Ausgabe 
(30.6.1935) Nr. 178
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NationalsozialistenDremens

der Freien Hansestadt Vremen

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Nr. 178 / Z. Jahrgang

Sonntag, 58. Juni

kinzelpreio 15 Npf.

die Partei Ist diekitte des Volkes"

Großartiger Verlauf des verliner Sautages / Vr. Soebbels gibt eine nationalsoz. vilanz / Treuebekenntnis zum süstrec

Unssr lagssspisgsi

In Gegenwart des Führers fand in Mün­chen das Richtfest für das Haus der Kunst statt.

Die Autostrahenteilstrecke München-Holzkir­chen wurde gestern vom Führer eröffnet.

Mit zwei Riesenkundgebungen nahm in der Reichshanptstadt der Verliner Eautag einen großartigen Verlauf.

Der Führer hat ein Neichsbahnmonopol im CLter-Fernkraftverkehr abgelehnt.

Die Internationale Handelskammer setzt sich in einer Entschlietzung für sofortige Stabili­sierungsbesprechungen ein.

Der Pächterschutz wurde um ein Jahr ver­längert.

gestern im Zeichen des von Generalseldmarschall

Bremen stand Staatsbesuchs v. Mackensen.

Mit dem Bau der ersten Häuser für die rie­sige Siedlung Erolland wird in Kürze be­gonnen.

Der Bremer Haushalt für 1334 ist abgerech­net worden. Der veranschlagte Fehlbetrag wurde um über 4 Millionen unterschritten.

Im Weltergewicht siegte Eber über Venturi in 15 Runden nach Punkten.

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Kelchs- und Sauleiter-ragung

Am Freitag fand im Großen Sitzungssaal des Münchener Rathauses unter dem Vorsitz des Reichsorganisationsleiters Dr. Ley und in An­wesenheit mehrerer Rdichsleiter eine Tagung der Gauleiter der NSDAP. statt. In seiner einleiten­den Ansprache machte Dr. Ley Mitteilungen über die Organisation und Durchführung des Reichs- parteitages, die ihm vom Führer übertragen wor­den ist. Das Programm des Reichsparteitages, das in seinen Erundzügen mit dem Führer durch- besprochen und festgelegt worden ist, wurde er­örtert und mitgeteilt, daß die für den 4. Juli in der Berliner Krolloper in Aussicht genommene Konstituierung des Reichsarbeits- und Wirtschafts­rates verschoben wurde und im Rahmen des Reichsparteitages stattfinden wird.

Die Tagung befaßte sich anschließend in ein- eingshender Aussprache mit den aktuellen.,Proble- men, die sich aus der Führungsaufgabe der Partei ergeben.

Später traten die Reichsleiter der Partei im Braunen Haus zu einer Tagung zusammen, die namens des Stellvertreters des Führers von Reichsschatzmeister Schwarz eröffnet und geleitet wurde. Die Ergebnisse der Gauleitertagung wur­den zusammengefaßt und ausgewertet sowie eine Reihe wichtiger Einzelfragen des Verhältnisses wischen Partei und Staatsapparat eingehend be- andelt.

Wie alle Tagungen des Reichs- und Eauleiter- kocps war auch diese umfassende Aussprache über die politischen, organisatorischen und weltanschau­lichen Aufgaben von grundsätzlicher Bedeutung für die gesamte Arbeit der Partei.

Ski. als Norkrem-kelser

Der Stabschef erhielt vom Präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes folgendes Telegramm: Ihnen, lieber Stabschef Lutze, und damit der Ihnen unterstellten SA. sage ich namens^ des Deutschen Roten Kreuzes den herzlichsten Dank für das vorbildliche Zusammenwirken am ^ Rot­kreuztag. Heil Hitler! Herzog von Koburg.

