Ausgabe 
(11.7.1935) Nr. 189
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parteiamtl.Iageszeitung der NationalsozialistenVremens

Das Amtsblatt des Senats X der Lreien Hansestadt Vreinen

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Nr. 1SS / 5. Jahrgang

Donnerstag, 11. JuN

klnzelprels 15 Npf.

wieder 142000 Volksgenossen mflrbeit gebroöit

weitere kntlastung der öffentlichen Fürsorge / kinschrönkung der Notstandsarbeiten / öünstige Vergleiche mit dem Vorjahre

Uns«? lagssspisgsl

Neuerdings wurde» 142 IM deutsche Volks­genossen in Brot und Arbeit gebracht

Amerika gab sein Flottenbanprogramm be­kannt.

Die sogenannte Vaterländische Front in Wien hat den Dreh gefunden, daß Habsbnrg die Wirtschaft der Donanstaaten retten werde

Engländer und Amerikaner verlassen flucht­artig die Hauptstadt Abessiniens

Die Kreisfrauenschaftsleiterin muhte sich we­gen einer bei einer Totenfeier erfolgten Ent­gleisung eines Vikars beschwerdefiihrend an den Landesbischof wenden

Die Bremer Zeitung bringt ab heute täg­lich die einzigen vom Hauptlagersührer der Bremer HJ.-Liiger, Oberbannsiihrer Carl Jung, autorisierten Berichte über alle Vor­gänge in Bad Essen und Lintors

Das BolkslehrstückDer Erbstrom" fand bei seiner ersten bremischen Aufführung, der zwei weitere folgen, groben Anklang

Für Frühkartoffeln wurden neue Preise fest­gesetzt

2m Verkehr mit Personenkraftwagen treten neue Steuererleichterungen ei«

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Sie sollen dse walirliett nicht erfahren

Tilsit, 11. Juli.

Eine Kruppe von - Studenten, unter denen sich neben deutschen auch englische, französische und italienische Studierende befanden, wurde auf einem Ausflug nach Neustadt, das an der memel- ländisch-litquischen Grenze auf grohlitauischem Gebiet liegt, von der litauischen Polizei verhaftet und sieben Stunden festgehalten. Den Studenten wurde zum Vorwarf gemacht, dah sie sich der Spionage verdächtig gemacht hätten. Obwohl sich die Grundlosigkeit dieser Anschuldi­gung herausstellte und die.Studenten freigelassen werden mutzten, wurde ein Verfahren wegen Paß- vergehens gegen sie eingeleitet. Ein englischer Student und die deutschen Studenten erhielten Geldstrafen in Höhe von 28 bzw. 15 Lit. Gleich­zeitig wurden sie des Landes verwiesen.

Allem Anschein nach liegt der tiefere Grund für das Vorgehen gegen die Studenten darin, daß den litauischen Behörden der Besuch von Aus­ländern, insbesondere von Angehörigen der Un­terzeichnermächte des Memelabkommens, nicht an­genehm war, weil auf diese Weise einem größeren Kreis des Auslandes die wirklichen Zustände im Memelgebiet zur Kenntnis gelangen könnten.

Berlin, 11. Juli.

Obwohl im Juni die Antriebsmomente für den Arbeitseinsatz nicht mehr stark zu sein pflegen, weil die Versorgung der Autzenberuse mit Ar­beitskräften schon in den vorhergehenden Monaten im wesentlichen durchgeführt ist und der zusätz­liche Kräftebedarf der Landwirtschaft für die Ernte im allgemeinen erst später fühlbar wird, brachte der Juni im Gegensatz z« der Entwicklung in den Vorjahren eine kräftige Abnahme der Ar­beitslosen. Ihre Zahl ging weiter um 142 IM auf 1877 IM zurück. Im Vorjahre brachten die Monate Mai und Juni nur eine Entlastung um 80 60« bzw. 48 voll Arbeitslose, d. h. zusammen kamen in diesen beiden Monaten 128 Kllv Arbeits­lose bei den Arbeitsämtern in Abgang, während in diesem Jahre im gleichen Zeitraum die Ar­beitslosigkeit um 35K üüll zurückging.

