parteiamll.Iageszeitung der Nationalsozialisten Vremens
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Das Amtsblatt des Senats der Freien Hansestadt Dremen
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Nr. 1S1 / Z. Zahrgang
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Sonnabend, 15. Juli
kinzelprels 15 Npf.
Unverbelserliche Nevisengier im prieftergewand
vierter flnklagefall: In der flktentasche 10000 Mark über die vren,e oeschmugoelt / Vas Urteil: r'/r lakre Zuchtkaus
Unser ^oZesspiegel
Die Rede des englischen Augenministers ist in Deutschland trotz einiger unklarer Punkte freundlich ausgenommen worden.
Die britische Frontkämpfer-Abordnung trifft morgen in Berlin ein.
In Paris wurden die angeblich für die Feuerkreuzler bestimmten Waffen beschlagnahmt.
Wieder mußte ein katholischer Geistlicher wegen Devisenverbrechens zu 2^ Jahren Zuchthaus verurteilt werden.
Mit der vorliegenden grundsätzlichen Regelung der Eetreideernteverwertung ist Deutschlands Brotversorgung gesichert.
Für das Landeskulturwerk wurden neue langfristige Kredite bewilligt.
Der Stabsführer der Reichsjugendsiihrung, Kreisleiter Blanke, und Regierender Bürgermeister Heider besuchten die Lager der Bremer Hitlerjugend.
In Anwesenheit führender Mitglieder der Reichsregierung erfolgt heute auf dem Bookholzberg die Weihe der Kultstätte „Stedings- ehre".
Im Davispokal-Treffen Deutschland — Tschechoslowakei trennten sich die Gegner am ersten Tag 1:1.
Die bei den städtischen und bremischen Behörden in Bremerhaven beschäftigten Schwer- kriegsverletzten wurden im Auftrage des Reg. Bürgermeisters gestern geehrt.
Mllkommen,englisHirfrimrkäiripfer!
Berlin, 13. Juli.
Am Sonntag, 11. Juli, werden die Vertreter des grohen englischen Frontkämpfer-Verbandes, der Vritish Legion, zu ihrem Besuch in Deutschland in der Reichshauptstadt eintreffen.
Abordnungen der deutschen Frontkämpferbünde werden die britischen Vertreter um 16.21,Uhr auf dem Bahnhof Friedrichstraße empfangen. Die Abordnung, besteht aus Major F. W. G. Fetherstone- Eodley, der der Führer der Abordnung ist, Oberst Ashwanden, Oberst E. Erosfield, Oberst A. D. Murray, Hauptmann M. A. Haines und Oberwachtmeister Eggleston. Die Vertreter der Vritish Legion werden voraussichtlich zehn Tage in Deutschland verbringen und dabei Gelegenheit haben, nicht nur mit den Vertretern' der grohen deutschen Frontkämpferverbände in Fühlung zu treten, sondern auch das neue Deutschland bei seiner Aufbauarbeit kennenzulernen.
Die englischen Gäste werden auch Hamburg, München und Köln einen Besuch abstatten. Am Montag werden die Abgeordneten der Vritish Legion am Ehrenmal Unter den Linden einen Kranz niederlegen und darauf bei einem Empfang im Kaiserhof vom Botschafter von Ribbentrop willkommen geheißen werden. ,
Berlin, 13. Juli
Vor dem Berliner Schnellschösfengericht fand am Freitag der Prozeß gegen den 51jährigen Prokurator-Pater Ernst Borage aus Köln wegen vorsätzlichen Devisenvergehens statt. Es handelt sich dabei um den vierten zur Verhandlung kommenden Fall aus dem umsangreichen Devisen- strafversahren gegen einige katholische Orden.
Vorage hatte innerhalb der deutschen Ordensprovinz der Lazaristen nach seiner Ernennung zum Prokurator im Juni 1930 vornehmlich die Finanzgeschäfte zu erledigen und die Kasse zu betreuen. Die deutsche Ocdensprovinz der Lazaristen bzw. Vinzentiner, bekannt unter der Bezeichnung Missionsverein der Vinzentiner e. V. und Missionsgesellschaft der Vinzentiner G. m. b. H., hatte im Jahre 1927 in Holland eine Anleihe in Höhe von 120 000 holländischen Gulden
(vrsbtbsriobt unssrsi Berliner SoliriktlsitanZ) Lr. Berlin, 13. Juli.
