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Parteiamtl.lageszei1ung der Nationalsozialisten Vremens
Das flmtsblatt des Senats
der Lreien Hansestadt Vremen
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Nr» 223 / Z. Jahrgang
Mittwoch, 14. flugust
einzelpreis 15 Npl.
Kampf für die lotalitat nach innen und außen
„Im nationalsozialistischen Deutschland gibt es keine Nüchliiusigkeiten, solange es eine Sst gibt"
Unser lagesspisgel
Der Führer hat eine Hilfsaktion der NSV. sür die notleidenden Ruhrkohlen-Bergwerks- arbeiter geschaffen.
Auf seiner großen Besichtigungsreise durch Deutschland sprach Oberpräsident Lutze, Stabschef der SA., in Heiligenrode vor der SA.
Die deutsche Fliegerin Elly Beinhorn bewältigte die Strecke Deutschland—Istanbul und zurück in einem Tage.
Der „Prophet" Weigenberg wurde wegen unsittlicher Vergehen zu 1^ Jahren Zuchthaus verurteilt.
In Oberitalien ereignete sich ein großer Dammbruch, der nach bisherigen Meldungen 5V Opfer forderte.
Kreisleiter Pg. Blanke besuchte das Heide- Ferienlager des Bremer BDM. in Müden a. d. Oertze.
Ein eindrucksvoller Propagandamarsch fand in Bremen im Rahmen der Reichswettkämpfe der SA. statt.
I V» Jahre Zuchthaus für Weißenberg
Berlin, 14. August
In später Abendstunde verkündete der Vorsitzende der 2. Strafkammer des Berliner Landgerichts, Landgerichtsdirektor Riickert, nach drei- zehnstündiger Verhandlungsdauer folgendes Urteil gegen den 79jährigen Josef Weitzenberg, den ehemaligen Begründer und Leiter der inzwischen aufgelösten Weitzenberg-Sekte: Der Angeklagte wird wegen Vergehens gegen H 176,3 sowie wegen Beleidigung in zwei Fällen zu insgesamt 1)^ Jahren Zuchthaus und S Jahren Ehrverlust verurteilt. Die Untersuchungshaft wird ihm angerechnet. (Ueber den Verlauf der Verhandlung berichten wir im Innern des Blattes.)
Vammbruch in Überitalien
Man rechnet mit SO Todesopfern
Rom, 14. August.
In der in Oberitalien gelegenen ligurischen Ttadt Ovada, die 16 666 Einwohner hat, hat sich im Laufe des Dienstagnachmittag, wie erst abends bekannt wurde, ein schwerer Dammbruch ereignet. Der Flutz Orba trat über die Ufer und ritz einen Damm ein. Die Wassermassen drangen mit unheimlicher Schnelligkeit in die Stadt ein und zerstörten mehrere Häuser. Man spricht bis jetzt von etwa 166 Todesopfern.
Die Wassermassen haben große Verheerungen angerichtet. Bis nach Ovada wurden zahlreiche Häuser fortgerissen. Viele Bewohner wurden von den Trümmern begraben. In Ovada selbst stürzten gegen 20 Häu,er ein. Es werden etwa 160 Bewohner vermißt. Man rechnet mit etwa 50 Toten.
Von äussrem uaob Usiligsurocks sutsauätsu - öoucksrbsriobtsrstottsr
* Heiligenrode, 14. August.
Auf seiner Besichtigungsreise durch die deutschen Gaue, die ihn in diesen Tagen besonders durch die Provinz Hannover führt, gelangte Oberpräsident Lutze, Chef des Stabes der SA., am Dienstag bis in die nächste Nähe Bremens, nach Bassum, Dünsen, Harpstedt usw. und Heiligenrode. Die Besichtigungsfahrt gilt dem Stande der Entwicklung der Arbeitsschlacht im Laufe des Jahres, vor allem einem Ueberblick über die Auswirkungen der Meliorisation. Des weiteren wünscht der Lberpräsident genaue Kenntnisse über den Stand der Erzeugungsschlacht und die Lage der Industrie zu gewinnen, insonderheit der Ex- portindustrie An allen Orten, wo der Chef der SA. und Oberpräsideat von Hannover, für die Bevölkerung größtenteils überraichend. eintraf, wurde er stürmisch begrüßt.