Bei der geringeren Aufnahmefähigkeit der Außenberufe ist der diesjährige stärkere Rück­gang überwiegend auf die wirtschaftliche Belebung der mehr von dem Konjunktur­ablauf abhängigen Verufsgruppen zurückzuführen. Waren in den ersten Jahren der

London, 11. Juli

Der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" glaubt zu wissen, datz die italienischen Befehlshaber in Afrika Mussolini mitgeteilt hätten, Italien könne einen erfolgreichen Angriff nicht mit weniger als 400 0kk Mann durchführen. Mussolini habe dieser Schätzung zugestimmt. Die gegenwärtige Stärke der Streitkräste in Erytrea und Jtalienisch-Somaliland betrage aber nicht mehr als die Hälfte dieser Zahl. Daher könnten Meldungen von einer baldigen italienischen Of­fensive als unbegründet bezeichnet werden.

Der Korrespondent desDaily Expreß" in AL- dis Abeba meldet: Am Dienstagnachmittag fuhr ein mit britischen, amerikanischen und italie­nischen Männern, Frauen und Kindern dicht be­setzter Eisenbahnzug von der Hauptstadt ab. Sie verlassen das Land wegen der drohenden Kriegsgefahr. 2n drei Wagen befanden sich kleine Mädchen, die italienische Väter und abessinische Mütter haben; sie standen unter der Obhut rö­misch-katholischer Nonnen. Die Zweigstellen der Schule im Innern des Landes sind angewiesen worden, die Zöglinge nach Addis Abeba zu schicken, wo sie unter den Schutz der italienischen Gesandtschaft gestellt werden. Auf die Frage, warum Italien der Sicherheit dieser Kinder ge-

Arbeitsschlacht die Außenberufe die hauptsächlich­sten Träger der Entlastung, so gewinnen letzt die mehr vom Konjunkturablauf abhängigen Verufs- gruppen für den Arbeitseinsatz immer stärker an Bedeutung. So hat in der Iahresspanne vom 30. Juni 1934 bis zum 30. Juni 1935 die Arbeits­losigkeit in den Außenberusen nur um 165 000, in den anderen Verufsgruppen hingegen um rund 439 000 abgenommen.

Am Rückgang der Arbeitslosigkeit waren wie im Vormonat. alle Bezirke und fast alle Verufs­gruppen beteiligt. Den stärksten Rückgang hatte mit 21400 der Landesarbeitsamtsbezrrk Rhein- land. Es folgen Brandenburg mit einer Abnahme von 20 600, Sachsen um 15 400, Mitteldeutschland um 14 900 und Nordmark um rund 13 000.

Um den Bedarf an Arbeitskräften besonders für die Landwirtschaft sicherzustellen, wurden dieNot - st ands arbeiten weiter eingeschränkt. Die Zahl der von der Reichsanstalt beförderten Notstandsarbeiter ging um 44 000 auf 203 000 zu­rück. Sie liegt damit um mehr als 400000 unter dem Höchststand von rund 630 000 Notstandsarbei­ter, die Ende März 1934 beschäftigt worden sind. Es ist also in hervorragendem Maße gelungen, die Zahl der zusätzlich beschäftigten Volksgenossen bei

mischten Blutes so viel Wichtigkeit beimesse, er­widerte ein italienischer Beamter:Sie sind die künftigen Mütter einer neuen und edleren Ge­neration, die das bisherige Abessinien bewohnen wird." Ferner berichtet der Korrespondent: Die meisten ausländischen Firmen in Addis Abeba geben keinen Kredit mehr und infolgedessen ist das Geschästsleben vollkommen lahmgelegt.

Mailand, 11. Juli

Die norditalienischen Blätter beschäftigen sich ausführlich mit der Einstellung der Arbeiten des italienisch - abessinischen Schlichtungsausschusses. Die Schuld für das Scheitern der Verhandlungen wird ausschließlich der Haltung der Vertreter Abessiniens zugeschrieben, die ihren Aufgaben- kreis überschritten hätten. Durch die Behauptung des abessinischen Vertreters, daß llalual auf abes- sinischem Gebiet liege, habe Abessinien eine Ob­struktion getrieben, die das Weiterarbeiten des Ausschusses verhindere. Daraus ergebe sich der Beweis, schreibtPopolo d'Jtalia", daß Abessi­nien seine herausfordernde Haltung nicht auf­geben wolle.

