Ausgabe 
(9.9.1935) Nr. 249
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parteiamtl.Iageszeitung der Nationalsozialisten Vremens

Vas flmtsblatt des Senats ^ der Freien Hansestadt vremen _

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Nr. 249 / 5. Jahrgang

Montag, S. September

klnzelprets 15 Npf.

Her New Yorker Mter vrodskg ist luvet"

Protest der Keichsfüstrung des NS.Iuriftenbundes / Juden können weder unsere flagge, noch deutschland beleidigen!

Unser Vagssspiegsl

Bei der lleberreichung des Beglaubigungs­schreibens seitens des neuen italienischen Bot­schafters wurden zwischen ihm und dem Führer politische Ansprachen gewechselt.

Die Reichsführung des NS.-Jnristenvundes erhebt schärfsten Einspruch gegen die Unver­schämtheiten des Newyorker Richters Vrodsly.

2n Nürnberg wurde die von München über­geführte Blntfahne feierlich eingeholt.

16 dänische PolizeiVeamte, die auf einer Stu­dienfahrt begriffen sind, trafen in Bremen ein.

Von-den Herbstmanöoern heimkehrend, wurde dem Bremer Bataillon von der Bevölkerung ein warmer Empfang bereitet.

2m Autorennen um den Großen Preis von 2talien siegte Stuck auf Anto-Union.

Werder spielte gegen Algermisfen 1811 nur unentschieden 1:1.

Der Niedersachsenmeister im Fußball, Hanno­ver 86, verlor gegen Borussta-Harburg die ersten Punkte.

2n Brüssel wurde» die Europa-Meister­schaften im Freistilringen abgeschlossen.

In einem Leichtathletik-Treffe» konnten die norddeutsche» Vertreter Dänemark schlagen.

WUWWW

ragesbesehl

des SS.-öruppenMeers Schmauser

Nürnberg, 9. September. Der Leiter des Sicherungs- und Absperr- dienstes des Reichsparteitages, SS.-Gruppen- führer Schmauser, hat an die ihm unterstellten Männer feines Oberabschnitts folgenden Tages­befehl erlassen:

,Zum dritten Male nach der Machtübernahme ist dem SS.-Oberabschnitt Süd der Befehl erteilt worden, beim Reichsparteitag Absperrung und Sicherung zu übernehmen. Darin kommt die ehrenvolle Anerkennung der gezeigten Einsatz­bereitschaft und Einsatzfähigkeit zum Ausdruck. Dieser Befehl verpflichtet aber auch erneut zu gewissenhaftem und aufopferndem Dienste. Ab­sperrung und Sicherung bedeuten die höchste Auf­gabe und die wichtigste Arbeit während der kom­menden Tage, hängt doch von ihrem Gelingen neben der reibungslosen Durchführung des Pro­gramms des Reichsparteitages in erster Linie die Sicherheit für unseren Führer ab.

Ihr habt in den vergangenen Jahren bewiesen, daß ihr ohne persönliche Wünsche eure Freizeit dem Führer und seiner stolzen Bewegung zu opfern bereit ward und daß ihr den Geist der SS. aus der Kampfzeit mit herübergenommen habt in die Gegenwart. Ich erwarte daher von jedem SS.-Führer und SS.-Mann der mir unter­stellten Einheiten, daß er in der gleichen vorbild­lichen Art wie in den vergangenen Jahren seine Pflicht tut. Die Menschenmassen sind in diesem Jahre noch größer, die von uns erwarteten Lei­stungen müssen daher noch höher sein. Wenn wir wie in den Vorjahren über das von uns verlangte Maß hinaus unsere Pflicht erfüllen, dann werden wir wiederum mit dem schönsten Lohn nach Haus« gehen, den es gibt: mit dem Stolz, daß wir dem Führer Hienen durften, dem wir uns verschworen Alben.

Heil Hitler!

