Ausgabe 
(7.7.1935) Nr. 185
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Parteiamtl-Iageszeitung der

Nationalsozialisten Vremens

Das flmtsblatt des Senats

der Lceien Hansestadt Vremen

Bremer Zeitung erscheint täglich (auch Montags). Monatsbezug: RM. 2,3» einschl. 30 Rpf. Zustellungsgebühr: I ^

durch die Post RM. 2,30 einschl. Ueberweifungsgebühr ausschl. Postbestellgeld. Der Bezugspreis ist im voraus zu I entrichten. Postscheck Hamburg 172 72. Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch auf Erstattung oder Ersatz. I I

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Nr. 1S5 / 5. Jahrgang

Sonntag, 7. Juli

kinzelpreis 15 Npf.

0er große lag der Standarte 75

Scanne vataillone als Iräger, Vermittler und Vollstrecker des süstrer-willens / krlebnls engster Volksverbundenheit

Unssr lagvsspisgsl

Der Reichsjugendführer wendet sich scharf gegen die Entartungen des Korporations- studententums-

Reichserziehungsminister Ruft hat nun auch ' innerhalb der privaten Unterrichtstätigkeit ' die nationalsozialistische» Grundsätze zur Durchführung gebracht

Reichsleiter Rosenverg tritt der jüngsten Provokation des Bischofs von Münster schärfsten« entgegen

Im Fall der Bremer Großwäscherei Haqungs ist eine Nachprüfung der Gefolgschasts- beschwerden angeordnet

Der Präsident des Werberates der deutschen Wirtschaft weilt mit seiner Begleitung als Gast in Bremen

Der 80. Geburtstag des Bremer Welthafens wurde festlich begangen

In Bremen ist in Kürze die Gründung einer Levante-Linie z» erwarten

Die verkehrsstiirenden Schranken an der Block­stelle Horn werden demnächst beseitigt Im Schwimm-Länderkampf Deutschland

Frankreich konnten die deutschen Vertreter am ersten Tage eine überlegene Führung er, ringen

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See lall ßagungs

Verfahren wegen der sozialen Beschwerden Die beiden Kündigungen zurückgenommen

Bremen, 7. Juli.

Uns wird berichtet: Unter dem Vorsitz des Stell­vertreters des Treuhänders der Arbeit und unter Mitwirkung verantwortlicher Dienststellen der Partei und der Reichsleitung der Deutschen Ar­beitsfront fand am 6. Juli eine Besprechung aller Beteiligten statt. Als Ergebnis dieser Be­sprechung ist vom Treuhänder der Arbeit vorge­sehen, in ein Verfahren wegen der sozialen Be­schwerden einzutreten, das mit aller Be­schleunigung durchgeführt werden soll. Der Ve- triebsführer Haqungs hat sich mit einer lleber- prüfung der Arbeitsverhältnisse in seinem Be­triebe einverstanden erklärt. Die beiden Kün­digungen wurden vom Betriebssichreraus so­zialen Gründen" zurückgenommen.

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Die Zurücknahme der beiden Kündigungen, die den letzten Anlaß zum Eingreifen der Gefolgschaft und zum Ausbruch der, Volkserregung gaben, dürfte im Stadtteil Hastedt die Beruhigung wie­derherstellen. Wir sind überzeugt davon, daß die vom Treuhänder der Arbeit angeordnete Ueber- prllfung der sozialen Verhältnisse im Betriebe der Großwäscherei Haqungs auch die weiteren Ursachen der öffentlichen Aktion aus der Welt schaffen wird.

Bremen, 7. Juki.

Das große Fest der Standarte 78 hat seinen Anfang genommen. Schon zeitig am Sonnabend­nachmittag war auf den Plätzen der Bremer Kampfbahn die letzte Hand angelegt. Die Kame­raden der Nachrichten-Stürme der Stan­darte errichteten ihre Telephonmasten und zogen die Leitungen ein weitverzweigtes Fernsprech- gewebe. Auf dem Lagerplatz staimen gegen 19 Uhr rund fünfzig Zelte bereit. Die ganze An­lage für ein rechtes Feldleben war so gehalten, daß sie von fernher nicht leicht zu entdecken war. Niedrig die klemen viereckigen Zelte, in drei Reiben aufgebaut, ihnen zu Häupten die aufge­schichteten Holzscheite für das nächtliche Lagerfeuer. Nahbei ein großes Sanitätszelt. Längs der Reihen einige Feldküchen, an denen eifrig gearbeitet wurde für den anderen Tag. Frohgemut und mit flinken Händen halfen Mädel vom BDM. beim Kartoffelschälen.