Kr. Berlin, 30. Juni

Der Berliner Eautag nahm in beiden Teilen, sowohl in der Kundgebung im Sportpalast als auch in dem riesigen Aufmarsch auf dem Tempel- hofer Felde, Sonnabend nachmittag einen glän­zenden Verlauf. Es war das erstemal, daß eine Berliner Veranstaltung in einem derartigen Nahmen abgehalten wurde, und obwohl die Ber­liner Bevölkerung von den Ausmärschen des 1. Mai her gewohnt ist, riesige Massen auf dem Tempelhofer Felde versammelt zu sehen, so hatte die heutige Kundgebung doch wieder ihren eige­nen Charakter, weil es sich diesmal nicht um einen Ausmarsch der Belegschaften aus den Be­trieben, sondern vielmehr um eine Zusammen­kunft der Gliederungen der Partei mit insgesamt 123 383 Teilnehmern handelte.

Die Stadt hatte reichen Flaggenschmuck ange­legt, und in den Mittagsstunden bildeten Tau­sende von Berlinern ein langes Spalier von der Wilhelmstraße bis zum Sportpalast durch die ganze Potsdamer Straße, weil der Gauleiter, Reichsminister Dr. Goebbels, diesen Weg von der Wilhelmstraße nach den Versammlungsorten nahm. SA.-Mannschaften bildeten ebenfalls Spalier, und als der Minister die Straße ent­langfuhr, wurde er von der Bevölkerung mit lautem Jubel begrüßt.

Der Sportpalast war für die Versammlung fest­lich ausgeschmückt worden. Auf weißem Grunde war zwischen rotem Fahnentuch der Satz zu lesen: Führer, befiehl, wir folgen Dir!" Auf der großen Tribüne hatten der Staatssekretär des Propa- gandaministsriums Lunk, der Befehlshaber der deutschen Polizei, Generalleutnant Daluege, der Briqadefllhrer des NSKK. Offermann sovie viele Gäste aus dem. Propagandaministerium Platz ge­nommen, ebenso die Vertreter von SA.. SS., des Arbeitsdienstes, der HJ. und des VDM. Ferner waren das Reichshser, die Marine und die Flieger zahlreich vertreten.

Wenige Minuten vor 14 Uhr kündeten brausende Heilrufe das Eintreffen des Berliner Gauleiters an. Immer wieder erklangen die Heilrufe, mit denen die Nationalsozialisten Ber­

lins ihren Gauleiter Dr. Goebbels grüßten. In seiner Begleitung befanden sich sein Stellvertreter Staatsrat Eörlitzer, Reichsorganisationsleiter Dr. Ley, Obergruppenführer von Jagow, Hauptamts­leiter Hilgenfeldt u .a. m. Unter den Klängen des Nibelungen-Marsches wurden darauf die Stan­darten und Fahnen der Verliner Bewegung in den Saal getragen. Ein aufrüttelndes Sprech- chorwerk von Molsnar kündete in markigen Wor­ten vom Wesen der nationalsozialistischen Revo­lution:Einer für Alle, Alle für Einen, vorwärts und nie mehr zurück!"

Der stellvertretende Gauleiter Eörlitzer er­öffnete den Gautag im Namen des Gauleiters. Wir wollen, so sagte er u. a., in dieser Massen­versammlung der 14 000 Mitarbeiter und dem Aufmarsch der 112 000 auf dem Tempelhofer Feld mit Stolz erkennen wie unerschütterlich stark und untrennbar geschlossen die Berliner Gefolgschaft des Führers dasteht.

Wer auf unser Müdewerden gewartet hat, der mag heute erkennen, daß er noch lange warten kann. Mit all unserer Arbeit in der Partei wollten wir alle immer nur dem Manne dienend helfen, der unser Schicksal gewendet und uns Ehre und Ansehen in der Welt wie­dergegeben hat.

Deshalb gedenken wir zu Beginn des Führers. Die Verlesung des von Dr. Goebbels an den Füh­rer gerichteten Begrüßungs- und Treuetelegramms wurde von den Parteigenossen mit ungeheurem Jubel aufgenommen. Staatsrat Eörlitzer schloß mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer.

