Ausgabe 
(28.6.1935) Nr. 176
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Nr. 176 / 3. Jahrgang

Freitag. 28. Juni

Gmzelpreis 16 Rps.

z Helft den Unwetter-Geschädigten!

Bremer Aufruf des Kreisleiters Blanke und des Negierenden Bürgermeisters Heider

An alle Volksgenossen!

Kreisleiter Blanke und Reg. Bürgermeister Heider erlassen folgenden Aufruf: In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hat die über Bremen niedergegangene Unwetterkatastrophe einen unersetzlichen Schaden angerichtet. Außer den Verwüstungen, die durch Sturm und Blitzschlag im Bürgerpark und in den angrenzenden Stadtbezirken zu verzeichnen sind, hat das Wetter ganz besonders hart Hunderte von Kleingärten getroffen, denen durch den Sturm- und Hagelschlag fast die gesamten Anpflanzungen ver­dorben sind. Bäume, Sträucher und Blattpflanzen bieten einen trostlosen Anblick. Der Kleingärtner, der unendlich viel Kosten, Mühe und Zeit aufgewandt hüt, ist um den Ertrag gekommen. Die vorgeschrittene Jahreszeit läßt es auch in vielen Fällen nicht zu, daß mit Aussicht auf Erfolg in diesem Jahr noch Ncupflanzungen vorgenommen werden. So steht der Kleingärtner, für den der Ertrag seines Gartens, oft einen Teil seines kargen Einkommens bedeutet, vor dc : Nichts. Mit tränenden Augen standen die Volksgenossen heute vor ihren Gärten, die ihnen nicht nur Erholungsstätten, sondern auch Nahrungsmittelspender waren. Außer dem Verlust der zu erwartenden Ernte, haben sie auch in vielen Fällen noch mit den für sie fast unerschwinglichen Kosten für die Neuanschaffung ihrer zerstörten Landbnden und Geräte zu rechnen.

Hier ist rasche Hilfe not. Wie überall im nationalsozialistischen Deutschland muß den Geschädigten geholfen werden. Einer muß für den anderen eintreten, damit zunächst einmal die ärgste Not überwunden wird. Viel Geld ist notwendig, um den materiellen Schaden wieder gutzumachen. Die Bremer Bevölkerung hat stets bewiesen, daß sie bereit ist, zu helfen, wen» Volksgenossen unverschuldet in Not geraten sind. Darum ergeht auch heute der Ruf an alle Volksgenossen:Helft den Geschädigten!", indem ihr eure Spende einzahlt auf das Sonderkonto: Unwetter-Schaden am 27. 6.1935", das bei der Bremer Sparkasse eröffnet worden ist.

Reichswettkampf der SA.

Befehl des Füyrei'S - Ehrenpreis für den siegenden Sturm jeder Gruppe

Unser lagesspiegvi

^ Die erneuten Pariser Besprechungen Edens mit Laval sind ohne greifbares Ergebnis be­endet worden.

' Der englische Admiral Spencer de Horsey befürwortet in einem Brief an dieTimes" die Rückgabe von Deutsch-Ostafrika an Deutschland.

Zum Reichswettkampf der SA. sind genaue Bestimmungen erlassen worden.

In München begann die zweite Jahresver­sammlung der Akademie für Deutsches Recht mit Arbeitstagungen.

, Das neue Gesetz über den Ferngüter-Kraft- verkehr schließt die privaten Unternehmer in einem Verbände fest zusammen.

Für die Reichswirtschaftskammer wurde der endgültige Geschäftsführer bestellt.

Die Unwetterkatastrophe in Bremen richtete weit und breit Verwüstungen schwerster Art an.

Bremen hat einen zweiten öffentliche» Sam- melschutzraum bekommen.

In Oslo trennten sich im Fußball-Länder- kamps Deutschland und Norwegen 1:1.

DWWUUiWWWM

Gescheyk des Führers an den Kafter von Japan

Berlin, 27. Juni

Der Führer und Reichskanzler empfing am Donnerstag den kaiserlich-japanischen Botschafter Wcomte Mushakoji und überreichte ihm als Te­ichen! des Deutschen Reiches an den Kaiser von eapan , ein bisher im deutschen Museumsbefitz be- sindliches Bild des in der japanischen Geschichte berühmten Kaisers Saga. Das Bild, das aus dem 14. Jahrhundert stammt, hat außer seinem künstlerischen Wert eine besondere historische und kultische Bedeutung für Japan; es befand sich jrüher in einem Tempel der alten Kaiserstadt Kyoto und ist vor etwa 30 Jahren im Kunsthandel durch Kauf von der Preußischen Museumsverwal- kung erworben worden. Der japanische Bot­schafter, der sich demnächst auf Urlaub in seine Heimat begibt, wird das Bild dem Kaiser von Eapan überreichen.

