Ausgabe 
(8.7.1935) Nr. 186
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

Parteiamtl.lageszei1ung der NationaisozialistenVremens

Das Amtsblatt des Senats der Freien kjansestadt Bremen

Bremer Zeitung erscheint täglich (auch Montags). Monatsbezug: RM. 2,30 einschl. 30 Rpf. Zustellungsgebühr-, durch die Post RM. 2,30 einschl. Ueberweisungsgebühr ausschl. Postbeftellgeld. Der Bezugspreis ist im voraus zu entrichten. Postscheck Hamburg 172 72. Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch aus Erstattung oder Ersatz.

NS.-Gauverlag Weser-Ems G. m. b. H., Bremen, Am Eeeren k8 / Fernsprecher: Roland 625.

1 S Z Z

Anzeigen-Grundpreise: Die 22-mm-Zeile im Anzeigenteil 12 Rpf., die 7y-mm-Zeils im Textteil 75 Rpft

Ermäßigte Grundpreise (sür kleine Anzeigen, Familienanzeigen u. a.> sowie sonstige Bedingungen laur Preisliste 4. (Nachlaßstaffel 0.) Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewähr. Annahmeschluß 16 Ukr. Sprechzeit: Verlag werktäglich von 1213 Uhr; Schriftleitung Dienstag üis Freitag von 12Vr-13 /r llhr.

Nr. 186 / 5. Jahrgang

Montag, 9. Juli

klnzelprels 15 Npf.

frick warnt die katholische Kirche vor Sabotage

der Neichsinnenminister weist das ftnflnnen des vischofs von Münster, Nosenberg das Wortzu verbieten, zurück!

Unser logssspieget

Reichsinnenminister Frick rechnete in einer großen Rede in Münster mit der Sabotage- Politik der katholischen Kirche ab

Der Chef des Stabes Lutze wandte sich vor dem Gautag in Münster scharf gegen die Provokateure

Der Reichskriegertag bekannte sich rückhalt­los zur nationalsozialistischen Idee des Führers

Der Tag der Standarte 75 endete mit einem Schlußappell des Gruppenführers Böhmcker und einem Vorbeimarsch vor dem Rathaus

Das Vorkommando für die HI.-Sommerläger rückte gestern nach Bad Essen ab

Im Post-Stadion in Berlin siegte Max Schmeling nach Punkten über den Spanier Paolino

Die deutschen Schwimmer errangen in Paris im Länderkampf gegen Frankreich mit 114,5 zu 73,5 Punkten einen eindeutigen Sieg

Im modernen Olympischen Fünfkampf beleg­ten die deutschen Offiziere in Budapest den ersten Platz

Im ganzen Reich gelangten am Sonntag die Gaumeisterschaften der Leichtathleten zum Austrag

Vor führet in Weimar

Weimar, 8. Juli.

Der Führer besichtigte am Sonntagvormittag in Weimar die Baupläne der Stadt am Mu­seumsplatz, nachdem er am Sonnabendabend einer Vorstellung im Nationaltheater beigewohnt hatte.

Sie sotten fidessinien verlassen

Washington, 8. Juli.

Wie im Staatsdepartement erklärt wurde, ist der amerikanische Geschäftsträger in Addis Abeba beauftragt worden, den in Abessinien ansässigen amerikanischen Staatsbürgern den Rat zu geben, das Land zu verlassen oder sonstige notwendige Schutzmaßnahmen für ihre Sicherheit zu treffen.

Neue Hitzewelle in Nmerika

Newqork, 8. Juli.

Das gesamte Gebiet der Vereinigten Staaten ist von einer neuen Hitzewelle heimgesucht wor­den. Bisher sind über 20 Todesfälle, größtenteils durch Hitzschläge verursacht, zu beklagen. In ver­schiedenen Gebieten war die Hitzewelle auch von Wolkenbrüchen und Wirbelstürmen begleitet.