Reichsorganisationsleiter Dr. Ley überbrachte die Glückwünsche und Grüße der Reichsleitung. Wir wollen auf diesen Gautagen, so erklärte er u. a., unseren Gegnern und denen, die sich nie um ihr Volk kümmern, aber auch uns selbst im­mer wieder ins Gedächtnis zurückrufen:

Die Partei ist da, die Partei lebt, und jeder in Deutschland muß heute mit der Partei rechnen! Die Partei wird notwendig sein, solange Deutsch­land lebt, denn die Partei ist Deutschland!

Die Aufgaben, die die Partei zu lösen hat,

kann uns niemand abnehmen. Sie können ein­fach von anderen Stellen niemals gelöst werden, denn d ie Partei ist der Seelsorger des deutschen Volkes. Die Partei ist heute ge­schlossener denn je. Wer sich gegen einen aus der Partei wendet, der wendet sich gegen uns alle. Selbst dann, wenn der letzte Volksgenosse von unserer Idee und unserem Wollen überzeugt ist, müssen wir weiter zusammenhalten. Es komme beim Aufbau nicht auf die Rangabzeichen an, die der einzelne trage, sondern hier seien sie alle Ka­meraden.. Der genialste Staatsmann könne nichts ohne sein Volk unternehmen, und das helden­mütigste Volk sei, wie wir es je alle erlebt hätten, nichts, wenn es keinen Führer habe.

Der Redner gab weiter einen lleberblick über die gewaltigen Errungenschaften der national­sozialistischen Bewegung. Er schilderte als seine höchste Krönung das Friedenswerk des Führers. Der Nationalsozialismus bedeute den Sieg der Vernunft über die Unvernunft. Dr. Ley schloß seine große Rede mit einem eindring­lichen Appell an die Männer der Bewegung, stets die verschworene Kampfgemein­schaft zu bleiben, die den Staat erobert habe.

Als nächster Redner nahm Hauptamtsleiter der NSV., Pg. Hilgenfeldt, das Wort. Er sprach insbesondere über die großzügige Arbeit der NSV., über das Winterhilfswerk und die anderen großen Fiirsorgcmaßnahmen. Aus dem sozialistischen Geist des Verliner Gauleiters sei der Gedanke des Winterhilfswerkes geboren, ebenso der Glaube des Eintopfgerichtes als Aus­druck wahrer'sozialer Gesinnung und wahrem so­zialen Denkens und Fühlens. An die Stelle des Ich in der kapitalistischen Vergangenheit sei das große D u getreten. Der Redner nannte dann einige Zahlen aus dem großen Winterhilfswerk und den übrigen sozialen Aktionen:

Insgesamt sind im Jahre 1334 vom deutschen Volks 553 Millionen Mark in den verschiedene» sozialen Hilfsmaßnahmen gespendet und geopfert worden.

(Fortsetzung auf Seite 2)

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Neckst ist, was dem Volk nützt!

reilnastme des Whrees an der sestfihung der stkademie für Veulsches Nechl in München

München, 30. Juni

Die dreitägige Jahresversammlung der Aka­demie für Deutsches Recht, die in einer Fülle grundlegender Vortrüge die starke Lebenskraft nationalsozialistischer Rechtsgestaltung und zu­gleich die lebhafte Anteilnahme der ausländischen Rechtswissenschaftler eindrucksvoll bekundete, er­hielt am Sonnabend vormittag ihre Krönung durch eine Festsitzung in der Aula der Mün­chener Universität. Ihre Bedeutung und damit das Schaffen der Akademie überhaupt wurden durch das persönliche Erscheinen des Führers her­vorgehoben.

