parteiamtllageszeitung der
Nationalsozialisten Bremens
Das Amtsblatt des Senats - der Freien fjansestadt Bremen
Hremer Zeitung erscheint täglich (auch Montags). Monatsbczug: RM. 2,30 etnschl. 30 Rps. Zustellungsgebühr; durch die Post RM. 2,30 einschl. Uebsrweisungsgebühr ausschl. Pvstvestellgeld. Der Bezugspreis ist im voraus zu entrichten. Postscheck Hamburg 173 72. Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch aus Erstattung oder Ersatz. NL-Eauverlag^eser-EmsG^nub^H^^VrememAm Geeren 8—8 / Fernsprecher: Roland 825.
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Hr. 246 / Z. lalzrgang
sreilog, 6. September
kinzelpreiis 15 kpf.
Italiens Vertreter verläßt den Senser Natstisch
Ueberraschende Sitzung des Völkerbundsrates / ftbessinien fordert Schutz vor Italien / titwinow gegen Mussolini
krnste Unstimmigkeiten wegen der Zusammensetzung des geplanten siinserauoschusses
Unser lagesspiegvl
Im Zusammenhang mit dem Berliner Ein- sturzungliick wurden vier Bauleiter verhaftet.
Litauen hat neue Rechtsbriiche gegenüber dem Memelland begangen.
Der italienische Vertreter hat aus Protest gegen Abessinien den Genfer Ratstisch verlassen.
Die abessinischen Truppentransporte nehmen ihren Fortgang.
Der Bremer Kreiskulturwart Pros. Hans Groß sprach über Zweck und Ziele der NS.- Kulturgemeinde.
Reichsfachschaftsleiter Pg. Mehling, Berlin, sprach aus einer Veranstaltung der Bremer Fachschast Zoll.
Im Hafenverkehr von Rotterdam steht die deutsche Flagge an erster Stelle.
Der gestrandete amerikanische Dampfer „Dixie" wird als verloren betrachtet.
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lagesbesebl der SI
Kameraden! Am Sonnabend, dem 7., und Sonntag, dem 8. September, am letzten Sonntag vor der großen Heerschau des Führers, treten die siegreichen Mannschaften aus den Gefolgschafts- «nd Fähnleinwettkämpfen vom Tag« der Jugend zum Kamps um die Bestleistung in den Bannen und Jungbannen an. Tausende von Jungen stellen an diesem Tage an den verschiedensten Plätzen des Gebietes unter Beweis, daß sie es ernst nehmen mit dem Worte des Reichsjugend- sührers:
Körperliche Ertüchtigung ist keine Privatsache des einzelnen. Dein Körper gehört deiner Nation, denn ihr verdankst du dein Dasein.
Einen ganzen Sommer hindurch habt ihr geübt. In Zucht und Disziplin tretet ihr nun hier vor die Augen der weiten Öffentlichkeit und zeigt ihr, daß in euch ein Geschlecht heranwächst, das körperlich gestählt und willensmätzig aus ein Ziel gerichtet den höchsten Lebenssinn darin erkennt, im Dienst zu stehen sür die Nation.
Heil Hitler! Lühr Hogrefe Gebietssührer
flusliinder bei der Wler-lugend
Wiesbaden, 8. September
Auf Anregung der Kurdirektion Bad Nauheim besuchten über 380 Kurgäste, die vierzehn verschiedenen Nationen angehörten, das Zeltlager der Frankfurter Hitler-Jugend im Vogelsberg. In acht großen Reiseomnibussen und einigen Privatwagen waren die Gäste nachmittags von Bad Nauheim abgefahren. Nach einer herrlichen Fahrt empfingen Gebietsführer Potthosf und Bannführer Woldt die Gäste im Lager. Sprachgewandte Hitler-Jungen übernahmen als Dolmetscher die Führung. Eine gemeinsame Kaffeetafel, zu der die Kurdirektion eingeladen hatte, löste auf feiten der Hitler-Jungen und ihrer Gäste große Freude aus. Zwanglos saßen Ausländer und Hitler-Jungen zusammen und unterhielten sich lebhaft. Groß war der Wissensdurst der Ausländer, die sich nach dem Lagerbetrieb und den Einrichtungen erkundigten. Da sich auch hochgestellte Persönlichkeiten unter den Gästen befanden, unter anderem Minister und Parlamentsmitglieder fremder Nationen, ist der Wert dieser Aufklärung doppelt hoch.