Münster, 8. Juli

Im Verlauf des Eautreffens Westfalen-Nord- hielt auch Reichsinnenminister Dr. Frick eine große Rebe, in der er u. a. ausführte:Es kommt nicht darauf an, daß die Zentrumspartei als solche verschwunden ist, sondern darauf kommt es an, daß auch der Z e n t r u m s g e i st aus dem deut­schen Volke verschwindet. Hier muß ich leider sagen, es wäre schön, wenn wir uns einig wären, daß dieser Zentrumsgeist schon verschwunden wäre. Im Gegenteil, er spukt, und gerade hier in Mün­ster, noch recht viel. Was soll ich dazu sagen, wenn man es im neuen Deutschland noch für möglich hält, daß eine hohe Kirchenstelle das An­sinnen an die Staatsgewalt stellt, dem Reichs­leiter für die weltanschauliche Schulung der Partei das Wort in Münster zu verbieten?

Ich stelle fest, die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei ist der politische Willensträger des nationalsozialistischen Staates und der Staat der Vollstrecker und Verteidiger dieses nationalsozia­

listischen Willens. Ich kann ein solches Ansinnen einer hohen Kirchenstelle auch als Vertreter der Staatsgewalt nur mit aller Entschiedenheit zu­rückweisen. Deutsche Volksgenossen, wir müssen aus der Hut sein, aus der Wache stehen. Es sind mannigfache Organisationen vorhanden, angeb­lich unpolitischer Art, die aber aus Hintertreppen und Umwegen oder unter Mißbrauch der Religion immer noch versuchen, politischen Einfluß in Deutschland auszuüben und das Volk dem natio­nalsozialistischen Staat zu entfremden.

Wir haben in den letzten Monaten z. B. eine verstärkte Agitation wahrgenommen gegen das Reichsgesetz zur Verhü­tung erbkranken Nachwuchses. Dieses Gesetz ist von der Reichsregierung aus wohlerwo­genen Gründen erlassen worden, um das deutsche Volk gesund zu erhalten, und es ist unverant­wortlich, wenn man von gewisser Seite, die von

dem alten Zentrumsgeist erfüllt ist, gegen dieses Gesetz mit allen möglichen Mitteln der Eewissens- bindung vorgeht.

Ich muß als berufener Vertreter der Reichs­regierung hier feststellen, daß wir nicht ge­sonnen sind, weiterhin eine derartige Sabo­tage der Reichsgesetze zu dulden. Auch nach dem Konkordat ist die katholische Kirche ver­pflichtet, die Gesetze, die für alle im Staate bindend gelten, auch sür die Angehörigen der katholischen Kirche als bindend zu erachten.

Es sind weiterhin sehr bedauerliche Prozesse ge, führt worden. Devisenschieberprozesse, die einen erschreckenden Tiefstand an Rechts- und Gesetzesachtung erkennen ließen. Besonders schwer fällt es ins Gewicht, daß leider auch obere Stellen katholischer Orden daran beteiligt waren. Der nationalsozialistische Staat wird es sich nicht ge­fallen lassen, in dieser Weise mit den Lebensinter­essen der deutschen Nation Schindluder treiben zu lassen.

(Fortsetzung auf Seite 2)

MänNgkett der NSW. nicht Schwäche!

Der Lhef des Stabes, Luhe, in Münster:Mir lassen uns nicht provozieren"

Münster, 8. Juli.

Im Rahmen des großen Eautreffens der NSDAP., Gau Münster, nahm in der festlich geschmückten HalleMllnsterland" u. a. der Thef des Stabes, Lutze, das Wort zu längeren Aus­führungen, in denen er einen Rückblick über die letzten zehn harten Kampfjahre der Partei gab. Seine Ausführungen klangen darin aus, daß der Nationalsozialismus sich in seiner Arbeit nicht hindern und auf keinen Fall und von niemandem provozieren lasse, auch nicht von den Geistlichen, ganz gleich, welcher Konfession.

