Ausgabe 
(13.8.1935) Nr. 222
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Selette fürNümberp:Patteitap der frei li eil"

Das Abzeichen oerstnnbttülicht Partei und Wehrmacht als die Söulen des nationalsozialistischen Veutschlanös

Unser lagesspisgel

Der Führer und Reichskanzler gab dem Reichsparteitag 1935 die amtliche Bezeichnung Parteitag der Freiheit".

, Bor dem Militärgericht in Luzern verant­wortete sich ein Schweizer Oberleutnant wegen unverantwortlicher Gerüchte.

In Tokio wurde der japanische General Nagata von einem aktiven Offizier ermordet. Im ersten Halbjahr hat besonders die Aus­fuhr nach llebersee einen erfreulichen Auf­schwung genommen.

Heute marschiert im Vollzug der sür den Reichswettkampf der SA. gestellten Aufgaben der Sturmbann III/7S mit Fackeln durch die Stadt.

Die vom Reichsbund Deutscher Seegeltung preisgekrönten 29 Hitlerjungen trafen gestern in Bremen ein.

Nürnberg, 13. August.

Gab der Führer dem Reichsparteitag im Fahre 1934 das GeleitwortTriumph des Willens", so lautet das diesjährige Geleitwort Parteitag der Freiheit". Am 16. März 1935 gab der Führer Adolf Hitler dem deutschen Volke seine Wehrfreiheit wieder. Dieses große Geschehen bringt Pros. Klein- München in dem diesjährigen Abzeichen des Neichsparteitages zum Ausdruck, indem er unter dem Hoheitszeichen derNationalsozia­listischen Deutschen Arbeiterpartei" den Führer mit seinen Soldaten zeigt. Stolz und truhig stehen sie ihm zur Seite, als die beiden starken Säulen des nationalsozialistischen Deutschlands: die Partei als Träger der politischen Macht und der Soldat im Stahlhelm als Waffenträger

der Nation. So bringt dieses Abzeichen zum Aus­druck, daß Adolf Hitler Deutschland ist und Deutschland Adolf Hitler.

Streicher spricht in Verlin

Lr. Berlin, 13. August.

Der Gauleiter für Franken, Julius Strei­cher, wird am nächsten Donnerstag im Berliner Sportpalast zum ersten Male vor der Bevöl­kerung der Reichshauptstadt sprechen. Der ge­samte Sportpalast war wenige Stunden nach Be­kanntgabe des Tages der Rede ausverkauft, und man hat inzwischen die Tennishallen in Wil-

schaft, er malte den lebendigen Eindruck, den er von ihr hatte, den Eindruck, der in alter Zeit zum Mythos führte. Es ist keine zurechtgemachte Stimmung; die Landschaft wird nicht klassizistisch auffrisiert; nichts Literarisches ist in dem Bilde. Alles ist rein malerisch gesehen. Der Maler geht mit gleichem ursprünglichem Empfinden wie die Naturmenschen der Vorzeit durch die Welt. Mit den Augen des modern und germanisch Empfin­denden stellt er den antiken Menschen in die Landschaft, die mit ihm verwachsen ist wie er mit ihr, die zusammen eine unlösbare Einheit bilden.

So lebt Böcklins selbstgeschaffene Welt für alle, die den Zusammenhang mit der Natur noch nicht verloren haben. Die Stimmung, die ein Land­schaftsausschnitt in ihm auslöst, setzt sich ihm um in Anschauung von Lebewesen. Der Mythos, der verloren und vergessen war, lebt wieder auf. Er drängt die Zufälligkeiten in den Hintergrund und lägt das Wesentliche in Erscheinung treten. Ilnd weil jedes Stück Natur in jedem Erdenwinkel Abglanz und Teil des Ganzen ist, lebt auch der Geist des Ganzen überall. Aus jedem Teilbild spricht die ganze große und erhabene Fülle der Natur zu uns.

