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Nr. 168 / 3 . Jahrgang
Donnerstag, 20. Juni
Einzelpreis 16 Rpf.
„Hitlers Stellung in Europa gestärkt"
Lebhaftes Weltecho des deutsch-englischen Flottenabkommens / Frankreich wieder enttäuscht
Aufregung in Paris
Paris, 20. Juni.
In den großen Pariser Blättern wird das deutsch-englische Flottenabkommen nicht nur als Sonderabmachung über ein bestimmtes Gebiet, sondern auch im Hinblick auf die Möglichkeit einer weiteren Annäherung zwischen Berlin
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Unser lagesspiegel
Die Weltpresse wertet das deutsch-englische Flottenabkommen als einen ganz großen Erfolg Adolf Hitlers
Der Flämische Frontkämpseroerband wendet sich in scharfer Form gegen das französisch- belgische Militärabkommen
In Berlin beginnen demnächst neue deutschpolnische Wirtschaftsoerhandlungen
Dr. Leg hat nunmehr die Ausführungsbestimmungen zur Bildung des Reichsarbeitsund Wirtschastsrates erlassen
Der vnerikanische Zerstörer „Aylwin" hat aus seiner ersten Probefahrt Bremen angelaufen
Für das erste Gaufest des Deutsche» Reichs- bundes für Leibesübungen in Bremen werden 3000 Privatnnterkünste benötigt
Für die Fischwirtschaft wurde jetzt der organisatorische Rahmen geschaffen
Bon den Deutschen Afrika-Linien wurde» zwei neue Dampfer in Auftrag gegeben
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und London gewürdigt. „Paris midi" erklärt, daß das eilig in London unterzeichnete Flottenabkommen Frankreich doppelt enttäusche. Der „Matin" will in der Lage sein, zu berichten, daß der englische Botschafter, der am Dienstagabend eine Unterredung mit Laval hatte, diesem alle nur möglichen Aufklärungen gegeben habe. Aber das Blatt knüpft die Frage daran, ob das wohl genüge und spricht von einem Ereignis von außerordentlichem Ernst, das auf die Beziehungen zwischen Frankreich und England beträchtliche Rückwirkungen haben könne. Man habe in Paris diesmal nicht damit gerechnet, daß so schnell eine so umfassende Regelung erfolge. Wie könne man, wenn England so aus der Reihe tanze, sich die enge Zusammenarbeit in Zukunft vorstellen, nachdem die Einheitsfront der ehemaligen alliierten Hauptmächte aus der Kriegszeit eine der besten noch verbliebenen Friedens- biiigschaften gewesen sei? Das Flottenabkommen sei für Deutschland und besonders für Botschafter von Ribbentrop ein beträchtlicher Erfolg und starke die Stellung des Reichskanzlers gegenüber den Mächten.
„Petit Journal" schreibt, man müsse anerkennen, daß das Abkommen zwar ein unbestreitbarer Er
folg der Hitler-Diplomatie sei, aber auch ein ebenso unbestreitbarer Erfolg für den britischen Admiralstab, der, ohne Zeit zu verlieren, die Aussicht verwirklichte, die ihm die Reichstagsrede des Führers geboten habe. Wenn Louis Barthou, anstatt sich in seiner Denkschrift vom 17. April 1934 auf eine rein verneinende und unfruchtbare Haltung zu versteifen, sich nicht darauf beschränkt hätte, die Aufrüstung Deutschlands zu verurteilen, sondern versucht haben würde, mit dem Reich über die vorgeschlagenen Begrenzungen für das Land- Heer zu verhandeln, das Frankreich vor allem angehe, dann würde man sich jetzt wahrscheinlich nicht in dieser Lage befinden.
