Ausgabe 
(21.6.1935) Nr. 169
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Sremer

das amtliche Asm -es Senats

Zeitung

-er Freien LanfestM vremen

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Nr. 169 / 3. Jahrgang

19 3 5

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Freitag, 21 . Äum

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Spielraum des deutschen Flottenauöbaues

gnser logssspiegel

Botschafter von Ribbentrop hatte neuerdings eine längere Aussprache mit Ministerpräsi­dent Baldwin

Der französische Ministerpräsident kündigte eine erneute Verlängerung der Militärdienst­zeit an

Der britische Minister Eden hat sich zu Flot­ten- und Lustpaktoerhandlungen nach Paris begeben

Alle von Verbänden festgesetzte» einschränken­den Bestimmungen für die wirtschaftliche Werbearbeit fallen fortan weg

Die Bereinigten Werkstätten berichten von einer erfreulichen Auftragsbelebnng

Bon dem laufenden Geschäftsjahr erwartet die Norddeutsche Hütte eine weitere Er­starrung

Die Lebensmittelspende aus Amerika für die Hinterbliebenen der Opfer von Reinsdors wurde von Bremen abtransportiert

In ! :r Essener Kampfbahn trennten sich die Futzball - Auswahlmannschaften Westdeutsch­land und Nordfrankreich 1:1

Bei einer Zusammenkunft von Jungvolk- führern und Jungmädelfiihrerinnen sprachen gestern Kremleiter Pg. Blanke und Schulrat Pg. Tastens

Defsammlungöruhe und Gammelpause

Der Reichspropagandaleiter der NSDAP. gibt salzende Anordnung bekannt: Das erste

halbe Jahre 1936 ist abgeschlossen. Wieder haben in Tausenden von Versammlungen die national­sozialistischen Redner in unermüdlicher Arbeit und restloser Pflichterfüllung Abend für Abend Aufklärungsarbeit in Stadt und Land geleistet.

Das zweite halbe Jahr, insbesondere Herbst und Winter werden neue große Anfor­derungen an ihre Kräfte stellen. Um ihnen die zur Erfüllung der bevorstehenden Aufgaben notwendige Ausspannung und Zeit zur Erholung zu gewähren, ordne ich deshalb für den Monat Juli eine absolute Bersammlungsruhe an.

gez. Dr. Goebbels Reichspropagandaleiter der NSDAP.

*

Der Reichs- und preußische Minister des Innern hat wegen der stärken Belastung der Volksgenossen mit Beitragsleistnngen aller Art und im Hinblick aus die bevorstehende Jnansprnch- nahme ihrer Opferbereitschast für das Winter- hilsswerk 1938/38 eine Sammelpause sür dieZeit vom 1. Juli bis 30. Sept. 1938 angeordnet. In dieser Zeit ist das Sammeln auf Straßen Md Plätzen und von Haus zu Haus »erboten. Die für diese Sammlungen erteilten Genehmigungen sind widerrufe».

Gefamttonnage von rund 420000 To.

(Ornktboriokt unserer Lsrlinsr Lebrittlsitung) Lr. Berlin, 21. Juni.

Wie wir erfahren, ergibt sich im Hinblick auf das deutsch-englische Flottenabkommen aus einem Vergleich der britischen und der reichsdeutschen Marine folgendes: Die englische Eesamttonnage kann nach den bis Ende 1936 gültigen Verträgen von Washington (1922) und London (1931) bis zu rund 1200 090 Tonnen gesteigert werden. Für Deutschland würde sich also bei 38 Prozent eine Eesamttonnagezahl von rund 120 000 Tonnen ergeben. Zu unterscheiden ist im einzelnen zwischen Schlachtschiffen, Flug­zeugträgern, schweren Kreuzern, leichten Kreu­zern, Zerstörern und ll-Vooten.