Vas muß rückgängig gemacht werden
Bromberg, 6. September
Die zuständigen polnischen Kreisschulinspek- tionen in Vromberg und Hohensalza haben die deutschen Minderheitenschulen in Spital, Ka- kulin, Strelio, Dombie und Krassen geschlossen und aufgelöst. In jeder dieser Schulen wurden rund 40 deutsche Kinder unterrichtet, die nunmehr polnischen Schulen überwiesen worden sind.
Die in Frage kommenden deutschen Schulen waren nach der Zahl ihrer Schüler durchaus lebensfähig, so daß die deutsche Minderheit den Maßnahmen der polnischen Schulbehörden verständnislos gegenübersteht, zumal die deutsche Volksgruppe soeben erst ihre positive Einstellung zu den bevorstehenden polnischen Wahlen verkündet hat. Mit den betroffenen Eltern hofft die ganze deutsche Volksgemeinschaft in Pole», daß die sofort beim polnischen Unterrichtsminister eingereichte Beschwerde im Geiste der guten Beziehungen zwischen beiden Nationalitäten berücksichtigt wird.
Ge«s, 8. September
Der Völkerbundsrat wurde gestern abend überraschend zu einer neuen öffentlichen Sitzung einberufen, wobei es sofort zn einem aufsehenerregenden Zwischenfall kam. Auf der Tagesordnung stand die Entgegennahme einer avessini- schen Erklärung zur italienischen Denkschrift. Der Ratspräsident erteilte zunächst dem Vertreter Avesfiniens, Professor Jeze, das Wort.
In diesem Augenblick erhob sich der italienische Vertreter, Aloifi, von feinem Platz am Ratstifch und verließ den Sitzungssaal. Ein Mitglied der italienischen Abordnung, das daraufhin seinen Platz einnahm, wurde nach einigen Minuten, während der Vertreter Abessiniens «och sprach, aus dem Saal gerufen, so daß der Platz Italiens von nun an leer blieb.
Der Vertreter Abessiniens ging auf die Einzelheiten der italienischen Denkschrift nicht näher ein. In seinen Ausführungen sprach er von einem italienischen VerblüffungsmanöPr. Italien wolle Abessinien in Acht und Bann erklären, um dadurch von der Einhaltung seiner eigenen Verpflichtungen freizukommen. Italien handele nach dem französischen Sprichwort: „Wer seinen Hund ertränken will, sagt, er habe die Tollwut."
Der abessinifche Vertreter forderte vom Völkerbundsrat
1. gemäß Artikel 18 der Satzung des Völkerbundes die notwendigen Maßnahmen zu ergreife», um die Unabhängigkeit und Unversehrtheit Abessiniens angesichts der italienischen Truppen- zusammenziehungen zu schützen, 2. das in Artikel 13 Abs. 3 vorgesehene Verfahren anzuwenden. Die Zeit der Vertagungen sei jetzt vorbei. Angesichts der aufs äußerste gestiegenen Gefahr, die ein Völkerbundsmitglied bedrohe, müsse sofort gehandelt werden.
Ein Völkerbundsausschuß müsse sofort eingesetzt werden und noch während der gegenwärtigen Tagung des Rates Bericht erstatten. Abessinien sei mit jedem Vermittlungsverfahren einverstanden, das den Ausbruch des Krieges aufhalten könnte. Es verlange lediglich eine gerechte Lösung und eine vollständige Regelung der ganzen Angelegenheit. Es handele sich jetzt darum, zu wissen, ob ein Staat bei der Bedrohung durch einen mächtigen Nachbar unter Berufung auf Art. 10 und 15 des Völkerbundsvertrages mit einem wirklichen Schutz rechnen könne.
Nach dem abessinischen -Vertreter sprach der russische Volkskommissar Litwinow. Er äußerte zunächst sein Bedauern über den Mißerfolg der
Pariser Drei-Mächte-Verhandlungen und betonte sodann die Sympathie und Achtung, die die Sowjetunion für eines der im Streit befindlichen Länder (gemeint war Italien) seit zehn Jahren hege in dem Wunsch, daß die zehnjährigen guten Beziehungen in dem gleichen Freundschaftsgeist fortgesetzt werden.
Litwinow erklärte sich außerstande, der Haltung zuzustimmen, die der Vertreter Italiens dem Völkerbund vorgeschlagen habe.
Italien wolle, daß sich der Rat an dem italie- nisch-abessinischen Konflikt desinteressiere. Es handele sich um die Drohung mit einem Angriff, die nicht bestritten, sondern vom italienischen Vertreter selbst bestätigt werde. Ein derartiger Angriff würde eine flagrante Verletzung, ja eine vollständige Zerreißung der Völkerbundssatzung darstellen. Jeder Krieg sei die Frucht eines vorausgegangenen Krieges und erzeuge neue Kriege in der Zukunft. Es sei nicht angängig, eine militärische Operation mit den inneren Zuständen eines Landes zu begründen. Es gebe für militärisches Vorgehen keine andere Rechtfertigung als Notwehr.
