parteiamtklageszeitung der NationalsozialislenVremens
Das flmlsblalt des Senats der Zreien fjansestadt Vremen
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Nr. iso / 5. Jahrgang
frettag, 12. Juli
klnzelprels 15 Npf.
kngllnid setzt seine Hoffnungen auf fltzolf ffitler
Kroße außenpolitische NeSe des Ministers Sir Samuel ßoare vor dem Unterhaus / Lebhafte ftussprache bei Kerzenlicht
UnsSr lagssspivgsl
Der englische Außenminister Haare hat sich in seiner llnterhausrede unmittelbar an Adolf Hitler gewandt
Die deutsche Regierung hat in Kowno gegen eine Anordnung des Appellationsgerichtshoss Einspruch erhoben
Mit dem Herannahen des 14. Juli spitzen sich die politischen Gegensätze in Frankreich in bedenklicher Weise zu
In Abessinien haben sich neue, gegen Italien gerichtete Zwischenfälle ereignet In Bremen sind grohe Anlandungen von Ueberseehölzern erfolgt Das auf dem Bremer Vulkan im Bau befindliche MS. „Brattdal" ging in anderen Besitz über
Die bislang alljährlich stattfindenden Ee- richtsferien fallen erstmalig in diesem Jahrs aus
Die kleine Wiimme erhält in der Nähe der Reichsautobahn in Horn ein etwa 2 Kilo- meter langes neues Bett In der Tennishalle in Schwachhausen begann gestern der Kampf um die Bremer Tennismeisterschaften
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Sammlungsordnung der NSVfip.
'(Drabtboriakt äussrer Rsriinsr Lobrittlsitung)
Lr. Berlin, 12. Juli.
Die Sammlungsordnung der NSDAP., die jetzt im Reichsgesetzblatt veröffentlicht wird, bestimmt, daß alle öffentlichen Sammlungen, die von der Partei oder den angeschlossenen Verbänden durchgeführt werden, der Genehmigung bedürfen, für welche der Reichsschatzmeister der Partei im Einvernehmen mit dem Reichsminister des Innern zuständig ist. Vor Erteilung der Genehmigung darf eine Sammlung nicht öffentlich angekündigt werden. Der Ertrag einer nicht genehmigten Sammlung ist einzuziehen. Den Dienststellen der Partei ist die Mitwirkung bei öffentlichen Sammlungen nur mit Genehmigung des Reichsschatz- meisters der Partei gestattet. Jugendliche vom 14. bis 18. Lebensjahr dürfen nur bei der Durchführung von Sammlungen auf Straßen oder Plätzen und nur bis zum Beginn der Dunkelheit mitwirken. Die Verwendung von Kindern unter 14 Jahren ist unzulässig. Verstöße werden nach dem Recht der Partei und dem Recht des Staates geahndet.
Her sührer besucht alte Parteigenossin
München, 12. Juli.
Am Donnerstag besuchte der Führer in Solln die Parteigenossin Frau Hoffmann, um ihr zu ihrem 7 8. Geburtstag persönlich seine Glückwünsche zu überbringen. Diese Ehrung wurde einer Parteigenossin zuteil, die seit 1920 in den Reihen der Bewegung steht und ihr seitdem in unerschütterlicher, aufopferungsvoller Treue verbunden blieb.
London, 12. Juli.
Der englische Außenminister Sir Samuel Hoare eröffnete am Donnerstagnachmkttag die große außenpolitische Aussprache im Unterhaus. Nach Erledigung einiger Anfragen hielt Hoare seine erste Unterhaus-Rede seit seiner Ernennung zum englischen Außenminister. Der Krieg, so führte er aus, habe die meisten Leute überzeugt, daß der Friede ein Ganzes ist, und diese Auffassung habe die Länder der Welt zur Schaffung des Völkerbundes veranlaßt. Das deutsch-englische Flottenabkommen sei keineswegs selbstsüchtig abgeschlossen. England hätte kein solches Abkommen unterzeichnet, das nicht auch zum Vorteil der anderen Seemächte sei. Jedes Abkommen, das England mit Deutschland hätte schließen können, hätte derart sein müssen, daß es die Aussichten eines allgemeinen Flottenvertrages nicht ungünstig beeinflusse. Es habe überragende Gründe gegeben, warum England im Interesse des Friedens die sich ihm bietende Gelegenheit hätte ergreifen müssen. Zu viele Gelegenheiten zur Herbeiführung einer Abrüstung seien in den letzten Jahren ungenutzt geblieben. Hier habe jedoch ein Fall vorgelegen, in dem die Marinesachverständigen auf Grund marinetechni- scher Gründe der Ansicht waren, daß ein Abkommen geschlossen werden mußte.
