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Nr. 163 / 3. Jahrgang
Sonnabend, 15 . Juni
Einzelpreis 16 Rpf.
Deutschlands Trauer ist Hilfsbereitschaft
2n Reinsdorf bisher 45 Tote geborgen / Die leichtverletzten Opfer drängen sich wieder zur Arbeit
Unser lagesspisgel
Die Zahl der Opfer von Reinsdorf ist auf 15 gestiegen. Im Rahmen einer großen Unter- stützungsaktion hat der Führer 199 999 RM. gespendet
Reichswirtschaftsminister Dr. Schacht machte in Danzig bemerkenswerte Ausführungen
Die hanseatisch-sächsischen Ansfuhrbesprechun- ge« sehen vor allem eine Förderung der deutschen Seeschiffahrt vor
Mussolini sprach neuerdings zur abessinischen Frage '
Der japanische Botschafter war bei dem Ostasiatischen Verein Hamburg-Bremen zu Gast
Bremen steht heute und morgen im Zeichen der Kirschblüte, dem Abzeichen der Werbeaktion für das deutsche Jugendherbergswerk
Heute wird in Bremen die große Segelschiff- ausstellung im Fockemuseum durch Senator Bernhard eröffnet werden
Im Kampf um den Davispokal gegen Australien führt Deutschland am ersten Tage 2:9.
In Kiel gelang es der deutschen Marine, den Hindenburg-Pokal für 1935 zu gewinnen
SSM
Großfeuer in Bremen
Um Mitternacht entstand in der Neustadt in der Mineralöl-Niederlage der Firma Diersch LSchröder/Vachstratze 53/59, aus bisher unbekannter Ursache ein Grog s e u e r. Die Anwohner stehen unter, dem Eindruck, daß ein Blitzschlag die Entzündung hervorgerufen habe. Es sei ein sehr naher Einschlag zu hören gewesen und unmittelbar darauf habe das mächtige Gebäude lichterloh in Flammen gestanden.
Binnen zehn Minuten war die Feuerwehr mit einem Großlöschzug zur Stelle und rückte von der Vachstraße wie von der Richthosenstratze her den rasend um sich greifenden Flammen zu Leibe. Kleinere Detonationen innerhalb des Gebäudes waren bereits erfolgt und es stand zu befürchten, dah die unten lagernden Fässer und Tanks vom Brande ergriffen wurden. Diese Gefahr wurde jedoch auf das schnellste beseitigt.
Mit einem unerhörten Aufgebot an Schnelligkeit und Kräften konnte verhindert werden, dah das Feuer weiter um sich griff. Mit Schaum- löschapparaten wurde die Zerstörung aus ihren ansänglichen Herd zurückgedrängt. Als die Flammen aus dem Dach schlugen, wurde es unten bereits dunkler. Von oben her gelang dann binnen einer Stunde die letzte schwere Eindämmung.
Wann die Löscharbeiten beendet sein werden, ist nicht abzusehen. Gegen 2 Uhr nachts tobte der Brand noch.
(Drabtbsriobt uvssrss uaük Usiusckork svtsanätsn Loväsrbsrioktsrstattsrs)
ä. Wittenberg, 11. Juni.
Das furchtbare Explosions-Ungliick in der West- fälisch-Anhaltischen Sprengstofffavrik bei Wittenberg hat das deutsche Volk erschüttern aber nicht beugen können. FUnfundvierzig Tote sind an der Unglücksstätte bis jetzt geborgen und die Verlustliste ist immer noch nicht abgeschlossen. Nichtsdestoweniger ist in Reinsdorf nach der furchtbaren Katastrophe wieder Ruhe eingekehrt, nachdem schon die durch die plötzlichen Explosionen hervorgerufenen Erregungserscheinungen eines Teils der Bevölkerung nicht vermocht hatte, die Besonnenheit der Arbeiter in dem Werke zu verdrängen. Gleich nach den Explosionen, die sich einem als Ursache anzusehenden Betriebsunfall im SprcngstossbctrieL — wahrscheinlich ein in der Wäscherei für Rückstände entstandener Brand — anschlössen, begann die ärztliche Betreuung der Verletzten, die bald um so nachdrücklicher vonstatten gehen konnte, als nicht nur aus Wittenberg und der näheren Umgebung, sondern auch aus Berlin und Leipzig Aerzte herbeigeholt wurden und herbeigeeilt waren.
