Ausgabe 
(20.7.1935) Nr. 198
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Das flmtsblatt des Senats

NationalsozialistenVremens

der Lreien Hansestadt Bremen

RS-Eauverla- W-ker^m-, K « ^-tnebMorungen begründen keinen Anspruch aus Erstattung oder Ersatz. I

NS-wauvertag We,er-Ems E. m. v. H.. Bremen. Am Eeeren S8 , Fernsprecher: Roland 625. j

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Nr. 1SS / r. Jahrgang

Sonnabend, ro. Juli

kinzelpreis 15 Kpf.

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Sfl., poliiei und Verwaltung geschlossen gegen Neaktion, bolschewistische Zersetzung und jüdische flnmaßung

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Der Polizeipräsident von Berlin, v. Levetzow, ist zurückgetreten.

: In Schlesien wurde der NSDFB. (Stahl­

helm) ausgelöst; in Thüringen muhte» Stahlhelmführer einem Konzentrationslager zugeführt werden

Die britischen Frontkämpfer waren gestern in Hohenlychen Gäste des Stellvertreters des Führers

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In Athen ist es wegen der Frage der griechi­schen Staatssorm zu einer Regierungskrise gekommen

Japan will im italienisch-abessinischen Kon­flikt streng neutral bleiben.

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In Alton« wurde die Verbrecherbande Schwarze Hand" unschädlich gemacht

In der vergangenen Woche wurden in Bre­men 3338 Verkehrssünder festgestellt und be- , straft

Die Hitler-Jugend ruft für morgen zur Fahrt zum Bookholzberg auf.

Das 1. Gaufest des DRsL. in Bremen ge­staltete sich zu einem wahre» Volksfest der Hansestadt

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britische Frontkämpfer bei ließ

Berlin, 20. Juli,

. Am Freitagnachmittag folgten diebritischen Frontkämpfer Major Fetherstone-Godley- Ealonel Croßfield, Colonel Murray und Sergeant- Major Tlive einer Einladung des Stellvertreters des Führers Rudolf Heß, die klinische Abtei­lung für Sport- und Arbeitsschäden der Heil­anstalt Hohenlychen zu besichtigen und dort die Methoden kennenzulernen, mit denen durch Arbeits- und Sportschäden Verletzte und Körperbehinderte körperlich wiederhergestellt und für ihren Beruf seelisch wieder vorbereitet werden.

Der Chefarzt Dr. Karl Eebhardt. nach dessen Idee die Hohenlychener Heilanstalt ent­sprechet ihren neuen Ausgaben umgestaltet wor­den ist. erläuterte den englischen Gästen die An­lage und Arbeit in den Heilanstalten. Die eng­lischen Taste, unter denen sich auch kriegsverletzte Frontsoldaten befinden, hatten sichtliches Interesse, besonders an den sportlichen Vorführungen, die Patienten der Heilanstalt zeigten.

Nach der Inständigen Besichtigung des großen nationalsozialistischen medizinischen Lagers ver­einigte eine längere Motorbootfahrt auf den märkischen Seen den Stellvertreter des Füh­rers mit seinen Gästen.

Berlin, 28. Juli.

Der Polizeipräsident von Berlin, Konteradmiral a. D. von Levetzow, hat den Reichs- und preußischen Minister des Innern Dr. Frick um Enthebung von seinem Amt gebeten. Dr. Frick hat bis zur endgültigen Genehmigung durch den Führer und Reichskanzler den Polizeipräsidenten von seinen Dienstgeschästen entbunden und mit ihrer vorläufigen Wahrnehmung mit sofortiger Wirkung den Polizeipräsidenten von Potsdam, SA.-Gruppensührer Graf Helldorf, betraut.

In Verfolg dieser Neuernennung fand Freitag mittag eine Besprechung statt, an der mit Reichs­minister Gauleiter Dr. Goebbels, der Staats­kommissar der Hauptstadt Berlin, Dr. Lippert, Generalleutnant der Landespolizei, Daluege, der stellvertretende Gauleiter . Eörlitz.er, Polizeipräsident SA.-Gruppensührer Hell darf und SA.-Gruppensührer Uhland teilnahmen.