„Oeuvre", „Le Jour", „Ere Nouvelle", „Po- pulaire" und „Echo de Paris" nehmen in scharfer Form gegen das Flottenabkommen Stellung, zum Teil mit gehässigen Angriffen gegen England, dem u. a. „Bruch der englisch-französischen Solidarität" vorgeworfen wird. „Echo de Paris" nennt dabei das deutsch-englische Flottenabkommen das Ende der englisch-französischen Politik nach der Londoner Erklärung vom 3. Februar, die am 17. April in Stresa durch den Bei- tritt Italiens bestätigt und verstärkt worden sei. Die zwischen Deutschland und England ausgetauschten Briefe seien für Adolf Hitler außerordentlich ermutigend. Er habe über den von den englischen und französischen Ministern verkündeten Grundsatz des unteilbaren Friedens triumphiert. Das Blatt umschreibt dann die französische Ver- haltungslinie wie folgt: Etwaige französisch-eng- lische Flottenbesprechungen dürfen nicht in London, sondern müssen in Paris geführt werden. Frankreich darf nicht mehr weiter eine schiedsrichterliche Tätigkeit Englands anerkennen, die sich ohne Berücksichtigung der französischen Belange auswirkt. Ueber den Luftpakt darf nicht gesondert
verhandelt werden; der Grundsatz der Unteilbarkeit des Friedens mutz wieder hergestellt werden, werden.
Im „Paris Soir" unterstreicht Sauerwein vor allem die politische Bedeutung des Abkommens. Er bezeichnet es als eine seltsame Art der Zusammenarbeit, Frankreich vor eine vollendete Tatsache zu stellen. Nach der neuen Entwicklung werde Laval es sich sicher zweimal überlegen, ob er bei der abessinischen Frage seine Politik mit der Englands verknüpfe. Vor allem aber werde Frankreich nunmehr von seiner wiedergewonnenen Freiheit starken Gebrauch machen, wenn es sich darum handele, eine Frage mit Deutschland oder irgendeiner anderen Macht zu regeln. Großbritannien habe einen Präzedenzfall geschaffen. — „La Presse" sagt. Las Abkommen bedeute das nicht zu be- streitende Ende der französisch-englischen Zu- sammenarbeit, wie sie in der Erklärima vom 3. Februar vorgesehen gewesen sei.
London zufkieden
London, 20. Juni.
Das deutsch-englische Flottenabkommen steht im Vordergrund der Betrachtungen der gesamten englischen Morgenpresse. Mit wenigen Vorbehalten begrüßen die Blätter das Abkommen als einen Beitrag zur Befriedung Europas. Die „Times" schreibt, das Abkommen sei endgültiger und umfassender, als man es anfangs hätte vermuten können. „Das tatsächliche Ergebnis schaffe zum mindesten einen viel befriedigenderen Zustand, als er 1914 vorhanden war." Damals habe der deutsche Flottenbau das Tempo angegeben. Jetzt bestimme England seine eigenkn Flottenerfordernisse von 38:100.
Die nächste Absicht der britischen Regierung sei es jetzt, ohne Zögern das mit dem deutsch-
englischen Flottenabkommen begonnene gute Werk fortzusetzen und Frankreich und Italien sowie Sowjetrußland ebenfalls zu Besprechungen einzuladen, um die deutsch-englische Verständigung in ein allgemeines Abkommen für die Begrenzung der Flotten einzupassen.
Nach einem Hinweis , auf die französischen Befürchtungen wegen des deutsch-englischen Abkommens sagt das Blatt weiter, Deutschland werde durch die Annahme von 35 v. H. der britischen Tonnage in eine Stellung versetzt, die eine dauernde Ueberlegenheit der französischen Flottenstärke bedeutet. Wenn Frankreich darauf bestehe, seine Flottenstärke zu erhöhen, dann müßten die britische und die deutsche Regierung ohne Zweifel ebenfalls Erhöhungen in Erwägung ziehen.
Der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Telegraph" betont, in britischen Kreisen messe man dem von Deutschland gemachten Zugeständnis, daß es an dem festgesetzten deutsch-englischen Flotten- verhältnis ohne Rücksicht auf den Flottenbau anderer Länder festhalten werde, große Bedeutung bei.