Vorhanden sind an Schlachtschiffen in Deutschland 3 Panzerschiffe der neuen Deutsch­land-Klasse von je 10 000 Tonnen. Es stehen Deutschland für Neubauten noch 183 750 Tonnen zur Verfügung. Die Washingtoner Höchstgrenze für ein Schlachtschiff beträgt 35 000 Tonnen. Eng­

land strebt seit langem die Herabsetzung auf 25 000 Tonnen an. Von dem Ausgang der von Deutschland unterstützten Bemühungen wird es also abhängen, ob sich die deutsche Resttonnage aus 5 oder 6 neue Einheiten verteilt. Die Washing­toner Höchsttonnage für Flugzeugträger ist 27 000 Tonnen. Deutschland könnte also 2 größere oder mehrere kleine Flugzeugträger bauen, denn bisher besaß es diesen Typ nicht. Die Klen­zer klassen zerfallen in schwere und leichte Kreuzer, je nachdem, ob sie Geschütze von 20,3 oder nur 15,5 Zentimeter Kaliber besitzen. Die Höchst­tonnage ist für beide Klassen 10 000 Tonnen. Den Typ des schweren Kreuzers besitzt Deutschland nicht, so daß es etwa 50 000 Tonnen in dieser Kategorie frei hätte. An kleinen Kreuzern besitzt Deutschland 6. Diese Kreuzer des Versailler Typs dürfen nicht größer als 6000 Tonnen sein. Jyr Rahmen des Abkommens stehen noch zur Verfü­gung 32 000 Tonnen. An Torpedobooten besitzt Deutschland lediglich 12. Es ist hier noch

Freiheit für den Ausbau von insgesamt 43 000 Tonnen gegeben.

Eine besondere Regelung hat die U-Boots- Waffe in dem Vertrag erfahren. Die Reichs­marine besaß bisher keine Unterseeboote. Die Londoner Flottenkonferenz setzte die Tonnage für alle Seemächte gleichmäßig fest; die grundsätzliche Höchsttonnage je Boot beträgt 2000 Tonnen. In folgerichtiger Anwendung des Gleichberechtigungs­anspruches mußte also auch Deutschland die gleiche Möglichkeit gegeben werden. Deutschland hat dann aber andererseits die Verpflichtung, das entspre­chende Mehr von dem Prozentsatz von 35 bei den anderen Kategorien abzusetzen. Praktisch wird sich diese etwas verwickelte Situation so gestalten, daß Deutschland von seinem theoretischen Recht nur bis zur Grenze von 45 Prozent gegenüber der englischen Stärke Gebrauch machen wird. Da­mit wäre eine U-Voot-Tonnage von rund 23 700 Tonnen zugelassen: bei einer Durchschnittsgröße von 600 Tonnen könnten also etwa 40 Boote ge­baut werden.

Laval verlängert die Militärdienstzeit

Starke innenpolitische Spannung in Frankreich / Wird die Kammer in die Ferien geschickt?

Paris, 21. Juni,

I« der Kammersttzuug verlas Ministerpräsident und Außenminister Laval eine gleichzeitig »om Kriegsminister Fabry im Senat verlesene Mit­teilung der Regierung folgenden Inhalts: Die Regierung hat zur Sicherstellung der notwendigen Effektivstärken während des rekrutenarme» Zeit­abschnitts beschlossen, das im April 1935 einge­stellte Kontingent nach Schluß seines ersten Dienstjahrs weitere sechs Monate und die im Oktober 1935 usw. bis einschließlich 1939 einzu­stellenden Rekrutenkontingente ein weiteres Jahr unter den Fahnen zu behalten, es sei denn, daß eine günstige Entwicklung der Verhandlungen über die Organisierung der Sicherheit und die Beschränkung der Rüstungen erleichternde Maß­nahmen rechtfertigen lassen.

Der sozialistische Abgeordnete Riviere erhob namens seiner Parket Protest gegen die Maß­nahmen der Regierung. Der Beschluß, die Re­kruten länger unter den Fahnen zu behalten, sei durch die Umstände durchaus nicht gerechtfertigt. Die Sozialisten protestierten gegen die Rüstungs­politik.

Von seiner Bank aus erwiderte Ministerprä­sident und Außenminister Laval: Die Kammer kennt die internationale Lage und die Gefahren, die sie birgt. So lange die kollektive Organi­

sierung der Sicherheit nicht verwirklicht ist, werde diese Maßnahme für den Frieden und seine Er­haltung ergriffen.

