Ausgabe 
(12.6.1935) Nr. 160
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Nr. iso / 3. Jahrgang

Mittwoch, 12 . Juni

Einzelpreis is Npf.

Ist dies Ringen um das Gottesreich?

Nein: das getarnte Zentrum ist am Werk

Unser lengesspiegvl

Der politische Katholizismus erhebt auch in der Hansestadt Bremen wieder dreist sein Haupt

Wegen gewissenloser Schädigung deutscher Be­lange mutzte wiederum eine Anzahl Volks- schiidlinge aus Deutschland ausgebürgert «erden

Der englische Thronfolger setzte sich vor der englischen Frontkämpfervereinigung eindeutig für die Verständigung mit Deutschland ei»

Senator Bernhard sprach auf dem Abschieds­abend der Bremer Im- und Exportschule über die Wiederherstellung des Vertrauens im Auslande

Eine gestern über Bremen wehende Sturmbö« hat für kurze Zeit starke Verwirrung ange­richtet

Durch Jnstandsetzungs-Aufträge der Haus­besitzer soll in diesem Sommer die Arbeits­losigkeit mitbekämpst werden

Der neue Strandweg an der Weser in Hastedt wurde in diesen Tagen vollendet

Die Kieler Woche 1935 stellt mit 328 Mel­dungen eine machtvolle Vorprobe für die Segel-Olympiade 1939 dar

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DanzigerDevisenbewlrtfchaftung

Danzig, 11. Juni

Der Danziger Senat hat eine Verordnung er­lösten, durch die bis auf weiteres im Gebiet der Freien Stadt Danzig eine Divisenbewirtschaf- tung eingeführt wird. Ihre Durchführung un­terliegt einer Devisenstelle.

Diese Beschränkungen gelten auch für die Mit­nahme von in- und ausländischen Zahlungsmit­teln usw. im Reiseverkehr ins Ausland, sofern eine monatliche Freigrenze im Wert von zwan­zig Gulden überschritten wird. Zuwiderhand­lungen gegen die Verordnung werden mit stren­gen Strafen geahndet. Ausländische Zahlungs­mittel und Forderungen in ausländischer Wäh­rung dürfen gegen inländische Zahlungsmittel nur von der Bank von Danzig oder -durch ihre Vermittlung erworben und veräußert werden.

Der Volkölag einberufen

Danzig, 11. Juni.

Der Danziger Volkstag ist für Mittwoch 17 Uhr zur Entgegennahme der angekündigten Erklärung des Präsidenten des Danziger Senats einberufen worden. Der Senatspräsident wird in dieser Er­klärung grundlegend zu den die weitere Entwick­lung Danzigs bestimmenden politischen, wirtschaft­lichen und finanziellen Fragen Stellung nehmen. Man kann annehmen, daß Präsident Greiser in diesem Zusammenhang dem Volkstag auch das angekündigte große Sparprogramm vorlegen wird.

* Bremen, 12. Juni

Die Pfarrgeistlichen des Pfarramtes St. Marien, Bremen, haben kurz vor Pfingsten in zwei Auf­rufen Einladungen an alle junge» Männer der Pfarramtsgemeinde zur Teilnahme an einer Reichgotteswoche in der St. Marienkirche am Steffensweg ergehen lasten.

Im ersten Ausruf heißt es unter anderem: Heute wird im Ringen um das Gottes- reich in unserem Baterlande jeder katho­lische Iungmann gefordert. Wir müssen ein neues Deutschland und ein neues Volk bauen. Fundament, wo­rauf Deutschland und die Welt ausgebaut werden mutz, ist Christus, er mutz Mittelpunkt Deutschlands sein . . .

Im zweiten Aufruf heißt es:

Die Reichgotteswoche soll und mutz eine starke und einheitliche Frontka­tholischer Jungmannschasten formen, die nicht alleshinnimmt und dazu schweigt, sondern die ihrem Mann stellt für Glauben und Kirche.

