parteiamtl.Iageszeitung
der Nationalsozialisten Bremens
Das slmtsblatt des Senats der freien Hansestadt Bremen
Monatsbezug: RM. 2.30 einschl. 30 Rpf. ZustellungSgebühr; durch die Post RM 2,30 cmschl Ueberweisungsgebühr auSschl. Postvestellgeld. Der Bezugspreis ist im voraus zu m ^ Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch aus Erstattung oder Ersatz.
NS.-Gauoerlag Weser-Ems G. m. S. H., Bremen, Am Geeren 6—8 / Fernsprecher: Roland 825.
I Anzeigen-Grundpreise: Die 22-mm.Zeile in, Anzeigenteil >2 Rps-, die 70-mm-Zeile im Textteil 78 Rpf.
^ ^ I Ermäßigte Grundpreise stur kleine Anzeigen. Familienanzeigen u. a-1 sowie sonstige Bedingungen laut
« I Preisliste 4. tNachlaßstassel v.> Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewahr. Annahmeschlutz 18 Uhr.
>l ^ ^ ^ ^ Sprechzeit: Verlag werktäglich von 12—13 Uhr; Schriftleitung Dienstag b,s Freitag von 12'/-—13'/-Uhr.
Nr. 1S4 / 5. Jahrgang
Menslag, 16. Juli
klnzelpreis 15 Npf.
fldolf Hitler empfängt britische frontkameraben
von kibbenlrop über die Mission früherer Kriegsgegner / felherstone-öodleg: deutsch-englische Freundschaft wird vertieft
Unser lagvssplegsl
Die Abordnung der englischen Frontkämpfer wurde gestern vom Führer empfangen
Reichserziehungsminister Ruft setzt sich in einem Erlab für schärfere Auslese des Do- zenten-Nachwuchses ein
Ein französischer Dominikanermönch wurde in Berlin wegen Devisenoerbrechen zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt
Mussolini hat weitere Mobilisierungen gegen Abessinien angeordnet
Die Hauptvereinigung der deutschen Getreidewirtschaft und die Getreidewirtschafts-Ver- bände übernahmen wesentliche Befugnisse der Getreidemarktordnung
Künftighin wird die Freigabe von Futtergerste für industrielle Zwecke an den Nachweis der Absatzmöglichkeit geknüpft
Am Jahrestag der Uebernahme der SA.- Eruppe Nordsee durch Gruppenführer Vöhmcker wurden richtunggebende Besprechungen abgehalten
Die aus Amerika eingetrosfenen Mitglieder der Steubengesellschaft wurde» vom Bremer Senat feierlich empfangen
Das Schützen- und Volksfest in Gröpelingen ging mit dem Königsschiehen zu Ende
0o;snten-Nachwuchs wird gesiebt
Lr. Berlin, 16. Juli
Der Reichserziehungsminister hat in einem Erlag besondere Maßnahmen getroffen, um die Auswahl und Sicherstellung des Nachwuchses für die Dozenten zu regeln. Es soll viel mehr als bisher eine Auslese unter den wissenschaftlich und charakterlich geeigneten Persönlichkeiten stattfinden. Für diese Auslese wird der Rektor als Führer der Hochschule voll verantwortlich gemacht. Außerdem wird die Sorge für den Nachwuchs als eine Hauptaufgabe des Leiters der Dozentenschaft bezeichnet.
Verräterisch und unlogal
Apenrade, 16. Juli.
Die dänischen Sozialdemokraten hielten am Sonntag in Apenrade eine Massenkundgebung ab, auf der außer zwei sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten auch Ministerpräsident Stauning eine Ansprache hielt. Er erklärte u. a., es sei unverantwortlich, daß von gewissen dänischen Blättern in Nordschleswig die deutsche Regierung sowie die deutschen Behörden ungerechterweise angegriffen würden. Dänemark habe ein Interesse, in einem friedlichen Verhältnis zu seinen Nachbarn zu stehen. Eine derartige Propaganda aber gegen Deutschland sei Dänemark gegenüber verräterisch und Deutschland gegenüber unloyal.
Berlin, 16. Juli.
Der Führer und Reichskanzler empfing am Montagmittag die fünf Vertreter der Vritish Legion. Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heg, der sich zur Ausheilung einer Skiverletzung in der Mark befindet, war eigens zu dem Empfang nach Berlin gekommen. In Begleitung der englischen Gäste befanden sich Botschafter von Ribben- trop, Reichskriegsopferfnhrer Oberlindober und SS.-Oberführer von Humann-Hainhofer.