Nacheinander rückten bis etwa 20.30 Uhr die Stürme 4/78, 9/75 und 12/75 im Lager an und er­statteten Obersturmführer Finger, dem verant­wortlichen Führer für das Biwak Meldung. Und nun setzte eine betriebsame Vorbereitungsarbeit für die Nacht ein. Zahlreiche Zuschauer hatten sich eingefunden.

Gegen 21lb Uhr begannen sich die Menschen auf dem Hauptplatz der Bremer Kampfbahn sowie auf den Tribünen zu sammeln, um dem feierlichen Zapfenstreich beizuwohnen. Der Sturmbann Il/75 war mit dem Spielmannszug 11/75 und dem Musikzug der Standarte 75 unter dem Be­fehl von Obersturmführer Goebel vom Wall über OstertorsteinwegSielwallOsterdeich zur Kampbahn gezogen und marschierte von Osten her ein. Kurz vor der Ankunft des Sturmbannes hatte eine Abordnung von 200 Mann aus dem Biwak auf den Wällen der Hauptkampfbahn Aufstellung genommen und die Fackeln entzündet, die im Winde flackernd zum Himmel aufloderten. Tau­sende von Zuschauern hatten sich inzwischen ge­sammelt.

In- Höhe der Ehrentribüne stellten sich die Stürme auf und wurden Standartenführer Ehrt- stensen, dem Führer der Standarte 75, gemeldet. Mit dumpfem Trommelwirbel und Pfeifentriller setzte der große Zapfenstreich ein. Immer dunkler ward es, immer flammender brannten die Fackeln und warfen ihren Schein auf die an den Masten flatternden Banner der Bewegung. Vom Winde weit dahingetragen erklangen die Weisen ein immer wieder neues Empfinden weckend und auf­

rufend zu Andacht und Freude auf einen kom­menden Tag. Ein ernstes, würdiges Bild bot die kurze Feierlichkeit, die ausklang mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschland- und Horst- Wessel-Liedes und einem dreifachen, von Stan­dartenführer Christensen ausgebrachten Sieg-Heil auf unseren Obersten SA.-Fllhrer.

Nach Westen zu rückte Sturmbann H/75 nach Beendigung des Zapfenstreiches über Peters­werder Hamburgerstraße Vor dem Stein­tor Ostertorsteinweg zurück zum Alten Wall, um dort die Fackeln zu löschen und sich aufzulösen.

Im Biwak lagerten singend die Kameraden um den Holzstoß. Lagerwachen waren aufge­zogen und es herrschte ein lustiges und behag­liches Treiben. In und vor den Zelten gab es allerlei kleineZwischenfälle", wie sie jedem Feldlager eigen sind und wie sie nur aus dem Augenblick heraus empfunden werden können. Gegen 23.30 Uhr begaben sich die Stürme zur Ruhe, die Nachtwachen zogen auf. Stille kehrte ein.

Ein Ehrentag für alle steht bevor und es gilt, früh wieder am Werk zu sein.

Sfl. marschiert!

» Bremen, 7. Juli.

Die SA. ist die politische Sturmtrupps des Führers. Als eine ihm verschworene Gemein­schaft folgt sie ihm blind auf Leben und Tod- Das ist eine Tatsache, über die kein Wort mehr zu verlieren ist. Hundertfach, tausendfach hat sie sich vor der Welt erwiesen, hundertfach und tausendfach wird sie sich auch noch in Zukunft erweisen.

Der Führer weiß es und seine SA. weih es, Innig und unlösbar ist sie mit ihm verbunden, und so eins mit ihm in ihrem Fühlen und Handeln, daß der Führer keinen großen Gedanken denken kann, ohne daß dieser Gedanke ahnungs­voll, blitzartig, schlechtweg sagen wir instinktiv, auch gleichzeitig schon die Besten in der SA. durchzuckt.

Wenn es richtig ist und wie s eh r es richtig ist, weiß längst schon das ganze nationalsoziali­stische Deutschland daß des Führers hehrer Genius, der Mensch gewordene Wille des deutschen Volkes selber ist, dann darf man wohl sagen, daß dies vor allem auch und ganz besonders gilt bei dem Verhältnis des Führers zu seiner SA. Sie ist sein Instrument, aber sie ist noch mehr als das: sie ist ein Teil seines Nervensystems, Träger, Vermittler und Vollstrecker seines Willens.

