Ausgabe 
(3.6.1935) Nr. 152
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Nr. 122 / 3. Jahrgang

Montag, 3. Juni

Einzelpreis 12 Rps.

Ein Ruhmesblatt in der Geschichte der deutschen Fliegerei

Der Deutschlandflug beendet

Die Danziger Kiemm-Kette an erster Stelle / Bremen belegt den 7. Platz

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Die deutsche Delegation für die Londoner Flottenbesprechungen ist in London einge­troffen

Der Deutschlandslug 1935 endete mit einem Siege der Danziger Staffel Die 2. Reichsnährstandsausstellung in Ham­burg wurde am Sonntag geschlossen Der Führer der Motorbrigade Südwest des NSKK ist tödlich verunglückt In Budapest gelang es dem Bremer Fischer den amerikanischen Weltrekordschwimmer Fick zu schlagen

Perry (England) ist nach seinem Sieg über v. Cramm französischer Tennismeister In der Vorschlußrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft siegten am Sonntag Schalke 91 und VfB. Stuttgart In Bremen fand unter großer Beteiligung der Bevölkerung das Wehrsportfest des 1. Ins.-Reg. Oldenburg statt

An London eingetroffen

Berlin, 2. Juni.

Die deutsche Delegation für die Londoner Flottenbesprechung ist am Sonntag kurz nach 12 Uhr von dem Tempelhofer Flughafen nach London gestartet. Botschafter von Ribben- trop, Konteradmiral Schuster, Kapitän zur See Kiderlen nahmen in dem Flugzeug „Os­wald Voelcke" Platz. In ihrer Begleitung befan­den sich u. a. Professor Graf von Dürckheim Mont Martin, Regierungsrat Schmidt, Wachs Dr. Kordt und der Adjutant.von Ribbentrops, Torner.

Nach einer Zwischenlandung in Amsterdam traf die deutsche Abordnung gegen 17 Uhr auf dem Flugplatz Croydon bei London ein. Zu ihrer Be­grüßung hatten sich auf dem Flugplatz der stell­vertretende Unterstaatssekretär im Foreign Office Craigie sowie Kapitän Danckwerks und von der deutschen Botschaft in London Botschaftsrat Fürst Vismarck und Marineattachs Kapitän Watzner eingefunden.

Bfigadeführek tödlich verunglückt

Stuttgart, 2. Juni.

Der Führer der Motorbrigade Südwest des NSKK., Obersturmbannführer Schweyer, ist auf der Fahrt nach Stuttgart mit seinem Kraft- wagen tödlich verunglückt. Hinter Konnwestheim kam dem Wagen Schweyers ein Kraftwagen ent­gegen, der nach links in eine Seitenstraße ein­biegen wollte. Beim Ausweichen geriet der Wagen Schweyers auf den aufgelockerten Boden einer Baustelle und überschlug sich. Obersturmbannfüh­rer Schweyer war auf der Stelle tot, während sein Begleiter, Brigadeadjutant Kuber, nur leicht ver­letzt wurde.

Japanische Botschafter-Tagung

Tokio, 2. Juni.

Amtlich wird mitgeteilt, daß Anfang Juni der japanische Botschafter in London, Baron Matsu- deira, nach Paris reisen wird, wo unter seinem Borsitz eine Konferenz der japanischen Botschafter in den europäischen Hauptstädten stattfinden wird. Diese Konferenz wird sich mit außenpolitischen Fragen in Europa wie auch mit Fragen des japa­nisch-europäischen Handels beschäftigen.

Berlin, 2. Juni

Der Deutschlandslug 1935 ist zu Ende. Mit diesem Flug hat ein Wettbewerb seinen Abschluß gesunden, der der Geschichte der deutschen Flie­gerei ein weiteres Ruhmesblatt hinzufügt. 151 Maschinen, eine Eesamtflugstrecke von 5531 Kilo- meter und 29 990 freiwillige Helfer — das sind Zahlen, wie sie in der ganzen Welt bisher einzig dastehen. Und einzig sind auch die Leistungen aller, ob sie aktiv als Flieger am Gelingen des Wettbewerbes beteiligt waren, oder ob sie an den Landeplätzen und als Organisatoren ihre unsichtbare Arbeit verrichteten. Bon dreißig Ver­bänden mit 151 Maschinen ist aus dem ganzen Flug nur ein einziger Verband, Weimar, ausge­schieden, 29 Verbände mit 138 Flugzeugen er­reichten wieder den Startort. Sieger und Ge­winner des Wanderpreises des Reichslustfahrt­ministers Hermann Eöring ist die Danziger Kette» die mit vier Maschinen über die Strecke kam; nach ihr belegten die Neuner-Staffel Stuttgart und die Fünfer-Kette des Vor­jahressiegers Hannover die nächsten Plätze. Bremen belegte den siebenten Platz.