In dieser Besprechung wurden die Richtlinien festgelegt, nach denen in Zukunft in planvoller Zusammenarbeit zwischen politischer Eauleitung, SA.-Führung, Polizei und Stadtverwaltung der Kampf um die Säuberung der Reichshauptstadt von kommunistischen Zersetzungsversnchen, reak­tionären Treibereien und bolschewistisch-jüdischer Anmahung weitergeführt werden soll. Die Be­sprechung ergab eine vollkommene Ueberein­stimmung, die die Gewähr bieten wird, dah auch in Zukunft der Charakter der Reichshauptstadt als einer durch die NSDAP. eroberten deutschen und nationalsozialistischen Stadt, dir dieses Reiches und Volkes würdig ist, in vollem Umfange gewahrt bleibt. Partei, Polizei und Verwaltung werden es als ihre Ehrenpflicht ansehen, in ein­trächtigem Zusammenwirken diesem grohen Ziele zu dienen.

Der mit der vorläufigen Wahrnehmung der Dienstgeschäfte des Berliner Polizeipräsidenten beauftragte Polizeipräsident von Potsdam. SA.- Gruppensührer Graf Helldorf, wurde 1896 in Merseburg geboren. Im Kriege ging er als Fahnenjunker im Hnsarenregiment Nr. 12 ins

Breslau, 20. Juli.

Die Staatspolizeistelle für den Regierungs­bezirk B r e s I a u teilt mit:Aus Grund des Paragraphen 1 der Verordnung des Reichspräsi­denten zum Schutze von Staat und Volk vom 28. Februar 1833 ist durch Erlab des Geheimen Staatspolizeiamtes vom 19. Juli 1935 der Nationalsozialistische Deutsche Frontkämpferbund (Stahlhelm) in seinen sämtlichen Gliederungen für den Bereich der Regierungsbezirke Breslau, Liegnitz und Oppeln mit sofortiger Wirkung auf-

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Feld und wurde in ViöseM Megjxnent 19.15. zum Psutnant befärdept. Mach .der Revolution /nahm er. seinen Abschied und war danach von 1928 an. im landwirtschaftlichen Beruf tätig. Er schlotz sich' der NSDAPl än und wurde 1925 von dieser in den preußischen Landtag gewählt. Von 1921 bis 1928 war er als Landwirt und Ritterguts­besitzer tätig und wurde dann 1931 SA.-FUHrer von Berlin-Brandenburg. In dieser Eigenschaft würde er Ende 1931 von dem marxistisch einge­stellten Schöffengericht wegen angeblichen Land­friedensbruchs zu sechs Monaten Gefängnis ver-

zulösen. Das Vermöge» der aufgelösten Gliede­rungen wird beschlagnahmt."

Weimar, 20. Juli.

Der thüringische Minister des In­nern teilt mit: Auf Grund verschiedener Hand­lungen und Mahnahmen, die sich gegen die Auto­rität des Staates richten, und wegen Verbreitung unwahrer Behauptungen, die geeignet sind, die Haltung des Staates in der Oeffentlichkeit in Mihkredi. zu bringen, sowie wegen Verächtlich­machung einzelner Parteigliederungen muhten mehrere führende Persönlichkeiten des NSDFB.

urteilt, im Berufungsverfahren vor dem Land­gericht.jedoch wieder freigesprochen. Am 25. März 1933 wurde er zum Polizeipräsidenten von Pots­dam ernannt.

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Wie wir aus Berlin erfahren, bietet die Ueber­nahme der Dienstgeschäfte des Polizeipräsidenten durch den Gruppenführer Graf Helldorf und die Zusammenarbeit zwischen Partei und Polizeiverwaltung volle Gewähr, daß.die'.Voxkommnisse der letzten Tage sich nicht wiederholen werden. Von jetzt ab wird Berlin wieder das Gesicht, das ihr als der ersten Stadt des Reiches zusteht, tragen.

Nicht nur die kommunistisch-jüdischen Zer­setzungsversuche werden ein rühmloses Ende fin­den, nicht nur die Wiederholung ähnlicher Vor­fälle wird ausgeschlossen bleiben, die Straßen der Stadt und ihre Gaststätten werden wieder ein Aussehen tragen, das einem Staat, in dem das Rasseprinzip herrscht, angemessen ist.