Gerade der Tag der Standarte 75 ist ein Beweis dafür. Dieser Tag ist erdacht und ge­plant worden als ein Tag ehrenvoller Wett- kämpfe der Männer der Standarte 75 unterein­ander; er ist erdacht und geplant etwa gleichzeitig, aber äußerlich unabhängig von der Anordnung

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des Führers für die gesamte SA. des Reiches. Und doch entspricht dieser Tag so ganz und gar der Anordnung des Führers. SA. im Wettkampf mit­einander ringend um den Ruhm hoher Aus­zeichnung soll in Bremen zu neuem, innigen Er­lebnis eherner SA.-Kameradschaft und unüber­trefflicher männlicher Selbstzucht und sportlicher Tüchtigkeit werden. Es ist das ein Großteil dessen, was der Führer beabsichtigt, da er den Befehl gab zu einem großen Leistungswettkampf der gesamten SA. im Reiche, auf daß sich erweise, wie auch die

Nosenberg weist einen Vistkof zurecht

Ne-e des Neichsleilers auf dem öautag in Münster Unverschümter vrief eines katholischen Würdenträgers

Münster, 7. Juli.

Reichsleiter Alfred Nosenberg hielt am Sonnabendabend auf dem Eautag Westfa­len - N o r d in Münster eine große Rede, in der er sich u. a. mit unerfreulichen Einflüssen ver­schiedener katholisch-kirchlicher Stellen aus­einandersetzte. Deutschland hahe seinen tiefsten Sturz in der Bedrohung seiner gesamten seelischen Substanz durch den radikalen Marxismus und Bolschewismus erlebt.

In dieser Schicksalsstunde, da instinktiv ganz Deutschland nach echten Seelsorgern Ausschau gehalten habe, meldete sich das Zentrum, das sich aber nicht etwa aus die Seite der um ihr Vaterland besorgten Deutschen gestellt, son­dern ein von maßgebenden Kirchenführern ge­führtes Bündnis mit dem landesverräterischen Marxismus abgeschlossen habe.

An einem Beispiel stellte Reichsleiter Nosenberg dar, wie anstatt dem Nationalsozialismus für die Errettung Deutschlands und somit auch aller katholischen Deutschen zu danken, die Zentrums­führer unterirdisch, oft aber auch schon offen, gegen den neuen Staat kämpfen. Er verlas Stellen aus einem Vrief, den der Bischof von Münster an den Oberpräsidenten der Provinz Westfalen ge­richtet hatte. In diesem Brief erklärt Bischof Clemens August von Münster, die An­kündigung, daß Reichsleiter Nosenberg in Münster sprechen würde, habein der christlichen und be­sonders in der katholischen Bevölkerung" der Stadt Münster bereitsstärkstes Befremden"

erregt und die Ausführung des Planes würde unfehlbar eine lebhafte Beunruhigung" bringen. Wörtlich schreibt der Bischof von Münster:Vor­aussichtlich wird eine Minorität verführter und verhetzter Anhänger des Neuheidentums sein (Rosenbergs) Erscheinen begrüßen und zu chri- stentumsfeindlichen Demonstrationen benutzen. Ein Auftreten Rosenbergs würde von der christ­lichen Bevölkerung Münsters als eineauf­reizende Provokation" und als eineVer­höhnung ihrer heiligsten und berechtigten religiö­sen Ueberzeugung" empfunden werden und könnte zu verhängnisvollen Zusammenstößen führen." Zum Schluß ersucht der Bischof, ein Auftreten Rosenbergs in Münster in ahsehbarer Zeit durch die Regierung zu verhindern und bittet in einer befristeten Zeit, Mitteilung zu erhalten, ob die­sem Antrag stattgegeben werde, da im Falle einer Ablehnung ernsthaft zu erwägen sei, ob der Bischof in einem Erlaß zur ruhigen Hinnahme dieserProvokation" öffentlich auffordern müßte. Er schließt:Ich bin freilich zweifelhaft, ob diese Maßnahme vollen Erfolg haben würde."