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Die Reichgotteswoche ist nun zu Ende und man kann sich denken, daß die dabei gehaltenen Vortrüge ganz dem Geist entsprachen, aus dem die Einladungen flössen. Sprechen doch die von uns oben aufgeführten Stellen aus diesen Einla­dungen an die katholische Jugend Bremens Bände für den auch in Bremen noch stark oder wieder stark am Werk befindlichen getarnten poli­tischen Katholizismus.

Unter dem Vorwand nach dem Gottesreich zu streben, wird hier die religiöse Vertrauensseligkeit eines Teiles der deutschen Jugend dazu miß­braucht, Eedankengängen sich zu erschließen, die alles andere mehr als religiös, die schlechtweg politisch sind und zwar politisch in einem dem Dritten Reich unbedingt entgegengesetzten Sinne. Was geht die Psarrherren von St. Marien der Auf­bau von Volk und Reich an? Sie wollen ein neues Deutschland aufbauen? Also wohl wieder ein anderes als der Führer baut? Sie wollen ein neues deutsches Volk schaffen? Also wohl ein anderes als sich der Führer schafft? Sie mögen doch bei der Seelsorge verbleiben und den Aufbau von Reich und Volk dem Führer überlasten. E r hat gezeigt, daß er ein Reich auf­zubauen versteht und er hat gleichfalls bewiesen, daß er ein Volk zu erneuern imstande ist. Im Mittelpunkt Deutschlands steht er, der Führer und niemand anders und das Fundament auf dem Deutschland und vielleicht dereinst eine ganze Welt beruht ist seine Lehre, die nationalsoziali­stische Weltanschauung.

Geradezu dreist finden wir es, wenn die Psarr- geistlichen von St. Marien davon reden, daß die sogenannte Reichsgotteswoche zur Bildung einer starken und einheitlichen Front katholischer Jung- mannschaften benutzt werden müßte, zu einer Front, die nicht alles hinnimmt und schweigt.

Gegen wen soll denn diese Front gerichtet sein? Man hat es wohlweislich unterlassen,'dies deut­lich auszusprechen. Indes es ist nicht schwer, es zwischen den Zeilen herauszulesen, nämlich gegen die nationalsozialistische Front des einigen Dritten Reiches. So ist es doch gemeint, ihr Herren?

Nun, wir Nationalsozialisten sind gleichfalls nicht gewillt, schweigend alles hinzunehmen, am wenigsten eine sich von der großen gemeinsamen nationalsozialistischen Jugendfront absondernde und ihr entgegenarbeitende Front zentrums- gesührter katholischer Jungmannschasten, wir sind nicht gesonnen, diese Front hinzunehmen:

1. weil wir keinen Zwiespalt in der deutschen Volksgemeinschaft dulden,

2. weil wir den Totalitätsanspruch auch für die deutsche Jugend erheben,

London, 11. Juni

Der Prinz von Wales hielt auf der Jahres­versammlung der britischen Frontkämpferverei­nigungVritish Legion" in der Londoner Queens- Hall eine Rede, die einen deutlichen Hinweis auf die Notwendigkeit einer deutsch-englischen Ver­ständigung enthielt und daher stärkste Beachtung verdient. Der Thronfolger Englands erklärte sich mit der Absicht der britischen Legion, eine Abordnung nach Deutschland zu ent­senden, um engere Beziehungen zu den Front­kämpfern des ehemaligen Gegners herzustellen, in jeder Hinsicht einverstanden und führte zum Schluß seiner Ansprache folgendes aus:

Als ich kürzlich mit dem Präsidenten der British Legion sprach, warf er die Frage aus, die sich auch mir aufgedrängt hatte, daß nämlich Vertreter der britischen Frontkämpfer-Vereini­gung Deutschland einen Besuch abstatten sollten. Ich bin der Meinung, daß es keine Körperschaft oder Organisation gibt, die geeigneter wäre, den Deutschen die Hand in Freundschaft entgegenzu­strecken als die ehemaligen Frontkämpfer, die im Weltkrieg gegen sie gekämpst, und die das alles jetzt vergessen haben."