Man kann dem BerlinerAngriff" nur aus vollem Herzen zustimmen, wenn er schreibt:Die Frage der Geduld und der Großmut eines Staa­tes, der sich seiner Macht sicher fühlt, ist mit dem heutigen Tage abgeschlossen. Die Besprechung, welche heute stattgefunden hat, zeigt eindeutig, in welcher Linie die. Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Stellen vor sich gehen wird. Die Reichshauptstadt wird m i t s if e r n e r >F a u st 'von allen den Elementen: gesäubert, die in An­maßung und > Zersetzung wieder einmal ihren Au­genblick für gekommen hielten. Dr. Goebbels hat einmal in einer berühmten Rede geäußert, vaß die nationalsozialistische Bewegung es sich immer wieder leisten kann, solange ruhig zu sein. bis diese Elemente aus ihren Mauselöchern heraus­kämen, dann aber wird um so schneller und um so rücksichtsloser zugepackt. Das wird vom heu­tigen Tage ab geschehen."

(Stahlhelm) in Thüringen in Schutzhaft genom­men werden und in das Konzentrationslager Bad Suiza übergeführt werden.

Aus den gleichen Gründen mußte eine Verord­nung erlassen werden, nach der 1. das Tragen vonAbzeichen oder von einheitlicher Kleidung jeder Art, die die Zugehörigkeit zum NSDFB. (Stahlhelm) kennzeichnen, 2. alle Persamm- lungen einschließlich Pflichtäppelle, geschlossene Mitgliederversammlungen. Konzerte oder sonstige Saalveranstaltungen des NSDFB. (Stahlhelm), 3. das öfentliche Zeigen von Fahnen des NSDFB. auf Gebäuden und Grundstücken verboten sind.

Sippengemeinsktzast

Das Erbhofgesetz hat den Sippsgedanken in den Mittelpunkt des Bolksbswutztseins gestellt. In den folgenden Ausführungen der Nationalsozialistischen Parteikorrespondenz ist dargelegt, welche wichtige Rolle der Sippe- gedanke im neuen deutschen Recht spielt. .

Der Gedanke der Sippe war während der marxistisch-liberalistischen Systemzeit aus dem Ge­dächtnis des Volkes nicht geschwunden, wohl aber aus den Reichsgesetzen im wesentlichen verbannt. Die wenigen lleberbleibsel waren bedeutungslos, weil die Testierfreiheit, d. h. die Möglichkeit, im Wege des Testamentes die Sippe unberücksichtigt zu lassen, fast unumschränkt gegeben war. Das Erbhofgesetz hat gerade hier eingesetzt und eins .ganz klare Anerbenordnung geschaffen. Die Vererbung des Erhofs geht grundsätzlich nur in der im Gesetz gegebenen Reihenfolge vor sich. Der nächste Anerbe ist bekanntlich dadurch außer­ordentlich bevorzugt, daß ihm der Hof ungeteilt zuzufallen pflegt. Doch ist der Sippegedanke ge­rade hierbei in starkem Umfange dadurch gewahrt, daß alle Miterben bis zu ihrer Volljährigkeit auf dem Hof angemessen unterhalten und erzogen werden müssen, daß sie Anspruch auf die rechte .Ausbildung und weitgehenden Anspruch auf Aus­stattung besitzen.

. /Diese Fürsorgsmaßnahmen sind aber immerhin Maßnahmen, die für den Fäll des Auseinander- gchens der Sippegenossen . ihre Hauptbedeutung haben. Das die Sippe zusammenfassende Moment liegt in der Heimatzuflucht, in der Tat­sache, daß die unverschuldet in Not geratenen pslichtteilsberechtigten Sippegenossen ihre Zuflucht auf dem Hof suchen können. Der gegebenenfalls lebenslängliche Altenteilsanspruch des überleben­den Ehegatten ist ein leiser Anklang daran, daß der Ehegatte mit der Ehe in den Sippenverband aufgenommen worden ist.