Schon lange vor Beginn der Feststunde füllte sich der Saal. Punkt 11.30 Uhr erschien der Führer und Reichskanzler, von der Versammlung stehend mit Ehrfurcht, begrüßt. Den Führer begleitete Reichsminister Dr. Frank und Ministerpräsident Siebert; ihnen schloffen sich an Obergruppenführer Brückn er, Reichspressechef Dietrich, Bri- gadeführer Schaub sowie der Rektor der Uni­versität Dr. Escherich. Der Führer nahm aus der Empore Platz, umgeben von Vorstandsmit­gliedern und ausländischen Tagungsteilnehmern der Akademie sowie von der Professoren- und

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Dozentenschaft. Unter den Ehrenmitgliedern be­fanden sich die Reichsstatthalter Sprenger und Meyer, Vertreter der Bewegung, des Staates, der Wehrmacht und der Behörden.

Das große Rundfunkorchester des Reichssenders München unter Kapellmeister Winter leitete den Festakt ein. Dann eröffnete der Präsident der Akademie Dr. Frank mit einem Gruß an den Führer die Kundgebung. Ministerpräsident Sie­bert gab im Anschluß an das Erußwort des Prä­sidenten an den anwesenden Führer und Reichs­kanzler auch seinerseits dem Gefühl der Treue gegenüber dem Führer Ausdruck und dankte Dr. Frank dafür, daß er München auch zur Stadt des deutschen Rechtes gemacht habe.

Dann nahm. von lebhaftem Beifall begrüßt, der Präsident der Akademie, Reichsminister Dr. Frank, das Wort zu seinem Festvortrag:Die nationalsozialistische Revolution im Recht". Der Minister führte u. a. aus:

Der Nationalsozialismus ist Ausgangspunkt, Inhalt und Ziel des deutschen Rechtes geworden. Daß die Akademie für Deutsches Recht als Hilss- instrument der autoritären Gesetzgebung dient, ergibt sich im weiteren daraus, daß sie auch dem Nationalsozialismus ihr Entstehen verdankt, daß Gclebe und Pläne des Führers geschlossen in sich eine Einheit bilden. Die Fundamente des Natio­nalsozialismus, die allein für die Rechtsordnung maßgebend sein können, haben das Zielvom for­malen Recht zum Lebensrccht". Boden, Rasse, Staat, Ebre, Arbeit, das sind die Begriffe, um die es gebt. Was dem Volke nützt, ist Recht, was ihm schadet, Unrecht. (Starker Beifall.)

Auf dem Gebiete der Rasse haben wir eine ganz großes mutvolle Revolution durchgeführt uns haben das Verdienst, diesen Begriff als fundamentalen Lebensbegriff überhaupt erst eingeführt zu haben. (Erneuter Beifall.) Gerade hier möchte ich den Vertreter» des Auslandes aber lagen: Nicht aus übler Gesinnung und Haß hat das deutsche Volk den Weg zur Raffenpolitik bcschiitten sondern aus der Not seiner eigenen Existenz heraus, und aus den Erfahrungen, die wir hier aemacht haben. (Lebharter Beifall)

G.'geniiber im Auslande noch immer a»i!''?t->n-> den Lügen über Brutalitäten.erllärte der Redner in feierlicher Form saß das n-"'nal- ioziakiststche Deutschland niemals von >!-'n«n fundamentalen Grundsatz lassen werde. Ebenso wie es sich nie in rechtliche Instanzen anderer Völker einmengen werde, werde es sich aus dic'em Gebiet keinerlei Einmischung aefallen lassen. Wie sini'ws" sig die B?ba»p:>^gen von deutscher Bru-- ta's.äl sind mes- da-- Umstand daraus,.ersthen daß heute noch über 40 n. H. der Rcchtsanwälic B'rlins Juden sind. Dr Frank fuhr iort: Eines der Fundamente ist der Staat. Wenn Sie mein Führer, hier weilen, möchte ich Ihnen als einer Ihrer ältesten Kameraden sagen: Durch die

Beziehung des deutschen Volkes zu Ihnen ist zum ersten Male der Begriff der Liebe zum Füh­rer ein Rechtsbegriff geworden. (Langanhalten­der stürmischer Beifall.) Ein weiteres Fundament der Rechtspolitik ist die Ehre, und die Ehre der Nation und des einzelnen bedeutet den wesentlichen Inhalt unseres Rechtslebens. Ein anderes Fundament ist die Arbeit. Es ist be­greiflich, Laß auch diesem Gebiet uns eine große Reihe rechtspolitischer Aufgaben'übertragen wer­den Mußte.