3. well wir geheime Nester religiös sich gebender Wühlmäuse und Verräter ebenso zielbewußt und mitleids­los ausräuchern, wie kommunistische und marxistische Wühl- und Verräter-Nester und das um so sorgfältiger, als wir erkennen, datz eine Kluft in die deutsche Jugend zu brechen versucht werden soll.

Die deutsche Jugend gehört Deutschland, die deutsche Jugend gehört dem Führer und wer aus Machthunger einen Teil davon politisch für sich zu gewinnen versucht, hat uns zum Feinde. Die Volksgemeinschaft mag dem politischen Katholi­zismus, der seine Wurzeln außerhalb des Reiches hat, leerer Schall sein. Uns ist sie ein unantastbar hohes Gut und wer sie versucht zu zerstören, be­kommt es mit uns zu tun.

Die beste Antwort bleibt freilich der getäuschten katholischen Jugend selber vorbehalten. Mag sie ihren politischen Verführern in geistlichen Ge­wändern schroff den Rücken kehren. Deutschlands Jugend darf nur eine Front kennen, die Hitler­jugend-Front, so wie Deutschland nür eine Front kennen darf und kann, die Front des Führers, die nationalsozialistische Front, die einzige deutsche Front. ci.

Diese Erklärung des Prinzen von Wales, der die Teilnehmer an. der Jahresversammlung mit den WortenMeine alten Kameraden" anredete, wurde mit lang anhaltendem Beifall begrüßt.

Die gesamte Londoner Abendpresse verzeichnet in größter Aufmachung die freundschaftlichen Aeußerungen des Prinzen von Wales über Deutschland. WieEvening Standard" meldet, steht die Zusammensetzung der Abordnung, die schon in einigen Wochen Deutschland besuchen wird, bereits fest. Sie wird aus dem gegenwär­tigen Vundesführer Major Festherston Güdley, dem früheren Bundesführer Oberst Croßfield und einem namentlich noch nicht genannten Mit­glied des Nationalen Vollzugsrates bestehen. Dieser Besuch soll nach den Aeußerungen eines Mitgliedes der Vundesleitung dem Zweck dienen, die Möglichkeiten für die spätere Reise einer grö­ßeren Abordnung nach Deutschland zu untersuchen.

Antikatholische Kundgebungen in Edinburg. In Edinburg kam es am Pfingstmontag anläßlich der Verleihung des Ehrenbürgerrechtes an den römisch-katholischen Ministerpräsidenten von Au­stralien, Lions, zu Protestkundgebungen gegen den Katholizismus.

Der Skarabäus"

Eine Schmähschrift gegen Alfred Rosenberg * Bremen» 12. Juni.

Ansgarius", Bremische katholische Sonn­tagszeitung nennt sich das Blättchen, das sich in seiner Ausgabe Nr. 22 vom 2. Juni mit Alfred Rosenbergs SchriftAn die Dunkel­männer unserer Zeit" beschäftigt. Ueber diese Schrift, welche Rosenbergs Antwort aus die Angriffe gegen sein BuchDer Mythus des 20. Jahrhunderts" enthält, werden wir in den nächsten Tagen unseren Lesern noch sehr viel Beachtenswertes mitzuteilen haben. Heute sind wir in Eile, den ebenso dreisten wie klobigen Angriff eines in der Hansestadt Bremen erscheinenden katholisch sich nennen­den Wochenblättchens auf Alfred Rosenberg zurückzuweisen, einen Angriff, der weit über das hinausgeht, was an persönlichen Mei­nungsäußerungen anständiger Gesinnung gegen einen Mann erlaubt sein kann, den der Führer mit seinem Vertrauen auszeich­nend zum Reichsschulungsleiter für die na­tionalsozialistische Weltanschauung bestellthat.