Der Nationalsozialismus mische sich nicht in die Belange der Kirche, verlange aber auch, daß die Kirche sich nicht in die national­sozialistischen Angelegenheiten einmische. Man dürfe die Ruhe und Anständigkeit des Nationalsozialismus nicht mit Schwäche ver­wechseln. Mit denen, die sich am national­sozialistischen deutschen Staat vergehen, würde man das machen, was man mit solchen Leuten machen müsse.

Anschließend nahm Gauleiter Dr. Meyer das Wort zu seiner großen Kongreßrede, in der er sich besonders mit wirtschaftlichen Fragen be­schäftigte Besondere Sorge verwende die Partei auf die Arbeitslosigkeit im Nuhrgebiet. Auf Ver­anlassung der Partei habe eine Reihe von Aus­sprachen mit Vertretern des Staates, der Gemein­den, der Wirtschaft und der Arbeiterschaft stattge­funden, auf der Hilfsmaßnahmen durchgesprochen wurden. Ais Ergebnis seien der Reichsregierung eine große Anzahl von Projekten zur Durchfüh­rung in Vorschlag gebracht worden, darunter eine Reihe größerer N o tst an ds a rb ei ten und Siedlungsvorhaben. Es sei gelungen.

maßgebende Persönlichkeiten von der Notwendig­keit eines hilfebringenden Eingriffes im In­dustriegebiet zu überzeugen. Auch in der Textil- industrie habe sich die Partei erfolgreich um die Ueberbrllckung der Rohstoffschwierigkeiten und Verbesserung der Einkommensverhältnisse bemüht. Ebenso habe man eine Verbesserung der Lage der Tabakarbeiter und -arbeiterinnen erreicht.

Weiter beschäftigte sich der Gauleiter mit der kirchenpolitischen Frage und mit dem Briefdes Bischofs von Münster. Er verwies schließlich darauf, daß deutsche Mannen nie einen besseren Mann und Herzog auf ihren Schild erhoben hätten als Adolf Hitler, dem das ganze Sein und Leben aller Nationalsozialisten gehört und um den uns die ganze Welt.beneide.

H

Während der letzten Sondertagungen der Amtsleitungen in den Vormittagsstunden des Sonntags hatte sich das große Aufmarschgelände auf dem Stadion und dem Sportplatz gefüllt. Kurz vor 11 Uhr erschien in Begleitung des Gruppenführers der Gruppe Westfalen, Schramme, Stabschef Lutze. In einer zwei­ten kurzen Rede betonte er:Heute wie vor

10 Jahren kämpfen wir für den Führer und damit für das Volk. Unser Kampf gilt heute vornehmlich den noch abseits Stehenden. Hier hat die zähe und unermüdliche Arbeit einzu­setzen, um auch sie für den Nationalsozialismus zu gewinnen. Unseren Kampf führen wir sür ein freies, stolzes Volk in einem freien Deutsch­land." Unter dem Jubel der SA. sagte Stabs­chef Lutze, er werde in den nächsten Tagen dem Führer das Gelöbnis unverbrüchlicher Treue und

stets einsatzbereiter Gefolgschaft der südwestfäli- schen SA. überbringen.

Zur gleichen Zeit waren auf dem Sportplatz die Amtswalter zu einem Appell vor dem Reichsorganisationsleiter Dr. Ley aufmarschiert. Er sagte in seiner Rede, es sei notwendig, immer wieder zu zeigen, daß die Partei noch im Kampfe stehe, denn die Gegner seien noch nicht ausgestorben. Das zeige der Versuch eines hohen kirchlichen Würdenträgers, einem Reichsleiter das Reden zu verbieten. Aber trotzdem bleibe die Partei großmütig. Das sei nicht Schwäche. Sie lasse die Frucht reifen, genau so wie es der Führer immer wieder getan habe. In Deutschland gebe es zwei Fronten: Diejeni­gen, die die Einheit Deutschlands wollten und das Edle und Gute erstrebten und die andere Front der Gemeinen und Unanständigen, die Deutsch­land zerspalten, zertrümmern und zerreißen woll­ten um ihres persönlichen Vorteils willen. Die Gegner von einst und heute seien die gleichen, die neuen Gegner hätten nur ge­zwungenermaßen ihre Masken abgestreift.

