Ausgabe 
(27.6.1935) Nr. 175
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

T

T

a-

n'

^

' V !-»

, L.

> 2.

»> -,

>. 3 -

!.Z-

lZ-

lv

c

Sl

o

-s-

a,

> 2 - a. o

w

2>

öremer

Üas amUiche Organ -es Se nats

LHWiWZ-LZLUW'S

NZ.-E-uverlag Weser-Ems G. m. b. H.. BremenAmEetten^"^^''^^ Erstattung oder Ersatz.

8:

ZttlMg

Ser Sreien LMsestM vremen

9

M. 17Z / 3. Jahrgang

Anzeigen-Grundpreije: Die M-mm.ZeNe im Anzeigenteil >2 Rps. die M-mw-Aei!« tm Teilte» tb Rps.

Ermäßigte Vinlndpreije ^sir kleine Anzeigen Familiennnzeigen u a.) sowie sonfNge Bedingungen «mr Preisliste «. (Nachlnßstnstel 0.» Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewähr Annahmeschlutz Iv v-yr. Sprechzeit: Verlag werktäglich von 1213 Uhr: Schriftleitung Dienstag bis Freitag von 12'/»13*/r Uhr.

Donnerstag, 27. Luni

Emzeiprers 15 Rpf.

ArbeitsdienstpMI endgiillig beschloffm

Neichskabinett verabschiedet wichtige Gesetze / Ehrung des Generalseldmarschalls v. Mackensen

linsen 7csgssspisgsl

Das Neichskabinett hat neben anderen wich­tigen Gesetzen gestern das Gesetz über die Reichsarbeitsdienstpflicht verabschiedet.

Im Rahmen einer großen Lübecker Kund­gebung verkündete Reichsleiter Alfred Ro­senberg die nordische Wiedergeburt.

. Der englische Minister Eden hat nach Ab- . schlug seiner Besprechungen mit Mussolini Rom wieder verlassen.

Laual nimmt in einer Antwortnote an Deutschland zur Frage der Auswirkung des Paktes ParisMoskau auf den Locarno- Vertrag Stellung.

Für die Ablieferung von Brotgetreide der neuen Ernte wurden neue Bestimmungen getroffen.

, SchnelldampferPotsdam" des Norddeut­schen Lloqd macht heute seine Abnahmeprobe- l°hrt.

Handel und Gewerbe müssen ab 1. Oktober ! Einkaufsbiicher führen.

Der Reichslüftschutzbund rüstet zur Auf- klärungswoche für die Frau; in Vremen wurde eine Luftschutzausstellung eröffnet.

Am Sonnabend stattet Generalfeldmarschall von Mackensen unserer Hansestadt einen Staatsbesuch ab.

Nach Freispruch Todesurteil

Wien,-27. Juni.

Der Oberste Gerichtshof in Wien hat soeben ein aufsehenerregendes Urteil gefällt. Bor einem Schwurgericht hatten sich vor einigen Monaten vier Personen wegen verbotenen Sprengstoff- besitzes zu verantworten. Es waren damals ein Angeklagter zum Tode verurteilt und drei wei­tere Angeklagte freigesprochen worden, da der Eerichtshof ihre Schuld als nichterwiesen annahm. Für den zum Tode verurteilten An- Magten hatte der Verteidiger, für die freige­sprochenen Angeklagten der Staatsanwalt beim Obersten Eerichtshof Berufung eingelegt. Der Oberste Eerichtshof bestätigte nun das Todes­urteil und hob die drei Freispräche auf. Gleich­zeitig sprach er für die drei damals freigesproche­nen Angeklagten die Todesstrafe aus.

Während der Urteilsverkündung erlitt die Frau eines der Verurteilten, eine Mutter von fünf Kindern, einen Schreikrampf; sie mußte aus dem ?aal getragen werden.

Neuer Schlag Litauens gegen das Memelland.

Durch Beschluß des Kownoer Appellationshofcs ist das Vermögen der memelländischen Kredit­gesellschaftenAgraria" undKreditverband" be- ihlagnahmt worden. Die beiden Kreditinstitute verargten bisher die memelländische Landwirt- ichaft mit Krediten.

Berlin, 27. Juni.