Rcichsleiter Nosenberg erklärte nach der Ver­lesung dieser Stellen:Indem der Gau Westfalen- Nord mich zu seinem Eautag ersucht, eine Rede zu halten, ist es selbstverständlich, daß ich hier in einer parteiamtlichen Eigenschaft spreche und nicht als Privatperson, wie es vielleicht der Bi­schof Clemens August glaubte, hinstellen zu können. Dieser, die gesamte Partei und den heu­

tigen Staat herausfordernde Brief zeigt dabei, was man an gewissen Stellen unter sogenannter Religionsfreiheit versteht: nämlich die Unter­drückung aller Anschauungen, die nicht mit einem bestimmten Dogma zusammen­fallen. Die Führer des Zentrums sind jahrzehnte­lang so daran gewöhnt gewesen, in Deutschland zu herrschen und ihr eigenes Interesse auch gegen das allgemeindeutsche durchzusetzen, daß sie noch nicht begriffen haben, heute in einer neuen Zeit zu leben, wo einmal auch das gesamte deutsche Volksinteresse über das einseitig Konfessionelle und Klassenmäßige gestellt wird.

Ich weise dabei die Bezichtigung, als ob die Partei und eine sogen.Minorität verführter und verhetzter Anhänger des Neuheidentums" eine amtliche Veranstaltung der NSDAP. zu christen- feindlichen Demonstrationen benutzen könnte, als eine durch nichts gerechtfertigte Herausforderung zurück. Der Nationalsozialismus, der den Bolsche­wismus in Deutschland niederschlug zu einer Zeit, da die Kirche ihn nicht überwinden konnte, hat mehr für das Christentum getan als alle anderen Parteien in Deutschland zusammen! Eine christen- tumfeindliche Demonstration ist niemals seitens der Nationalsozialistischen Partei zu verzeichnen gewesen. Die schlimmsten christentumsseindlrchen Demonstrationen, die man sich jedoch denken konnte, waren die Bündnisse der Zentrumsprä­laten mit den atheistischen Marxistenführern.

(Fortsetzung auf Seite 2)

Downingstreet 10

Vilder, die fldolf Mer schuf

flquarelle des Zichrers in Partei- und privatbesih

Lin Mittelpunkt der Weltpolitik

Der kürzlich vollzogene Kabinettswechsel in England hat die allgemeine Aufmerksamkeit wieder einmal auf ein unscheinbares Gebäude in einer stillen Straße Londons gelenkt, nach Downingstreet 10. Hier befindet sich seit rund zwei Jahrhunderten der Amtssitz des englischen Erstministers, und in diesem fahlgelben Gebäude schlägt das Herz des Britischen Reiches. Und es ist daher zu verstehen, daß Downingstreet 10 im Laufe der Zeit zu einem festen Begriff wurde.

Die Geschichte dieses Hauses geht bis auf das Jahr 1680 zurück, als König Karl II. nach dem Abwirtschaften der CromwellschenRundköpfe" aus den Niederlanden zurückkehrte, um den eng­lischen Thron zu besteigen. Freigebig belohnte er seine Anhänger, ohne immer darauf zu achten, daß sich unter ihnen auch mancher befand, welcher der königlichen Gunst keineswegs würdig war. Dies galt auch für einen gewissen George Downing, der, die Wiederaufrichtung des Königs- tums rechtzeitig ahnend, schleunigst sich ent­sprechend eingestellt hatte. Nicht zu seinem Nach­teil; denn Karl II. erhob ihn alsbald in den Adelsstand und machte ihm wertvollen Grund­besitz zum Geschenk, die heutige Downingstreet, wo der so Ausgezeichnete sich bald ein nach da­maligen Auffassungen prächtiges Haus errichtete, in dem er bis zu seinem Tode ein behagliches Leben führte.

Downing hinterließ keine unmittelbaren Erben, und das war wohl der Grund, weshalb König Georg II. das Haus in der Downingstreet zur Amtswohnung seines Erstministers hestimmte. Als erster wurde Walpole zeitweiliger Besitzer des Gebäudes, wohl als Wiedergutmachung für eine Beleidigung, die ihm von seinem König zuge'ügt worden war. Als der Erstminister seinem Herrn pflichtgemäß die Nachricht vom Ableben von dessen Vater iiberbracht hatte, war die frisch­gebackene Majestät in Wut geraten und hatte

/ von Hans Joachim iilchlart

ihren treuen Diener mit den Worten:Das ist eine infame Lüge, Kerl!" angebrüllt.

