Ausgabe 
(11.8.1935) Nr. 220
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parteiamtl.Iageszeitung der NationalsoziatistenVremens

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Das Amtsblatt des Senats der Zreien Hansestadt Bremen

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Nr. 220 / 5. Jahrgang

Sonntag, 11. flugust

klnzelprels 15 Npf.

freche vehauptungen litauischer Nechtsbrecher

wann endlich werden die Signatarmiichte des Memelstatuts die sreisteit im Memelgebiet wieder herstellen!

Unser logesspiegel

Die bolschewistischen Unruhen in Brest haben ein weiteres Todesopfer gefordert.

In Amsterdam kam es zu neuen marxistischen Ausschreitungen.

In Amerika wird ein Generalstreik der Not- standsarkeiter organisiert.

Reichsorganisationsleiter Dr. Leq hielt vor den politischen Leitern Oberbadens eine be­deutsame Rede.

Ueber 308 Flamen kamen nach Bremen, um von hier aus eine Reise durch Deutschland zu unternehmen.

Ende der kommenden Woche findet in Bremen ein großer Kreisappell der NSDAP. statt.

Die Vauverwaltung in Bremen äußerte sich einem Vertreter derBremer Zeitung" gegen­über zu den Enteignungen beim Bau der neuen Westbrücke.

Bei den Kämpfen um die Deutschen Schwimm- Meisterschaften siegte Fischer-Bremen in 188 Meter Kraul.

WWUUW

Me sie lügen!

Berlin, 11. August.

Die Wiener Skandalpresse, insbesondere das Neuigkeitsweltblatt" und sein Ableger, der Telegraph", hatte vor einigen Tagen sensatio­nelle Berichte mit wüsten Behauptungen über Vorkommnisse" in Deutschland verbreitet. So wurde im einzelnen geschildert, wie der ehemalige Führer desJungdeutschenOrdens, ArturMahraun, angeblich vor einigen Wochen in bestialischer Weile umgebracht worden sein soll. Dazu ist fest­zustellen, daß Mahraun in Berlin einen Verlag besitzt, sich gesund und munter befindet und seinen Geschäften nachgeht.

Ferner wurde die Niederlegung der Ehrenmit­gliedschaft des Eeneralfeldmarschalls von Mackensen im Stahlhelm zum Anlaß genom­men, um in phantasievollster Weise zu schildern, wie angeblich der Eeneralfeldmarschall mit vor­gehaltenem Revolver zur Abgabe der Erklärung gezwungen worden sei eine Darstellung, die tchon den Stempel der Lüge an der Stirne trägt. Jeder weiß, welcher Wertschätzung und Hoch­achtung sich Generalfeldmarschall von Mackensen im neuen Deutschland erfreut, welche Ehrungen ihm bereitet worden sind und weiß auch, daß sich ein Eeneralfeldmarschall von Mackensen nichts er­pressen läßt. Die Ädjutantur des Generalfeld­marschalls von Mackensen gibt zu den Wiener Lügsnmeldungen folgende Erklärung ab:

Die Nachrichten, die in ausländischen Zeitunz gen über die Gründe der Niederlegung der Ehrenmitgliedschaft des Eeneralfeldmarschalls von Mackensen im Stahlhelm verbreitet werden, sinh von A bis Z erlogen. Von den geschilderten Vor­gängen ist hier nichts bekannt."

(Orabidsriobt uvssrsr Berlins! Lobriktlsitavg) kr. Berlin, 11. August.

Die Signatarmächte des Memelstatuts, Eng- land, Frankreich, Italien und Japan, haben seit Wochen nichts mehr davon hören lassen, wie sie die Durchführung des Memelstatuts zu garantieren be- absichtigen. Es scheint bei der litauischen Regie­rung seit einiger Zeit die Auffassung zu herrschen, daß man eine ernsthafte Maßnahme der S i g n a t a r m ä cht« nicht zu erwarten habe. Das ergibt sich auch aus mehreren höchst eigenartigen Artikeln desMemelbeobachtcrs", dem Organ des litauischen Gouverneurs. In diesen Artikeln wird die geradezu unverschämte Behaup­

tung aufgestellt, daß die litauische Regierung sich bei allen Maßnahmen an die Bestimmungen der Memelkonvention gehalten hätte und es wird wei­ter behauptet, daß das Memelgebietauf voll- kommen rechtlichem Wege" ein unlösbarer Be­standteil des litauischen Staates geworden sei. Es wird sogar die Behauptung aufgestellt, daß man in Deutschland den litauischen Putsch, mit dem das Memelgebiet im Jahre 1823 von Deutschland abgetrennt wurde, begrüßt habe, weil dadurch die Umklammerung Ostpreußens durch Polen verhin- dert worden sei.

