Ausgabe 
(23.6.1935) Nr. 171
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Nr. 171 / 3. Jahrgang

Sonntag, 23. Juni

Einzelpreis 13 Rpf.

Der Führer bei den Verletzten von Neinööors

Besuch im Paul-Gerhardt-Gtist

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Der Führer besuchte gestern die im Paul- Eerhard-Stift in Wittenberg untergebrachten 83 Schwerverletzten des Explosionsunglücks in Reinsdorf

Bei den Arbeitsämtern ging der Bestand an Arbeitsgesuchen im Mai um etwa 30« 000 zurück

In Heidelberg tagten die Landesstellenleiter des Reichspropagandaministeriums

Die Pariser Besprechungen zwischen Eden und Lava! sind vorläufig abgeschlossen worden

Japan beherrscht jetzt vollkommen das Erdöl in der Mandschurei

Gestern begannen in Bremen die Wettkämpfe des „Deutschen Jugendfestes", die heute mor­gen 8 Uhr aus allen Plätzen ihren Fortgang nehmen

Auf dem Domshof wurden gestern abend den alten Kämpfern der Hitlerjugend goldene Ehrenzeichen verliehen

„Brücke der Nationen"

Englische Ehrung für deutsche Frontkämpfer- abordnung

London, l.3. Juni.

In der Stadthalle von Hove bei Brighton fand am Freitagabend ein Empfang und Festessen für die Abordnung deutscher Kriegsteilnehmer statt. Die englische Nachrichten-Agentur Preß Asso­ciation berichtet darüber: „Deutsche und Englän­der. die sich im Weltkriege in den Schützengräben bekämpften, gelobten gestern abend, für den Weltfrieden zu streiten. Als die deutsche und die englische Nationalhymne gespielt wur­den, vermischten sich die Heil- und Hurra-Rufe, und Engländer und Deutsche gleicherweise er­hoben die Hand zum Deutschen Gruß. Als Ver­treter der deutschen Botschaft sprach Freiherr von Putlitz, der u. a. erklärte: „Wir, die wir unsere Kameraden sterben sahen, wollen keinen neuen Krieg." Der englische Abgeordnete Rawson sagte u. i.: „Durch den Austausch freundschaftlicher Besuche von Frontkämpfern können wir mehr zu der Sache des Weltfriedens beitragen als durch Hunderte von Pakten, Verträgen und Konferen­zen."

Der englische General Lloyd führte u. a. aus: »Der Prinz von Wales hat uns den Weg ge­wiesen. Wir können der Welt zeigen, was Ka­meradschaft bedeutet. Wir können eine Brücke bauen, über die die Nationen in Freundschaft und Einmütigkeit marschieren."

Abessinische Entschuldigung. Der abessinische Außenminister hat sich auf die italienische Ee- iandtschaft in Addis Abeba begeben, um die Ent­schuldigung wegen des Flaggenzwischenfalles aus- zwprechen, der dem Ersten Sekretär der italieni­schen Gesandtschaft vor wenigen Tagen zuge­stoßen ist.

Wittenberg, 23. Juni.

Der Führer besuchte Sonnabendvormittag das Paul-Gerhardt-Stift in Wittenberg, in dem die 83 Schwerverletzten des Explosionsunglücks in Reinsdorf untergebracht sind.

Wenige Minuten vor 10 Uhr traf der Führer, begleitet von Vrigadeführer Schaub, dem Adjutanten Wiedemann und dem Reichs­pressechef Dr. Dietrich, vor dem Krankenhaus ein. Im Vorraum wurde er von dem Kreisleiter Heidenreich, dem Chefarzt Dr. Bosse und seinen Assistenten empfangen. Der Chefarzt er­stattete Bericht über das Befinden jedes einzel­nen und gab dabei der Hoffnung Ausdruck, daß er nunmehr alle im Paul-Gerhardt-Stift liegen­den Verletzten durchbringen werde. Dann gelei­tete er den Führer zunächst zu den Schwerst- verletzten, die, wie auch alle anderen, in hel­len freundlichen Zimmern untergebracht sind. Auf jedem Tischchen standen frische Blumen, lagen Erfrischungen der verschiedensten Art.

