Ausgabe 
(18.7.1935) Nr. 196
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Nr. 196 / Z. Jahrgang

Vonnerstag, 18. Jutt

Einzelpreis IS Rpf.

Verfülirer anderNuliestätte Heinrichs des Löwen

befelil zur würdigen flusstattung der verwahrlosten 6cuft des Herzogs / Sein Srab Wallfahrtsort für ganz steutsthland

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Unser lagesspiegel

Am Grabe Heinrichs des Löwe» hat der Führer die Wiederherstellung der vernach­lässigten Gruft des Borläufers deutscher > Nationalpolitik verfügt

Der Führer hat eine Reihe von Auszeichnun­gen für die Errettung von Menschen aus Lebensgefahr verliehen Als blutige Folgen des konfessionellen Zwie­spalts in Irland sind bei den dortigen Straßenkämpfen bisher sechs Mensche» «ms Leben gekommen

Die Zurückweisung der Berliner Judenprovo­kationen haben zu einer neue« böswilligen Auslandshetze gegen Deutschland geführt Bei der Gemeinschaft LloydHapag ist mit einer starken Zusammenlegung des Grund­kapitals zu rechnen

Wegen Widersetzlichkeit von Stahlhclmgrup- pen im Kreise Dessau, Köthen wurden sämt­liche Stahlhelmortsgruppen dieses Kreises , verboten

Ein Berliner llniverfitätsprofessor wurde gestern als Mitschuldiger bei den Devisen- ! schiebungen katholischer Klöster verhaftet

, Eaupropagandaleiter Schulze wendet sich

gegen die verleumderische« Auslassungen A katholischer Geistlicher über das Volksdrama

De Stedinge"

Bremen läßt zurzeit einen Kultur- und Pro- paganda-Film von unserer Hansestadt drehen In Bremen beginnt mit dem heutigen Don­nerstag das 1. Gaufest Niedersachsen des DRfL.

Die bremische» Meisterschwimmer Fischer, Heibel und Freese treffen heute 18,02 Uhr in Bremen-Hbf. ein.

Auflösung

von Slahlhelm-öruppen

äni>. Dessau, 18. Juli.

Der Reichsstatthalter in Braunschweig und Anhalt, Loeper, hat mit sofortiger Wirkung die Auflösung sämtlicher Stahlhelm-Lrts- gruppen des Kreises Dessau-Käthen wegen Widersetzlichkeit gegen von ihm getrosfsne Matznahmen angeordnet.

Ein feiner Honorarprofessor

Berlin, 18. Juli.

Die Justizpressestelle Berlin teilt mit: Auf Ver­anlassung des Generalstaatsanwaltes bei dem Landgericht Berlin wurde am Dienstag im Rah- > men der Ermittlungsaktion gegen Angehörige katholischer Orden der Honorarprofessor an der Technischen Hochschule Aachen, Dr.-Jng. Josef Pirlet, verhaftet und in das^ Untersuchungs­gefängnis Berlin-Moabit eingeliefert. Gegen ihn liegt richterlicher Haftbefehl wegen Teil­nahme an Devisenverbrechen vor.

(Loulleiboriodt äsr Bremer. Leitung)

6lr. Braunfchweig, 18. Juli.

Die Grabstätte Heinrichs des Löwen war von jeher mit einem geheimnisvollen Hauch ehrfurchts­voller Bewunderung für den Mann umgeben, der als Träger einer Idee, die wir heute als die echtdeutscheKönigswürde erkannt haben, um dieser seiner großen Idee willen Friedrich Barbarossa in schwerer Stunde untreu wurde, und darum Land und Lehen verlor. Nach der Schlacht von Legnano vom Kaiser in Acht getan, mußte der bisherige Sachsen- und Vayernherzog sich mit seinem kleinen Erblande Vraunschweig

begnügen und ist als Herzog von Vraunschweig gestorben. Seine Grabstätte im Braunschweiger Dom seit dem Jahre 1606 verfallen, war bis zur Machtergreifung in einem Zustand, der nicht ein­mal es möglich machte, genau zu erkennen, wo die Ueberreste des großen deutschen Herzogs ruhten.