Addis-Aveva, 11. Juli

Die abessinische Regierung hat an die diplo­matischen Vertreter von Frankreich, England, Belgien, die Tschechoslowakei, Schweden und-

leichgeitig weiterer erheblicher Senkung der Ar- eitslosenzahl planmäßig herabzudrllcken und die mit staatlichen Mitteln geförderte Arbeit durch Ar­beit in der freien Wirtschaft zu ersetzen.

Mit dem weiteren Sinken der Arbeitslosenzahl haben auch die Unter st ützungseinrichtun- gen' eine entsprechende Entlastung erfahrene Insgesamt wurden in den drei Unterstützungsein-- richtungen Ende Juni 1935 rund 1388 000 Unter­stützte gezählt, während Ende Mai rund 1482 000 Personen in Unterstützung standen. Die Unter­stützungseinrichtungen sind demnach im Berichts­zeitpunkt von rund 94 000 Personen weniger in Anspruch genommen als im Vormonat. In der Arbeitslosenversicherung betrug die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger 251000 oder 26 000 weniger als im Vormonat, in der Krisenfürsorge wurden 716000, das sind 23 000 weniger als im Vormonat, als Unterstützte gezählt. In der öffentlichen Fürsorge stan­den am 30. Juni 1935 421000 arbeitslose aner­kannte Wohlfahrtsunterstützungsempfänger lau­fend in Unterstützung, das sind 45 000 weniger als im Vormonat. Die Entlastung der öffentlichen Fürsorge ist also im Berichtsmonat wieder recht erheblich gewesen.

nemark gleichlautende Noten gerichtet, in denen sie die Aufhebung des Verbots der Waffenliefe­rungen dieser Länder verlangt.

Abessinien bezieht sich in den Noten auf den Vertrag vom 21. August 1930, der eine Regierung ermächtigt, Waffen und Munition, die zur Lan­desverteidigung und gegen einen äußeren Angriff notwendig sind, einzuführen. In den Noten wird die Notwendigkeit der Waffeneinfuhr damit be­gründet, daß Kriegsgefahr eingetreten sei und die Erklärung Mussolinis und der italie­nischen Presse offen auf einen Eroberungskrieg abzielten. Trotz Schiedsgericht, heißt es weiter, setze Italien seine Mobilisierungen fort und schaffe Truppen und Munitionsmengen an die abessinische Grenze. Das Land sei daher aus Gründen der Selbstverteidigung zur Waffenein­fuhr gezwungen, und ein Verbot sei mit der Neu­tralität gegenüber beiden Ländern unvereinbar.

Abessinien habe die Einberufung des Völker­bundsrates verlangt, weil die italienischen Schiedsrichter in Scheveningen die Erörterung der Rechtsfrage von Ualual abgelehnt hätten und einer gewaltsamen Lösung zustrebten.

Verschleierungen

8. M. Bremen, 11. Juli.

Die österreichische Regierung bemüht sich krampf­haft, die immer mehr hervortretende Wirtschafts- not ihres Landes zu verschleiern. Warum? Reichen die regelmäßigen Hinweise auf dieallgemeine! wirtschaftliche Depression" und die angeblichen Er­folge derArbeitsschlacht" nicht mehr aus, um die Wiener Wirtschaftspolitik zu rechtfertigen? Es ist das schlechte Gewissen, das amtliche Stel­len dazu treibt, aus Schwarz Weiß zu machen und so zu tun, als sei inOesterreichsWirtschaft alles in bester Ordnung! Nun gibt es aber ein Barometer, das die jeweilige wirtschaftspolitische Lage eines Landes so genau und zuverlässig an­zeigt, daß alle Umdeutungskiinste und Ableug- nungsbemühungen zwecklos sind: die Statistik über die bevölkerungspolitische Entwicklung. Und da geht gerade aus den letzten Ermittlungen hervor, daß Oesterreich zu den Ländern mit den niedrigsten Geburtenziffern, also zu den sterbenden Volksein­heiten, gehört. Es ist auch nicht so, daß die sin­kende Geburtenziffer des Donaustaates praktisch noch gar nicht in die Erscheinung tritt, denn der Wiener Stadtschulrat hat wegen starken Rück- ganges der Kinderzahl bereits neun Volks- und Hauptschulen schließen, und in anderen Schulen zahlreiche Klassen zusammenlegen, müssen. Der in diesen Erscheinungen sich äußernde Verzichtdes ö st erreichischenVolkesauf politischen Lebenswillen ist einesteils die natürliche Folge der unvermindert andauernden Arbeits­losigkeit; andernteils protestiert die Bevölkerung Oesterreichs mittels der erschreckend sinkenden Ge­burtenziffer gegen die volksfremde Politik ihrer Regierung, für die sie seit langem kein Verständnis mehr aufbringen kann. Hier geht die österreichische Not über das rein Wirtschaftliche hinaus und wirft, an die Wurzeln des nationalen Seins über­haupt greifend, die Lange Frage auf: Ist Oester­reichs Bevölkerung dem Untergang geweiht?