Amtlich wird mitgeteilt: In der heutigen Kabinettssitzung, der letzten vor einer länge­ren Sommerpause, wurde das Gesetz über den Reichsarbeitsdienst verabschiedet, wonach alle jungen Deutschen verpflichtet sind, im Reichsarbeitsdienst zu dienen. Zunächst wird die Arbeitsdienstpflicht der männliche« Ju­gend eingeführt, während die Arbeitsdienst- pflicht der weiblichen Jugend einer besonde­ren gesetzlichen Regelung vorbehalten bleibt.

Angenommen wurde ferner ein Gesetz zur Aenderung des Strafgesetzbuches, das in erster Linie besonders durch die Gesetz­gebung auf anderen Gebieten notwendig gewor­den war, durch das aber auch die Umstellung des Strafrechtes auf den Geist des neuen Staates unter Vorwegnähme einiger Gedanken der künfti­gen Gesamtreform weiter vorwärts getrieben wird. Insbesondere enthält diese Novelle eine wesentliche Verschärfung der Strafbestimmungen für die Unzucht zwischen Männern. Das Gesetz zur Aenderung von Vorschriften des Strafverfah­rens und des Eerichtsverfassungsgesetzes bringt die technische Sicherung der Vorschriften der. ersten Gesetze.

Angenommen wurde ein Luftschutzgesetz, durch das die Stellung des Staates im Luftschutz und die Pflichten der Bevölkerung im Luftschutz geregelt werden, ferner ein Gesetz über das Be­schlußverfahren in - Rechtsangelegenhch.ten der Evangelischen Kirche, durch das der Reichsminister des Innern in-das Verfahren in Zweifelsfällen eingeschaltet wird. eine Aenderung des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses, durch das eine Beschleunigung des Verfahrens herbeigeführt und bestehende Unklarheiten beseitigt werden, ein Gesetz zur Vereinheitlichung der Fideikommisauf- lösung und eine Aenderung des Besoldungsge­setzes, durch das die bereits im Reichshaushalts­plan 1923 enthaltenen neuen Aemter und Amts­bezeichnungen in die Reichsbesoldungsordnung aufgenommen werden, um die ordnungsmäßige Besetzung der neuen Planstellen zu ermöglichen.

Verabschiedet wurde weiterhin ein Gesetz über die lleberführung von Angehörigen der Lan­despolizei in die Wehrmacht und ein Gesetz über die Entziehung des Rechtes zum Füh­ren einer Dienstbezeichnung der Wehrmacht, durch das all denen diese Berechtigung entzogen wird. die durch ihr Verhalten sich des Führens der früheren Dienstbekleidung als unwürdig er­wiesen haben.

Durch das Gesetz über den Güterfernver­kehr mit Kraftwagen soll die Befriedung des Wettbewerbs zwischen den Eisenbahnen und den Unternehmern des Güterfernverkehrs erreicht werden. Das Gesetz zur Ergänzung der Klein­garten- und K l einpachtland-O rd- nung dient der Beseitigung der in vielen

Wohnlaubengebieten bestehenden Rechtsunsicher­heit und der Gegensätze zwischen Verpächtern und Laubenbesitzern.

Angenomemn wurde schließlich ein Reichs­naturschutzgesetz, das den Schutz und die Pflege der heimatlichen Natur in all ihrenErschei- nungen zum Gegenstand hat, sowie ein Gesetz über die Abgabenbefreiung einer Dotation an den Generalfeldmarschall August von Mackensen.

Nach dem Willen des Führers und Reichskanz­lers soll dem Dank des deutschen Volkes an den ruhmvollen Heerführer unvergänglicher Ausdruck verliehen werden. Das preußische Staatsmini­sterium hat daher beschlossen, die preußische Do­mäne Brüsfow, Kreis Prenzlau, dem Führer und Reichskanzler für eine Uebereignung an den Eeneralfeldmarschall von Mackensen als Dota­tion zur Verfügung zu stellen.

Mit dem Gesetz über die Arbeitsdienstpflicht wird eine der wichtigsten Forderungen im Pro­

gramm der nationalsozialistischen Partei erfüllt. Nach jahrelanger Vorbereitung im Rahmen des Freiwilligen Arbeitsdienstes, der schließlich fast bis zur Arbeitsdienstpflicht ausgebildet war, hat die Reichsregierung jetzt nach dem Willen des Führers und Reichskanzlers die Arbeitsdienst­pflicht endgültig in Deutschland eingeführt. Das Gesetz spricht eindeutig aus, daß im Sinne des nationalsozialistischen Staates die Arbeitsdienst­pflicht die Aufgabe hat, alle jungen Deutschen zur Volksgemeinschaft zu erziehen, aber auch zu be­sonderer Würdigung der Landarbeit.

