Ausgabe 
(13.7.1935) Nr. 191
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

parteiamll.Iageszeitung der Nationalsozialisten Vremens

. ., c- '

Das Amtsblatt des Senats der Freien Hansestadt Dremen

^urch di?PE RM ^2 M RM. 2,8V einschl, 30 Rps. Zustellungsgebühr;

entricht n ^Posts^ch Snmbnrn i 7 S -2 ""sschl. P°st°°'t°llg°ld. Der Bezugspreis ist im voraus zu

NS -Eauverlaa Meier^Ems ki m Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch auf Erstattung oder Ersatz. ^--«auoer mg^vese^Em^E. m. b. H., Bremen, Am Eeeren 88 / Fernsprecher: Roland 828.

Nr. 1S1 / Z. Zahrgang

1 g Z 5

Anzeigen-Grundpreise: Die 22-mm.Zeile im Anzeigenteil 12 Rps., die 70-mm.Zeile im Textteil 78 Rps.

Ermäßigte Grundpreise Mir kleine Anzeigen. Familienanzeigen u. a.i sowie sonst g- Bed ngungen laut Preisliste 4. lNachlaßstassel 0.» Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewahr. Annahmeschluß tk Uhr. Sprechzeit: Verlag werktäqlich von 1213 Uhr: Schriztleitung Dienstag bis Frertag von 12V--13 /- Uhr.

Sonnabend, 15. Juli

kinzelprels 15 Npf.

Unverbelserliche Nevisengier im prieftergewand

vierter flnklagefall: In der flktentasche 10000 Mark über die vren,e oeschmugoelt / Vas Urteil: r'/r lakre Zuchtkaus

Unser ^oZesspiegel

Die Rede des englischen Augenministers ist in Deutschland trotz einiger unklarer Punkte freundlich ausgenommen worden.

Die britische Frontkämpfer-Abordnung trifft morgen in Berlin ein.

In Paris wurden die angeblich für die Feuerkreuzler bestimmten Waffen beschlag­nahmt.

Wieder mußte ein katholischer Geistlicher wegen Devisenverbrechens zu 2^ Jahren Zuchthaus verurteilt werden.

Mit der vorliegenden grundsätzlichen Rege­lung der Eetreideernteverwertung ist Deutsch­lands Brotversorgung gesichert.

Für das Landeskulturwerk wurden neue langfristige Kredite bewilligt.

Der Stabsführer der Reichsjugendsiihrung, Kreisleiter Blanke, und Regierender Bürger­meister Heider besuchten die Lager der Bremer Hitlerjugend.

In Anwesenheit führender Mitglieder der Reichsregierung erfolgt heute auf dem Book­holzberg die Weihe der KultstätteStedings- ehre".

Im Davispokal-Treffen Deutschland Tsche­choslowakei trennten sich die Gegner am ersten Tag 1:1.

Die bei den städtischen und bremischen Be­hörden in Bremerhaven beschäftigten Schwer- kriegsverletzten wurden im Auftrage des Reg. Bürgermeisters gestern geehrt.

Mllkommen,englisHirfrimrkäiripfer!

Berlin, 13. Juli.

Am Sonntag, 11. Juli, werden die Vertreter des grohen englischen Frontkämpfer-Verbandes, der Vritish Legion, zu ihrem Besuch in Deutsch­land in der Reichshauptstadt eintreffen.

Abordnungen der deutschen Frontkämpferbünde werden die britischen Vertreter um 16.21,Uhr auf dem Bahnhof Friedrichstraße empfangen. Die Ab­ordnung, besteht aus Major F. W. G. Fetherstone- Eodley, der der Führer der Abordnung ist, Oberst Ashwanden, Oberst E. Erosfield, Oberst A. D. Murray, Hauptmann M. A. Haines und Ober­wachtmeister Eggleston. Die Vertreter der Vritish Legion werden voraussichtlich zehn Tage in Deutschland verbringen und dabei Gelegen­heit haben, nicht nur mit den Vertretern' der grohen deutschen Frontkämpferverbände in Füh­lung zu treten, sondern auch das neue Deutschland bei seiner Aufbauarbeit kennenzulernen.