*

Eine litauische Zeitung setzte ihren Lesern kürz- lich eine politischeKarikatur" vor, die bitzlicht- artig die ganze Verlogenheit Kownoer Regierungsstellen dem Memeldeutschtum gegenüber enthüllte. Man sah auf einem Altar das unschuldige litauische Kind" liegen, dem der eng­lische Außenminister Hoare, das Schwert bereits gezückt, den Kopf abschlagen will. Der französisch? Ministerpräsident und Außenminister Laval, in

Kriegsgefahr! Man verläßt das Land!

Italien benötigt 400000 Mann in flbeslinien knglönder und flmerikaner kehren flddis flbeba den Nücken

kin Osspröcii mit l,ul§ Irsvlcsr

Oebesgeschichten - nicht die Hauptsache!

Zehn Zähre flrbeit für den deutschen Lilm Pappe bleibt Pappe

Luis Trenk er repräsentiert ganz allein ein Stück deutscher Filmgeschichte. Wenn er auch erst seit zehn Jahren im Film arbeitet, die besondere Linie, von der er ausging, die Entwicklung, die sein Schaffen nahm, alles liegt außerhalb der normalen Filmproduktion.

Ich bin so oft gefragt worden, was. ich mit meinen Filmen wollte; ob ich einen bestimmten Zweck damit verfolgte oder so was. Leider gibt es viel« Leute, die überall reformieren wollen, aber das hat alles keinen Sinn. Ich wollte ein­fach etwas schaffen, und da mich der Film be­sonders reizte, ging ich eben zum Film."

Ursprünglich wollte ich Architekt werden; auch auf den Musikerberuf habe ich mich acht Jahre vorbereitet. Aber dann kam die Zeit der großen Bergfilme, die Dr. Fanck damals drehte, und da reizte es mich, auch mitzumachen. Wir arbei­teten erst eine Zeit gemeinsam, aber dann ver­standen wir uns nicht mehr. Was blieb mir da anders übrig, als selber anzufangen?"

Unser erster großer Film warBerg des Schicksals" im Jahre 1925. also genau vor zehn Jahren."

Und nun kommt eine interessante Geschichte. Im Jahre 1927 drehten wir zusammen den großen SpielfilmDer heilige Berg". In der Kulturfilmabteilung der Ufa hatte man damals den Mut. einen Spielfilm herauszubringen, der vom üblichen Durchschnitt abwich, und der Erfolg blieb nicht aus. In diesem Film arbeitete ich zum erstenmal mit Leni Riefen stahl zusammen. Es folgte von nun an ohne Dr. Fanck der Berg­steigerfilmKampf ums Matterhorn".

Da Trenker das WortBergsteigerfilm" ge­rade im Gegensatz zu den vorherigen Sportfilmen betont, frage ich nach dem Unterschied. Schließ­lich ist Bergsteigen doch auch ein Sport.Nein," sagt Trenker,Bergsteigen ist kein Sport. Berg­steigen ist eine Sehnsucht, man kann beinahe

sagen, ein faustischer Drang. Nicht umsonst sind gerade die Deutschen so hervorragende Berg­steiger, die den Kampf mit der Natur immer wie­der versuchen. Es ist bei ihnen ein irgendwie philosophischer Drang nach Erkenntnis!"