Zum Schluß der Kammersitzung erhob die Linke, wie zu erwarten war, Vorstellungen wegen der politischen Bünde und stellte die Forderung, in die Tagesordnung der Kammer eine Aus­sprache über den Bericht zu den Ereignissen des

sechsten Februar aufzunehmen. Nachdem Minister­präsident und Außenminister Laval die Ver­sicherung gegeben hatte, daß er alles tum werde, um die öffentliche Ordnung und Ruhe sicherzu­stellen, nahm die Kammer mit 335 gegen 250 Stimmen das von dem Ausschußprästdenten auf­gestellte Arbeitsprogramm an. Die Sitzung wurde dann auf Freitag vertagt.

Finnland zurück nach dem ZSor-en

Don unserem nordischen Q.-K.-Lorrespondenten

Stockholm, im Juni.

Es ist kein politisches Geheimnis: Finnland war auf dem Wege, sich aus dem nordischen Staa- tenblock zurückzuziehen. Oder soll man vielleicht richtiger sagen: die skandinavischen Staaten waren »an dem jüngsten, etwas eigenwilligen Mitglied "» Bunde befremdet. Die Ursache ist bekannt. Sie war die chauvinistische Politik gegen die schwe- »Oche Bevölkerungsminderheit in Finnland seitens gewisser übernationaler Parteien. Es ist hier not- wendig, das Wort übernational zu gebrauchen, weil alle Parteien in Finnland, mit Ausnahme »" Sozialdemokratin, eigentlich stark national Mch die schwedische Minderheitspartei. Die schwedische Minderheit in Finnland, die etwa 1?,»- H. der Gesamtbevölkerung beträgt, ist in »s»!er Beziehung keine Gefahr für den jungen «taat, daß sie offen oder geheim für «inen An­schluß an das schwedische Mutterland eifere. Ganz M Gegenteil: Sie ist ebenso für die nationale Selbständigkeit Finnlands wie die finnisch spre­chende Bevölkerung und hat, wie erwiesen, durch Taten mitgeholfen, diesen Staat von der kommu- »Ytichen Gewaltherrschaft zu befreien und nachher auszubauen. Als die finnische Verfassung aus­gearbeitet wurde, war es deshalb auch eine Selbst­verständlichkeit, daß die schwedische Minderheit A bisher ihre völlige politische und kulturelle Gleichberechtigung als Mitbürger im Staate ver­argt erhielten.

Die schwedische Minderheit ist aber aus Geburt se Oberschicht der Bevölkerung und hat teils Aerdurch, aber teils auch aus eigener Kraft eine k» r ^ Stellung in der Verwaltung und Wirt­schaft des Landes behaupten können. Daß diese "ende Stellung nicht in einer Lnterdrückung

der Mehrheit der Bevölkerung hat ausarten kön­nen, liegt doch auf der Hand, aber sie wurde als eine lästige Konkurrenz von den aufwärtsstreben- den Kreisen innerhalb dieser Mehrheit empfun­den. Es sind auch diese Kreise, welche die schwe- denfeindliche Bewegung entfacht und geschirrt haben. Zunächst gipfelte die Bewegung in der Unterdrückung der schwedischen Sprache in der Verwaltung und im höheren Unterricht, vor allem an der Universität. Ein paar politische Parteien haben geglaubt, mit der Bewegung politische Par­teigeschäfte machen zu können. Es kann aber gleich festgestellt werden, daß die breiten Masten der finnischen Bevölkerung an der Schwedenfeindlich­keit so ziemlich unbeteiligt sind. Auch die Regie­rung versuchte die Sprachenfrage an der Uni­versität gewissermaßen zu einer überpolitischen Frage zu machen und sie in diesem Sinne zu lösen, indem sie eine außerordentliche Reichstags­versammlung deswegen einberief. Die übernatio­nalen Parteien wollten aber die Frage für einen künftigen Wahlkampf ausnützen und verhinderten eine Lösung durch tagelange Obstruktionsreden.

