Ausgabe 
1.6.1935 - Sonderbeilage der Bremer Zeitung.
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I^um Geleite

schaffen im nationalsozialistischen Ataate heißt schöpferisch ringen und kämpfen um weit und hochgestellte HielG mögen sie anderen unerreichbar scheinen, Adolf Hitler hat uns Sationalsozialisten gelehrt, daß es im deutschen Wortschatz kein ^ Unerreichbar gibt. Auch in Vremen weiß man dies, zumal ja auch die bremische Geschichte zeigt, daß es kein Unmöglich zu geben braucht, wenn ein starker Wille diesen Vegriff nicht anerkennen will. / Und so wünsche ich Vremen, es möge, aus alte und neue Erfahrungen gestützt, mit dem vollen Einsatz jenes unbändigen Willens, der uns Nationalsozialisten eigen ist, die ihm von der Gegenwart und in der Zukunft gestellten Aufgaben über alle Widerstände hin­weg und allen Hindernissen zum Trotz restlos lösen, damit es sich den Platz im Reiche und in der Welt sichert, den der Führer und wir alle Vremen von ganzem Herzen wünschen.

1. Juni 19ZS

Gauleiter und Relchssiatchaiter

geweift woroen, als oo rym mir« Mwere Dropsen ins Gesicht gespritzt würden. Auch hatte er geglaubt, ihren Fall auf dem Deckbett zu hören, wiewohl weder Haut noch Decke naß wurden. Eretchen erschrak, als sie es vernahm. Sie hatte zur selben Stunde bei dem Vater wachend, in­brünstig für ihn, für die Mutter, die Freunde gebetet und zuletzt Weihwasser in die Richtung ihrer Lagerstätten, besonders der Mörikes, gesprengt.

Der Oberstleutnant starb. Er hinterließ das Mietshaus, in dem man wohnte, einige Wein­berge, etwas Geld. Dieses vor allem begehrte Bruder Wilhelm, ein Schuldenmacher, Tagedieb, Tunichtgut. Die Mutter floh aus allem Ungemach zu Verwandten nach Bamberg. Eretchen, nieder­gebrochen wie ein weidwundes Reh, wurde tzon Eduard Mörike und seiner Schwester Klärchen in das Idyll ihrer Häuslichkeit aufgenommen.

Man wohnte am Marktplatz der Stadt Mergentheim; hörte einen Brunnen rauschen, eine Turmuhr schlagen; sah gelbes Sonnenlicht

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gekommen, als es die karge Pension erlauben wollte. Die Gulden wurden vierteljährlich durch Monsieur Schmiech vom Kameralamt gebracht, wobei der Brave mit dem wohlbekannten Säcklein für Klärchen jedesmal einen wahren Trostanblick abgab, den sie mit zwölf Kreuzern Trinkgeld honorierte. Im übrigen wurde blind quittiert, da die Geschwister sich beim Nachrechnen doch nur blitzdumm benommen hätten. Bote Schmiech mutzte Dichtergunst und Trinkgelder mit dem Nachtwächter, dem flinken Briefmädchen, der Post-Magret und dem Türmer der Iohannis- kirche teilen. Türmer Hermann blietz ein großes Horn, weswegen Freund Hartlaubs Töchterchen ihn für einen wirklichen Ochsen hielt. Er selber glaubte zum Schneider berufen zu sein, führte die Nadel wie das Wächterhorn, wobei es auf einige Noten und Stiche höher oder tiefer io genau nicht ankam. Er legte aus und richtete her, was an Mörike sterblich war, änderte auch Sommerhosen, die Frau Pfarrerin Hartlaub für

umarmte sie bald als Schwester, und Gleichen ließ es sich gefallen wie die weiß und himmelblaue Halstuchnadel vom Kiliansmarkt oder das galante Sträutzchen, das Mörike der endlich genesenen Freundin auf dem ersten gemeinsamen Spaziergang überreichte.

Mörike, seit Jahren verstummt, dichtete wieder, am liebsten im Eartenhäuschen am schwarzen Graben. Ein ländliches Epos in sieben Gesängen, gewoben aus Wiesenduft, Lerchenschlag und den Blicken eines braunen Mädchens: Idylle vom Bodensee. In ihr bewegte sich die lieblichste aller weiblichen Gestalten, die ihm jemals vor das Dichterauge getreten war, und sie hieß Margret, die Schäferin. Er ließ auch wieder Gedichte in einem glockentiefen Ton erklingen; sie alle wandten sich an das gleiche Mädchen, und es hieß Margrets Speeth.