Herr Pastor Moschner, der Verfasser des von uns zu beanstandenden Aufsatzes in der SonntagszeitungAnsgarius" zeigt schon in den ersten Zeilen seinesDer Skarabäus" überschriebenen Aufsatzes eine überaus unvornehme, auf Beleidigung und kränkende Herabsetzung Alfred Rosenbergs hinzielende Schreibweise. So vergleicht er gleich im ersten Absatz dieses Aufsatzes den Verfasser des Mythus mit einem Käferder kleine schön gerundete Pillen von Mist dreht" (Skarabäus). Davon aber nicht befriedigt setzt der Herr Pastor hinzu, daß des Skarabäus Rosenbergs Pillendreherei sich in Verdre­hungskünste erginge und daß er mit seiner AntwortAn die Dunkelmänner unserer Zeit" ein Pamphlet, eine Schmähschrift verfaßt habe.

Nun kommt es uns im Augenblick wirklich nicht darauf an, ob Herrn Moschners Stellungnahme zu der jüngsten Schrift Ro­senbergs irgendwie auch nur den Schein einer Berechtigung haben kann. Die jüngste Schrift Rosenbergs ist wie der Mythus nicht partei­amtlich, aber unendlich aufschlußreich, was wir demnächst noch ausführlich dartun werden. Wichtig erscheint es uns aber, ange­sichts des beleidigenden Machwerkes eines politisierenden katholischen Geistlichen doch einmal festzustellen, wer nun eigentlich eine Schmähschrift verfaßt hat: Alfred Rosenberg oder der Herr Pastor Moschner. Geistlo- sigkeit, Geschmacklosigkeit sind noch die harmlosesten Ausdrücke, deren sich der politisierende Pastor Moschner zur Belei­digung Alfred Rosenbergs bedient. Gleich Hinterher folgt der Anwurf der Ehrab- schneidung und noch Schlimmeres. Die Tatsache, daß Alfred Rosenberg den Kon-

Die englische Freundschaftshand

Der Vrince of Wales spricht im Namen der Frontkämpfer

Heinrich Festen

Deutsch-nordischer Kulturaustausch

Der Kulturaustausch zwischen den einzelnen Ländern gehört wohl zu den wichtigsten und oft­mals bei weitem nicht genügend anerkannten Be­ziehungen zwischen den Völkern und ist eine der wesentlichsten Grundlagen für das Verstehen zwi­schen den Völkern überhaupt. Die geistigen Güter eines Volkes sind es, die über die politischen und wirtschaftlichen Vorgänge internationalen Ver­kehrs die festesten Bande zu knüpfen vermögen. Ihre Verbreitung und Anerkennung bietet eine gute Grundlage für die Annäherung der Nationen und der gegenseitigen Achtung auch in den ande­ren Fragen zwischenstaatlichen Lebens.

Das freie Fließen der geistigen Ströme zwischen den Völkern war wesentlich stärker in jener Zeit, wo im Gedanken einer weltumspannenden Welt- menschheit und eines möglichen Weltbürgertums die Eigenheiten der Völker noch nicht ihre starke Ausprägung gefunden hatten und die Menschen noch nicht erkannten, daß ein Volk erst dann das Größte und Letzte leistet, wenn es nur aus sich selbst, und damit aus seinen tiefsten Kräften schafft. Wir meinen die Zeit des Rationalismus, in der der Austausch geistiger Art Zwilchen den Völkern der stärkste war, die einzelnen Länder aber mehr durch die Persönlichkeiten als durch ihr eigenes Wesen Schöpfungen, die den anderen nicht möglich waren, hervorbrachten.

Mit dem Erwachen der Zeit, die wir in Deutsch­land literarisch gesehen als Sturm und Drang, als Klassik, als Romantik bezeichnen, erwuchs in unserem Volk, und mehr oder weniger in anderen. Völkern der nationale Gedanke, oft in den Ge­danken einzelner zuerst auftauchend, noch ver­schwommen, dann aber durch die Ereignisse zu lebendiger und starker Wirklichkeit ansteigend

