Ausgabe 
(14.6.1935) Nr. 162
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das amtliche lieg an -es Senats

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Nr. 162 / 3. Jahrgang

Freitag, 14. Luni

Ginzelprers 15 Rpf.

Großes GxpWonsunglück bei Wittenberg

Unser lagvsspiegel

In Reinsdorf bei Wittenberg ereignete sich ein furchtbares Explosionsunglück, dem 22 Menschenleben zum Opfer sielen Das Urteil im Rundsunkprozeß verhängte über die Hauptschuldigen Gefängnisstrafen bis zu einem Jahr

Von der Deutschen Arbeitsfront wird auch in Bremen eine Arbeitskammer errichtet , Die Belebung bremischer Wirtschaft im Mai zeigt sich im günstigen Steueraufkommen In einem Meinungsaustausch zwischen sächsi­scher Industrie und hanseatischem Ausfuhr­handel sprach Senator Bernhard für Nutz­barmachung der hanseatischen Erfahrungen in der Ausfuhr

Das kommende Wochenende sieht Jugend und Handwerk in großer Werbeaktion Der Reingewinn bei der Grohner Wand­plattenfabrik hat sich beträchtlich gesteigert In Berlin beginnen heute die Spiele Deutsch­land-Australien um den Davispokal

Mattenflucht aus Veking

Peking, 13 Juni.

In einer Mitteilung der japanischen Kwantung- Armee zum Zwischenfall von Chahar wird im Ge­gensatz zu der chinesischen Darstellung behauptet, datz die betroffenen Militärpersonen fünf Tage lang unter entwürdigenden Umständen festgehal­ten worden seien, obwohl sie ausreichende Aus- weispapiere besessen hätten. Der Zivilkommissar der Provinz Chahar überbrachte am Donnerstag­vormittag dem japanischen Militärattache in Pe­king, Takahaschi, die Entschuldigungen der Pro- vinzialregierung,' er erhielt jedoch zur Antwort, für Entschuldigungen sei es zu spät, da die japanischen Truppen bereits in vollem Vorgehen begriffen seien.

Wie weiter gemeldet wird, haben die militäri­schen Vorbereitungen Japans für das Vorgehen in Nordchina bereits am 9. Juni begonnen. Bis zum 11. d. M. haben 13 Truppentransporte die Stadt Schanheikwan an der Bahnstrecke Mulden Peking passiert Das erste japanische Truppen­transportschiff ist am Mittwochvormittag in Tangku eingetroffen. Die Truppen wurden in zwei Eisenbahnzügen nach Tientsin gebracht. Für Freitag ist der Besuch eines japanischen Flugzeug­geschwaders aus Jehol in Peking angekündigt.

Am Donnerstag hat eine Massenslucht aus Pe­king eingesetzt. An Stelle der bisherigen Gelassen­heit ist große Nervosität getreten.

GA.-Fühi-ei'tagung in Schandau

Dresden, 13. Juni.

Am Freitag, Sonnabend und Sonntag findet in Bad Schandau unter Vorsitz des Stabschefs Lutze eine Tagung sämtlicher Obsrgruppen- und Cruppenführer der SA. statt. Die Teilnehmer trafen bereits am Donnerstagabend in Bad Schandau ein.

Deutschland trauert um zimiunözwanzig tote und über dreihundert

verletzte Opfer der Arbeit

cknd. Wittenberg, 13. Juni. Gegen 3 Uhr nachmittags ereignete sich in Reinsdorf bei Wittenberg bei der Firma Westfälisch-Anhaltinische Sprengstoff-Fabrik (Wasag) ein Explosionsunglück, bei dem ein Teil des Betriebes stark beschädigt wurde. Nach der ersten Explosion entstand ein Brand, in dessen Verlauf sich weitere Explo­sionen ereigneten. Die letzte Explosion er­folgte um 6 Uhr. Die Brandstelle war erst gegen Abend um 8 Uhr zugänglich Zu dem Explosionsunglück in Reinsdorf wird ergänzend mitgeteilt, datz bisher 22 Tote geborgen wurden.