Der Führer des SS.-Oberabschnittes Süd gez.: E. H. Schmauser, SS.-Eruppenfiihrer."

feierliche kinholung der Vlutfahne in Nürnberg

Nürnberg, 9. September. Die Blntfahne, die sonst in München im Hause der Reichsführung der SS. aufbewahrt wird, ist am Sonntag nach Nürnberg gebracht worden. In Begleitung des Sturmbanns I der Münchener SS.-Verfügungstruppe traf sie in einem Sonder- zug auf dem Nürnberger Hauptbahnhof ein. Vor dem Gebäude hatte sich eine große Menschenmenge eingefunden. Unter Vorantritt des Mustkzuges, dessen Schellenbaum von dem größten SS.-Mann Deutschlands getragen wird, marschierte die SS. zum Marientor-Schulhaus, wo die Feldzeichen der SS. Aufstellung genommen hatten. Die Vlutfahne wurde Don Sturmführer Erimminger getragen.

SS.Ätandartenführer Brassack machte dem Führer des Aufmarschstabes SS.-Oberführer MackMeldung. Sodann marschierte die Truppe zum Schulhaus am Frauentor-Graben, wo ein Ehrensturm der SS. die Vlutfahne zu bewachen hat. Während der Mustkzug den Präsentiermarsch spielte, wurde die Blutfahne in das Schulhaus getragen.

Berlin, g. September.

Wie derVölkische Beobachter" berichtet, hat der Reichsjuristenführer, Reichsleiter und Reichs- minister Dr. Hans Frank, Präsident der Aka­demie für deutsches Recht, unmittelbar nach Er­halt der Meldung über die ungeheure Herabwür­digung der nationalsozialistischen Reichsflagge und des Deutschen Reiches durch den Richter Brodsky in Newyork eine Sitzung der Eosamtjuristenfüh­rung in das Haus der Deutschen Rechtsfront zu- sammenberufen. Es waren die Vertreter der deutschen Richter und Staatsanwälte, Rechts­anwälte, Notare. Rechtspfleger, Jungjuristen, Wirtschastsrechtler und Rechtsprofessoren, demnach die obersten ständischen Führer des deutschen Rechtslebens, erschienen. In dieser Versammlung führte Reichsleiter Dr. Frank aus:

Richter Brodsky ist Jude, Juden können weder

(vraktbsriobt uvssrss Osuksr gonäsrbsriobt- srstattsrs)

Er. Genf, 9. September.

Der Beginn der Vollversammlung des Völker­bundes, die heute vormittag in Genf zusammen­tritt, bedeutet keineswegs eine» Fortschritt auf dem Wege zur Lösung des gegenwärtig vordring­lichen Problems der abessinischen Frage, denn es ist noch völlig ungewiß, ob diese Angelegenheit in der großen politischen Debatte des Völkerbunds- Plenums überhaupt zur Sprache kommen wird. Formell ist nicht die Vollversammlung, sondern nur der Rat zur Behandlung des italienisch-abes- sinischen Konfliktes berufen.

Nachdem die Erörterungen im Rat in der vori­gen Woche im wesentlichen mit negativem Erfolg durchgeführt worden find, liegt die weitere Be­handlung des ostafrikanischen Streites wieder in den Händen der Diplomaten, während die Voll­versammlung des Völkerbundes sich mit ihrer son­stigen, für die Allgemeinheit weit weniger inter­essanten Tagesordnung befassen wird. Unter den sechs Kommissionen, die regelmäßig zwischen den Vollversammlungen tagen, befindet fich auch die Kommission für die Abrüstung, die in den letzten Jahren mit Rücksicht auf die große Abrüstungskonferenz nicht mehr einberufen 'wor­den ist, und es ist daher jetzt in Genf die Frage aufgetaucht, ob in diesem Jahre nach dem völligen Fehlschlagen der Abrüstungskonferenz die für den gleichen Zweck bestimmte Völkerbundskommission wieder einberufen werden soll.

Im Rahmen der weiteren politischen Ausein­andersetzungen über den abessinischen Konflikt tritt jetzt die Frage in den Vordergrund, ob in der nächsten Zeit eine neue Konferenz zwi­schen den Regierungschefs von Eng­land, Frankreich und Italien nach einem Orte in Norditalien einherufen werden soll. In italienischen Regierungskreisen wird zwar erklärt, daß Italien an keiner kollektiven Lösung der abessinischen Frage teilnehmen werde,

unsere Flagge noch unser nationalsozialistische- Deutschland irgendwie beleidigen. Daß ein Jude das Ehrenkleid eines Richters in den kulturell so überaus hochstehenden Vereinigten Staaten von Nordamerika mißbrauchen kann, um den ganzen ohnmächtigen Haß seiner Rasse gegenüber dem wiedererstehenden nationalsozialistischen deutschen Volk auszulassen, ist allerdings ein ernster »Nd und höchst bedauerlicher Vorgang.