Eine besondere Fürsorge für die Neu­schaffung von Sippengemeinschästen in Form von Eheschließungen spiegelt sich in der Ehestandsbeihilfe wider. Die Steuergesetze haben diesen Gedanken im Rahmen des möglichen fort­geführt und insbesondere die mit Kindern ge­segnete Ehe durch Steuerermäßigungen, die sich mit jedem weiteren Kinde erhöhen, wie auch da­durch zu fördern gesucht, daß das Vermögen der Sippegenossen nicht in der rücksichtslosen Weise be­steuert wird wie bisher. Daß das Reich nach Maßgabe der steigenden Steuerkraft in dieser Richtung fortfahren wird, ist nicht zu bezweifeln.

Für das deutsche Volk ist die Sippe insonderheit unter dem Gesichtspunkt bedeutsam, daß ste ewiger Quell des Volkes ist, und darum haben die Trü­ge su nd h e i ts g e r i ch t e, die an das älteste Bewußtsein eines lebenswilligen starken Volkes anknüpfen, ihre wesentliche Aufgabe unter dem

StaWelm in Schlesien aufgelöst

In Itzüringen: Slatzltzelmfützrer in Schutzhast- Versammlungsoerbot für den NSVsv.

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Dem Freund Dater

Briefe eines berühmten Mannes an seine Tochter von torl Dietrich Laris

^ nimmt immer wieder gefangen, bedeutende schen bei fanatischer Hingabe an ihr Werk och ihrer engsten Umgebung Sorge und pfleg- Liebe zuwenden zu sehen. Leben und Wirken rnstjerne Björnsons, des norwegychen iers waren erfüllt von Lebenszuversicht und chlicher Güte. Diese Grundeigenschaftcn seines ms bestimmten auch das Verhältnis zu den

en. Nirgends tritt die ganze reiche und strah-

: Menschlichkeit des großen Norwegers schöner rscheinunq als in den Briefen, welche er von m Landsitz Aulestad aus an seme Tochter gliot schrieb, die in den Jahren 1888 bis in Paris Gesang studierte. ,

ese Briefe, zumeistDein freund Vater un­lieben, sind Zeugnisse einer väterlichen Liebe, Zugleich höchste Stufe der Freundschaft rst. Va- hjörnson ist der beste, ehrlichste und sorglichste ,nd seiner Tochter. An allen 'h^n kleinen mernissen, Enttäuschungen, Ratlosigkeiten nt er Anteil. Ob sie sich nicht wohl suhlt bei c Wirtin, ob sie mit ihrer Gesangslehrerin un- geworden ist oder ob ihr in der großen Mao lligkeit und freundschaftlicher VeAehr fehlen, er weiß er ihr ein gutes, tröstendes und ei­terndes Wort zu schreiben und ihr den Rucken arken. Ihr Selbstbewußtsein kräftigen, sie Zur igen Erkenntnis ihrer selbst zu fuhren, >st!e

s Bemühen. Er ist begierig auf leden ihrer

fe, wünscht über alles, was sie und -hre um- lng betrifft, Bescheid zu haben. Werin s.mlat chweigt oder sich in Allgemeinplatzen bewegt > er ungeduldig:Jedesmal wcnn ein Bnef

Dir kommt, ist das unser Höchstes! Ist «s aber Gewäsch, so sitzen wir da wie die Legopenen el. Also das mußt Du zu vermeiden suchen, i, unter Umständen kann Vater Bfornson em offenes und deutliches Wort Istre^en. W .brilliant" stattbrillant" schreibt, erteilt er einen gelinden Verweis, zwar em wenig zuge­

spitzt, aber liebenswürdig. Sehr unliebenswürdig wird er, wenn er in einer norwegischen Zeitung lesen muß, daß sein Töchterchen in Paris auf einem Fest zur Belustigung der Skandinavier bei­trägt, was nach seiner Meinung zu nichts anderem führt, als zu schlechter, ekelhafter Kritik und Feind­seligkeit und Mißgunst. Aber schnell glätten sich die Wogen und gemächlich plaudert er über Aulestad, berichtet von der Umbauarbeit der Maurer, vom Mitfahren, vonHan", dem diebischen Hund, von der verstauchten Hand der Mutter, von dem neuen Zuwachs im Kuhstall.