Der Führer trat an das Bett jedes einzelnen, drückte ihm die Hand, fragte ihn nach seinem Be­finden und lieh sich vom Kreisleiter über die sozialen Verhältnisse sowie die bisher getroffe­nen Fiirsorgemahnahmen unterrichten. Es ist schwer, die Freude zu beschreiben, die sich auf den

Heidelberg, 23. Juni.

In der Thingstätte auf dem Heiligenberg hat­ten sich Sonnabend gegen 20 Uhr über 20 000 Menschen in dem weiten Halbrund vor den Spielterrassen dicht gedrängt versammelt. Die Weihestätte bot unter dem klaren Abendhimmel ein herrliches Bild.

Dr. Goebbels betrat zusammen mit dem Gauleiter und Reichsstatthalter Wagner das Spielrund. Dieser sprach zum Ladischen Volk nur kurze Worte. Reichsminister Dr. Goebbels führte sodann u. a. aus: Mit ganz besonderer

Freude und mit tiefem Stolz ergreife ich am heutigen Abend vor Ihnen das Wort, und ich spreche an einer Stelle, die den Ideen unserer Be­wegung entsprungen, die in ihrer heutigen Voll­endung steingewordener Nationalsozialismus ist. Mit diesem monumentalen Bau haben wir un­serem Spiel und unserer Lebensauffassung einen lebendigen, plastischen und monumentalen Aus­druck gegeben. In Hunderten von Jahren noch wenden die Menschen an diesen Steinen die Gestaltungskraft unserer Zeit ablesen können und sie werden bewundernd stillstehen vor den Men­schen, die das geschaffen haben. Denn man muh Unmögliches wagen, um Großes zu vollbringen.

Gesichtern der Verletzten über den überraschen­den Besuch ihres Führers widerspiegelte. So­weit sie dazu imstande waren, hoben sie die Hand zum Deutschen Trug. Wenn sie sich auszurichten versuchten, drückte sie der Führer unter freund­lichem Zuspruch wieder in die Kissen, fragte nach ihrem Ergehen und ihren Wünschen und dankte auch den Stationsschwestern für die aufopfernde Pflege, die sie ihren Patienten zuteil werden lassen. Mit leuchtenden Augen begleiteten Frauen und Männer ihren Führer, bis er in der Tür grühend noch einmal von ihnen Abschied nahm. So ging es von Zimmer zu Zimmer. Auch die, die bereits aus der Terrasse in den wärmenden Strahlen der Sonne sitzen konnten, wurden nicht vergessen. Nach dem Rundgang lieh sich der Füh­rer noch eingehend über die ärztlichen Maßnah­men in der Ungliicksnacht selbst unterrichten, um schließlich auch die K i n d e r a b t e i l u n g zu be­suchen und den kleinen Patienten baldige Gene­sung zu wünschen.

Nach der Besichtigung der Säuglingsstation bat der Führer den Chefarzt noch einmal sehr drin­gend, alle Mittel der ärztlichen Kunst aufzuwenden und alles zu tun, was zur Wiederherstellung der Gesundheit der todesmutigen Männer und Frauen geschehen könne, die bei dem Unglück von Reins-

Man muh sich der Kühnheit und der verwegenen Vermessenheit hingeben, um Werke zu vollenden, die Jahrhunderte überdauern. Wie mancher Schweißtropfen ist an dieser Stätte geflossen. Wie viele Hunderte junger Männer haben bei Regen und Schnee, bei Sturm und Gewitter, in brennen­dem Sonnenschein an diesen Steinen gearbeitet und dieses Monumentalzeugnis unseres Willens und unserer Kraft ausgestaltet.