Die große Rede des englischen Außenministers im Unterhaus ist für die deutsche Außenpolitik besonders wegen des Appells bemerkenswert, den Sir Samuel Hoare an den Reichskanzler in dem Sinne gerichtet hat, daß Deutschland einen neuen Beitrag zur Befriedung Europas leisten möge. Ob und wann bzw. in welcher Form auf diesen Appell eine deutsche Antwort erfolgen wird, unterliegt selbstverständlich einzig und allein der Entscheidung des Führers und Reichskanzlers.
Man wird aber den englischen Außenminister angesichts dieser öffentlichen Aufforderung daran erinnern dürfen, daß zu all den einzelnen Kapiteln seiner Rede, bei denen er einen derartigen Wunsch nach einer neuen deutschen Stellungnahme äußerte, bereits sehr klare und konkrete deutsche Vorschläge seit längerer Zeit vorliegen, und daß es eigentlich für die anderen Mächte und somit auch für England nur darauf ankäme, den dort gegebenen Anregungen nachzugehen. Die Rede des englischen Außenministers kann unter diesen Umständen noch nicht als eine vollgültige Antwort auf die Kanzlerrede vom 21. Mai betrachtet werden, sondern sie stellt sich im wesentlichen als eine Verteidigung und Rechtfertigung der englischen Außenpolitik einesteils vor dem Unterhaus, andernteils vor den an der sogenannten Strssa- Front beteiligten Mächten dar.
Bemerkenswert erscheint es, daß der englische Außenminister bei seinen Betrachtungen über das
aufgenommen. Im Jahre 1932 empfahl der berüchtigte Dr. Hofius dem Angeklagten den Rückkauf von Obligationen. Nach den Ermittlungen der Zollfahndungsstellen und der Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte daraufhin insgesamt 10 000 Mark nach Holland gebracht.
Im Zusammenhang mit dieser Angelegenheit hat sich Vorage auch der Genehmigungserschlei- chung schuldig gemacht. Aus die Frage des Vorsitzenden, ob sich der Angeklagte im Sinne der Anklage schuldig fühle, erwiderte Vorage: „Zum größten Teil ja!" Auf weiteres Befragen gab der Angeklagte an, das Geld in der Aktentasche über die Grenze geschmuggelt zu haben. Er habe zwar gewußt, daß dies verboten sei, er sei sich jedoch über die Tragweite seines Handelns nicht im klaren gewesen. Auf die weitere Frage des Vorsitzenden, warum er überhaupt das Geld über die Grenze gebracht habe, antwortete der Angeklagte,
Londoner Protokoll vom 3. Februar nicht von dem vierten Punkte dieses Protokolls, also von den Beziehungen Deutschlands zum Völkerbund, gesprochen hab. Es mag ihm vielleicht selbst peinlich sein, gegenwärtig, in einer Zeit einer so kritischen Entwicklung in > Genf, Näheres über den Völkerbund in dieser speziellen Richtung zu sagen. Ebensowenig hat er sich mit den militärischen Bündnissen befaßt, die in der Zwischenzeit zwischen Frankreich, Rußland und der Tschechoslowakei abgeschlossen worden sind und durch die die Gesamtsituation in Europa doch recht wesentlich verändert worden ist. Das gilt vor allem für die Beurteilung der französischen Paktentwürfe, die der englische Außenminister so behandelt, als ob wir uns noch im Stadium des Entstehens dieser Entwürfe befänden. In dieser Hinsicht ist die Rede Sir Samuel Hoares korrekturbedürftig.
Das gilt vor allem auch im Hinblick auf den Donaupakt, der heute auf die süd- osteuropäische Lage natürlich nicht mehr in gleicher Weise angewendet werden könnte, wie man es von Paris und London aus vor einigen Monaten versucht hat.