Es weht gesunde Lust bei Björnsons in Nor- wegen. Daß die Tochter ihr nicht entwöhnt werde, ist des Vaters Wunsch. Hinter seiner Mitteilungs­freude, die alle kleinen Ereignisse in der Familie, alle Veränderungen in Haus und Hof ebenso um- faßt wie die eigene Arbeit und die Porgänge im Lande, verbirgt sich das Streben, die Tochter an die kleine nordische Welt dort oben zu fesseln. Er schildert ihr immer aufs neue die Schönheit des norwegischen Winters und Sommers, weil er nichts inniger wünscht, als daß sein Kind die Heimat so lieben möge wie er selbst, der von sich sagte, er wollte in Norwegen wohnen, in Norwegen prügeln und geprügelt werden, in Norwegen siegen und sterben.

Als von der Treue die Rede ist, von der Treue gegen Menschen, schreibt er ihr:Wem schuldet man das meiste? Also auch die höchste Treue? Dem Vaterland- Unter diesem Namen hast Tu Wahr­heit, hast Du alles Gut«. Paß auf. daß Deine Treue gegen die Menschen niemals in Widerstreit kommt mit Deiner höchsten Verpflichtung. Erst sie, dann alles andere! Ich zweifle nicht, daß Du ge­rade hierin meinen Spuren folgen wirst, meine lieb«, treue Bergliot ..."

Neben diesem .Verlangen, die Liebe zur Heimat in der Tochter wach zu wissen, ist nur noch ein an- deres gleich vorherrschend, nämlich der Wunsch, die

Gabe ihres Gesanges reifen zu sehen. Er räumt ihr nicht nur alle Hindernisse aus dem Weg, sondern versucht ihr auch zur Klarheit über ihre Begabung zu verhelfen. Er setzt ihr auseinander, daß das Mit-Seele-Singen" nicht allein darauf beruht, daß man selbstSeele" hat. sondern auch darauf, daß man gearbeitet hat. und was er ihr nebenher über das Perhältnis des Technischen zum Geistigen und die Bedeutung des Ursprünglich-Persönlichen in der Kunst sagt, ist Nachdenken wert; für sie zeich- net er es aus, um mit ihr den rechten Weg zu suchen er, ihr Freund Vater.

Das menschlich rührende und ergreifende Be­mühen, in seinem Kinde zu verwirklichen, was er als Sehnsucht in der eigenen Brust trägt, spricht aus den Worten: ..Du kannst Dir nicht vorstellen, wie gespannt ich bin, was daraus werden wird... ob Du die Gabe erringst, die ich mir für einen Norweger ersehnt habe: die Gabe, uns hinzu­reißen, uns in einen Schönheitstaumel zu versetzen. Uns regelrecht zu verzaubern. Noch hat keiner sie gehabt. Erringst T u sie, so werde ich wieder jung und froh, froher als über irgend etwas, was ich selbst oder ein anderer geleistet hat."

Ungarn feiert Franz Liszt

Am 31. Juli 1936 sind 50 Jahre seit dem Tode Franz Liszts vergangen. Aus diesem Anlaß wer­den in ganz Ungarn musikalische Feiern zu Ehren des großen Sohnes des Ungarlandes statt­finden. Auch die Wiener Konzerthaus- gesellschast bereitet gemeinsam mit ungari­schen Musikkreisen ein großes Franz-Liszt- Musikfest vor, das im Nahmen der Wiener Festwoche 1938 abgehalten werden soll. Hierfür sind zwei Sinfoniekonzerte mit der Faust- und der Dante-Sinfonie sowie das OratoriumChristus" vorgesehen. DieLegende von der Heiligen Eli­sabeth" wird unter freiem Himmel im Stadion aufgeführt. Außerdem kommen in den Sonntags­konzerten der Gesellschaft in der Saison 1935/36 alle sinfonischen Dichtungen des Meisters zur Wie­dergabe.

was ihr wollt" undMinna"