Böcklins mythenerneuernde Kraft liegt in sei­ner unbegrenzten Eindrucksfähigkeit. Sein in­times Naturgefühl, sein wunderbares Formge- dächtnis und der unbefangene Blick des Künst­lers, der alles körperlich und greifbar sieht, was er empfindet, das sind die Voraussetzungen seiner Kunst. Seine Anlagen und Neigungen, auch seine Hoffnungen, richteten sich anfangs auf die Landschaftsmalerei. Kein Freund vom Studien­malen, schöpfte er aus der Fülle unausgesetzter Beobachtungen, die sein unbegreifliches Gedächt­nis aufgespeichert hielt. Aufs Zusammenfassen war sein Blick gerichtet, nicht auf das Zerlegen. Aus der Verdichtung und Zusammenfassung aller Einzelbeobachtungen schuf er seine eigene Welt, die wahrer ist als das getreulich abgemalte zu­fällige Motiv. Das ist ja des Künstlers Anteil an der Naturerkenntnis, daß er hinausgeht über das für alle Sichtbare und über die Genauigkeit des Lichtbildapparates. Nie ist die Dürre und

mersdorf hinzugenommen. Die Rede wird nach dort übertragen, und Streicher wird wahrschein­lich auch in den Tennishallen noch einmal kurz persönlich sprechen. Auch dieses zweite große Ver­sammlungslokal war gestern abend schon fast aus­verkauft, so daß schon im voraus von einem großen Erfolg Streichers in Berlin gesprochen werden kann.

Minister Seldte beim siistrer

Berlin, 13. August.

Der Führer und Reichskanzler empfing gestern den Bundessührer desStahlhelm", Reichsminister Seldte, zu einer Besprechung über die Zukunft desStahlhelm".

,Oede südlicher Felslandschaft in sengsndheißer Mittagssonne fühlbarer wiedergegeben worden, als in diesem Bilde vom Erwachen Paus. Meister Vöcklin sah Nicht nur wie andere Menschen sehen; er hatte auch das Staunen nicht verlernt. Und sein Staunen, wie groß der Reiz von Sand und Fels im wüsten Steingelände sein kann, drang vor bis in das Innere der Natur. Die schwüle Farbigkeit des Bildes, das staubig-fahle Kolorit mit etwas Ziegelrot, das welke Grün der wirren Wildnis, die müde' heiße Luft alles dies zu­sammen gibt die Stimmung jener Stunde wie­der, in der Gott Pan den Mittagsschlaf hält und ungnädig. Steine abwirft, wenn der Mensch ihn stört. Der erschrockene Hirte mit seinen Zie­gen bringt kaum einen fremden Ton in die fable Farbigkeit von Sand und Stein; nur durch die kurzen Schatten wird die Vildfläche gegliedert. Man fühlt die Hitze, hört das Zirpen ser Zika-

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Von Vr.-Iag. ^ rnbolä Stslly. Osltsr äss Lmiss kür ^.rbsiiskübrullZ rmä Ssrukssrvishuog in äsr

Das Wesen des neuen Staates wird nicht be­stimmt von der Erfüllung irgendeines vorherge- fatzten Rezeptes. Nicht etwa ein neues Wirtschafts, system bezeichnet den wesentlichen Unterschied gegenüber früher. Wenn wir vom Staate Adolf Hitlers sprechen, so nennen wir damit zugleich Gehalt und Wesen dieses neuen Staates. Männer, allen voran der eine: Adolf Hitler, haben ihn ge- staltet. Die gute Substanz unseres Volkes kann sich nur auswirken, wenn die richtige Führung den diesem Volk gemäßen Raum schasst. Die Führer- frage ist damit entscheidend für den Bestand des Staates und das Leben des Volkes.

Der Nationalsozialismus findet also seinen klarsten Ausdruck in seinen Führungskräften, die Gefolgschaft bilden kraft ihrer Persönlichkeit. Im Bereich des Staatlichen ist die Führerfrage ein­deutig entschieden zugunsten einer autoritären in den inneren Kräften der Gefolgschaft lebenden aber sekbstverantwortlichen Führung. Nicht anders kann die Führung innerhalb der Wirtschaft aus­sehen, wenn sie gefolgschaftsbildende Kraft haben soll, die gerade hier an der Stelle unmittelbarsten Einsatzes der Mehrzahl aller Volksgenossen so un­geheuer, wesentlich ist. Führertum innerhalb der Wirtschaft ist nicht allein Sache einer dünnen Schicht der eigentlichen Wirtschaftsführung. Es ist ebenso wichtig echte Führernatüren zu Offizieren und Unteroffizieren der Wirtschaftsführer zu machen. Ist der Betriebsleiter, der Werkmeister, der Büroleiter nicht einKerl", dann wird seine Gefolgschaft möglicherweise schlecht und recht schaf­fen, Höchstleistungen vollbringt sie dann nie. Nur unter wirklichem Führertum kann die Gefolgschaft ihre besten Kräfte entfalten. Der Führer eines Regimentes mag über ein gutes gleichmäßiges Menschenmaterial befehligen er wird trotzdem gute und schlechte Kompanien haben, wenn er neben seinen guten auch weniger tüchtige Offi­ziere hat.