Von Dünsen kommend, traf der Oberpräsident gegen 19.80 Uhr plötzlich im Klosterhof Heiligenrode ein, begleitet von Regierungsrat Dr. Glehn und einem Teil der behördlichen Vertreter aus den bereits besuchten Orten der näheren Umgebung. Eine Ehrenformation des Sturmbannes II Grafschaft Syke-Hoya stand angetreten, im letzten Augenblick war auch die Gaststätte noch mit den Bannern der Bewegung geschmückt worden und ein« ziemliche Anzahl von Menschen hatt« sich angesammelt. Zudem befand sich gerade ein« Anzahl von über 250 Straßenbahnern aus Bremen auf einem Betriebsausflug in Heiligenrode und erlebte die schönen Eindrücke der mehrstündigen Anwesenheit.des Oberpräsidenten aus nächster Nähe. Blumen wurden ihm übergeben, van einer Abordnung der Hitlerjugend, vorn BDM. Obergau Hannover usw Der Chef des Stabes ichriti nach der ersten Bcarllßuna langsam die Fron, der SA, ab, jedem einzelnen Mann ins Auge blickend, und richtete dann bewegten Heizens das Wort an die Kameraden.
„Ich habe in den letzten Tagen", sagte er u a„ „vor allem im fernen deutschen Osten die Kameraden besucht und tiefe Eindrücke davongetragen. Ich freue mich, auch zu Euch sprechen zu können!
Wir haben in dem letzten Jahre die bitterste Zeit durchmachen müssen. Was wir am 36. Juni 1934 erleben mutzten, erweckte den Anschein, datz man glaubte, die SA. könnte dem Führer untreu werden. Und als mich der Führer rref, bin ich, kann ich wohl sagen, mit blutendem Herzen an die Arbeit gegangen. Jetzt aber, nach einem Jahre, darf ich sagen: Wir stehen wieder in einer festen Form und mit heißem Herzen und wir sind fähig für alle kommenden Aufgaben!
Viele Kameraden haben wir aufgeben müssen, weil es sich darum handelte, nicht eine große Masse zu haben, sondern die Qualität zu steigern. Wenn wir im letzten Jahre gleichsam auf der Stelle getreten haben, so aus dem Grunde, weil es notwendig war. Es gibt Leute, die aus dieser äußeren Ruhe eine Schwäche herauslasen. Sie haben sich gründlichst verrechnet!
Wenn man zum Beispiel glaubt, wir könnten in der Judensrage rückläufig werden, dann irrt
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man sich! Im nationalsozialistischen Deutschland gibt es keine Rückläufigkeiten, solange es eine SA. gibt! Wenn allerdings immer noch Menschen da sind, die da meinen: datz Deviscnverbrechen und dergleichen keine Verbrechen wären, solange mutz eben auch eine SA. da sein, um zu gewährleisten, was der Führer gebietet. Es ist Recht und Pflicht des Staates, Strafen für derartige Verbrechen zu haben!
Wir kämpfen für die Totalität nach innen und außen. Und daß wir uns heute wieder frei bewegen können, haben wir nur dem Führer zu danken. Ihm versprechen wir mit allem, was wir haben, daß aus den Anfängen des Staates ein freies deutsches Volk werden kann! Die SA. stand ihm dabei immer an erster Stelle zur Seite. (Forschung auf S. 2)
Her Soldat des dritten Seiches
Von
Osusrolmajor von kieiobsnau Das „Arbeitertum", die amtliche Zeitschrift der Teutschen Arbeitsfront, veröffentlicht in Folge 11 einen äußerst interessanten Aussatz des Generalmajors von Reichenau, den wir im Wortlaut unseren Lesern vermitteln.
Die Schristleitung.
Die deutsche Wehrmacht, deren Aufbau zu Lande, zu Wasser und in der Luft wir jetzt erleben, ist eine Schöpfung der Gegenwart, sie ist ein Werk Adolf Hitlers und des aus seinem Geiste geborenen Dritten Reiches.