Der Reichskriegsopferfllhrer, Pg. Oberlindober, gab am Montag zu Ehren der Vertreter der British Legion ein Frühstück in dem mit den deutschen und britischen Farben und Fahnen geschmückten Festsaal des Hotels Kaiserhof. Der Einladung Pg. Oberlindobers waren u. a. Reichsarbeitsminister Seldte und Botschafter von Ribbentrop gefolgt.
Als erster Redner nahm Botschafter von Ribbentrop das Wort und führte u. a. aus: Es ist für uns alte deutsche Frontsoldaten ein ganz
Berlin, 16. Juli
Vor dem Berliner Schnellschöffengericht fand am Montag ein Prozeß gegen den französischen Staatsangehörigen Julian Allais wegen Devisenvergehens statt.
Die Zollfahndungsstelle hatte festgestellt, datz der Angeklagte in einem» Brief 386 Mark nach Frankreich gesandt hatte. Als Allais darauf vernommen wurde, gab er zu, vom Juli 1831 bis Juni d. Js. insgesamt 1666 Mark in Teilbeträgen und in gewöhnlichen Briefen ins Ausland gesandt und dafür Registermark gekauft zu haben. Er will aus diese Weise 1266 Mark verdient haben.
Der Angeklagte, ein Dominikanermönch, ist in Frankreich geboren. Nach dem Kriege ging er nach England, um dort, wie er in der Verhandlung in gebrochenem Deutsch erzählte, Studien zu treiben. 1932 siedelte er dann nach Deutschland über, um sich hier „in der deutschen Sprache zu vervollkommnen und das Volk kennenzulernen". Zur Bestreitung seines Lebensunterhaltes wechselte er zunächst nach seiner Angabe kleine Francbeträge in deutsches Geld um. Die Verluste beim Wechseln erschienen ihm jedoch so hoch, daß er sich die Erlaubnis verschaffte, sich von seinem Bruder aus Frankreich Registermarkbeträge senden zu lassen. Nach seiner Angabe erhielt er monatlich 800 bis 1600 Mark.
Im Laufe der Zeit ging Allais dann dazu über, auch deutsche Reichsmark ins Ausland zu senden, um dafür Registermark anzukaufen. In diesem Zusammenhang bemerkte der Staatsanwalt, daß ihm der Angeklagte bei seiner letzten Vernehmung
besonderes Ereignis, heute zum eisten Male seit Beendigung des großen Völkerringens englische Frontkämpfer des großen Krieges in Deutschland, in unserem neuen Deutschland, und hier unter uns zu sehen. Hat doch seit jenen schweren Jahren scheinbar fast jede Verbindung zwischen den Männern gefehlt, die mit Leib und Seele ihrem Lande verschrieben, sich jahrlang im Kampf auf 'Tod und Leben gegenüberstanden. Wir haben neulich aus dem Munde des Ehrenpräsidenten der Vritish Legion, des englischen Thronfolgers, gehört, welche hervorragende und bewundernswerte Arbeit die Vritish Legion in der Arbeitsbeschaffung. in der Beschaffung von Pensionen usw. geleistet hat. Wir wissen weiter, daß die großen Kriegsteilnehmerorganisationen unseres westlichen Nachbarn ähnliche Resultate auszuweisen haben, und ich weiß ferner, daß auch unsere deutschen Verbände hier Vergleiche nicht zu scheuen brauchen.
Aber, meine Kameraden, so wertvoll und aus wahrem Kameradschaftsgeist diese nationale Arbeit der alten Soldaten auch ist, so glaube ich,
sind die Kämpfer des Weltkrieges heute durch das Schicksal bestimmt, eine weit über ihre ursprüngliche Zielsetzung hinausgehende Ausgabe, ja vielleicht eine geschichtliche Mission zu erfüllen. Diese liegt in der Völkerversöhnung!
Wenn ich von dem Fehlen jeder Verbindung zwischen den kämpsenden Gegnern des Weltkrieges sprach, so habe ich bewußt von dem „scheinbaren" Fehlen einer Verbindung gesprochen, denn solche haben zwischen einzelnen Frontkämpfern oder Frontkämpfergruppen seit vielen Jahren bestanden. Das gemeinsame Fronterlebnis, die gegenseitige Achtung vor der tapferen, anständigen und ehrlichen Gesinnung hat ehemalige Gegner immer wieder zueinander geführt und nicht selten zu Freunden gemacht.