Diese Ausführungen zeigen, daß man in ge­wissen litauischen amtlichen Kreisen eine neue Agitation einleiten will.

Die litauische Regierung kann versichert sein, daß trotz der Behauptung im Organ des Gouverneurs, sogar nationalgesinnte Kreise Deutschlands hätten den Putsch von 1923 begrüßt, im nationalsozialisti- schen Deutschland nicht eine einzige maßgebende Persönlichkeit eine andere Ansicht vertritt als die, daß mindestens die genaue Beachtung aller Bestimmungen des Memelstatuts und damit eine ziemlich weitgehende Freiheit im Me­melgebiet sofort erreicht werden mutz. Was übri­gens Polen anbelangt, so sind der litauischen Re­gierung die guten Beziehungen zwischen Berlin und Warschau wohl hinreichend bekannt.

Starkes Veutschland

Still, aber zielbewußt an der strbeit

* Bremen, 11. August.

Stratzenkämpfe in Brest, Aufruhr in Toulon, Unruhe n in Nazaire, Bombenan. schlüge auf Eisenbahnzüge in Illinois, Bol­schewismus in Algier. Streik in Newyork. Barbareien in Texas. Mobilmachung in Italien, Schreckensregiment in Wien: Das sind so einige, nur einige Ausschnitte aus dem Völkerleben der Gegenwart, womit sich die Presse, schon um der dabei zu verzeichnenden Opfer willen, in den letzten Tagen beschäftigen mutzte.

Nur einige Ausschnitte! Denn. wenn man alles aufzählen wollte, was an Unheil, Unrecht, Untaten und Gewalt in vielen, vielen Ländern der Welt alltäglich zu schildern wäre, würden die Spalten der Zeitungen dadurch allein schon gefüllt, und der Platz müßte mangeln für TDpge, die uns im Reich weit näher liegen und gottlob weit erquicklicher sind, als die Unheils- und Skandal­chronik vom Ausland.

Während wie auf einem wüstem Jahrmarkts da draußen, außerhalb der Reichsgrenzen ein ständi- ges Lärmen, Streiten, Keifen, Toben und Knallen ist, ein Lärmen, Streiten, Keifen, Toben und Knal­len, das dem deutschen Volke aus früheren Tagen noch wohlbekannt, wenngleich sehr häßlich in den Ohren klingt, geht Deutschland, das Deutschland von heute, still aber stark und zielbewußt dem friedlichen und erfreulich erfolgreichen Geschäfte der vom Führer gewiesenen Aufbauarbeit nach und hat wieder einmal die Genugtuung, verzeichnen zu können, daß es im nationalsozialistischen Staate mit sichtbarem Segen allenthalben vorwärtsgeht. Das beweisen unwiderleglich die jetzt erst wieder von weiterem, ganz erheblichem Sinken der. Er­werbslosenziffer Deutschlands kündenden amtlichen Zahlen des jüngsten Berichtes der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversiche­rung. In knapp 21h Jahren nach der Machtüber­nahme hat die Erwerbslosenzahl Deutschlands einen Stand erreicht, der gar nicht mehr weit von dem entfernt ist, was auch schon in früheren Zeiten bei einem als völlig geregelt gegoltenen und je­denfalls blühenden Wirtschaftsleben im Reiche un­vermeidlich galt.

Wenn gar nichts anderes nicht die Größe der geschichtlichen Tat einer völligen Neugestal­tung des vorher hoffnungslos zersplitterten und in Schmach und Schande geraten gewesenen Reiches; nicht die ungeahnten außenpolitischen

knNSMimg für jüdische Hetzer

Sauletter sorster über den Vanpg-polnifchen flusgleich

Danzig, 11. August.