Von diesen Steinen aus wird das neue kul­turelle Leben Deutschlands entspringen. Und die Kultur, die wir wollen, gehorcht keinem Kom­mando, sondern in ewigem Wachstum wird sie sich entwickeln müssen, und niemand darf glauben, sie dadurch zum Reifen zu bringen, dah er seine Lampe darunter hält. Es wird einmal der Tag kommen, wo das deutsche Volk zu diesen steiner­nen Stätten wandelt, um sich auf ihnen im kulti­schen Spiel zu seinem unvergänglichen neuen Leben zu bekennen. Es ist mir ein Herzensbedürf­nis, allen den jungen Männern zu danken, die diese Stätte als Ausdruck unseres neuen Kultur­willens geschaffen haben, Der Arbeitsdienst ist heute der Stolz unseres Volkes. Denn die Män­ner,. die ihm seine Kraft leihen, sind aus diesem Volk hervorgegangen.

darf ihr Leben und ihre Gesundheit aufs Spiel gesetzt haben und denen die ganze Nation Dank schuldet.

Bor dem in einer ruhigen Seitenstraße ge­legenen Paul-Gerhardt-Stift und in den benach­barten Straßen hatte sich während des mehr als einstllndigen Nerweilens des Führers an den Krankenbetten eine nach vielen Tausenden zäh­lende Menschenmenge eingefunden, die den Führer bei der Abfahrt begeistert begrüßte.

»

Nach den letzten Ermittlungen beträgt die Zahl der bei der Explosionskatastrophe in Reinsdorf tödlich Verunglückten bzw. der ihren Verletzungen Erlegenen 08. Wie wir weiter erfahren, sind im Paul-Gerhardt-Stift noch 83 Schwerverletzte, in der Klinischen Anstalt Halle zehn Augenverletzte, in Dessau, Herzberg sowie in einer Privatklinik in Trebitz je ein Schwerverletzter untergebracht. Die Zahl der Leichtverletzten Lelief sich auf ins­gesamt 628. Von ihnen wird ein Teil zurzeit noch ambulant behandelt, andere sind sofort von den Rettungsstellen verbunden worden, während der weitaus größte Teil bereits völlig wieder herge­stellt ist. Wie sich leider inzwischen herausgestellt hat, werden zurzeit noch 31 Werkangehörige ver­mißt, mit deren Tod gerechnet werden muß.

Wir sind nicht gekommen, um in der deutschen Politik ein Gastspiel zu absolvieren, sondern wir sind gekommen, um zu bleiben, weil wir allein die Intelligenz und die Kraft und den Mut und die Entschlossenheit besitzen, um die großen Aus­gaben zu lösen, die uns zur Zeit aufgegeben sind.

Wir wissen, daß die großen Probleme der Zu­kunft nicht allein vom Verstand und nicht allein von der Intelligenz, sondern daß sie in der Haupt­sache von Mut und vom Charakter gelöst werden müssen. So, wie wir das Reich im Innern, fußend auf der Kraft der Partei, niemals mehr einer lebenbedrohenden Gefahr aussetzen können und wollen, ebenso wollen und können wir die Nation nicht mehr der Willkür der Welt preis­geben.

Wir haben die Armee nicht aufgebaut, um nach außen hin Konflikte zu suchen, sondern um es der Welt nicht allzu leicht zu machen, Deutschland in einen Konflikt hineinzuziehen. So, wie die Be­wegung die Trägerin unseres politischen, so ist die Armee heute die Trägerin unseres soldatischen Lebens. Auf diesen beiden Säulen ruht der deutsche Staat und ruht das ewige Reich.

(Fortsetzung auf Seite 2)

K. btü. In einmütiger Geschlossenheit, ge­tragen von dem Willen zu höchster Gemein­schaftsleistung. hat sich in diesen Tagen die deutsche Jugend zur feierlichen Gestaltung ihres Festes zusammengefunden. Noch unter dem Eindruck der in allen deutschen Gauen durchgeführten Sonnenwendfeiern stehend, wird die Hitler-Jugend heute in unzähligen Mannschaftskämpfen wieder den hohen Grad ihrer körperlichen Ertüchtigung unter Beweis stellen. Auch unter dem libe- ralistisch-marxistischen Regime wurden von Zeit zu Zeit sportliche Iugend-Wettkämpse veranstaltet, — aber wie tief ist der Ab­grund, der den Geist jenes Wettstreites von dem der heutigen Leistungsschau trennt! Damals genügte die Beherrschung einer ge­wissen Turntechnik, um irregeleitete Streber aus einzelnen Sportgebieten einem rein persönlichem Ehrgeiz in die Arme zu trei­ben; heute muß es der Deutsche vom 10. bis zum 18. Lebensjahr in allen Sportarten zu einem achtenswerten, seiner Leistungs­fähigkeit angepaßten Können gebracht haben, und zwar nicht zur selbstgefälligen Steigerung seines Ich-Gefühls, sondern in erster Linie zur Stärkung seiner Kräfte für die Volksgemeinschaft. Das eine war individualistische Sportauffassung; die staatsbewußte nationalsozia- listische Jugend dagegen bereitet sich kör­perlich und charaktermäßig auf den kompro­mißlosen Dien st an derNation vor.