Der Reichsarbeitsdienst untersteht dem Reichs­minister des Innern. Der Reichsarbeitsführer, der jetzt einen Staatstitel mit dieser Bezeichnung er­halten hat, übt die Befehlsgewalt aus. Das Amt ves Reichskommissars für den Freiwilligen Arbeitsdienst bleibt nur noch für die vorläufig freiwillige Frauenabteilung bestehen. Die Organi­sation ist die gleiche geblieben wie bisher.

(Fortsetzung auf Seite 2)

Kulturarbeit für ganz Europa

Alfred Nvsenberg verkündet die nordische Wiedergeburt

Lübeck, 27. Juni

Die Reichstagung der Nordischen Gesellschaft, zu der sich zahlreiche Vertreter des Reiches, ver Reichsleitung-der Partei und des geistigen Lebens Deutschlands mit maßgebenden Männern des nordischen -Kulturlebens -in Lübeck versammelt haben, erreichte am Mittwoch ihren großartigen Höhepunkt

Der alte ehrwürdige Marktplatz der Hansestadt war der Schauplatz einer großen nordischen Kunst- übung, aus der Reichsleiter Alfred Rosen- berg in begeisternder Rede die nordische Wieder­geburt verkündete.

Er sprach einleitend die Hoffnung aus, daß das schon vielfach im Auslande erkennbare Verstehen für Deutschland immer tiefer werden möge. Unser Handeln muß von den Notwendigkeiten unserer Zeit aus bestimmt werden. Manche Theorie der Vergangenheit, die uns die schöpfe­rische Kraft zu nehmen drohte, sinkt heute in ein Nichts zusammen. Wir wissen heute, daß das Licht nicht aus dem Osten kommt, daß die Völker Europas nicht aus Asien eingewandert sind, son­dern daß die Wiege der europäischen Kulturen Und der Kulturen Indiens, Irans, Griechenlands und Roms im Norden stand. Die Erkrankung, die auch Deutschland erfaßt hatte, hat in einem großen Teil der Welt furchtbare Ernte gehalten. Der bolschewistische Osten droht mit seiner Verneinung gerade die besten Urkräfte der euro­päischen Völker zu vernichten, aus denen heraus die Kultur der Völker Europas entstanden ist.

Wir sind der tiefen Ueberzeugung, daß die nationalsozialistische Bewegung die für Deutsch-.

land angemessene Form ist, um hier die ganz Europa bedrohende Gefahr für immer zu bändi­gen. Wir Hoffen, daß das Ringen um eine neue Grundlage des Lebens, das innerhalb aller Völ­kergemeinschaften heute ausgekämpft wird, mit dem Siege der Volkskräfte beendet werden wird. Von innen heraus muß die Ueberwindung der kommunistischen Gedankenwelt vor sich gehen durch die Förderung der auskeimenden gesunden Kräfte."

Alfred Rosenberg begrüßte sodann aufs stärkste den Abschluß des deutsch - englischen Flot­ten- Abkomme«! s. Ueber den nordischen Ost­seeraum hinweg, so erklärte er, wissen wir uns eins auch mit England, der großen Macht in der Nordsee, die seit Jahrhunderten in einem unbe­kümmerten Wikingertum ein weltumfassendes Im­perium schuf, dessen Aufgabe es ist, den Schutz des weißen Menschen zu bilden dort, wo die Lebensnotwendigkeiten Europas es erfordern. Das deutsch-englische Flottenabkommen ist ein Beispiel einer wirklich aufbauenden Weltpolitik und bedeutet einen Grundstein europäischer Frie­denspolitik. Zum Schluß wies Alfred Rosenberg auf die hohe Bedeutung der Kunst als völkerver­bindendes Element hin, in deren Zeichen auch die nordische Tagung in Lübeck stehe, und sprach die Ueberzeugung aus, daß die für den nordischen Gedanken geleistete Arbeit ihre Früchte tragen möge für die innere und dann auch äußere Wie­dergeburt aller gestaltungsstarken Völker Europas.

(Meldungen über den weiteren Verlauf der Tagung der Nordischen Gesellschaft im Innern des Blattes.)