Es mutz leider aller Wahrscheinlichkeit mit einer Anzahl von etwa 5V Toten gerech­net werden. Die Zahl der Schwerverletzten wird bisher mit 75, die Zahl der Leichtver­letzten mit 388 angegeben.

Als Zeichen der Trauer legte der deutsche Rundfunk nach Bekanntwerden der Unglücksmel­dung eine fünf Minuten lange Funkstille ein. Anschließend wurde Trauermusik gesendet. Noch am gleichen Abend richtete Dr. Ley ein Beileidstelegramm an die Wasag, ferner ordnete der Führer der DAF. eine Halbmast- Beflaggung aller DAF.-Dienststellen bis zum Veisetzungstag der Opfer sowie ein fünftägiges Anlegen von Trauerflor zum Dienstanzug an.

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Das furchtbare Unglück von Reinsdorf muß als nationales Unglück schlecht­weg angesprochen werden. Ueber 400 Opfer der Arbeit hat es gefordert, und an den Särgen von zahlreichen Toten trauern die betroffenen Angehörigen. Das ganze deutsche Volk teilt ihren Schmerz, den Schmerz um die Arbeitshelden deutschen Blutes, die Männer treuer Pflichterfüllung, und schenkt in gleicher Weise sürsorgende Anteilnahme

den Hinterbliebenen der Toten wie den Ver­letzten. Deutschland senkt in Ehrfurcht die Fahnen vor einem unerforschlichen Schicksal; aber wir Deutsche werden darum nicht irre an unseren großen Aufgaben, an unseren Werken der Arbeit. Wie im Feld in heißer Schlacht, geht auch hier der gewaltige Kampf um hohe Ziele weiter, ungeachtet der Gefallenen und in derem Geiste. Deutschland muß leben, und wenn wir sterben müssen . . ." bleibt nach wie vor die hehre Losung des nationalsozialistischen deutschen Volkes, das seine Toten am innig­sten damit ehrt, daß es dieser Losung un­beirrt von allem Mißgeschick zielbewußt folgt. Gewaltiger als das Schicksal erwies sich noch immer, wer es ungebrochen trägt. Das aber soll nie die Geschichte vom natio­nalsozialistischen Deutschland melden können, daß es sein Schicksal nicht zu meistern ver­stand. ä.

Sauberkeit im Staat über alles

Gerechte Mette im Nundfunk-Vrozeß

Berlin, 13. Juni

2m Rundfunkprozeß, der seit dem 5. November 1934 die Sechste Große Strafkammer des Ber­liner Landgerichts beschäftigt, verkündete der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Rosemann fol­gendes Urteil:

Der Angeklagte Körte, früherer kaufmän­nischer Direktor der Westdeutschen Rundfunk AE. wird freigesprochen. Gegen den An­geklagten Otto wird das Verfahren eingestellt. Im übrigen erfolgt Freisprechung. Der An­geklagte Dr. Erwin Jaeger, Direktor der Mitteldeutschen Rundfunk AE. wird freige­sprochen.

Der Angeklagte Vredow, Staatssekretär a. D. und früherer Reichsrundfunkkommissar wird zu einer Gesamtstrafe von sechs Mo­naten Gefängnis und zu Geldstrafen von 599, 1500, 2599 und 599 Mark verurteilt. Die Freiheitsstrafe und die Geldstrafen sind durch die Untersuchungshaft verbüßt. Im übrigen wird auch dieser Angeklagte freigesprochen.

Der ehemalige Geschäftsführer der Reichs- rundsunkgescllschaft, der 47jährige Angeklagte Dr. Kurt Magnus wird zu einer Gesamtstrafe von fünf Monaten Gefängnis und zu Geldstrafen von 1800 und 2800 Mark verurteilt. Auch bei diesem Angeklagten sind die Freiheits­strafe und die Geldstrafen durch die Untersu­chungshaft verbüßt.

