Ausgabe 
(10.8.1935) Nr. 219
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Bremer Zeitung erscheint täglich (auch Montag?). Monattzbezug: RM. 2.3« rinscht. 8« Rps. Zustellungtzgebühr; durch die Post RM. 2,30 einschl. Ueberweisungtzgebühr autzschl. PostvesteNgeld. Der Bezugspreis ist im voraus zu entrichten. Postscheck Hamburg 172 72. Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch aus Erstattung oder Ersatz.

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Sie 2-MiiIionen-6ren;e innerlzalb zweier Monate um eine Viertelmillion unterschritten

Unssr logesspiegel

Die Arbeitslosenziffer ist im Juli um weitere . 122 IM auf IX Millionen gesunken.

Bei Dresden wurden Hktlerjungen von katho­lischer Jugend überfallen und mißhandelt.

' In Toulon kam es zu neuen bolschewistischen ' Unruhen, die zwei Tote und zahlreiche Ver­letzte forderten.

Im Hochwasser des Sfangtse ertranken ISO 000 Menschen; 14 Millionen wurden obdachlos.

- In Gegenwart Dr. .Leys wurden die' Opfer des Unglücks von Taschendors beigesetzt.

SchnelldampferEuropa" lief, von-seiner 10g. ' Rundreise zurückkehrend in Vremerhaven ein.

Bei den Deutschen Vox-Amateurmeisterschaften in Berlin wurden die diesjährigen acht Deutschen Meister ermittelt.

Bei den Internationalen Deutschen Tennis­meisterschaften in Hamburg ergaben sich am Freitag mehrere Ueberraschungen.

Berlin, 10. August.

Während sich der Rückgang der Arbeitslosigkeit in den Sommermonaten des Vorjahres bis aus eine Abnahme um 85 080 Arbeitslose im Juli verlangsamt hatte, brachte, dem Bericht der Reichs­anstalt sür Arbeitsvermittlung und Arbeitslosen­versicherung zufolge, der Juli dieses Jahres nach den Feststellungen der Arbeitsämter eine Ab­nahme um weitere 122 000 Arbeitslose. Damit ist die Zahl der Arbeitslosen aus 1754 000 ge­sunken. Sie hat demnach innerhalb der letzten beiden Monate die 2-Millionen-Grenze bereits um eine Viertelmillion unterschritten.

Bei der Abnahme haben zu einem erheblichen Teil das Baugewerbe und dessen Lieferindu- strien sowie wegen der durch die Witterung be­günstigten Ernte die ^Landwirtschaft mit­gewirkt. Aber auch die konjunkturabhängigen Be­rufe haben mit wenigen Ausnahmen einen wei­teren Rückgang zu verzeichnen. , , ,

In gebietlicher Hinsicht waren an der Ent­

lastung des Arbeitseinsatzes im Gegensatz zum Juli des Vorjahres alle Landesarbeitsamts­bezirke. zum Teil stärker als im Vormonat, be­teiligt. Innerhalb der verschiedenen Berufsgrup­pen ist nach den Reichsziffern nur im Bekleidungs­gewerbe eine jahreszeitlich bedingte Verschlechte­rung eingetreten.

Die Ilnterstützungseinrichtungen haben in ihrer Entwicklung mii der allgemeinen Auflockerung des Arbeitseinsatzes Schritt gehalten. In der Ar­beitslosenversicherung und Krisenfürsorge ist eine Abnahme um 63 000 auf 804 000 Unterstützte ein­getreten. während die arbeitslosen anerkannten Wohlfahrtsunterstützüngsempfänger um 35 000 auf 386 000 abgenommen haben. In den drei Un­terstützungseinrichtungen wurden demnach insge­samt Ende Juli noch 1280 000 arbeitslose Volks­genossen betreut gegenüber 1338 000 Ende Juni.

Bei der günstigen Eesamtentwicklung des Ar­beitseinsatzes ist besonders beachtlich, datz auch im Juli die Zahl der Notstandsarbeiter um weitere 35 000 planmäßig gesenkt werden konnte. Es stan­den Ende Juli nur noch 188 080 Notstandsarbeiter in zusätzlicher Beschäftigung.

denkbar wären, gleichsam nur wunderschöne Augen ohne das Antlitz, dessen Ausdruck sie be­stimmen. Von diesem Sinne können die Museen so gut wie nichts zeigen. Gewiß können sie Kunstwerke so darbieten, datz die geheimnisvollen persönlichen Kräfte, die in ihnen leben, im Be­schauer lebendig werden. Das ist sehr viel, wird aber selten genug versucht und gelingt noch seltener. Die unpersönlichen Kräfte aber, die jedem Werk von Menschenhand erst den Sinn geben, die Kräfte des Volkes und seiner Kul­tur, die Kräfte der Erde und des Blutes, aus denen auch die Persönlichkeit des Schöpfers er­wachsen ist, können wir nicht anschaulich dar­stellen.

