Ausgabe 
(27.11.1935) Nr. 328
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parteiamlklageszeilung der

Das flmtsblatt des Senats

Nationalsozialisten Vremens

der Lreien sjanlestadt Lremen

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Nr. Z2S / Z. Jahrgang

Mittwoch, 27. November

kinzelprels 13 Npf.

flmerika bestellt auf Vrostelung der tlelausfustr

Leschäfte mit kriegführenden Staaten würden gegen den Seist der Neutralitüt verstoßen"

Unser lagvsspiegvl

Dr. Goebbels übergab in Berlin einer Ar­beiterabordnung der Reichsantobahnen meh­rere Wanderbüchereien.

Die NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" kann heute auf ein zweijähriges erfolgreiches Wirken zurückblicken.

Die Vereinigten Staaten von Nordamerika setzen sich nach wie vor für Sperrung der Oel- ausfuhr nach Italien ein.

In Abesstnien ist es an der Somalisront zu einem größere» Gefecht gekommen.

Der Kommunistenanfstand in Brasilien ist zum größten Teil niedergeschlagen.

Im Bremer Marxistenprozeß wurden hohe Zuchthausstrafen beantragt.

Heute wird auf der Bürgerweide an der Gustao-Deetjen-Allee die Olympiaschau er­öffnet.

Der VSK. (Verein für Sport und Körper­pflege e. V.) wurde für das gesamte bremi­sche Staatsgebiet aufgelöst.

DieNeptun" richtet Anfang 1836 ihren Rhein-See-Schnelldienst ein.

Maßgebende Stellen warne» vor einer Um­wandlung von Aktien in Schuldverschrei­bungen.

Neichsschatzmeisler Schwor; 60 Jahre

München, 27. Noveiyber.

Heute begeht der Reichsschatzmeister der NSD­AP,. Reichsleiter, SA.- und SS.-Obergruppen- führer Franz Xaver Schwarz, seinen 60. Geburts­tag. Darin, daß Schwarz in den drei Säulen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter-Partei den höchsten Ehrenrang bekleidet, liegt schon eine äußere Anerkennung für die gewaltigen Ver­dienste, die er sich seit 1822 um die NSDAP. an verantwortlichstem Posten erworben hat. Seit zehn Jahren ist SchwarzFinanzminister" der NSDAP. und hat als solcher auch die Reichs­zeugmeisterei, den Haus- und Grundbesitz der Partei und das Reichsrevisionsamt zu verwal­ten Als Leiter der Reichskartei regelt er das gesamte Aufnahme- und Mitgliedschaftswesen und wacht damit über den personellen Bestand der Partei. Darüber hinaus aber ist er im ganzen deutschen Volk bekannt geworden durch die muster­gültige Organisation der Winterhilfs- und Ar­beitsbeschaffungslotterie.

Die Hauptstadt der Bewegung hat Reichsschatz­meister Schwarz aus Anlaß der Vollendung seines 80. Lebensjahres das Ehrenbllrgerrecht verliehen.

Der Führer und Reichskanzler hat an den Reichsschatzmeister der NSDAP. folgendes Glück­wunschtelegramm gerichtet: ^ ^

Mein lieber Pg. Schwarz! Zu Ihrem Mutigen 60. Geburtstag sende ich Ihnen meine herzlichsten Glückwünsche. Ich verbinde sie mit dem aufrich­tigsten Dank für die durch alle die langen Jahre geleistete große Arbeit im Dienste der Bewegung und damit an der Wiederaufrichtung unseres neuen deutschen Reiches. In der Hoffnung, dag Sie mir und der Partei wie in der Vergangenheit so auch in der Zukunft in alter Schaffenskraft er­halten bleiben mögen, bin ich m herzlichster Freundschaft. Ihr Adolf Hitler."

Die veamten sammeln für das VMM.

Lr. Berlin, 27. November.