Seit Walpole ist Downingstreet der Mittel­punkt der britischen Weltpolitik geblieben. Der Amtssitz des Erstministers erhielt in neueren Zeiten die Nummer 10. Warum, weiß eigentlich niemand. Denn die Nummern von eins bis neun gibt es nicht, und es auch gar kein Raum für sie vorhanden. Downingstreet beginnt daher mit Nummer 10. Als unmittelbaren Nachbarn hat der Erstminister seinen Kollegen von den Finanzen, der in Nummer 11 haust. Dann kommt Nr. 12, das aber nur ein halbes Haus ist und in dem der jeweiligeHaupteinpeitscher" der re­gierenden Partei sein Heim aufgeschlagen hat.

Nun müßte Nr. 13 kommen aber dafür ist kein Platz mehr da, und so kommt es, daß Downingstreet bei Nr. 10 beginnt und bei Nr. 12 schon wieder endet.

Ebenso bemerkenswert wie die Straße selbst ist das Innere ihres wichtigsten Gebäudes, Nummer 10, das seit zwei Jahrhunderten die Gattinnen der englischen Erstminister zur Ver­zweiflung gebracht hat. Man vergleicht das Haus wohl mit einem Maulwurfshaufen, weil man ständig danach strebt, auf derselben Boden- fläche mehr Raum herauszuholen. Es sind da drei Treppen vorhanden, die nirgendswohin führen, und früher, als die Kleiderablage noch zu ebener Erde sich befand, gingen fast alle Be­sucher, nachdem sie Hut und Mantel abgegeben, geradenwegs in den Garten statt in die Empfangshalle, weil der Earderobenraum fünf Türen enthielt, von denen nicht weniger als vier in den Garten führten.

Nicht gerade angenehm ist es für den Erst­minister und seine Gattin auch, daß die Möbeln und das sonstige Inventar im wesentlichen durch das Ministerien der öffentlichen Arbeiten ge­liefert werden. Im Laufe der Jahrzehnte ist daher

eine Menge durchaus nicht zueinander passender Dinge zusammengekommen. Dies Inventar bleibt Eigentum der Krone, und das Ministerium unterläßt nicht, dies bei jeder Gelegenheit zu betonen.

Innerhalb der Mauern von Downingstreet 10 sind nun in den letzten beiden Jahrhunderten alle wichtigen Beschlüsse auf dem Gebiet der eng­lischen Weltpolitik gefallen. Hier war es, wo der ältere Pitt, stöhnend vor Eichtschmerzen und zornig mit der Krücke auf den Boden stampfend, wegen des für Großbritannien so unglücklichen Ausgangs des Krieges gegen die Amerikaner in wilder Wut auf seine Ministerkollegen los­fuhr. Und zwar geschah diesin einer Sprache, wie man sie bis dahin westlich von Konstantinopel noch nicht gehört hatte", melden die alten Chroniken.

In Downingstreet 10 war es, wo Asquith mit Tränen in den Augen seinen Kollegen im August 1914 mitteilen mußte, daß der Krieg mit Deutsch­land unvermeidlich geworden sei, und hier auch, wo derselbe Asquith während des Krieges am Ende eines dramatischen Auftritts mit Lord Fisher dem Ersten Seelord befahl,im Namen des Königs" sich unverzüglich wieder auf seinen Posten zu geben. Denn Lord Fisher hatte sich unaufgefordert in Downingstreet 10 eingestellt, um seinem Marineminister Winston Churchill zu sagen, daß alles, was die Regierung mit der Flotte vorhabe, völlig verkehrt sei.

Und noch eine andere peinliche Szene spielte sich hier ab. Das war, als vor einigen Jahren der kürzlich zurückgetretene MacDonald seine na­tionale Regierung bildete und er in Downing­street 10 von seinen alten Kameraden von der Labour-Party Abschied nahm, mit denen er teil­weise sein Lebenlang zusammengearbeitet hatte.

Immer, wenn solche Krisen erwartet werden, sammeln sich vor Downingstreet 10 die Neugie­rigen, um das Kommen und Gehen der Würden­träger zu beobachten. Aber den Erstminister er­halten sie nur selten zu sehen. Der kommt und geht unbeachtet durch eine Hintertür durch den Garten.