Der frühere Rundsunkintendant Dr. med. Hans Flesch ist der aktienrechtlichen Untreue in fünf Fällen sowie der Beihilfe zum Parteivcrrat durch den früheren Rechtsanwalt Dr. Frey schul­dig und wird zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr Gefängnis und in den Fällen der Un­treue auch zu Geldstrafen von 3909, 899, 5099, 1906 und 1599 Mark verurteilt. - Die Untersu­chungshaft wird mit elf Monaten aus die Frei­heitsstrafe angerechnet. Im übrigen wird der Angeklagte Flesch freigesprochen.

Der Angeklagte Dr. Felix Kohl, früherer Direktor der Mitteldeutschen Rundfunk AE., so­wie der frühere Direktor der Schlesischen Funk­stunde AE Emil Zorek sind zu Gefängnis und Geldstrafen vcrurt ilt. Die Freiheitsstrafen gelten als verbüßt. 2m übrigen werden beide freige­sprochen.

Das Urteil im großen Rundfunkprozetz er­weckt Befriedigung rm deutschen Volke. Sauberkeit im Staate über alles! Untreue, unter welcher Marke sie immer sich zeigt, er­fährt im neuen Deutschland harte Strafe. Möglich, daß die Herren Bredow, Dr. Kurt Magnus, Dr. Hans Flesch, Dr. Pohl, Zorek nach den verfaulten Grundsätzen einer libe- ralistischen Rechtsanschauung so handeln zu dürfen glaubten, wie sie gehandelt haben; im nationalsozialistischen Staat wird fahr­lässige Verschwendung des Volksvermögens

scharf angefaßt und um so strenger bestraft, wenn sich damit gewissenloser Eigennutz ver­bindet. Da geht es nicht um tote Buchstaben eines kapitalistischen, artfremden Rechts, da geht es um lebendiges deutsches Rechts­empfinden, und dieses will rücksichtslos ge­faßt sehen alle Volksschädlinge und am rück­sichtslosesten diese, die ein ihnen von der Volksgemeinschaft anvertrautes Amt zur Ergatterung eigener Vorteile mißbrauchen. Das war bei den Verurteilten der Fall, und die gerechten Strafen sind hundertprozentig zu billigen. 6.

Weltkvnferenz der Frontkämpfer?

London, 13. 2uni

Wie aus Melbourne berichtet wird, hat die Geste des Prinzen von Wales gegenüber Deutsch­land den Vorschlag, eine Weltkonferenz der ehe­maligen Kriegsteilnehmer einzuberufen, wieder aufleben lassen. Dieser Vorschlag war vor eini­ger Zeit von dem Frontsoldatenverband des australischen Bundesstaates Victoria gemacht worden. Er soll aber damals von dem Britischen Reichsbund ehemaliger Soldaten mit einer kleinen Mehrheit abgelehnt worden sein.

Chaco-Abkommen unterzeichnet. Das para­guayisch« Außenministerium teilt mit, datz durch die Unterzeichnung eines Abkommens in Vuenos Aires der Streit mit Bolivien beendet ist.

Tln die Dunkelmänner unserer Zeit

Traurig ist es um eine Wissenschaft be­stellt, die nichts anderes zu bieten vermag, als ewiges Suchen nach der Wahrheit."

Dieser jesuitische Angriff des Ins- brucker Professors Dr. Donat gegen die germanische Auffassung von Wissenschaft und Forschung kennzeichnet zugleich die gei­stige Front, mit der das junge Deutschland sich erfolgreich auseinandersetzen muß, so es ein Deutschland überhaupt geben soll. Der Gegner darf dabei nicht unterschätzt werden, denn ihm stehen mehr als tausendjährige Erfahrungen zur Verfügung, und er ist nie wählerisch in den Mitteln gewesen.