Der Nationalsozialismus hat erreicht, daß

seine Gesetzgebung dem Arbeiter in Deutschland

für alle Zeiten eine Heimstätte sicherte und ihn

zum Mitträger der Verantwortung machte.

Aus alldem ergibt sich die große Kultur- mission der nationalsozialistischen Rechtspolitik. Die nationalsozialistische Re­volution im Recht ist, kurz gesagt, die ungeheuerste Umbildung, die eine Rechtsordnung femals in Deutschland erlebt hat. Rechtssicherheit gilt aber für den überwiegenden, anständigen und sauberen Teil der Bevölkerung. Der kleine Teil der Ver­brecher möge zittern. Ihm gilt ein erbarmungs­loser Ausrottungskrieg. Mit dem falschen Grund­satz der Humanität hat der Nationalsozialismus gründlich aufgeräumt. Schließlich muß eine Haupt- forderung Rechtsklarheit sein. Das Recht soll die Sprache sprechen, die das Volk versteht.

Ueber allem steht der Primat der Bewegung aus dem Gebiete der Rechtskunde. Was wir vor­fanden, hat der Führer umgeformt in den Aus­druck einer neuen Entwicklung. Auch für das Recht gilt der Satz: Staub nieder, Leben empor!

Lanaanhaltender stürmischer Beifall lohnte den Redner, den verschiedene Teilnehmer des' Festaktes durch Händedruck beglückwünschten. Das Deutschland- und das Horst-Weffel-Lied wurden von der Versammlung begeistert mitgesungen, worauf Präsident Dr. Frank mit einem drei­fachen brausend aufgenommenen Siegheil auf den Führer, den Vorkämpfer des deutschen Rech- tes in der Welt, die Tagung als beendet er­klärte.

Aus Anlaß des Richtfestes des Hauses der, deutschen Kunst gab am Sonnabendabend die Stadt München gemeinsam mit dem Vorstand des Hauses der deutschen Kunst im Alten Rat­haussaal in München der gesamten an dem Bau, beschäftigten Arbeiterschaft einen Bunten Abend, der eine besondere Bedeutung dadurch erhielt, daß gegen 23 Uhr der Fübrer persön­lich zu dieser Feier erschien und durch seine An­wesenheit seine enge Verbundenheit mit allen an dem Werk schaltenden Arbeitern des Geistes und der Faust Ausdruck gab. Der Führer wurde von den Festteilnehmern mit stürmischem Juhel emp­fangen.

flufiockerung

Will Frankreichs Diplomatie sich nicht ein Beispiel an England nehmen?

* Bremen, 30. Juni 1835.

Wenn es nach dem Abschluß des deutsch-eng­lischen Flottenabkommens noch eines besonderen Beweises dafür bedurft hätte, daß die von Paris her gepflegte, um nicht zu sagen gewallte Starre der europäischen Diplomatie unabänder­lich ihr Ende erreicht hat, so ist diese Beweis­führung nun mit den Erklärungen Edens bei seinem Besuch in Rom und Paris erbracht. Frankreichs Hoffnungen, England rückwirkend noch einmal auf den Standpunkt desalles oder nichts" sestzulegen, sind hundertprozentig ge­scheitert und fest steht jetzt vor aller Welt, daß England sich durch niemand und nichts mehr davon abbringen läßt, den mit dem deutsch-englischen Flottenabkommen zuerst beschrittenen, vom Führer seit zwei Jahren immer wieder den europäischen Mächten empfohlenen Weg der persönlichen Einzelverhandlungen weiter zu be­schielten.