Auf dem letzten Teil der fünften Tagesstrecke von München nach Erfurt schieden noch zwei Ma­schinen aus den Verbänden Danzig und Halberstadt aus, so daß das Tagesziel Erfurt bis zum Abend 29 Verbände mit 139 Maschinen erreichten. In der Punktwertung lag die Danziger Kette in Front vor Hannover und Berlin-Staaken.

Um 9.Uhr morgens starteten noch 138 Maschinen zum Flug nach der Reichshauptstadt. Die Strecke führte über Chemnitz, Leipzig zum Flughafen Halle-Schkeuditz, den bis Mittag alle Verbände er­reicht hatten. Von dort ging es im Gemeinschafts­flug unter Führung von Oberst Loerzer Wer Magdeburg nach Tempelhos, die Länge der Strecke betrug ca. 159 stm. Ein Großflugtag hatte in Ber- lin-Tempelhof. Zehntausende angelockt, die vom frühen Morgen ab mit Staunen und Begeisterung den waghalsigen, Kunststücken eines Ernst Udet und Willi S tör sowie den Eeschwaderflügen und Fallschirmabsprllngen folgten. Doch immer wieder schweiften die Blicke zum Horizont nach Westen, bis endlich kurz vor 5 Uhr das , erste Geschwader der Deutschlandflieger auftauchte.

Schlag auf Schlag überflogen die einzelnen Verbände das Zielband, und ein besonders schönes Bild war es, als in tadelloser Ord­nung die beiden 7er-Staffeln des Reichslustfahrt­ministeriums zusammen mit der 3er-Kette Vre- mens dahergebraust kamen, alles schnittige Dop­peldecker von Heinkel, Arado und Focke-Wnlf! Bei dem strahlenden Sonnenschein ein fast unbeschreib­liches Bild, so wie es Tausende von Volksgenossen in dieser Woche in ganz Deutschland erleben konnten.

Das Endergebnis:

1. Mannschaft Flog Danzig Klemm L. 25 2396 Punkte. 2. Mannschaft Flugr. Stuttgart Klemm

Plakaten zum Tonkünstlerfest tauchen auf den An­schlagsäulen die frisch-farbigen Plakate zur Zwei­ten Reichs-Theater-Woche vom, 16. bis 23. Juni auf, die wie das Tonkünstlerfest an die beteiligten Kunstinstitute Hamburgs große Anforderungen stellen wird. Inzwischen aber erklingen in der Musikhalle die ersten Akkorde des Musikfestes, wie es in diesen Ausmaßen noch keine deutsche Stadt erlebte.

Die zahlreichen Vertreter aller führenden deut­schen Zeitungen hat das Hamburgische Staatsamt im Hotel „Vier Jahreszeiten" am Sonnabend nachmittag, empfangen. Oberregierungsrat Dr. Lindemann entbot namens des Regierenden Bür­germeisters und des Senats die ersten Grüße und gab den Bestrebungen Hamburgs überzeugend Ausdruck, nicht nur als Hafen- und Handelsstadt zu gelten, sondern zu seinem Teil auch zur Erfüll lung des Willens der Reichsregierung dazu beizu­tragen, daß deutsche Musik die völkerverbindende Brücke ist. Als Vertreter des Allgemeinen deut- schen Mustkvereins sprach der stellvertretende Vor­sitzende des geschäftsführenden Vorstandes: Gene­ralmusikdirektor Professor Dr. Peter-Raabe- Aachen. „Musik verbindet", sagte er, „aber Musik trennt auch. Doch ist das Trennende nicht Feind­seligkeit, sondern ergibt sich aus der Wesensver- schiedenheit nationaler Musik, die bodenständig und also echt national ist". Franz Liszt habe bei der Gründung des Allgemeinen Deutschen Musik- vereins Las Ziel verfolgt, deutsche Musik aus deut­scher Kunst herauszuheben und ihre allen Völkern verständliche Sprache und Bedeutung dem Ausland mitzuteilen. Leitender Regierungsdirektor von Klei nschmit, Leiter der Hamburgischen Be­hörde für Volkstum, Kirche und Kunst, umriß Hamburgs groß« musikalische Vergangenheit und wies darauf hin, daß 1678 in Hamburg die erste ständige deutsche Oper gegründet wurde, deren Orchester 1933 mit dem der Philharmonischen Ge-