Die „Morningpost" nennt das Abkommen einen unzweifelhaften Fortschritt in der Sache des Friedens. Im übrigen habe das Abkommen aber gewisse weniger günstige Seiten. In diplomatischer Hinsicht gäben die Umstände, unter denen es abgeschlossen worden sei, zu Befürchtungen Anlaß. England habe z. V. diesen Schritt unternommen, ohne vorher seine Vertragspartner zu befragen. Stückweise Regelungen könnten wohl ganz gut sein, sie brächten jedoch die Gefahr mit sich, die auswärtigen Beziehungen in ein Chaos zu stürzen.
(Fortsetzung auf Seite 2)
Das Berliner Ltrieil über die Auslandssiimmen
(Orabtbsrickt äussrer Lsrlinsr Zobriktlsituug)
Ur. Berlin, 20. Juni.
In Berliner diplomatischen Kreisen beobachtet man mit großem Interesse das Echo auf den Abschluß des deutsch-englischen Flottenabkommens. Man hatte in Berlin von vornherein erwartet, daß ein kleiner Teil der englischen Presse, der immer die französische Politik in London besonders stark unterstützt hat, dem Abkommen nicht unbedingt zustimmen würde. Ueber das Ausmaß der Zustimmung in London ist man im übrigen erfreut, und zwar, weil nicht nur eine Zustimmung zu dem sachlichen Inhalt des Abkommens, sondern auch zu den politischen Grundsätzen zum Ausdruck gebracht wird. Man erkennt daran den Willen eines erheblichen Teils der englischen Bevölkerung und der englischen Politiker, den vom Führer und Reichskanzler vorgeschlagenen Wegzweiseitiger Abkommen zu beschreiten und den Frie
den in Europa auf diese Weise zu suchen, wenn auch andere Staaten im Rahmen kollektiver Verhandlungen Widerstand leisten.
Das Echo aus Paris entspricht im vollen Umfange den vorher geäußerten Vermutungen. Die französische Regierung ist schon aus parlamentarischen Gründen nicht in der Lage, den Weg besserer Erkenntnis zu gehen. Man hatte auch vorher angenommen, daß man in Paris den Versuch machen würde, England mit der Drohung zu schrecken, Frankreich werde nunmehr Italien vorbehaltlos in Abessinien unterstützen. Die Reichsregierung steht allen Bestrebungen, die auf eins Verhetzung einzelner europäischer Staaten gegeneinander hinauslaufen, vollständig fern. Sie ist auch jetzt bereit, mit jedem Staat jeden nur möglichen Vertrag im Sinne des Friedens abzuschließen, wenn dabei die deutsche Gleichberechtigung zur Grundlage gemacht wird. Unter diesen Umstän
den sollte man in Paris lieber erwägen, ob es nicht möglich ist, mit Deutschland zu neuen Verhandlungen zu kommen, statt daß man aus einem dem Frieden dienenden Abkommen die Folgerung neuer Verhetzung zieht.
Vor allem sollte man sich in Paris davor hüten, den Einflüsterungen des sowjetrus- si scheu Botschafters zu folgen, der offensichtlich den Auftrag gehabt hat, eine gemeinsame Aktion mit Frankreich vorzuschlagen, durch die England beunruhigt werden soll. Die englische Regierung hat wie man in Berlin sehr genau weiß, mit dem Abschluß des Abkommens nicht die geringste Sonüerpolitik getrieben. Sie wird sicher in Paris das Ergebnis des Abkommens so auszunutzen versuchen, daß man schließlich doch zu weiteren Verhandlungen zwischen den europäischen Staaten über die Grundsätze kommt, die der Führer in seiner Rede vom 21. Mai aufgestellt hat.
Neues Kunstschaffen
Rückblick auf Düsseldorf
Von
Reichste«« Alfred Rosenberg
Es gibt zwei Formen, in denen die nationalsozialistische Bewegung Kulturtagungen abhalten kann: einmal, indem sie die längst erprobten und ewigen Werke des deutschenGeistes durch erstklassige und ebenfalls erprobte Künstler zur Darbietung bringt und auf diese Weise Gipfelpunkte künstlerischen Erlebens schafft; zum andern aber dadurch, daß man es wagt, auch unerforschte Gebiete zu betreten, weniger bekannten Kräften Raum zu geben, um dann nach diesen experimentellen Prüfungen das auszulesen und zu fördern, was sich in dieser Darstellung bewährt hat.