Der Besuch der polnischen Zerstörer in Kiel. Auch einer Kranzniederlegung am Ehrenmal in Laboe wurden die Abordnungen der im Kieler Hasen eingetroffenen polnischen Zerstörer "Wicher" undVurza" am Donnerstag in Gegen­wart von Vertretern der Partei und ihrer Glie- derungen sowie Vertretern der Kriegsmarine im leinen Saal des Rathauses vom Oberbürgermei­ster der Stadt Kiel, Kreisleiter Behrens, einp­lanen.

Der Oberste SA.-Führer, Adolf Hitler, hat am 22. Juni folgenden Befehl an die SA. gegeben: Zur Prüfung des allgemeinen Aus­bildungsstandes der SA. und zur Förderung ihres opferfreudigen, freiwilligen Dienstes für die Bewegung und unser Volk ordne ich für den Sommer 1935 einen Reichswettkampf der SA.-Stürms an. Für den siegenden Sturm jeder Gruppe stifte ich einen Ehren­preis. Die Ansführungsbestimmungen erlägt der Stabschef.

Der Oberste SA.-Führer: gez. Adolf Hitler.

In der gesamten SA «-erde dieser Befehl mit Jubel aufgenommen, denn er beweist, wie sehr dem Führer die SA am Herzen liegt. Mit gro­ßem Eifer wird sich die SA. »er Prüfung ihres allgemeinen Ausbildungsstandes unterziehen und den erneuten Beweis ihres opferfreudigen, - freiwilligen Dienstes für die Bewegung und für das Volk vor Volk und Führer erbringen.

Der Reichswettkampf ist ein Maßstab für das Können und für die Einsatzbereitschaft der SA. Jeder Sturm wird den Ehrgeiz haben, Sieger in seiner Gruppe zu sein. Und wenn es auch nicht

allen Stürmen vergönnt sein wird, sich einen der Preise zu erringen, so wird er doch in der Erken­nung seiner Mangel seinen Willen stählen. Jeder wird sein Bestes hergeben.

Die bei den Einheiten festgestellte Haltung und die vorgefundenen Kenntnisse werden be­wertet. Es würde ein unrichtiges Bild der wirk­lichen weltanschaulichen Gesinnung der Einheit geben, wollte man die Bewertung allein nach den Kenntnissen, die erlernt werden können, beurtei­len. Deshalb tritt bei der weltanschaulichen Prü­fung die Beurteilung der Eesamthal- tung hinzu. Diese Beurteilung soll die innere und die äußere Haltung der Einheit als Zeug« der Fleisch und Blut gewordenen Weltanschauung erfassen.

Die zweite Truppe der Leistuiigsprüfung ist dem ersten Teil der SA.-Sportabzeichen-Prüfung ent­nommen. Das sind: 100-Meter-Lauf, Weitsprung, Kugel- oder Steinstoßen, Keulen-Weitwurs und 3000-Meter-Lauf.

Die dritte Leistnngsprüfung besteht aus einem Querfeldeinlauf über 1000 in. Dabei sind Hindernisse zu überwinden wie: Weitsprung über einen drei Meter breiten Graben oder Bach, Ueberklettern einer Sperre aus zusammengescho­benen Wagen. Ueberspringen eines Holzgatters

von einem Meter Höhe, Ueber-schreiten eines schmalen Balkens von drei Meter Länge und in Höhe von 1,ö0 Meter. Dies« Hindernisse können von jedem Sturm ohne jede Schwierigkeit und ohne Kosten in aller Kürze hergestellt werden.

Die vierte Leiftungsprüsung ist ein 10-Kilo­meter-Marsch mit Gepäck. Wenn die Lei­stung aus zeitlichen Gründen nur für 10 Kilo- meter verlangt wird, so wird den Stürmen tzN Kampf durch eingelegte Hindernisse lebe«K»Zrr gemacht. Das erste Hindernis ist das Wechseln des Unterhemdes und der Strümpfe. Hierbei kommt es auf die Geschwindigkeit an. Das zweite Hindernis ist die Ueberwindung eines mangel­haften Steges von etwa fünf Meter Länge.

