Ausgabe 
(5.6.1935) Nr. 154
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Nr. 164 / 3. Jahrgang

Mittwoch, 6. Juni

Einzelpreis 12 Nps.

Frankreichs Regierung erneut gestürzt

Unser lagvsspiegel I

Auch die neue französische Regierung wurde gestürzt. .

Feststellungen des Reichsjustizministeriums zur Erklärung des Breslauer Ordinariats § lassen weitere katholische Stellen belastende Einzelheiten bekanntwerden.

2m Handelsverkehr mit den Vereinigten Staaten siel die Meistbegiinstigungsklausel. Präses Vollmeyer wurde in den Aussichts­rat des Germanischen Lloyd gewählt.

Das neue FrachtmotorschiffSaar" des Nord­deutsche« Lloyd wurde gestern vom Stapel gelassen. Das Ereignis wurde vom Lloyd telegraphisch dem Führer gemeldet.

Beim Maschineitleistungsschreiven der Deut­schen Stenografenschaft erhielt Brunhilde Seemann den ersten Preis.

Dem Meisterschwimmer Fischer wurde bei der Ankunft in Bremen begeisternder Emp­fang zuteil.

2m Tivoli begann das große 2nternationale Ringkampsturnier um den Hansapokal.

Die Luftwaffe

Berlin, 4. Juni.

In Ergänzung der über die Auswirkungen des Wehrgesetzes gemachten Veröffentlichungen wird über die Organisation auf dem Gebiete der Luft­fahrt folgendes bekanntgegeben:

Oberste Reichsbehörde für die Luftfahrt ist das Reichsluftfahrtministerium. An sei­ner Spitze steht der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe General der Flieger Hermann Göring. Seine Befugnisse als Reichsminister der Luftfahrt werden durch seine Zugehörigkeit zur Wehrmacht als Oberbefehls­haber der Luftwaffe nicht berührt.

Wie das Heer das Reich in Wehrkreise teilt, so hat die Luftwaffe sechs Lustkreiskommandos in Königsberg, Berlin, Dresden, Münster, Mün­chen und Kiel gebildet, die die militärische Be­fehlsgewalt ausüben und an deren Spitze ein Befehlshaber im Generalsrang steht. Die Luft­fahrtverwaltung liegt in Händen von 18 Luft­ämtern in Königsberg, Stettin, Kiel, Berlin, Magdeburg, Hannover, Breslau, Dresden, Wei­mar, Frankfurt/Main, Münster, Köln, Nürnberg, München und Stuttgart.

26000 Todesopfer

der Erdbebenkatastrophe in Veludschistan London, 4. 2uni.

Wie aus Quetta berichtet wird, beträgt dix Zahl der bei dem Erdbeben in Quetta und Um­gegend ums Leben gekommenen Personen nach amtlichen Schätzungen 58 000.

Ohne die unaufhörlichen Bemühungen der Ret­tungsmannschaften, die sich hauptsächlich aus Militär zusammensetzen, würde die Katastrophe noch erheblich größer sein. Innerhalb von zwei Stunden nach dem Einsturz der Stadt hat das Militär nicht weniger als 10 800 Personen lebend aus den Trümmern geborgen.

Das Kabinett Bouisson unterliegt mit 2 Stimmen

Doris, 4.2uni

Das Kabinett Douiffon hat nur eine kurze Lebensdauer gehabt. Es ist am Dienstagabend von der Kammer gestürzt worden. Die Kammer hat mit 264 gegen 262 Stimmen der Regierung die von ihr geforderten

Vollmachten verweigert.

Wortlaut der Regierungserklärung

Paris, 4. Juni.