Beide Arten kultureller Kundgebungen sind gleichberechtigt und gleich notwendig. In Düsseldorf hat die Nationalsozialistische Kulturgemeinde mit Bewußtsein die zweite Form gewählt, da sie nicht auf Repräsentation des bereits ewig Gültigen in erster Linie ausgehen wollte, sondern sich entschlossen hatte, auch durch Experimente das Mögliche zu erforschen und das Lebensstarke fördernd zu kräftigen.
Man darf wohl sagen, daß die NS.-Kul» turgemeinde mit dem Erreichten außerordentlich zufrieden sein kann, denn von den zwölf Uraufführungen auf allen Gebieten, die hier gebracht wurden, kann ein großer Teil der daran beteiligten Künstler als wert erachtet werden, künftighin in den engeren Kreis des zu Fördernden mit einbezogen zu werden. Es hat gewiß auch drei Versuche gegeben, die als nicht voll befriedigend zu betrachten sind; aber angesichts des zweifellos Neuen und Revolutionären, das sich an anderer Stelle Bahn brach, erscheint das nicht ganz Gelungene als unwesentlich gegenüber dem großen Auftrieb, der sonst überall festgestellt werden konnte.
Wir haben mit Recht immer wieder darauf hingewiesen, daß eine entstehende Weltanschauung, die zunächst politisch gesiegt hat, lange Zeit brauchen wird, um auch ihre künstlerische Darstellungsform zu finden. Wir haben dabei unterstrichen, daß wir nur eine geistigeSpannung erzeugen können, um dann, vertrauend auf den erwachten Instinkt unserer Zeit, Bahn für die kommende große Gestaltung zu schaffen. Dabei wissen wir, daß auch manche Formen der Kunst, die scheinbar abgeschlossen schienen, neu aufgebrochen werden, um sie ip Verbindung mit den Erscheinungen unseres Daseins zu setzen. Der Versuch einer
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Der Weg aus
Die Zweite Reichs-Theaterwoche, die gegenwärtig in Hamburg stattfindet, hatte mit der Rede des Reichsministers Dr. Goebbels in der Hamburger Musikhalle ihren eigentlichen Auftakt genommen und zugleich ihren Höhepunkt erreicht, weil dieses kulturelle Ereignis durch die Rede des Ministers seine innere Sinngebung und Sinndeutung, seine Ausrichtung in der politischen Eesamtlinie erhielt. Auch hier wurde — wie es zum Wesen des Nationalsozialismus gehört -das Primat der Politik in den Vordergrund gestellt. Der neue politische Weg, der im Nationalsozialismus zum Durchbruch gelangt ist, ist auch die Triebkraft nicht nur zur Erneuerung, sondern darüber hinaus zur inneren Neugestaltung des Theaterlebens, die sich vollzieht.
Es ist nur zu natürlich, daß wir hier erst am Anfang der Entwicklung stehen. Aehnlich wie aus dem Gebiete der Wissenschaft konnte das gewaltige politische Ereignis des 30. Januar 1933 auch hier zunächst nur die Kräfte freilegen, deren tiefste Aus- Wirkungen vielleicht erst in Jahrzehnten Aar vor uns stehen werden. Die Beseitigung des Schuttes, der allein durch die wenigen Nachkriegsjahre aufgehäuft worden ist — wer entsinnt sich nicht allzu deutlich der Zustände, die gerade auf dem Gebiete des Theaterwesens vor der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus herrschten? — stellt ichon eine gewaltige Arbeitsleistung dar.