Sollte aber das, was bei einzelnen möglich ist, nicht auch bei Nationen gelingen? Dies, meine Kameraden, muß unsere Ausgabe, muß die wahre Aufgabe der Frontkämpfer sein.
(Fortsetzung auf Seite 2)
rudenfrechiiell
„Rückläufige Bewegungen werden nicht geduldet!"
* Bremen, 16. Juli.
Wie wir dem V. B. entnehmen, läuft zurzeit in einem Berliner Lichtspieltheater der schwedische Tonfilm „Petterson und Bendel", ein ausgezeichneter Bildstreifen, der in lebensechtem Ablauf den Wesensunterschied zwischen Ariertum und Judentum darstellt. Als erster ausländischer Film erhielt „Petterson und Bendel" durch die amtliche deutsche Filmprllfstelle das höchste Prädikat: staatspoltisch wertvoll.
Der Kurfürstendamm, soweit jüdisch, ist nun mit diesem Film gar nicht einverstanden. 2a, wäre es einer zur Verherrlichung eines Juden, wie etwa der vor Jahren laufende Film: „Haus Rothschild"! Wie hätte man da Beifall geklatscht. Aber so! Nein, der Kurfürstendamm, soweit jüdisch, war am Schabbes Lei der Aufführung ernstlich böse. Begreiflich. Geht da der Kur- sürstendamm-Jude nichtsahnend in einen schwedischen Film, namens Petterson und Bendel? Ein Auslandsfilm. Auslandsfilmo hat der Jude von jeher bevorzugt und bevorzugt sie heute erst recht, weil er hofft, darin da und dort vielleicht etwas vorgeführt zu sehen, was sich gegen das nationalsozialistische Deutschland deuten läßt. Was aber müßte der Kurfürstendamm-Jude nun an diesem Auslandsfilm erleben.
Ernst Züchner schreibt darüber im V. B.: „Eine Geschichte wird ihm serviert, die noch nicht da-
Auch heute bringt die,Bremer Zeitung" wieder den einzigen vom Hauptlagerführer der Bremer HJ.-Lager, Oberbannführer Carl Jung, autorisierten Bericht über die Vorgänge des Tages in Bad Essen und Lintors.
gewesen ist. Das heißt, im täglichen Leben sehr wohl, versicherten anwesende deutsche Geschäftsleute, jeder kannte sogleich einen oder viele Bendels. Aber nie geschaut, nie gebannt ward sowas auf der Leinewand.
Ein galizischer Jude, kommerzieller Emigrant, landet als blinder Passagier in Stockholm, tut sich zusammen mit einem Arbeitslosen zwecks Gründung einer Firma. Betrogen wird links und rechts, hinten und vorne. Der dumme Schwede macht mit, erst mehr zum Spaß, aber Jude Bendel weiß ihn unmerklich hineinzuschieben in die bedenkliche Unsauberkeit. Petterson hängt schließlich am jüdischen Haken und zappelt, geschüttelt vom germanischen Gewissen, der arme Fisch. Er ist so richtig das lehrende Beispiel des alten Wortes: Wer vom Juden ißt, der stirbt daran. Ja, wer von den Juden ißt,
Dominikanermönch verspekuliert sich
franMscher Staats<mgetiöriger wegen Vevisenoergehens ;u 2 Jahre Zuchthaus verurteilt
offen erklärt habe, er habe infolge der Abwertung des Pfundes große Kursverluste erlitten, die er durch die Registermarkläufe habe wieder ausgleichen wollen. Der Angeklagte selbst erklärt zu seiner Verteidigung, er habe die einzelnen Devisenbestimmungen nicht genau gekannt.
Der Staatsanwalt beantragte, gegen den Angeklagten auf eine Zuchthausstrafe von dreieinhalb Jahren und auf eine Geldstrafe von 8066
wettringsenörmg Äer Jugend
Berlin, 16. Juli.
Durch einen Vorschlag des Rundfunkamtes der Neichsjugendsührung wurde aus der Warschauer Tagung des Weltrundfunkvereins eine große Weltringsendung der Jugend beschlossen. Die Sendung trägt den Titel: „Jugend singt über die Grenzen" und wird von fast allen Sendern der Welt am 27. Oktober von 18.60 bis 26.66 Uhr MEZ. übertragen. Mit der technischen Durchführung wurde die Reichsrundfunkgesellschast beauftragt.