Hier habe sich eine vielleicht nie wiederkehrende Gelegenheit geboten, um eine der
Paris, 12. Juli.
Die politischen Gegensätze in Frankreich, die am 14. Juli in Paris zum offenen Ausbruch zu kommen drohen, spitzen sich mehr und mehr zu. Soeben hatte Ministerpäsident Lava! eine letzte Aussprache über die Sicherungsmaßnahmen für den 14. Juli, an der der Innenminister, der Kriegsminister, der Polizeipräsekt von Paris, der Militärgouverneur von Paris, der Befehlshaber des Wehrkreises Paris, der Stellvertretende General- stabschef und mehrere leitende Polizeibeamte teilnahmen. Möglicherweise wird Lava! am Sonn- taamittag das französische Volk in einer Rundfunkansprache zur Ruhe und Einigkeit auffordern.
Im „Petit Journal" bezeichnet der Generalsekretär der französischen Marxisten, Paul Faure, die am Sonntag ausmarschierende Linksfront als den Ausdruck eines Perteidigungs- reflexcs. Er glaubt nicht an ihren inneren Zusammenhalt. Im gleichen Blatt erklärt der Führer der I u n g p a t r i o t e n, der rechtsstehende Abgeordnete Taittinger: „Wir betrachten
den 14. Juli als durch die Linkskundgebung befleckt und wollen ihn deshalb in Zukunft nicht mehr als vaterländisches Nationalfest anerkennen. Wir wollen als neuen Nationalfeiertag den Tag vorsetzen, „der Frankreich durch ein Wunder seines
Hauptursachen sür die Verschlechterung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern vor dem Krieg zu beseitigen, nämlich einen Rii- stungswettbewerb zur See.
Weiter habe das Abkommen zur Beseiti- ung des unbeschränkten U-Boot- rieges geführt. Kurz, es sei hier eine Gelegenheit gewesen, ein Abkommen abzuschließen, das auch zum Vorteil der anderen Seemächte mit Einschluß Frankreichs sei.
Hoare behandelte dann den Luftpakt und wies darauf hin, daß die Regierung nach wie vor einen Luftpakt anstrebe, der von einer Begrenzung der Luftrüstungen begleitet sein müsse. Die Schwierigkeit bestehe hier jedoch darin, die verschiedenen Ansichten auf einen Nenner zu bringen, wie man die Verhandlungen darüber führen solle. Wenn man das wolle, müsse man die Zweifel und Schwie- rigkeiten der Nachbarn, d. h. der fünf Locarno- Mächte, verstehen. Es sei bekannt, daß diese den Luftpakt nicht von anderen Bedingungen trennen wollen. Es sei befürchtet worden, daß England das tun wolle, demgegenüber betone er, daß der Friede eine Einheit sei.
Das führe ihn direkt zur Frage des Ost- paltes. Wenn auch England keine weiteren Verpflichtungen übernehmen wolle- so schließe das nicht ein Interesse an der Regelung der Ost- fragen aus. Er meine, daß ein Krieg in Mittel-
Genies an der Marne gerettet hat", und wir werden daher den nächsten 8. September bereits als unser neues Nationalfest durch eine Kundgebung in Meaux feiern."
Im „Oeuvre" verteidigt der Abgeordnete Pierre Cot die radikalsozialistische Partei gegen den Vorwurf, sie lasse sich von den Linksparteien innerhalb der „Volksfront" überflügeln und werde eines Tages von dem „bösen kommunistischen Wolf gefressen werden". Nach Cot bringt der Radikalsozialismus der Volksfront seine Jakobinerüberlieferung und seine lange Erfahrung mit, denn die Radikalsozialisten wollten einen starken Staat. Der französische Staat sei gegenwärtig schwach, weil er unter dem Einfluß der Wirtschastsfeudali- tät stehe.
