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Nr. 122 / 3. Jahrgang
Montag, 3. Juni
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Ein Ruhmesblatt in der Geschichte der deutschen Fliegerei
Der Deutschlandflug beendet
Die Danziger Kiemm-Kette an erster Stelle / Bremen belegt den 7. Platz
vnssr lagsospiogsl
Die deutsche Delegation für die Londoner Flottenbesprechungen ist in London eingetroffen
Der Deutschlandslug 1935 endete mit einem Siege der Danziger Staffel Die 2. Reichsnährstandsausstellung in Hamburg wurde am Sonntag geschlossen Der Führer der Motorbrigade Südwest des NSKK ist tödlich verunglückt In Budapest gelang es dem Bremer Fischer den amerikanischen Weltrekordschwimmer Fick zu schlagen
Perry (England) ist nach seinem Sieg über v. Cramm französischer Tennismeister In der Vorschlußrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft siegten am Sonntag Schalke 91 und VfB. Stuttgart In Bremen fand unter großer Beteiligung der Bevölkerung das Wehrsportfest des 1. Ins.-Reg. Oldenburg statt
An London eingetroffen
Berlin, 2. Juni.
Die deutsche Delegation für die Londoner Flottenbesprechung ist am Sonntag kurz nach 12 Uhr von dem Tempelhofer Flughafen nach London gestartet. Botschafter von Ribben- trop, Konteradmiral Schuster, Kapitän zur See Kiderlen nahmen in dem Flugzeug „Oswald Voelcke" Platz. In ihrer Begleitung befanden sich u. a. Professor Graf von Dürckheim Mont Martin, Regierungsrat Schmidt, Wachs Dr. Kordt und der Adjutant.von Ribbentrops, Torner.
Nach einer Zwischenlandung in Amsterdam traf die deutsche Abordnung gegen 17 Uhr auf dem Flugplatz Croydon bei London ein. Zu ihrer Begrüßung hatten sich auf dem Flugplatz der stellvertretende Unterstaatssekretär im Foreign Office Craigie sowie Kapitän Danckwerks und von der deutschen Botschaft in London Botschaftsrat Fürst Vismarck und Marineattachs Kapitän Watzner eingefunden.
Bfigadeführek tödlich verunglückt
Stuttgart, 2. Juni.
Der Führer der Motorbrigade Südwest des NSKK., Obersturmbannführer Schweyer, ist auf der Fahrt nach Stuttgart mit seinem Kraft- wagen tödlich verunglückt. Hinter Konnwestheim kam dem Wagen Schweyers ein Kraftwagen entgegen, der nach links in eine Seitenstraße einbiegen wollte. Beim Ausweichen geriet der Wagen Schweyers auf den aufgelockerten Boden einer Baustelle und überschlug sich. Obersturmbannführer Schweyer war auf der Stelle tot, während sein Begleiter, Brigadeadjutant Kuber, nur leicht verletzt wurde.
Japanische Botschafter-Tagung
Tokio, 2. Juni.
Amtlich wird mitgeteilt, daß Anfang Juni der japanische Botschafter in London, Baron Matsu- deira, nach Paris reisen wird, wo unter seinem Borsitz eine Konferenz der japanischen Botschafter in den europäischen Hauptstädten stattfinden wird. Diese Konferenz wird sich mit außenpolitischen Fragen in Europa wie auch mit Fragen des japanisch-europäischen Handels beschäftigen.
Berlin, 2. Juni
Der Deutschlandslug 1935 ist zu Ende. Mit diesem Flug hat ein Wettbewerb seinen Abschluß gesunden, der der Geschichte der deutschen Fliegerei ein weiteres Ruhmesblatt hinzufügt. 151 Maschinen, eine Eesamtflugstrecke von 5531 Kilo- meter und 29 990 freiwillige Helfer — das sind Zahlen, wie sie in der ganzen Welt bisher einzig dastehen. Und einzig sind auch die Leistungen aller, ob sie aktiv als Flieger am Gelingen des Wettbewerbes beteiligt waren, oder ob sie an den Landeplätzen und als Organisatoren ihre unsichtbare Arbeit verrichteten. Bon dreißig Verbänden mit 151 Maschinen ist aus dem ganzen Flug nur ein einziger Verband, Weimar, ausgeschieden, 29 Verbände mit 138 Flugzeugen erreichten wieder den Startort. Sieger und Gewinner des Wanderpreises des Reichslustfahrtministers Hermann Eöring ist die Danziger Kette» die mit vier Maschinen über die Strecke kam; nach ihr belegten die Neuner-Staffel Stuttgart und die Fünfer-Kette des Vorjahressiegers Hannover die nächsten Plätze. Bremen belegte den siebenten Platz.
