Ausgabe 
(22.8.1935) Nr. 231
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Das Amtsblatt des 5enats

Iremer Zeitung erscheint täglich (auch Montag?), Mvnatsb»,,«- RM> -> üa I-7^

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An»iaen-Gr»ndpreise: Die LS-mn»Zeile im Anzeigenteil IS Rps., die 70-mm.Zeile im Textteil Ib Rps.

Ermäßigte Grundpreise (süi kleine Anzeigen, ffamilienanzeigen u, a.) sowie sonstige Bedingungen laut Preisliste «, lNachlaststassel 0.) Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewähr, Annalimeschlich 18 Nhr, Sprechzeit: Verln« merktäalich van (2- <8 Uhr: Schritt'»"»-« Dienstag bis Freitag vo12/^-l3 , Uhr.

Nr. 2Z1 / 5. Jahrgang

Vonnerslag, 22. flugust

klnzelprels 15 Npf.

veratungsfieber in London

INacÜonald:kine sehr ernste tage" / kommt es zu genfer Sanktionen gegen Italien! / siir und wider die Schließung

des Suezkanals / Mussolini für beschleunigte Vonau-Konserenz

Unser 1«gesspiegsl

Der italienisch-abessinische Streitfall wird in London immer mehr als ein britisches Reichs­problem angesehen.

Der Moskauer Kominternkongreß fand mit hetzerischen Reden Dimitrosfs seinen Abschluß.

In München tagte erstmalig der Reichsrina siir nationalsozialistische Propaganda und Volksaufklärung.

Vor der Akademie für Deutsches Recht und dem Internationalen Strafrechtskongreg sprach Reichsminister Dr. Frank über zwischen­staatliche Strafrechtspolitik.

An Berlin konnten die bei dem Schachtein- sturz verschütteten Arbeiter noch nicht ge­borgen werden.

Namhafte Wehrmachtsangehörige besichtigten den in Vremerhaven liegenden Dampfer Bremen".

Bei einem Unfall am Bremerhavener An- legcplatz des FahrgastschiffesVorwärts" er­trank ein Kljdhriger Mann.

Die Sieger der Heide-, Gelände- und Orien- tiernnzsfahrt des NSKK. Motorürigade Nordsee wurden ermittelt.

3m Futzball-Lokaltreffen besiegte Werder die Kometen mit 8:l>.

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Neichsrmg für NS.-Propaganda

lvrskiberilckit unserer kerliner Zctrriktleitung) Kr. Berlin, 22, August.

Der Reichspropagandaleiter der NSDAP. hat, um dem Bedürfnis nach einer stetigen und ein­heitlichen Ausrichtung des Kampfes auf allen Erbieten der Bewegung Rechnung zu tragen, eine Kampfgemeinschaft aller Gliederungen der Par­tei, besonders auf dem Gebiete der Propaganda und Volksaufklärung, gebildet. Sie ist dadurch zustande gekommen, daß Verbindungsleute aus allen Gliederungen und angeschlossenen Verbän­den der NSDAP. zu einemReichsring für nationalsozialistische Propaganda und Volksauf- Ilarung" vereinigt wurden.

Dieser Reichsring, der organisatorisch zum Ctabe der Reichspropagandaleitung gehört, hat am 2g, August in München seine erste Arbeits- tagung abgehalten. Der stellvertretende Reichs­propagandaleiter, Pg. Hugo Fischer, sprach über die Aufgaben der neuen Organisation, Es müsse eine noch stärkere Verbindung Zwischen allen Schichten der Bevöl­kerung und den Propagandisten der nationalsozialistischen Bewegung erreicht werden. An die Ausführungen schloß sich eine fruchtbare Aussprache über die Gegenwartsfragen und die Fernziele der nationalsozialistischen Bewegung.

Verschiebung der Wahlen zum mcmelländischen Landtag? Die in Kowno erscheinende litauische Zeitung "Aetuvos Zinios" bringt die Nachricht, daß die für den 2b, September d, I, festgesetzten Wahlen zum memelländischcn Landtag höchstwahrscheinlich ver­schoben würden, Ter 29, September sei der größte Indische Feiertag,

Einberufung des Danziger Volkstages. Der Danziger Volk-tag ist für Montag nachmittag zu einer Sitzung unberufen worden. Aus der Tagesordnung steht die Wahl des neuen Volkstagspräfidenten und die Abgabe uner Regierungserklärung.

London, 22. August.