Durch dieRestaurationsbestrebungen in O e st e r r e i ch ist jedenfalls eine derart weitgehende Wandlung des gesamtpolitischen Bildes in Südosteuropa eingetreten, daß es nicht angängig ist, einer solchen Veränderung so wenig Rechnung zu tragen, wie es der englische Außenminister in seiner Rede getan hat. Die Rede läßt in allen Teilen erkennen, daß die englische Regierung auf dem von ihr seit einiger Zeit ein-
sie hätten damals Angst vor kommunistischen Unruhen gehabt und wollten einen Notgroschen in Holland festlegen.
Der Vorsitzende erwiderte, dieses Verfahren ähnele sehr der Handlungsweise, wie sie jüdische Emigranten etwa vom Schlage des berüchtigten Rotier angewandt hätten. In diesem Falle hätten allerdings strafrechiliche Gründe eine Rolle gespielt, während hier politische Motive angeführt würden. Als der Vorsitzende den Angeklagten fragte, weshalb er seinerzeit keine Devisengenehmigung eingeholt habe, gab dieser eine ausweichende Antwort.
Nach Beendigung der Beweisaufnahme beantragte der Anklagevertreter am Schluß seines Plädoyers gegen den Angeklagten insgesamt Fahre Zuchthaus, 10 000 RM. Geldstrafe und drei Fahre Ehrverlust. Außerdem wurde die Einziehung von 30 000 RM, beantragt, für die der Orden haften soll. (Fortsetzung auf Seite 2.)
geschlagenen Wege konsequent, aber ohne jede Ueberstürzung weiterschreiien und daß sie an gewissen traditionellen Bindungen trotz der neueren Entschließungenj wie, sie sich im deutsch-englischen Flottenabkommen aussprachen, festhalten möchte. Soweit es erforderlich ist, scheint England auch zu gewissen Korrekturen-der, früheren außenpolitischen Bindungen bereit zu sein: aber auch hier will der Außenminister offenbar große Vorsicht walten lassen.
Die Rede hat in Deutschland eine freundliche Ausnahme gefunden, aber man erkennt hier auch recht deutlich ihre schwachen Punkte, und man ist infolgedessen weit davon entfernt, ihre Bedeutung zu überschätzen. (Siehe auch Seite 2.)
,.kin überwältigendes krlebnis"
Newyork, 13. Juli
Der bekannte Newyorker Prediger Pastor John Haynes Holmes, der soeben von einer Studienreise durch Deutschland zurückkehrte, erklärte Pressevertretern, er sei der Ueberzeugung, daß die Bedeutung der Führerschaft Hitlers kaum übertrieben werden könne. Der Anblick, den das Deutschland von heute biete, sei ein überwältigendes Erlebnis. 18 Jahre nach einem Kriege, durch den die Alliierten Deutschland zu zerstören gedachten, habe sich dieses Land wieder emporgerichtet. 2m Vergleich mit seinen letzten Deutschlandreisen in den Jahren 1922 und 1931 bezeichnete Holmes die Wandlung der Dinge als ein Wunder.
was Englands stußenmlnlster nicht erwähnte
Sie fluffassung In Berlin zur großen llnterliausrede Sir Samuel Soares
Heidelbergs Neichsfestspiele beginnen
Aln Sonntag beginnen in Heidelberg, die Neichs- festspiele. Sie dauern vom 11. Juli bis 18. August und bringen in täglicher Folge abwechselnd Kleists „Käthchen von Heilbronn", Goethes „Götz von Berlichinqen", „Minna von Barnhelm" von Lcssing, „Was Ihr wollt" von Shakespeare und dos neue, eigens für die Heidelberger Thingstätte geschriebene Thingspiel: „Der Weg ins Reich" von Kurt Heynicke. Stätten der Spiele sind der Heidelberger Schloß- hof, der Königssaal desSchlosses und die am 22. Juni eingeweihte Thing st ätte auf dem Heiligen Berge. Als Darsteller sind hervorragende künstlerische Kräfte am Werke, wie Käthe Dorsch, Angela Salloker, Heinrich George, Gustav Erllndgens, Walter Süßenguth und Walter Kottenkamp. Als Regisseure sind tätig Richard Meichert, Albert Florath. Lothar Müthel und Heinrich George.
Bei der Eröffnung am 11. Juli wird „Käthchen von Heilbronn" gegeben. Das Käthchen spielt Angela Salloker den Grafen Wetter vom Strahl Paul Wagner, den Gottschalk Walter Werner und den Kaiser Walter Süßenguth.