Diese Zeitung „Le Jour" bringt eine Aeußerung, die der frühere Innenminister im Kabinett Da- ladiers, der Abgeordnete Frot, kürzlich vor einer kommunistischen Arbeiterversammluna getan haben soll. Er soll sich wie folgt ausgedrückt haben: „Der Beifall, den Ihr mir'zollt, ist weniger an den Abgeordneten als vielmehr an den Innenminister des 6. Februar gerichtet, der es dem Proletariat von Paris erlaubte, sich an dem darauffolgenden Tage zu organisieren, um den Faschismus niederzuschlagen. Man muß die moderne Gesellschaft niederwerfen, den Kapitalismus
oder Osteuropa zu einem allgemeinen Konflikt führen könne. Das fei der Grund, warum die britische Regierung den Abschluß eines östlichen und Donau-Paktes sobald wie möglich wünsche.
Hoare betonte weiter, daß der deutsche Reichskanzler einen bestimmten Vorschlag zur Oitpakt- frage gemacht habe und daß die Franzosen diesen Vorschlag als Verhandlungsgrundlage angenommen hätten. Es stehe jetzt in der Macht des deutschen Kanzler, einen wirklichen Beitrag zur Sache des Friedens zu leisten und zwar leicht zu :e>sten — einen Beitrag, der bei manchen Regierungen nicht nur in Mittel- und Osteuropa, sondern auch in Westeuropa eine Ursache der Besorgnis beseiU- gen würde.
Hoare erklärte wörtlich: „Ich möchte mir erlauben, ihn sden Reichskanzlers dringend zu bitten, diesen Beitrag zu leisten. Ich glaube in der Tat, daß er seiner eigenen Sache dienen wird, wenn er ihn leistet. Er selbst sprach sehr offen in seiner Rede vom 21. Mai und ich weiß, daß er es nicht unfreundlich aufnehmen wird, wenn ich ebenso osfen spreche. Wir in England — und in der Tat die ganze Welt — sind nicht nur durch das deutsche Wiederaufrüstungsprogramm, sondern auch durch gewisse andere Erscheinungen im heutigen Deutschland beunruhigt worden.
(Fortsetzung auf Seite 2)
unterminieren, die großen Jndustriegesellschasten angreifen und dann aufbauen. Der 14. Juli mutz der erste Tag des Jahres 1 der Republik der Arbeit werden."
„Paris midi" meldet, daß sich fünf führende Persönlichkeiten des „Feuerkreuzler"-Verbandes „Nationale Freiwillige" mit ihren Anhängern von Oberst de la Rocque getrennt haben. Die Meinungsverschiedenheiten, die nicht zu überbrücken waren, sind politischer und sozialer Natur. Die jungen Führer der Nationalen Freiwilligen sind nicht zufrieden mit der Haltung, die Oberst de la Rocque gegenüber der Regierung einnimmt. Sie werfen ihm insbesondere vor, daßernichtge- nügend gegen die Regierung vorstoße. Die sozialen Meinungsverschiedenheiten beziehen sich darauf, daß der Führer der Feuer- Ireuzler den Linksideen nicht genügend zugänglich sei.
Oberst de la Rocque erklärte aus Befragen, daß es sich bei den betreffenden Nationalen Freiwilligen nicht um „Führer" handele. Sie gehörten nicht dem Direktorium der Bewegung der Feuer- kreuzler an. Es handle sich um einen Zwischenfall, der kein Interesse verdiene, und der keine Rückwirkungen aus das Fortschreiten der Bewegung der Feuerkreuzler habe.
Juden in der deutschen Nechtspftege
Die Nationalsozialistische Parteikorrespondenz nimmt im Folgenden zu einer Frage Stellung, deren Lösung sür Deutschland lebenswichtig ist.