Körperlich und charaktermäßig! Denn das ist das Wesentliche der sportlichen Be- tätigung unserer Jugend: sie erfolgt inner­halb einer Gemeinschaft und dient der Ver­tiefung opferfreudiger Kameradschaft. Nicht der einzelne und sein auf sich selbst be­zogenes Können, sondern der Zusam­menhalt der Glieder einer Ge- meinschaft — und sei sie noch so klein — steht am heutigen Tage im Mittelpunkt sportlicher Wertung. Darum hat sich die großartige Organisation des deutschen Ju­gendfestes auch nur auf Gruppen- kämpfe erstreckt, also auf eine Kampf­form, bei der die Tugenden des Mutes, der Entschlossenheit, der Ausdauer und der immer wachen Hilfsbereitschaft sich noch un­mittelbarer bewähren können, als es bei einer zum Jchhaften neigenden Rekordsucht des einzelnen möglich ist.

Man schaue so einem Jungen, der seinen Körper tagelang für den Entscheidungs­kampf trainiert hat, nur einmal in die Augen! Was in ihnen glänzt, ist die stolze Gewißheit: „Ich werde mein Bestes geben, damit unsere Mannschaft gut abschneidet, damit wir siegen!" Wir — das in diesem Wort zum Ausdruck kommende Gemein­schaftsgefühl ist es, das Jungen und Mädel heute das Herz höher schlagen läßt, das die Besitzer des HI.-Leistungsabzeichens aus

Thingstätte Heiligenberg geweiht

Neichsministei' Dr. Goebbels spricht bei Heidelberg vor 20 000 badischen Volksgenossen

Der s>chusz auf den Tod

Die Nervenprobe in den Katakomben / Von Paul Seeger

Band zum Fernen Osten

Vom Bremer Segler zum Schnelldampfer

Unser Regiment wurde nach äußerst verlust- uichen Großkampftagen in der schönen französi­schen Stadt Laon einquartiert. In den zum Teil ferlassenen Häusern machten wir es uns bequem, koh, vorläufig der Hölle des Grabens entronnen ju sein. Hier, in Laon war es noch ruhig, nur !elten schoß der Franzose in die Stadt hinein und "seist war nur der Bahnhof sein Ziel. Meiner Eruppe wurde ein leeres einstöckiges Haus als Unterschlupf angewiesen.

Nach Schluß des täglichen Dienstes schlenderten wir oft durch die Stadt, die mit ihren alten hauten und der historischen Kathedrale viel ^tzenswertes bot, bis uns eines Tages feindliche siüegerbomben wieder jäh an den Krieg er­innertem Der Angriff der Flieger wiederholte Uch öfier; darum sahen wir uns genötigt, den Keller unseres Hauses zu besichtigen, um bei Stößerer Gefahr geborgen zu sein.

Wer beschreibt unser Erstaunen, als wir eines Tages von unserem Keller aus einen besonderen Ägang zu den berühmten Katakomben von Laon landen. Nun ließ uns unser Wissensdrang keine Nutze mehr und wir beschlossen, diesen unterirdi­schen Gängen einen Besuch abzustatten. Aber ,chon nach wenigen Schritten wurde es uns klar, vag nur uns sehr leicht in diesem unterirdischen Laby- unth verirren konnten. Wir unterbrachen des­halb unseren ersten Ausflug in dieses Schatten- "ich und nahmen uns vor, ihn in Kurze mi Taigen Vorbereitungen zu wiederholen.