Der Tonfilm stellte auch Luis Trenker vor neue Aufgaben. Wieder wandte er sich zuerst dem Sportfilm zu. ImSohn der weißen Berge" arbeitete er ganz allein das Drehbuch aus, führte die Regie und spielte die Haupt­rolle.Ich hatte zu oft erlebt, was bei dem Dazwischenreden der vielen Leute, vor allem der, die doch nichts vom Film verstehen, herausgekom­men ist. Man läßt sich dann doch irgendwie be­einflussen, und nachher ärgert man sich, daß man auf die andern gehört hat. So war ich allein, konnte machen, was ich wollte, und trug auch allein die Perantwortung. Und so habe ich es bis heute gehalten."

Allmählich meldete sich der Schauspieler in Trenker, der nach neuen Aufgaben verlangte. Aus seinem eigenen Kriegserlebnis in Südtirol heraus schuf er den FilmBerge in Flam­in e n", der neben demRebel l" mit zu seinen größten Erfolgen gehört. Dieser Film führte ihn zum erstenmal nach Amerika, wo ihm New- york jenes große Erlebnis brachte, das er im Verlorenen Sohn" gestaltete.Es war ein altes Lieblingsthema von mir, das mich schon seit vier Jahren' beschäftigte. Ursprünglich hatte ich für die fremde Welt an Paris gedacht, aber die in­nere Verlassenheit wäre nicht glaubhaft gewor­den. Als ich zum erstenmal Newyork sah, wußte ich, daß dies die Stadt ist, in der der verlorene Sohn die Umkehr zur Heimat erleben muß. Und so drehte ich im vergangenen Jahr diesen Film, der bisher meine letzte Arbeit war."

Was die Stoffe angeht, Sie sehen ja, irgend­wie steht immer der Kampf um das Volkstum im Mittelpunkt. Ich brauche einfach Kerle als

Vorbilder für meine Rollen, Männer, die Mut und Kraft und Entschlossenheit haben. Die Lie­besgeschichte bleibt immer am Rande in meinen Filmen. Die reine Liebeshandlung sollen andere Leute verarbeiten, die das besser können."

Obwohl er selbst erst ein Jahrzehnt beim Film ist, hat Trenker sich zu allen Zeiten für den Nach­wuchs eingesetzt; aber nicht nur mit Worten, son­dern durch die Tat. Regisseure wie Hart! und Steinbicker sind aus seiner Schule hervorge­gangen, und Darsteller wie Luise Ullrich, Renate Müller, Peter Voß, Maria Andergast und andere hat er zum erstenmal herausgestellt.

Seit demVerlorenen Sohn" arbeitet er an seinem neuen FilmDer Kaiser von Kali- fornie n", der das Schicksal des General Suter, des Kolonisators von Kalifornien, behandelt.

Seit Monaten schon ist mein Drehbuch fertig. Alles wartet auf diesen Film, täglich kommen zu Dutzenden die Anrufe von Schauspielern und Regieassistenten, Cuttern und allen möglichen anderen Filmleuten. Alle warten sie darauf, daß ich anfange. Aber immer wieder tauchen neue Schwierigkeiten auf, rein kaufmännischer Art, mit denen ich mich aufhalten muß, statt meine künst­lerische Arbeit durchzuführen. Aus lauter Ver­zweiflung habe ich schon zwei neue Manuskripte geschrieben,Condottieri" undFeuerteusel", und wenn es mit dem Suter nicht klappt, fange ich einen anderen Film an. Schließlich kann ich ja wegen kaufmännischer Schwierigkeiten nicht einen ganzen Sommer nichts tun, gerade wo man überall auf meinen neuen Film wartet."

' Eine wirtschaftliche Schwierigkeit besteht ja für die ganzen Trenker-Filme. Aus künstlerischen Gründen lehnt er es ab an sich sehr mit Recht, vor gemalten Kulissen im Atelier zu arbeiten.Ich muß den wirklichen Raum haben, muß nach Kalifornien, wenn ich einen Stoff dre­hen soll, der dort spielt. Pappe bleibt Pappe!"

Zehn Jahre Arbeit für den deutschen Film. An sich eine kurze Zeit. und doch eine ungeheure Leistung, der der deutsche Film im Ausland außerordentlich viel seines Ansehens verdankt.

k'ritv -leoberls.