Es war natürlich, daß dieser Nationalitäten- und Sprachenftreit in den übrigen nordischen Län­dern aufmerksam verfolgt und lebhaft kommen­tiert wurde. Bildet doch die schwedische Sprache sozusagen eine Brücke von Finnland zu den übri­gen Staaten im nordischen Block. Ueberhaupt ist ja dieser Staatenblock kein durch Traktate fest­gefügter Konventionsbund, sondern eine reine Neigungsgemeinschaft. Gemeinsame kulturelle Be­ziehungen bilden in erster Linie die Grundlage des Bundes, gemeinsame wirtschaftliche und außenpolitische Interessen kommen in zweiter. Und gerade der Sprachenftreit war deshalb geeignet,

Steuerbetrug kein Kavaliersdelikt

Strenge Bestrafung für Hinterziehungen Berlin, 21. Juni.

In den neuen Anweisungen des Reichsjustiz­ministers an die Strafverfolgungsbehörden ist ein besonderer Abschnitt den Zuwiderhandlungen ge­gen die Reichssteuergesetze gewidmet. Der Mini­ster betont, daß Mangel an Ehrlichkeit bei Erfül­lung der steuerlichen Verpflichtungen Mangel an Treue zum Staat und zur Volksgemeinschaft be­deute. -»Wer sich seiner Verpflichtung zur Zah­lung der Steuer entziehe, nehme dem Staat die Mittel, die er brauche, um seine Aufgaben gegen­über dem Volk zu erfüllen. Er sei mit schuld daran, wenn die Steuerlast, die auf der einzelnen Person ruht, nicht in dem Maße gemildert werden könne, wie es notwendig sei, um eine durchgrei­fende Gesundung der sozialen, wirtschaftlichen und finanziellen Lage des Volkes herbeizuführen. Wer gegen die Zollgesetze verstoße oder den aus politi-

die Grundlage der Neigungsgemeinschaft zu er­schüttern. Sonderbarer- oder vielleicht bezeichnen­derweise waren es gerade linksstehende Kreise, die sich im übrigen Skandinavien am meisten über den Sprachenftreit empörten, während nationalkonser- vative Kreise größeres Verständnis für das Ver­langen der finnischen übernationalen Bestrebun­gen zeigten und nur für eine gerechte Lösung der Frage eintraten.

Offiziell hat natürlich keiner der übrigen nor­dischen Staaten sich in die innerpolitische Frage Finnlands eingemischt. Nur eine Anzahl Pro­fessoren der nordischen Universitäten haben sich für die kulturellen Rechte der schwedischen Minderheit eingesetzt. Dies und die etwas arroganten Kom­mentare der nordischen Linkspresse genügten aber, um das beginnende Zerwürfnis zu vertiefen. Die finnischen Uebernationalisten erklärten rund her­aus, daß sie kein Interesse mehr hätten, zum nor­dischen Staatenblock gezählt zu werden. Die kul- ^ turellen Beziehungen zu Skandinavien wären minderwertig, verglichen mit der eigenen Kultur und außenpolitisch hätte ein loses, nordisches Bündnis keinen Wert für sie. Als Ersatz wurde der einst begrabene Gedanke an einen Staaten­block von Polen über die südbaltischen Staaten nach Finnland wieder hervorgeholt..

Die skandinavischen Staaten hüllten sich hier­auf in eisiges Schweigen, das auch in Finnland abkühlend auf die überhitzten Gemüter wirkte. Als der dänische Außenminister, als Mitglied des Völ­kerbundsrates, seine skandinavischen Kollegen zu der bekannten Konferenz zusammenrief, wurde der finnische Außenminister auffallenderweise fern­gehalten. Hierauf berief dieser die finnischen Ge­sandten in den skandinavischen Hauptstädten zu einer Konferenz nach Helsingfors. Hier scheint die finnische Regierung unterrichtet worden zu sein, wie tief die Verstimmung in den skandinavischen Ländern, besonders natürlich in Schweden, wegen des Sprachenstreites war. Jedenfalls wurden von nun an die Anstrengungen, die entstandene Kluft