Wohl stammt die militärische Grundlage, der personelle und materielle Rahmen, von der Wehrmacht der Uebergangszeit, die das praktische soldatische Können und das Führererbs der Weltkriegsarmee in treuen Händen bewahrt hat. Aber allein der neue Staat schuf politisch die Voraussetzung für den Wiederaufbau. Er stellte im Innern die geschlossene Einheit des Volkes auf allen Gebieten nationalen Wollens wieder her. Sie war die Vorbedingung einer zielbewußten klaren Außenpolitik, die den historischen Schritt vom 16. März 1938, die Wiederherstellung der Wehrfreiheit, ermöglichte.
Die Wehrmacht wurzelt also im Heute. Sie ist ein lebendiger ihrer Verantwortung bewußter Teil des neuen nattonalsozialisti- ichen Deutschland, dem sie ihre Größe und innere Kraft verdankt. Sie trägt damit als die andere Säule neben der Partei den Staat, dessen Waffe ihr anvertraut ist.
Die Wehrmacht führt heute kein Sonderleben mehr mit eigenen Zielen. Die Zeiten sind endgültig abgeschlossen, in denen sie — wie einst im Weimarer Staat - sich bewußt abseits stellen mußte, um das zu bleiben, was sie kraft unbeirrbaren eigenen Wollens damals war, Träger einer historischen Mission, deren Ziele in der Zukunft lagen. Mit dem 30. Januar 1933 war das Ziel erreicht.
Die allgemeine Wehrpflicht stellt die Wehrmacht wieder mitten hinein ins Volk, das ihrem Rahmen mit einer waffenfähigen Mannschaft den lebendigen Inhalt geben wird. Diese Rückkehr zu einer früher bewährten, dem Deutschen artgemäßen Methode der Ergänzung bedeutet aber nicht ein Rückwärtsdrehen der Entwicklung, nicht die Rückkehr zu einer vergangenen Epoche, deren innere Voraussetzungen heute zum großen Teil gegenstandslos geworden sind. Die Wehrmacht eines nationalsozialistischen Volkes kann selbst nurnational-
Kichard kuringer
Sleichmsse
(4. Folge)
Ein Mann ging einen Ofen kaufen. Er besah ihn sich um und um. Es war ein guter, brauch- barer Ofen, durchaus brauchbar für seinen Zweck. Da fragte der Mann den Verkäufer: „Ist dieser Lfen nun katholisch oder ist er protestantisch?"
Da glaubte der Verkäufer natürlich einen Narren vor sich zu sehen. Aber es war nicht etwa ein „Narr", sondern es war einer von denen, die nie fragen: „Zieht ein Ofen?" sondern: „Ist er protestantisch?"
Der nationalsozialistische Staat ist gesonnen Schluß zu machen mit dem Unfug einer solchen Fragestellung. Er fragt dich: Bist du Sozialist, nationaler Sozialist? Bist du tauglich in diesem Staat deiner Aufgabe zu dienen an der Stelle, wo du stehst und hingestellt wirst? Oder taugst du dafür nicht?
Wo er aber doch noch fragt: „Bist du nicht etwas sehr schwarz?" fragt er aus der Erfahrung heraus, daß gewisse „schwarze" Oefen unter keinen Um- ständen „ziehen", so datz es Zeit wird, sie auszurangieren aus denen, die sich vielleicht noch „erwärmen"!
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„Hält er's aus, so wird er g'sund; hält er's nicht aus, geht er z'grund". So lautet ein alter Soldatenspruch. Und in Westfalen behaupten die Bauern: Kinderkrankheiten sind dazu da, daß ein Kind mit Gesundheit geimpft wird. Es ist nicht gesund allein aus Natur, sondern es wird erst recht gesund, wenn die Krankheit es gefeit hat.
Kinderkrankheiten eines Staates, einer jugendlichen Partei besagen nichts gegen ihre Gesundheit. Die Kraft, Infektionen auszuscheiden, ist die eigentliche Gesundheit. Sie wächst mit jeder Ueberwindung.
Was uns nicht umwirft, macht uns stärker.
So kämpfen, so erstarken wir.
