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Parteiamtl-Iageszeitung der
Nationalsozialisten Vremens
Das flmtsblatt des Senats
der Lceien Hansestadt Vremen
Bremer Zeitung erscheint täglich (auch Montags). Monatsbezug: RM. 2,3» einschl. 30 Rpf. Zustellungsgebühr: I ^
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Nr. 1S5 / 5. Jahrgang
Sonntag, 7. Juli
kinzelpreis 15 Npf.
0er große lag der Standarte 75
Scanne vataillone als Iräger, Vermittler und Vollstrecker des süstrer-willens / krlebnls engster Volksverbundenheit
Unssr lagvsspisgsl
Der Reichsjugendführer wendet sich scharf gegen die Entartungen des Korporations- studententums-
Reichserziehungsminister Ruft hat nun auch ' innerhalb der privaten Unterrichtstätigkeit ' die nationalsozialistische» Grundsätze zur Durchführung gebracht
Reichsleiter Rosenverg tritt der jüngsten Provokation des Bischofs von Münster schärfsten« entgegen
Im Fall der Bremer Großwäscherei Haqungs ist eine Nachprüfung der Gefolgschasts- beschwerden angeordnet
Der Präsident des Werberates der deutschen Wirtschaft weilt mit seiner Begleitung als Gast in Bremen
Der 80. Geburtstag des Bremer Welthafens wurde festlich begangen
In Bremen ist in Kürze die Gründung einer Levante-Linie z» erwarten
Die verkehrsstiirenden Schranken an der Blockstelle Horn werden demnächst beseitigt Im Schwimm-Länderkampf Deutschland —
Frankreich konnten die deutschen Vertreter am ersten Tage eine überlegene Führung er, ringen
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See lall ßagungs
Verfahren wegen der sozialen Beschwerden — Die beiden Kündigungen zurückgenommen
Bremen, 7. Juli.
Uns wird berichtet: Unter dem Vorsitz des Stellvertreters des Treuhänders der Arbeit und unter Mitwirkung verantwortlicher Dienststellen der Partei und der Reichsleitung der Deutschen Arbeitsfront fand am 6. Juli eine Besprechung aller Beteiligten statt. Als Ergebnis dieser Besprechung ist vom Treuhänder der Arbeit vorgesehen, in ein Verfahren wegen der sozialen Beschwerden einzutreten, das mit aller Beschleunigung durchgeführt werden soll. Der Ve- triebsführer Haqungs hat sich mit einer lleber- prüfung der Arbeitsverhältnisse in seinem Betriebe einverstanden erklärt. Die beiden Kündigungen wurden vom Betriebssichrer „aus sozialen Gründen" zurückgenommen.
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Die Zurücknahme der beiden Kündigungen, die den letzten Anlaß zum Eingreifen der Gefolgschaft und zum Ausbruch der, Volkserregung gaben, dürfte im Stadtteil Hastedt die Beruhigung wiederherstellen. Wir sind überzeugt davon, daß die vom Treuhänder der Arbeit angeordnete Ueber- prllfung der sozialen Verhältnisse im Betriebe der Großwäscherei Haqungs auch die weiteren Ursachen der öffentlichen Aktion aus der Welt schaffen wird.
Bremen, 7. Juki.
Das große Fest der Standarte 78 hat seinen Anfang genommen. Schon zeitig am Sonnabendnachmittag war auf den Plätzen der Bremer Kampfbahn die letzte Hand angelegt. Die Kameraden der Nachrichten-Stürme der Standarte errichteten ihre Telephonmasten und zogen die Leitungen — ein weitverzweigtes Fernsprech- gewebe. Auf dem Lagerplatz staimen gegen 19 Uhr rund fünfzig Zelte bereit. Die ganze Anlage für ein rechtes Feldleben war so gehalten, daß sie von fernher nicht leicht zu entdecken war. Niedrig die klemen viereckigen Zelte, in drei Reiben aufgebaut, ihnen zu Häupten die aufgeschichteten Holzscheite für das nächtliche Lagerfeuer. Nahbei ein großes Sanitätszelt. Längs der Reihen einige Feldküchen, an denen eifrig gearbeitet wurde für den anderen Tag. Frohgemut und mit flinken Händen halfen Mädel vom BDM. beim Kartoffelschälen.