Aber weder das ehrenvolle Volk der Vereinig­ten Staaten von Nordamerika noch auch die mit Recht angesehene Justiz der Vereinigten Staaten haben etwas mit diesem Exzeß zu tun. Es ist außerordentlich bedauerlich, daß diese boden­los niederträchtige Gemeinheit eines Juden unter dem Schutze eines ameri­kanischen Staatsamts geschehen konnte.-

Jm Namen des gesamten deutschen Rechts­

lebens, im Namen der deutschen Justiz und aller deutschen Rechtsroahrer erhebe ich gegen diese un­erhörte Verunglimpfung Protest, indem ich an das Gerechtigkeitsempfinden des edlen amerika­nischen Volkes appelliere, das es ist meine feste Erwartung es nicht als angemessen empfindet, daß irgendein einem Ghetto entlausener Bursche unter dem Mißbrauch der liberalen Gesetzgebung der Vereinigten Staaten von Nordamerika sich als Richter aufführen und Schänder der deutschen Flagge freisprechen darf.

Die geeigneten Schritte werden durch die Reichs­und Parteistellen unternommen werden."

Die Eesamtführung der deutschen Juristen be­grüßte die Erklärung des Reichsjuristenführers mit lebhaftem Beifall und gab ihrem Empfinden durch ein Sieg-Heil auf den Führer treffenden Ausdruck.

Kampf dem Preiswucher

Von Dr. F. Lorz,

Stabsleiter im Stabsamt des Reichsbauern­führers

Volksgenossen! Unverantwortliche Elemente und die jüdische Spekulation haben in der letzten Zeit versucht, durch ungerechtfertigte Preistreibereien mühelosen Gewinn aus dem Rücken des deutschen Arbeiters zu erzielen. Feinde des Dritten Rei­ches und Saboteure der Arbeitsbeschaffung haben gewisse Verknappungen an einigen Nahrungs­mitteln dazu benutzt, Unruhe unter das Volk zu bringen, indem sie von einer kommenden Lebens­mittelknappheit sprachen. Aus dem berufenen Munde des Reichsernährungsministers Darre haben wir gehört, daß dank der Erzeu­gungsschlacht der deutschen Land­wirtschaft die Ernährung des deut­schen Volkes in den hauptsächlichsten Lebensmitteln sichergestellt ist. Gleichzeitig ist von ihm durch Preisfestsetzungen dafür gesorgt, daß gesetzliche Handhabe zum Vor­gehen gegen Preiswucher vorhanden ist.

Für Milch, Butter, Fette, Fische, Brot, Back­waren und Zucker find die Preise seit langem stabil und müssen auch so bleiben. Preiserhöhun­gen waren bei Fleisch, Kartoffeln, Obst, Gemüse, Eiern und Käse vorhanden. Diese Preise müssen nach der Verordnung des Reichsernährungs- ministers DarrS unbedingt wieder auf den orts­üblichen Preisstand vom 31. März d. I. zurück­geführt werden.

Volksgenossen! An euch liegt es jetzt, die Re­gierung in ihrem Kampf gegen die Preiswucherer zu unterstützen. Zahlt keine erhöhten Preise! Meldet jeden, der Preis­wucher treibt, der nächsten Polizei­behörde! Sie ist verpflichtet, in Zusammen­arbeit mit den Preisüberwachungsstellen für die alten Preise zu sorgen.

Weiterhin bedenkt folgendes: Nur durch das Arbeitsbeschaffungsprogramm des Führers seid ihr wieder in Lohn und Brot. Dieses kann aber nur weitergeführt werden, wenn jeder Pfennig an Devisen für die zur Arbeitsbeschaffung not­wendigen industriellen Rohstoffe verwendet wird. Bedenkt dies immer, wenn einmal örtliche Ver­knappungen bei gewissen Lebensmitteln eintreten sollten. Die Hausfrau, die z. B. bei der Schweine­fleischknappheit, die in den letzten Wochen wirk­lich zu beobachten war, erhöhte Preise zahlte, unterstützt hierbei nicht nur die jüdische Spekula­tion, sondern sie schädigt fich selbst und ihre Familie. Denn gerade durch das Verlangen nach knappen Lebensmitteln kann der Bestand dieser Waren so heruntergehen, daß wir sie doch schließ­lich aus dem Ausland beziehen müssen. Die hier­für verausgabten Devisen gehen dann der Roh­stoffbeschaffung verloren, und deutsche Arbeiter werden brotlos.