)er Politik
Da ist ein Berg mit seinem Gipfel. Und es führt ein Weg hinauf. Es ist ein mühselig langer Weg, aber auch ein sicherer Weg. Er führt nicht senkrecht steil zur Höhe, aber er führt so zur Höhe, daß man ihn marschieren kann. Er scheint im Zickzack zu führen, und er führt doch nur so auf- wärts, daß man ihn marschieren kann.
So marschiert das Volk unter seines Führers Führung — fast gefahrlos — seinem Ziel zu.
Da kommen nun die Einzelgänger und die Hundertzehnprozentigen, denen es nicht rasch ge- nug geht. Sie haben nicht etwa das Ziel gewiesen oder mühsam den Weg gebahnt. Aber sie wissen ganz genau, daß ein kürzerer, rascherer Weg — halsbrecherisch — zum Gipfel führe! Auf dem kraxeln sie „voran". Den möchten sie das Volk nun führen als den Weg zum Wiederaufstieg. Und sie beweisen mathematisch, daß es der „wesentlich kürzere Weg" sei. Mögen sie sich den Hals brechen!
Wer eine U-Boot-Maschinerie, eine Senderanlage, eine Fernsprechzentrale ansieht, der schlägt leicht die Hände übereinander angesichts eines solchen Gewirrs von Leitungen, Drähten, Kontroll- apparaten, vor denen „sich kein Mensch mehr aus- kennt!"
Und doch wird die Funktion vereinfacht durch all dies komplizierte „Gewirr". Und doch nähert der Mechanismus sich immer mehr dem Organismus, je mehr solcher Stränge wie Nervenstränge über die Kontrollorgane zur Befehls- zentrale laufen. Und überschaut nur der Fachmann das Ganze, so kann schließlich jeder Laie lernen die Funktionen auszulösen, wenn er den Sinn des Ganzen erfaßt hat und die Gebrauchsanweisung ausführt.
Klagen über die Kompliziertheit des „Partei- Apparats" stammen aus dem Mund von Leuten,
die der Partei („wohlwollend") fernstehen. Sie haben sich nie darum bemüht, das „Gewirr" so zu „entwirren", daß ihnen das Ganze aufgeht. Aber sie wollen den Fachmann spielen. Sie möchten in die Befehlszentrale und sich des Apparates bedienen, ohne auch nur einen der „Stränge" einmal wirklich zu durchlaufen. Nun „kennen" sie „sich nicht mehr aus".
Was würden sie vor der Kompliziertheit ihres eigenen Leibes sagen, wollten sie ihm auch so . . . fernstehen!
Graphologie ist eine Kunst, nicht nur eine Wissenschaft. Die Gabe, aus Schriftzügsn den Charakter eines Menschen zu erschauen, ist ein seherisch Geschenk.
Geht nun aber ein Stümper her und sieht nicht hellsichtig das Ganze, sondern hängt sich an ein Häkchen, so mißdeutet er die Züge. Dann prophezeit er dem Lebensfreudigen, er sei ein Selbstmordkandidat, und dem Genie, es sei verrückt.
Rassenlehre ist eine Kunst, nicht nur eine Wissenschaft. Die Gabe, Rassen zu erkennen, zu kennzeichnen und zu unterscheiden, ist ein seherisch Geschenk.
5. N. Keilpflug
Rundfunk von
Am 18. August wird in Berlin die „Zwölfte Große Deutsche Rundsunkausstellung" - eröffnet. Ehe unsere Leser von dem vielen gebotenen . Neuen hören, soll ein paar Minuten das Alte, das „Uralte" zu Worte kommen.
Wir wollen uns doch einmal besinnen, wie das war, als wir noch keinen Lautsprecher hatten, als wir noch mit einer mehr oder minder langen Strippe mit dem Apparat verbunden still da sitzen mußten, am gerötetem oder erhitztem Kops den Telefonhörer, aus dessen Membranen uns (dank dem Detektor mit einer knapp erst erreichten Klaugreinheit) die Gaben des Radio ins Ohr träufelte,. Es war die Zeit, da jeher Laut-
Eeht nun aber ein Stümper her und zerstochert die Volksgemeinschaft durch sein Systemrassen- getüftel, so mißbraucht er das Geschenk. Ja wir hegen den Verdacht, daß sein „Spezialistentum" gar nichts anderes bezweckt als der Rassenpolitik, der eindeutig klaren, seherischen, schöpferischen, wie der Staat sie übt und fordert, irgendwie eins anzuhängen.... so ein Häkchen, so ein Häubchen!