Die weiteren flussührungen der Beichssestspiele in Heidelberg

Bei dem zweiten Werk, das die Reichsfestspiele zur Aufführung brachten, bei Shakespeares anmutvollem, humorerfülltem LustspielWasihr wollt" wurde der Ort selbst, der Heidelberger Schloßhof mit den ragenden Mauern des Friedrich- und Ott-Heinrich-Baues, mit seinen Bäumen und Büschen, mit dem Zauber der Vergangenheit, der uns hier überall entgegenweht, nur in einigen Szenen zum Mitträger des theatralischen Erleb­nisses. Sonst war an diesem Abend der Ort nur der Rahmen, der Hintergrund für das fröhlich bunte Spiel, das sich mit festlicher Pracht und lär- mender Beweglichkeit in ihm entfaltete. In der Einrichtung und unter der Spielleitung von M- bertFlorath wurde dieses Spiel von dem Mäd­chen Viola, das sich in einer übermütigen Laune als jungen Mann verkleidet und so viel Verwir- rung anrichtet, das Spiel von der vieledlen, zu­erst nur trauernden und dann ganz und gar ver- liebten schönen Gräfin Olivia und den beiden wackeren Zechgenossen Junker Tobias von Rülp und Junker Andreas von Bleichcnwang mit so manchen Abänderungen des Shakespeareschen Tex­tes ganz als volkstümliches derbes Spiel gegeben.

Die tiefere Bedeutsamkeit des Stückes wurde so jedoch ziemlich stark überdeckt. Die lyrisch aus­schwebenden Stellen, die doch auch in diesem Spiel sind, litten unter der fröhlich lauten, Verben Spaß­macherei, der vor allem der Großteil der männ­lichen Darsteller huldigte. Besonders Albert Flo- rath selbst ließ als Narr nichts von der tieferen Weisheit aufblitzen, die in dieser Gestalt st. Er war nur lockerer Spagvogel. Doch eines kam so zu seiner stärksten Ausformung: der saftige Humor dieses Stückes. Das war es, was die Zuschauer zu Heller Begeisterung mitriß. Besonders deutlich wurde wieder die eine Gefahr, die für das Spiel unter dem unverstellten Himmel, in der Breite und Weite, der llnbegrenztheit seines Bllhnenraumes immer da ist: daß in dem Bestreben, den hier un-

zu erfüllen mit Atmosphäre, mit dramatisch ver dichtstem und gespanntem Leben, das Spiel zu sehr auf äußere Wirkung gestellt wird. Das augenpräch tige Schaustück triumphiert dann über die Mach: des dichterischen Wortes. Zurückgeholt in das Reick des Wortes, der eigentlichen Dichtung also, würd! die Aufführung hier immer wieder durch das Spie: von Angela Salloker, von Gefior Helmke und anst von Horst Caspar als Her zog Orsino und RobertThiem als Sebastian

Albert Florath hatte das Stück mit bunten Zm taten reichlich versehen. So wurde das Trinkgelag, zwischen Junker Rülp und Junker Bleichenwanj gedehnt und reichhaltig mit närrischen Einfälle! ausgestattet. Der Morgen, in den diese großartig! Zecherei übergeht, wurde hier mit mächtigem Hah nengeschrei eröffnet, mit dem Erwachen einer gan zen Stadt. Die Betten wurden geschüttelt, dii Mädchen riefen einander zu und schwatzten fröhlick miteinander, die Bäckerjungen trugen die Brötcher aus, und alles wünschte sich einen Guten Morgen Später wurde sogar der Hafen dieser schönen Stab Illyriens beschworen, riesige Segel ausgezogen, un! bunt entfaltete sich das Hafenleben.

Ganz auf diese Welt des Bunten und Fröhlichen ia Possenhaften eingestellt waren die derben Sze neu der Männer. Mit einem wahrhaften Urbe Hagen tänzelte und schwankte und wälzte sick Heinrich George als unförmiger Junker To bias von Rülp durch die Szenen. Neben ihm Cle­mens H a s s e als Junker Andreas von Bleichem mang von großartiger Tolpatschigkeit. Walthoi ^ußenguth war diesmal am rechten Platz --ein Haushofmeister Malvolio eine ausgezeich- nete, bis ins letzte durchgearbeitete Groteske. Dei äußerst temperamentvolle Herzog Orsino Horsi Caipars hatte einige ausgezeichnete Stellen.

Das stärkste, das schönste, das entscheidende Er­lebnis dieses Abends war aber der herrliche Drei-