Deutsche Volksgenossen! Tut Las eure im Kamps gegen die Preis­wucherer! Partei, Reichsnährstand und vor allen Dingen die Polizei müssen und werden euch hierin un­terstützen.

Durch die Einigkeit des deutschen Volkes haben wir in den letzten zwei Jahren Unerhörtes er­reicht. Gemessen an diesem ist der Preiswucher geringfügiger und muß sofort beseitigt werden.

Daß die Versorgungslage mit Lebensmitteln in Deutschland vollkommen gesichert ist, beweist der Umstand, daß wir beispielsweise bei Brot, Getreide, Kartoffeln, Frischmilch und sämtlichen Fleischarten 100 v. H. des gesamten Bedarfes im eigenen Lande erzeugen. Nur bei Butter, Schmalz, Eiern und Oel haben wir Zuschuß aus dem Ausland nötig. Dabei darf nicht vergessen werden, daß infolge der Devisenknappheit die Einfuhr von 1929 mit 3,9 Milliarden zurück­gegangen ist auf 1,1 Milliarde im Jahre 1934, also 2,8 Milliarden Gelder für die Einfuhr er­spart wurden. Einen großen Teil dieses Einfuhr- rückganges machen die Lebensmittel aus. Auf der anderen Seite haben wir von 1933 auf 1934 eine Eesamtverbrauchssteigerung von 3 v. H. gehabt und werden voraussichtlich in diesem Jahre S v. H. erreichen. Bei Eiern haben wir eine teilweise Steigerung bis zu 20 v. H. So hat sich überhaupt der Verbrauch an Lebensmitteln vollkommen verlagert. Mährend vor dem Kriege pro Kopf der Bevölkerung 50 Kilogramm Fleisch im Jahr verzehrt wurden, der Deutsche im Durchschnitt des Jahres 1934 54,5 Kilogramm. Der Fettverbrauch ist seit 1913 um 50 v. H., da­von der Vutterverbrauch allein um 85 v. H. ge­stiegen. Nur der im Vorjahre eingesetzten land­wirtschaftlichen Erzeugungsschlacht war es zu ver­danken, daß es bereits in diesem Jahre durch die starken Anstrengungen der Landwirtschaft gelun­gen ist, die Versorgungslage restlos zu sichern. Das Fehlende mutz eben durch Mehrerträge aus

Noch eine Dessinien-Konserenft

Keule Vollversammlung des Völkerbundes Italien will in Vst-Mika selbständig vorgeben

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12 000 ^.usl»n«l8<ivilt.i«;ko auf Oem IVox iinvb Vürnbvix. ^iuk cksm llsioksportsitaZ sinä auob äis ausianäsäoutsobsn Ortsgruppen äsr rmblroiok vortreten. Ueber 12 000 Stsinnissbriulsr

sind in die Heimat gekommen, um äis gewaltigen Tags in IMrnborg eu erleben, ^uk ikrsr Eskrt in äis Staät äsr Reiebspartsitags bsauobtsn ms auob äie Eniversitätsstsät Erlangen. Unser Silä vom Empkang am Sabnkok Erlangen sslgt äsn Oaulsiter äsr ^uslanäsäsutsoksn Organisation äer Lvbis (Vierter, von links).

sondern daß diese Angelegenheit nur zwischen Italien und Abessinien allein erledigt werden müsse, aber in Paris ist man der Meinung, daß fich bereits in Stresa ergeben habe, daß Lei einer unmittelbaren persönlichen Aussprache zwischen den verantwortlichen Leitern der Außen­politik der drei Großmächte auch die schwierigsten Probleme in einer für alle Beteiligten tragbaren Form sich lösen lassen. Wenn allerdings eine solche Konferenz, wie jetzt überwiegend angenommen wird, tatsächlich in der nächsten Zeit zusammen-

ItaNens entschloß unveränderlich

Paris, 9. September.