Mllielm von Schulz

flus der Sta,

Ich bin wieder einmal aus der Stadt in die Stille geflüchtet. Es ist in meinem Horoskop vor- gezeichnet, daß mein Leben wie ein Pendel zwischen zwei Polen hin- und herschwingt: einem starken tätigen Verhältnis zur Lefsentlichkeit als Teilnehmender und Beteiligter, mit in den Strudel Gerissener und auf der anderen Seit? stillster menschenferner innerer Versenkung. Die meisten Planeten auf der einen Seite im soge­nanntenHause der öffentlichen Wirksamkeit" oder in Beziehung zu ihm und ihm gegenüber Saturn, der geheimnisvolle, allein als Erundmacht meines Daseins.

Der Astrolog, der die Sternstellung meiner Eeburtsstunde so erläuterte, meinte damit viel­leicht nur geistige Polaritäten in meinem Wesen. Mir aber ist besonders bemerkenswert, wie sich in der äußeren Wirklichkeit meines Lebens immer wieder ganz rhythmisch diese, Wechsel von Tätigsein im großen Getriebe mit der Flucht inWald und Höhle" vollzieht.

Aeußero Gründe die ja wahrscheinlich in keinem Leben nur äußere Gründe sind oder das einmal plötzliche, ein andermal allmählich gewordene Widerstreben der Uebersättigung zwingen mich, meine Daseinsform zu ändern,' aus der großen Stadt, dem Verkehr mit vielen Menschen, von anstrengenden Vortragsreisen in die Stille zu gehen, mich im Wald, im Gebirge, in einer kleinen Pension, einem Albergo, einem Gasthaus, wo gerade keine Saison sein darf, ver­borgen einzunisten, um mich selbst wiederzufinden. Wenn solche Einsamkeit in irgendeiner größeren Arbeit oder einer Erkenntnis oder einem Lebens­entschluß ihre Frucht getragen hat, entläßt sie mich plötzlich oder verstößt mich.

Dieses Gesetz der Auskehr und Einkehr, das gewiß alle erfahren haben, das aber in mir glaube ich, besonders zwanahaft waltet, hat in meinem bisherigen Leben häufige Wechsel des Wohnsitzes, ja des Wohnlandes mit sich gebracht, mich auch wieder dankbar an Orte zurückkommen

m die Stille

lassen, von denen ich geflüchtet war und die meinem getäuschten Geist nicht lange vorher, wenn gerade der Pendel zum anderen Pol Hinschwang, unerträglich schienen. Es bedingt den Mangel an Stete, die der ordentliche Bürger in seinem Dasein verlangen kann. die leider dem meinen fehlt.

Ich bin machtlos dagegen und am macht­losesten, wenn ich mich kurz vor dem notwendigen Rückschwung des Pendels in meiner Lage be­sonders wohl fühle, wenn ich im gewöhntge­wordenen bleiben möchte und den Wechsel scheue, ihm mit allen Kräften widerstrebe. Ich kann Zeugen dafür aufstellen, wie es mich dann immer mit Schabernack des Geschehens so lange stößt, bis ich den Wink verstehe und weiche sofort ver­schwinden Aerger und Mißgeschick. Ich habe noch jedesmal erkannt, daß es Hohe Zeit gewesen war, der Pendelschwingung meines Lebens eingedenk zu sein.

Welcher Art Winke das sind? Ja nun: ich überschwemme aus Unvorsicht die Wohnung, ich werde von immer mehr unbehaglichen Leuten besucht und belästigt, meine Briefe kommen nicht mehr richtig und pünktlich bei mir an; in der Nahe der abgelegenen Pension, in die ich mich zur Arbeit zurückgezogen habe. wird plötzlich eine Bohrmaschine aufgefahren, wochenlang sollen Tag und Nacht für den Bau einer Autostraße Felsen gesprengt werden! Kurz! Aerger aller Art. in immer rauherer Folge, macht mich aufmerksam, daß ich mich wieder einmal dem Gewohnten entreißen soll.

Dabei wird mir der Wechsel aus der Stille zum Lärm und Getriebe verhältnismäßig leicht, wie wahrscheinlich allen, die ähnliches erleben. Die Ki-ichäftigkei, der aroßen Stadt, die mit der Oeffentlrchkeitzusammenhängcnden Aufgaben, Vor- träge oder was sonst, nehmen den Menschen in ihre Gewalt, ihren Rhythmus, stellen unabweis-