Diesen Zustand zu ändern hat nunmehr der Führer gelegentlich seines Besuches bei der Besichtigung des Schlosses und der Burg in Vraun­schweig mit der ihm eigenen raschen Entschlossen­heit unternommen. Ganz überraschend war er am Dienstagabend in Begleitung von Reichsminister Kerrl, Reichsleiter Bormann, Reichspressechef Dr. Dietrich, Obergruppenführer Vrückner und des bayrischen Staatsministers Wagner in Braun­schweig eingetroffen und begab sich am Mittwoch- früh unter dem ungeheuren Jubbl der be­

geisterten Braunschweiger Volksgenossen nach Ab- schreitung der Front der Ehrenabordnung der SS.-Fllhrerschule Braunschweig, die auf dem Vuraplatz Ausstellung genommen hatte, mit seiner Begleitung zum Dom, wo er an der Gruft Herzog Heinrichs des Löwen in tiefer Ergriffenheit ver­weilte.

Ministerpräsident Klagges, Vraunschweig, nahm die Gelegenheit wahr, mit dem Willkomm­gruß an den Führer der Bedeutung des Sachsen- und Bayernherzogs Heinrich des Löwen zu ge­denken und ihn als einen Vorläufer einer wahren deutschen Nationalpolitik zu- ehren.

Des Herzogs Grab im Dom zu Braunschweig beginne ein Wallfahrtsort für ganz Deutschland zu werden, sagte der Ministerpräsi­dent, und unwürdig und unerträglich sei es, daß über den Zustand der Gruft und des Grabmals keine genaue Auskunft gegeben werden könnte. Er erinnerte daran, daß unter der Leitung maß­gebender Sachverständiger, darunter der Pros. Eugen Fischer vom Kaiser-Wilhelm-Jnstitut, Berlin und Direktor Schmidt vom Kaiser-Fried- rich-Museum in Berlin vorgenommene Aus­grabungen gezeigt hätten, in welch pietätloser Weise in der Vergangenheit mit der Gruft ver­fahren worden sei.

Der aufgefundene gut erhaltene Stein­sarg konnte einwandfrei als der des großen Niedeisachsenherzogs identifiziert «erden.

Sein Inhalt war unberührt. Bon den Uever- resten der Gebeine seiner Gemahlin, der Herzogin Mathilde, konnte nur ein Leder­mantel und einige Asche gefunden werden. Ein dritter kleiner Sarg enthielt die Ge­beine des ältesten Kindes Heinrichs des Löwen.

Daraufhin beauftragte der Führer die braun- schweigische Staatsregierung, die Grabstätte Hein­richs des Löwen wiederherzurichten. Der Führer gab persönliche Anweisungen für die Ausgestaltung und stellte gleichzeitig die er­forderlichen Mittel in Aussicht.

Anschließend besichtigte der Führer zusammen mit den Mitgliedern der braunschweigischen Staatsregierung und seiner Begleitung den alten Dom und die Burg Tankwarderode, wo Heinrich der Löwe gelebt und gewirkt hat. AIs der Führer und Reichskanzler auf den Balkon der Burg trat, brausten wieder über den von dichten Menschenmassen umsäumten Platz endlose Heilrufe, die orkanartig anschwollen, als der Führer kurz danach seinen Wagen bestieg und Vraunschweig wieder verließ.

Wiederholt brachte der Führer seine Befrie­digung über den Verlauf seines Besuches in Vraunschweig zum Ausdruck. Besonderes Inter­esse fanden die Großsiedlung Lehndorf sowie die Altstadtsänierung.

blutige folgen konfessioneller stelze

Sechs Lote in Belfast / Polizei errichtet Barrikaden / seuergefecht auf dem sriedlzof

(Zorulsibsriobt äsrBremer Leitung")

Ick. Belfast. 18. Juli.

Seit einigen Tagen herrschen in der irischen Stadt Belfast schwere Unruhen, die auf die Ge­gensätze zwischen national-katholi­schen Iren und englandfreundlichen Protestanten zurückzuführen sind. Es kam zu Zusammenstößen, die «inen revolutio­nären Charakter annahmen. Von Dächern und aus Kellerfenstern beschossen die Aufständischen die durch die Straßen fahrenden Militärkraftwagen. Starke Kommandos nahmen systematische Durch­suchungen der Häuser nach bewaffneten Zivilisten vor.