Die englischen Gäste werden auch Hamburg, München und Köln einen Besuch abstatten. Am Montag werden die Abgeordneten der Vritish Le­gion am Ehrenmal Unter den Linden einen Kranz niederlegen und darauf bei einem Empfang im Kaiserhof vom Botschafter von Ribbentrop will­kommen geheißen werden. ,

Berlin, 13. Juli

Vor dem Berliner Schnellschösfengericht fand am Freitag der Prozeß gegen den 51jährigen Prokurator-Pater Ernst Borage aus Köln wegen vorsätzlichen Devisenvergehens statt. Es handelt sich dabei um den vierten zur Verhandlung kom­menden Fall aus dem umsangreichen Devisen- strafversahren gegen einige katholische Orden.

Vorage hatte innerhalb der deutschen Ordens­provinz der Lazaristen nach seiner Ernennung zum Prokurator im Juni 1930 vornehmlich die Finanzgeschäfte zu erledigen und die Kasse zu be­treuen. Die deutsche Ocdensprovinz der Laza­risten bzw. Vinzentiner, bekannt unter der Be­zeichnung Missionsverein der Vinzentiner e. V. und Missionsgesellschaft der Vinzentiner G. m. b. H., hatte im Jahre 1927 in Holland eine An­leihe in Höhe von 120 000 holländischen Gulden

(vrsbtbsriobt unssrsi Berliner SoliriktlsitanZ) Lr. Berlin, 13. Juli.

Die große Rede des englischen Außenministers im Unterhaus ist für die deutsche Außenpolitik besonders wegen des Appells bemerkenswert, den Sir Samuel Hoare an den Reichskanzler in dem Sinne gerichtet hat, daß Deutschland einen neuen Beitrag zur Befriedung Europas leisten möge. Ob und wann bzw. in welcher Form auf diesen Appell eine deutsche Antwort erfolgen wird, unterliegt selbstverständlich einzig und allein der Entscheidung des Führers und Reichskanzlers.

Man wird aber den englischen Außenminister angesichts dieser öffentlichen Aufforderung daran erinnern dürfen, daß zu all den einzelnen Ka­piteln seiner Rede, bei denen er einen der­artigen Wunsch nach einer neuen deutschen Stellungnahme äußerte, bereits sehr klare und konkrete deutsche Vorschläge seit längerer Zeit vorliegen, und daß es eigentlich für die anderen Mächte und somit auch für England nur darauf ankäme, den dort gegebenen Anre­gungen nachzugehen. Die Rede des englischen Außenministers kann unter diesen Umständen noch nicht als eine vollgültige Antwort auf die Kanzlerrede vom 21. Mai betrachtet werden, son­dern sie stellt sich im wesentlichen als eine Ver­teidigung und Rechtfertigung der englischen Außenpolitik einesteils vor dem Unterhaus, andernteils vor den an der sogenannten Strssa- Front beteiligten Mächten dar.

Bemerkenswert erscheint es, daß der englische Außenminister bei seinen Betrachtungen über das

aufgenommen. Im Jahre 1932 empfahl der be­rüchtigte Dr. Hofius dem Angeklagten den Rückkauf von Obligationen. Nach den Ermittlungen der Zollfahndungsstellen und der Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte daraufhin insgesamt 10 000 Mark nach Holland gebracht.

Im Zusammenhang mit dieser Angelegenheit hat sich Vorage auch der Genehmigungserschlei- chung schuldig gemacht. Aus die Frage des Vor­sitzenden, ob sich der Angeklagte im Sinne der Anklage schuldig fühle, erwiderte Vorage:Zum größten Teil ja!" Auf weiteres Befragen gab der Angeklagte an, das Geld in der Aktentasche über die Grenze geschmuggelt zu haben. Er habe zwar gewußt, daß dies verboten sei, er sei sich jedoch über die Tragweite seines Handelns nicht im klaren gewesen. Auf die weitere Frage des Vor­sitzenden, warum er überhaupt das Geld über die Grenze gebracht habe, antwortete der Angeklagte,

Londoner Protokoll vom 3. Februar nicht von dem vierten Punkte dieses Protokolls, also von den Beziehungen Deutschlands zum Völkerbund, gesprochen hab. Es mag ihm vielleicht selbst peinlich sein, gegenwärtig, in einer Zeit einer so kritischen Entwicklung in > Genf, Näheres über den Völkerbund in dieser spezi­ellen Richtung zu sagen. Ebensowenig hat er sich mit den militärischen Bündnissen befaßt, die in der Zwischenzeit zwischen Frankreich, Rußland und der Tschechoslowakei abgeschlossen worden sind und durch die die Gesamtsituation in Europa doch recht wesentlich verändert worden ist. Das gilt vor allem für die Beurteilung der französischen Paktentwürfe, die der englische Außenminister so behandelt, als ob wir uns noch im Stadium des Entstehens dieser Entwürfe befänden. In dieser Hinsicht ist die Rede Sir Samuel Hoares korrek­turbedürftig.