Die Reichsfestspiele stehen unter der Schirmherrschaft des Reichsministers Dr. Goebbels, der nach dem Erfolg des Vorjahres wiederum die Stadt am Neckar als Festspielort bestimmte. In mehrfacher Hinsicht erfüllt Heidel- bera die Voraussetzung für die Veranstaltung von Rcichsfestspielen die als Ausdruck des neuen deui- schen kulturellen Wollens zu werten sind. Einmal ist Heidelberg eine bevorzugte Fremdenstadt. Zum anderen Hai es ein« alte kulturelle Tradition. d>« sogar in den Ruinen des Heiligen Berges on Jahrtausende aemahnt und im Stadtbild elbst wauniafaltige Erinnerungen an die bedeutendsten Führer des geistigen und rLnitleristben Lebens aus der Zeit der Klassik und Romantik aufwei t- Schließlich gibt die Lage Heidelbergs, der wun- I
dersame Zusammenklang von Bergland, Flußtal und Ebene den idealen landschaftlichen Rahmen ab. „Käthchen" und der „Götz" sind dazu geschichtlich eng verbunden mit der Heidelberger Gegend, ist doch das Neckartal historische Stätte dieser Geschehen: Heilbronn ist die Heimat Käthchens und Burg Hornberg war der Rittersitz Götzens von Berlichingen
Amerikas Koeche-Keseilschast 1W Jahre
Die amerikanische „Eoethean Literary Society" begeht jetzt das Jubiläum ihres hundertjährigen Bestehens. Die Gesellschaft wurde von dem bekannten Literaturhistoriker Friedrich Augu st Rauch gegründet und hatte in erster Linie die Aufgabe, die deutsch-amerikanische Jugend zur Pflege von Goethes Erbe zu erziehen. Die Gesellschaft unterhält gegenwärtig in Lanchaster im nordamerikanischen Staate Pennsyloanien ein Museum und eine Bibliothek. Anläßlich des Jubiläums findet dort ein-- nr-m- Goethe- Ausstellung statt.
Walter Julius Vloem
3m Blitz der Sekunde
Schmerzen find nicht schön. Sterben ist bitter, jeder hofft drum herumzukommen. Ein Reifen kann im unpassenden Augenblick platzen: in der Achse des gerllhmtesten Fahrzeugs kann ein verborgener Eußfehler Bruch machen: niemand kann bürgen für die Torheit des Nächsten, und das Unwahrscheinlichste ward über oder unter dem Motor schon manchmal Ereignis. Dies ist die prickelnde Lust, ein Schatten am strahlenden Himmel der Fahrt — weil dieser Schatten da ist, strahlt dieser Himmel doppelt hell.
Von sechzig Kilometern ab wächst die Gefahr und der Bremsweg im Quadrat mit der, Schnelligkeit und im Kubik mit dem Leichtsinn. Bei 60 kann ich gemütlich den Fuß auf die Bremse legen, bei 100 fliege ich mit der Wucht eines Kanonenschlages in das unerwartete Hindernis hinein.
Die Uhr in unserer Tauche tickt uns-Fahrenden eilig die furchtbare Schrecksekunde. Dies Wort allein, für uns geprägt, umschreibt in einem einzigen Begriff alles, was uns zustoßen kann.
Viel hundrrttausendmal hat ein alter Fahrer den Griff des Ausweichens und Bremsen? getan, sllr ihn mag die Schrecksekunde eine halbe, eins fünftel Sekunde sein, ein besonderer Nerven
strang scheint sich gleich von seinen Augen zur Hand und zum Fuß gebildet zu haben, so genau und ohne Aufregung wirken Hand und Fuß im gefährdeten Augenblick.