Auf dem letzten Teil der fünften Tagesstrecke von München nach Erfurt schieden noch zwei Maschinen aus den Verbänden Danzig und Halberstadt aus, so daß das Tagesziel Erfurt bis zum Abend 29 Verbände mit 139 Maschinen erreichten. In der Punktwertung lag die Danziger Kette in Front vor Hannover und Berlin-Staaken.
Um 9.Uhr morgens starteten noch 138 Maschinen zum Flug nach der Reichshauptstadt. Die Strecke führte über Chemnitz, Leipzig zum Flughafen Halle-Schkeuditz, den bis Mittag alle Verbände erreicht hatten. Von dort ging es im Gemeinschaftsflug unter Führung von Oberst Loerzer Wer Magdeburg nach Tempelhos, die Länge der Strecke betrug ca. 159 stm. Ein Großflugtag hatte in Ber- lin-Tempelhof. Zehntausende angelockt, die vom frühen Morgen ab mit Staunen und Begeisterung den waghalsigen, Kunststücken eines Ernst Udet und Willi S tör sowie den Eeschwaderflügen und Fallschirmabsprllngen folgten. Doch immer wieder schweiften die Blicke zum Horizont nach Westen, bis endlich kurz vor 5 Uhr das , erste Geschwader der Deutschlandflieger auftauchte.
Schlag auf Schlag überflogen die einzelnen Verbände das Zielband, und ein besonders schönes Bild war es, als in tadelloser Ordnung die beiden 7er-Staffeln des Reichslustfahrtministeriums zusammen mit der 3er-Kette Vre- mens dahergebraust kamen, alles schnittige Doppeldecker von Heinkel, Arado und Focke-Wnlf! Bei dem strahlenden Sonnenschein ein fast unbeschreibliches Bild, so wie es Tausende von Volksgenossen in dieser Woche in ganz Deutschland erleben konnten.
Das Endergebnis:
1. Mannschaft Flog Danzig Klemm L. 25 2396 Punkte. 2. Mannschaft Flugr. Stuttgart Klemm
Plakaten zum Tonkünstlerfest tauchen auf den Anschlagsäulen die frisch-farbigen Plakate zur Zweiten Reichs-Theater-Woche vom, 16. bis 23. Juni auf, die wie das Tonkünstlerfest an die beteiligten Kunstinstitute Hamburgs große Anforderungen stellen wird. Inzwischen aber erklingen in der Musikhalle die ersten Akkorde des Musikfestes, wie es in diesen Ausmaßen noch keine deutsche Stadt erlebte.
Die zahlreichen Vertreter aller führenden deutschen Zeitungen hat das Hamburgische Staatsamt im Hotel „Vier Jahreszeiten" am Sonnabend nachmittag, empfangen. Oberregierungsrat Dr. Lindemann entbot namens des Regierenden Bürgermeisters und des Senats die ersten Grüße und gab den Bestrebungen Hamburgs überzeugend Ausdruck, nicht nur als Hafen- und Handelsstadt zu gelten, sondern zu seinem Teil auch zur Erfüll lung des Willens der Reichsregierung dazu beizutragen, daß deutsche Musik die völkerverbindende Brücke ist. Als Vertreter des Allgemeinen deut- schen Mustkvereins sprach der stellvertretende Vorsitzende des geschäftsführenden Vorstandes: Generalmusikdirektor Professor Dr. Peter-Raabe- Aachen. „Musik verbindet", sagte er, „aber Musik trennt auch. Doch ist das Trennende nicht Feindseligkeit, sondern ergibt sich aus der Wesensver- schiedenheit nationaler Musik, die bodenständig und also echt national ist". Franz Liszt habe bei der Gründung des Allgemeinen Deutschen Musik- vereins Las Ziel verfolgt, deutsche Musik aus deutscher Kunst herauszuheben und ihre allen Völkern verständliche Sprache und Bedeutung dem Ausland mitzuteilen. Leitender Regierungsdirektor von Klei nschmit, Leiter der Hamburgischen Behörde für Volkstum, Kirche und Kunst, umriß Hamburgs groß« musikalische Vergangenheit und wies darauf hin, daß 1678 in Hamburg die erste ständige deutsche Oper gegründet wurde, deren Orchester 1933 mit dem der Philharmonischen Ge-