Die Sendung, die in Deutschland ihren Anfang nimmt, bringt artgemäße Volkslieder der einzelnen Länder, die jeweils von einer Jugendgruppe des Landes zum Vortrag gebracht werden. Die europäischen Stationen werden die Sendung original bringen.
Die deutsche Jugend, die diese Sendung vorschlug, will mit ihr zum Ausdruck bringen, daß das moderne Instrument Rundfunk wesentlich zur Befriedung der Völker beitragen kann. Wir wollen das Volkstum der verschiedenen Länder
Mark bzw. weitere 50 Tage Zuchthaus zu erkennen. Außerdem beantragte er die Einziehung eines Gegenwertes von 1106 Reichsmark.
Das Urteil gegen Julian Allais lautete wegen fortgesetzten, teils versuchten, teils wiederholten Devisenvcrbrechens aus zwei Jahre Zuchthaus und 3666 NM. Geldstrafe bzw. weitere 36 Tage Zuchthaus. Außerdem wurde die Einziehung eines Betrages von 1106 RM. angeordnet.
kennenlernen, weil wir nur dann das richtige Verhältnis zu den Menschen jenseits unserer Grenzen schaffen, jenes Verhältnis, das wir den anderen auch zu unserem Lande wünschen. Möge diese Sendung beweisen, daß die Jugend, die sich besonders der Zukunft gegenüber verantwortlich weiß, neue Wege geht, die wesentlich zur Befriedung der Welt beitragen.
kin Veuischer gehört an die Spitze!
Nur noch ein rein litauisches Memeldirektorium
Mcmel, 16. Juli.
Der memelländische Landesdirektor Heinrich Buttgereits hat dem Präsidenten des Direktoriums Bruvelaitis sein Amt zur Verfügung gestellt. Zur Begründung führte er neben Gesundheitsrücksichten an, daß die Landwirtschaft des Memelgebietes vor dem vollständigen Zusammenbrach stehe, da sie keinen Absatz habe.
Nunmehr setzt sich das Memellandirektorium nur noch aus Anhängern der großlitauischen Richtung Bruvelaitis zusammen.
IllS 6SrmQlI§ cirs „all rigHt!"
vie flnsicht des britischen Unbekannten Soldaten über seine deutschen Kameraden
Angehörige der Britischen Legion sind zurzeit zum Besuch in Deutschland, um über eine engere Fühlungnahme zwischen den englischen und deutschen Kriegsteilnehmern zu beraten. Der erste Versuch in dieser Richtung, die Reise der 29 Westfalen, denen das Londoner Seebad Vrighton ihren Aufenthalt zu einem unvergeßlichen Erlebnis gestaltete, bedeutete bereits einen vielversprechenden Erfolg. Um sich von Volk zu Volk schätzen und verstehen zu lernen, sind die Kriegsteilnehmer die besten Herolde für den Beginn einer neuen Zeit. Die Männer, die sich von Graben zu Graben gegenüberlagen, wissen am besten zu würdigen, was auf der anderen Seite geleistet wurde. Kameraden waren sie beide. Sie dienten ihrem Land und erfüllten die höchste Mannespflicht. Und hatten dabei die beste Möglichkeit, die Mannestugenden des Kameraden von der andern Seite kennenzulernen und abzuschätzen.