Das gilt vor allem auch im Hinblick auf den Donaupakt, der heute auf die süd- osteuropäische Lage natürlich nicht mehr in gleicher Weise angewendet werden könnte, wie man es von Paris und London aus vor ei­nigen Monaten versucht hat.

Durch dieRestaurationsbestrebungen in O e st e r r e i ch ist jedenfalls eine derart weit­gehende Wandlung des gesamtpolitischen Bildes in Südosteuropa eingetreten, daß es nicht an­gängig ist, einer solchen Veränderung so wenig Rechnung zu tragen, wie es der englische Außen­minister in seiner Rede getan hat. Die Rede läßt in allen Teilen erkennen, daß die englische Re­gierung auf dem von ihr seit einiger Zeit ein-

sie hätten damals Angst vor kommunistischen Un­ruhen gehabt und wollten einen Notgroschen in Holland festlegen.

Der Vorsitzende erwiderte, dieses Verfahren ähnele sehr der Handlungsweise, wie sie jüdische Emigranten etwa vom Schlage des berüchtigten Rotier angewandt hätten. In diesem Falle hätten allerdings strafrechiliche Gründe eine Rolle ge­spielt, während hier politische Motive angeführt würden. Als der Vorsitzende den Angeklagten fragte, weshalb er seinerzeit keine Devisengeneh­migung eingeholt habe, gab dieser eine auswei­chende Antwort.

Nach Beendigung der Beweisaufnahme be­antragte der Anklagevertreter am Schluß seines Plädoyers gegen den Angeklagten insgesamt Fahre Zuchthaus, 10 000 RM. Geldstrafe und drei Fahre Ehrverlust. Außerdem wurde die Einziehung von 30 000 RM, beantragt, für die der Orden haften soll. (Fortsetzung auf Seite 2.)

geschlagenen Wege konsequent, aber ohne jede Ueberstürzung weiterschreiien und daß sie an ge­wissen traditionellen Bindungen trotz der neueren Entschließungenj wie, sie sich im deutsch-englischen Flottenabkommen aussprachen, festhalten möchte. Soweit es erforderlich ist, scheint England auch zu gewissen Korrekturen-der, früheren außenpoli­tischen Bindungen bereit zu sein: aber auch hier will der Außenminister offenbar große Vorsicht walten lassen.

Die Rede hat in Deutschland eine freundliche Ausnahme gefunden, aber man erkennt hier auch recht deutlich ihre schwachen Punkte, und man ist infolgedessen weit davon entfernt, ihre Bedeutung zu überschätzen. (Siehe auch Seite 2.)

,.kin überwältigendes krlebnis"

Newyork, 13. Juli

Der bekannte Newyorker Prediger Pastor John Haynes Holmes, der soeben von einer Studien­reise durch Deutschland zurückkehrte, erklärte Pressevertretern, er sei der Ueberzeugung, daß die Bedeutung der Führerschaft Hitlers kaum übertrieben werden könne. Der Anblick, den das Deutschland von heute biete, sei ein überwälti­gendes Erlebnis. 18 Jahre nach einem Kriege, durch den die Alliierten Deutschland zu zerstören gedachten, habe sich dieses Land wieder empor­gerichtet. 2m Vergleich mit seinen letzten Deutsch­landreisen in den Jahren 1922 und 1931 bezeich­nete Holmes die Wandlung der Dinge als ein Wunder.

was Englands stußenmlnlster nicht erwähnte

Sie fluffassung In Berlin zur großen llnterliausrede Sir Samuel Soares

Heidelbergs Neichsfestspiele beginnen

Aln Sonntag beginnen in Heidelberg, die Neichs- festspiele. Sie dauern vom 11. Juli bis 18. Au­gust und bringen in täglicher Folge abwechselnd KleistsKäthchen von Heilbronn", GoethesGötz von Berlichinqen",Minna von Barnhelm" von Lcssing,Was Ihr wollt" von Shakespeare und dos neue, eigens für die Heidelberger Thingstätte geschriebene Thingspiel:Der Weg ins Reich" von Kurt Heynicke. Stätten der Spiele sind der Heidelberger Schloß- hof, der Königssaal desSchlosses und die am 22. Juni eingeweihte Thing st ätte auf dem Heiligen Berge. Als Darsteller sind her­vorragende künstlerische Kräfte am Werke, wie Käthe Dorsch, Angela Salloker, Heinrich George, Gustav Erllndgens, Walter Süßenguth und Wal­ter Kottenkamp. Als Regisseure sind tätig Richard Meichert, Albert Florath. Lothar Müthel und Heinrich George.