Uebrigens ist von dem Unglück nur ein verhältnismäßig kleiner Teil des Eesamtwerkes betroffen, der allerdings heute eine wüste Trümmerstätte von wirrenden Knäueln geborstener Kessel, zerbrochener Eisenträger und rauchschwe- lender Lachen von Säuren ist. Wohl sieht auch die weitere Umgebung des zerstörten Fabrikteiles ziemlich mitgenommen aus und Glaser und Dachdecker der der Unglücksstätte benachbarten Arbeitersiedlungen und Dörfer, vor allem von Reinsdorf und Vraunsdorf selbst, dürften nicht imstande sein, ohne Verstärkung von außen in nächster Zeit alle Schäden wieder zu beseitigen, die der Abhilfe bedürfen. Denn zahlreiche Dächer sind abgedeckt, Decken sind eingestürzt. Giebel- wände eingedrückt und manche Bewohner des Notstandsgebietes mußten wegen Einsturzgefahr ihre Häuser verlassen und mit ihren Betten im Freien nächtigen. Indessen geht die Aufräumungsarbeit, unterstützt durch Arbeitsdienst, SA., Feldjägerei, geordnet von statten, sowie auch in dem ziemlich unbeeinflußten Teil der fabrikfähig gebliebenen Anlagen bereits wieder voll gearbeitet wird. Die Gesamtproduktion des Werkes wird bereits in kurzer Zeit wieder gesichert sein, zumal nicht nur die Unverletzten, sondern auch ein großer Teil der leichtverletzten Gefolgschaft des Werkes bereits am Freitagmorgen wieder zur Arbeit erschien und kein er feiern will, sofern er nur die Hände zu rühren vermag, obwohl ein Fernbleiben von der Arbeitsstätte für die Verletzten keinen Verdienstaussall bedeuten würde.
Es ist dieser Arbeitsgeist, um nicht zu sagen, der heroische Trotz gegen ein unvermutet herein- gebrochenes Schicksal einer plötzlich von furcht-
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barer Katastrophe betroffenen Arbeiterschaft geradezu bewundernswert. Ebenso bewundernswsrt aber ist die rasche Organisation der notwendigen Hilfsmaßnahmen zur Versorgung und Unterbringung der Verletzten. Kamen doch schon 2!) Minuten nach der ersten Explosion, die mehrere' Brände und' Detonationen zur' Folge hatte, die ersten Derwundetentransports auf privaten Kraftwagen, die sich aus Wittenberg sofort zur Verfügung stellten, in das Paul-Eerhard- Stift zu Wittenberg und nach dessen Ueberfüllung in. die bereitwilligst von Wittenberger Volksgenossen für die Verletzten bereitgestellten Privat w o h nu n ge n. Ein Teil der Transportfähigen wurde bis nach Halle und ändere Nachbarstädte gebracht, und gleichzeitig wurden mit möglichster Schonung die Angehörigen der Toten
und Verletzten von dem Vorgang in Kenntnis gesetzt. Immer wieder hört man die Geistesgegenwart rühmen, womit die Arbeiter im Augenblick der Katastrophe, selbst ein Umfich- und Weitergreifen des Unglücks zu verhüten verstanden.
- Die im-Laufe, des Freitagvormittag vorgenommenen Rettungs- und Verforgungsarbeiten wurden von Reichsminister D r.. F r i ck in Begleitung von General Daluege an der Unglücksstätte in Reinsdorf persönlich geleitet und überwacht. Ferner war im persönlichen Auftrag des Führers der SS.-Obergruppensührer Josef Dietrich anwesend, der die. zur Unterstützung der Straßen- und .Werksperrung notwendigen Maßnahmen traf, damit niemand in die Eefahrzonen kommen, und die Transporte der Rettungsmannschaften und: Sanitäter reibungslos verlaufen konnten.
Beileidstelegramm des Führers
Berlin, 11. Juni.
Anläßlich der Explosionskatastrophe in Neinsdorf hat der Führer und Reichskanzler an die Leitung der WestsälischAnhaltinischen Sprengstoff-, fabrik das nachstehende Beileidstelegramm gerichtet:
"7,Tief erschüttert durch die Nachricht von der furchtbaren Explosionskatastrophe, bei dem so viele Kameraden der Arbeit ihr Leben lassen mußten, spreche ich Ihnen und der gesamten Belegschaft Ihres Werkes meine herzliche, aufrichtige Teilnahme aus. Ich bitte Sie, diese allen Hinterbliebenen und den Verletzten mit meinen besten Wünschn für gute Genesung zu übermitteln. Ich
überweise zunächst den Betroffenen von mir aus den Betrag von 199 999 RM. Adolf Hitler."
Das Beileid Bremens
Bremen, 11. Juni.