. den nächsten Tagen verhinderte der Diensi ^ Ausführung unseres Planes. Erst an einem ^nnabeiidnachmittag konnte ich mich allein am Beine machen. Um den Ausgangspunkt lluederzufinden, hatte ich reichlich Bindfaden Mit­

genommen, den ich am Anfang meiner Wande­rung an der Wand befestigte und dann durch die Hand gleiten ließ.

Eine unheimliche Stille umfing mich, fröstelnd schlug ich den Kragen meines Waffenrockes hoch und entsicherte meine Pistole. Meine Taschen­lampe leuchtete mir voran. Zunächst war nichts weiter zu sehen. Links und rechts nur Fels­wände, dann kleine Nischen, bis ein anderer Gang meinen Weg kreuzte. Da hörte ich plötzlich ein Gekrätze und Geraschel — es waren aber nur feiste Ratten, die den Eindringling neugierig betrachteten. 2n der nächsten Ausbuchtung fand ich eine vollständige Wohnungseinrichtung, die davon Zeugnis ablegte, daß hier eine größere Familie tagelang gewohnt haben mußte. Wahr­scheinlich waren einige Bewohner von Laon bei der Ankunft der ersten Deutschen in diese Verstecke geflüchtet. Meine Neugier wuchs nun natürlich immer mehr. Nach einigen weiteren Schritten entdeckte ich eine stattliche Bibliothek, die mehrere hundert Bücher enthielt. Doch plötzlich wurde es unter dem Geräusch von tropfendem Wasser äußerst lebendig um mich her; ich war in ein Rattennest geraten und hatte Mühe, diese ekel­erregenden, ungewöhnlich großen Gesellen der Dunkelheit zu verscheuchen. Die Luft wurde immer unerträglicher, und ich faßte schon den Plan, sofort umzukehren, als ich wie gebannt in die nächste Ecke starrte. Ein kalter Schauer rann mir über den Rücken. Den Finger am gespannten Hahn meiner Waffe, schaute ich unverwandt auf das sich mir zeigende Bild. Als alter Front­kämpfer hatte ich dem Tod viele Male ins Auge geschaut. Viele, viele Kameraden bettete ich zur letzten Ruhe. Die größte Tragik menschlichen Ge­

schehens war mir nicht verborgen geblieben. Doch hier stockte mir der Atem. Denn was ich sah, war ungeheuerlich, ein Sensenmann schien auf mich- zuzukommen! Den Bruchteil einer Sekunde er­starrte ich; der Schweiß trat aus den Poren; da stand der Tod! Ich zog den Abzugsbügel der Pistole durch und der erste Schuß, dem gleich der zweite folgte, donnerte unheimlich langhallend dem Gerippe entgegen. Die Gestalt schwankte, ein feiner klirrender Ton wurde vernehmbar und ein tausendfllßiges Ungeheuer schien eiligst den Kampfplatz zu verlassen. Dann trat eine un­heimliche Stille ein.

Doch jetzt mußte ich Klarheit haben! Die nähere Untersuchung zeigte, daß ich keine Helden­tat vollbracht, sondern auf ein präpariertes Skelett geschaffen hatte. Eine Rattenfamilie mußte daran Turnübungen gemacht haben, wo­durch die wippende Bewegung der Gestalt hervor­gerufen wurde. Ich fand u. a. eine Truhe, in der eine Anzahl ärztlicher Instrumente lagen. Wahrscheinlich hatte ein französischer Arzt diese Gegenstände zur besseren Sicherung hier unter­gebracht.

Den Rückzug trat ich ziemlich beschleunigt an. Wieviele Geheimnisse mochten hier noch verborgen liegen? Leider wurde das Bataillon in den nächsten Tagen nach vorn in Marsch gesetzt, und niemals sind wir wieder nach Laon zurückgekehrt.