Nacheinander rückten bis etwa 20.30 Uhr die Stürme 4/78, 9/75 und 12/75 im Lager an und erstatteten Obersturmführer Finger, dem verantwortlichen Führer für das Biwak Meldung. Und nun setzte eine betriebsame Vorbereitungsarbeit für die Nacht ein. Zahlreiche Zuschauer hatten sich eingefunden.
Gegen 21lb Uhr begannen sich die Menschen auf dem Hauptplatz der Bremer Kampfbahn sowie auf den Tribünen zu sammeln, um dem feierlichen Zapfenstreich beizuwohnen. Der Sturmbann Il/75 war mit dem Spielmannszug 11/75 und dem Musikzug der Standarte 75 unter dem Befehl von Obersturmführer Goebel vom Wall über Ostertorsteinweg—Sielwall—Osterdeich zur Kampbahn gezogen und marschierte von Osten her ein. Kurz vor der Ankunft des Sturmbannes hatte eine Abordnung von 200 Mann aus dem Biwak auf den Wällen der Hauptkampfbahn Aufstellung genommen und die Fackeln entzündet, die im Winde flackernd zum Himmel aufloderten. Tausende von Zuschauern hatten sich inzwischen gesammelt.
In- Höhe der Ehrentribüne stellten sich die Stürme auf und wurden Standartenführer Ehrt- stensen, dem Führer der Standarte 75, gemeldet. Mit dumpfem Trommelwirbel und Pfeifentriller setzte der große Zapfenstreich ein. Immer dunkler ward es, immer flammender brannten die Fackeln und warfen ihren Schein auf die an den Masten flatternden Banner der Bewegung. Vom Winde weit dahingetragen erklangen die Weisen — ein immer wieder neues Empfinden weckend und auf
rufend zu Andacht und Freude auf einen kommenden Tag. Ein ernstes, würdiges Bild bot die kurze Feierlichkeit, die ausklang mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschland- und Horst- Wessel-Liedes und einem dreifachen, von Standartenführer Christensen ausgebrachten Sieg-Heil auf unseren Obersten SA.-Fllhrer.
Nach Westen zu rückte Sturmbann H/75 nach Beendigung des Zapfenstreiches über Peterswerder — Hamburgerstraße — Vor dem Steintor — Ostertorsteinweg zurück zum Alten Wall, um dort die Fackeln zu löschen und sich aufzulösen.
Im Biwak lagerten singend die Kameraden um den Holzstoß. Lagerwachen waren aufgezogen und es herrschte ein lustiges und behagliches Treiben. In und vor den Zelten gab es allerlei kleine „Zwischenfälle", wie sie jedem Feldlager eigen sind und wie sie nur aus dem Augenblick heraus empfunden werden können. Gegen 23.30 Uhr begaben sich die Stürme zur Ruhe, die Nachtwachen zogen auf. Stille kehrte ein.
Ein Ehrentag für alle steht bevor und es gilt, früh wieder am Werk zu sein.
Sfl. marschiert!
» Bremen, 7. Juli.
Die SA. ist die politische Sturmtrupps des Führers. Als eine ihm verschworene Gemeinschaft folgt sie ihm blind auf Leben und Tod- Das ist eine Tatsache, über die kein Wort mehr zu verlieren ist. Hundertfach, tausendfach hat sie sich vor der Welt erwiesen, hundertfach und tausendfach wird sie sich auch noch in Zukunft erweisen.
Der Führer weiß es und seine SA. weih es, Innig und unlösbar ist sie mit ihm verbunden, und so eins mit ihm in ihrem Fühlen und Handeln, daß der Führer keinen großen Gedanken denken kann, ohne daß dieser Gedanke ahnungsvoll, blitzartig, schlechtweg sagen wir instinktiv, auch gleichzeitig schon die Besten in der SA. durchzuckt.
Wenn es richtig ist — und wie s eh r es richtig ist, weiß längst schon das ganze nationalsozialistische Deutschland — daß des Führers hehrer Genius, der Mensch gewordene Wille des deutschen Volkes selber ist, dann darf man wohl sagen, daß dies vor allem auch und ganz besonders gilt bei dem Verhältnis des Führers zu seiner SA. Sie ist sein Instrument, aber sie ist noch mehr als das: sie ist ein Teil seines Nervensystems, Träger, Vermittler und Vollstrecker seines Willens.