Eretchen fuhr zur Mutter nach Bamberg, um ihr bei der Regelung aller Geschäft« zu helfen. Zurückgelassen, bewegte Mörike sich versonnen

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Gliche Anmaßung

-ehler schlimmer als ver Dieb"

»Bremen, 4. Juni. rzbischöfliche Ordinariat in Breslau bemüßigt gefühlt, zur gerichtlichen ung kirchlicher Devisenverbrecher andere Erklärung vom Stapel zu Diese wurde bezeichnenderweise von rmania", dem bekannten Berliner lsblatt unseligen Angedenkens, ver- ht und von demBerliner Tageblatt" bezeichnenderweise) nachgedruckt, diese Erklärung des erzbischöflichen iats zweifellos einen krassen Rück­te schlimmsten Zeiten kirchlicher Ein- z in staatliche Dinge dar und es ist Klärung zudem noch eine Anmaßung whörter Art.

die Verbrecher in klösterlichen Ge- i von sich abzuschütteln, statt sie als is sie sind, als Verbrecher an ihrem Volke und als ungehorsam den en und göttlichen GebotenDu cht stehlen" ihrem verdienten l zu überlassen, statt alles zu tun, r diese der katholischen Kirche und mrichtungen gewiß nicht Ehre machen- cgänge mit Stillschweigen hinwegzu- zöchstens noch warnend vor weiteren Verbrechen die Stimme zu erheben, .s die hohe katholische Stelle in Bres- tig, sich schützend vor den unglaub- Saunertrick der Devisenschiebung in lchen Gewändern zu stellen und :echte Urteil deutscher Richter anzu- die Forderung erhebend, daß dieses lachgeprüft werden müsse und einem n und abwägenden" Platz zu machen

weiß wirklich nicht im ersten Augen- b man beim Vernehmen solcher Kar­rn dem erzbischöflichen Ordinariat in t Mangel an Urteilskraft oder aber s Feindseligkeit gegen die Recht- ig des nationalsozialistischen Staates ;llen soll. So wie die Erklärung lau- nn man tatsächlich nur letzteres an- i. Denn es geht doch wohl nicht an, lern erzbischöslichenOrdinariat zu Flau­st es sich nicht über Wesen und Trag- der klösterlichen Devisenschiebungen cen sein könnte.

Verbrecher beschützt, macht sich der für das beschützte Verbrechen schuldig, it Recht sagt man im Volke, daß der schlimmer noch ist, als derStehler", stahl und Betrugist es aber doch, e gewissenlosen Menschen männlichen eidlichen Geschlechts in Klostergewan- rm deutschen Volke begangen haben. !en und betrogen ist es, was sie voll- n, und wenn das erzbischöfliche Ordi- in Breslau gar noch die Frage aus- inwieweit die Devisenschieber und ninnen pflichtgemäß gehandelt d. h. inwieweit sie verpflichtet ge- wären, das zu tun, was sie taten i m rsam dergeistlichenBefehle ) beren, dann muß man schon sagen, ese geistlichen Oberen zwar noch ge­selle Verbrecher sein müßten, als ihre .ebenen, daß die ihnen gehorchenden Ebenen aber deshalb noch nicht besser

werde sich recht bald für Eretchens Einlaß

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hen hatte sich für besinnliche Stunden eine immer eingerichtet: in die der Bruder jchen mit Versteinerungen, den Eleversulz- Durmhahn, Handschriften des unglücklichen in und den eignen Kummer trug. Im . pflegte er sich ins Bett zu legen, sobald lendeiner Seite Erschütterungen drohten, ls im Bett hat erSchön Rohtraut", das sie aller deutsche Liebeslieder, gedichtet; :t arbeitete er wissenschaftliche Vortrüge n Bett blieb er nach einer aufregenden .Vorstellung; ins Bett trieben ihn Rheu- us, Rückenschmerzen und Hypochendrie. r einmal gar zu lange nicht heraus, so ,ie Katzenbergerin eine DLte mit Makronen ankenlager, weil sie ein erprobtes Mittel , -sonders zu einem guten Heurigen genossen. Während des Sommers zog er wochenlang ins Mergentheimer Vadhaus, trank Brunnen, badete, ruhte im Grünen auf einem Kanapee. Eretchen, die an Brustschmerzen und Beengungen litt, trank, badete, ruhte neben ihm. Mit Mörike kam es dahin, daß er nicht über vier Minuten ohne Schwindel auf sein konnte, kaum noch die Glieder zu bewegen vermochte. Doktor Ludwig in Stutt­gart, königlicher Leibarzt, sprach von unheilbarer Rückenmarksaffektion. Nur ein Wunder konnte retten. Es hieß Pfarrer Blumhardt und wohnle in Möttlingen. Der fromme Mann legte Mörike die Hand auf. Gelobt sei Gott! Die Rückenmarks­schwindsucht verwandelte sich in einen Hexenschuß, und auch dieser verließ den Körper.

Was Eretchens Schelmerei betrifft, so wich sie allzuoft schlechtester Laune. Dann kamen wieder friedlichere Monate. Sie konnte allerliebst sein. Ihr Geist war hell und klar, ihre Gestalt zierlich wie die einer Bachstelze, ihr Blick voll feuriger Verheißung. Immer wieder unterlag Mörike die-