Die fünfte Leistungsprüfung ist eine Propa­gandafahrt, Dieser Einsatz soll die SA. an den Kampf früherer Zeiten erinnern und ihre Findigkeit, jeden Widerstand zu brechen, hin­fällig zum Ausdruck bringen. Die sechste Leistungs- priifung umfaßt zwei Einsatzübungen, die im Gelände SA.mäßige Aufgaben zu lösen haben. Die siebente Leistungsprüfung besteht aus den Uebungen 7 und 8 des Kleinkaliberschießens aus den Bedingungen zum Erwerb des SA.-Sport- abzeichens. Die Sonderheiten, wie Marine-, Nachrichten-, Pionier- und Reiterstürme haben ihrer Sondertätigkeit entsprechende Aufgaben er­halten.

Der Arbeitsdienst

Von

Helmut Sündermann

Der Arbeitsdienst ist zu einer jener fest- umrissenen Tatsachen geworden, die die be- onderen Kennzeichen des nationalsozialisti- chen Staates darstellen. Er ist sowohl in einer Aufgabe wie auch in seiner organi- atorischen Zusammenfassung eine Neu-

chöpfung des Nationalsozialismus.

Wenn Adolf Hitler und seine Bewegung den Staatsapparat entsprechend seiner früheren Tradition wieder geordnet, die Armee wieder an den Platz gestellt haben, der ihr ihrer Aufgabe nach gebührt, so wurde damit ein bestehender unorgani­scher Zustand beseitigt und der organische wiederhergestellt. Hätte sich der Nationalsozialismus mit diesen freilich an­gesichts der furchtbaren Lage, in die Deutsch­land geraten war, historischen und in ihrer Größe beispiellosen Leistungen begnügt, dann hätte er, der die Kraft und Stärke des einsti­gen Reiches wiederherstellte, doch auch wie­der die Möglichkeit offengelassen, die jenes Reich zugrunde gehen ließen.

Wer den nationalsozialistischen Staat in seiner wirklichen Stärke kennenlernen will, der muß deshalb zu den Stellen gehen, wo der Nationalsozialismus nicht nur den guten Begriffen wieder ihren alten Sinn gegeben, sondern auch völlig neue Be­griffe aus seinem Denken und aus seiner Auffassung heraus geschaffen hat.

Die nationalsozialistische Staatsidee selbst ist durch einen solchen neuen Begriff gekennzeichnet, durch den Begriff derpoli - tischen Führung. Dieser Begriff, der in der Partei seine tragende Organisations­form gefunden hat, hat eine Reihe von neuen umfassenden Begriffen geboren. Mit Weitsicht und Zähigkeit ist die Partei nach der Machtübernahme darangegangen, Neu­land politischer Führungsaufgaben zu be­ackern und zu bestellen. Eine der schönsten und wertvollsten Früchte, die das deutsche Volk heute schon aus dieser nationalsozia­listischen Pionierarbeit ernten kann, ist die EinrichtungdesArbeitsdienstes.

Zwei falschen Auffassungen hatte Partei­genosse Hier! zu begegnen, als er das Werk des nationalsozialistischen Arbeitsdienstes in die Tat umzusetzen begann, nachdem er wäh­rend langer Jahre der Opposition in Mün­chen in der Reichsleitung der Partei den Gedanken des nationalsozialistischen Arbeits­dienstes in feste Pläne formte. Die eit« Ab­fassung aus der Zeit stammend, sn der arbeitsdienstähnliche Versuche noch in den Systemzeit unternommen wurden ging

Wer war

Der deutsche Ärst, -er Dänemark

den interessantesten Persönlichkeiten der Ekgeschichte gehört zweifellos der 1737 geborene deutsche Arzt Johann Friedrich Struensee, der es bis zum Beherrscher Dänemarks brachte. Eine eigene Literatur hat sich um diesen selt­samen Mann gebildet. Goethe und Hebbel haben ihm Stellung genommen. Und heute geht »stuensees Bild, vonder Parteien Gunst und Hnß verwirrt", über die Leinewand der Kino­paläste.