Der nationalsozialistische Staat ist aufgebaut auf dem Gedanken der Rasse. Der Rassegedanke wird auch die wesentliche Grundlage unseres kommenden Staatsbürgerrechts sein. Selbstverständlich ist, daß im heutigen Deutschland kein Jude Beamter werden kann, daß.auch kein Arier Beamter bleiben kann, der eine Jüdin heiratet. Ebenso selbstverständlich war es, daß der nationalsozialistische Staat im Augenblick seines Entstehens grundsätzlich Sie Juden aus allen Beamtenstellen usw. entließ. Er hat hier freilich Milde walten lassen und Juden, die Frontkämpfer waren oder
Auch heute bringt die „Bremer Zeitung" wieder den einzigen vom Hauptlagersührer der Bremer HJ.-Lager, Oberbannführer Carl Jung, autorisierten Bericht über die Vorgänge des Tages in Bad Essen und Lintors.
sonst eine der gegebenen Ausnahmebestimmungen in Anspruch nehmen konnten, in ihren Stellungen belassen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß der nationalsozialistische Staat grundsätzlich den Juden von jeder öffentlichen Stellung ausschließen will und wird. Das gilt ganz besonders für unsere Rechtspflege.
Unsere Rechtspflege ist unsere eigene Angelegenheit. Das Deutsche Recht kann nur von Deutschen gesetzt werden, es kann auch nur von Deutschen gesprochen werden, und seine Verteidigung kann nur in Händen von Deutschen liegen. Man gebe sich keiner falschen Hoffnung hin, daß dieser Grundsatz nicht mehr so scharf durchgeführt werden würde. Minister Frick hat erst kürzlich eindeutig erklärt: Das Programm der NSDAP. wird durchgeführt.
Das gilt für alle Punkte, das gilt aber ganz besonders in der Rassen- und Judenfrage. Heute ver- suchen jüdische Rechtsanwälte wieder, die ihnen aus Großmut und menschlichem Entgegenkommen belassenen Stellungen in der von früher her gewähnten Weise auszunutzen und auszubauen. Sie werden wieder laut und machen sich breiter als erforderlich. Die aus der Anwaltschaft entlassenen Juden praktizieren als Sprechstundenhilfen und Rechtsgutachter in jüdischen An-
Paris am Vorabend blutiger kreigniffe?
Sie politischen öegensätze spitzen sich Zu / fieberhafte Vorbereitungen sür den 14. Juli
Die 100 jährige kisenbahn stellt aus!
von der Jubiläumsschau der veichsbaljn in Nürnberg
Es ist ein glückliches Zusammentreffen, daß das hundertste Jahr des Bestehens der Eisenbahn auf deutschem Boden in die Zeit des größten Aufbaus unserer Reichsbahn fällt. „Vom Dampfwagen zur Stromlinienloko- motive" so nennt man am besten den Geist, der die aus Anlaß dieses Jubiläums veranstaltete roße Reichsbahnausstellung in ürnberg beseelt. Am 14. Juli wird die umfassende Schau eröffnet werden, bis zum September steht sie den Besuchern offen. Ein gewaltiges Stück deutscher Geschichte und deutscher Ingenieurarbert bringt diese Ausstellung auf historischem Grund und Boden.
Bayern ist das Land, das die erste deutiche Eisenbahn baute. Im Jahre 1835 fuhr auf der kurzen Strecke von Nürnberg nach Fürth zum ersten Male in unserem Vaterlande ein dampf- betriebener Zug, nachdem andere Länder, voran England als das Mutterland des Maschinenbaues und der Eisenbahnen, schon fast zehn Jahre vorher die große Bedeutung des eisernen Schienenweges erkannt hatten. Heute ist es für uns Deutsche gleichgültig, welches Land deutschen Stammes sich damals zuerst zum Fortschritt auf dem Gebiete des Transportwesens bekannte. Wäre es nicht Bayern gewesen, so sicher ein anderes Land. Denn die Ausführung des Bahnbaues war nur die notwendige Folge einer Entwicklung, die nicht mehr aufzuhalten war. Man kann nicht einmal sagen, der Gedanke hätte in einer dafür reifen Zeit in der Luft gelegen — die Schaffung eines deutschen Eisenbahnnetzes war zur dringenden Notwendigkeit geworden, auf die weitsichtige Volkswirtschastler schon längst hingewiesen hatten. Wenn heute das Wunder des Dampfwagens von vor hundert Jahren gefeiert wird, so dürfen nicht vergessen werden zwei deutsche Männer der damaligen Zeit, die aus glühendem Patriotismus die Sache der Eisen
bahn verfochten: Friedrich List und Friedrich Harkort!