L. 25 2376 Pkte. 3. Mannschaft Flog Hannover Klemm L. 25 2318 Pkte. 1. Mannschaft Flog Dresden Klomm L. 25 2330 Pkte. 5. Mannschaft Flog Breslau Klemm L. 26 2315 Pkte. 6. Mann­schaft Flog Osnabrück 2312 Pkte. 7. Mannichast Flog Bremen 2285 Pkte. 8. Mannschaft Flog Hamburg 2190 Pkte. 9. Mannschaft Flugr Essen 2129 Pkte. 10. Mannschaft Flog München 2123 Punkte. 11. Mannschaft Flog Halberstadt 2108 Punkte. 12. Mannschaft Flog Danzig-Langfuhr 2091 Pkte., 13. Mannschaft Flugr. Eleiwitz 2088 Punkte. 14. Mannschaft Reichsgruppe Lufthansa 2086 Pkte. 15. Mannschaft Flog Braunschweig 2051 Pkte. 16. Mannschaft Reichslnftfahrtministe- rium 2052 Pkte. 17. Mannschaft Flog Darmstadt 2001 Pkte. 18. Mannschaft Flugr. Berlin-Staa- ken 2001 Pkte. 19. Mannschaft Flog Nordhausen 1960 Pkte. 20. Mannschaft Reichslustfahrtmini­sterium 1959 Pkte. 21. Mannschaft Flog Karls­ruhe 1923 Pkte. 22. Mannschaft Flugr. Essen 1923 Pkte. 23. Mannschaft Flugr. Dortmund 1891 Punkte. 24. Mannschaft Flugr. Verlin-Staaken 1854 Pkte. 25. Mannschaft Flugr. Mannheim 1826 Pkte. 26. Mannschaft Reichsluftfahrtmini­sterium 1780 Pkte. 27. Mannschaft Flog Königs­berg 1749 Pkte. 28. Mannschaft Flugr. Münster 1747 Pkte. 29. Mannschaft Flog Nürnberg 1740 Punkte.

sellschaft zum Philharmonischen Staatsorchester vereinigt worden ist. Generalintendant Strohm, dem großes Verdienst um die Organisation des Festes zuzuschreiben ist, teilte mit, daß Hamburg von nun ab eine alljährliche Festwoche durchführt. Er begrüßte die Gäste der Stadt namens der an dem Fest beteiligten Kunstinstitute Hamburgs und dankte dem Intendanten des Reichssenders Ham­burg für die Mitarbeit. Der Reichssender hat be­kanntlich sein tüchtiges Symphonie-Orchester iür die Konzerte zur Verfügung gestellt, so daß nicht nur ein besonders großes Fest-Instrument gestellt werden konnte, sondern durch das gute Beispiel die noch immer bestehenden Gegensätze zwischen Rundfunk einerseits und Theatern und Orchestern anderseits als (hoffentlich für immer!) über­wunden sind.

Regierender Bürgermeister Krogmann empfing im festlich beleuchteten Hamburger Rathaus die Gäste der Stadt am Abend des ersten Musik­festtages nach dem ersten Konzert in der Musik­halle. Der Senat, Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Musikvereins, Vertreter des Ständigen Rates, führende Vertreter des Hamburgischen Konsularkorps, des Staates, der Partei, der Wehrmacht, der Kunst, der Wissenschaften und der Wirtschaft nahmen an dieser erhebenden Feierstunde teil. Der besondere Dank des Regie­renden Bürgermeisters galt dem Präsidenten des Ständigen Rates, dem leider verhinderten Kom­ponisten Dr. Richard Strauß. Unter dem stürmi­schen Beifall der erlauchten Versammlung gab Regierender Bürgermeister Krogmann den Se­natsbeschluß bekannt, einigen verdienten Persönlichkeiten der beiden an dem Fest beteilig­ten Komponisten-Körperschaften die höchste Auszeichnung für dieFörderungdes musikalischen Lebens in Hamburg, die Vrahms-Medaille. zu verleihen: es sind das Maestro Adrians Lualdi (Jta-

Leistung oder Gesinnung?