Wer war Struensee? Er begann seine Lauf- als Stadtphysikus in Altona, das damals ^ Dänemark gehörte. Schon in jener Zeit Impfte er mit Erbitterung gegen jegliche Rück- I-ndigkeit. Dabei verschonte er den eigenen »tand nicht, und als Struensee nun auch gegen den sogenannten Lakaismus zu Felde zog, der damals in Dänemark regierte, machte er sm, niete Feinde, unter denen sich auch der beruch- -jzte Hauptpastor Eoetze befand, der Feind "ilings und Goethes, ein Mann, der wegen ser- "sa finsteren Zelotentums als der Zionswachter Eig unverdientermaßen in die deutsche Litera- wr eingegangen ist. Allgemeinem Mißtrauen be- Segnete z. B. Struensees Vorschlag, eine Hebam- "wnschule und Eebäranstalt ins Leben zu rufen, und dann verlangte er gar von der Regierung, daß uneheliche Mütter, falls sie sich dort ent­luden ließen, straflos bleiben sollten. Das war nämlich der damalige Rechtszustand: Eine un-

Miche Geburt galt als Verbrechen, das Sühne deiichte. Und Struensee wagte hiergegen zu kampsens

D"r Stadtpbpsikus von Altona verdankte es dann seinen Verbindungen mit dem Adel, datz

Atruenfee?

beherrschte / Von Dr. Larl Brandes

der König von Dänemark ihn zu seinem Reise­arzt, darauf auch zu seinem Leibarzt ernannte. Von der Krankheit Christians VII. hat uns Struensee eine so eindeutige Darstellung nachge­lassen, datz man darin auch heute noch ohne Schwierigkeiten das Leiden dieses Herrschers er­kennt: die Dementia precox, das Jugendirresein in den ersten Stufen.

Die Ernennung zum Wirklichen Etatsrat machte den Arzt hoffähig. Und mit aller Offen­heit und Tatkraft griff Struensee nunmehr auch in das politische Geschehen des Landes ein. Als Arzt kam er auch der jungen Königin Karoline Mathilde näher. Der König selbst brachte Struensee zu der Fürstin. Und aus dem Vertrau­ten des Königs wurde auch der Vertraute der Königin. Der Gatte, den die frühen Ausschwei­fungen längst zerrüttet hatten, tat nicht das ge­ringste, das Liebesband zu zerstören, das sich zwischen dem deutschen Arzte und der dänischen Königin anknüpfte. Er schien diese sträfliche Neigung gar zu begünstigen.

Und nun zeigte sich Struensee als tatkräftiger Reformator. Dank der königlichen Unterstützung konnte er die Lakaien und Höflinge verjagen. Er führte eine sparsame Verwaltung nach preußi­schem Muster ein, wie er denn ein Verehrer des großen Friedrich war. Er schränkte die Bauern­fronden ein. Aber alle diese Maßnahmen, die überdies in ihrer Freigeisterci bisweilen reich­lich weit gingen, überstürzten sich dermaßen, daß sich selbst die anfangs davon begeisterten Bürger und e-V '-e Freunde des mächtigen Mannes von dem D »Ischen zurückzogen. Es half Struensee nichts, datz er sich nach außen hin ganz als das

Werkzeug des Königs hinstellte. Man wußte, daß er in Wahrheit ein Diktator war, zudem ein Fremdling, ein Deutscher. Man sprengte das Ge­rücht aus, Struensee habe die Absicht, den König zu beseitigen, die Königin zu heiraten und sich dann der Krone zu bemächtigen. Die uneinge­schränkte Pressefreiheit, die der Deutsche einge­führt hatte, wandte sich gegen ihn selbst.

Mit einem Matrosenaufstand begann es auch bier. Diesmal gelakz es dem Diktator noch, die Mißvergnügten zu i ssiinftigen. Er steckte jedem der Meuterer dM uler in die Tasche. Dann rebellierte auch dk- Leibwache. Denn Struensee hatte sie aufgelöst und ihr befohlen, sich in die Reihen der regulären Truppen einzugliedern. Der Minister Stvuensee sah sich von allen Freun­den verlassen. Nur die Königin blieb ihm treu.