In der Kammersitzung am Dienstag verlas Ministerpräsident Bouisson die Regierungser­klärung, in der es u. a. heißt:

Die Regierung, die sich dem Parlament vor­stellt, stellt die größte Einigung dar, die man seit dem Kriege verwirklicht hat. Männer, die sich gestern gegenüberstanden, haben sich heute im Hinblick auf ein bestimmtes Ziel eng zusammen­gefunden, nämlich um die nationale Währung aufrechtzuerhalten, die Finanzen und die Wirt­schaft des Landes wiederherzustellen. Angesichts einer außergewöhnlichen Lage sind außergewöhn­liche Maßnahmen notwendig. Wenige Tage ge­nügten den Spekulanten, um ihre Angriffe in die Wege zu leiten, unser Geld anzugreifen und zu versuchen, Aufregung unter unseren Sparern zu stiften und unter den Arbeitern unseres Lan­des Mißstimmung hervorzurufen. Unsere Ant­wort, die Antwort des Staates, wird brutal und entschieden sein. Die erweiterten Befugnisse, die wir von dem Weitblick des Parlaments bean­tragen. werden uns in den Stand setzen, sofort die Spekulation zu brechen und den Franken vor jeder Beeinträchtigung zu schützen. Sie werden uns ferner ermöglichen, unsere Finanzen und unsere gestörte Wirtschaft wieder herzustellen und zu sanieren.

Bei dieser Anstrengung wird nichts vernach­lässigt werden, um die verschiedenen Zweige der wirtschaftlichen Vetätigung zu beleben und . den Warenaustauschstrom im Innern und mit dem Auslande wieder herzustellen. Wir stellen in den Vordergrund eine Landwirtschaft, die den größten Teil unserer Bevölkerung beschäftigt und die wegen der schlechten Verkaufsmöglichkeiten ihre letzten Hilfsquellen dahinsiechen sieht. Un­sere Industriellen und Kaufleute, die so schwer mitgenommen sind, werden bei ihrem Kampf gegen die Krise unterstützt werden. Wir werden alle Mittel einsetzen, um der Arbeitslosigkeit und ihren Folgeerscheinungen sozialen Elends und familiärer Leiden zu steuern, um einer Jugend, die den Horizont vor sich verschlossen sieht, Arbeit zu geben und um einem Lande, das nicht an sich zweifeln kann, die Unternehmungslust und das Vertrauen zur Zukunft zu wecken. Gleich­

zeitig werden wir die moralische Gesundung der Nation mit der Sorge einer raschen und ent­schiedenen Gerechtigkeit wahren und den repu­blikanischen Staat verteidigen.

Wir werden nach außen hin unsere Friedens­politik fortsetzen. Weil Frankreich friedlich ge­sinnt ist, muß es ständig auf die Landesverteidi­gung und auf die kollektive Organisierung der Sicherheit achten. Wir werden getreu unseren Freundschaften und unseren Bündnissen alle zur Mitarbeit aufrufen. Wir sind dem Völkerbund ergehen und unsere Anwesenheit in Genf wird

Die Aussprache

Nach der Verlesung der Regierungserklärung durch den Ministerpräsidenten wurden die Jnter- pellationsanträge bekanntgegeben. Minister­präsident Bouisson verlangte sofort Vertagung ihrer Beratung unter Stellung der Vertrauens­frage. Bei dieser Abstimmung siegte die Re­gierung mit 390 gegen 192 Stimmen. Gegen die Vertagung sprachen sich verschiedene Interpellan­ten aus. So machte ein Abgeordneter geltend, daß die Regierung erst einmal über ihre Absichten hinsichtlich der ehemaligen Frontkämpfer Aus­kunft geben müßte; der Sozialist Leon Blum verlangte die sofortige Beratung der Inter­pellationen unter Berufung auf die Ereignisse der letzten Zeit, so vor allem die Rede des Reichskanz­lers Hitler, die Reise Lavals nach Osteuropa und den französisch-sowjetrussischen Pakt.

Ministerpräsident Bouisson nahm darauf erneut das Wort und erklärte, die Regierung beharre auf der Vertagung sämtlicher Interpellationen. Er stellte dann, wie bereits oben gesagt, die Ver­trauensfrage. 2m übrigen erklärte er sich bereit, bezüglich des Ermächtigungsgesetzes der Kammer die notwendigen Erklärungen zu geben.