(Fortsetzung auf Seite 2)
vier vauleiter in verlin verhaftet
Unter dem Verdacht stchrliisßger lötung — Me Untersuchung der Katastrophe ln der Kermann-Vöring-Straße
Berlin, 6. September.
Die Justizpressestelle Berlin teilt mit: Wie seinerzeit bereits bekanntgeworden ist, hat die Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht Berlin unmittelbar nach dem Einsturzunglück bei dem Bau der Nord-Süd-Bahn in der Hermann- Göring-Stratze, das insgesamt 19 Todesopfer gefordert hat, die Ermittlungen über eine etwaige Schuldfrage eingeleitet. Die Bearbeitung dieses die Oeffentlichkeit in besonders hohem Maße interessierenden Verfahrens wurde dem Oberstaatsanwalt Dr. Reimer übertragen, zu dessen Unterstützung nach wie vor Eerichtsassessor Riel, der seinerzeit als erster Vertreter der Staatsanwaltschaft bei den Aufräumungsarbeiten zugegen war, tätig ist. Zur eingehenden Aufklärung hat die Staatsanwaltschaft ein Sachver- ständigen-Eremium hinzugezogen, das unter Leitung des Eeheimrats Professor Dr. Hartwig von der Technischen Hochschule Verlin steht und dem als Mitglieder folgende Herren angehören: Professor Dr. Dischinger von der Technischen Hochschule Verlin, Professor Dr. Halter von der Technischen Hochschule in München, Reichsfachgruppen- walter Hupfauer (Deutsche Arbeitsfront), Regierungsbaurat im Ruhestand Bousset, Regierungsund Vaurat Schuppan vom Polizeipräsidium Verlin.
Die Untersuchung über die Ursachen des Ein- sturzunglücks ist inzwischen so weit gediehen, daß auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen folgende Personen erlassen und vollstreckt worden sind:
1. Direktor Hugo Hoffmann von der Berlinischen Ballgesellschaft mbH.; 2. Ingenieur Joseph Karl Rath, technischer Sachbearbeiter der Berlinischen Baugesellschaft mbH.; 3. Vauleiter Dipl.-
Jngenieur Fritz Noth; 4. Reichsbahnrat Wilhelm Weyher.
Den Festgenommenen wird fahrlässige Tötung zur Last gelegt, die darin erblickt wird, daß Lei ber Ausführung des Baues grobe Verstöße gegen anerkannte Regeln der Baukunst vorgekommen sind, und daß die Genannten dafür in erster Linie die Verantwortung zu tragen haben. — Mit dem abschließenden Sachverständigen-Gut- achten dürfte in etwa einer Woche zu rechnen sein. -t-
Bei der Verhaftung handelt es sich, wie ausdrücklich festgestellt werden muß, um eine Maßnahme, die nur dem Zweck dient, eine unbedingt zuverlässige und nach allen Seiten hin gesicherte Untersuchung in jedem Falle zu garantieren
Sefüngnis kür vreuelpropaganda
Dortmund, 6. September Vor dem Dortmunder Sondergericht hatten sich in dreitägiger Verhandlung der 53jährige Eberhard Wiese, seine 50jährige Schwester Dorothea Wiese aus Essen-Werden und die 38iährige Jüdin Silva Oppenheimer aus Köln wegen Verbreitung falscher Behauptungen ins Ausland zu verantworten. Die beiden Angeklagten Wiese hatten sich aus dem Auslande Hetzschriften gegen Deutschland besorgt und sie in Deutschland verbreitet. Außerdem hatten sie selbst Fälschungen von Briefen und Broschüren vorgenommen und sie nach Holland, der Schweiz und Kanada geschickt.
Das Sondergericht verurteilte Eberhard Wiese zu 1 Jahr 8 Monaten, Dorothea Wiese zu 2 Jahren Gefängnis. Die Oppenheimer wurde zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt.