Das Museum kann seinen Inhalt nicht so zeigen, wie der Zoologische Garten seine Tiere im Käfig oder im Freigelände, in einer künst­lichen Umgebung, die auch im besten Falle die natürlichen Lebensbedingungen kaum ahnen läßt. Aber noch niemand hat die zoologischen Gärten deshalb verbannt, weil der Tiger dort nicht im Dschungel seine Beute schlägt.

An diesen naturgegebenen Mängeln der Museen kann auch die Anwendung der national­sozialistischen Lebensanschauung nichts ändern. Ebensowenig wird sie ihren Bereich einschränken wollen, der bei den grotzen Museen unserer Hauptstädte ja die ganze Welt umspannt. Hier und da hat einmal ein wohlmeinender Eiferer die Forderung gestellt, alle artfremden Samm­lungen aus unseren Museen auszuscheiden oder mindestens nicht weiter auszubauen. Ein Echo hat diese Forderung wohl kaum gefunden. Zu­gegeben ist freilich, datz an vielen Stellen die Denkmale des eigenen Lebens neben denen der Fremde vernachlässigt worden sind ... In Zu­kunft wird unsere eigene Welt ebenso im Mittel­punkt zu stehen haben, wie in England die eng­lische, in Frankreich die französische, nur mit sehr viel besserem Recht. Denn die deutsche Kultur reicht in ganz andere Tiefen und wächst in ganz andere Breiten als die anderen Kulturen Europas, die italienische nicht ausgenommen. Schon das Beispiel national so gefestigter Völ-

Man mutz sich, um den ungeheuren Erfolg der nationalsozialistischen Arbeitsschlacht würdigen zu können, immer wieder vergegenwärtigen, datz dig Arbeitslosenziffer unter dem liberalistisch-demo- kratischen System die schwindelnde Höhe von 7 Millionen erreicht hatte. 5X Millionen Volks­genossen. die ohne die neue Wirtschaftspolitik weiterhin der Verzweiflung preisgegeben wären sind also seit der Machtergreifung wieder in Arbeit und Brot gebracht worden. Ein Versprechen ist in überraschend kurzer Zeit eingelöst worden; noch mehr als das: auch der unzähligen jungen Kräfte, die aus dem Nachwuchs der Schaffen­den zum Arbeitsmarkt vorstießen, hat sich die Arbeitsvermittlung mit vollem Erfolg angenom­men. Unter dem alten System wäre die Erwerbs­losenziffer bis heute allein durch das Hinzukom­men Schulentlassener auf etwa 10 Millionen ge­stiegen. so datz die wirtschaftsbelebenden Leistun­gen des nationalsozialistischen Staates noch höher zu veranschlagen sind, als es sich aus den mitgeteilten Erwerbslosenziffern ergibt.

ker, wie der Engländer und Franzosen, die auch in ihren Museen England, und Frankreich immer in den Vordergrund stellen, sollte uns aber lehren, datz es keineswegs eine nationale Tat wäre, alles Artfremde aus den nationalen Samm­lungen auszumerzen. Wie wollen wir eigener Art bewutztwerden, wenn wir fremde Art nicht kennen? Un­wissenheit ist nie Stärke. Nicht weil wir zuviel, sondern weil wir zuwenig von fremder Art wußten, haben wir uns nicht selten beinahe widerstandslos hingegeben und doch immer wieder Eigenes gestaltet! Die Furcht vor der Berührung mit dem Fremden ist ein Zeichen nationaler Schwäche, nicht Stärke. Wer seiner selbst sicher ist, weiß von dieser Furcht nichts . . .