Das Londoner Regierungsviertel war am Mitt­woch, dem Vortage der Abessiniensitzung des bri­tischen Kabinetts, der Mittelpunkt höchster diplo­matischer Tätigkeit. Zahlreiche Einzelbesprechun­gen nicht nur mit den Mitgliedern des Kabinetts und den führenden Persönlichkeiten der Regie­rungsparteien, sondern auch mit den Vertretern der Opposition sowie mit den Oberkommissaren der großen britischen Dominien wurden im Laufe des Tages im Foreign Office geführt.

Bei seiner Ankunft in London erklärte Mac­donald einem Pressevertreter, er wisse noch nicht, ob er nach Abschluß der Kabinettsberatungen wieder in feine schottische Heimat zurückkehren könne. Alles hänge von der Entwicklung der Lage ab.Ich sehe", so fügte er hinzu,die gegenwär­tige Lage als das ernsteste Problem an, das England seit 1814 zu lösen gehabt hat. Es ist eine sehr ernste Lage."

Daß der italienisch-abessinische Streitfall als ein britisches Reichsproblem angesehen wird, geht aus der sofortigen Fühlungnahme des englischen Außenministers mit den Vertretern der Dominien hervor. Am Vormittag fand im Foreign Office im Beisein des Außenministers Hoare eine Art R ei ch s ko n fe r e nz statt, an der der Oberkommissar für Australien, Bruce, der Oberkommissar für Neuseeland, Parr, der amtie­rende Oberkommissar für Kanada, Panier, und der Oberkommissar für den irischen Freistaat, Dulandy, teilnahmen.

In einem beachtenswerten Aufsatz des Pariser Berichterstatters derTimes" heißt es:

Nachdem jetzt die Verhandlungen abgebrochen sind, ist es nach britischen Ansichten nicht wahr­scheinlich, daß noch viel geschehen kann. um die Dinge bis zur Genfer Sitzung am 4. September auszubessern. Man wird abwarten müssen, ob der Bölksrbundsrat beschließt, Sanktionen ge­gen Italien anzuempfehlen. Wenn der Pöl- kerbundsrat einen solchen Entschluß faßt, werden die Sanktionen in erster Linie passiver und wirt­schaftlicher Art sein und in der Hauptsache im Abschneiden der Lieferungen von Rohmaterial und der Kredite bestehen.' Der Bölkerbundsrat wird natürlich prüfen müssen, ob die Behauptung berechtigt ist, daß es keine Form der Sanktionen gibt, die nicht Krieg bedeutet. Die Gefahren der Anwendung irgendeiner Form des Druckes auf ein Land in der gegenwärtigen Stimmung und Ver­fassung Italiens liegen auf der Hand.

Die wirksamste Maßnahme, die angewandt wer­den könnte, um eine Eroberung Abessiniens durch Italien zu verhindern, würde die Schließung des Suez-Kanals oder vielmehr eine Sper­rung seiner Zugänge für italienische Schiffe sein. Bevor dies aber geschehen könnte, müßte der Völ­kerbundsrat den Mächten, die die notwendigen Seestreitkräfte besitzen, das heißt Frankreich und England, eine Vollzugsmacht erteilen.

Der diplomatische Korrespondent derMor- ningpost" meinte, gegenwärtig seien zwei ver­schiedene Auffassungen im Kabinett bekannt, die zweifellos einander gegenübertreten würden. Die eine Gruppe von Ministern, anscheinend die Mehrheit, glaube, daß England versuchen sollte, das Gebiet des Streites einzuschränken, und daß es nichts tun sollte, was einen örtlichen kolonialen Zwist zu einem Streit zwischen den Mächten er­weitern könnte, der nur zu einem neuem Welt­krieg führen würde. Diese Politik ziele beson­ders darauf ab, die Stresa-Einigkeit zwi­schen England, Frankreich und Italien aufrecht­zuerhalten.

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Die andere Gruppe von Ministern, deren Füh­rer anscheinend Eden sei, vertrete die Auf­fassung, daßSanktionen" möglich seien, ohne England Unbedingt in einen Krieg zu verwickeln, und daß England, selbst wenn es zum Kriege käme, stark genug wäre, um den Ansgang un­zweifelhaft zu machen. In den Kreisen, die diese Meinung teilten, glaube man aber, daß der italienische Widerstand bei der ersten Drohung mit Völkerbundssanktionen zusammenbrechen würde.