Unter großem Beifall erklärte Dr. Ley, die Partei sei heute geschlossener denn je, und sie greife wieder an. Mit Begeisterung feierte Dr Ley zum Schluß den Führer, der die ganze Welt aus Wahn- und Aberwitz reihe und sie zurückführe zur Vernunft.

Oberpräsident Gauleiter Wagner forderte die Amtswalter auf, mit dem gleichen Geist und dem gleichen Willen, der ihnen von je inne- wohnte, weiterzukämpfen. Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer schloß der Appell.

Nachwuchs In der Wirtschaft

Don

Dr. Ottokar Lorenz

Auf der Reichserzishungswoche der llebungs- wirtfchast im Zeltlager St. Johann bei Reut- lingsn sprach der Leiter des wirtschaftspolitifchen Referates der Reichsjugendsührung, Gebietsfüh- rer Dr. Lorenz. Er zeichnete in seiner Rede den Typ eines nationalsozialistischen WirtschaftS- sührsrs und führte aus:

Die Macht im Staat haben wir erobert, aber der Kampf um die Macht in der Wirtschaft hat gerade erst begonnen. Wir nun, die wir unseren Beruf in der Gestaltung der Wirtschaft haben, wir tragen die Aufgabe in uns, daß unsere Ge­sinnung sich praktisch auswirkt auf dem wirt­schaftlichen Gebiet. Denn das ist der einzige Prüfstein dafür, ob unsere Gesinnung echt ist. Jede Gesinnung ist nur soviel wert, wie sie Taten wirkt und Leistungen schafft.

Es sind die Menschen, die der Wirtschaft das Gesicht geben, und niemand kann ihnen die Ver­antwortung für das Geschehen und den Geist der Wirtschaft abnehmen. Diese Verantwortung kann man nicht etwa auf den Staat abschieben. Es sind nicht die Gesetze und Verordnungen, die hie Wirtschaft gestalten. Wird doch nicht einmal das Leben des Staates selbst durch diese Gesetze be­stimmt. Sondern es sind auch hier die leben­digen Menschen, von denen alles abhängt. So kann auch die Wirtschaft durch Gesetze und Verordnungen höchstens in ihren äußeren For­men geändert werden. In ihrem Geist aber wird

Bremen stand am gestrigen Sonntag im Zeiche» des Tages der Standarte 75, der sich unter leb­haftester Beteiligung aus dem Gelände der Bre­mer Kampfbahn abspielte. Wir berichten über den Verlauf des Tages ausführlich im Innern des Blattes.

sie nur dann eine andere, wenn neue Menschen in die Führung kommen, wenn sie gestaltet wird von Nationalsozialisten.

Der Staat der Vergangenheit hat es wohl ge­wagt, von seinen Bürgern den Einsatz ihres Le­bens zu fordern, niemals aber hat er von seinen Untertanen verlangt, daß sie ihr Eigentum, ihr Kapital für den Staat aufs Spiel setzen. Was heißt das aber? Das heißt, das Eigentum war mächtiger als der Staat, das Kapital hat den Staat beherrscht. Nach unserer Mei­nung ist aber der Staat nicht für das Eigentum da, sondern der Staat ist für das Volk da. Und