Nachdem der Abgeordnete Bonnefous in der Kammer erklärt hatte, die Ermächtigungsgesetze könnten nur vorübergehend Luft schaffen, man müsse zur Staatsreform schreiten, fragt der Ab­geordnete de Lasteyrie, unter welchen Bedingun­gen die Regierung die Möglichkeit sehe, interna-

eine tätige und wachsame sein. Die Männer, auf denen die schwere Verantwortung der Regierung liegt, wissen, daß das zu vollbringende Werk ihren ganzen Mut und ihren ganzen Willen in Anspruch nehmen wird. Sie werden nur ein Ziel haben, nämlich handeln. Auf allen Gebieten Hanseln, und rasch handeln. Die ausgedehnten Vollmach­ten, die wir von dem Vertrauen des Parlaments verlangen, werden niemals von diesem Zweck ab­gelehnt werden. Sobald das Parlament wieder zu­sammentritt, werden wir Rechenschaft ablegen. Das Parlament wird uns nach unseren Taten beurteilen, das souveräne Parlament wird dann sagen, ob wir die getreuen Beauftragten und die guten Diener des Landes gewesen sind.

tionale Verhandlungen über die Stabilisierung der Währung einzuleiten. Kürzlich habe Laillaux in einer Rede erklärt, daß sich Frankreich in die Notwendigkeit versetzt sehen könnte, seine Wäh­rung derjenigen der anderen Länder, die die ihrige entwertet haben, anzupassen. Diese Anpassung, die nur eine Anpassungnachunten sein könne, wäre aber nichts anderes als die Entwer­tung, und damit würde man einen sehr gefähr­lichen Weg beschielten.

Finanzminister Eaillaux antwortete, daß nie­mals, solange er Finanzminister sei, eine Ent­wertung des Franc vorgenommen oder niemals ein Eoldausfuhrverbot erlassen werden würde.

Vor der Abstimmung hatte der Ministerpräsi­dent erklärt, daß er sich nicht aus persönlichem Ehrgeiz zur Uebernahme der Regierung bereit­gefunden habe, sondern erst nachdem ihm von allen Parteien mit Ausnahme der Sozialisten und der Kommunisten eine Unterstützung versprochen wor­den sei. Inzwischen schienen sich jedoch gewisse Radikalsozialisten eines anderen besonnen zu haben; auch würden allerhand Gerüchte verbreitet über die Absichten der Regierung, u. a. über die Frontkämpferpensionen. Die Regierung sei ent­schlossen, die Frontkämpfer möglichst zu schonen und nur, wenn nötig, in allerletz­ter Linie zu den Opfern heranzuziehen. Aber sie werde unerbittlich gegen gewisse Mißbräuche vor­gehen, die dahin geführt hätten, daß Leute, die niemals an der Front gewesen seien, eine lOOpro- zentige Unterstützung bezögen. (Forts. S. 2)

Don Krise zu Krise

Frankreichs parlamentarische Dämmerung

* Bremen, 5. Juni.

Der französische Parlamentarismus ge­langt allmählich in seiner Sünden höchste Blüte. Kaum hat er das Kabinett Flandin zur Strecke gebracht, als auch schon dessen Nachfolgerkabinett in der Versenkung ver­schwinden mußte. Mit ganzen zwei Stim­men ist bei der ersten Vertrauensabstimmung der Kammer das Kabinett Bouisson in der Minderheit geblieben und wieder kann in Paris das Parteiengetümmel um ein neues Kabinett beginnen.