schen, wirtschaftlichen, gesundheitlichen oder an­deren Gründen erlassenen Ein-, Aus- und Durch­fuhrverboten zuwiderhandele, zerstöre den Wall, der die deutsche Arbeit und die deutsche Wirtschaft schütze und schädige das Wohl des Volksganzen. Der Steuerbetrug dürfe nicht mehr alsKava­liersdelikt", der Schmuggel nicht mehr als eine Gewohnheit" der Erenzanwohner angesehen und behandelt werden. Diese Grundsätze, so erklärt der Minister laut nckr, machten es dem Staats- anwalt zur Pflicht, Zuwiderhandlungen gegen die Steuer- und Zollgesetze, gegen das Branntwein- monopolgssetz oder die Ein-, Aus- und Durch­fuhrverbote unnachsichtig zu verfolgen und auf strenge Bestrafung hinzuwirken.

Irischer Staatsmann besucht Deutschland. Der Vizepräsident der Regierung des Irischen Frei­staates O'Kelly ist von Dublin aus zu einem Be­such Deutschlands und Frankreichs abgereist.

zu überbrücken, von finnischer Seite vervielfacht. Die Uebernationalen beruhigten sich und der fin­nische Außenminister Häcksel! begann seine große ausländische Reise mit einem Besuch in Stock- holm. Hier wurde ein Besuch des finnischen Staatsoberhauptes, des Präsidenten Per Svin- huvud, in der schwedischen Hauptstadt verabredet und festgelegt.

Und wie es nun einmal in einem Liebesbünd- nis ist: Ein Zerwürfnis entsteht sehr leicht, ist aber auch leicht beizulegen, wenn nur der eine oder andere Teil die Hand zur Versöhnung aus­streckt. Schweden hat bereitwillig einen Strich unter das Geschehene gemacht und hat in diesen Tagen dem finnischen Staatsoberhaupt einen durchaus freundlichen, wenn nicht gerade stürmi­schen Empfang bereitet. Finnische Zeitungen, auch solche, die in der Universitätsfrage ganz auf Seite der Uebernationalen standen, haben anläßlich des Freundschaftsbesuches feierlich erklärt, daß Finn­land fest zum Norden stehen will. Es ist vor allem

Bäuerlicher

Führernachwuchs

Von Wilhelm Meinberg,

Reichsobmann des Reichsnährstandes

Ein Gutes haben die bäuerlichen Organi­sationen der Vergangenheit für uns gehabt, nämlich, datz wir an ihnen sehen können, wie man den Aufbau von Organisationen nicht machen soll. Es besteht kein Zweifel darüber, datz für die zukünftige Gestaltung und Erhaltung einer Organisation die Frage des Führernachwuchses eine der entschei­dendsten Fragen ist. In der hinter uns lie­genden Zeit war das Bauerntum in dieser Frage stets schlecht gestellt. Wir haben in jener Zeit als nationalsozialistische Kämpfer oft ein Lächeln nicht unterdrücken können, wenn wir in den landwirtschaftlichen Orga­nisationen mit den damaligen Führern zu­sammenkamen, die zwar ehrenwerte Män­ner waren, zum größten Teil aber durch ihr Alter weder die Lebensnotwendigkeiten des Bauerntums sahen, noch stark genug waren, unserem ungestümen Drängen nennenswer­ten Widerstand zu leisten. Ich erinnere mich sehr gut eiyer Tagung im März 1933 in Berlin, zu der der jetzige Reichsbauernsührer Darre, Backe, Reischle und ich eingeladen waren und bei der ich scherzhafterweise die Bemerkung machte:Ich glaube, das Durch­schnittsalter der anwesenden Führer der deutschen Landwirtschaft beträgt 90 Jahre?" Bei der Wahl zur Landwirtschaftskammer im Jahre 1931 sagte mir ein 78jähriges Vor­standsmitglied der westfälischen Landwirt­schaftskammer, es wäre von uns nicht schön, datz wir die alten Vorstandsmitglieder jetzt nicht mehr anerkennen und an die Wand drücken wollten.