Ribbentrops Erfolg

Was geht wieder in Frankreich vor?

k. blü. Nachdem die deutsche Flotten­delegation von London aus wieder nach Ber­lin zurückgekehrt ist, ist es an der Zeijs, die bleibenden Verdienste, die sich der Sonder­beauftragte des Führers, Botschafter von Ribbentrop, sowie seine Mitarbeiter Admiral Schuster und Herr von Kiderlen um das Zu­standekommen des deutsch-englischen Flotten- abkommens und damit um die Grundstein­legung eines wirklichen Friedens in Europa erworben haben, zu würdigen. Ist auch die restlose Beseitigung aller Möglichkeiten eines neuen deutsch-englischen Flottenwettbewerbes ausschließlich der Initiative und der weit­schauenden, wahrhaft großzügigen Außen­politik des Führers zu verdanken, so bedurfte es doch der außerordentlich guten Sachkennt­nis und des hervorragenden diplomatischen Geschicks eines mit den Grundlagen und Zielen der deutschen Flottenpolitik vertrau­ten Mannes, der die Idee des Führers kom­promißlos zur Ausführung brachte.

Herr von Ribbentrop hat sich seiner ihm von Adolf Hitler gestellten Ausgabe mit einer Schnelligkeit und Gründlichkeit entledigt, die nicht zuletzt die Flottensachverständigen der Seemächte in erhebliches Erstaunen ver­setzte. Es kam hierbei dem Führer der deul- schen-Flottenabordnung zweifellos die be­sondere Kenntnis der englischen Psyche so­wie die Fähigkeit zugute, z w e iseitigen historischen Notwendigkeiten Rechnung zu tragen. Wer die Auswirkungen der deutsch- englischen Flottenrivalität der Vorkriegszeit auf die öffentliche Meinung Englands kennt, wird das Verhandlungsergebnis v. Ribben- trops als einen doppelten Erfolg anerkennen.

Es hat denn auch nicht an Worten offener Anerkennung für den rücksichtslosen Ver­ständigungswillen v. Ribbentrops gerade auf

englischer Seite ge

ehlt. Die Gradlinigkeit

seiner Politik hat edenfalls in London ihre Wirkung nicht verfehlt. Umso mehr ist es trotz aller trüben Erfahrungen, die wir von Paris her gewöhnt sind, zu verwundern, daß eine gewisse französische Presse den Bot­schafter v. Ribbentrop scharf angreift und die Ehrlichkeit seiner Politik in Zweifel zieht. Man mutz schon sagen, daß hier wieder ein­mal versucht wird, die Dinge auf den Kopf zu stellen. Es gehört ein sehr großes Maß von Demagogie zu der Behauptung, Deutsch­land wolle Europa durcheinander bringen und die Erklärungen v. Ribbentrops im Rah­men des Havas-Interviews entsprächen nicht den wirklichen Absichten der deutschen Re­gierung. Wenn sich die französischen Kritiker die Mühe machen würden, frühere Aeuße­rungen des deutschen Delegationssührers mit

Hans Schwarz van Berk

Der politische Witz

In der Hanseatischen Verlagsanstalt erscheint weben eins aktuelle Schrift von Hans Schwarz van Bert, dem Hauptschristleitcr des ,An- ' griff" ,Die Stunde diktiert, kleine Tprechitunde >ur Unpolitische" (Preis kart. RM. 2,68). Der Verfasser gibt hier Antworten auf viele fragen der Gegenwart. Sein Freimut und seine offene Haltung sollen insbesondere den Abseitchtehen- dcn für den nationalsozialistischen staut ge­winnen.

Er steht faul mit einer Kompanie, die nicht ^hr fingen will. Es ist nicht viel los mit einer Kameradschaft, die sich nicht ständig durch Witz Spott belebt.und die kleinen Schwächen und ^ großen Sünden der Kameraden durch hin- ^ hergehende Ironie, durch herzhaftes !°n>giert. Auch der Vorgesetzte muß diesem Witz »aushalten können. Die Soldaten singen:Der öauptmann kommt geritten auf einem Ziegenbock, ^ meinten die Rekruten, es wär der liebe Gott! dncdtich der Große lebte schon zu seiner Zeit in Änderten von Anekdoten, und es tat seiner ^urse nicht den geringsten Abbruch, wenn er als Heiratsvermittler herhalten mutzte oder wenn ihm erzählt wurde, er habe dem Sohn des °'seu Zielen die Leiter gehalten, als er m das chmnier einer knusperigen Bäckerstochter hinaus- ^eiterte.