Leben und lod in Z0ll0 Flaschen

Bas pliarmakologische Institut der Berliner Universität - löifte gibt es nicht

Wenn jemand an Schlaflosigkeit leidet und einen Arzt konsultiert, dann bekommt der Patient ein schlafförderndes Mittel. Heute wird man sicher ein bestimmtes Präparat verschreiben, wäh­rend der alte Hausarzt von früher eine Mixtur zusammenstellen ließ. Milligramme der verschie­densten Stoffe ergaben dann das Mittel, das gerade in dieser bestimmten Zusammensetzung die Wirkung ausmachte. Ein Fehler in der Rezept­anordnung, und aus dem beruhigenden Mittel wäre ein Gift geworden. Daher stammt auch der Ausspruch der Pharmakologen, daß es an sich aus der Welt kein Gift gibt. Man kennt Substanzen, aus denen Eiste entstehen können, wenn die Dosis zu groß bemessen wird, und daher dient das Institut der Erforschung des organischen Auf­baues jeder Substanz, um ihre genaue Wirkung in jeder Menge kennenzulernen.

2m Ring der zahlreichen Institute, die der Erforschung des menschlichen Körpers dienen, nimmt dieses Haus eine besondere Stellung ein. Hier wird nicht allein unterrichtet, sondern auch gewischt. Man erstrebt in seiner Arbeit eine lückenlose Kenntnis über die Stoffe, die irgend­eine Wirkung auf Mensch oder Tier hervorrufen. Ferner in welcher Weise die Wirkung der Mechanismus der Stoffe zutage tritt. Um alle diese sicher nicht zu zählenden Stoffe immer zur Hand zu haben, besitzt mau eine Sammlung von Drogen, Hausmitteln, Mixturen. Medikamenten und Heilkräutern, wie man sie wohl selten bei­sammen findet. In einem verhältnismäßig gro­ßen Raum stehen an den Wänden Glasschränke, und zwar in zwei Etagen, die völlig von Flaschen, Ampullen, Dosen, Schachteln angefüllt sind Der Leiter des Instituts. Pros. Wolfaana Heubner, der mit allen maßgebenden wissensckmitliön'n Kreisen in dauernder Verbindung steht, bält diese Sammlung immer auf dem laufenden. Daß einige Spezialgift- und Arzneisammlungen dem

Institut geschenkt wurden, daß man eine vollstän­dige chinesische Heilkräutersammlung besitzt, daß man hier die berühmte Sammlung Lewin und Geschenke Schweinfurths findet, muß besonders betont werden.

Da man sich im pharmakologischen Institut nicht allein mit der deutschen Volksmedizin beschäftigt, sondern die Heilmittel sämtlicher Völker studiert, findet man alle diejenigen Arzneien, die auf der gesamten Welt von Medizinern und auch Heil­kundigen verschrieben oder angewandt werden. Viele Tinkturen und viele sogenannte Hausmittel mögen heute veraltet und nicht mehr gebräuchlich sein. Sie spielten aber einstmals eine Rolle, und daher sind sie hier auch notiert. Im ersten Schrank findet man zunächst Meerzwiebeln, Algen, Rinden und Chinin. Das von der modernen Heilkunde heute verwandte Chinin wird aber nicht mehr aus. südamerikanischer Rinde gewonnen, sondern wird synthetisch hergestellt. Die Schwämme aus aller Welt dienten verschiedenen Zwecken. Zu­nächst einmal als Watteersatz. Exotische Schwämme aus der Südsee dienten als blut­stillende Mittel, da den Samoanern bekannt war, daß dieses pflanzliche Produkt Gewebe zusammen­zieht. Andere Schwämme wurden als Brechmittel gebraucht. Ucberaus reichhaltig ist eine Blüten- sammlung. Alle nur erdenklichen Arten sind zu sehen. Die Wirkung ist übrigens nicht immer gleich. Da eine Pflanze wasserhaltiger als die andere ist, so ist auch der Effekt verschieden. Die gleiche Menge muß also nicht immer die gleiche Wirkung erbringen. Interessant ist die Blüte einer chinesischen weißen Lilie, die Wunder voll­bringt bei einem organischen Leiden.