Eine der Grundforderungen des National­sozialismus ist die Durchsetzung des Lei­stungsprinzips, d. h. der Wertung der Men­schen nicht nach irgendwelchen äußeren Dingen wie Besitz, Titel oder Herkunft, sondern einzig nach seiner ei­genen persönlichen Lei st ung. Jene Spannung zwischen Individualität und Ge­meinschaft, zwischen Persönlichkeit und Staat, über die die Philosophen des vergan­genen Zeitalters unendlich gelehrte Dis­kussionen und Streitgespräche veranstalten, unendlich gelehrte, aber dem einfachen Volk unverständliche Bücher schreiben konnten, ist damit auf eine sehr eindeutige und jedem ein­leuchtende Weise abgewandelt worden. Die Wertung des Menschen erfolgt einzig nach dem Grad seiner Leistung für die Volks­gemeinschaft und in der Volksgemeinschaft.

Gleich nachdem der Nationalsozialismus die Macht im Staate übernommen hatte und damit die von ihm vertretenen Grundsätze zu allgemeinen Grundsätzen des Staates ge­worden waren, trat sofort eine Unzahl von Menschen aus, die mit mehr oder weniger Nachdruck darauf hinwiesen, daß ihre Wer­tung einzig nach diesem Grundsatz der Lei­stung zu erfolgen habe. Meist ging es dann darum, einen bestimmten, ihrem persönlichen Ehrgeiz oder ihrem ewigen persönlichen Geldbeutel befriedigenden Posten zu be­halten oder zu erobern, nicht aber um einen Dienst an der Gemeinschaft.

Wenn aber ein junger Nationalsozialist, der seit Jahren im vordersten Kampf der Bewegung gestanden hatte, in irgendein ver­antwortliches Amt berufen wurde, dann er­hoben die gleichen Fanatiker der Leistung ein großes Geraune: Die gute Gesinnung in allen Ehren — aber dieser junge Mann müsse erst noch den Nachweis erbringen, daß er für seinen so verantwortlichen Posten auch die nötige Leistung mitbringe.

Das sind die gleichen Menschen, die den Kamps der nationalsozialistischen Bewegung begleiteten mit der Behauptung, es fehle uns bei aller Anerkennung des Zieles, die Arbeiterschaft wieder für den nationalen Gedanken zu gewinnen, an „Köpfen". Adolf Hitler sei wohl der Trommler, aber nicht der politische Staatslenker der Zukunft. Für sie begann der Mensch eigentlich erst bei der Erreichung eines akademischen Grades. Sie führten den Klassenkampf auf ihre Weise, ohne einen Instinkt dafür, daß jeder Sturm­führer in irgendeinem Arbeiterviertel der Großstadt, der seit Jahren einen harten, per­sönlich schweren Kampf um die Eroberung der deutschen Menschen für die neue Welt­anschauung, für jene innere Einheit von N a t i o nalismus und Sozialismus, führte, durch diesen Kampf den Nachweis einer praktischen politischen Fähigkeit er­bracht hatte, der durch keinerlei reines theoretisches Wissen ersetzt werden kann. Wenn aber dazu noch die theoretische Kennt­nis kommt, dann bedeutet das ganz etwas anderes als ein landläufiger Studiengang.

Im Grundsatz sind die Wertungen dieser Fanatiker der sogenannten sachlichen Lei­stung nach der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus keine ande­ren geworden. Wir Nationalsozialisten

lien), Albert Roussel (Frankreich), Jan Sibelius (Finnland), Kurt Atterberg (Schweden), Herbert Vedford (England), Siegmund von Hausegger, Hans Pfitzner, E. N. von Reznicek und Josef Haas (Deutschland). Für den Vorstand des Ständigen Rates dankte in seiner Muttersprache Lualdi, für den Allgemeinen Deutschen Musik­verein und gleichzeitig auch im Namen der aus­gezeichneten Komponisten dankte mit bewegten Worten von Hausegger.