Von einer praktischen Lösung der Museums­probleme sind wir überhaupt noch weit entfernt. Mit dem geistigen Umbruch ist es hier nicht ge­tan. An den Museen sind hier und da ver­heißungsvolle Ansätze gemacht ich erinnere an die Neuaufteilung der italienischen Skulpturen und Gemälde im Kaiser-Friedrich-Museum, und an den Führungen und den Führern ist manches gebessert worden. Ernsthaft denken manche Museen daran, mit ihren größten Schätzen in die Betriebe und in die weit von den Museen abgelegenen Viertel der Großstädte zu ziehen. Zum mindesten in Wechselausstellungen wird hier und da versucht, den neuen Geist der Museen zu dokumentieren. Aber selbst die an manchen Stellen geknüpfte erfreuliche enge Verbindung mit der NS.-Kulturgemeinde, mit der NS.-Ee- meinschaftKraft durch Freude", mit der SA und SS., dem Arbeitsdienst usw. die Schulen, auf die es vor allem ankommt, wissen mit den Museen noch immer recht wenig anzufangen wird erst dann fruchtbar werden, wenn die Museen wirklich umgestaltet sind. Bis dahin hat es aber noch gute Wege. Museen sind ihrem Wesen nach schwer beweglich, weil sie mehr als andere Anstalten des Staates an ihre Form ge­bunden sind. Erziehung und Bildung kann von Grund auf geändert werden, ohne datz Einrich-

Drganischer flußentian-el

Von

Dr. tlsnskrsscti

Tatsache ist, datz unser Volkskörper im engsten Raum eingezwängt ist. Tatsache ist aber auch, datz die Weltwirtschaft der liberalen Zeit endgültig zerbrochen ist. Was uns als wertvollstes Aktivum im Kampf um unsere wirtschaftliche Selbstbehaup­tung geblieben ist, das ist unsere Arbeits­kraft und unser wiedergewonnener Wille zumLeüen.

Wollen wir auf die Dauer unser hohes Lebens- gefügs erhalten und weiterhin heben, bleibt uns nur ein Weg: nämlich Schaffung zusätzlichen Le- bensraumes durch Ausschöpfung aller binnenwirt- schaftlichen Möglichkeiten und durch Wieder- aufbaueinesneuenAutzenrgirtschafts. räum es. Das aber macht eine unbedingte Disziplinierung der deutschen Wirtschaft zur Grundvoraussetzung.

Im nationalsozialistischen Staat ist die Wirt- schaft wieder ein lebensnotwendiger Teil der ge­samten Lebensbetätigung; sie hat die Lebens- und Wachstumskräfte des deutschen Volkes mit wirt­schaftlichen Mitteln zu sichern und zu fördern. Die Wirtschaft hat also völkische Bindungen

Auch heute bringt dieBremer Zeitung" wieder den einzigen vom Hauptlagerführer der Bremer HJ.-Lager, Oberbannführer Carl Jung, autorisierten Bericht über die Vorgänge des Tages in Bad Esse« und Lintorf.

und Verpflichtungen, und das Geschäfte­machen als ausschlaggebendeSittlichkeit" der vergangenen Zeit besteht im neuen Staat nicht mehr zu Recht.

Im nationalsozialistischen Staat wird die Wirt­schaft von innen heraus wieder aufgebaut und gliedert sich in drei tragende Säulen, die mitein­ander organisch zu verbinden sind: Landwirtschaft, gewerbliche Wirtschaft und Außenwirtschaft. Die Landwirtschaft hat die Nahrungsfreiheit und die Erneuerung des Bluts sicherzustellen, die gewerbliche Wirtschaft hat für die Roh­stoffversorgung und die technischen Belange zu sor­gen und die Außenwirtschaft hat für den fehlenden Siedlungsraum einen ausreichenden Leistungsaustausch im zwischenstaatlichen Verkehr organisch und planvoll zu gestalten.

Jedes der drei Teilgebiete hat im Wirtschafts-

tung und Gebäude der Schulen und Hochschulen merklich anders wiitden. Der Geist der Museen aber kann nur anders werden, wenn auch der ganze technische Apparat von den Schränken bis zu den meist ganz ungeeigneten Gebäuden anders wird. Was das finanziell bedeutet, er­gibt sich von selbst. Vorläufig aber braucht der Nationalsozialismus, was er aus dem Bankerott eines Jahrhunderts gerettet hat, einfach zur Er­haltung und Sicherung des Lebens unseres Vol­kes. Wenn die Zeit gekommen ist, sind sie doch, so schwere Gebrechen sie haben mögen, die Horte der Kulturdenkmäler der Menschheit, nach den Worten des Führers die Altäre der Besinnung auf ihre bessere Mission und höhere Würde.

(AuS dem Juli-Heft: ..Völkische Kunst.')

Leneralmusikdirektor Hermann Stange 1. Dirigent des Veutschlandsenders

Generalmusikdirektor Hermann Stange, der bisherige erste Geschäftsführer und Dirigent des Berliner Philharmonischen Orchesters, wurde als Erster Dirigent und Leiter der Abteilung Or­chester und Chor an den Deutschlandsender berufen. Seine erste Ausgabe wird sein, das neue große Orchester des Deutschlandsenders aufzu­bauen und es zu einem Klangkörper von letzter künstlerischer Vollendung zu machen.