Gerade der Tag der Standarte 75 ist ein Beweis dafür. Dieser Tag ist erdacht und geplant worden als ein Tag ehrenvoller Wett- kämpfe der Männer der Standarte 75 untereinander; er ist erdacht und geplant etwa gleichzeitig, aber äußerlich unabhängig von der Anordnung
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des Führers für die gesamte SA. des Reiches. Und doch entspricht dieser Tag so ganz und gar der Anordnung des Führers. SA. im Wettkampf miteinander ringend um den Ruhm hoher Auszeichnung soll in Bremen zu neuem, innigen Erlebnis eherner SA.-Kameradschaft und unübertrefflicher männlicher Selbstzucht und sportlicher Tüchtigkeit werden. Es ist das ein Großteil dessen, was der Führer beabsichtigt, da er den Befehl gab zu einem großen Leistungswettkampf der gesamten SA. im Reiche, auf daß sich erweise, wie auch die
Nosenberg weist einen Vistkof zurecht
Ne-e des Neichsleilers auf dem öautag in Münster — Unverschümter vrief eines katholischen Würdenträgers
Münster, 7. Juli.
Reichsleiter Alfred Nosenberg hielt am Sonnabendabend auf dem Eautag Westfalen - N o r d in Münster eine große Rede, in der er sich u. a. mit unerfreulichen Einflüssen verschiedener katholisch-kirchlicher Stellen auseinandersetzte. Deutschland hahe seinen tiefsten Sturz in der Bedrohung seiner gesamten seelischen Substanz durch den radikalen Marxismus und Bolschewismus erlebt.
In dieser Schicksalsstunde, da instinktiv ganz Deutschland nach echten Seelsorgern Ausschau gehalten habe, meldete sich das Zentrum, das sich aber nicht etwa aus die Seite der um ihr Vaterland besorgten Deutschen gestellt, sondern ein von maßgebenden Kirchenführern geführtes Bündnis mit dem landesverräterischen Marxismus abgeschlossen habe.
An einem Beispiel stellte Reichsleiter Nosenberg dar, wie anstatt dem Nationalsozialismus für die Errettung Deutschlands und somit auch aller katholischen Deutschen zu danken, die Zentrumsführer unterirdisch, oft aber auch schon offen, gegen den neuen Staat kämpfen. Er verlas Stellen aus einem Vrief, den der Bischof von Münster an den Oberpräsidenten der Provinz Westfalen gerichtet hatte. In diesem Brief erklärt Bischof Clemens August von Münster, die Ankündigung, daß Reichsleiter Nosenberg in Münster sprechen würde, habe „in der christlichen und besonders in der katholischen Bevölkerung" der Stadt Münster bereits „stärkstes Befremden"
erregt und die Ausführung des Planes würde „unfehlbar eine lebhafte Beunruhigung" bringen. Wörtlich schreibt der Bischof von Münster: „Voraussichtlich wird eine Minorität verführter und verhetzter Anhänger des Neuheidentums sein (Rosenbergs) Erscheinen begrüßen und zu chri- stentumsfeindlichen Demonstrationen benutzen. Ein Auftreten Rosenbergs würde von der christlichen Bevölkerung Münsters als eine „aufreizende Provokation" und als eine „Verhöhnung ihrer heiligsten und berechtigten religiösen Ueberzeugung" empfunden werden und könnte zu verhängnisvollen Zusammenstößen führen." Zum Schluß ersucht der Bischof, ein Auftreten Rosenbergs in Münster in ahsehbarer Zeit durch die Regierung zu verhindern und bittet in einer befristeten Zeit, Mitteilung zu erhalten, ob diesem Antrag stattgegeben werde, da im Falle einer Ablehnung ernsthaft zu erwägen sei, ob der Bischof in einem Erlaß zur ruhigen Hinnahme dieser „Provokation" öffentlich auffordern müßte. Er schließt: „Ich bin freilich zweifelhaft, ob diese Maßnahme vollen Erfolg haben würde."