In einem für die Presse bestimmten Aufsatz schreibt der Gauleiter von Danzig. Albert Förster, über den Danzig-polnischen Ausgleich u. a.: Polen und Deutschland haben in Europa eine große gemeinsame Aufgabe zu' erfüllen. Sie be-, steht darin, den im Osten Europas zur Macht ge­langten Bolschewismus unter allen Umständen vom übrigen Kontinent fernzuhalten. Solange Polen und Deutschland in der großen Politik sich gegenseitig verständigen, wird es der Dritten Internationale unmöglich sein, in Mitteleuropa festen Fuß zu fassen.

Eine Verständigung zwischen zwei Staaten bat auf die Dauer aber nur einen Wert, wenn sie tat­sächlich von beiden innerlich gewollt ist und ehrlich betrieben wird. Es kann dabei vorkommen, daß Ereignisse eintreten, die für die ganze Verständi­gungspolitik eine harte Prohe bedeuten. Solange die Streitfragen nicht von ganz beson­derer Bedeutung für die Zukunft irgendeines der Leiden Staaten sind. wird es bei einigermaßen antem Willen auf beiden Seiten immer möglich sein, derartige Konfliktstoffe aus der Welt zu schaffen.

Die Danzig-polnische Verständigung, die vor zwei Jahren angebahnt wurde, hat ihre erste Feuerprobe in diesen Tagen bestanden. Darüber hinaus hat sich aber auch im Zusammenhang da­mit gezeigt, wie wertvoll die Verständigungs­politik zwischen dem nationalsozialistischen Deutsch­land und Polen ist. Wenn beispielsweise die Streitfragen zwischen Danzig und Polen, die in diesen Tagen zur Debatte standen, vom Völker­bund geklärt hätten werden müssen, dann wären diese Streitfragen trotz so und so vieler Sitzun- ge und Besprechungen niemals aus der Welt ge­

schafft worden. Zumindest wäre eine Entschei­dung des Völkerbundes bestimmt nicht zur Zu­friedenheit beider am Streitfall beteiligten Staaten ausgefallen.

Polen mag davon überzeugt seist, daß es mit uns in Danzig auf das beste zusammenarbeiten kann, wenn wir sehen, daß es alles tut, nicht nur die ihm in den Verträgen zustehenden Rechte für sich in Anspruch zu nehmen, sondern auch die ihm aufer­legten Pflichten Danzig gegenüber zu erfüllen. Ebenso muß sich Polen aber darüber klar sein, daß wir uns, wenn man Danzig in seinem Deutsch­tum und in seinem Lebensnerv, d. h. seiner Wirt- schaft treffen will, bis zum letzten Augenblick zur Wehr setzen.

Alle Feinde Deutschlands und der deutsch-polni­schen Verständigung, die in den letzten drei Wochen in ihrer Presse gejubelt haben, und sich schon dar- auf freuten, daß die Verständigungspolitik zwi­schen Deutschland, Danzig und Polen ihre Feuer­probe nicht bestehen würde, wurden auf das bit- terste enttäuscht, so wie die internationale Iuden- presse in allen anderen Fragen, die die national­sozialistische Politik angehen, mit ihren Vermu­tungen hereingefallen ist, so auch diesmal wieoer.

Me Streikparolen in flmerika

Newyork, 11. August.

Der Lohnkampf zwischen dem Büro der Arbeits- beschafsungsbehörde in Newyork und den Ge­werkschaften, die für Notstandsarbeiter Gewerk­schaftslöhne verlangen, hat eine weitere Ver­schärfung erfahren. Bisher haben etwa 2888 Not­standsarbeiter der Streikparole Folge geleistet. Während General Johnson die Streikende» er­mähnt, am Montag die Arbeit wieder anfznneh-

Das freut uns am allermeisten. Außerdem mag die Welt an diesem Beispiel erkennen, daß unser Füh­rer Adolf Hitler Recht hat, wenn er in seiner letzten Reichstagsrede den Gedanken der Verstän­digung zwischen zwei Staaten für nützlicher hält als kollektive Sicherheiten, so wie sie in Genf ge­predigt werden.

Wäre bei allen großen Völkern der ehrliche Wille zur gegenseitigen Verständigung so vorhan­den wie zwischen Deutschland, Danzig und Polen, dann würden viele Konflikte, die für die Völker furchtbarste Folgen haben können, viel schneller be­seitigt werden. Unsere nationalsozialistische Verstän­digungspolitik hat sich jcdrnsalls in diesen Tagen bewährt.

kndgülüg aufgehoben

Danzig, 11. August.