Die Fest wünsche der Reichsregie­rung und des Reichspropagandaministers Dr. Goebbels überbrachte Ministerialrat von Kend eil, der darauf hinwies, daß insbeson­dere Dr. Goebbels si^ die Festigung der Bande angelegen sein läßt, die Deutschland mit dem musi­zierenden Ausland verbindet. Als Exponent na­tionalsozialistischer Weltanschauung habe Dr. Goebbels in Fürsorge für die geistig Schaffenden die 50jährige Schutzfrist in Deutschland einge­führt und in der sogenannten Stagma-Gesetz- gebung die Pflege enger kultureller und wirt­schaftlicher Beziehungen zu den Komponisten von 27 ausländischen Staaten gefördert. „Ueber alle politischen Grenzen hinweg reichen wir unseren Gästen die Hände zum Gruß an erwünschte Weg­genossen zu den Höhen eines musikalischen Schaf­fens. das unseren Völkern die Musik schenken soll, auf die die Welt mit berechtigter Sehnsucht wartet."

Im großen Saal der Musikhalle, die mit den Fahnen und Farben der teilnehmenden Nationen geschmückt war, begann die Reihe der Konzerts mit einer Huldigung für Franz Liszt: Sieg­mund von Hausegger dirigierte (auswen­dig) die gewaltige „Tante-Symphonie", das Urbild aller symphonischen Dichtungen. Das prachtvoll ausdrucksfähige Orchester stellte mit der

Hitlerjugend und ReligiöjM

Baldur von Gchlrach spricht über alle deutschen Sender

Berlin, 2. Juni.

Der Deutschlandsender veranstaltete am Sonn­tagvormittag eine deutsche Morgenfeier der Hitler-Jugend, mit der die Reihe der sonntäg­lichen Weihestunden, die die HJ. im Rundfunk ge­staltet, eröffnet wurde. Die erste Feier erhielt ihre besondere Bedeutung durch eine richtungweisende Rede des Reichsjugendführers über „Hitler- Jugend und Religiosität", die von allen deutschen Sendern übertragen wurde.

Baldur von Schi räch wandte sich in seiner Rede zunächst gegen die Kreise, die die Hitler- Jugend als gottlose Bilderstürmer und -ketzer verleumdet hätten. Diese Angriffe hätten jedoch das reine Gewissen der Hitler-Ju­gend nicht berühren können. Wir haben zu tiefen Anteil am wahren religiösen Erlebnis die­ser Zeit, als daß wir von Menschen beleidigt wer­den könnten, die trotz aller Vorgabe außerhalb dieses Erlebnisses stehen. Wir alle glauben an einen allmächtigen Gott, denn wir alle, auch die Jüngsten von uns, sind Zeugen der wunderbaren Wandlung, die unser Volk durch seine Hilfe er­

fahren hat, der Wandlung von der Ohnmacht und Zerrissenheit zur Kraft und Eintracht. Die Hitler- Jugend will nichts anderes, als diese Kraft und Eintracht für alle Zukunft sicherstellen.

Das Erlebnis der Kameradschaft und der Einig­keit ist für uns nicht nur ein politisches, sondern auch ein religiöses. Niemand hat das Recht, ein solches Erlebnis mit niederen Anwürfen zu be­schmutzen, am wenigsten derjenige, der selbst mit religiösen Dingen politische Geschäfte macht. Wir meinen dem Allmächtigen zu dienen, wenn wir mit unseren jungen Kräften versuchen, Deutsch­land wieder einig und groß zu machen. Uns erscheint dieser Dienst am ewigen Deutschland als ein wahrer treuer Gottesdienst.

Baldur von Schirach wandte sich sodann der Frage der konfessionellen Jugend- verbände zu und erklärte, die Jugend habe ein Recht zu fragen, warum die katholische Jugend­führung ein Sonderrecht für sich in Anspruch neh­men wolle, das kein anderer Jugendbund in Deutschland mehr haben wolle. Selbstlos und freudig hätten Tausende von Bünden ihr Eigen­dasein aufgegeben, um so die Voraussetzungen

für das Gelingen des Einigungswerkes der HJ. zu schaffen. Der Reichsjugendführer appelliert an das Pflichtgefühl jener konfessionellen Jugend­führer, die noch abseits ständen. Er teilte ferner mit, daß er gegen eine Reihe von Verleumdern, Strafanträge stellen werde.

Der Reichsjugendführer schloß mit dem Gelöb­nis, daß die Hitler-Jugend gottverbunden sei wie keine zweite Jugend, daß sie ihre religiöse Hal­tung von niemand anzweifeln lasse und daß sie in ihrer Treue zu Gott, zum Führer und zu Deutsch­land sich von niemand beschämen lassen werde.

Schweres Motorradunglück

Berlin, 2. Juni.