Es ist nicht Aufgabe der politischen Tages­presse, religiöse, dogmatische Fragen zu be­handeln. Wir schalten diese in unserer Be­trachtung völlig aus. Es gehört aber, wie die letzten Monate, Tage erneut beweisen, zum Wesen der römischen Kirche, das gesamte deutsche Leben, unser wissenschaftliches Den­ken und Forschen, unsere sittliche Charakter­bildung lenken und beherrschen zu wollen. Der Abwehrkampf gegen diese immer erneut versuchte geistige Vergewaltigung eines gan­zen Volkes währt 1000 Jahre, und Millio­nen deutscher Menschen haben ihr Leben da­für hingegeben. Wir aber tragen das Erbe dieser Toten, die Verantwortung, die heilige Verpflichtung, den tausendjährigen deutschen Abwehrkampf, unabhängig von aller kon­fessionellen Einstellung, erfolgreich zu be­enden.

In vorderster Front steht Alfred Rosenberg, steht seinMythus des 20. Jahrhunderts", ein umstrittenes Buch, so­weit es sich um seinen religiösen Gehalt han­delt, das entscheidenste Buch aber seit hun­dert Jahren, da es die deutsche Position einmalig und endgültig festlegt. Wie alle anderen großen Zeugnisse germanischen Geistes seit Roger Bacon (13. Jahrhundert) wurde der Mythus von der römischen Kirche versehmt und auf die schwarze Liste, den Index, gesetzt. Das berührte die Kampf­stellung Rosenbergs nicht. Inzwischen aber sind im Auftrage der römischen Kirche, be­zeichnenderweise anonym, dieStudien zum Mythus" erschienen, die in ihrer Form und Gestaltung, in dem, was sie sagen, und in dem, was sie verschweigen, auch dem letz­ten schwankenden Deutschen zeigen, welcher Abwehrkampf zu bestehen ist.

Die Freiheit der deutschen Forschung, ihr naturverbundenes Schauen und Denken, unser ewiges selbstverantwortliches Suchen nach Wahrheit, alles das wird in Acht und Bann getan um eines römischem Prinzips willen, das aus dem Mittelalter heraus mit Inquisition und Scheiterhaufen droht. Darauf hat Rosenberg mit einer klei­nen, aber um so inhaltsreicheren Schrift ge-

Äm Luftschiff nordwärts

Das Luftfahrzeug im Dienste der Polarforschung / Von Dr. Hugo Gckener (friedrichshaftn)

Das^ allgemeine Interesse an den Problemen der Arktis hat in letzter Zeit außerordentlich zugenommen, seitdem höchst spannend verlaufene Versuche von verschiedenen Persönlichkeiten unter­nommen wurden, die Arktis mit Flugzeugen oder Lustschiffen zu überqueren. Die Anschauungen über die Durchführbarkeit und Gefahren solcher Versuche sind geteilt. Es herrscht zwar Ueber­einstimmung darüber, daß das Flugzeug für Po­larforschung nicht recht geeignet ist, da große Schwierigkeiten mit der Landung und dem Wie- dsraufsteigen desselben im Gebiete des ewigen Eises verknüpft sind. Ueber die Verwendungs­fähigkeit des Luftschiffes aber für die Polar­forschung sind die Meinungen etwas unklar. 2" den folgenden Ausführungen soll hierüber kurz

i werden. .

einung, als ob sich besondere meteoro- öchwierigkeiten und Gefahren der Ver- des Luftschiffes in der Arktis entgegen- t unrichtig. Die Niedrigkeit der raturen kommt nicht in Betracht, :ns sind im Sommer die Polartempera- r nicht so niedrig, wie man meistens bewegen sich vielmehr im Juni und Null Grad herum, und zweitens wurden -drige Temperaturen die .Verwendung chlffes nicht ausschließen, ie Meinung, als ob sich das Polargebie stige Stürme auszeichnet, ist nichl >. Dieses Gebiet ist vielmehr ruhiger sogenannte gemäßigte Zone; vor alten reten Sturm- und Gewitterböen leiten g heftig auf, und solche Böen sind allein ahrzeuge etwas unbequem, esorgnis ferner, daß Schnee- und astung dem Luftschiff in der Arktis