Die Unruhen nahmen gestern ihre blutige Fort­setzung. Die Zahl der Todesopfer beträgt bis jetzt sechs Personen. Das letzte Opfer war ein junger Mann im Alter von 22 Jahren, der in den Morgenstunden in der Nixtonstraße er­schossen aufgefunden wurde. Die.Polizei hat in verschiedenen Straßen Barrikaden aufgerich­tet, um die feindlichen Parteien voneinander zu trennen. Im Laufe des Mittwochs kam es zu wei­teren schweren Zusammenstößen. Während des Vormittags versammelte sich eine größere Men­schenmenge im Bezirk der Porkstraße und nahm

eine drohende Haltung ein, so daß die Polizei ge­zwungen war, mehrere Schüsse über die Köpfe der Demonstranten abzufeuern.

Neue schwere Unruhen ereigneten sich dann gestern nachmittag, als eines der Todesopfer der jüngsten Straßenkämpfe beerdigt wurde. Ein Teil der Menge, die den Leichenzug begleitete, stürzte sich plötzlich auf «inen Mann und mißhandelte ihn schwer. Als die Polizei mit gefälltem Ba­jonett eingriff, entwickelte sich ein Straßen- kampf, in dessen Verlauf die Menge versuchte, der Polizei die Gewehre zu entwinden. Ein Po­lizeioffizier wurde zu Boden gestoßen.

Trotz Einsatzes von Militär und Panzerwagen wurden die Unruhen an anderen Stellen fortge­setzt. Auf dem Friedhof selbst entwickelte sich ein Feuergefecht zwischen Orangisten und iri­schen Nationalisten, bei dein mehrere Personen verletzt wurden.

Polnischer Bischof braucht polizeilichen Schulz

Warschau, 18. Juli.

In Kielce, gegen dessen Bischof bekanntlich große Empörung wegen seines Verhaltens in den

Tagen der Nationaltrauer um den Marschall Pilsudski herrschte, erschien am letzten Sonn­tag ein größerer Pilgerzug aus einem Dorfe der Umgebung. Die Pilger, die mit Fahnen und Kreuzen durch die Stadt zogen, entsandten eins Abordnung zum Bischof.

Ueber den Verlauf der Aussprache sind Einzel­heiten nicht bekannt, aber der Bischof erbat telefonisch den Schutz der Polizei. Ein größeres Polizeiaufgebot entfernte die Delegation aus dem Bischofspalast und zerstreute die Pilger, die gerade daran waren, das Tor des Vischofs- palastes zu zertrümmern und in den Palast ein­zudringen.

Nebe des

abessinischen Kaisers verschoben

Addis Aveba, 18. Juli.

Die große Rede, die der Kaiser von Abessinien vor dem Parlament halten wollte, ist vorläufig verschoben worden, da die Entwicklung in London und Paris abgewartet wird. In politischen Kreisen herrscht eins ruhigere Auf­fassung über die Lage.

Slaalsauwrttitt verpflichtet

Slorilisaüonsgesetz unanfechtbar!

K. ßtü. Der politische Katholizismus hat wieder einmal eine Parole gegen den Nationalsozialismus ausgegeben. Diesmal gegen das Sterilisationsgesetz. Die Behinderung erbkranker Gebrechlicher und unverbesserlicher Schwerverbrecher an der Fortpflanzung, für das deutsche Bolk und seine Zukunft eins Lebensfrage, wird aus «sittlich - religiösen Erwägungen" heraus abgelehnt. Nicht nur theore­tisch: man geht zur unmittelbaren Sabotage der deutschen Rasse-Gesetzgebung über, teils mit offener Dreistigkeit, teils heimlich. Die Freiheit der Wissenschaft, die jener Hetze gegen die Sterilisation in Deutschland immer wieder den Boden entzieht, wird von höchster katho­lischer Stelle in anderen Ländern mittels dog­matischer Entscheidungen illusorisch gemacht, und den nichtsahnenden Elä.ubigen gegenüber wird die Sterilisation unverantwortlicherweise als -- Verbrechen bezeichnet. Wie es in Wirklichkeit um die rassehygienische Aufbauarbeit im Deutschen Reich steht, weiß heute so ziemlich jeder deutsche Volksgenosse. Aber werfen wir trotzdem einen Blick zurück, um die Frage beantworten zu kön­nen, was bei einem Verzicht auf Erlaß des deutschen Sterilisationsgesetzes hätte eintreten müssen.