Vor dem Krieg war es noch so: „oben" standen die Hohen Herren, „unten" standen die Untertanen. Im Weltkrieg haben wir das verlernt. Vorn, im Feuer, stand der Kämpfer, hinten ging's in die Etappe.
Wenn nun ein hoher Vorgesetzter mit seinen Leuten brav am Feind stand, so war er nicht der hohe Herr, sondern der Führer und Kamerad.
Und so ist es dann geblieben.
Die Männer, die heute an der Spitze marschieren, stehen nicht irgendwo hoch oben als hohe Herren einer Hierarchie, sondern stehen nächst dem Feind. Sie marschieren vorn, ganz vorn. und zuvorderst führt der Führer. Deshalb ist er kein „hoher Herr", sondern der erste seiner Kämpfer, wahrhaft der Fürderste, der Fürst in des Wortes Urbedeutung, und der Herzog seines Volkes.
anno dazumal
sprecher einen chronischen Katarrh zu haben schien und da man ihren Konstrukteuren mit Recht das Wort aus Wollenstem sagen konnte: „Wie er sich räuspert und wie er spuckt, das habt ihr ihm (dem Aether) trefflich abgeguckt."
Heute kommt uns das schon etwas vorsintflutlich vor und ist doch erst zehn Jahre her, und sicherlich werden mir auch die Fachleute mit einem strafenden Blick zu verstehen geben, daß ihr neuester Lautsprecher dem Telefonhörer nun aber wirklich schon um Sternenweilen voraus fei, und daß die Technik ja so schnell fortschreite.
Aber wir wollten ja von früheren Zeiten sprechen und den biedermeierlichen Ohrenwärmern,
die wir uns damals über den Kopf streifen mußten. Ich frage mich nämlich, ob diese Zeiten nicht auch ihr Gutes hatten und finde tatsächlich auch etwas. Denn man mußte damals bei der Sache bleiben, konnte nicht im Zimmer umherlaufen, irgend etwas tun (höchstens Lesen war ermöglicht), kurz, man mußte sich konzentrieren und hatte demzufolge mehr davon. Wie oft lasten heute die Leute ihr Radio gehen, ohne überhaupt zuzuhören: sie unterhalten sich dabei, und es dient ihnen nur zum Ansporn ihres Redeflusses, besonders bei Damenkränzchen; wenn sie aber zufällig vergessen haben, den Apparat leise zu stellen, (was der ruhebedürftige Ober-, Unteroder Nebenbewohner sehr begrüßen würde und was auch die Sendeleitungen gelegentlich sehr angelegentlich empfehlen), dann reden sie nicht mehr miteinander, sondern schreien sich an.
Aber nur gemach, das Laster, das Anhören der Radiodarbietungen durch eigenes Gerede zu würzen, ist „uralt", und ich erinnere mich wohl der Zeiten, da ich mit einem befreundeten Ingenieur in Fernempfang machte (mit einer Röhre!!). Da kamen wir nämlich eines Abends auf die Idee, unsere Muscheln aus den Bügeln zu nehmen und sie alle zusammen auf einer schall- verstärkenden Unterlage aufzubauen, — zunächst war das ein Porzellanteller, denn wir waren gerade beim Abendesten, — und siehe da, es ging. Und dann fingen wir natürlich das Schwätzen an und wurden lauter und lauter, bis wir vom Radio aar nichts mehr hörten. Dieser „Lautsprecher" also wurde bereits im Jahre 1924 „er-, funden".
Und dabei hatten wir gelegentlich und etwa so häufig, wie man das große Los gewinnt, tat-, sächlich Fernempfang. Welche Station es war, wird ewig ein Geheimnis bleiben, aber deutlich und hinreißend klar und schön kam da plötzlich ein. ä-ekppsil-, Chor herangeschwebt — und dieses, zauberhafte Erjchaffenwerden aus dem Nichts, das werde ich nie vergessen.
Wer von uns vermöchte überhaupt zu sagen, daß ihm das erste Anhören des Radio nicht ein großer Eindruck gewesen ist?