gefährlich werden könnte, ist ebenfalls unbe­gründet: Der Schneebelastung, die nur gefährlich werden kann, wenn der Schnee feucht ist, vermag man durch Aufsteigen in Höhen niederer Tempe­ratur und trockenen Schnees zu entgehen. Das gleiche gilt von der Eisbelastung, die sich bei dau­erndem Fahren im Nebel einstellt und die übrigens auch noch dadurch gefährlich werden kann, daß abfliegende Eisstücke von den Pro­pellern durch die Gaszellen geschleudert werden. Dieser letzteren Gefahr begegnet man durch geeig­nete Einrichtungen am Luftschiff ohne Schwie­rigkeit.

Die eigentlichen Schwierigkeiten einer Luftschiffexpedition durch die SÜktis liegen aus navigatorischem Gebiet: Der Magnet­kompaß versagt aus bekannten Gründen, ebenso der Kreiselkompaß. Ortspeilungen vermittelst drahtloser Telegrafie sind nicht ganz zuverlässig und geben übrigens nur den Schiffsort, nicht aber einen Anhalt darüber, wie vom festgestellten Ort aus weiter navigiert werden kann, da eben die Kompasse nicht oder nur mit großer Unsicherheit verwendbar sind. Unter diesen Umständen ist der von Admiral Voykow konstruierte Sonnenkompaß ein ausgezeichnetes Navigationsinstrument, das die Nordrichtung zuverlässig anzeigt. Leider aber ist selbstverständlich dieses Instrument nur dann verwendbar, wenn eben die Sonne scheint. Im übrigen muß man sich natürlich auch der be­kannten Methoden der terristrischen Navigation bedienen, um Windrichtung und -stärke festzu­stellen und bei Festsetzung des gesteuerten Kurses in Rechnung zu setzen. Die geschilderten Schwie­rigkeiten verringern sich natürlich, wenn erst mehrere Reisen über die Arktis ausgeführt und die Mißweisungen des Magnetkompasses an einer

Anzahl von Punkten festgestellt sind, und wenn ferner einige Ergebnisse über die Ausführungen von F. T.-Kreuzpeilungen vorliegen.

Die Flüge von Byrd und Amundsen verliefen, wenn man alle Schwierigkeiten und die Unzulänglichkeiten der benutzten Fahrzeuge in Betracht zieht, außerordentlich glücklich, wenn sie auch keinen größeren wissenschaftlichen Gewinn heimbrachten. Die Frage, ob Byrd wirklich den Pol erreicht hat, kann man auf sich beruhen lassen: Denn sicherlich ist Byrd, der mit seinem Sonnenkompaß in bestimmter Richtung, mit be­stimmter Geschwindigkeit eine bestimmte Zeit flog, mindestens sehr nahe am Pol gewesen, und es ist ohne Belang, ob er wirklich einige Kilo- meter von demselben entfernt blieb. Ebenso ist die Frage, ob Amundsen wirklich den Pol genau überquerte, ohne Belang, und wird schwerlich einwandfrei zu entscheiden sein, denn die astrono­mischen Beobachtungen, auf die Amundsen sich stützt, sind von einem Luftfahrzeug nicht mit zu­reichender Genauigkeit auszuführen. Es genügt vollkommen, daß Amundsen jedenfalls bei seiner Ueberquerung die Nähe des Poles streifte.

Wenn eine mit Luftschiff ausgeführte arktische Expedition aber wirklich volle wissen­schaftliche Ergebnisse erbringen soll, so muß das