Rcichsleiter Nosenberg erklärte nach der Verlesung dieser Stellen: „Indem der Gau Westfalen- Nord mich zu seinem Eautag ersucht, eine Rede zu halten, ist es selbstverständlich, daß ich hier in einer parteiamtlichen Eigenschaft spreche und nicht als Privatperson, wie es vielleicht der Bischof Clemens August glaubte, hinstellen zu können. Dieser, die gesamte Partei und den heu
tigen Staat herausfordernde Brief zeigt dabei, was man an gewissen Stellen unter sogenannter Religionsfreiheit versteht: nämlich die Unterdrückung aller Anschauungen, die nicht mit einem bestimmten Dogma zusammenfallen. Die Führer des Zentrums sind jahrzehntelang so daran gewöhnt gewesen, in Deutschland zu herrschen und ihr eigenes Interesse auch gegen das allgemeindeutsche durchzusetzen, daß sie noch nicht begriffen haben, heute in einer neuen Zeit zu leben, wo einmal auch das gesamte deutsche Volksinteresse über das einseitig Konfessionelle und Klassenmäßige gestellt wird.
Ich weise dabei die Bezichtigung, als ob die Partei und eine sogen. „Minorität verführter und verhetzter Anhänger des Neuheidentums" eine amtliche Veranstaltung der NSDAP. zu christen- feindlichen Demonstrationen benutzen könnte, als eine durch nichts gerechtfertigte Herausforderung zurück. Der Nationalsozialismus, der den Bolschewismus in Deutschland niederschlug zu einer Zeit, da die Kirche ihn nicht überwinden konnte, hat mehr für das Christentum getan als alle anderen Parteien in Deutschland zusammen! Eine christen- tumfeindliche Demonstration ist niemals seitens der Nationalsozialistischen Partei zu verzeichnen gewesen. Die schlimmsten christentumsseindlrchen Demonstrationen, die man sich jedoch denken konnte, waren die Bündnisse der Zentrumsprälaten mit den atheistischen Marxistenführern.
(Fortsetzung auf Seite 2)
Downingstreet 10
Vilder, die fldolf Mer schuf
flquarelle des Zichrers in Partei- und privatbesih
Lin Mittelpunkt der Weltpolitik
Der kürzlich vollzogene Kabinettswechsel in England hat die allgemeine Aufmerksamkeit wieder einmal auf ein unscheinbares Gebäude in einer stillen Straße Londons gelenkt, nach Downingstreet 10. Hier befindet sich seit rund zwei Jahrhunderten der Amtssitz des englischen Erstministers, und in diesem fahlgelben Gebäude schlägt das Herz des Britischen Reiches. Und es ist daher zu verstehen, daß Downingstreet 10 im Laufe der Zeit zu einem festen Begriff wurde.
Die Geschichte dieses Hauses geht bis auf das Jahr 1680 zurück, als König Karl II. nach dem Abwirtschaften der Cromwellschen „Rundköpfe" aus den Niederlanden zurückkehrte, um den englischen Thron zu besteigen. Freigebig belohnte er seine Anhänger, ohne immer darauf zu achten, daß sich unter ihnen auch mancher befand, welcher der königlichen Gunst keineswegs würdig war. Dies galt auch für einen gewissen George Downing, der, die Wiederaufrichtung des Königs- tums rechtzeitig ahnend, schleunigst sich entsprechend eingestellt hatte. Nicht zu seinem Nachteil; denn Karl II. erhob ihn alsbald in den Adelsstand und machte ihm wertvollen Grundbesitz zum Geschenk, die heutige Downingstreet, wo der so Ausgezeichnete sich bald ein nach damaligen Auffassungen prächtiges Haus errichtete, in dem er bis zu seinem Tode ein behagliches Leben führte.
Downing hinterließ keine unmittelbaren Erben, und das war wohl der Grund, weshalb König Georg II. das Haus in der Downingstreet zur Amtswohnung seines Erstministers hestimmte. Als erster wurde Walpole zeitweiliger Besitzer des Gebäudes, wohl als Wiedergutmachung für eine Beleidigung, die ihm von seinem König zuge'ügt worden war. Als der Erstminister seinem Herrn pflichtgemäß die Nachricht vom Ableben von dessen Vater iiberbracht hatte, war die frischgebackene Majestät in Wut geraten und hatte
/ von Hans Joachim iilchlart
ihren treuen Diener mit den Worten: „Das ist eine infame Lüge, Kerl!" angebrüllt.