Wie aus Warschau gemeldet wird, hat der pol­nische Finanzminister in Ausführung der letzten Abmachungen mit der Danziger Regierung die gegen Danzig gerichtete Zollverordnung vom 18. Juli aufgehoben. Gleichzeitig weist der polnische Finanzminister daraus hin, daß die Zollgesälle von den Danziger Zollämtern nunmehr in Zloty erhoben werden.

men, hat der Streikausschuß der Gewerkschaften die Notstandsarbeiter aufgefordert, am Montag in den Generalstreik zu treten.

Im Stadtgebiet von Newyork sind gegenwärtig 77 Notstandsprojekte in Angriff genommen, wofür 77 Millionen Dollar bereits bewilligt und 210 Millionen Dollar in Aussicht gestellt worden sind.

Der Arbeiterrat für Notstandsprojekte in Phi­ladelphia hat gleichfalls den Streik ausgerufen. Streikposten gehen vor der Marinewerft von Phi­ladelphia mit Plakaten auf und ab.

Freilichttheater und Ihingspiele

Bedanken beim Ueberblick über die zweiten Beickisfestspiele in Heidelberg

Die zweiten Reichsfestspiele in der einmaligen, zauberhaft reichen Landschaft um Heidelberg dau­ern zwar noch bis in die zweite Hälfte des August hinein, die Reihe ihrer Erstaufführungen aber ist abgeschlossen. In der Rückerinnerung ist ihr Ent­scheidendes, das in der Stunde des Erlebens selbst vielleicht manchmal von anderem überdeckt werden konnte, geblieben. Das zeitliche Recht zu einem zusammenfassenden Ueberblick, der zugleich etwas wie ein Versuch der Ausschau in die Zu­kunft unseres deutschen Theaters überhaupt sein kann, ist da.

, Das entscheidende Ergebnis dieser zweiten Reichsfestspiele, das einem durch den Besuch der andern großen Freilichtspiele dieses Sommers be­stätigt wurde, ist das: die Idee des Freilichtthe­aters, des Spieles unter dem unverstellten Him­mel, hat ihre siegende Macht erwiesen. Im Frei­lichtspiel geschieht wirklich die Geburt eines neuen Theaters aus dem Geiste der Natur,erneuert sich der Begriff des Theaters auf eine deutsche Weise" kRainer Schlösser). Allen Einwänden zum Trotz lebt das Spiel unter dem weiten, dem unver­stellten Rund des Himmelszeltes, zieht es immer neue Menschen in seinen Bann. Und das ist ja mit sein Entscheidendes: es bringt völlig neue Be- sucherschichten an das Theater überhaupt erst heran. Das wurde selbst in Heidelberg, das doch stark auf das große internationale Fre'mdenpubli- kum eingestellt ist, sehr schön deutlich, in den von Kraft durch Freude" durchgeführten Auffüh­rungen. Wer eine dieser Aufführungen inmitten des schaffenden Volkes erleben durfte, eingefügt in und mitgetragen von dessen ganz unmittelbar mit­gehendem Erleben, wer dessen Lachen und Jubel, dessen Trauer und Schmerz erfahren durfte, der erst weiß von der Macht und der Notwendigkeit dieser Spiele unter dem unverstellten Zelt des

Himmels, in der unendlichen Weite der Natur selbst.

Im Spielplan standen dieses Jahr Goethes ll r goe tz", er allein war aus dem Vorjahr über­nommen worden, Shakespeares heiter wissendes, humorerfülltrs SpielWas ihr wollt" und Heinrich von Kleistsgroßes historisches Ritter­schauspiel"Das Käthchen von Heil- bron n". Diese drei Werke wurden im Schloßhof selbst gespielt. Im Königssaal des Schlosses wuiche dann noch LessingsMinna von Barn- h e l m"grgeben. Doch war das in der Hauptsache das übliche, wenn auch hier ohne eigentliche Ku­lissen und pausenlos gespieltes, Jnnenraum­theater, bleibt also bei der Frage nach dem dem Freilichttheater Wesensgemäßen außer Betracht.