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vom 23.-30. Outil m llübsoü

Expeditionsschiff erheblich leistungsfähiger sein als das von Amundsen benutzte. Es mutz im­stande sein. sich vier bis fünf Tage in der Luft zu halten und das ganze Gebiet zwischen dem Pol uno dem Festland von Nordamerika, von Alaska bis Grönland, in jeder Richtung zu durch­queren, um nach dem Vorhandensein von unbe­kanntem Land auszuschauen und dieses Land zugleich sotogrammetrisch auszuweisen. Es muß

ferner geeignet sein, Landungen ohne fremde Hilfe auf dem Eise auszuführen, damit an den Landungsstellen Beobachtungen und Messungen aller Art ausgeführt werden können. Hierzu gehören Meereslotungen, meteorologische Messun­gen, luftelektrische Beobachtungen und Messungen, Eravitationsbestimmungen und dergleichen mehr. Es wäre im Interesse der wissenschaftlichen For­schung sehr zu wünschen, daß einmal mit einem genügend großen Zeppelin-Luftschiff eine solche Expedition in absehbarer Zeit durchgeführr werden könnte.

In diesem Zusammenhange verdient der Ge­danke einer Anzahl von Männern Erwähnung, sich von einem Luftschiff, in der Nähe des Pols

auf dem Eise absetzen zu lassen, um dann einen vollen Winter hindurch wissenschaftliche Beobach­tungen im Polgebiete vorzunehmen und sich im nächsten Jahre von einem Luftschiff wieder ab­holen zu lassen. Es ist sicherlich nicht allzu schwierig, diese Gruppe von Männern mitsamt ihrer Ausrüstung und Ausstattung für eine Win­terkampagne auf dem Eise abzusetzen: schwieriger dürfte es sein, dieselben im nächsten Jahre wiederzufinden, ba das Eis bekanntlich triftet und sehr häufig ein niedrig liegender Nebel die Oberfläche des Eises verschleiert. Der Plan hat deshalb einen stark abenteuerlichen Beigeschmack, wenn er auch nicht als durchaus unausführbar angesehen werden muß

Wandlungen ims>taatsbürger"-Vegriff

Das nationalsozialistische Parteiprogramm, dessen unbedingte und restlose Durchführung kürz­lich der Reichs- und Preußische Minister des Innern, Dr. Wilhelm Frick, in einer Unter­redung mit einem kanadischen Schriftsteller er­neut betont hat, enthält in seinen einzelnen Punk­ten mehrfach das WortStaatsbürger". Dieses Wort hat, wie dieDeutsche Juristen-Zeitung" das Organ der ReichsfachgruppeHochschullehrer" des Bundes Nationalsozialistischer Deutscher 2uristen, in Heft 12 ausführt, zahlreiche Wand­lungen durchgemacht, bis es seine klare, auf den Volksgenossen abge st eilte Defi­nition erhielt.

Das WortStaatsbürger", ein Wort das Kant, der große Königsberger Philosoph, i» die Rechtslehre einführte erhielt seine positive Bedeutung erst im 19. Jahrhundert, als der 2ud- durch den Erlaß des Edikts über die Juden emanzipation vom Jahre 1812 plötzlich allen iibri gen Bürgern gleichgestellt wurde. So hat noch rund 30 Jahrs nach diesem Erlaß, im Jahre 1846,

der Berliner Unioersitätsprofessor Dr. C. W. von Lancizolle in feinem WerkUeber Königtum und Landstände in Preußen" geschrieben:

Wie wenig populär der AusdruckStaats­bürger" geblieben ist (bei welchem übrigens die große Volksmasse allermeist noch jetzt sich schwer­lich viel zu denken vermag), zeigt -sich in dem sonderbaren, selbst in der Veamtenivelt lange Zeit gangbaren Sprachgebrauch, wonach unter diesem Namen ganz einfach ein der Wohltaten jenes Ge­hetzes vom Jahre 1812 teilhaftig gewordener Jude verstanden worden ist. Da die aufgeklärten Juden sich des Judennamens törichterweise zu schämen pflegen, so haben auch sie diesen Sprachgebrauch natürlich befördert, vielleicht auch nicht ohne die Hoffnung, durch die Präponderanz des Geldes und des (vielen ihres Volkes nicht abzusprechenden) Lalenis und durch die Verbreitung eines pseudo- mosaischen Deismus die wirkliche Metamorphose unseres christlichen deutschen Staates in eine Art Judenstaat zu erleben, in welchem sie natürlich