Im Januar 1772 griffen die miteinander ver­schworenen Reaktionäre zu. Sie rissen den König aus dem Schlafe und zwangen ihm die erforder­lichen Vollmachten ab. Dann wurden Struensee und die Königin in Ketten gelegt. Durch die Folter erpreßte man dem Deutschen das Ge­ständnis des verbrecherischen Umgangs mit Ka­roline Mathilde. Die Königin wurde zu einer Erklärung gleichen Inhalts gezwungen. Doch be­gnügte man sich damit, sie zu einer Ehetrennung zu verurteilen, weil der englische Gesandte mit dem Erscheinen der britischen Flotte drohte, falls der Fürstin Gewalt geschähe. Die Königin kehrte in ihre Heimat, nach Deutschland, zurück und lebte von nun an in Celle, dessen Herzöge be­kanntlich den englischen Thron bestiegen hatten. Struensee aber wurde aller Würden verlustig er­klärt und öffentlich enthauptet, nachdem ihm zu­vor die rechte Hand abgehauen worden war. In diesem Justizmord erblickte man damals nicht nur einen Triumph über die Aufklärung, son­dern auch einen Sieg des Dänentums über einen Deutschen, der sich allzu großer Dinge vermessen hatte.

Georg von der Dring

Z>onne auf

Ich träume immer vom Wasser. Für mein Leben gern möchte ich heute, morgen, so bald mie mög­lich mit einem weißen Raddampfer auf einem unserer Ströme dahinfahren. Komm und fahr mit!

Ein Sommertag wie heute soll es sein! Auf dem heißen Deck sitzen wir, den dicken Schornstein neben uns, den Geruch der Maschine in der Nase und den Wind, der übers Wasser kommt, am Ohr.

Aber nein, das ist kein Wind! Er hebt unsere Fahne und wellt die Fläche des Stromes, gewiß. Aber daß sie uns Feuersunken in die Augen wirft, daran tragen wir selbst schuld; denn unser schmaler Raddampfer zerwühlt sie mit seinen Schaufel­rädern wir sind es selbst; wir bringen diesen breiten, vor seinen Ufern dahinströmenden Spiegel zum Splittern.

Mein herrliches Wasser! Schau, das ist das Wasser, von dem ich träume! 2n ihm flutet das Blau des Himmels, quirlt das Weiß einer hin- segelnden Wolke und prasselt und züngelt der tausendfältige Widerschein der Sommersonne. Und nun wir an einer sandigen Uferstelle hin­gleiten, gibt es in all dem Eeglitzer etwas Dunkles, etwas Buntes. Das sind Menschen, hier ein Kopf, dort ein zweiter, dritter. Sie schwim­men heran, winken, lassen s^h von unseren Wellen- reihen tragen und beziehen und bleiben dann zurück.

Schau dort! Wieder ein sandiger Streifen im Schilf! Sie haben uns gesehen und rennen heran, braune Gestalten; ihre hellen Haare glänzen. Die Wellen, die wir auswerfen, haben es ihnen an­getan. Jetzt sind sie im Wasser, es spritzt, und ihr fröhliches Geschrei ist bis hierher zu hören. Und drüben haben sie einen Balken ins Wasser ge­worfen; er treibt in der Strömung. Sie halten

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dem Master

sich daran fest, sie hocken darauf. Dann ein Signal: Loslassen! Es schäumt! Leer der Balken! Sie tauchen. Sie erscheinen wieder. Sie wollen den Balken, der ihnen forttreibt, erreichen und sputen sich.

Vergessen wir nie das Wasser! Merkst du aber, daß auch die Sonne es auf uns abgesehen hat? Schon brennt uns ihr Widerschein ins Gesicht, all der Glanz ermüdet die Augen, so daß du sie ab­wendest von dem sprühenden Spiel an den Ufern meiner Heimat, dem Blau da oben entgegen, den weißen Möven zu, diesen prächtigen Schwebern, und wieder von mir weißt: Hier bin ich ge­boren, hier habe ich zuerst das Wasser gesehen, und ich werde weit herumkommen in der Welt; aber nirgends wird das Wasser so blendend sein wie hier und nirgends so kühl und nirgends der Sommer so heiß und so lang und . . so ver­

schollen.

Heute sind wir lustig. Darauf gib mir die Hand. Heute sind wir in einem schönen Traum auf dem weißen Dampfer den Strom hinuntergefahren, der in das große Meer mündet.

Ältgermamsches Dorf entdeckt

Eine wichtige vorgeschichtliche Entdeckung wurde in der Nähe von Perleberg in der Westpriegnitz gemacht. Hier konnten die Reste eines altger­manischen Dorfes ausgegraben werden, das aus der jüngeren Bronzezeit, etwa um 800 v. Chr., stammt. Die Ansiedlung zeigt die für den nordi- ichen Kulturkreis kennzeichnende Farm des Hau­fendorfes und besitzt einen freien Platz, um den sich die Häuser etwa hufeisenförmig gruppieren. Die Häuser selbst sind rechteckig, z.T. mit Vorhallen.