Hochspannung in London

London, 22. August

Seit den Tagen der Finanz- und Währungs­krise im Jahre 1931 hat in der Downing- Street kein so reges Treiben geherrscht wie am Mittwoch. Immer'wieder sammelten sich größere Menschenmassen an, um die Minister und Diplo­maten, die ständig vom Haus Nummer 10, der Wohnung des Ministerpräsidenten, zum Foreign Office hinüberwechselten, zu beobachten. Am Ein­gang hatten zahlreiche Photographen Aufstellung genommen und auch die Pertreter fast sämtlicher führenden in- und ausländischen Zeitungen hatten sich eingefunden. Allerdings wurden die Erwar­tungen der Zeitungsvertreter, Einzelheiten über den bisherigen Verlaus der Besprechungen zu er­fahren, durchweg enttäuscht; denn sämtliche Mi­nister und Diplomaten hüllten sich entweder in undurchdringliches Schweigen oder gaben nichts­sagende Antworten.

Die Londoner Abendpresse berichtet in größter Aufmachung und Ausführlichkeit über die vor­bereitenden Besprechungen am Sitze der britischen Regierung.Star" äußert starke Bedenken gegen eine Schließung des Suez-Kanals, eine Absicht, deren Tragweite offenbar von vielen nicht er­kannt werde. Eine derartige Maßnahme könne sehr leicht zum Kriege führen und falle nicht in den Rahmen wirtschaftlicher Sanktionen. Statt dessen befürwortet das Blatt sogenannte passive Sanktionen, wie die Einstellung der Materiallieferungen und der finan­ziellen Hilfsmaßnahmen für den angreifenden Staat.

Natschläge See pariser presse

Paris, 22. August.

Die französische Presse gibt in mehr oder weniger höflicher Form England zu verstehen, im abessinischen Konflikt nichts auf die Spitze zu treiben und keine Beschlüsse zu fassen, die die Spannung zwischen Italien und England nur noch verschärfen könnten.

Jntransigeant" schreibt u. a., man müsse selbst unantastbar sein, wenn man sich zum Professor der Moral aufschwinge. Es sei sehr schön, den Völkerbundsrat anzurufen, oder sich zum Vor­kämpfer der Achtung vor den Verträgen aufzu­schwingen, aber nur dann, wenn diese edlen Ge­danken ausschließlich von uneigennützigen Gefühlen getragen seien. England habe aber beispielsweise ein getrenntes Flottenabkommen mit Deutschland getroffen und damit die Ver­träge verletzt (!), nur, weil es geglaubt habe, daß dieses Abkommen seinen eigenen Interessen dienen könnte. Was es für sich getan habe, könne es aber Italien nicht verbieten. England übe über Abessinien praktisch ein wirtschaftliches Protek­torat aus und laufe Gefahr, gewisse Vorteile zu verlieren. Aber eine europäische Krise würde für England noch viel bedeutendere Nachteile mit sich bringen.

In derLibertS" verwahrt sich der ehemalige Minister und Senator Lemery gegen die an­geblichen versteckten Erpressungsmanöver, die von der englischen Presse gegen Frankreich gerichtet würden. Wenn man englischerseits erkläre, man werde sich vom Völkerbund zurückziehen und Europa feinem eigenen Schicksal überlassen, so sei das eine Drohung, die in Wirklichkeit sagen wolle: Folgt meinen Anweisungen, oder ich lasse Deutschland freie Hand.

Die außenpolitische Mitarbeiterin des Pariser BlattesOeuvre" berichtet, Mussolini habe seinen Vertreter Aloisi ausdrücklich beauftragt, gegen­über Laval in der Abschiedsbesprechung zum Ausdruck zu bringen, daß ein Kolonialkrieg in keiner Weise die europäische Festlandpolitik beein­trächtigen werde. Im Gegenteil, die italienische Regierung habe die Brenner-Front verstärkt.

Außerdem habe Mussolini die französische Re­gierung wissen lassen, daß er zu einleitenden Maß­nahmen für eine Konferenz zurRegelungdes Donaupaktes bereit sei. Er werde anregen, daß die ersten Verhandlungen in den nächsten Tagen in Gens stattfinden sollten, damit etwa zehn Tage nach Abschluß der Bölkerbundstagnng in Rom oder besser in Florenz die Konferenz zur Unterzeichnung des Paktes zusammentreten könne.

Italien verstärkt Fliegertruppen

Rom, 22. August

Der Personalstand der italienischen Militär­fliegerei wird soeben beträchtlich vergrößert. So wird beim fliegenden Personal u. a. die Zahl der Generale von 13 auf 33 die der Obersten von 22 auf 68 und die der Oberstleutnants von 87 auf 186 erhöht. Aehnliche Steigerungen finden sich beim Land- und technischen Personal.