Es war in Wirklichkeit so, daß gerade in den landwirtschaftlichen Organisationen eine furchtbare Ueberalterung der Führung bestand, daß die drängende Ju­gend mit ihrem kämpferischen Geist in die­sen Organisationen kaum oder nur ganz selten Platz fand, datz infolgedessen ebenso der kämpferische Geist der Gesamtorganisa- tion dem seines Fllhrertums entsprach. In keinem Berufsstand sind die Gefahren der Vergreisung des Führertums so groß wie im Bauerntum. Hat man aber gerade an jenen Organisationen der Vergangenheit, d. h. vor der nationalsozialistischen Revolution, diese Erfahrung gemacht, dann ist auch ein ver­antwortlicher Führer verpflichtet, die Maß­nahmen zu ergreifen, die notwendig sind, um jene Zustände zu verhindern. So wenig es Aufgabe des Staatsmannes sein kann, dafür Sorge zu tragen, daß einer bestehen­den Gesellschaftsklasse der Einfluß auf die Staatsführung gewahrt wird, so wenig kann und wird es das Ziel einer verant­wortungsbewußten Führung des deutschen

mit Schweden durch eine jahrhundertelange ge­meinsame politische und kulturelle Geschichte aufs innigste verbunden und diese Zeit kann durch nichts ausgemerzt werden. Schweden und Finnen haben auf unzähligen Schlachtfeldern in treuer Waffenbrüderschaft ihr Blut gemischt. Gemeinsame Erinnerungen, aber auch gemeinsame gegenwär­tige und künftige Interessen schmieden die Län­der unzertrennbar zusammen. Schweden ist und bleibt für Finnland das Mutterland. Auch wenn Finnland manchmal eigene Wege gehen will und muß, wird es doch immer seiner nordischen Zu­gehörigkeit bewußt bleiben. Und diese ist so stark, daß sie auch die Belastung einer nationalen Spra­chenfrage leicht ertragen wird.

Diesen Aeußerungen einer ausgesprochen natio­nalen finnischen Zeitung entspricht zweifelsohne auch die innerste Ansicht des finnischen Volkes. Der Besuch des finnischen Staatsoberhauptes in der schwedischen Hauptstadt soll die Vesiegelung des Gelöbnisses zum Norden sein.

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M Genf nichts Oeues''

Die wirtschaftliche Lage unserer Künstler ist gewiß nicht- überall rosig. Aber in Deutschland tut der Staat etwas für seine Künstler, und wer wirklich etwas kann, braucht bestimmt nicht zu verhungern. Wie ist es nun im gelobten Land der Schweiz? Ein schweizer Bericht über die Eröffnung der städtischen Kunstausstellung in Genf gibt darüber Aufschluß:

Wir hören, daß zu Beginn der Feier ein Stadt­rat seine innige Anteilnahme versicherte und den Wunsch aussprach, daß die beklagenswerte Si­tuation der Genfer Künstler bald verändert werden könne. Von diesem frommen Wunsch werden die Künstler wahrscheinlich satt geworden sein. Weniger schön war dann, daß der Herr Stadtrat die Zukunft in düstersten Farben malte

und eine Zeit voraussah, in der es keine Kunst und keine Künstler mehr geben werde. Mit solcher Hellseherei wird der kunstfördernde Stadtrat allerdings jede Künstlernot ein für alle Mal aus­schalten. Von der Ausstellung selbst berichten dieBasier Nachrichten", daß sie sich nicht über das bekannteanständige Mittelmaß" erhebe. Am besten könne man den Eesamteindruck zusammen­fassen:In Genf nicht Neues!" Trostloser kann wohl eine Ausstellung nicht eröffnet und be­sprochen werden. Auch in Deutschland ist nicht alles sofort genial oder außerordentlich. Aber wohl alle Kunstausstellungen des Dritten Reiches sind interessant, eröffnen neue Ausblicke, geben An­regungen, geben Neues! Vielleicht sind mir Wilden doch bessere Menschen . . .

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