Ein Zeichen'- die große Rolle, die der Zu­fall spielt, ist die Entdeckung des Strophantins, eines der schwersten Horrgiftc. Livingstone hatte in einem Koffer mit afrikanischen Trophäen bei seiner Ausreise aus dem Schwarzen Erdteil auch

seine Zahnbürste aufbewahrt. Als er sie in Lon­don benutzte, bekam er einen schlimmen Herz- anfall. Ein hinzugezogener Apotheker entdeckte bei der Untersuchung der Pfeilspitzen, die die Bürste berührt hatten, das Strophantin. Die gleiche furchtbare Wirkung wie dieses Gift be­sitzt ein anderes pflanzliches Produkt, das wohl­verwahrt in einem Tontopf liegt undCurare" heißt. Dieses Gift wird von den Negern und Vuschleuten als Pfeilgift verwandt und besitzt eine geradezu fürchterliche Wirkung. Sobald ein Atom dieses Stoffes in einen Körper dringt die kleinste Menge genügt selbst für einen Ele­fanten tritt in der quergestreiften Muskula­tur eine sofortige Lähmung ein. Der angeschossene Mensch oder das Tier fallen um, sind vollkommen bewegungslos. Die inneren Organe aber arbei­ten weiter, bis endlich der Organismus austrock­net und abstirbt. Die Afrikaner benutzen diese beiden Eiftsorten in allen Stämmen; aber außer­dem kennen sie noch eine Reihe harmloserer Mit­tel, die ebenfalls hier zu finden sind.

In einem der nächsten Schränke liegt zunächst ein Holzstamm. Sandelholz. Man kann sowohl Oel als auch einen Tee aus dem Holz bereiten. Löwenzahn in vielen Arten folgt, und auch das den Borgias sicher bestens bekannte Schierlings­kraut fehlt nicht. Vor allem gefährlich ist der Sturmhut, der das schreckliche Arkonitin liefert, das schon von Juwenal besungen wurde und als Gift der Borgias angesehen wird. Als probates Hausmittel sozusagen. Gefährlich ist auch ein weißliches Metallpulver, das unter dem Namen Arsen bekannt ist. In einer Glasflasche liegt ein buttergelbes Küken, das mit diesem Stoff ver­sehen wurde und nun in einem dem Leben täu­schend ähnlichen Zustand erhalten bleibt Mensch­liche Haut hingegen wird, wie an einem Versuch zu sehen ist, merklich dunkler. Neben Proben von allerlei Fettstoffen ist Bernstein vertreten, das chen'oll-i unter die Gruppe Hausheilmittel fällt. Man atmete früher seine Dämpfe ein. Einfache Kornproben in einem anderen Behälter erinnern an Gerste. Auch ein Mittel? Das Korn nicht, sondern der Pilz, den man jetzt als schwarzen Fleck entdeckt. Mutterkorn ist es, und als man

die Flasche öffnet, schließt man sie rascher wieder. Ein entsetzlicher Geruch und doch allen Müttern bekannt, die den Pilz gegen Wehen genommen haben. Mannah ein bereits im Altertum be­kanntes Abführmittel ist bis heute aus der Liste der Hausmittel nicht gestrichen. Genau so bekannt ist der Saft des Süßholzes, aus dem Lakritzen hergestellt werden. Schafwolle und andere tie­rische Wollsorten hat man ebenfalls ausgestellt, denn aus ihnen macht man Lanolin. Die Wolle enthält ein bestimmtes Fett, das für die Volks­wirtschaft ungeheuer wichtig ist.