Wie in Simla amtlich verkündet wird, werden zurzeit von Bombay aus indische Truppen nach Abessinien verladen, um die Wache der britischen Gesandtschaft in Addis Abeba zu verstärken. Es handelt sich um eine kleine Ab­teilung ausgesuchter Leute eines im Pundschab liegenden Regimentes.

Zusammenzlekung spanischer kuppen

Italienische Wasserflugzeuge an der Meerenge von Gibraltar

Madrid, 22. August.

Die Korrespondenten der Madrider Zeitung in Cadiz teile» ihren Redaktionen mit, daß die An­wesenheit von zwei italienischen Wasserflugzeu­gen am Cabo de Tarifa (Provinz Cadiz) große Aufregung hervorrufe. Die italienischen Wasser­flugzeuge begründeten ihre Anwesenheit in spanischen Gewässern mit der Aufgabe, italie­nische Munitionsschissstransporte zu schützen. Spanische Truppenteile seien bereits mobilisiert worden und befänden sich auf dem Wege nach Cadiz. Von den spanischen Garnisonen in Cor- doba, Malaga und Sevilla würden weitere mili­tärische Streitkräfte aufbrechen, um sich aus das südspanische Küstengebiet zu verteilen.

Aus privater Quelle verlautet, daß in der Provinz Cadiz sämtliche Privat.autos für Militärtransporte eingezogen worden sind. Die für den Küstenschutz mobili­sierten Truppen verteilen sich auf das Gebiet zwischen Cadiz und Gibraltar. Da die spanischen Behörden mit jeder Aeußerung über den Zweck dieser Truppenbewegungen in Südspanien zurück­halten, und die Pressezensur keine Nachrichten hierüber durchläßt, sind die verschiedensten Ge­rüchte aufgetaucht, die aber von amtlichen Stellen als haltlos bezeichnet werden.

Mmileoffs Wunschbild

Vas Ziel der volschewisten: »proletarische Weltrevolution"

Moskau, 22. August.

Der Komintern-Kongreß hielt am Dienstag abend seine Schlußsitzung ab. Sie fand ihren Höhe- Punkt in der Neuwahl des Vollzugsausschusses der Komintern und in dem Schlußwort Dimitrosfs, der alsder neue Steuermann der Komintern und der treueste Kampfgenosse des großen Stalin" was in die allgemeinverständliche Sprache über­setztder neue Vorsitzende der Komintern" bedeu­ten soll überjchwänglich gefriert wurde.

Der Mandatsausschuß hat festgestellt, daß der Kongreß von insgesamt 510 Sektionsvertretern aus 65 Ländern beschickt gewesen sei. In der Zeit zwi­schen dem 6. und 7. Kongreß, also in den letzten sieben Jahren, sei die Zahl der Mitglieder aller kommunistischen Parteien der Welt von 1 676 006 auf 3 148 000 angewachsen. In der gleichen Zeit sei die Zahl der eingeschriebenen Kommunisten allein in den sogenannten kapitalistischen Ländern von 445 300 auf 758 500 gestiegen. Zusammen mit den Mitgliedern der kommunistischen Iugendver- Lände gäbe es heute insgesamt 6 800 000 Kommu­nisten auf der Welt.

Dimitroff erklärte zum Schluß, der Kongreß habe in ungeahntem Maße zur Zusammenfassung

aller Kräfte beigetragen, um denSieg der prole- tarischen Weltrevolution" (!) herbeizuführen.

Wenn auch die Zahlenangaben über die Mit­gliederzunahme der Volschewisten eine Uebertrei­bung darstellen, so sollten sie doch immerhin für die staaten, die es angeht, eine Warnung sein um so mehr, als die weltrevolutionären Bestrebun­gen der Kommunisten auf dem Komintern-Kongreß wiederum eindeutig unterstrichen wurden.

Veneralsekretär der Komintern

Moskau, 22. August.

Wie die sowjetamtliche Telegraphenagentur be­kanntgibt, fand am Mittwoch die erste Sitzung des neugewählten Vollzugsausschusses der Komintern statt. Es wurde ein lOgliedriger Vorstand des Vollzugsausschusses gewählt, dem der bisherige Generalsekretär Manuilski, Stalin, Lachin, Marty, Pieck, Florin, Ercoli usw angehören. Zum Gene­ralsekretär des Vollzugsausschusses wurde einstim­mig Dimitroff gewählt.

vas dritte und vierte Kind

Von

prok. vr. tl. Vk. Siemens

Die folgenden Ausführungen zur Steuer­politik im rassenhhgienischen Sinne ent­nehmen wir der im I. F. Lehman» Verlag, München, erscheinenden SchriftVer­erbungslehre, Rasfenhhgien« und Bevölke» rungspolitik".