-iese Art von Witzen um hochgestellte Person?" ^»stht von jeher besonders in Berlin und ist ei jener preußischen Freiheit, die trotz Er ^rtraulichkeit den Respekt nicht verliert. Das sucht in solchen Geschichten vertrauten Um- S°ng mit Menschen, die sonst wenig erreichbar sind. ^ b°ht sie menschlich, populär. Es sieht sie nahe, das ist haz Entscheidende.

. Auch im Dritten Reich gibt es eine ungeichne- Literatur von politischen Witzen, die am

besten gedeiht, wenn sie von Mund zu Mund geht. Damit wird sie Volksgut. Man hat uns vorge­worfen, wir besäßen kein führendes Witzblatt im Stile desSimplicissimus" der Vorkriegszeit. Wir meinen, daß so etwas gar kein Ziel und keine Verlockung für uns sein kann, denn unser politi­scher Humor ist von anderer Art als jener, der geistreiche Pointen sucht und mit der Frivolität verkuppelt ist.

Der bürgerliche und der jüdische Witz bewegen sich im Dunstkreis des Privaten, des Familiären, der Ehe und des Ehebruches. DerUlk" vom Hause Masse konnte ohne Bar, Börse und Vou- doir nicht die blässesten Keime treiben. Es war etwas für eine verlebte, blasierte Clique. Der po­litische Humor im Dritten Reich ist aber etwas köstliches und gesundes: er reicht von der SA.- Kneipe bis in die Ministerien, er wird weiter­gegeben von oben nach uirten und von unten nach oben. Er ist Kritik am Menschen, ohne die Sache zu verletzen. Er ist ein gesundes Ventil und eines der wesentlichen Merkmale dafür, daß die natio­nalsozialistische Führung auf soldatischer Kamerad- schaft beruht, die unempfindlich, großzügig und wachsam ist. Es gibt einen Witz, der töteck. An ihm sind Scheidemann, Jsidor Weiß, Moldenhauer und Doktor Briining eines sicheren Todes ge- starben. Sie waren diesem Witz nicht gewachsen, weil sie dem Volk keine innere Sicherheit ent- aegensetzen konnten. Wie oft haben wir National- sozialisten große Versammlungen auseinanderge- trieben oder beherrscht, weil wir die Lacher auf unsere Seit« brachten.

Die Deutschnationalen sind mindestens zu 70 Prozent politisch verunglückt, weil sie so komisch wirkten. Der Gesunde hat einen gut durchwachsenen

Witz, der den Gegner nie ernster nimmt, als er es verdient. Unsere Auseinandersetzung mit den Kritikastern ist z. B. eine Angelegenheit, die von unserm Humor entschieden wird man soll doch nicht glauben, wir führen Minenwerfer auf, um Leichenbittermienen zu beschießen!

Nein, wir haben uns den Humor bewahrt und wir lassen ihn in unserer Runde kreisen, daß es nur so eine Art hat. Denn wir wissen, daß der­jenige unter uns, gegen den sich heute oder morgen der Witz einmal wendet, ihn mit Lachen quittiert.

Ein ausländisches Blatt schrieb neulich, in Deutschland herrsche einvMkrampftes Stillesein und Höflichseinmüssen". Offenbar hat der Vertre­ter dieses Blattes nur in Kreisen verkehrt, die von Finsternis umhüllt" sind. Wir kennen diese Kreise, die nicht mehr tonangebend sind und denen sogar das Witzeln vergangen ist, weil ihnen die Galle ins Blut trat.