Wissenschaftliche Ermittlungen über den zif­fernmäßigen Rückgang der vollwertigen Volks­genossen und die Zunahme der Minder­wertigen haben uns zur Genüge vor Augen geführt, welchen Abgründen der Entartung das

Auch heute bringt dieBremer Zeitung wieder den einzigen vom Hauptlagersührer der Bremer HJ-- Lager, Oberbannsührer Carl Jung, autorisierten Bericht über die Vorgänge des Tages in Bad Essen.

deutsche Volk weiterhin zugestrebt.wäre, wenn die nationalsozialistische Rasse-Gesetzgebung nicht das Steuer energisch herumgerissen hätte. Hier einige Gedächtnisstützen: Vor 10 Jahren gab es in Deutschland nicht weniger als 429 600 körper­lich gebrechliche Personen, 230 000 geistig Minder­wertige sowie 78 600 Taubstumme und Blinde. Das heißt, daß zu jener Zeit alle krankhaft ver­anlagten Personen, die das deutsche Volk finan­ziell und rassehygienisch belasteten, eine Stadt von der doppelten Einwohnerzahl Bremens hätten bevölkern können. Der Schwerpunkt dieser

Probleme des neuen Rundfunks

kin Veitrag zur Programmgestaltung von stans Pott

K

Das waren mit die wichtigsten Aufgaben des neuen Rundfunks nach der Machtübernahme: die Herstellung eines der deutschen Wesensart zusagen­den Programms und die Aufhebung jener Sen­dungen, die sich ausschließlich an einen oerichwln- dend kleinen Hörerkreis wandten. Aus einem «ystemfunk wurde dann ein Volksfunk. man trug das Mikrophon mitten unter das Volk mw die neue Programmgestaltung suchte ebenfalls T-ege, um auch die noch abseitsstehenden Volksgenossen an den Lautsprecher zu fesseln. Reichssendeleiter Eugen Hadamovsky zeichnet die Richtlinien der nationalsozialistischen Programmgestaltung mfei- nem fesselnden BuchDein Rundfunk" sehr richtig, in dem er u. a. ausführt:Künstlerische Erziehung durch den Rundfunk und die kulturelle Hebung des allgemeinen Volksniveaus kann nur bei -oe- achtung der psychologischen Aufnahmebedingungen des RundfurMörers erfolgen. Der Hörer, der am Abend müde nach Hause kommt, kann nicht mir einem großen Kunstwerk spontan überrascht wer­den. Wir dürfen nicht einmal erwarten, daß «r es. statt uns Anerkennung zu zollen, wenigstens ruhig hinnimmt, sondern wir werden die Beoo- achtung machen, daß er mit seinem Rundfunk- apparat sofort zu einem anderen Sender uoergeyi, an dem er leichte Musik. Unterhaltung -der Ta­gesnachrichten findet. Wollen wlr umern Rund- sunk nicht durch verkehrte reaktionäre Tendenzen zugrunde richten und unsere Hörer zum regelmäßi­gen Auslandsempfang erziehen, dann muß das ge- lamt« Programm auf der Grundlage der eichten Musik und der aktuellen Nachrichten umbauen. Erreichen wir das. dann können wir darüber hin­aus das groß« wortqestaltende Kunstwerk von Zeit zu Zeit in unserem Programin Lnnqem Dann muß es sorgfältig und umfassend oorberest.t werden.. Es muß schon lange vorher achtbar wer­den und künstlerisch so reif und vollendet zur Sen­

dung kommen, daß es im Range hinter keiner anderen Kunstgattung zurücksteht und als Höchst­leistung einfach nicht zu übertreffen ist."