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und sich von vornherein der Personen zu versichern, von denen man nach den bisherigen Feststellungen annehmen muß, daß sie in irgendeiner Weise fahrlässig gehandelt und sich dadurch an dem Unglück mitschuldig gemacht haben. Es handelt sich aber, das muß ausdrücklich betont werden, nicht um erwiesene Verfehlungen. Es verdient in diesem Zusammenhange hervorgehoben zu werden, daß sich diese Personen an der Bergung der Verunglückten durch aufopferungsvolle Arbeit tatkräftig beteiligt haben. Die eingehende gerichtliche Untersuchung wird festzustellen haben, wie die Schuldverhältnisse im einzelnen liegen und wie weit eine Verkettung unglücklicher Umstände bei der Beurteilung der Schuldfrage mit zu berücksichtigen ist.
„Killer kat Veiitschland gerettet"
Brüssel, 6. September.
Unter der Überschrift „Deutschland im Auf- stieg!" veröffentlicht die flämische Tageszeitung „Scheide" einen Aufsatz, in dem die Eindrücke der ReiseeinesAusländersdurchDeutsch- land in objektiver Weise geschildert werden. In dem Aufsatz heißt es u. a.:
Bor vier Jahren sah man auf einer Reise durch Deutschland nur besorgte Gesichter. Heute fällt es auf, daß die Menschen wieder froh und gesund, selbstbewußt und vertrauensvoll aussehen, das deutsche Volk ist wieder eine Nation geworden, die sich stark fühlt. „Kraft durch Freude" sorgt dafür, daß auch die einfache Familie die Städte und Naturschönheiten kennenlernt. Nirgends war auf der ganzen Reise ein Bettler zu sehen. Wer Lonson, Paris, Rom und Neapel kennt, weiß, was das bedeutet. In den Augen jedes Deutschen hat es in den letzten 150 Jahren vier große historische Persönlichkeiten gegeben: FriedrichdenEroßen, der das deutsche Nationalgefllhl wachgerufen hat, Vismarck, der die Grundlagen der deutschen Einheit schuf, Hindenburg, der diese Grundlagen vor der Vernichtung bewahrte und Hitler, der die Einheit des deutschen Volkes vollendet hat. „Hitler hat Deutschland gerettet" — urteilt heute jeder mit Bewunderung und Dankbarkeit.
Ziele der deutschen Finanzpolitik
Berlin, den 6. September.
Die „Europäische Revue" (Deutsche Ver- lags-Anstalt Stuttgart) bringt in ihrem Septemberheft eine finanzpolitische Betrachtung aus der Feder des Reichsmini st ers Graf Schwerin von Krosigk, die nach einem Rückblick auf die wirtschaftspolitischen Leistungen des neuen Deutschlands die gegenwärtigen und zukünftigen Aufgaben auf diesem Gebiete darlegt. Das nächste Ziel habe darin zu bestehen, zu verhindern, daß nicht wie im Jahre 1923 eine Störung oder Verfälschung der hoffnungsvollen Aufwärtsentwicklung eintrete. „Dazu ist notwendig, so beschließt der Reichsfinanzminister seine Ausführungen, daß der Leitgedanke der Arbeitsbeschaffungspolitik, die durch die Belebungskredite geschaffenen Reserven (erhöhte Einnahmen und neugebildetes Kapital) zur Abdeckung und Fundierung der Kredite stu verwenden, zielbewußt fortgesetzt wird. Das ist auf der Etalsseite bereits im Jahre 1934 mit der Einstellung von Beträgen zur Rückzahlung von .Arbeitswechseln' in den laufenden Etat begonnen, das ist im Jahre 1935 mit der Unter- brrnoulng langfristiger Anleihen zur Abdeckung von Belebungskrediten fortgesetzt worden."
Miik ins ftusland
kr. klii. Bremen, 6. September.