Wenn es darüber hinaus gelungen ist, die Ansätze einer Neugestaltung zu schaffen, so bedeutet das schon ungeheuer viel und liegt in der gow at- t'gen gestalterischen Vitalität der nationalsozialistischen Idee begrünet, auf die Dr. Goebbels in seiner Rede hinwies. Der Nationalsozialismus wird niemals seine Aufgabe darin sehen, durch intensive künstliche Bestrahlung aus einem keimenden Samen eine naturnot-
der Isolierung
wendig zarte Pflanze, der es an jeder inneren Lebenskraft fehlen muß, hervorzulocken. Einmal ist ein solches Mittel auf kulturellem Gebiet noch nicht erfunden worden. Und zum anderen haben die Erfahrungen, die der Pflanzenzllchter hier gemacht hat, gezeigt, wie ungesund eine solche künst- licheWachstumsbeschleunigung sich auswirken muß. Wer mit derartigen Forderungen an unser kulturelles Leben herangehen wollte, würde nur den Beweis erbringen, daß eine völlig andere Auffassung vom Wesen der Kultur als der National- sozialismus hat. Man kann da nichts organisieren! Viel wichtiger ist, daß die Kräfte, die in dem Sa- menkorn ruhen, gesund sind. Die «äste des Lebens werden dann schon die Keime zur Blüte und zur reifen Frucht treiben.
Die größte Leistung, die der Nationalsozialismus vollbracht hat, ist, daß er die Kunst und denKünstlerausdervölligenVerein- samung herausgeführt hat. Der Weg durch die tiefste menschliche Einsamkeit und Las durch sie bedingte Ringen des Menschen mit Gott und der Welt ist wohl eine Voraussetzung für jedes wirkliche Künstlertum. Voraussetzung des Erfolges aber ist, daß der einzelne Künstler sich und seine Schöpfung Lurch diese Vereinsamung hin- durchringt und sie überwindet. Niemals aber darf man diese notwendige schöpfe- rische Einsamkeit des einzelnen Künstlers verwechseln mit einer Isolierung der gesamten Kunst vom Volk und damit vomLeben überhaupt. In dieser Gefahr aber standen wir drin. Es galt also, die Kunst zum Volk und das Volk zur Kunst zurückzuführen.
Wir haben ähnliche Vorgänge auf anderen Le- - bensgebieten der Nation gleichfalls beobachten können. Der Nationalsozialismus hat auch hier >
die gleiche drohende Isolierung zerstören müssen. Die Aufgabe der Politik in der gesamten Breite unseres völkischen Lebens ist in dieser Hinsicht zu vergleichen mit der Aufgabe einer, wirklich kllnst- lerischen Orchesterfllhrung, — Generalmusikdirektor Eugen Jochum gab in der musikalischen Umrahmung der Hamburger Kundgebung der Reichs- theaterkammer in der Gestaltung der Werke Beethovens ein meisterhaftes Beispiel hierfür — die Fülle der Instrumente wuß durch den Eigenwillen des Dirigenten, ohne daß die künstlerische Leistung des einzelnen Musikers dadurch gestört wird, so zu einer Einheit zusammengezwungen werden, daß sie unter den taktgebenden Händen wie zu einem einzigen Instrument von einer wundervollen Schattierungsmöglichkeit zusammenklingt.
tzwette Retchs-Theaterfefiwoche
„Freischütz" in der
Die Zweite Reichs-Theaterfestwoche in Hamburg wurde am Dienstagabend mit einer „Freischütz"-Aufführung fortgesetzt. Vor Beginn der Festvorstellung hielt der stellvertretende Präsident der Reichs-Theaterkammer, Reichsdramaturg Oberregierungsrat Dr. Rainer Schlösser, eine kurze Ansprache zum Gedenken der Opfer des Unglücks bei Reinsdorf, die von den Anwesenden stehend angehört wurde.
Dieser Hamburger „Freischütz" ist ein neues Beispiel für den verantwortungsvollen Ernst, der die Arbeit der neuen Hamburgischen Staatsoper auszeichnet. Als Inszenierung beispielhaft, war die Aufführung nicht minder vorbildlich in der musikalischen Durchführung.