L. 25 2376 Pkte. 3. Mannschaft Flog Hannover Klemm L. 25 2318 Pkte. 1. Mannschaft Flog Dresden Klomm L. 25 2330 Pkte. 5. Mannschaft Flog Breslau Klemm L. 26 2315 Pkte. 6. Mannschaft Flog Osnabrück 2312 Pkte. 7. Mannichast Flog Bremen 2285 Pkte. 8. Mannschaft Flog Hamburg 2190 Pkte. 9. Mannschaft Flugr Essen 2129 Pkte. 10. Mannschaft Flog München 2123 Punkte. 11. Mannschaft Flog Halberstadt 2108 Punkte. 12. Mannschaft Flog Danzig-Langfuhr 2091 Pkte., 13. Mannschaft Flugr. Eleiwitz 2088 Punkte. 14. Mannschaft Reichsgruppe Lufthansa 2086 Pkte. 15. Mannschaft Flog Braunschweig 2051 Pkte. 16. Mannschaft Reichslnftfahrtministe- rium 2052 Pkte. 17. Mannschaft Flog Darmstadt 2001 Pkte. 18. Mannschaft Flugr. Berlin-Staa- ken 2001 Pkte. 19. Mannschaft Flog Nordhausen 1960 Pkte. 20. Mannschaft Reichslustfahrtministerium 1959 Pkte. 21. Mannschaft Flog Karlsruhe 1923 Pkte. 22. Mannschaft Flugr. Essen 1923 Pkte. 23. Mannschaft Flugr. Dortmund 1891 Punkte. 24. Mannschaft Flugr. Verlin-Staaken 1854 Pkte. 25. Mannschaft Flugr. Mannheim 1826 Pkte. 26. Mannschaft Reichsluftfahrtministerium 1780 Pkte. 27. Mannschaft Flog Königsberg 1749 Pkte. 28. Mannschaft Flugr. Münster 1747 Pkte. 29. Mannschaft Flog Nürnberg 1740 Punkte.
sellschaft zum Philharmonischen Staatsorchester vereinigt worden ist. Generalintendant Strohm, dem großes Verdienst um die Organisation des Festes zuzuschreiben ist, teilte mit, daß Hamburg von nun ab eine alljährliche Festwoche durchführt. Er begrüßte die Gäste der Stadt namens der an dem Fest beteiligten Kunstinstitute Hamburgs und dankte dem Intendanten des Reichssenders Hamburg für die Mitarbeit. Der Reichssender hat bekanntlich sein tüchtiges Symphonie-Orchester iür die Konzerte zur Verfügung gestellt, so daß nicht nur ein besonders großes Fest-Instrument gestellt werden konnte, sondern durch das gute Beispiel die noch immer bestehenden Gegensätze zwischen Rundfunk einerseits und Theatern und Orchestern anderseits als (hoffentlich für immer!) überwunden sind.
Regierender Bürgermeister Krogmann empfing im festlich beleuchteten Hamburger Rathaus die Gäste der Stadt am Abend des ersten Musikfesttages nach dem ersten Konzert in der Musikhalle. Der Senat, Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Musikvereins, Vertreter des Ständigen Rates, führende Vertreter des Hamburgischen Konsularkorps, des Staates, der Partei, der Wehrmacht, der Kunst, der Wissenschaften und der Wirtschaft nahmen an dieser erhebenden Feierstunde teil. Der besondere Dank des Regierenden Bürgermeisters galt dem Präsidenten des Ständigen Rates, dem leider verhinderten Komponisten Dr. Richard Strauß. Unter dem stürmischen Beifall der erlauchten Versammlung gab Regierender Bürgermeister Krogmann den Senatsbeschluß bekannt, einigen verdienten Persönlichkeiten der beiden an dem Fest beteiligten Komponisten-Körperschaften die höchste Auszeichnung für dieFörderungdes musikalischen Lebens in Hamburg, die Vrahms-Medaille. zu verleihen: es sind das Maestro Adrians Lualdi (Jta-
Leistung oder Gesinnung?