Es ist fast das einhellige Urteil der ehemaligen sttischen Kriegsteilnehmer, daß der Deutsche cht nur ein tapferer Soldat, sondern auch ein iständiger Kerl war. Die Leiden Eigenschaften stten auch im heutigen England am höchsten st der Beurteilung einer fremden Nation. Alk -r Humbug, den die Zeitungen schreiben und die ärlamentarier reden, verfliegt in nichts vor der genen Erinnerung an die Jahre m Graben und richter. Nicht jeder Soldat hat eine nähere -rsönliche Bekanntschaft mit dem Feinde gs- acht. Um so schwerer wiegt das Urteil derer ie als Feind und als Kamerad mit dem Gegner i engste Berührung kamen. Und darüber erzählt
- im Hinblick auf den Besuch der britischen riegsteilnehmer-Abordnung — em namenloser, »bekannter Soldat in der in Millionen-Auflage »breiteten Bilderzeitung „Daily Mirtor. r setzt seine Betrachtungen unter die kennzeich- ende Ueberschrift „Tbs Soiwans srs all rigtiki
Als er, zusammen mit seinem Freunde Jim, im September 1911 in Frankreich landete, stand er fest unter dem Glauben, daß die deutschen Gegner Hunnen und Barbaren, Kindermörder und obendrein heimtückische Feiglinge wären. Ein Deutschenhasser, so bekundet er ganz Naiv, sei ein besserer Soldat im Kampfe gegen die Deutschen — und so sei damals gar nicht so viel gegen die Greuelpropaganda der Ententemächte einzuwenden gewesen — denn sie war eine weitere „Chance" im Kriegei Aber sehr bald hätte man doch die Deutschen von einer andern Seite kennengelernt. Er erzählt zunächst ein Erlebnis während der wenigen Stunden „Weihnachtsfriede" in der vordersten Linie. Im Niemandsland, zwischen den beiden Gräben, trafen deutsche und englische Soldaten zusammen. Zur lleber- raschung der Tommys sprach der „Eerry" fließendes Englisch. Er hatte zehn Jahre in Leicester in einer Exportfirma gearbeitet. Er machte gar nicht den Eindruck eines Hunnen — sondern weit eher den eines guten Kameraden und netten
Kerls. Komisch, dachte der Brite.Johannes"
hat ihm später auf seine Briefe nicht mehr geantwortet. „Armer Johannes!" Aber diese Begegnung habe schon damals doch rechte Zweifel in „Tommys" Seele auskeimen lassen. Der erste deutsche Soldat entsprach jedenfalls ganz und gar nicht dem Bilde, das Tommy sich beim Ausrücken gemacht hatte.
Bald kam ein zweites Erlebnis, das im übrigen von Hunderten und Tausenden britischer Frontsoldaten in ähnlicher Weise später bezeugt worden sei. Ein Mann war im Niemandsland liegengeblieben — verwundet, schreiend, von Schmerz durchquält. Von Stunde zu Stunde bemühte er sich immer erneut, zum englischen Graben zurück- zukriechen, um dann schließlich entkräftet liegenzubleiben. 24 Stunden hindurch hörte man sein
Wimmern — ohne daß es möglich gewesen wäre, ihn zu bergen. In der Nacht kriechen ein paar Engländer heraus, müssen aber im wild aufflammenden deutschen Maschinengewehrfeuer liegenbleiben. Dann hört man plötzlich ein lautes deutsches Kommando und das Feuer stoppte. Jeder sah angestrengt nach der Richtung, von der die deutschen Worte erklungen waren — und dann erkannte man einen deutschen Offizier, auf der Erabenböschung stehend, der den Rettungsmannschaften zuwinkte. Und da begriffen sie und begriffen allmählich auch die übrigen, die aus den Horchlöchern und Feuerschlitzen hinüber- starrten, was der Mann wollte. Die Soldaten sprangen auf, faßten den verwundeten Kameraden und brachten ihn glücklich in den Graben zurück. Und erst nachdem der letzte Mann wieder in Sicherheit, flammte das deutsche Feuer von neuem auf. „Männer, die so etwas tun konnten, die konnten wirklich nicht solche Schweine sein, für die wir sie halten sollten!"
