen sich Namen wie Blunck, Vinding, Ricarda Huch befinden? Wohl kaum. Wahrscheinlich ist, daß sie von den 15 000 — fllnfzehntausend — Gedichten, die eingereicht wurden, nur einen bescheidenen Bruchteil zu Ge­sicht bekamen, und daß schon bei der Vorsichtung viele der stärksten, zeitnahesten Arbeiten ausge­schieden wurden. Wie dem aber auch sei, so viel ist gewiß: Bei diesem Almanach handelt es sich, infolge der Haltung und des bescheidenen Wer­tes der meisten aufgenommenen Gedichte, nicht um eine Angelegenheit unseres Volkes, nicht ein­mal um eine Angelegenheit der deutschen Frau, sondern um ein Verlagserzeugnis für die „Dame", also für eine Eesellschaftsschicht, die mehr und mehr im Schwinden ist und über kurz oder lang vermutlich ganz aussterben wird.

lonkünstierfest 19Z6 in Weimar

Das Tonkünstlerfest des Allgemei­nen Deutschen Musikvereins wird im nächsten Jahre wahrscheinlich in Weimar ab­gehalten werden. Die finanziellen Grundlagen sind schon gesichert. Im nächsten Jahre werden 75 Jahre seit der Gründung des Vereins durch Liszt in Weimar verflossen sein.