Der Regierende Bürgermeister Heider hat an die Westfälisch-Anhaltinische Sprengstoffabrik Reinsdorf folgendes Telegramm gesandt:
Zu dem furchtbaren Unglück, das Ihre Gefolgschaft betroffen, spreche ich namens der bremischen Regierung und Bevölkerung Ihnen sowie den Kameraden und Angehörigen der Verunglückten herzlichstes Beileid aus. —
Regierender Bürgermeister Heider.
Arbeit
am deutschen Boden
Ob wohl schon alle Volksgenossen den wahren Wert der erzieherischen Aufgabe des Arbeitsdienstes erfaßt haben? Leider muh aus diese Frage eine verneiende Antwort gegeben werden. Aus zahlreichen Gesprächen, die sich um den Arbeitsdienst drehen, klingt zwar heraus, es sei ja ganz schön, dah die jungen Leute unter möglichst geringem Kostenaufwand nutzbares Kulturland erschließen; aber erheblich weiter ist das Verständnis für „Die Schule der Nation" wie der Arbeitsdienst vom Führer bezeichnet worden ist, in vielen Fällen nicht gedrungen.
Es ist wohl richtig, wenn der Inspekteur für das Erziehungs- und Bildungswesen des Arbeitsdienstes, Gauarbeitsfllhrer, Dr. Decker, kürzlich auf der großen Arbeitsdienst-Ausstellung in Dortmund erklärte, der ganze Arbeitsdienst sei so einfach, daß man über ihn nicht zu schreiben brauche; jeder, der guten Willens sei, könne sein Werken und Tun vor aller Öffentlichkeit sehen. Nun ist aber nicht jeder „guten Willens", und sehr viele Volksgenossen, die mit der praktischen Tätigkeit des Arbeitsdienstes nicht in Berührung kommen, haben gar nicht die Möglichkeit, sich davon, zu unterrichten, wie ernst die Aufgabe des Arbeitsdienstes aufgefaßt wird, die deutsche Jugend ohne Ansehen der Person und des Herkommens zur Heimaterde zurückzuführen.
AIs vor mehreren Jahren sich junge Leute aus den verschiedensten Berufen zusammentaten und zum Spaten griffen, wurden die guten Absichten bald von reinen Zweckmäßigkeitsgründen überwuchert. Unter dem Prüning-Gesetz fand die nationalsozialistische Idee des Arbeitsdienstes oder besser gesagt der Arbeitsdienstpflicht keineswegs ihre Verwirklichung. Die schöne Idee sank rasch hinab zu einer von materiellen Gesichtspunkten getragenen Versorgung jugendlicher Arbeitslosen. Erst als Reichsarbeilsführer Hier! der Zersplitterung ein Ende machte und den nationalsozialistischen Arbeitsdienst auf die Beine stellen konnte, wurde die Arbeit am deutschen Boden zum Ehrendienst am deutschen Volke.
Wer den Aufbau des deutschen Volkes kennt, weiß, daß wir zu sehr. „verstädtert" sind. Nur rund ein Drittel aller Deutschen wohnt auf dem Lande; nur ein Viertel gehört zum Bauernstand. Es ist ein Gebot der Selbsterhaltunq des deutschen Volkes, daß dieser Anteil nicht noch mehr durch die Sucht nach der Stadt
Herkules und seine Enkel
Glaubliches und Unglaubliches über Lraftmcnschen / Don Dr. Älfred Lehmann
Zu allen Zeiten und bei allen Völkern haben Menschen, die mit besonderer Muskelkraft begabt waren, die Bewunderung der Mitwelt erregt. Und jener Held des klassischen Sagenkreises, der zehn „Arbeiten" erledigte, zehn ganz außergewöhnliche Kraftproben ablegte, Herkules, wurde Vorbild und Name für eine ganze Anzahl Nachahmer in aller Welt. Uns interessiert hier nicht die sportlich zu nennende Schulung der Muskeln im Ringkampf, sondern die Zurschaustellung, dre gewerbsmäßige artistische Darbietung besonderer Kraftleistung. Die „Arbeit" ist eigentlich zu allen Zeiten ähnlich gewesen: es handelt sich um das Heben bestimmter Gewichte, mit Vorliebe menschlicher oder tierischer Gewichte. Der Romer Rusticelius, der sich bereits den Künstlernamen Herkules beilegte, hob sein eigenes Maultier hoch und trug es davon. Fufius Salvius nahm in jede Hand ein Gewicht von zwei Zentnern, hing sich die gleiche Belastung an die Füge und erstieg eine Leiter. Athanatos („der Unsterbliche", vermutlich ein Pseudonyms stelzte in einem bleiernen Harnisch von 500 Pfund Gewicht und auf ebenso schweren Kothurnen über die Buhne, wie Plinius erzählt. Es ist ferner mehr als einmal vorgekommen, daß starke Männer sieben oder acht Knaben auf dem Arm trugen.