Seit Walpole ist Downingstreet der Mittelpunkt der britischen Weltpolitik geblieben. Der Amtssitz des Erstministers erhielt in neueren Zeiten die Nummer 10. Warum, weiß eigentlich niemand. Denn die Nummern von eins bis neun gibt es nicht, und es auch gar kein Raum für sie vorhanden. Downingstreet beginnt daher mit Nummer 10. Als unmittelbaren Nachbarn hat der Erstminister seinen Kollegen von den Finanzen, der in Nummer 11 haust. Dann kommt Nr. 12, das aber nur ein halbes Haus ist und in dem der jeweilige „Haupteinpeitscher" der regierenden Partei sein Heim aufgeschlagen hat.
Nun müßte Nr. 13 kommen — aber dafür ist kein Platz mehr da, und so kommt es, daß Downingstreet bei Nr. 10 beginnt und bei Nr. 12 schon wieder endet.
Ebenso bemerkenswert wie die Straße selbst ist das Innere ihres wichtigsten Gebäudes, Nummer 10, das seit zwei Jahrhunderten die Gattinnen der englischen Erstminister zur Verzweiflung gebracht hat. Man vergleicht das Haus wohl mit einem Maulwurfshaufen, weil man ständig danach strebt, auf derselben Boden- fläche mehr Raum herauszuholen. Es sind da drei Treppen vorhanden, die nirgendswohin führen, und früher, als die Kleiderablage noch zu ebener Erde sich befand, gingen fast alle Besucher, nachdem sie Hut und Mantel abgegeben, geradenwegs in den Garten statt in die Empfangshalle, weil der Earderobenraum fünf Türen enthielt, von denen nicht weniger als vier in den Garten führten.
Nicht gerade angenehm ist es für den Erstminister und seine Gattin auch, daß die Möbeln und das sonstige Inventar im wesentlichen durch das Ministerien der öffentlichen Arbeiten geliefert werden. Im Laufe der Jahrzehnte ist daher
eine Menge durchaus nicht zueinander passender Dinge zusammengekommen. Dies Inventar bleibt Eigentum der Krone, und das Ministerium unterläßt nicht, dies bei jeder Gelegenheit zu betonen.
Innerhalb der Mauern von Downingstreet 10 sind nun in den letzten beiden Jahrhunderten alle wichtigen Beschlüsse auf dem Gebiet der englischen Weltpolitik gefallen. Hier war es, wo der ältere Pitt, stöhnend vor Eichtschmerzen und zornig mit der Krücke auf den Boden stampfend, wegen des für Großbritannien so unglücklichen Ausgangs des Krieges gegen die Amerikaner in wilder Wut auf seine Ministerkollegen losfuhr. Und zwar geschah dies „in einer Sprache, wie man sie bis dahin westlich von Konstantinopel noch nicht gehört hatte", melden die alten Chroniken.
In Downingstreet 10 war es, wo Asquith mit Tränen in den Augen seinen Kollegen im August 1914 mitteilen mußte, daß der Krieg mit Deutschland unvermeidlich geworden sei, und hier auch, wo derselbe Asquith während des Krieges am Ende eines dramatischen Auftritts mit Lord Fisher dem Ersten Seelord befahl, „im Namen des Königs" sich unverzüglich wieder auf seinen Posten zu geben. Denn Lord Fisher hatte sich unaufgefordert in Downingstreet 10 eingestellt, um seinem Marineminister Winston Churchill zu sagen, daß alles, was die Regierung mit der Flotte vorhabe, völlig verkehrt sei.
Und noch eine andere peinliche Szene spielte sich hier ab. Das war, als vor einigen Jahren der kürzlich zurückgetretene MacDonald seine nationale Regierung bildete und er in Downingstreet 10 von seinen alten Kameraden von der Labour-Party Abschied nahm, mit denen er teilweise sein Lebenlang zusammengearbeitet hatte.
Immer, wenn solche Krisen erwartet werden, sammeln sich vor Downingstreet 10 die Neugierigen, um das Kommen und Gehen der Würdenträger zu beobachten. Aber den Erstminister erhalten sie nur selten zu sehen. Der kommt und geht unbeachtet durch eine Hintertür durch den Garten.