Soweit Eugen Hadamovsky. Seine Worte sagen uns. daß das Hauptgewicht des Programms auf die Unterhaltung zu legen sei. Und wer die Tar- bietungsfolgen des deutschen Rundfunks einmal nachprüft, der wird auch ohne weiteres zu dem er­freulichen Ergebnis kommen, daß die vom Reichs- sendsleiter gegebenen Richtlinien unbedingt be­folgt wurden. Aber und hier muß sich die Stimme des Kritikers melden dieser erhöhte Bedarf an unterhaltenden Stoffen birgt eine be­trächtlich große Gefahr in sich: die Verflachung.

In der Tat. der Weg von der volkstümlichen Gestaltung bis zum Niveaulosen ist oft nicht sehr weit. Ein unterhaltendes Programm sollte da­her stets mit dem stärksten Einsatz aller an ihm beteiligten Kräfte vorbereitet werden, auch hier darf es nur Höchstleistungen geben. Wer da glaubt, das leichteste und flacheste sei gerade gut genug, der irrt sich gewaltig. Auch sollte man ver­meiden, Musiksendungen, die klassische Werke brin­gen, mit leichter Kost zu mischen und so den reich­lich'kühnen Versuch machen, das Interesse am Hören zu wecken. Das ist grundfalsch, denn wenn man es erleben muß. daß auf eine klassische Ouver­türe blitzschnell ein billiger Schlager folgt, wie dies kürzlich noch bei einer Uebertragung geschah, dann wendet sich bestenfalls der Hörer schaudernd ab. vielleicht schaltet er aber auch auf einen aus­ländischen Sender. Oder ein anderes Beispiel: Der Deutschlandsender verbreitet seit einiger Zeit eine MittagsveranstaltungAllerlei von zwei bis drei". So gut der Gedanke sein mag. eine pausen­lose. musikalische Folg« zu schaffen, so verfehlt ist es andererseits, wenn ernste und leichteste Werke in einer, fast möchte man sagen geschmacklosen Form sich aneinanderfügen. Das geht nicht an

und gegen eine solche Deutung des Unterhaltungs­programms wird sich selbst der anspruchsloseste Rundfunkteilnehmer wehren.

Wenig gut wirkt sich auch der allzu rege Pro­grammaustausch mit anderen Sendern aus. Dies merkt man besonders bei den Frühkonzerten. die meistens gualitativ wenig Erfreuliches bieten. Dazu kommt weiter, daß die Ansager vieler Sen­der glauben, die Hörer sehr gut zu unterhalten, indem sie sich von der heiteren Seite geben. Grundsatz sollte hier sein. dem Hörer nur dann eine heitere Ansage zu bieten, wenn dieser Humor auch aus dem Herzen kommt und keinesfalls ihn mit Albernheiten ansprechen. Ueberhaupt scheint es uns, als ob man mit der aufgelockerten An­sage etwas mehr haushalten müßte. In vielen Fällen hat man das Gefühl, daß es richtiger wäre, der schlichten, ungekünstelten Form den Vorzug zu geben. Jedenfalls vermag eine verbindende Ansage nichts zu retten, wenn die Hauptbestand­teile der Darbietung ohne Qualität sind, und umgekehrt verderben humorvoll gemeinte Worte bei einer Niveau verratenden Sendung oft mehr als sie nützen sollten. Hierunter gehört auch das Kapitel Vortrüge, bei denen man unbedingt davon absehen muß. sie interessant durch Einfügung von Musikstücken zu machen. Wird ein Vortraq in do­zierender Weise über den Sender gegeben, dann hilft auch die beste Musik nichts, ist er dagegen plaudernd-erzählend und anregend gestaltet, dann bleibt der Hörer gerne am Lautsprecher und nimmt die Sendung als Erlebnis auf. Schließlich noch ein Wort zur Unterhaltungsmusik. Auch hier fehlt es oft an der erforderlichen Qualität. Paul LinckesElühwürmchenidyll".Die Parade der Zinnsoldaten" und ähnlicheWerke" beherrschen oft überwiegend das Programm, während man mit einer ausgesprochenen Aengstlichkeit die Ton- schöpfungen eines Schubert. Beethoven, Brahms aus der Vortragssolqe fernhält. Weshalb eigent­lich? Ist man vielleicht der Auffassung, der Ar­beiter der Faust schätz« die unsterblichen Werke unserer klassischen Meister nicht? Weit gefehlt, denn gerade die schlichtesten und einfachsten Volks­