Chroniken fast aller Stätte aus dem Mittel- alter wissen von starken Männern zu erzählen, die derartige Produktionen veranstalteten. Beliebt war dabei auch das Zerreißen von Ketten von Kartenspielen (es gibt Artisten, die selbst fünf Kartenspiele zerreißen können, wozu ame besondere Fingerfertigkeit gehört), das Zerbrechen von Geldstücken und was dergleichen Beweise ausgezeichneten Muskeltrainings mehr sind.
Um 1720 herum produzierte sich ein solcher Artist in Deutschland zum ersten Male erwerbs- mäßig: Johann Karl v. Eckenberg aus Harzgerode. Im Germanischen Museum zu Nürnberg befindet sich ein Kupferstich von 1718, der Eckenbergs Kunststücke zeigt. Hier finden wir schon die bekannten Dinge: auf einem leiterähnlichen Gerüst stehend, hebt er ein Pferd mit zwei Reitern oder ein Kanonenrohr; zwei Pferde sind nicht imstande, ihn fortzuziehen; er legt sich zwischen zwei Stühle und trägt ein halbes Dutzend Männer auf seinem Leib; auf ihn wird ein Amboß gelegt und mit Hämmern darauf geschlagen u. a. Er soll ein Kanonenrohr von 1300 Kilo Gewicht wie ein Wickelkind im Arm gehätschelt haben. Auch die Kraft seiner Zähne war außergewöhnlich. In Leipzig hatte der Athlet ein recht unangenehmes Erlebnis mit einem „Herrn Lieutnant Bayern": er sollte einen Wechselbrief innerhalb 21 Stunden zahlen, und zwar die erste Stunde einen, die zweite Stunde zwei Pfennige usw.— die alte Geschichte vom schachspielenden Inder und den Weizenkörnern. Da er 58 271 Taler 5 Groschen 3 Pfennige nicht zahlen kennte, floh er schleunigst. Der Prozeß, der sich daraus entwickelte, dauerte 11 Jahre. Sein Geld konnte er nicht zusammenhalten, und da der starke Mann schließlich allzu enge Bekanntschaft mit dem Alkohol machte, verlor er neben dem Geld auch seine Kraft. Jin Jahre 1751 starb er gänzlich verarmt.
Eckenberg machte Schule, denn alle umherziehenden Truppen fühlten sich jetzt genötigt, einen Herkules zur Schau zu stellen. Die „Rekorde" wird man damals noch nicht so genau aufgezeichnet haben-sie mögen vielleicht auch die heu
tigen Ziffern nicht erklommen haben. Bis heute hat aber noch niemand versucht, es Karl Rappo
(1800—1851) gleichzutun, der in einer Hand 6 fünfpfllndige Kanonenkugeln jonglierte. 2m Jahre 1818 etwa kam der „griechisch-römische Ringkampf" und damit das System eines beson- .deren Trainings für Kraftleistungen auf: In
Deutschland dauerte es noch einige Zeit, bis die Ringkämpfe populär wurden. Namen wie Emil Naucke (wohl der erste Berufsringer, der aber, als er ein Gewicht von 170 Pfund erreicht hatte, diesen Sport aufgeben mußte) und Carl Abs sind hier besonders zu nennen. Abs war 1851 in Mecklenburg geboren und als Lehrling in der väterlichen Schmiede tätig, bis er Berufsathlet wurde. Auch er hob, an einem Gerüst hängend, ein Pferd.
Hier sei eingeschaltet, daß dieses Heben eines besonders schweren Objektes zumeist durch ein „Geschirr" (Hilft- oder Schultergürtel) geschieht. Das hat den Zweck, das Gewicht des Gegenstandes auf den ganzen Körper zu verteilen. Ein Mann, der einmal eine Plattform mit 25 Menschen hob, verteilte die 30 Zentner Lurch ein geschicktes Ketten- system an der Plattform. Die Ketten waren wieder mit anderen verbunden. Nach dem Gesetze des „Parallelogramms der Kräfte" wurde die Zugwirkung nach der einen Richtung durch die andere, die entgegengesetzt wirkte, aufgehoben.