Eine der Grundforderungen des Nationalsozialismus ist die Durchsetzung des Leistungsprinzips, d. h. der Wertung der Menschen nicht nach irgendwelchen äußeren Dingen wie Besitz, Titel oder Herkunft, sondern einzig nach seiner eigenen persönlichen Lei st ung. Jene Spannung zwischen Individualität und Gemeinschaft, zwischen Persönlichkeit und Staat, über die die Philosophen des vergangenen Zeitalters unendlich gelehrte Diskussionen und Streitgespräche veranstalten, unendlich gelehrte, aber dem einfachen Volk unverständliche Bücher schreiben konnten, ist damit auf eine sehr eindeutige und jedem einleuchtende Weise abgewandelt worden. Die Wertung des Menschen erfolgt einzig nach dem Grad seiner Leistung für die Volksgemeinschaft und in der Volksgemeinschaft.
Gleich nachdem der Nationalsozialismus die Macht im Staate übernommen hatte und damit die von ihm vertretenen Grundsätze zu allgemeinen Grundsätzen des Staates geworden waren, trat sofort eine Unzahl von Menschen aus, die mit mehr oder weniger Nachdruck darauf hinwiesen, daß ihre Wertung einzig nach diesem Grundsatz der Leistung zu erfolgen habe. Meist ging es dann darum, einen bestimmten, ihrem persönlichen Ehrgeiz oder ihrem ewigen persönlichen Geldbeutel befriedigenden Posten zu behalten oder zu erobern, nicht aber um einen Dienst an der Gemeinschaft.
Wenn aber ein junger Nationalsozialist, der seit Jahren im vordersten Kampf der Bewegung gestanden hatte, in irgendein verantwortliches Amt berufen wurde, dann erhoben die gleichen Fanatiker der Leistung ein großes Geraune: Die gute Gesinnung in allen Ehren — aber dieser junge Mann müsse erst noch den Nachweis erbringen, daß er für seinen so verantwortlichen Posten auch die nötige Leistung mitbringe.
Das sind die gleichen Menschen, die den Kamps der nationalsozialistischen Bewegung begleiteten mit der Behauptung, es fehle uns bei aller Anerkennung des Zieles, die Arbeiterschaft wieder für den nationalen Gedanken zu gewinnen, an „Köpfen". Adolf Hitler sei wohl der Trommler, aber nicht der politische Staatslenker der Zukunft. Für sie begann der Mensch eigentlich erst bei der Erreichung eines akademischen Grades. Sie führten den Klassenkampf auf ihre Weise, ohne einen Instinkt dafür, daß jeder Sturmführer in irgendeinem Arbeiterviertel der Großstadt, der seit Jahren einen harten, persönlich schweren Kampf um die Eroberung der deutschen Menschen für die neue Weltanschauung, für jene innere Einheit von N a t i o nalismus und Sozialismus, führte, durch diesen Kampf den Nachweis einer praktischen politischen Fähigkeit erbracht hatte, der durch keinerlei reines theoretisches Wissen ersetzt werden kann. Wenn aber dazu noch die theoretische Kenntnis kommt, dann bedeutet das ganz etwas anderes als ein landläufiger Studiengang.
Im Grundsatz sind die Wertungen dieser Fanatiker der sogenannten sachlichen Leistung nach der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus keine anderen geworden. Wir Nationalsozialisten
lien), Albert Roussel (Frankreich), Jan Sibelius (Finnland), Kurt Atterberg (Schweden), Herbert Vedford (England), Siegmund von Hausegger, Hans Pfitzner, E. N. von Reznicek und Josef Haas (Deutschland). Für den Vorstand des Ständigen Rates dankte in seiner Muttersprache Lualdi, für den Allgemeinen Deutschen Musikverein und gleichzeitig auch im Namen der ausgezeichneten Komponisten dankte mit bewegten Worten von Hausegger.