Am Sonnabend, 7. Dezember, ist der Tag der nationalen Solidarität, der -n gleicher Wee durchgeführt werden soll wie im Vorjahre. An dieser großzügigen Sammelaktion zugunsten des Winterhilsswerkes werden sich alle hohen und höhere» Führer, Beamte und Angestellte von Partei und Staat beteiligen. . ,

Der Innenminister hat jetzt in einem Rund- erlaß die Erwartung ausgesprochen, daß sich dre höheren Veamten vom Regierungsrat an aufwärts an dieser Sammlung und an den Hufsarbeiten dazu beteiligen, soweit sie nicht gesundheitlich daran gehindert sind. Außerdem findet bekannt­lich bereits am 1. Dezember im ganzen Reiche eins Straßensammlung zugunsten der Winterhilfe Patt, bei der sich die gesamte Beamten­schaft des Reiches, der Länder und Gemeinden öffentlich in die Front des Kamp- . fes gegen Hunger und Kälte stellt und damit ihrer engen Verbundenheit mit jenen Volksgenossen Ausdruck gibt, die noch immer ohne Arbeit oder genügendes Einkommen sind. Der nationalsozia­listische Staat fordert vom deutschen Veamten, daß er, wie der Minister hervorhebt, sich dem Volke verbunden fühlt und kein Sonderdasein lührt. Das große Sammelwerk der Winterhilfe wird beweisen daß der deutsche Beamte an Opfer­en keiner anderen Gruppe des deutschen Volkes nachsteht. Denjenigen Beamten, die somit für den ^und 7. Dezember zur Sammlung für das Winterhilfswerk aufgerufen sind, wird es frei­stellt, sich an einem der genannten Tage oder an Leiden Tagen an dem Sammelwerk zu be- twligen.

Washington, 27. November Die in der amerikanischen Presse verbreiteten Gerüchte, daß die Regierung ihren Druck aus die Oelexporteure verringert habe, weil in Genf der Zeitpunkt für die Boykottbeschlüsse gegen Italien verschoben worden sei, haben im amerikanischen Staatsdepartement nachdrücklichen Einspruch her­vorgerufen.

In maßgebenden amerikanischen Kreisen wird betont, daß die Vereinigten Staaten vollkommen unabhängig ihre eigene Politik verfolgen und nicht mit dem Ohr auf dem Boden lauschten, um zu erfahren, was andere Völker zu tun gedächten. Geschäfte mit kriegführenden Staaten würden

gegen den Geist der amerikanischen Neutralitäts­politik verstoßen. Sie bergen überdies die Ge­fahr internationaler Verwicklungen in sich, und seien geeignet, so wird erklärt, diesenhöllischen Krieg" zu verlängern.

Die Regierung habe daher nicht die Absicht, müßig zuzusehen, wie amerikanische Bürgerein Vlutgeld gierig einstreichen". Es sei naturgemäß schwierig, jenen Maßstab zu finden, der es ermög- liche, genau den normalen Handel von den Kriegs­geschäften abzugrenzen. Die Regierung sei jedoch unablässig bemüht, diesen Maßstab festzulegen.

Für die Vereinigten Staaten sei eine derartige Neutralitätspolitik vollkommen neu, und es sei

daher nicht leicht, sofort alle Lücken, deren sich die Kriegsgewinnler bedienen, abzudichten. Trotzdem bleibe die Regierung bei ihrer Politik ohne Rück­sicht darauf, was England, Frankreich, der Völ­kerbund oder die anderen Nationen unternehmen. Amerika stehe dem Völkerbund fern und unter­stütze niemand. Es beteilige sich beispielsweise nicht am Voykott der Einsuhr, sondern beschränke sich auf die Drosselung der Ausfuhr, Hieraus gehe der feste Entschluß Amerikas hervor, seine eigene Politik zu verfolgen und insbesondere weder in den Krieg verwickelt zu werden, noch zu seiner Verlängerung beizutragen.

Frankreich und die oelsperre

' Bremen, 27. November.

Die Sperrung der Oelzufuhr nach Italien müßte das Ende des äbessinischen Krieges bedeuten. Das steht so fest, daß darüber kein Wort mehr zu ver- lieren ist. Gerade darum aber ist sich auch alle Welt darüber klar, daß ein dementfprechender Be- schluß des Genfer Ausschusses zur Beratung von Strafmaßnahmen gegen Italien in Rom ohne wei­teres als feindseliger Akt betrachtet würd«, der mög­licherweise, und wenn man nach sehr ernst zu neh­menden italienischen Aeußerungen geht, sogar be­stimmt den Ausbruch des Krieges im Mittelmeer zur unmittelbaren Folge hätte.