genossen haben doch stets bewiesen, daß sie mehr Kunstverständnis aufzubringen vermögen, als jene Herrschaften, die gewohnt sind. sich in Klub­sesseln herumzudrücken, und die ein Sinfoniekon­zert nur deshalb besuchen, weil es zum guten Ton gehört. Und damit kommen wir zu dem Einsatz künstlerischer Veranstaltuizgen, die unseres Tr­achtens in der letzten Zeit etwas zu stark in den Hintergrund getreten sind. Kammermusik und Sinsoniekonzerte dürfen unter keinen Umständen aus der Darbietungsfolg« gestrichen werden, wo­bei selbstredend Voraussetzung ist, daß die Kunst- sendungen nicht etwa ausschließlich Bestandteile

eines Programms werden. Es ist bestimmt keine Kunst, ein kunstloses Programm zu machen, aber man muß das richtige Fingerspitzengefühl haben, um den Prozentsatz der Kunst- und Unterhaltungs­folgen richtig zu verteilen.

Unsere kritischen Ausführungen, die im ganzen gesehen als Mahnung gedeutet werden können, nicht von der Linie des echt volkstümlichen und qualitativ hochwertigen Programms mit der rech­ten Verteilung von Kunst und Unterhaltung ab­zuweichen mögen als Beitrag zu einer Programm­gestaltung im nationalsozialistischen Sinne ge­deutet werden.

Zum Neuaufbau des deutschen Ilzeaters

Hans Kinkel üder das Theater im prgamsmus der Neichskulturkanimer

Vor den Angehörigen der Frankfurter Städti­schen Bühnen sprach der Geschäftsführer der Reichskulturkammer Hinke! über aktuelle Fragen der Organisation und inneren Ausgestaltung der Reichskulturkammer und ihrer sieben llnterkammern. Zum Neuaufbau des deutschen Theaters erklärte Hinke! u. a. folgendes:

Bei der Machtübernahme seien sich die verant­wortlichen Stellen sehr wohl darüber im klaren gewesen, daß sich unter den deutschen Bühnen­leitern und Bühnenkünstlern wie auch unter den anderen Mitarbeitern am Theater nur sehr we­nige Nationalsozialisten befunden hätten. Bei der Neuordnung sei deshalb auch bewußt nicht nach dem Mitgliedsbuch der Partei gefragt wor­den, sondern er, als Leiter des inzwischen auf­gelösten amtlichen preußischen Theaterausschusses, habe die Kräfte da eingesetzt, wo sie ihm nach ihrer Art und ihrem Charakter am Platze er­schienen. Mit personellen Umwandlungen sei Hand in Hand gegangen eine organisatorische Neuordnung, die schließlich ll>3l in der Gründung der Reichskulturkammer und ihrer sieben Unter­

kammern ihren vorläufigen Abschluß gefunden habe. Auch bei dieser organisatorischen Neuord­nung seien alle Kräfte verwandt und eingesetzt worden, von. denen man damals habe annehmen können, daß sie guten Willens seien. So sei jedem eine Chance zur Bewährung gegeben worden. Wenn nun in den letzten Wochen eine Reihe von personellen Maßnahmen notwendig gewesen wären, wenn eine Reihe von Amtsenthebungen ausgesprochen werden mußten, so deshalb, weil verhindert werden müsse, daß die Organisation, die im Dienst der national­sozialistischen Ideen stehen solle, zum Selbstzweck werde. Es werde eben jetzt eine Prüfung dahin notwendig sein. wer die ihm 1933 gesetzte Be- wäbrungsfrist bestanden habe. Auch in Zukunft werde in dem Bereich der Reichs­kultur kammer keineswegs nach dem Parteibuch geweitet, wie ja auch die Abberufungen der letzten Zeit gezeigt hätten. Es komme eben darauf an, an die richtige Stelle die richtigen Männer zu setzen, die nach ihrem Kön­nen und ihrem Charakter zur Bewältigung der ihnen gestellten Aufgaben in der Lage seien.