Der Meister am Steuer besitzt vor allem eine sehr große Witterung für die in den nächsten Sekunden nach allen wahrscheinlichen und unwahrscheinlichen Richtungen hin mögliche Verkehrslage. Er kennt aus tausendfacher Beobachtung und Erfahrung seine eigenen Fähigkeiten, er wird sie nicht mehr so sehr überschätzen, er kennt die gewöhnlichen Fehler und Ueberraschungen, die ihm die übrigen Mitbenutzer der Straße bereiten. Auch er sieht sich zuweilen jäh vor einer Verkehrslage. die jede Hoffnung auf ein Entrinnen auszuschließen scheint, und er entwischt zuweilen noch Haarbreit — und wenn das arme Gehirn erst seine entsetzten Befehle erteilt, so ist Fahrzeug, Führer und Gast schon um drei Handbreiten jenseits der Gefahr. Ja, später überlegt dieser Meister sich warst du es oder dein Schutzengel, der mit Genauigkeit zugleich auskuppelte, bremste, den Len ker abdrehte, warst du es oder dein Schutzengel der dann einen Viertelherzschlag später die Bremse lockerte, die Kupplung sollen ließ und
Gas gab? Warst etwa du es, der unter zwölf gleichzeitigen oder blitzschnell folgenden Bewegungen nicht'einmal fehlgrisf?!
Die Fähigkeiten des Anfängers aber schwinden im Augenblick der Gefahr. Sogar meisterhaft bewährte Geistesgegenwart kann nicht befohlen werden, sie wirkt' oder sie bleibt aus, und dann gibt es ein Scherbengericht. Unheimlich ist dies dem Kriege ähnliche Geschehnis wenn Fremde, von einander bis dahin nichts Wissende sich urplötzlich verwunden oder töten, keine noch so lose Verbindung führte von einem zum andern, mit eins geht es zwischen ihnen auf Tod und Leben!
Die Uhr in deiner Tasche tickte zahllose Sekunden, du hattest sogar Stunden Zeit, aber da fehlte ein Viertelsekündchen und alles wäre vermieden worden. Urplötzlich von dieser zur nächsten Sekunde kracht Eisen auf Eisen, Glas split- tert, vielleicht fließt Blut. Das gibt immer einen Schock, das haut in die Nerven: nur so ist zu erklären, daß ruhige Männer sich hysterisch anbrüllen, obwohl vielleicht nur ein Kotflügel eingedrückt wurde — statt daß sie sich vergnügt die Hände schütteln, weil nichts Ernstliches geschah
Dieser Zustand des Nichtsahnens bis in die Sekunde des Unfalls hat noch eine sehr komische Folge: Niemand will.es gewesen sein, immer ist der andere schuld! Und dann wird gehadert auf der Straße, und dann wird prozessiert, und dann gibt es einen unglaublichen Haufen von Scherereien, und dann verliert man sechsmal so viel Zeit und Geld als die Geschichte wert ist — und wenn die. Sache was Gutes hatte, so jährt man ab dato die entscheidenden zehn KaEm langsamer. Aber gewöhnlich tut man das nur während der nächsten drei Tage, und dann geht es wieder los hastewaskannste, und dann . . .
Das sicherste Zeichen, daß man richtig fuhr. ist der vermiedene Unfall! Die Mitschuld be-, ginnt, daß man da ist, daß man existiert, sie nähert sich langsam der juristischen Mitschuld, je weniger wach man gewesen ist, je mehr man trödelte, je weniger Geistesgegenwart und Beherrschung man trotz formalem Jm--Recht-S«in gerade in diesem Augenblick zeigte Alleinschuld ist aber ein luristischer Kniff, der in der Wirklichkeit nie-
Sie feuerkreuzler
Der Führer, die Organisation, das Programm und die Grenzen ihrer Machtentfaltung (Von unserem Larissr R.-ll.-dlitarbsitsr) Paris, im Juli.
Die Organisation der Feuerkreuzler stellt im heutigen Frankreich einen wesentlichen Machtfaktor dar, mit dem bei den kommenden innenpolitischen Auseinandersetzungen gerechnet werden muß. Die blutigen Begebenheiten auf dem „Platz der Ein. tracht" am 6. Februar vorigen Jahres und die rie- senhaften Aufmärsche des rechtsgerichteten und des linksgerichteten Frankreich an diesem 11. Juli sind nur zwei Etappen, wenn auch außerordentlich wichtige, auf dem weiten Wege der geistigen Re- volutionierung des französischen Volkes. Vom linksgerichteten Frankreich, das heute noch die große Mehrheit des französischen Volkes umfaßt, wird als der gefährlichste Feind des gegnerischen Lagers die Organisation der Feuerkreuzler ange- sehen.