Meckerer und Kritikaster sind uns nicht unerträg­lich, weil sie anderer Meinung sind als wir, son­dern weil sie das Lachen verlernt haben. Wir sind allerdings auch nicht so unmenschlich, ein amerikanischesKeep smiling" (Lächle noch und noch) zu verlangen. Wir wissen, daß die Deutschen nicht die südliche Leichtigkeit haben und auch nicht oberflächlich genug sind, das Leben wie einen llr- laub zu vertun. Wir erfüllen unsere tägliche Aus­gabe heute nicht anders als früher, mit Freude und Enttäuschung, mit Idealismus und Realis­mus, wir starren nicht auf eine endlos sich drehende, tollgewordene Schraube des Fortschritts, wie die Bürger vor unserer Zeit, wir sind ebenso skeptisch wie enthusiastisch, aber wir haben uns eins bewahrt:

Wir können nach Feierabend noch einmal unsere Schwächen mit Gelächter quittieren, weil wir uns nicht gottbegnadet Stinken, sondern nur als Män­ner aus dem Volke betrachten, die ertragen kön­nen, wenn der Witz des Volkes Verzierungen ab- bricht, auf die es ja gar nicht ankommt. . . .

frsn; Schsuwecker

Die Technik ist kein Problem

Eine der merkwürdigsten Tatsachen ist die, daß Technik heute ein Problem ist. Das wird ver­ständlicher, wenn man den Sinnenwandel des BegriffsTechnik" berücksichtigt und sieht, daß unterTechnik" nicht nur die Konstruktion der Maschine allein begriffen wird, sondern darüber hinaus die Folgen, die sie hat: Die Wirtschaft und ihre Krisen, die Häufung der Menschen zu Massen, die Produktion mit ihren zwangs­läufigen Irrtümern, die Isolierung einzelner mit Kapitalbildung. Aber das ist nicht Technik als solche.

Technik ist die materielle Konstruktion und die materielle Funktion der Maschine. Technik ist der Inbegriff des Materialismus. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Technik ist die Sach­lichkeit als absolute Neutralität. Alles andre das angenommene Positive und das angenommene Negative liegt in der Wesensart der Menschen von heute. Das Ergebnis spricht nicht für sie. Technik ist nichts anderes als das Werkzeug.

Wenn Technik die üblen Folgen hat, welche sie heute in der Tat hervorgebracht hat, ist daran niemand anders als der Mensch, ihr Erfinder, schuld. Heute ist die Vermutung nicht fernliegend, daß ein Sessel seine eigene Form bestimmt und sich den Menschen sucht, der zu ihm paßt. ohne ihn allzu schwer zu belasten. Man müßte Ver­ständnis für diesen Sessel haben. Es wäre ein Sessel mit Verständnis für die Menschen, ein feinsinniger Sessel, ein Sessel mit Gefühl für Form und Gewicht. Vielleicht würde es die Ma­schine besser machen als ihr Erfinder. Genauer wäre sie in jedem Fall. Zweifellos wäre ein von einer Rotabionspresse hergestelltes, redigiertes, gedrucktes und verbreitetes Buch nicht schlechter

als das durchschnittliche Buch von heute, das seit der Erfindung der Zentralheizung nicht mehr im Ofen endet. Und schon ein normaler magnetischer Lautsprecher würde imstande sein, eine bessere Ansprache zu halten als etwa ein Abgeordneter des verstorbenen Parlamentarismus.

Ja, die Technik ist ein Problem für die­jenigen, welche nur für sich selbst ein Problem sein können.

Die Problematik der Technik liegt darin, daß man geneigt ist, aus ihr eine Weltanschauung zu machen. Aber das ist schon ein Versagen nicht etwa des Schöpfers vor seiner Schöpfung denn darum dreht es sich hierbei nicht son­dern des Produzenten vor seinem Produkt. Die Konstruktion der Maschine läßt sich nicht auf den Organismus des Lebens übertragen. Eine Stei­gerung der Autogeschwindigkeit »on 180 auf 220 Kilometer hat für das seelische Leben der Nation gar nichts zu sagen, sie besitzt aber für die Straßenbeschaffenheit eine sehr große Bedeu­tung. Die Straße ist nicht der Lebensweg.

Manchmal allerdings werden die Grenzen hart berührt. So zum Beispiel, wenn wir erfahren, daß bei den Manövern eines nordischen Staates den marschierenden Kompagnien keine Musik­kapelle mehr voranzieht, sondern ein Lautsprecher­auto, das Marschmusik von Erammophonplatten in der Lautstärke einer Kapelle spielt. Hier scheinen uns Dinge verwischt zu werden, die besser sauber getrennt blieben. Hier berühren sich auf gefährlicher Weise Reklame und Wirkung, denn hier wird kein praktischer Zweck mehr verfolgt, wie beim Telegraphen oder beim Autotransport, sondern hier wird Innerlichkeit mechanisiert.

Die Technik drückt nichts anderes aus als den

^ ' !

: 2:>