Bei der Eröffnung am 11. Juli wirdKäthchen von Heilbronn" gegeben. Das Käthchen spielt Angela Salloker den Grafen Wetter vom Strahl Paul Wagner, den Gottschalk Walter Werner und den Kaiser Walter Süßenguth.

Die Reichsfestspiele stehen unter der Schirm­herrschaft des Reichsministers Dr. Goebbels, der nach dem Erfolg des Vorjahres wiederum die Stadt am Neckar als Festspielort bestimmte. In mehrfacher Hinsicht erfüllt Heidel- bera die Voraussetzung für die Veranstaltung von Rcichsfestspielen die als Ausdruck des neuen deui- schen kulturellen Wollens zu werten sind. Einmal ist Heidelberg eine bevorzugte Fremdenstadt. Zum anderen Hai es ein« alte kulturelle Tradition. d>« sogar in den Ruinen des Heiligen Berges on Jahrtausende aemahnt und im Stadtbild elbst wauniafaltige Erinnerungen an die bedeutendsten Führer des geistigen und rLnitleristben Lebens aus der Zeit der Klassik und Romantik aufwei t- Schließlich gibt die Lage Heidelbergs, der wun- I

dersame Zusammenklang von Bergland, Flußtal und Ebene den idealen landschaftlichen Rahmen ab.Käthchen" und derGötz" sind dazu geschicht­lich eng verbunden mit der Heidelberger Gegend, ist doch das Neckartal historische Stätte dieser Ge­schehen: Heilbronn ist die Heimat Käthchens und Burg Hornberg war der Rittersitz Götzens von Berlichingen

Amerikas Koeche-Keseilschast 1W Jahre

Die amerikanischeEoethean Literary Society" begeht jetzt das Jubiläum ihres hundertjährigen Bestehens. Die Gesellschaft wurde von dem be­kannten Literaturhistoriker Friedrich Augu st Rauch gegründet und hatte in erster Linie die Aufgabe, die deutsch-amerikanische Jugend zur Pflege von Goethes Erbe zu erziehen. Die Ge­sellschaft unterhält gegenwärtig in Lanchaster im nordamerikanischen Staate Pennsyloanien ein Museum und eine Bibliothek. Anläßlich des Jubiläums findet dort ein-- nr-m- Goethe- Ausstellung statt.

Walter Julius Vloem

3m Blitz der Sekunde

Schmerzen find nicht schön. Sterben ist bitter, jeder hofft drum herumzukommen. Ein Reifen kann im unpassenden Augenblick platzen: in der Achse des gerllhmtesten Fahrzeugs kann ein verborgener Eußfehler Bruch machen: niemand kann bürgen für die Torheit des Nächsten, und das Unwahrscheinlichste ward über oder unter dem Motor schon manchmal Ereignis. Dies ist die prickelnde Lust, ein Schatten am strahlenden Him­mel der Fahrt weil dieser Schatten da ist, strahlt dieser Himmel doppelt hell.

Von sechzig Kilometern ab wächst die Gefahr und der Bremsweg im Quadrat mit der, Schnel­ligkeit und im Kubik mit dem Leichtsinn. Bei 60 kann ich gemütlich den Fuß auf die Bremse legen, bei 100 fliege ich mit der Wucht eines Kanonenschlages in das unerwartete Hindernis hinein.

Die Uhr in unserer Tauche tickt uns-Fahrenden eilig die furchtbare Schrecksekunde. Dies Wort allein, für uns geprägt, umschreibt in einem ein­zigen Begriff alles, was uns zustoßen kann.

Viel hundrrttausendmal hat ein alter Fahrer den Griff des Ausweichens und Bremsen? getan, sllr ihn mag die Schrecksekunde eine halbe, eins fünftel Sekunde sein, ein besonderer Nerven­

strang scheint sich gleich von seinen Augen zur Hand und zum Fuß gebildet zu haben, so genau und ohne Aufregung wirken Hand und Fuß im gefährdeten Augenblick.