Die Fest wünsche der Reichsregierung und des Reichspropagandaministers Dr. Goebbels überbrachte Ministerialrat von Kend eil, der darauf hinwies, daß insbesondere Dr. Goebbels si^ die Festigung der Bande angelegen sein läßt, die Deutschland mit dem musizierenden Ausland verbindet. Als Exponent nationalsozialistischer Weltanschauung habe Dr. Goebbels in Fürsorge für die geistig Schaffenden die 50jährige Schutzfrist in Deutschland eingeführt und in der sogenannten Stagma-Gesetz- gebung die Pflege enger kultureller und wirtschaftlicher Beziehungen zu den Komponisten von 27 ausländischen Staaten gefördert. „Ueber alle politischen Grenzen hinweg reichen wir unseren Gästen die Hände zum Gruß an erwünschte Weggenossen zu den Höhen eines musikalischen Schaffens. das unseren Völkern die Musik schenken soll, auf die die Welt mit berechtigter Sehnsucht wartet."
Im großen Saal der Musikhalle, die mit den Fahnen und Farben der teilnehmenden Nationen geschmückt war, begann die Reihe der Konzerts mit einer Huldigung für Franz Liszt: Siegmund von Hausegger dirigierte (auswendig) die gewaltige „Tante-Symphonie", das Urbild aller symphonischen Dichtungen. Das prachtvoll ausdrucksfähige Orchester stellte mit der
Hitlerjugend und ReligiöjM
Baldur von Gchlrach spricht über alle deutschen Sender
Berlin, 2. Juni.
Der Deutschlandsender veranstaltete am Sonntagvormittag eine deutsche Morgenfeier der Hitler-Jugend, mit der die Reihe der sonntäglichen Weihestunden, die die HJ. im Rundfunk gestaltet, eröffnet wurde. Die erste Feier erhielt ihre besondere Bedeutung durch eine richtungweisende Rede des Reichsjugendführers über „Hitler- Jugend und Religiosität", die von allen deutschen Sendern übertragen wurde.
Baldur von Schi räch wandte sich in seiner Rede zunächst gegen die Kreise, die die Hitler- Jugend als gottlose Bilderstürmer und -ketzer verleumdet hätten. Diese Angriffe hätten jedoch das reine Gewissen der Hitler-Jugend nicht berühren können. Wir haben zu tiefen Anteil am wahren religiösen Erlebnis dieser Zeit, als daß wir von Menschen beleidigt werden könnten, die trotz aller Vorgabe außerhalb dieses Erlebnisses stehen. Wir alle glauben an einen allmächtigen Gott, denn wir alle, auch die Jüngsten von uns, sind Zeugen der wunderbaren Wandlung, die unser Volk durch seine Hilfe er
fahren hat, der Wandlung von der Ohnmacht und Zerrissenheit zur Kraft und Eintracht. Die Hitler- Jugend will nichts anderes, als diese Kraft und Eintracht für alle Zukunft sicherstellen.
Das Erlebnis der Kameradschaft und der Einigkeit ist für uns nicht nur ein politisches, sondern auch ein religiöses. Niemand hat das Recht, ein solches Erlebnis mit niederen Anwürfen zu beschmutzen, am wenigsten derjenige, der selbst mit religiösen Dingen politische Geschäfte macht. Wir meinen dem Allmächtigen zu dienen, wenn wir mit unseren jungen Kräften versuchen, Deutschland wieder einig und groß zu machen. Uns erscheint dieser Dienst am ewigen Deutschland als ein wahrer treuer Gottesdienst.
Baldur von Schirach wandte sich sodann der Frage der konfessionellen Jugend- verbände zu und erklärte, die Jugend habe ein Recht zu fragen, warum die katholische Jugendführung ein Sonderrecht für sich in Anspruch nehmen wolle, das kein anderer Jugendbund in Deutschland mehr haben wolle. Selbstlos und freudig hätten Tausende von Bünden ihr Eigendasein aufgegeben, um so die Voraussetzungen
für das Gelingen des Einigungswerkes der HJ. zu schaffen. Der Reichsjugendführer appelliert an das Pflichtgefühl jener konfessionellen Jugendführer, die noch abseits ständen. Er teilte ferner mit, daß er gegen eine Reihe von Verleumdern, Strafanträge stellen werde.
Der Reichsjugendführer schloß mit dem Gelöbnis, daß die Hitler-Jugend gottverbunden sei wie keine zweite Jugend, daß sie ihre religiöse Haltung von niemand anzweifeln lasse und daß sie in ihrer Treue zu Gott, zum Führer und zu Deutschland sich von niemand beschämen lassen werde.
Schweres Motorradunglück
Berlin, 2. Juni.