Darum ist es auch völlig verständlich, wenn Laval weil Frankreich zur Stunde nichts Schlimmeres zustoßen könnte als ein Krieg euro­päischer Mächte im Mittelmeer, in den es unwill­kürlich hineingezogen würde alle Hebel in Be­wegung setzte, um den Zeitpunkt der nächsten Ta­gung des Strafmaßnahmen-Ausschusses in Genf zu verschieben, auf daß Zeit gewonnen wurde für weitere vertrauliche Verhandlungen, sei es zur Beendigung des äbessinischen Krieges überhaupt, oder sei es auch nur zur Vermeidung des Aeußer- sten, also des Beschlusses der Oelsperre gegen Italien.

Man muß sich nur in die Lage der beiden beim äbessinischen Streit sich am schroffsten entgegen­stehenden Mächte versetzen, um zu erkennen, wie ernst und schier unentwirrbar auf einmal die Dinge geworden sind. Wie gesagt: Die Sperre der Oelzufuhr nach Italien bedeutet ohne weiteres das Ende des äbessinischen Krieges, der von Italien durchweg mit motorisierten Kräften geführt, dann ohne Lelnachschub von Rom eingestellt werden müßte. Das Ende dieses Krieges wünscht aber England aus ganzer Seele, und das Ende dieses Krieges müssen natürlich auch die in Genf über die Oelsperre verhandelnden Mächte als Mitglie­der des Völkerbundes wünschen. Um den Krieg sobald wie möglich zu beenden, haben diese 52 an der Zahl ja doch in einer eindeutigen Willenskundgebung gegen den Krieg Strafmaß- nahmen für Italien beschlossen.

England sagt nun mit einigem Recht: Wenn ihr die Beendigung des äbessinischen Krieges ehrlich wünscht, bedarf es nur des Beschlusses der Oel­sperre gegen Italien. Die Mächte hinwiederum sagen: Wenn wir Italien mit der Oelsperre in Verzweiflung treiben, dann wird möglicherweise und diese Möglichkeit erscheint vielen, besonders Frankreich, als Wahrscheinlichkeit aus dem äbessinischen Krieg ein Mittelmeerkrieg entstehen, also aus dem afrikanischen Unheil ein europäisches Unheil.

Was Wunder, wenn sich besonders in Paris bei den verantwortlichen Diplomaten eine gewisse Er­regung bemerkbar macht, zumal man keinen Aus- weg aus der zwiespältigen Lage sieht. Mit eini- gem Grund befürchtet man noch dazu, daß, selbst wenn es gelingen sollte und darauf darf man ja immer noch hoffen einen kriegerischen Zusam­menstoß zwischen England und Italien zu vermei­den, zumindest England aus der jetzt Italien gegenüber entstehenden Lage des Völkerbundes Folgerungen für die Zukunft ziehen wird, die Frankreich besonders unangenehm sein müßten. Solche Folgerungen können dann sehr wohl darin bestehen, daß sich England bei irgendwelchen zwi­schen europäischen Mächten entstehenden kriege­rischen Zusammenstößen in Zukunft nicht mehr verpflichtet fühlt, den Völkerbundssatzungen ge­mäß an allenfalsigen vom Völkerbund beschlosse­nen Strafmaßnahmen gegen den Angreifer in solch einem europäischen Kriege unter allen Umständen teilzunehmen, daß England sich vielmehr auf das Verhalten Frankreichs und anderer Völkerbunds­mitglieder beim äbessinischen Streit berufend, dann eben sich vorbehält, inwieweit es in Erfüllung des Artikels 16 des Völkerbundspaktes sich an etwa vom Völkerbund zu beschließenden militärischen Strafmatznahmen beteiligen will oder nicht.

Es braucht nicht erst betont zu werden, daß hierdurch ein sehr starker Stein aus dem politi- schen Sicherheitsgebäude Frankreichs plötzlich ge- nommen wäre, und daß gleichzeitig einer der tra- genden Pfeiler des Völkerbundspaktes selbst ins Wanken geriete.

Indes, Frankreich muß sich in der nächsten Zeit

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großangelegte Nundfunkansprache des französischen Ministerpräsidenten über die politische Lage

Paris, 27. November

In einer über sämtliche französischen Sender verbreiteten Rundfunkansprache, die etwa 20 Mi­nuten dauerte, behandelte Ministerpräsident Laval am Dienstagabend die innen- und autzen-

olitische Lage. Er sprach bei dieser Gelegenheit die Hoffnung aus, daß zwischen Deutschland und Frankreich gute nachbarliche Beziehun­gen unter gegenseitiger Achtung zustande kom­men möchten.