Die „London Jllustrated News" vom 22. Juni dieses Jahres veröffentlichte in hervorragender Wiedergabe vier Aquarelle, die Ädolf Hitler kurz vor dem Weltkriege und im Schützengraben vor Ppern gemalt hat. Die Bilder stellen dar ein Landhaus bei München (1913), den berühmten „Alten Hof" in München mit Blick auf den schönen Brunnen und den historischen Erker, das Natio - naltheater als Frontansicht und schließlich einen Einblick in den „Schützengraben bei Pper n", das einzige uns bekannte' Aquarell, das nicht Bauwerke zum Gegenstand hat. Es ist links gezeichnet: „Wychaepe rm Hohlweg, Nov. 1914", und rechts: A. Hitler. Man sieht im Hintergrund ein zusammengeschossenes Haus, einen als Stellung ausgebauten Graben mit primitiven Unterständen, llnterschlupflöchern, über die Zeltbahnen gespannt sind.
Die genannte englische Zeitung gibt an, einige der Bilder seien jetzt in München zu sehen, sie stammten aus der Zeit, in der Adolf Hitler noch dachte, Berufskünstler zu werden. Die Veröffentlichung ist ein Beweis dafür, mit welchem Interesse und mit welcher Achtung man sich auch im Auslande mit dem künstlerischen Schaffen Adolf Hitlers befaßt, bevor dieser sich der Politik, zuwandte. Wer jedoch aus der obigen Angabe die Hoffnung schöpft, hier werde gegenwärtig eine Ausstellung von Aquarellen Adolf Hitlers veranstaltet, dein müssen wir eine Enttäuschung bereiten. Es ist uns zwar im Laufe der Jahre gelungen, eine Anzahl von Bildern in München zu entdecken, die der Führer während seiner- Münchener Zeit gemalt hat, es gehört aber Glück und Ausdauer dazu, bis man das eine oder andere zu sehen bekommt. Denn die zahlreichen Aquarelle — nach unseren Erkundigungen dürften allein 70 bis 80 in München entstanden sein — sind weit verstreut in Privatbesitz, und erst seit das Partei- archiv besteht, bildet sich dort ein gewisser Sam
melpunkt. Das Archiv der Partei verfügt bereits als stolzen Besitz über eine größere Anzahl von Aquarellen, die der Führer schuf.
Es ist ganz natürlich, daß man ein Abgleiten solcher Bilder in unwürdige Hände verhindern will. Hitlerbilder sollen weder Renommierstücke noch Spekulationsobjekte sein. Auf unserer Suche nach solchen Bildern in Münchner Privatbesitz erfuhren wir beiläufig, daß seit einiger Zeit in jener Stadt, in der der junge Adolf Hitler zu zeichnen sind zu malen begann, nämlich in Wien, eine Fälscherzentrale sich mit der „Herstellung" von Aquarellen Adolf Hitlers befaßt und aus diesen skrupellosen Fälschungen einen einträglichen Exportartikel bis in die entlegensten Länder gemacht hat. Deshalb muß man, dies wurde auch von einer der angesehensten Münchener Kunsthandlungen bestätigt, äußerste Vorsicht und Zurück- kaltung walten lassen wenn Zeichnungen oder Aquarelle Adolf Hitlers gezeigt oder angeboten werden, und eine Art Bestandsaufnahme erscheint dringend notwendig; damit man für die Zukunft weiß, wer diese Zeugnisse des künstlerischen Schaffens unseres Führers besitzt, welchen Weg sie nehmen, und wo sie in Zukunft zu finden sind.
Bei den Nachforschungen nach Bildern in Münchner Privatbesitz macht man die erfreuliche Feststellung, daß sehr viele Besitzer ihre Bilder von Adolf Hitler selbst erhalten haben und bis auf den heutigen Tag an ihrem Besitz festhielten. Wir kennen Beispiele daß gerade die einfachsten und schlichtesten Menschen die lockendsten Angebote ausschlugen, daß ihnen gerade diese Bilder um keinen Preis feil sind.
Niemand vermag sich beim Betrachten der Bilder einem starken Eindruck zu entziehen. Wir sahen das Frontgemälde des Hoftheaters, den alten Hof, das Sendlingertor, das herrliche Portal des Johanniskirchleins am Asamhaus in der Sendlingerstraße, das Adolf Hitler wie manches andere herrliche Münchner Bauwerk mehrmals