Der Meister am Steuer besitzt vor allem eine sehr große Witterung für die in den nächsten Sekunden nach allen wahrschein­lichen und unwahrscheinlichen Richtungen hin mögliche Verkehrslage. Er kennt aus tausendfacher Beobachtung und Erfahrung seine eigenen Fähigkeiten, er wird sie nicht mehr so sehr überschätzen, er kennt die gewöhnlichen Feh­ler und Ueberraschungen, die ihm die übrigen Mitbenutzer der Straße bereiten. Auch er sieht sich zuweilen jäh vor einer Verkehrslage. die jede Hoffnung auf ein Entrinnen auszuschließen scheint, und er entwischt zuweilen noch Haarbreit und wenn das arme Gehirn erst seine ent­setzten Befehle erteilt, so ist Fahrzeug, Führer und Gast schon um drei Handbreiten jenseits der Gefahr. Ja, später überlegt dieser Meister sich warst du es oder dein Schutzengel, der mit Ge­nauigkeit zugleich auskuppelte, bremste, den Len ker abdrehte, warst du es oder dein Schutzengel der dann einen Viertelherzschlag später die Bremse lockerte, die Kupplung sollen ließ und

Gas gab? Warst etwa du es, der unter zwölf gleichzeitigen oder blitzschnell folgenden Bewegun­gen nicht'einmal fehlgrisf?!

Die Fähigkeiten des Anfängers aber schwinden im Augenblick der Gefahr. Sogar meisterhaft bewährte Geistesgegenwart kann nicht befohlen werden, sie wirkt' oder sie bleibt aus, und dann gibt es ein Scherbengericht. Unheimlich ist dies dem Kriege ähnliche Geschehnis wenn Fremde, von einander bis dahin nichts Wissende sich ur­plötzlich verwunden oder töten, keine noch so lose Verbindung führte von einem zum andern, mit eins geht es zwischen ihnen auf Tod und Leben!

Die Uhr in deiner Tasche tickte zahllose Se­kunden, du hattest sogar Stunden Zeit, aber da fehlte ein Viertelsekündchen und alles wäre ver­mieden worden. Urplötzlich von dieser zur näch­sten Sekunde kracht Eisen auf Eisen, Glas split- tert, vielleicht fließt Blut. Das gibt immer einen Schock, das haut in die Nerven: nur so ist zu erklären, daß ruhige Männer sich hysterisch an­brüllen, obwohl vielleicht nur ein Kotflügel ein­gedrückt wurde statt daß sie sich vergnügt die Hände schütteln, weil nichts Ernstliches geschah

Dieser Zustand des Nichtsahnens bis in die Se­kunde des Unfalls hat noch eine sehr komische Folge: Niemand will.es gewesen sein, immer ist der andere schuld! Und dann wird gehadert auf der Straße, und dann wird prozessiert, und dann gibt es einen unglaublichen Haufen von Schere­reien, und dann verliert man sechsmal so viel Zeit und Geld als die Geschichte wert ist und wenn die. Sache was Gutes hatte, so jährt man ab dato die entscheidenden zehn KaEm lang­samer. Aber gewöhnlich tut man das nur wäh­rend der nächsten drei Tage, und dann geht es wieder los hastewaskannste, und dann . . .

Das sicherste Zeichen, daß man richtig fuhr. ist der vermiedene Unfall! Die Mitschuld be-, ginnt, daß man da ist, daß man existiert, sie nähert sich langsam der juristischen Mitschuld, je weniger wach man gewesen ist, je mehr man trö­delte, je weniger Geistesgegenwart und Beherr­schung man trotz formalem Jm--Recht-S«in gerade in diesem Augenblick zeigte Alleinschuld ist aber ein luristischer Kniff, der in der Wirklichkeit nie-

Sie feuerkreuzler

Der Führer, die Organisation, das Programm und die Grenzen ihrer Machtentfaltung (Von unserem Larissr R.-ll.-dlitarbsitsr) Paris, im Juli.

Die Organisation der Feuerkreuzler stellt im heutigen Frankreich einen wesentlichen Machtfaktor dar, mit dem bei den kommenden innenpolitischen Auseinandersetzungen gerechnet werden muß. Die blutigen Begebenheiten auf demPlatz der Ein. tracht" am 6. Februar vorigen Jahres und die rie- senhaften Aufmärsche des rechtsgerichteten und des linksgerichteten Frankreich an diesem 11. Juli sind nur zwei Etappen, wenn auch außerordentlich wichtige, auf dem weiten Wege der geistigen Re- volutionierung des französischen Volkes. Vom linksgerichteten Frankreich, das heute noch die große Mehrheit des französischen Volkes umfaßt, wird als der gefährlichste Feind des gegnerischen Lagers die Organisation der Feuerkreuzler ange- sehen.