DieLondon Jllustrated News" vom 22. Juni dieses Jahres veröffentlichte in hervorragender Wiedergabe vier Aquarelle, die Ädolf Hitler kurz vor dem Weltkriege und im Schützengraben vor Ppern gemalt hat. Die Bilder stellen dar ein Landhaus bei München (1913), den berühmtenAlten Hof" in München mit Blick auf den schönen Brunnen und den historischen Erker, das Natio - naltheater als Frontansicht und schließlich einen Einblick in denSchützengraben bei Pper n", das einzige uns bekannte' Aquarell, das nicht Bauwerke zum Gegenstand hat. Es ist links gezeichnet:Wychaepe rm Hohlweg, Nov. 1914", und rechts: A. Hitler. Man sieht im Hintergrund ein zusammengeschossenes Haus, einen als Stellung ausgebauten Graben mit primitiven Unterstän­den, llnterschlupflöchern, über die Zeltbahnen ge­spannt sind.

Die genannte englische Zeitung gibt an, einige der Bilder seien jetzt in München zu sehen, sie stammten aus der Zeit, in der Adolf Hitler noch dachte, Berufskünstler zu werden. Die Ver­öffentlichung ist ein Beweis dafür, mit welchem Interesse und mit welcher Achtung man sich auch im Auslande mit dem künstlerischen Schaffen Adolf Hitlers befaßt, bevor dieser sich der Poli­tik, zuwandte. Wer jedoch aus der obigen An­gabe die Hoffnung schöpft, hier werde gegenwärtig eine Ausstellung von Aquarellen Adolf Hitlers veranstaltet, dein müssen wir eine Enttäuschung bereiten. Es ist uns zwar im Laufe der Jahre gelungen, eine Anzahl von Bildern in München zu entdecken, die der Führer während seiner- Münchener Zeit gemalt hat, es gehört aber Glück und Ausdauer dazu, bis man das eine oder andere zu sehen bekommt. Denn die zahlreichen Aquarelle nach unseren Erkundigungen dürften allein 70 bis 80 in München entstanden sein sind weit verstreut in Privatbesitz, und erst seit das Partei- archiv besteht, bildet sich dort ein gewisser Sam­

melpunkt. Das Archiv der Partei verfügt bereits als stolzen Besitz über eine größere Anzahl von Aquarellen, die der Führer schuf.

Es ist ganz natürlich, daß man ein Abgleiten solcher Bilder in unwürdige Hände verhindern will. Hitlerbilder sollen weder Renommierstücke noch Spekulationsobjekte sein. Auf unserer Suche nach solchen Bildern in Münchner Privatbesitz erfuhren wir beiläufig, daß seit einiger Zeit in jener Stadt, in der der junge Adolf Hitler zu zeichnen sind zu malen begann, nämlich in Wien, eine Fälscherzentrale sich mit derHerstellung" von Aquarellen Adolf Hitlers befaßt und aus diesen skrupellosen Fälschungen einen einträglichen Ex­portartikel bis in die entlegensten Länder gemacht hat. Deshalb muß man, dies wurde auch von einer der angesehensten Münchener Kunsthand­lungen bestätigt, äußerste Vorsicht und Zurück- kaltung walten lassen wenn Zeichnungen oder Aquarelle Adolf Hitlers gezeigt oder angeboten werden, und eine Art Bestandsaufnahme erscheint dringend notwendig; damit man für die Zukunft weiß, wer diese Zeugnisse des künstlerischen Schaf­fens unseres Führers besitzt, welchen Weg sie nehmen, und wo sie in Zukunft zu finden sind.

Bei den Nachforschungen nach Bildern in Münchner Privatbesitz macht man die erfreuliche Feststellung, daß sehr viele Besitzer ihre Bilder von Adolf Hitler selbst erhalten haben und bis auf den heutigen Tag an ihrem Besitz festhielten. Wir kennen Beispiele daß gerade die einfachsten und schlichtesten Menschen die lockendsten Angebote ausschlugen, daß ihnen gerade diese Bilder um keinen Preis feil sind.

Niemand vermag sich beim Betrachten der Bilder einem starken Eindruck zu entziehen. Wir sahen das Frontgemälde des Hoftheaters, den alten Hof, das Sendlingertor, das herrliche Por­tal des Johanniskirchleins am Asamhaus in der Sendlingerstraße, das Adolf Hitler wie manches andere herrliche Münchner Bauwerk mehrmals