Man fühlt sich als Deutscher unbedingt in die Tage der sich überstürzenden Berliner Kabinettswechsel vor der Machtübernahme versetzt und man fragt sich mit gutem Grunde wie lange das französische Volk die Zügel- losigkeit seiner Kammer noch dulden wird. Nun weiß diese Kammer freilich recht gut, daß ihr vorerst keine Gefahr einer Auf­lösung droht; denn die vor kurzem stattge- ündenen Gemeindewahlen haben dem Prä- identen von Frankreich erschreckend ge­zeigt, wie jetzt bei Neuwahlen in Frankreich der Kommunismus gewinnender Teil sein würde und wie sich dann die Schwierig­keiten bestimmt nicht verringern, sondern doch nur vermehren müßten.

Die Frage allerdings, ob Frankreich dem Kommunismus dadurch entgeht, daß es Neu­wahlen ausweicht, wird sich die jetzige Kam­mer bestimmt selbst nicht bejahend zu beant­worten getrauen. Jedenfalls ist es doch so, daß das französische Volk allmählich an sei­nem parlamentarischen System immer mehr die Freude verlieren muß und wenn die Ab­geordneten der Kammer glauben, daß sie mit standhafter Verweigerung der von den letz­ten Regierungen geforderten Vollmachten und Ermächtigungsgesetzen sich im französi­schen Volke Sympathien erwerben könnten, ja, daß sie am Ende den durch besondere Voll­machten und Ermächtigungen mit Durch­löcherung bedrohten Parlamentarismus etwa noch zu retten vermöchten, so dürften sie sich wohl einer ziemlichen Täuschung hingeben.

Ganz abgesehen davon, daß das franzö­sische Volk ähnlich wie dereinst das deutsche des parlamentarischen Gaukelspiels allmäh­lich herzlich satt sein dürfte, kommt bei dem französischen Volke als weiterer wohl zu be­achtender Umstand die zurzeit in Frankreich ernstlich drohende Inflationsgefahr hinzu, deren Auswirkungen zwar nicht die Herren Kammerabgeordneten, aber desto mehr die kleinen französischen Sparer zu befürchten haben. Die Kammerabgeordneten, die in Bank- und Epekulationsdingen und der­gleichen sehr Bescheid wissen, würden bei Inflationserscheinungen keineswegs an ihren jetzigen Bankguthaben Verluste zu be­fürchten haben. Auch das wissen wir Deutsche

Können wir wie Vogel fliegen?

Don Pros. Werner Schmeidler (flugtechnisches Institut der Technischen Hochschule Breslau)

Seit Jahrtausenden träumt der Mensch davon, sich mit Flügeln wie ein Vogel in die Lust zu erheben. Wenn heute auch unser Flugwesen anders, mit starren Flügeln und Propeller, arbei­tet, lohnt es sich doch, auch den Schwingenslug weiter zu erforschen. Prosessor Schmeidler hat in dieser Richtung einen aufsehenerregenden Fort­schritt erzielt. Die Tchristleitung.

In den nachstehenden Zeilen will ich versuchen, ein Bild der durch das WortSchwingenflug" bezeichneten Aufgabe zu geben. Ich tue das um so lieber, als anläßlich eines von mir in der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt gehal­tenen Vortrages Berichte erschienen sind, welche die Meinung aufkommen lassen könnten, als sei diese Aufgabe heute schon gelöst. Das ist nicht der Fall.

Ein gewisser Fortschritt gegen früher konnte allerdings erzielt werden, aber dieser ist vor allem theoretischer Natur und erst in zweiter Linie von praktischer Bedeutung. Es ist nämlich gelungen und ich habe in dem erwähnten Vortrage ver­sucht, dies im einzelnen auseinanderzusetzen, über die beim Schwingenflug auftretenden Kräfte und Bewegungen gewisse mathematische Gesetz­mäßigkeiten zu entwickeln. Dem Fachmann ist es geläufig, aber auch dem Laien wird es ein­leuchten, daß es schon für den gewöhnlichen Flug­zeugtyp von entscheidender Bedeutung sein muß, die Kräfte recht genau zu erforschen, die von der Luft aus auf eine in ihr fortbewegte Tragfläche ausgeübt werden. In der Tat hängen von diesen Kräften die Flugeigenschaften des betrachteten Flugzeugs entscheidend ab