Mit ihr erwuchs eine neue Geisteshaltung, die sich einen neuen Staatsbegriff, eine neue Lebens­form und eine neue Gedankenwelt und Kunst gestaltete. Sie trug die festen und klaren Züge des Volkes, in dem sie entstand, sie trug seine Eigenarten und sie trug seine nur ihm verständ­lichen Besonderheiten. Ergriff auch diese Welle alle Völker, so trat doch zugleich zwischen den Völkern eine Grenze hervor, die stärker als vor­her ernsthaftes Bemühen zueinander zu kommen in Anspruch nahm. Die Staaten und auch die Kulturen waren zu organischen Einzelwesen ge­worden, und das Verständnis hing ab vom Ver­stehen des Ganzen und des Einzeldings als Aus­druck dieser Eesamthaltung Politisch gesehen be­deutet diese Wandlung die Einführung des Ver- stehens und der gegenseitigen Achtung und An­erkennung der staatlichen Eigenart in das Wesen der Politik und Diplomatie. Die nationale Ent­wicklung hat bis in unsere Tage einen starken Aufschwung bekommen, sie blickt auf die weltbür- gerlichen Zeiten zum Teil schon mit einem Lächeln zurück, weil sie eigenstämmig geworden, den fal­schen Weg erkennt.

Man kann diese Entwicklung als die große gei­stige Wandlung der letzten ISO Jahre bezeichnen, der nichts gleiches an die Seite gesetzt werden kann. Mehr und mehr tritt aber der Kulturaus­tausch nun in seine Friedensaufgab« ein und es ist ein logischer Schritt vorwärts, wenn der Prä­sident der Reichsschrifttumskammer, Hans Frie­drich Blunck, auf der Tagung des Buchhänd- lerbörscnvereins für Kulturvertretungen bei den Gesandtschaften eintritt.

Die Beziehungen zwischen den skandinavischen Ländern und Deutschland sind in Vergangenheit

und Gegenwart sehr vielfältig. Besonders in Dänemark läßt sich die Beeinflussung der gei­stigen Entwicklung in der Klopstockzeit, der Eoethezeit und der besondere Einfluß der Roman­tik deutlich feststellen.. In Schweden sind die Spuren ebenfalls häufig, wenn auch nicht so deut­lich wie in Dänemark. Norwegen stand in dieser Zeit im Kampf um seine Selbständigkeit und ist stärker geprägt durch die eigenen Kämpfe als durch fremde Einflüsse. Ebenfalls Finn­land trat in diesen Austausch erst später ein. Die Männer des Nordens, die sich oft in Deutsch­land aufhielten und Berührung hatten zu den führenden Deutschen der Zeit, gaben auch ihrer­seits Anregungen. Allerdings hat Deutschland damals die führenden Namen auszuweisen, so daß der Beitrag des Nordens, abgesehen vom Stoff­lichen, in dieser Zeit nicht besonders deutlich ist.

Der starke Strom geistigen Austausches ist immer in Zeiten festzustellen, in denen in einem Volk eine Blüte zu verzeichnen ist. War die Ent­wicklung in der großen Zeit der deutschen Lite­ratur einseitig als Einfluß Deutschlands auf den Norden festzustellen, so beginnt die Zeit des um­gekehrten Gebens mit dem Naturalismus, und jetzt ist der Austausch gegenseitig. Beginnend mit Henrik Ibsen und Björnstjerne Björn - son bringt die skanadinavische Literatur und allmählich auch die finnische einen starken Beitrag geistiger Anregung und Beeinflussungen, die bis heute reichen, bis Hamsun, Heiden st am, Selma Lagerlös, 2oh. V Iensen und Eun- nar Eunnarsson. Das sind nur einige Na­men, zu denen sich aus der jungen Generation immerfort weitere gesellen Ihre Werke sind nicht nur bekannt im deutschen Leserpublikum, sondern sie üben auch auf deutsche Künstler ihren Einfluß aus.