Laval schilderte die Auswirkungen seiner zahl­reichen Notverordnungen. Er habe den Grund­satz von der Gleichheit der Opfer für alle Fran­zosen zur Anwendung gebracht. Das englische Volk habe seiner Regierung zur Bewältigung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten vier Jahre lang das Vertrauen bewahrt. Der französischen Re­gierung gönne man nur vier Monate und schon regten sich unerbittliche Zensoren, die über die Regierung den Stab brechen wollten. Schon die Möglichkeit, daß die bevorstehenden Parlaments­verhandlungen Schwierigkeiten bringen könnten, habe verheerend gewirkt. Es zeige sich wieder die gleiche Erscheinung, die die Bildung der Regie­rung Laval gerechtfertigt habe, nämlich Gold- abfluß. Ein Land könne nicht ewig von An­leihen leben. Es müsse klug und tatkräftig seine Ausgaben seinen Einnahmen anpassen. Eine neue Abwertung des Franken sei ab­zulehnen.

Als Außenminister habe er, so führte Laval weiter aus, nur ein Ziel: Der französischen Hei­mat den Frieden zu bewahren. Seine Aufgabe werde leichter zu erfüllen fein, wenn Frankreich stark bleibe, wenn seine Finanzen gesund und seine Stimmung gut sei. Die internationale Lage mahne zur Vorsicht. Neben der freundschaftlichen Zusammenarbeit mit Großbritannien habe Frank­reich die Freundschaft mit Italien wah­ren müssen, die er selbst am 7. Januar d. I. in Rom besiegelt habe. So habe die französische Poli­tik alle militärischen Sllhnematznahmen sowie alle Maßnahmen gegen Italien abgelehnt, die zu einer Blockade zur See hätten führen können. Die Schließung des Suez-Kanals sei niemals ins Auge gefaßt worden. Er habe das Gefühl, auf diese Weise den Belangen Frankreichs und des Friedens gedient zu haben.

Laval äußerte sich dann optimistisch über die Möglichkeit einer Beilegung des italienisch-abessi- nischen Streites. Er hoffe, daß man im gegebenen Augenblick nicht vergeblich den Versöhnungs- geist Mussolinis anrufen werde. Man werde möglichst rasch eine gerechte und ehrbare Lösung finden müssen, die die Grundsätze der Völker- hundsfatzungen mit den Belangen Italiens in Einklang bringe. Diese Ansicht werde sicher von all denen geteilt, die in der Welt die Verantwor­tung trügen. Er, Laval, wisse, daß der Leiter der italienischen Regierung den Willen habe, sein

Land an der Organisierung oes ^rieo Europa teilnehmen zu lassen. Frankreich werde dann das Werk wieder aufnehmen können, das in Stresa begonnen, so hoffnungsvoll gewesen sei.

Frankreich sei dem Grundsatz der kollektiven Sicherheit treu geblieben. Es habe das bei allen seinen diplomatischen Unternehmungen bewiesen. So sei namentlich der sranzösisch-sowjetrussische Pakt gegen kein Land gerichtet. Diese Versiche­rung habe der französische Botschafter in Berlin neuerlich dem Reichskanzler gegeben. Frankreich verzichte aus keine seiner Freundschaften. Es achte alle seine Verpflichtungen. 8m Verfolg der Festi­gung des europäischen Friedens suche es die Mit­hilfe aller und es wünsche aufrichtig, gutnachbar­liche Beziehungen gegenseitiger Achtung mit Deutschland herzustellen und zu fördern. Das starke, wachsame, friedliche Frankreich habe nichts zu fürchten.

Zum Schluß erklärte Ministerpräsident Laval, als er die Regierung übernommen habe, habe er gewußt, daß er eine schwere Verantwortung auf sich nehme. Er sei bereit, diese Verantwor­tung noch weiter zu tragen. Aber die Regierung müsse ihre Autorität behalten. Frankreich würde sich selbst nicht aufgeben. Es habe schlimmere Schwierigkeiten gekannt. (Siehe auch Seite 2)

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