Deutsche Bühnentechnik im Lusland

Die Wertarbeit der deutschen Bühnentechnik wird auch im Ausland besonders geschätzt. So haben in letzter Zeit die Comedie Francaise in Paris, das Stadttheater Bern und das Stadttheater in Bologna ihre Bühnen mit neuen Beleuchtungs­anlagen aus deutschen Werkstätten versehen. Auch die vollständige Beleuchtungsanlage der Bühne im Palais de la Seine auf der Weltausstellung in Brüssel wurde von Deutschland geliefert.

Nach den ersten Schiffsexpeditionen, die von Deutschland aus nach Ostasien abgefertigt worden waren — die erste durch die Initiative des Bremers Philipp Kassel 1782, nachdem Friedrich der Große 30 Jahre zuvor eine staatliche Regie­gesellschaft, die Handelsbeziehungen mit dem Fernen Osten anknüpfen sollte, gegründet hatte, — vergingen noch Jahrzehnte, bis ein regelmäßiger Güteraustausch in Gang kam. Die napoleonische Epoche hinderte nahezu 20 Jahre lang die Ent­faltung kaufmännischer und seemännischer Tat­kraft. Trotz der kriegerischen Verheerungen und trotz der Kontinentalsperre blieb der Unterneh­mungsgeist in den Hansestädten aber rege, wie daraus hervorgeht, daß in dieser Zeit in den Nordseehäfen zahlreiche Segelschiffsreedereien ge­gründet worden sind.

Die Schiffe nach dem Fernen Osten fuhren ursprünglich in wilder Kauffahrteifahrt. Es wurde Ladung an Bord genommen, die dem Kapitän anvertraut war. Er mußte sehen, sie zu möglichst besten Preisen in irgendeinem Hafen loszuwerden. Gewiß lautete die Ordre eines Schiffes auf einen bestimmten Hafen, aber es kam oft vor, daß er nicht erreicht wurde, daß vielmehr unterwegs bereits die Ladung verkauft und ge­löscht und Rückfracht aufgenommen wurde. Der Kapitän hatte nicht nur die Führung des Schisses, er war zugleich auch Kaufmann. Diese Stellung entsprach dem lleberseegeschäft überhaupt, Kauf- mannstum und Reederei waren nicht zu trennen. Als Gehilfe des Kapitäns diente der Supercargo, der im Laufe der Zeit dem Kapitän immer mehr die kaufmännischen Pflichten abnahm. Eine andere Form des überseeischen Handels konnte es

nicht geben, solange die deutschen Häuser eigene Niederlassungen an den Plätzen und in den Län­dern, mit denen Geschäfte gemacht werden sollten, noch nicht hatten.

China und Japan waren für die Kaufleute der europäischen Nationen bis in die 10er Jahre hinein des vorigen Jahrhunderts geschlossen. Die Portugiesen hatten zwar seit langem bereits eine Niederlassung in Macao, die zeitweilig sogar florierte, aber der Handel Europas, mit China dehnte sich erst aus, nachdem die Engländer den sogenannten Opiumkrieg mit China gewonnen und die Ocffnung von fünf Häfen: Kanton, Amoy, Foochow, Ningpo und Shanghai erzwungen hatten. Wesentlich war für die deutsche Kauf­fahrtei die Aufhebung der englischen Navigations­akte 1819. Die Eroßfahrt war nun wirklich frei, die deutschen Schiffe waren zum Handelsverkehr zwischen England und seinen Kolonien zugelassen. Deutschland war auf den britischen Zwischen­handel nicht mehr angewiesen und konnte den direkten Handel von allen Ländern der Erde mit den Heimathäfen aufnehmen. 1860 wurden neun weitere chinesische Häfen geöffnet und 1861 kam zwischen China und Preußen der erste Handels­vertrag zustande. In demselben Jahre wurde auch ein Vertrag mit Japan geschlossen. Durch den Vertrag von Nagasaki von 1851 hatte auch Japan den „Fremden" Zutritt gewährt. Preußen- Deutschland betrieb noch seinen überseeischen Han­del vollkommen im Fahrwasser der Engländer. Bezeichnend dafür ist dies: als Preußen beim Herrscher des Reiches der Mitte den Antrag stellte, einen Handelsvertrag abzuschließen, erkun­digten sich die Chinesen bei den Engländern, was