In den letzten Jahren ist auch ein anderer, früher sehr beliebter Trick wieder aufgekommen; das Auffangen einer abgeschossenen Kanonenkugel. Erstmalig wurde er vor etwa 60 Jahren von dem Haderslebener John Holtum in England angewandt. Jahrelang hatte er nach einem passenden Geschütz gesucht, das er endlich im Arsenal von Birmingham fand. Der erste Versuch kostete ihm einen Finger der linken Hand. Seine Konkurrenz wurde später die „Kanonenkönigin" Miß Victorina (Fräulein Weidler aus Straßburg), die mit den Armniuskeln auch Ketten sprengte.
Die „Kraftjongleure" zeichnen sich dadurch aus, daß sie schwere Gewichte in die Luft werfen und von oben auf den Nacken fallen lassen, andererseits
aber auch Objekte schwerster Art rotierend balancieren. Diese Artisten bedienen sich heute aller modernen technischen Sensationen. Redam läßt z. B. zwei kleine Flugzeuge um seinen Kopf kreisen, deren Mittelpunkt sein Kopf bildet. „Heros, der Mann. mit dem Panzerplattengenick", bedient sich eines 100 Kilo schweren Torpedos, das er auf eine Stange legt und auf dem Kinn balanciert. Ein Ruck beseitigt die Stange, und das schwere Torpedo saust auf sein Genick. Der Amateurathlet Fritz Brust hält sogar zwei startende Flugzeuge von je 80 PS mit den Armen fest.
In den letzten Jahren machte namentlich Siegmund Breitbart, der „Eisenkönig" von sich reden. Er bog 7,5 Millimeter starke Eisenstangen und schlug mit der Faust Nägel in dicke Bretter. Nichts an seiner Figur verriet den „Kraftmenschen", den „Muskelpietsch". Er war ebenmäßig gewachsen. Jahrelang zeigte er seine verblüffenden Dar-
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Claus Turre hatte den verhaßten Gegner, der ihm jede Herzkränkung zugefügt oder doch zugedacht, überwunden, gefesselt und zerrte den halb Ohnmächtigen und aus mehreren Rissen Blutenden zum Kalberger Moor, ihn dort wie ein räudiges Vieh ersaufen zu lassen. Es war gegen Abend der blühende rote Mond stieg wie ein feuriges Warnungszeichen über den Erlen und Weiden empor, die den sumpfigen Bezirk einsäumten Der Gefesselte schleppte sich verbissenen Angesichts, wohl ahnend, daß es auf die letzte Reise gehe, mühselig voran ab und zu unsanft gestoßen von des Siegers Fäusten.
Die beiden sprachen kein Wort. Was sie sich an Haß zu sagen hatten, war von ihnen während des wütenden Ringkampfes ausgespien worden.
bietungen, bis ihm 1925 der Allbezwinger Tod einen rostigen Nagel in die Hand gab, der den starken Mann innerhalb zweier Tage überwand. Eine Blutvergiftung riß ihn hinweg. Seine Brüder. und Assistenten zeigen jetzt verschiedene seiner Tricks.
Vreitbart hatte eine Konkurrentin: Sandwina, die stärkste Frau der Welt. Eigentlich heißt sie Kittchen Vrumbach und ist die Tochter des „bayrischen Herkules" Xaver Vrumbach. Kittchen hat fünfzehn Geschwister. Als „Katharina die Große" machte sie zuerst von sich reden, verschwand dann für einige Jahre und tauchte als Sandwina wieder auf. Sie zerreißt Ketten bis zu 7 Millimeter Stärke und läßt sich als Amboß verwenden. — Und in letzter Zeit ist Hellmuth Lichterseld, ein kleiner Junge, aufgetaucht, der seinen großen Lehrmeistern nicht nachsteht. Alle Kraftmenschen werden allgemein bewundert, denn — es lebe der Biceps!
nd-Uhr
Sepp Hannewald, der Unterlegene, suchte wohl ein paarmal, den Schritt zu verzögern, ehe er ins ewige Dunkel hinabsänke, aber er mußte sich immer wieder dem Tempo des Siegers fügen. Den aufsteigenden schmählichen Gedanken, um Gnade zu flehen, unterdrückte er. Es würde seiner Meinung nach auch geheißen haben, Felsen oder Schlangen um Schonung zu bitten.
Der Mond wurde unterdessen reifer, die Nacht sank tiefer hernieder. Vom Moore her hörte man die knac nden Geräusche leichten Getiers, das Schluchzen wie in Röhren absinkenden Wassers und das melancholische Geheul der Unken.
Vor Sepps Augen stand der hohe Berg aufgehäuften, wahllos getürmten Lebensgenusses, und unmittelbar daneben gähnte die unermetz-