Ob nun die Einheit der Stresa-Front, auf der man die Zusammengehörigkeit der verschiedensten europäischen Fragen proklamiert hat, durchbrochen ist oder nicht: Europa ist jedenfalls ein großer Dienst damit erwiesen,/daß durch getrennte Ver­handlungen von Regierung zu Regierung den beteiligten Mächten nicht nur Zeit und Arbeit er­spart, sondern auch ein Beispiel gegeben ist, daß man sehr wohl bei Verhandlungen zur Befriedung Europas weiterkommen kann, wenn man einen P u n k t n a ch d e m a n d e r e n in Angriff nimmt und nicht vier zu gleicher Zeit gelöst sehen möchte. Luftpakt Ostpakt Donau­pakt und die ,Frage der Rüstungsbegren­zungen können allesamt nun nach den Methoden in Angriff genommen werden, nach denen das deutsch-englische Flottenabkommen zustande ge­kommen ist. Darum ist es widersinnig, wenn ein Blatt wie dieM orning P o st" der englischen Regierung Wankelmütigkeit und Unbeständigkeit vorwerfen möchte und sogar noch behauptet, Eng­land habe mit dem deutsch-englischen Flotten­abkommen Las Londoner Protokoll und die Stresa-Front himmelhoch in die Luft gesprengt. Die an diese Vorwürfe geknüpfte Frage des eng­lischen Blattes, ob das Flottenabkommen nur ein einmaliges Ausgleiten der englischen Diplomatie bedeute, Las sich nicht mehr wiederholen werde, kann jedenfalls ohne Besinnen gleich dahin beant­wortet werden, daß, wenn man das, was Eng­land mit dem Abschluß des deutsch-englischen Ab­kommens unternahm, Ausgleit'en nennen will, die Völker Europas sich jedenfalls nur beglückwünschen können, wenn solches Ausgleiten ° eine frisch­fröhliche Fortsetzung erfahren kann.

- Was will überhaupt das englische Blatt mit seinen Vorwürfen gegen das deutsch-englische Ab­kommen und gegen Eden? Eden habe in Paris eine Spur von Mißtrauen und Ungewißheit zu­rückgelassen? Doch wohl nur darum, weil ein unberechtigter Wunsch Frankreichs nach einer eng­lischen .Zusage, die soeben bewährte Methode ge­trennter Verbandlungen fürderhin nicht mehr an­zuwenden, aus sehr berechtigten Gründen keine Erfüllung fand: im Gegenteil, weil England klipp und klar den Standpunkt vertritt, daß die Verhandlungen über alle Punkte des Londoner Protokolls vom 3. Februar im besten Falle nur dann vorwärtsgetrieben werden können, wenn die Initiative jeweils von der am meisten für den einen oder anderen Punkt interessierten Macht ausgeht, so daß also die britische Regierung z. B an dem Luftabkommen, andere Re­gierungen wie die französische am Ost­sicherheitspakt, die italienische Re­gierung am Donaupakt arbeiten können, kann und darf man zur englischen Politik, die nun weiß, was sie will, voll Vertrauen soffen.

Die dabei neu aufgetauchte Forderung Frank­reichs, daß ein deutsch-englischer Luftpakt, wenn er auf diese Weise zustande kommt, so lange nicht in Kraft treten dürfe, bis eine Vereinbarung über die anderen Punkte erzielt worden sei, er­scheint uns allerdings schon daraum dreifach töricht, weil dadurch erst recht wieder die euro­päische Diplomatie von jener Starre befallen werden würde, aus der sie durch die Initiative des Führers und durch das Verständnis Eng­lands soeben erst gelöst worden ist.

Wenn England dieser neu von Paris her in die Erörterung gebrachten Forderung nicht nachgibt,, so ist das bestimmt nicht Wankelmütigkeit. Eng­land weiß, was es will und was andere Wankel- miitigkeit nennen mögen, heißen wir Fest­halten an dem für richtig Erkannten. Man muß überhaupt vorsichtig sein, im Hinblick auf Englands Politik mit leichtfertigem Urteil von Wankelmütigkeit zu reden. Denn im Grunde ver­folgt England heute wie seit hundert und