Ein wirtschaftlicher Lastenausgleich zwischen Kinderreichen und Kinderarmen muß auch vom Standpunkt der sozialen Gerechtigkeit au? betrachtet werden. Durch die Aufzucht einer grüße- ren Kinderschar vollbringt der Familienvater für die Allgemeinheit eine ganz außerordentliche Leistung, der der Junggeselle und Kinderarms nichts entgegenzustellen hat. Wird aber die Eltern­schaft als eins Leistung für die Allgemeinheit an­erkannt, so ist es nur recht und billig, daß sie auch in wirtschaftlicher Beziehung als eine solche be­handelt wird. Bei finanziellen gesetzgeberischen Maßnahmen sollte deshalb eine Schonung der Kin­derreichen> eine entsprechende Mehrbelastung der Kinderarmen als Pflicht des Gesetzgebers be­trachtet werden.

Die Ehe steht als Grundlage des Familien­lebens und der Erhaltung und Vermeh­rung der Nation unter dem besonderen Schutze des Staates . . . Kinderreiche Familien haben Anspruch auf ausgleichende Fürsorge." Dr der Kinderreiche die Auszuchtskosten für die nächste Generation bestreitet, da er also viel höhere Aus­gaben zu tragen hat, so kann eine stärkere finan­zielle Heranziehung des Kinderarmen auch nicht etwa als Strafe für die Kinderarmut aufgefaßt werden; sie bildet vielmehr einfach einen Aus­gleich für die wirtschaftlichen Vorteile, die der Kinderarme auf Grund seiner Kinderarmut Lei uns besitzt. Es macht deshalb auch keinen Unter­schied, ob wir es mit kinderarmen männlichen oder weiblichen Erwerbstätigen zu tun haben, und ob die Kinderarmut, wie gewöhnlich, eine gewallte, oder ob sie eine ungewollte ist. Wie schmerzlich auch der unerfüllbare Wunsch nach Kindern für manche Ehepaare bleiben mag: den wirtschaftlichen Vorteil gegenüber den Kinderreichen ihres Standes genießen auch sie, und es ist deshalb nur recht und billig, sie zu erhöhten wirtschaftlichen Lasten heranzuziehen.

Um die biologische Wirksamkeit wirtschaftlicher Maßnahmen durchgreifend zu gestalten, ist es nötig, die Kräfte an der richtigen Stelle einzu­setzen. Diese Stelle liegt, wie bisher viel zu wenig beachtet wird, beim dritten und vierten Kinde. Der Wille, auch unter Opfern Kinder aufzuziehen und die Familie zu erhalten, ist ja durchaus nicht erstürben. Trotz der Kosten der Kinderaufzucht wird die Erzeu­gung des ersten und des zweiten Kindes meist nicht verhindert. Erst dann entschließt man sich zur Eeburtenverhütung, oft wohl auch in dem Glauben, daß durch das Vorhandensein von zwei Kindern die Erhaltung der Familie und des Volkes gewährleistet sei. Nun findet aber erst bei etwa vier Kindern pro Ehe im Durchschnitt eine langsame Vermehrung einer Bevölkerungs­gruppe statt. Zwischen 3 und 4 Kindern pro Ehe liegt also dieVölkersterbegrenze". Der Bevölke­rungspolitiker kann folglich auf das dritte und vierte Kind in den überdurchschnittlich tüchtigen Familien unter keinen Umständen verzichten. Der zu erstrebende Lastenausgleich zwischen kinder­reichen und kinderarmen Familien muß deshalb so beschaffen sein, daß dadurch vornehmlich die Mehrbelastung ausgeglichen wird, welche das dritte und vierte, eventuell auch noch weitere Kinder verursachen.

Unstatthaft wäre es auch, einen wesentlichen Unterschied in der Belastung der Unverheirate- wn und der kinderlosen Verheirateten zu machen. Der Staat hat vom geburtenpolitischen Gesichts­punkt aus kein Interesse daran, daß seine Bür­ger heiraten, sondern daß sie mehr als zwei ehe­liche Kinder erzeugen und großziehen. Was wir brauchen, sindKinderlosen- und Kin­der armen st euer n"!

Auch Gründe der sozialen Gerechtigkeit lassen sich dafür ins Feld führen, daß ein nachdrücklicher Lastenausgleich erst beim dritten Kinde zu be-