Die Vereinigung derEroix de Feu" wurde Ende des Jahres 1927 von einigen verdienten ehe­maligen Frontkämpfern gegründet. Wie der Name der Vereinigung andeutet, sollten in ihr nur die­jenigen Kriegsteilnehmer Aufnahme, finden, die das Kriegsverdienstkreuz-im feindlichen Feuer er-

Auch heute bringt dieBremer Zeitung" wieder den einzigen vom Hauptlagerführer der Bremer HJ.-Lager, Oberbannsilhrer Carl Jung, autorisier­ten Bericht über die Vorgänge des Tages in Bad Essen und Lintors.

worden hatten. Erst seit dem Januar 1930 traten die Feuerkreuzler an die Öffentlichkeit. Seit die- ser Zeit bis zum Ende des Jahres 1933 konnten sie einen monatlichen Zuwachs von gut 800 neuen Mitgliedern verzeichnen. In diese Periode fällt die Gründung der Jugendvereinigung derSöh- ne der Feuerkreuzler". Mit dem blutigen 6. Februar des Jahres 1931 beginnt der eigent- liche Aufschwung der Feuerkreuzler. Die Ziffer des monatlichen Zuwachses steigt sprunghaft auf 2800, auf 1000 und schließlich auf 6000 Neuauf­nahmen, bei denen dann allerdings die Bedingung des an der Front erworbenen Verdienstkreuzes fallen gelassen wurde. Die Vereinigung der Söhne der Feuerkreuzler" wird in eine solche der Nationalen Freiwilligen" umgewan-

mals vorkommt außer in Ihrem Fall, mein Freund, und ich meine natürlich Ihren Gegner.

Gott allein mag. vielleicht wissen, wer wirklich schuld ist. Da handelt es sich um Per- schwundenes, das Gedächtnis aber ist vom Schreck verwischt und verzerrt, es handelt sich um eins nicht gemessene, längst zum Stillstand gekommene Geschwindigkeit, es handelt sich um einen Brems­weg, der fast nie genau festgestellt werden kann.

Aber die Zeugen! Menschen des Alltags, müde und einflußlos zumeist im Leben, plötzlich sind sie sehr wichtige Personen geworden, es hängt von ihnen ab, ob ein Mensch für drei Jahre ins Ge­fängnis kommt, und fürs Leben ruiniert wird. Das geht zuerst vor einer zusammengeströmten Menge, dann vor einem Schutzmann, dann vor einem Gerichtshof, ihre Bedeutung wird immer amtswichtiger! Und so haben sie denn beobach­tet, und gehört und gesehen, ob und an welcher Stelle der eine Fahrer Zeichen gab und wann der andere bremste, und wie schnell jeder von beiden fuhr, und sie können genau angeben, aus welcher Haargenauen Richtung jeder gekommen ist, und sie zögern nicht zu sagen, was dieser richtig machte, was jener falsch und sie schwören so­gar .. .

Für das junge Mädchen, das Zeuge eines Un­falls wurde, ist es verständlich, daß dieser bübsche junge Mann unschuldig ist: die ältere Frau.wird, jeden Fahrer beschuldigen, der das ihr fremdeste Kind zu Schaden fuhr, ganz gleich, wie das ge-. schah. Der Taxichauffeur wird gegen den Herren-, fahrer eingenommen sein, Frauen gegen. eine. Frau, Männer für eine, hübsche Fahretin, Fuß-' gänger gegen Kraftfahrer, Arme. gegen sichtlich, oder auch nur anscheinend Wohlhabende. Für den Zeugen ist weit wichtiger die Art und das Verhalten der beiden Führer nach dem Unfall selbst. Der eine hat die Nerven schnell wieder, ist freundlich, lächelt in höflicher Berechnung, weiß die Zeugen in ihrem plötzlich wichtigen Selbstgefühl richtig zu behandeln jawohl, sie stimmen ihm eitrig zu Der andere, vielleicht ist er der Schuldlose, aber er hat die Nerven noch nicht zurück, er skandaliert, schreit Zeugen an.