Schauen wir auf die andere Seite, dann müssen wir feststellen, daß der Naturalismus und auch die folgende Zeit im Norden starke Beachtung

fand. Dann aber kam die deutsche Literatur in ihren tiefsten Niedergang durch den Einfluß un- deutscher und zum Teil unsauberer Elemente, und erst der Nationalsozialismus schuf hier die grundsätzliche Wandlung und brachte darauf die bestehende echte Dichtung, die unter dem Ge­schrei der sogenannten Literatur nicht zu Wort kam, zum Vorschein. Der Norden aber hat diese Wandlung noch nicht mitgemacht, sondern sieht noch Literaten wie Feuchtwanger, Emil Ludwig, Bert Brecht als wahre deutsche Künstler. Sie waren weder echt deutsch noch wahre Künstler. Wenn nunmehr allmählich auch im Norden eine Wendung geschieht, die sich in den verständigen Kreisen bereits vorbereitet, dann zeigen sich uns hier die Ansätze zu einer bedeutenden Aufgabe. Die Presse des Nordens ist ein Zerrspiegel, aber wenn auch sie schon abrückt von den giftspritzen- den Federn der Emigranten- und Judenliteratur, dann kann man hoffen, daß auch sie den Weg zu

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vom 23.-30. öutti in >-üdso><

der echten deutschen Kunst unseres neuen Reiches finden wird. Das Volk wird ihn finden, denn Sensation und Sinnenkitzel haben noch nie gegen wahren Gehalt und ernste Kunstausfassung siegen können.

Der Widerstand gegen die deutsche Kunst liegt zum großen Teil in der Verständnislosig- keil dem neuen Reich gegenüber. Es zeigt sich wieder, daß die Erkenntnis und die Schätzung des Einzeldings in kulturellen Dingen von einer geistigen Eesamtschau des schaffenden Volkes ausgehen muß.

Die Menschen der nordischen Staaten werden in einen starken Kulturaustausch auf gegenseitiger Grundlage treten, wenn sie das neue Deutschland kennenlernen, wenn sie das neue deutsche Buch

zur Hand nehmen und die führenden Männer des neuen Reiches hören und in ihren besonderen Anschauungen anerkennen. Die Entwicklung kann nicht durch Propaganda vorwärtsgetrieben wer­den. Das Verstehen für ein anderes Volk zu­mal unter so grundsätzlich neuen Voraussetzungen wie im heutigen Deutschland wächst allmählich.

Diese Entwicklung will die Nordische Ge­sellschaft fördern, sie will auf kulturellem, sowohl als wirtschaftlichem und auch persönlichem Gebiet die Bande zwischen den nordischen Staaten und Deutschland knüpfen, festigen. Durch ein­dringliche Arbeit in Deutschland will sie den gei­stigen Austausch fördern und die Kenntnisse über ven Norden, das Land und die Menschen verbrei­tn unter dem Grundsatz, daß das Beste der art- gleichen Völker für das andere Volk ein Gewinn ist. Diesem Gedanken dienen Kunstausstellungen und Vortrüge, Reisen und Tagungen.

Zwei Dinge muß man sich aber vor Augen hal­ten, um diese Arbeit nicht mißzuverstehen. Man soll nicht die einmal in Deutschland und nur Deutschland gemäße Weltanschauung und Staats­form verpflanzen wollen und zweitens soll man nicht glauben, datz durch Propaganda und Presse in diesen Dingen etwas zu schaffen ist. Es gibt ein viel verwendetes Wort, das in seinem Kern grundfalsch ist: Kulturpropaganda. Bei allen Be- ßlköungen auf kulturellem und zwischenvolklichsm geistigem Austausch liegt diePropaganda" im Gehalt und in der eigenartigen Leistung. Sie kann keinem fremden Volk, auch wenn es rassisch verwandt ist, propagiert und wie eine Ware an­geboten werden, die spricht von selbst an: die einzige Aufgabe ist die, Wege zu bahnen, damit sie den Weg zu den Herzen der Menschen findet. Dann wird aus der verstehenden Erkenntnis auch das Verstehen zwischen den Völkern gefördert wer­den. So ist diese Arbeit ein Teil an der Ver­ständigung unter den Völkern und ein Beitrag zur Friedensarbeit un­seres großen Führers.