Während nun Liese Untersuchung der Luftkräfte für den gewöhnlichen starren Flugzeugtyp durch jahrelange theoretische und experimentelle For­

schungen weitgehend gefördert ist, steckt die Unter­suchung schwingender Flügel noch in den An­fängen. Hiermit hängt aufs engste die Unsicher­heit zusammen, die sich in der Beurteilung der Aussichten für die Uebertragung des Vogelfluges aus die für Menschen erforderliche Größenord­nung immer wieder gezeigt hat. Exakte Aussagen darüber, ob dasMenschenkraftflugzeug" in der Form eines Schwingenflugzeugs möglich ist oder nicht, sind nur auf Grund entsprechender Kennt­nisse über die Luftkräste an schwingenden Flügeln möglich.

Meine im Versuchsflugzeugbau der Technischen Hochschule Breslau darüber angestellten Unter­suchungen haben mich zu der Ueberzeugung ge­führt, daß man bisher die Aussichten des Schwin­genflugzeugs zu pessimistisch beurteilt hat. Ich will versuchen, das zu erläutern:

Durch die schwingende Bewegung eines Vogel­flügels entstehen ein Vortrieb und ein Auftrieb. Soll ein Horizontalflug zustande kommen, so muß der Auftrieb so groß sein, daß er Las Gewicht'des Vogels gerade trägt, und der Vortrieb muß ge­nügen, um Len bei der vorhandenen Geschwindig­keit entstehenden Luftwiderstand zu überwinden. Je größer der Vortrieb ist, um so größer wird die Fluggeschwindigkeit werden, und um so größer wird hierdurch wiederum der Auftrieb.

Die entscheidende Ausgabe bei der technischen Nachahmung des Schwingenfluges wird also darin bestehen, den Vortrieb so groß wie möglich zu machen.

Es ist mir nun gelungen, den maximalen Vor­trieb, der bei einer bestimmten Spannweite, bei einer bestimmten Größe des Ausschlages und bei einer vorgegebenen Schwingungszahl theoretisch

möglich ist, Näherungsweise, aber, wie ich hoffe, genau genug zu berechnen. Zugleich hat sich da­bei auch eine Vorschrift darüber ergeben, wie ein Flügel beschaffen sein und wie er bewegt werden muß, wenn dieser günstigste Vortrieb heraus­kommen soll. Ist dies auch einstweilen noch Theorie, so enthält es doch Fingerzeige für den Konstrukteur; es weist den Weg, den man gehen sollte, um zum Ziel zu kommen.

Vor allem aber ergibt sich folgendes: Wenn es gelingt, diesen theoretischen Vortrieb zu er­reichen, so kann man nachweisen, daß das Ver­hältnis der pro Sekunde geleisteten Nutzarbeit zu der pro Sekunde hineingesteckten Energie we­sentlich günstiger ist, als man dies bisher ver­mutet hatte. Dieser Punkt ist entscheidend; ist doch der Wirkungsgrad einer Maschine diejenige Größe, die angibt, welcher Stand der Vollkommen­heit erreicht ist.

Sollte es sich bewahrheiten, daß ein Wirkungs­grad von über 90 Prozent erreichbar ist, so würde damit auch das Problem des Menschenkraftflug­zeugs in ein neues Stadium treten. Da nämlich nachgewiesen ist, daß von Sportleuten z. B. beim Rudern für kurze Zeit eine Leistung von 2,3 ?8 zustandegebracht worden ist, da andererseits die zum Fliegen erforderliche Leistung weniger als 2 ?8 beträgt, so besteht bei einem Wirkungsgrad von über 90 Prozent durchaus die Möglichkeit des Menschenfluges mit eigener Kraft besonders na­türlich dann, wenn man zwischendurch zur Er­holung die unterstützenden Wirkungen von Auf-

Voshaft

Billie ist boshaft.

Und ist noch stolz darauf.