Auf der Chaussee zwischen Glasgow und Lichten- rade fuhr in der Nacht zum Sonntag ein Motorradfahrer in eine ihm entgegenkommende Rad- fahrkolonne der HJ. Ein Hitlerjunge trug dabei schwere llnterleibsverletzungen, der andere einen Beinbruch und der Motorradfahrer eine Kieferverletzung davon.
Musikfest der Völker in Hamburg
Luftakt zum 65. Tonkünstierfest und zum „Ersten Internationalen"
(Von unserem naok
Llamburg sntsuncktsn —ess— Llitarbsitsi)
Feststadt des 65. T o n k ü n st l e r s est e s des Allgemeinen Deutschen Musikver- eins 1935 ist zum allerersten Male in der Geschichte dieser Veranstaltungen Hamburg. Bremen hatte vordem bereits zweimal das Glück: 1900, als man das 35. Tonkünstlerfest feierte — das 61. Tonkünstlerfest 1931 mit seinen für die Musikkultur unserer Vaterstadt so ehrenvollen Konzerten und Aufführungen ist noch in aller Erinnerung. Dafür hat Hamburg aber auch den Vorzug, gleichzeitig das „Erste Internationale Musikfest", das erste überhaupt, das der „Ständige Rat für die Internationale Zusammenarbeit der Komponisten" (Oonssil psr- wsnsnt pour Is Ooopöration intsrnutionalo ckss vowpositsurs) organisiert hat, in seinen Mauern feiern zu dürfen. Und das ist ein Vorzug, um den Hamburg von Warschau und Paris ebenso beneidet wird wie von London und Rom. Denn die ganze Welt, soweit sie an der zeitgenössischen Musik der Völker Anteil nimmt, sieht auf Hamburg! Achtzehn Nationen sind an diesem Fest beteiligt: aus achtzehn Nationen wurden Werke lebender Komponisten zu diesem Fest eingereicht. Die Delegierten im Vorstand des Ständigen Rates, dessen Präsident ein deutscher Komponist ist, unser Richard Strauß, wählten die Werke aus. Der Delegierte des Landes, auf das die Wahl gefallen ist bei der Abstimmung über das „Feft"- Land, in diesem Falle der deutsche Delegierte oder sein Vertrauensmann iür das Programm, Emil Nikolaus von Reznicek, hatte die letzte Lese vorzunehmen und zu jedem zur Aufführung bestimmten Werk die Zustimmung zu geben. Eine Reihe
von Komponisten dieser Werke weilen seit Sonnabend in Hamburg. Dirigenten von Weltruf führen zusammen mit dem Fe st-Dirigenten, dem Hamburgischen Generalmusikdirektor Eugen Iochum ihre Werke auf. Verdiente Persönlichkeiten vom geschäftsführenden Vorstand des Allgemeinen Deutschen Musikvereins, berühmte deutsche Dirigenten wie Hausegger, Raabe, Vuschkötter, Komponisten wie Paul Grüner, Josef Haas, Max Trapp, Georg Vollerthun, Hans Pfitzner, sind in den Konzertsälen und der Staatsoper, Delegierte des Ständigen Rates aus dem Ausland fehlen nicht. Kurt Atterberg, der Generalsekretär des Ständigen Rates, den wir Bremer persönlich kennengelernt haben als Gastdirigent des Staatsorchesters bei der feierlichen Eröffnung des Nordischen Things 1934 in Bremen, ist ebenfalls in Hamburg. Eine so illustre Versammlung erlauchter Persönlichkeiten der Musik wird sobald nicht wieder in einer deutschen Stadt zusammen sein.
Und dennoch: im Weltstadtgetriebe Hamburgs weht das alles nur als „der ferne Klang" aus friedlicheren, idealen Welten durch die beherrschenden Alltagsstundcn dieser fleißigen, strebsamen Hansestadt. Dazu ist das 65. Tonkünstierfest und das Erste Internationale Musikfest, die Woche deutscher und internationaler Musik vom 1. bis 7. Juni, nur ein Teilausschnitt aus Hamburgs Festwochen-Reihe. Eben hat der „Tag der deutschen Seefahrt" die Welthafenstadt zur Geltung bringen wollen — die Reichsnährstands-Ausstel- lung hat Hunderttausende von Landwirten nach Hamburg geführt — die große Derby-Woche ist in Vorbereitung — neben den schon vergilbenden