Am stärksten und geschlossensten wirkte auch die­ses Jahr wieder derUrgoetz". Denn hier ist das Haupterfordernis des Fretlichtspiels: eine klare, allen sofort verständliche dramatische Fabel, erfüllt. Dazuhin ist in diesem großartigen, leiden- schaftsdurchglühten Sturm- und Drang-Werk des jungen Goethe, über dessen ganzem Geschehen der eine Satz Eoetzens stehen kann:Es lebe die Freiheit! Und wann die uns überlebt, dann kön­nen wir ruhig sterben" ein Stoff gestaltet, der in seiner menschlichen Tapferkeit, Kühnheit und inne­ren Sauberkeit immer die Herzen des deutschen Volkes ansprechen wird. Vor allem aber kann sich die epische Vielfalt dieses Werkes, die Macht sei­nes quellhaft ursprünglichen Lebens in der Weite des Geschehensraumes hier viel stärker, viel mit­reißender entfalten als in der kulissenumstandenen Enge des Jnnenraumtheaters. Das wurde am schlagendsten offensichtlich, als kurz nach den ersten Aufführungen desUrgoetz" im Heidelberger Schloßhof bei den Münchener Festspielen derÜr- goetz" im Jnnenraumtheater gegeben wurde. Mit demselben Darsteller der Titelrolle sogar, mit

Heinrich George als Eoetz. Hier war alles ge­hemmt, gedrückt von der Enge des Raumes.

Die Wiedergabe von KleistsKäthchen von Heilbronn" war ebenfalls ein starkes, zwingendes Erlebnis. Doch wurden die Schwä­chen des Werkes, die in den Szenen um die Gestalt der Kunigunde liegen, die alle etwas äußerlich THeaterhaftes haben, und die auch für die Füh­rung der Handlung nicht eindeutig genug einge­fügt und herausgestellt sind. bei der Ausführung im Freien weit stärker sichtbar als bei einer Jn- nerraumaufführung. Auch hier wieder der Beweis dafür, daß das Freilichtspiel eine ganz klare dra­matische Fabel braucht; und daß sich Leim Spiel unter dem unverstellten Himmel, in dessen natür­licher Welt, die Schwächen eines Werkes besonders deutlich verraten. Andere Szenen dagegen, so vor allem die Szene unter dem Holunderbusch, er­reichen hier eine ganz herrliche, zauberhafte, dem Jnnenraumtheater so nie mögliche Wirkung.

Der eigentlichste Stilausdruck des Theaters unter freiem Himmel, seine die stärksten Wirkungen schaffenden Mittel, der augenprächtige Äufzug, die reich bewegten Massenszenen kamen in diesen bei­den Stücken zu ihrem prachtvoll entfalteten Recht. Unvergeßlich die Reichstagsszens imUrgoetz", die festliche Schlußszene imKäthchen von Heil­bronn".

Doch die Gefahr, die für das Freilichttheater in der Uebersteigerung dieser äußeren Mittel immer da ist, wurde auch offenbar. Am stärksten in der Aufführung von ShakespearesWas ihr woll t". Hier wurde in dem Bestreben, den im Freilichttheater unbegrenzten Raum zu erfüllen und zu durchdringen, zu erfüllen mit Atmosphäre, mit verdichtetem und gespanntem Leben, die Auf­führung zu laut, zu derb, zu sehr auf äußere, wenn auch in sich wieder sehr humorvolle Mittel und Einfälle gestellt. Hier siegte die Lautheit, das Schaustück über die tiefere Bedeutsamkeit, über die Macht des dichterischen Wortes. Und das muß immer unangetastet bleiben.