Daß man Tee und Kaffee zeigt, ist verständlich, denn beide Produkte besitzen eine herzbelebende Wirkung. Aber auch Kakao ist zu finden, und zwar aus dem Grunde, weil in der Kakaobohne ein Mittel enthalten ist, daß mit Koffein eine gewisse Aehnlichkeit besitzt. Gift werden können auch Haschich-Hanf und eine südamerikanische Kakteenart, die den Indianern ein Rauschgift liefert. Betelnüsse, Opium und andere Belebungs­mittel folgen. Es ist wirklich interessant, wie alle Völker der Erde die sie umgebende Natur nach diesen Betäubungsmitteln durchforschen. Und daß sie Erfolge haben, zeigt die Reichhaltigkeit der Sammlung. Tonkabohnen veredeln den Kaffee und sind daher gesammelt. Sehr wertvoll ist eine Sammlung konzentrierter Leichen- und Pflanzengifte und der Eiftabsonderungen von Schlangen. Tödlich können sie sämtlichst wirken. Angefangen von derharmlosen" Miesmuschel- vergiftung. Eine Steinsammlung gehört auch hier­her. Kupfer war immer schon als Brechmittel be­kannt, Alaun, aus Aluminiumerde gewonnen, diente zur Wundbehandlung, und Eisen' ist immer noch ein glänzendes Vlutverbesserungsmittel.

Ein überaus wertvolles und sicher seltenes Ge­schenk bildet eine Sammlung von chinesischen Drogen. Asien ist bekanntlich unserer Heilkunde in der Zahl der verschiedenen Mittel genau so überlegen, wie allen anderen Völkern. Aber auch im Aberglauben führt China Da liegt ein Igel m Spiritus Zerstoßener Igel soll ' gegen die Schwerhörigkeit wirken. Es fehlt, daß man Rabenfleisch ißt, um weise zu werden.Canta- riden" lautet die Ueberschrift einer Flasche, deren

Inhalt Hunderte buntschillernder Fliegen sind. Man macht hier die erste Bekanntschaft mit der spanischen Fliege, dem Urprodukt des welt­berühmten spanischen Pflasters. Aus China kom­men auch Vogelnester, die nicht allein den Fein­schmeckern als Nachtisch dienen, sondern angeb­lich auch eine wundersame Wirkung bei bestimm­ten Krankheiten erzielen sollen. Von der Gold- küste kommt der Stechapfel, den das Mittelalter für persönliche Feinde gebrauchte man kann wirklich hier Stunden suchen und wird sicher lau­fend neue Stoffe finden, die man selbst dem Namen nach kaum noch kennt. Wie viele der hier ausgestellten Produkte waren noch vor eini- gen Jahren einzigartig, bis die Industrie und Wissenschaft den organischen Aufbau der Pflanze oder des Stoffes erkannte, um ihn dann synthe­tisch herstellen zu können. In wenigen Jahren vielleicht schon wird man die meisten Hausmittel ohne große Kosten fabrikmäßig herstellen können.

Aufstieg im deutschen Vuchliandel

Die allgemeine Lage im deutschen Buchhandel zeigt im zweiten Vierteljahr 193S zahlreiche An­zeichen eines neuen und stetigen Aufstiegs. Ueber die Neuerzeugung in den ersten fünf'Monaten dieses Jahres im Verhältnis zu derjenigen im gleichen Zeitraum der vorangegangenen Jahre geben die nachstehend aufgeführten Zahlen Auf­schluß, die auf Grund der erstmaligen Ankün­digungen imBörsenblatt für den Deutschen Buchhandel" errechnet sind. Es wurden gezählt in den ersten 5 Monaten dieses Jahres insgesamt 4101 Neuigkeiten und Neuauflagen, gegen 1034: 3848, 1033: 4014, 1932: 4036, 1931: 'ZOOO und 1930: 5465. Konkurse wurden in den ersten fünf Monaten gezählt: 16 gegen 1934: 24 und 1933: 32, Vergleichsverfahren 1935: 2, 1934: 1 und 1983: 9, eröffnete und mangels Masse abgelehnte Konkurse insgesamt in den ersten vier Monaten 1935: 22. 1934: 26, 1933: 46. Auch diese Zahlen deuten auf eine zunehmende Beruhigung und Fe­stigung der Lage hin.