Von dem, der an irgendeiner Stelle in der Wirtschaft steht, ist als selbstverständliche Voraus­setzung zu erwarten, daß er über ein sachliches Können wie über praktische Erfahrung verfügt. Fehlt einem Führer das sachliche Rüstzeug, so fehlt ihm zum wirklichen Führertum eine wesentliche Voraussetzung. Andererseits macht auch das höchste und vollendetste Können allein den Führer noch

den. Dabei ist nichts gekünstelt, nichts idealisiert, von willkürlicher Häufung der Motive keine Spur. Alles lleberflüssige wäre ja nur störend, und stilisierte Landschaften sind meist nur abge­schwächte Wirklichkeit, llebersteigerung der For­men geht nur selten über das hinaus, was die Natur von selber bietet, sofern der Künstler in der Lage ist, sich ganz dem Eindruck hinzugeben. Böcklins Erleben ist in diesem Bilde das Er­leben des geschreckten Ziegenhirten; so lenkt.er unsere Einbildung in Tiefen, die uns sonst ver­schlossen bleiben. Das Bild gibt uns nur wieder, was der ursprüngliche Mensch aus der Natur her­aus empfand, nicht was der moderne Bildungs­mensch in sie hineinüenkt. . So bringt er uns das Ferne wieder nahe und erinnert uns daran, daß hinter allen Dingen etwas lebt und webt, was der Alltagsmenschen Augen nicht entdecken.

llulius Ritsolw.

lvorpsweder Handweberei und Olympia

In Worpswede, dessen weltberühmte künstle­rische Ueberlieferung in der Malerei ihren Ur­sprung hat, ist in neuerer Zeit das Kunst­gewerbe mehr und mehr heimisch geworden. Zu der Töpferei gesellte sich die Handweberei, die in den Jahren des Niederganges fast völlig zum Erliegen gekommen war. In früherer Zeit war der Webstuhl in jedem Bauernhause zu finden, und die Bäuerin setzte ihren ganzen Stolz darein, selber zu weben. So entstand im besten Sinne eine Volkskunst, der u. a. auch die alten Volkstrachten ihre Entstehung verdanken. Die Webstühle verschwanden und mit ihnen auch die Trachten. Martha Vogeler. Worpswede, hat es mit Erfolg unternommen, die Kunst der Handweberei wieder zu Ehren zu bringen. Ihr Streben ist in erster Linie daraus gerichtet, eine neue artgemäße Volkstracht zu schassen. Ent­sprechend dieser Zielsetzung hat sie im Heimat­museum im Schluh Kurse eingerichtet. Dazu

finden sich im ständigen Wechsel Schülerinnen aus dem ganzen Reichsgebiet ein, sowohl aus den bäuerlichen Gegenden wie auch aus den Städten. Auch Lehrerinnen der Volksschulen und der hö­heren Lehranstalten kommen hierher, um die Handweberei zu erlernen. Gewoben werden außer Trachten Eebrauchsgegenstände aller Art, Decken, .Kissen, Damen- und Herrenstöffe und vieles mehr. Ihren kunstvollen Ausdruck findet dre Handweberei in den Gobelins und Mand- behängen. In welch hohem Ansehen die Worps- weder Handweberei bereits steht, geht daraus hervor, daß Martha Vogeler die Herstellung von Ehrengaben für die Olympischen Spiele Berlin 1936 übertragen worden ist. Es handelt sich hier um zwei Wandbehänge nach Entwürfen von Professor Priitz. Kannooer-Jsernhagen. Bon den Wandbehangen ist einer für die Segler, einer mr die Schützen bestimmt. An hervorragender Stelle zeigen diese Kunstwerke die in Gold- und Sllberfaden gewobenen fünf olympischen Ringe.