Auf der Thingstätte Heiliger Berg wurde Kurt Heynickes neues SpielDer Weg ins

Reich" als Uraufführung verwirklicht. Heynicke, der mitNeurode" bis jetzt unser stärkster und erfolgreichster Thingspieldichter ist, hat mit dem SpielDer Weg ins Reich" die letzte Formung nicht erreicht. Er hat hier den Versuch unter­nommen, ein Spiel ohne eigentliche, das Geschehen von Anfang an tragende dramatische Fabel zu schaffen. Daran vor allem krankt sein neues Werk. Denn, wenn überhaupt auf der Thing­stätte Spiel mit Handlung gegeben wird und nicht nur Aufmarsch, mit vorher allen mitgeteil­ten und deswegen bekannten Chören vielleicht, was ja allmählich zu einem gesetzmäßigen, allen dann vertraut werdenden Verlauf des Things fuhren könnte, dann muß diese Handlung auch allen sofort ganz klar und eindeutig bildhaft verdeutlicht werden. Das geschieht hier nicht mit der notwendigen Eindeutigkeit. Wenn trotzdem dieses ungeheure Erlebnis geschah, das alle mit­riß, alle ThinggeMsen, dann war das die Macht der Idee des Thilos selbst, die uns in der kul­tischen Festgestaltung die.Macht des deutschen Auf­bruches, die politische Formung unserer Zeit, die ubermdividuelle völkische Wirklichkeit der Na­tion ganz unmittelbar erleben läßt. Das war das größte und schönste Erlebnis der diesjährigen Rerchsfestsprele. Und deshalb sind wir auch diesem Versuch mit Heynickes Spiel dankbar. Wir wissen ia alle, daß etwas Großes wie die Form des Thingspiels nicht in wenigen Jahren entstehen kann, sondern in Jahrzehnten wach en muß.

Zum Schluß sei noch kurz darauf eingegangen ob in der Wiedergabe der Werke etwas von einem neuen Darstellungsstil sichtbar wurde. Neben so manchem, das noch ganz altes, also vorwiegend komödiantisches, und das heißt mit den äußeren Mitteln ausgezeichnet arbeitendes Theater war erlebte man auch eine ganze Reihe von Leistun­gen, in denen etwas von dem Neuen sichtbar wurde, von dem Darstellungsstil, der einem in Ansätzen immer wieder bei den Besten unserer längeren und auch bei einem schönen Teil un ersr großen älteren Darsteller begegnet. Es ist ein Dar­stellungsstil, der nicht aus dem Spielerischen, dem eigentlich Komödiantischen kommt, sondern immer aus dem unmittelbaren Selbsterleben. Ein Stil,

der in seinen äußeren Wirkungsmitteln vielleicht geringer ist als oer frühere Darstellungsstil, der aber in der nachwirkenden menschlichen Erschütte­rung erst zu seiner rechten Auswirkung kommt. Es ist ein Stil der knappen, zuchtvoll beherrsch­ten Gebärde und Mimik, der äußerlich unpathe­tischen, doch von innen her erfüllten, leiden- schaftsdurchglühten Sprache. Von den Jungen vertraten ihn hier in Heidelberg am stärksten: Angela Salloker, Elisabeth Stieler, Eefion Heimle und Paul Wagner. Von der älteren Ge­neration Heinrich George als Eoetz. denn in die­ser Rolle ist er in seinem Spiel frei von allen nur äußeren Wirkungsmitteln, ist er die Gestalt selbst, lebt er sie. Ösuvsolesr.

so malUrgöh" auf dem Mmerberg

Bei den Frankfurter Römerberg-Festspielen gab es in dieser Woche ein Jubiläum: am S. August wurde derUrgötz" zum SO. Male aufgeführt.

Neue Hörspiele

Der Deutschlandsender bringt am 19. August die Ursendung des FunkspielsIn einer kleinen Stadt" von Josef Martin Bauer. Es handelt sich um eine Komödie aus einer Klein­stadt, und das Thema ist der Kampf gegen Spieß- bllrgermoral, das Entstehen sinnloser Gerüchte und ihre Folgerungen. Die Musik dazu hat Her­bert Jäger geschrieben. Die Spielleitung liegt in Handen von Ottoheinz Iahn.

Als Reichssendung bringt am 23. August der Reichssender Köln das MelodramaDer Gott und die Bajadere" von Hermann Unger zur Aufführung. Das Werk ist im Jahre 1910 ent- standen und hat seine Uraufführung in Meinin- gen erlebt. Unger hat das Werk vollkommen über­arbeitet und versucht jetzt, die gerade beim Funk wesentlichen Möglichkeiten des Melodramas zu­sammen mit denen des Chorliedes und des orchestralen Verbindungsspiels auszunutzen, um die dramatischen wie die lyrischen Elemente der Legende zur Wirkung zu bringen, ohne durch Sologesang dem Ganzen seinen epischen Charakter zu nehmen.