Die Ausstellung der Reichsbahn findet im Rahmen der Jahrhundertfeier der Eisenbahn statt. Die neugebaute Umladeanlage in Nürnberg wird die Hallen und Freiausstellungen beherbergen; Platz genug bietet sie dazu. Die Reichsbahn kann sich also rühmen, eine so gewichtige Ausstellung auf eigenem Grund und Boden veranstalten zu können. Da die Stadt Nürnberg schon in ihrem Verkehrsmuseum eine hervorragende Schau über die geschichtliche Entwicklung des deutschen Eisenbahnwesens besitzt, die sür die Ausstellung neu geordnet wurde, so kann die große Jubiläumsausstellung den gegenwärtigen Stand der deutschen Reichsbahn zeigen.
Das gesamte Gelände umfaßt mehr denn 100 000 Quadratmeter Fläche. 20 000 Quadratmeter davon sind überdachte Hallen, der Rest Freifläche. In einem Ehrenraum, den der Besucher zuerst betritt, wird der Vorkämpfer und Wegbereiter der deutschen Eisenbahn und des Eisenbahners der Gegenwart gedacht werden. Der Einführung in den die Ausstellung beherrschenden Geist dienen zwölf Kabinen, wo in Wort, Bild und Zahl ein zusammenfassender Ueberblick über die Aufgaben der Reichsbahn und ihre Leistungen gegeben wird. Selbstverständlich geht das bearbeitete Material bis in die Entstehungszeit der deutschen Eisenbahn zurück, es reicht aber andererseits auch bis in die neueste Gegenwart und zeigt hier neben den gewaltigen Leistungen der Reichsbahn den technischen Fort- schrittsivillen, ohne den ein so der Zeit unterworfenes Unternehmen, wie es eine Eisenbahn ist, nicht bestehen kann.
Die sich diesen Jnnenhallen anschließenden Fahrzeughallen sind 300 Meter lang und 30 Meter breit. Auf solchen Riefenflächen können natürlich ganze Wagen- und Maschinenparks ausgestellt werden. Ueber 1000 Meter Gleise
sind hier verlegt; auf ihnen stehen die neue st en Stromlinienlokomotrven mit ihren 175-Stundenkilometern zur Ansicht und zum Studium für besonders interessierte Besucher. Eine gewaltige Hebebockanlage für Lokomotiven, die größten elektrischen Zugmaschinen, ein zweiteiliger Schnelltriebwagen jür 160 Kilo- meter Stundengeschwindigkeit, ein ganz neuartiger Aussichtswagen mit Dachverglasung und viele andere Fahrzeuge vervollständigen diesen Teil der Ausstellung. Für den Laien wie für den Fachmann wird wohl selten eine so.zusammenfassende Ausstellung des rollenden Materials der Reichsbahn geboten worden sein.
Neben den dampsbetriebenen Lokomotiven treten in der zweiten Halle die modernsten Fahrzeuge mit Motorbetrieb. Gerade sie zeigen so recht die Wandlung im Eisenbahnwesen. Da find die Schnelltriebwagen zu sehen, die schon seit einiger Zeit auf großen Strecken laufen. Sie werden durch Verbrennungsmotoren der neuesten Bauart angetrieben; ihre Vorläufer waren die „Schienenzepps", die sogar mit Propellern ausgerüstet waren. Auch hier wieder ein Aussichtswagen mit Motorantrieb, der besonders in Gebirgsgegenden eingesetzt wird. Den letzten Stand der Wagentechnik zeigen Wagen der Mitropa, Packwagen, Postwagen, Güterwagen für besondere Ladungen, Eroßraum- und Tiefladewagen für Transporte größter Stücke und schließlich als Neuestes Güterwagen für 75 und 90 Kilometer Geschwindigkeit. In dieser Ausstellung fehlt natürlich nicht der Kraftwagen in allen seinen Formen und für alle Verwendungszwecke. Bekanntlich widmet die Reichsbahn diesem Zweig der Personen- und Güterbeförderung ebenfalls ihr Augenmerk. Sie ist gewissermaßen von der Schiene wieder zur Landstraße zurückgekehrt.