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Unglaubliche Vergebungen eines jüdischen sirzles an seinen Patientinnen

Konstanz, 13. August

Der hiesige jüdische Arzt Dr. Martin Hagel- berg, der sich seit einigen Tagen in Schutzhast befindet, wurde auf Weisung des Geheimen Staatspolizeiamtes in das Konzentra­tionslager Kislau übergeführt. Ha­gelberg kann als einer der gemeinsten und bru­talsten Mädchenschänder anziehen werden, der in den letzten zwei Jahren in Vaddn gefaßt wurde, '

Als Fürsorgearzt verging er sich in zahlreichen Fällen in den Räumen seiner Praxis an seinen Patientinnen, meist unter Anwendung von Ge­walt und List. Er schändete schwangere Frauen, denen er gegen Wuchergebühren die Schwangerschaft erst dann unterbrach, wenn sie ihm mehrmals zu Willen waren. Besonders Frauen aus der Schweiz zählten zu seinen Opfern. Selbst einer Mutter von fünf Kindern gegenüber stellte er die Bedingung, ihm zu Willen zu sein, bevor er die Abtreibung des kommenden sechsten Kindes durchführte. Die Zahl der Frauen und Mädchen, die diesem Juden zum Opfer fielen, geht in die Dutzende.

Gleichzeitig damit begaunerte dieser jüdische Sadist seine von ihm ruinierten Opfer durch un­erhörte Berechnung seiner sogen, ärztlichen Be­ratung oder Behandlung. Er forderte auch un­barmherzig die höchsten Gebühren von seinen ärmsten Patienten, deren Notlage ihm bekannt war, oder er berechnete Leistungen, die er über­haupt nicht ausgeführt hatte. Er dehnte Behand­lungen übermäßig lange aus, um auf diese Weise hohe Rechnungen entstehen zu lassen. Sein ver­brecherisches Verhalten den Patienten gegenüber entschuldigte er mit dem bezeichnenden Einge­ständnis, daß er eben als Jude besonders sinnlich veranlagt sei.

Dieser jüdische Rassenschänder hatte gleichzeitig eine ebenso bezeichnende Einstellung zu Religion und Staat. Als Jude wurde Hagelberg zunächst

Dissident und als solcher treibende Kraft der Eottloseubewegung in Konstanz. Hier trat er als Redner auf und verteilte Flugblätter der Eott- lofenbewegung an Kirchenbesucher, beim Verlas­sen des katholischen Gottesdienstes sogar an den Stufen des Münsters. Da er selbst seine eigenen Anhänger der Gottlosenbewegunq übervorteilte, geriet er mit ihnen in Streit und kehrte wieder zum mosaischen Glauben zurück, um die Unter­stützung seiner Rassegenossen von neuem zu ge­winnen. Die politische Einstellung Hagelbergs ging über die SPD., als deren Funktiönär er mehrere Jahre zersetzend tätig war, zur KPD. Die Beibringung nach Kislau ist daher das folge­richtige und verdient« Ende dieser typischen, eben­so gemeingefährlichen wie abscheulichen Laufbahn dieses jüdischen Intellektuellen.

volksschüdlrnge in üamburg

Drei jüdische Devisenschieber festgenommen Hamburg, 13. August.

Der Zollfahndungsstelle Hamburg ist es gelun­gen, dem volksschädlichen Treiben einer jüdischen Wechselstube am Hafen ein Ende zu bereiten. Es handelt sich um die Wechselstube Bauer L Lo., deren Inhaber, Manfred und Hermann Bauer, wegen Devisenschiebung festgenommen wurden. Im Zusammenhang hiermit wurde der Jude Oskar Fischer,, der Prokurist einer hiesigen Bank ist, ebenfalls festgenommen, da er gemeinsam mit den beiden anderen Juden Devisenschiebungen be­gangen hatte. 28 088 RM., die zum Abtransport bereitlagen, konnten beschlagnahmt werden. Man nimmt jedoch an, daß die weiteren Ermittlungen noch einen weit höheren Betrag ergeben werden. Die Wechselstube wurde geschlossen.