Und dann schließlich ein drittes Erlebnis. März 1918 — wie Weltuntergang braust es über die englischen Linien — und mit vielen anderen gerät Tommy in Gefangenschaft. Tagelang geht die Reise im langsamen Transportzug durch französisches und belgisches Gebiet — und immer wieder martern sich die Gedanken mit der verzweifelten Frage: „Wie kannst du deinen Angehörigen mitteilen, daß du am Leben geblieben bist?!" Tommy hat eine Frau — die mit Tausenden und Zehntausenden anderen in Enqland, in Frankreich wie in Deutschland die furchtbare lakonische Nachricht erhalten wird: „Vermißt — vermutlich gefallen!" Die Kameraden werfen Papierkügelchen aus den Fenstern und belgischen Einwohnern zu, auf denen Namen und Adressen verzeichnet stehen und die Bitte, doch sofort eine Nachricht zu geben. Der deutsche Posten bemerkt das, sammelt die Papierkügelchen, spricht ein paar grimmige Worte, von denen Tommy nur den bereits wohloertrauten Laut „Schweinehunde" versteht. Wut und Verzweiflung im Herzen sieht Tommy dem Mann nach. Wird er jetzt die vielen Papierkügelchen verbrennen . . .? Aber
nein: mit fassungslos geweiteten Augen sieht er, wie der Posten hinter dem Bahnhofsgebäude einen belgischen Kittelträger zu sich heranwinkt., Ein paar Worte, die Papierkügelchen wechseln ihren Besitzer — und als Tommy und seine Kameraden nach Kriegsende wieder in die Heimat zurückkamen, stellten sie fest, daß die Frauen, deren Namen und Adresse verzeichnet waren, fünfzehn Monate vor den anderen, denen nicht diese Art der Benachrichtigung möglich gewesen war, die tröstliche Mitteilung erhalten hatten. „Er war ein wirklich guter Kamerad, dieser Posten!" schließt der namenlos gebliebene Einsender seinen Bericht. Engländer und Deutsche seien niemals Feinde gewesen — der Krieg ging zwischen den Staaten, und Zweck der heutigen Bemühungen der Kriegsteilnehmer ist, daß die Völker sich verstehen lernen und in Freundschaft miteinander leben — dann werden es auch die Staaten tun müßen! IVseusr Orows.
Lemälde von Ludwig Nichter gesucht
Der Verein für Deutsche Kunstwissenschaft in Berlin erläßt einen Aufruf nach zwanzig verschollenen Gemälden Ludwig Richters, unter dem sich die dritte Fassung der „lleberfahrt am Schreckenstein" befindet, die noch 1903 öffentlich gezeigt wurde. Der Verein (im Berliner Stadtschkoß) bittet um Namhaftmachung von unbekannten Werken.
länze der Prima-Ballerina Varbarina
Lizzie Maudrik, die Ballettmeisterin der VerlinerStaatsoper, bearbeitet in freier Anlehnung an zeitgenössisches, vom Archiv der Staatsoper zur Verfügung gestelltes Aktenmaterial die tänzerisch-pantomimische Dramatisierung eini- > ger Episoden aus dem Leben der von Friedrich H. nach Berlin berufenen Tänzerin Varbarina Campanini. Das Tanzwerk wird zu Beginn der I neuen Spielzeit in Szene gehen.
Beginn der Beichsfestspiele Heidelberg
Am gestrigen Sonntag begannen im Hof der Heidelberger Schlotzruine die diesjährigen Reichsfestspiele mit einer Aufführung des „Käth - chen von Heilbronn". Der Aufführung wohnten der badische Gauleiter und Reichsstatt- halter Wagner, der badische Ministerpräsident Koehler und Reichsdramaturg Dr. Schloesser bei.
Reichsdramaturg Dr. Schloesser eröffnete den Abend mit einer Ansprache, in der er auf die Naturverbundenheit des deutschen Volkes hinwies, das sich aus tiefem Bedürfnis heraus als Kennzeichen des deutschen Wesens der Naturtheater geschaffen habe. In Heidelberg erreichte die Entwicklung der Naturbühne ihren Höhepunkt, denn Heidelberg habe die Jdeallandschaft der Romantik, und die deutsche Geschichte schaue aus allen Mauern. Dr. Schloesser schloß mit dem Wunsche, daß auch diese Festspiele Werke sein mögen: dem Volke zur Freude, den Künstlern zum Ruhme und dem Reiche zur Ehre.
Dann wurde Kleists Liebesmärchen mit dem Untertitel „Seelen voller Heiterkeit" in der Inszenierung von Richard Wsichert gespielt. Das aus der Romantik des Neckars geborene Werk erhielt auf der herrlichen Freilichtbühne einen einzigartigen Rahmen. Angela Salloker als Käthchen, Elfe Petersen als Kunigunde, Walter Kottenkamp als Friedeborn, Paul Wagner als Wetter vom Strahl und Walter Werner als Eottichalk sind die Hauptdarsteller. Die Aufführung fand begeisterte Aufnahme.
Im Rahmen der Rcichsfestspiele werden in den nächsten Wochen im Schloßhof noch aufgeführt werden: „Der Eötz" und „Was Ihr wollt": im Königssaal des Schlosses „Minna von Barnhelm" und am kommenden Sonnabend zum ersten Male auf der Thingstätte auf dem Heiligen Berg das Weihespiel „Der Weg ins Reich".
Ouskükrlioliei: Sonäerberiekt kolgt morgen)