Auf dem Freigelände bekommt der Besucher das Prunkstück der Ausstellung zu sehen: Den ersten Eisenbahnzug auf der Strecke von Nürnberg nach Fürth. In monatelanger Arbeit ist der „Adler", die erste aus England bezogene Lokomotive, nachgebaut worden. Sie wird schnaufend und qualmend eine Reihe von Wagen der damaligen
Bauart ziehen, und die Besucher haben so richtig Gelegenheit, den Wandel im Lauf der Zeiten kennenzulernen. Hier die moderne Stromlinien- lokomotive mit ihren 2800 Pferdestärken, dort der „Adler" in seiner ganzen Primitivität, aber doch vor hundert Jahren ein technisches Wunderwerk, dem unsere Ahnen nicht so wohlgefällig gegenüberstanden, wie wir
Paul kipper
heutigen Menschen den Einrichtungen der Reichsbahn, die nach den Worten des Führers „Deutschlands wertvollster Besitz" ist! Die Jahrhundertausstellung wird erkennen lassen was deutscher Geist, deutsche Wertarbeit und deutscher Fleiß seit 1835 auf dem Gebiets des Eisenbahnwesens zu leisten imstande waren, und für die Zukunft, erwarten lassen.
Zwei fingen, staunend aufgetan!
Auf meinem Schreibtisch liegt seit einigen Tagen das Lichtbild eines Affenkopfes, und es ergeht mir damit, wie es mir tausendfach draußen in der Wirklichkeit erging: die beiden Augen packen mich.
Tierseele, das ist jenes Rätsel, um dessen Er- gründung mein Suchen kreist; wo kann man sich festhalten, ohne ungerecht zu sein? Wir Menschen müssen ja außen stehen bleiben, können uns nie ganz hineinfinden in das Innenleben der Tiere, selbst mit noch so großer Liebe nicht. Einiges haben wir allmählich ergründet: gerade bei den Affen sind, um mit Heck zu sprechen, „dieselben Grundlinien und Grundelemente der Gemütsbewegungen vorhanden wie beim Menschen"; wir wissen, daß Affen erröten und erbleichen können; wir haben erforscht, daß bei diesen höchst entwickelten Säugetieren „edle Eigenschaften" zutage treten, Hilfsbereitschaft und Aufopferungsfähigkeit, Ueherwindung des rohen, rücksichtslosen Egoismus.
Daß Tiere, zumal Affen, ein Innenleben besitzen, wird dies nicht schon dadurch bewiesen, daß sie träumen? Und ist das bedächtige Spielen, die „nachdenkliche Hingabe an irgendeine Betäti- guna" nur ein Trieb, ein Sinnesreflex?
Manche Forscher beschäftigen sich rein wissenschaftlich mit der Affensprache, die ja zumindest ein deutliches, auch uns Menschen verständliches Ausdrucksmittel der Gemüts- und Seelenregun- gcn ist. Der Schimpanse Charly des Dresdner Zoo „spricht" mancherlei mit mir, sagt unter
schiedliche Laute, und ich könnte Gleiches auch von mehreren andern Affen, von jungen Orangs, von Rhesus und Makaken berichten. Aber ich, für mein Teil, brauche gar nicht die Laute und Töne; wir, meine Affenfreunde und ich, unterhalten uns ebenso unmißverständlich durch das Mienen- spiel, verständigen uns durch Gebärden und Bewegungen. ;
Was jedoch für mich den Inbegriff alles Hin- gezogenseins zu den Affen ausmacht, ist der Blick ihrer Augen. Schon anatomisch besteht im ganzen Säugerreich nur bei den Affen die durchaus nach vorn gerichtete Stellung der beiden Augen, die Grundbedingung des ungestört perspektivischen Sehens im menschlichen Sinn. Man vergleiche den Blick des Tigers, der Antilope, des Kaninchens mit dem eines Affen; nur er kann seinen Gegenstand wahrhaftig umklammern, festhalten und fixieren. Gewiß, auch ein Hund sieht uns „traurig" an, „erfreut", „böse" oder „scheu"; doch bei jenen aber tausend Tierbegegnungen, die mein Leben ausmachen, ist mir nur einmal, nämlich im wochenlangen Umgang mit einem kleinen Gorilla, restlos klar geworden, daß solch ein Antlitz jedesmal beim Erwachen staunend aufgetan ist für die Wunder des Lebens. Was immer die Umwelt bot, die Tieraugen griffen zu. suchten und forschten, wollten heimisch werden.
Manches Mal hörte ich schon und las davon, daß unsere Augen der Spiegel der menschlichen Seele seien; Tieraugen lassen mich je und je auch an die Tierseele glauben.