Generalintendant Strohm, der auch an diesem Abend wieder Regie führte, hat es ausge-
Die Aufgabe des Nationalsozialismus konnte es bisher nur sein, die innere Beziehung von Gesamt- heit und Teil, von Volk und Kunst wiederherzustellen. Dazu mußten neue Wege gegangen werden und werden auch noch Wege gesucht werden müssen, die von einer unerhörten Neuartigkeit sind. Auf dem Gebiete des Thingspieles und des Werkspieles zum Beispiel stehen wir erst am Bginn eines neuen Werdens. Dr. Goebbels selbst hat auf die Fehler hingewiesen, die von den Leitern der einzelnen Kulturinstitute in den vergangenen beiden Jähren gemacht worden sind. Viel- leicht ist es gerade hier erst notwendig, daß — ähnlich wie an den Hochschulen — eine neue Generation in stärkerem Maße in die Verantwortung hin- einwächst, denn auch hier ist es eine Frage der Leidenschaft des Herzens, mit der eine Aufgabe angegriffen und gestaltet wird.
Hamburger Oper
zeichnet verstanden, die schweren Mängel des Textbuches, gegen die schon Beethoven Widerspruch erhob, nicht fühlen zu lassen. Eugen Jochum aber, der als Dirigent am Pult stand, hob gerade das aus Webers Musik hervor, was den „Freischütz" zu einem Vorläufer des Wag- nerschen Musikdramas machte. Besonders stark kam die charakterisierende Linienführung im Terzett des zweiten Aktes heraus.
Die Besetzung war wiederum erstklassig. Unter den auswärtigen Gästen ragte besonders Maria Reining als Agathe daneben aber auch Ludwig Weber als Kaspar (beide von der Staatsoper München) hervor. Den Max sang Marcell Wittrisch, den Eremiten Wilhelm Hiller (beide von der Staatsoper Berlin). Von den einheimischen Solisten vollbrachte Martina Wulf
als Aennchen mit der wunderbaren Frische ihres Soprans und ihrem bezaubernden Spiel eine überragende Leistung. Sie verdiente vollauf den spontanen Beifall, der ihr ebenso wie ihrer Partnerin bei offener Szene gespendet wurde. Sehr gut waren auch Josef Degler als Fürst Ottokar und Erich Zimmermann als Kilian.
Ein S>kagerrak-Drsms
Der aus Ruhwarden (Vutjadingen) gebürtige, in Kiel lebende oldenburgische Heimatdichter Walter Löoschen, der sich durch seine plattdeutschen Erzählungen und in den letzten Jahren auch durch mehrere erfolgreiche plattdeutsche, vorwiegend humorvolle Vllhnenwerke unter den niederdeutschen Dichtern einen guten Ruf erworben hat, hat nunmehr das Wagnis unternommen, die gewaltigste Seeschlacht der Weltgeschichte, die Schlacht am Skagerrak, für die Bühne zu dramatisieren. Looschen hat diese Seeschlacht im Stäbe des Befehlshabers der Aufklärungsstreitkräfte, des Admirals von Hipper, zunächst auf dem Schlachtkreuzer „Lützow" und später auf dem Schlachtkreuzer , Moltke" mitgemacht. 2hm lag es während der ganzen Schlacht ob, die Funksprüche aufzunehmen und weiter,zuleiten. An Hand von Tagebuchaufzeichnungen und der Funksprüche sowie der amtlichen und sonstigen Literatur über die Schlacht hat er lein Drama geschaffen. In zehn groß angelegten Bildern schildert er sowohl auf deutscher als. auch auf englischer Seite den Verlauf des Kampfes in allen Teilen. Sein Schauspiel „Skagerrak" bat sofort nach Fertigstellung sowohl in Marinekreisen als auch bei den deutschen Bühnen größtes Interesse gefunden. Soeben hat das Kieler Stadt- iheater (Generalintendant Schulz-Dornburgl als erste Bühne „Skagerrak" zur Uraufführung erworben. Als Termin für diese Uraufführung ist der Totensonntag in Aussicht genommen.