Der italienische Propagandaminister Graf Eiano, ein Schwiegersohn Mussolinis, der bei den italienischen Truppen in Eritrea Dienst tut, hielt eine Rundfunkrede in englischer Sprache. Er beschuldigte zahlreiche abessinische Fürsten, alles zu tun, um den Frieden in Afrika zu stören und der Weltwirtschaft und der Welt­zivilisation einen reichen Markt zu ent­ziehen. Solche Machenschaften stellten in einer Welt, die an einer der stärksten Krisen leide, ein Verbrechen gegen die menschliche Solidarität und die moderne Zivilisation dar. Wenn Italien diesen Gebieten Ordnung und Frieden wieder­gegeben haben werde, werde es gleichzeitig für Kapital und Arbeit einen neuen, kostbaren Markt erschlossen haben. Der italienische Entschluß die abessinische Gefahr von den Grenzen seiner Kolo­nien fernzuhalten und normale Lebens- und Ent­wicklungsbedingungen zu schaffen, sei unabänder­lich. Die wahren Freunde des Friedens in Afrika und in der Welt müßten jetzt wissen, was es heiße, von Sühnemaßnahmen oder ande­ren Mitteln zu sprechen, die geeignet seien, Ita­lien in der Durchführung seiner Aufgabe zu be­hindern.

tritt und ebenfalls wieder ergebnislos verlaufen sollte, dann entsteht die Gefahr, daß der italie- nisch-abessinische Konflikt weitere Kreise zieht. Aus dieser in Paris bestehenden Auffassung er­gibt sich besonders deutlich die Tragweite des Problems, und je schärfer es sich zuspitzt, um so deutlicher tritt auch die Entschlossenheit der Eng­länder zutage, die Dinge nicht einfach ihren Gang gehen zu lassen, sondern unter Umständen ener­gischer als bisher einzugreifen, sobald englische Interessen berührt werden.

Mussolinis Pufmarslhplan

London, 9. September.

Reuter gibt aus Addis Abeba Einzelheiten über die Operationspläne der Italiener wieder. Danach sollen die Italiener die Absicht haben» zuerst im Norden bei Adua anzugreifen, um zu­nächst die Schmach ihrer Niederlage von 1896 aus­zulöschen. Der Angriff würde hier mit allen modernen Hilfsmitteln, Tanks, Panzerwagen, Gas und Flugzeugen geführt werden. Auch Groß­flugzeuge würden verwendet «erden. Von Adua aus würde der Angriff weiter nach Aksum ge­führt werden, wo sich die Abessinier versammeln. Das Kommando auf italienischer Seite führe der General de Bono, aus abesfinischer Seite Ras Seyum. SS 006 Abesstniern würden die Italiener 100 000 Mann weiße Truppen gegenüberstellen. Erst wenn die Operationen im Norden durch­geführt seien, würde ein Vorstoß im Süden er­folgen, wo General Eraziani das Kommando führe. Graziani werde nur langsam vorgehen. Er erwarte, daß er erst bei Harrar auf größeren Widerstand der Abessinier stoßen werde.

Sicherung der Sahn nach flddis pbeba

Addis Abeba, 9. September.

Der bisherige Chef der Bahnpolizei, Lids Worku, wurde zum Gouverneur von Jssa und Burra an der Grenze von Britisch- und Fran- zösisch-Somaliland ernannt. Vier französische Jn- struktionsoffiziere übernehmen den Bahnpolizei- dienst. Sie sind bereits am Sonntag in das Ge­biet von Harrar abgereist. Auch kleinere Sen­dungen von Maschinengewehren und Munition sind in Addis Abeba nach Harrar verladen worden.

Schwerer Volksbegehren abgelehnt

Bern, 9. September.

Das Schweizer Volk lehnte am Sonntag in der Abstimmung zum Volksbegehren auf eine Total- reoision der Bundesverfassung diese mit großer Mehrbeit ab. Das Stimmenverhält­nis beläuft sich auf rund 510 000 gegen 193 000 Stimmen. 19 Kantone haben das Begehren ver­worfen und nur drei haben es angenommen. Für das Volksbegehren entschieden sich die Katholisch- Konservativen, ein Teil der Bauernpartei, die westschweizerischen Föderalisten sowie eine Anzahl Erneuerungsbewegungen, darunter die nationale Front. Dagegen stimmten die Radikaldemokraten der Deutschen Schweiz, die Sozialdemokraten und ein großer Teil der Bauernpartei.