Auf der Chaussee zwischen Glasgow und Lichten- rade fuhr in der Nacht zum Sonntag ein Motor­radfahrer in eine ihm entgegenkommende Rad- fahrkolonne der HJ. Ein Hitlerjunge trug dabei schwere llnterleibsverletzungen, der andere einen Beinbruch und der Motorradfahrer eine Kiefer­verletzung davon.

Musikfest der Völker in Hamburg

Luftakt zum 65. Tonkünstierfest und zum „Ersten Internationalen"

(Von unserem naok

Llamburg sntsuncktsn —ess— Llitarbsitsi)

Feststadt des 65. T o n k ü n st l e r s est e s des Allgemeinen Deutschen Musikver- eins 1935 ist zum allerersten Male in der Ge­schichte dieser Veranstaltungen Hamburg. Bremen hatte vordem bereits zweimal das Glück: 1900, als man das 35. Tonkünstlerfest feierte — das 61. Tonkünstlerfest 1931 mit seinen für die Musik­kultur unserer Vaterstadt so ehrenvollen Konzer­ten und Aufführungen ist noch in aller Erinne­rung. Dafür hat Hamburg aber auch den Vor­zug, gleichzeitig das „Erste Internatio­nale Musikfest", das erste überhaupt, das der „Ständige Rat für die Internationale Zu­sammenarbeit der Komponisten" (Oonssil psr- wsnsnt pour Is Ooopöration intsrnutionalo ckss vowpositsurs) organisiert hat, in seinen Mauern feiern zu dürfen. Und das ist ein Vorzug, um den Hamburg von Warschau und Paris ebenso be­neidet wird wie von London und Rom. Denn die ganze Welt, soweit sie an der zeitgenössischen Musik der Völker Anteil nimmt, sieht auf Hamburg! Achtzehn Nationen sind an diesem Fest beteiligt: aus achtzehn Nationen wurden Werke lebender Komponisten zu diesem Fest eingereicht. Die De­legierten im Vorstand des Ständigen Rates, dessen Präsident ein deutscher Komponist ist, unser Richard Strauß, wählten die Werke aus. Der Delegierte des Landes, auf das die Wahl gefallen ist bei der Abstimmung über das „Feft"- Land, in diesem Falle der deutsche Delegierte oder sein Vertrauensmann iür das Programm, Emil Nikolaus von Reznicek, hatte die letzte Lese vor­zunehmen und zu jedem zur Aufführung bestimm­ten Werk die Zustimmung zu geben. Eine Reihe

von Komponisten dieser Werke weilen seit Sonn­abend in Hamburg. Dirigenten von Weltruf führen zusammen mit dem Fe st-Dirigenten, dem Hamburgischen Generalmusikdirektor Eugen Iochum ihre Werke auf. Verdiente Persönlich­keiten vom geschäftsführenden Vorstand des All­gemeinen Deutschen Musikvereins, berühmte deutsche Dirigenten wie Hausegger, Raabe, Vuschkötter, Komponisten wie Paul Grü­ner, Josef Haas, Max Trapp, Georg Vollerthun, Hans Pfitzner, sind in den Konzertsälen und der Staatsoper, Delegierte des Ständigen Rates aus dem Ausland fehlen nicht. Kurt Atterberg, der Generalsekretär des Ständigen Rates, den wir Bremer persönlich kennengelernt haben als Gastdirigent des Staats­orchesters bei der feierlichen Eröffnung des Nor­dischen Things 1934 in Bremen, ist ebenfalls in Hamburg. Eine so illustre Versammlung er­lauchter Persönlichkeiten der Musik wird sobald nicht wieder in einer deutschen Stadt zusammen sein.

Und dennoch: im Weltstadtgetriebe Hamburgs weht das alles nur als „der ferne Klang" aus friedlicheren, idealen Welten durch die beherr­schenden Alltagsstundcn dieser fleißigen, strebsamen Hansestadt. Dazu ist das 65. Tonkünstierfest und das Erste Internationale Musikfest, die Woche deutscher und internationaler Musik vom 1. bis 7. Juni, nur ein Teilausschnitt aus Hamburgs Festwochen-Reihe. Eben hat der „Tag der deut­schen Seefahrt" die Welthafenstadt zur Geltung bringen wollen — die Reichsnährstands-Ausstel- lung hat Hunderttausende von Landwirten nach Hamburg geführt — die große Derby-Woche ist in Vorbereitung — neben den schon vergilbenden