(Siehe auch Seite 2)

2as Lild des Monats flugust

Vöcklin: pan erschreckt einen Hirten

Wir entnehmen dem Deutschen Kunstbericht (Herausgeber: Deutsche Kunstgesellschaft in Ge­

meinschaft mit dem Deutschbunde) eine der lau­senden Betrachtungen über dasBild des Monats".

Die Schristleitung.

Aus uns selbst heraus beseelen wir die Natur, aus unserer Lebensfülle oder Lebensarmut. 2e nachdem wir reich sind oder arm, auf dem Lande wohnen oder in der Stadt, in der selbstgebauten Hütte oder im Palast, in einer naturnahen oder ganz mechanisierten Welt, ob heute oder in der vorgeschichtlichen Landschaft, ist das Verhältnis des Menschen zur Natur ein anderes. In der bedrückenden Lebensarmut des antiken Ziegen­hirten fühlt der Mensch sich überwältigt von dem gleichen Stück Natur, das uns bereichert und be­glückt, wenn wir's in einer heutige« Reisegesell­schaft durchführen. Deren sentimentale Stim­mung ist dem Naturmenschen der Frühzeit fremd; Dämonen dringen ein in seine Verlassenheit und Einsamkeit.

Spärlich wie ein Hauch ist das organische Leben auf Stein und Sand in heißer Luft. Natur­kraft stemmt sich gegen Naturkraft, der Mensch gegen die Elemente und die Elemente gegen Mensch und Tier, gegen jeden zarten Anhauch animalischen Lebens. Vereinsamt steht der Mensch in dieser Landschaft, fremd ganz fremd, und un­entwegt im Kampfe gegen feindliche Gewalten.

Ueberzeugend spricht davon das Bild, das wir heut betrachten wollen. Stimmen der Stille drin­gen auf uns ein; brütende Mittagsschwüle führt zu letztmöglicher Verdichtung des Gefühls vom Preisgegebensein an geheimnisvolle Mächte, setzt sich ins Bewußtsein körperhaften Daseins des N-turgeistes um. Der Hirt, der träumend mit der Herde zwischen Felsen trottet, hört unerklär- bar plötzlich ein Geräusch. Ein paar Steinbrocken brechen aus der Höhe los und fahren prassel: s, polternd nieder. Der Felsblock droben, im zit­ternden Lichte flimmernd, wandelt sich in ein

lebendiges Wesen, dessen Lachen durch die Stille meckert. Pan ist erwacht. Der Mythos ist ge­boren.

In steiniger Oede, wo nur kümmerlicher Pflan- zenwuchs gedeiht, sprechen die geheimnisvollen Mächte; erhabene Einsamkeit schafft sich ihr eigenes Leben, die Leere ihre eigene Eestalten- fülle. Der Schrecken vor dem Pan, der panische Schrecken, den dieser scheue Hirte erlebt, ist ein Urgefühl des Menschen, das jede Zivilisation überdauern wird.

Pan, der Hirtengott, ist aber, wie alle Raiur- geifter, Freund und Feind zugleich, unberechen­bar in seinen Launen. Als Hüter der Herden streift er durch die Fluren und die Wälder, ruht in schattigen Höhlen und an kühlen Usern. Freundlich klingt den seinem Schutz befohlenen Landleuten das Lied der Syrinx, der Pansflöte aus sieben ungleich langen Stücken Schilfrohrs,

tieferen Eindruck machte als der KunstgeMg Apolls, wurde von dem Herrn der Musen dafür mit Eselsohren ausgestattet.

Es gibt nichts Totes, Seelenloses in der Welt. Die wilde, freigewachsene Natur lebt ihr uner- forschlich eigenes Leben; und dies geheimnisvolle Sein, das hinter allen Dingen wacht und webt, ist höchste Wirklichkeit. Keine Felsenöde ist nur Sand und Stein. Gott Pan, allgegenwärtiger Begleiter nomadisierender Herden, der Herr der Hirten und des Hirtenlebens, zieht mit den indo­germanischen Völkern und lebt auch noch in un­sren Breiten fort als Berggeist Rübezahl.

Das Bild gibt uns nur einen kleinen Aus- schnitt aus der Natur und dem naturverbundenen Leben; doch seine Naturwahrheit geht tiefer als die Naturwahrheit, die uns die Photoplatte gibt. Meister Böcklin malte nicht nur ein Stück Land-