Ich bin boshaft wie ein Affe!"

Meinte Munke'

Gnädigste Frau, Sie überschätzen die Bosheit der Affen!"

winden mit heranziehen kann, wie der Segelflug uns das gelehrt hat.

Man wird die Frage stellen, welches nun diese Vorschrift über die Beschaffenheit und die Be­wegung eines solchen optimalen Flügels ist. Sie drückt sich in einer mathematischen Gleichung aus, welche die Flügeltiefe (d. h. die Ausdehnung des Flügels in Flugrichtung an einer beliebigen Stelle) mit dem Anstellwinkel des betreffenden

Wilhelm Lunze

Haus N

Ich träume mir ein Haus, einsam im Grünen.

Es ist klein und von gelber Farbe, sein hohes Dach ist leuchtend rot. Ringsum, soweit der Blick reicht: Felder und Wiesen. In der Ferne begren­zen dunkle violette Wälder den weiten Horizont. Neben dem Haus steht eine einsame Birke, hoch und schlank.

Hier also wohne ich. Und ich nenne das Haus: Weg-Ende. Denn hier sind alle Wege zu Ende. Alle Umwege und Irrwege. Die Wege des Lei­dens und der Enttäuschung, die Wege der Freude und der Hoffnung. Die Wege des Hasses und der Liebe. Die Wege des Zorns. Die Wege der Frömmigkeit.

Man kann alle Wege gegangen, sein und alle Wege zu gehen suchen, und man kommt doch nicht zu diesem Haus Weg-Ende. Denn es führt im Grunde nur ein einziger Weg zu ihn, das ist der Weg aller Wege und auch ihn findet man auf keiner Landkarte eingezeichnet

Die breite Straße zieht irgendwo ferne an dem Haus Weg-Ende vorbei. Man sieht sie nicht, man hört nichts von ihr, man denkt ihrer nicht mehr Am Morgen jubilieren die Lerchen hoch im blauen Himmel und dieser Jubel ist viel wichtiger als die Briefe und Grütze, die mich nun nicht mehr er­reichen. Am Abend beginnen die Grillen in den

Tragflügelelements gegen die anströmende Luft verknüpft. Genaueres darüber kann man in einem demnächst in derLuftfahrtforschung" er­scheinenden Vortrage nachlesen. Der leitende Ge­danke ist dabei, Form und Bewegung der Flügel so zu gestalten, daß möglichst wenig Wirbelung in der den Flügel umgebenden Luft entsteht. Diese Luftwirbel sind nämlich Energieverzehrer und erzeugen Widerstand.

eg-Ende

Feldern ihr zauberhauftes Lied. Dann treten die Sterne heraus... Es ist, als sei alles, was war, zum Stern geworden, jeder Gedanke, jeder Wunsch, jede Bitte. Fern, unnahbar fern und strahlend.

Ich entzünde die kleine Lampe im engen Raum und schließe das Fenster. Ich hole das Buch vom Bord, das einzige Buch, das mir von allen ge­blieben ist, und beginne in der Geschichte zu blät­tern, die eine alte Geschichte und doch die Geschichte meines Lebens ist. Die Geschichte meiner Wege, Umwege und Irrwege. Der sie schrieb, wußte mehr, als der sie ging. Und doch ist mir, als hätte ich sie selbst geschrieben ... Sie ist mit vie­len merkwürdigen Bildern ausgeschmückt und das letzte dieser Bilder stellt ein kleines Haus dar, von gelber Farbe und mit einem hohen, leuchtend roten Dach. Einsam im Grünen.

Das ist das Haus Weg-Ende. Das Haus meines Traumes. Irgendwo steht es und wartet auf mich. Wartet daraus, daß ich die endlosen Wege endlich durchlaufen habe Die Wege des Leidens und der Enttäuschung die Wege der Freude und der Hoffnung. Die Wege des Hasses und der Liebe. Die Wege des Zorns. Die Wege der Frömmigkeit.