Die Vereinigung der „Eroix de Feu" wurde Ende des Jahres 1927 von einigen verdienten ehemaligen Frontkämpfern gegründet. Wie der Name der Vereinigung andeutet, sollten in ihr nur diejenigen Kriegsteilnehmer Aufnahme, finden, die das Kriegsverdienstkreuz-im feindlichen Feuer er-
Auch heute bringt die „Bremer Zeitung" wieder den einzigen vom Hauptlagerführer der Bremer HJ.-Lager, Oberbannsilhrer Carl Jung, autorisierten Bericht über die Vorgänge des Tages in Bad Essen und Lintors.
worden hatten. Erst seit dem Januar 1930 traten die Feuerkreuzler an die Öffentlichkeit. Seit die- ser Zeit bis zum Ende des Jahres 1933 konnten sie einen monatlichen Zuwachs von gut 800 neuen Mitgliedern verzeichnen. In diese Periode fällt die Gründung der Jugendvereinigung der „Söh- ne der Feuerkreuzler". Mit dem blutigen 6. Februar des Jahres 1931 beginnt der eigent- liche Aufschwung der Feuerkreuzler. Die Ziffer des monatlichen Zuwachses steigt sprunghaft auf 2800, auf 1000 und schließlich auf 6000 Neuaufnahmen, bei denen dann allerdings die Bedingung des an der Front erworbenen Verdienstkreuzes fallen gelassen wurde. Die Vereinigung der „Söhne der Feuerkreuzler" wird in eine solche der „Nationalen Freiwilligen" umgewan-
mals vorkommt — außer in Ihrem Fall, mein Freund, und ich meine natürlich Ihren Gegner.
Gott allein mag. vielleicht wissen, wer wirklich schuld ist. Da handelt es sich um Per- schwundenes, das Gedächtnis aber ist vom Schreck verwischt und verzerrt, es handelt sich um eins nicht gemessene, längst zum Stillstand gekommene Geschwindigkeit, es handelt sich um einen Bremsweg, der fast nie genau festgestellt werden kann.
Aber die Zeugen! Menschen des Alltags, müde und einflußlos zumeist im Leben, plötzlich sind sie sehr wichtige Personen geworden, es hängt von ihnen ab, ob ein Mensch für drei Jahre ins Gefängnis kommt, und fürs Leben ruiniert wird. Das geht zuerst vor einer zusammengeströmten Menge, dann vor einem Schutzmann, dann vor einem Gerichtshof, ihre Bedeutung wird immer amtswichtiger! Und so haben sie denn beobachtet, und gehört und gesehen, ob und an welcher Stelle der eine Fahrer Zeichen gab und wann der andere bremste, und wie schnell jeder von beiden fuhr, und sie können genau angeben, aus welcher Haargenauen Richtung jeder gekommen ist, und sie zögern nicht zu sagen, was dieser richtig machte, was jener falsch — und sie schwören sogar .. .
Für das junge Mädchen, das Zeuge eines Unfalls wurde, ist es verständlich, daß dieser bübsche junge Mann unschuldig ist: die ältere Frau.wird, jeden Fahrer beschuldigen, der das ihr fremdeste Kind zu Schaden fuhr, ganz gleich, wie das ge-. schah. Der Taxichauffeur wird gegen den Herren-, fahrer eingenommen sein, Frauen gegen. eine. Frau, Männer für eine, hübsche Fahretin, Fuß-' gänger gegen Kraftfahrer, Arme. gegen sichtlich, oder auch nur anscheinend Wohlhabende. Für den Zeugen ist weit wichtiger die Art und das Verhalten der beiden Führer nach dem Unfall selbst. Der eine hat die Nerven schnell wieder, ist freundlich, lächelt in höflicher Berechnung, weiß die Zeugen in ihrem plötzlich wichtigen Selbstgefühl richtig zu behandeln — jawohl, sie stimmen ihm eitrig zu Der andere, vielleicht ist er der Schuldlose, aber er hat die Nerven noch nicht zurück, er skandaliert, schreit Zeugen an.