Der italienisch-abessini- Dec Völkerbund, wie sehe Streitfall hat die Paris ihn sieht. Krise des Völkerbundes in einem Grade verschärft, der die völlige Ausschaltung der Genfer Organisation aus dem Bereich der praktischen Politik zu einer unabwendbaren Tatsache gemacht hat. Genauer gesagt: Der Völkerbund spielt, sofern er überhaupt noch eine Aufgabe zu erfüllen hat, lediglich die Rolle eines „Macht"-Jnstru- ments der französischen Außenpolitik. Die große Pariser Zeitung „Mattn" hat in diesen Tagen selbst dafür gesorgt, daß hinsichtlich der Völker- bunds-Absichten des Quai d'Orsay keine Unklarheiten und Meinungsverschiedenheiten mehr entstehen können. Mit erfreulicher Offenheit hat das Blatt ausführlich dargelegt, warum Frankreich — das einst gegenüber Deutschland gar nicht oft genug mit dem Gedanken von Sanktionen spielen konnte — im Konflikt zwischen Rom und Addis Abeba von Völkerbundssühnematznahmen nichts wissen will. Frankreich würde sich, so meint der „Matin", im Falle grundsätzlicher Zustimmung zu Sühneaktionen vielleicht gezwungen sehen, zugunsten eines kleinen, „nicht zivilisatorischen Kreisen" angehörenden Landes den Degen zu ziehen, was es jedoch niemals tun werde, wenn es sich um einen Haufen Wilder handle. Es sei eine Schande, daß Abessinien neben einem Belgien, einem Serbien und einem Oesterreich den Völkerbund stütze. — Wir haben keinen Anlaß, im italienisch-abessinischen Konflikt irgendwie. Partei zu ergreifen, müssen dem „Matin" aber doch dankbar sein, daß er so rückhaltlos die Gepflogenheit der französischen Staatsmänner betont, die Völkerbundsmitglieder nach Belieben in Staaten ersten und zweiten Ranges einzuteilen. Auch mit diesem Eingeständnis erfolgt nachträglich eine ungewollte Rechtfertigung des Entschlusses des Führers, dem Genfer Bund der Nichtgleichberechtigten nach jahrelangen Demütigungen Deutschlands den Rücken zu kehren. Die Idee einer Gemeinschaft der Völker ist jedenfalls auf diesen, nur Frankreichs Interessen dienenden Völkerbund, dessen Satzungen heute so und morgen wieder anders ausgelegt werden können, in keiner Weise anzuwenden.
^ Es vergeht kein Tag,
Das Vertragsbrüchige an dem wir nicht gegen Litauen. neue litauische Gewaltakte, die das Memel- deutschtum treffen sollen, Front machen müssen. Nachdem die Kownoer Regierungsstellen für die kommenden Memelwahlen die völlig widerrechtliche Einbürgerung litauischer Staatsbürger im Memelland durchgeführt haben, ja, sich sogar zur Erteilung des Wahlrechts an litauisches Militär bereitfanden, ist jetzt dem verdienstvollen Führer des meine Hündischen Deutschtums, Dr. Schreiber, nach dessen Streichung aus der Wahlliste als Bürger des Memelgebiets die litauische Staatsangehörigkeit entzogen worden. Dr. Schreiber hat sowohl als früherer Landespräsident wie in seiner Eigenschaft als Spitzenkandidat der memel- ländischen Einheitsliste zu dieser neuen provozierenden Verletzung des Memelstatuts, das den schwergeprüften Deutschen des Landes die uneingeschränkte Selbstverwaltung zusichert, nicht den geringsten Anlaß gegeben. Vor dem Völkerbundsrat hat am Mittwoch in Genf der Vertreter Italiens, Baron Aloist, im Rahmen seiner Anklagerede gegen Abessinien hervorgehoben, daß ein Vertragsbrüchiger Staat nicht die Mitgliedschaft des Völkerbundes besitzen könne. Nun, wenn je ein Staat einen Vertrag systematisch, und zwar mit einer ganzen Reihe offensichtlicher Rechtsbrllche, verletzt hat, so ist das gleichfalls dem Völkerbund angehörende Litauen an den Pranger zu stellen! Das Memelstatut, für dessen Jnnehaltung neben England und Frankreich auch Italien als Signatarmacht Sorge zu tragen hat, ist in allen seinen Teilen von Litauen zum Schaden des Völkerrechts in so unerhörter Weise durchlöchert worden, daß dieses internationale Abkommen überhaupt nur noch dem Namen nach besteht. Der von Baron Aloisi verkündete Rechtsgrundsatz kann also — oder bester: er muß es — nicht zuletzt auf Litauen angewendet werden. Die infolge der Vertragsverletzungen Litauens auf dem Spiel stehende zwischenstaatliche Rechtssicherheit fordert jedenfalls zu einem energischen Eingreifen der genannten Signatarmächte in Kowno heraus — oder will man wieder mit zweierlei Maß messen?
c-—Obschon in den letzten
Sowjetrussische ^Fahren die Kenntnis
pädagogische „Erfolge von den wahren unhalt-
. baren Zuständen im
„sowietparadies" in allen Kulturstaaten mehr und mehr vertieft werden konnte, gibt es doch hier und da immer noch einige Irregeführte, die wenigstens ihren „Glauben" an die „Sowjetschule" nicht oer- lic 'n wollen. Was seit langem über die ungewöhnlichen Erziehungs- und Unterrichtsmethoden im Rätebund verlautete, mußte dem nachdenklichen pädagogischen Fachmann zwar ein Brief mit sieben Siegeln bleiben, aber die Lobpreisungen über die