Generalmusikdirektor Stange war im Reich wie im Ausland in hervorragenden Dirigentenstxllen tätig, wie z. V. am Deutschen Landestheater in Prag, an den städtischen Bühnen von Barmen, Themmtz, Kiel usw., außerdem als Opern- drrektor der Staatsoper in Helsingfors und der Königlich-Bulgarischen Nationaloper in Sofia, wo er die Staatsopernkonzerne jahrelang mit größtem Erfolg leitete. Er machte sich im Aüsland besonders verdient um die Verbreitung deutscher Musik. Die Erfolge Hermann Stange's bei den Berlmer Philharmonikern, deren Leitung er Anfang dieses Jahres übernommen hatte.' sind allgemein bekannt. Auch den Hörern des Deutsch­land-Senders ist er von seinen Gastspielen her kein Unbekannter. ^

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Museen im neuen Deutschland

5ine Kernfrage nationalsozialistischer Kulturpolitik von Pros. vr. 0. Kümmel

Deutschland hat allen Grund, auf seine Museen stolz zu sein, um die uns die Welt beneidet. Daß es ihrer mehr hat als irgendein Volk, besagt allerdings gar nichts: Die kürzlich veröffentlichte grausige Zahl von zweitausend, die wahrschein­lich hinter der noch schlimmeren Wirklichkeit zurückbleibt, erregt nur den Wunsch einer fürch­terlichen Musterung unter den zahllosen Pro­dukten örtlichen Ehrgeizes. Aber fast jeder deutsche Gau, jede der Stätten eigenen geistigen Lebens, die Deutschlands größten Reichtum aus­machen, besitzt auch Museen eigener Prägung und höchster Bedeutung. In Frankreich hat Paris, in England London auch auf diesem Gebiet alle Kräfte an sich gerissen. Die deutschen Stämme haben dagegen fast überall aus Eigenem gestal­ten können, und die vier Mittelpunkte stärksten staatlichen Eigenlebens, Berlin, Wien, München und Dresden, bedeuten jeder für sich auch museal nicht viel weniger als die beiden Weltstädte. Der politischen Zersplitterung Deutschlands, der Quelle so vieler tragischer Schicksale unseres Volkes, hat der Nationalsozialismus ein Ende gemacht. Er wird aber schwerlich die trostlose Oede der englischen und französischen Provinz an die Stelle des blühenden Lebens unserer Gaue setzen. Auch ihre Museen werden ihnen bleiben. Aber der Nationalsozialismus, der nicht nur die Form, sondern das Wesen neu gestalten will, wird sie nicht lassen können, was sie sind ...

Ihrer ersten Aufgabe, das Kulturgut der Menschheit, soweit es sich in anschaulicher Form darstellt, zu erhalten, haben die Museen inner­halb der Grenzen menschlicher Unvollkommenheit genügt. Auch um die Sichtung und Erforschung des ungeheuren Stoffes, der aus dem Erbe der Vergangenheit in die Museen gerettet wurde, haben sich die Männer des 18. Jahrhunderts mit Erfolg bemüht. Wenn also die Museen nichts

sein wollten und sollten als Stoffsammlungen und Forschungsinstitute, so könnten sie mit sich und wir mit ihnen zufrieden sein . . .

llnd doch treffen die Vorwürfe, die gegen die Museen erhoben werden, sicherlich kein un­schuldiges Opfer. Denn sie sollten mehr sein als Sammlungs- und Forschungs­stätten. Sie sind mehr, aber sind sie alles, Wa­ste ihrer Natur nach sein könnten? Finden wir in den Museen, was wir nach ihrem Inhalt fin­den könnten, die Stätte der inneren Sammlung und Erbauung, in der wir demütig und erhaben vor die schöpferischen Genien der eigenen und fremden Kulturen treten können? Ich fürchte, kaum! Sind sie, was sie nach ihrem Inhalt sein könnten, die grotzen Bildner und Erzieher des Volkes durch das stärkste Bildungs- und Er­ziehungsmittel durch die Anschauung? Ick fürchte, nur sehr unvollkommen. Was die Museen sein könnten, müssen sie aber sein, denn der Na­tionalsozialismus fordert die höchste Leistung. Er mutz sie gerade von den Museen fordern, weil in ihnen die wirklich lebendigen Zeugen der Ver­gangenheit zu uns sprechen, in der die Gegen­wart und die Zukunft beschlossen ist. Außerdem find sie gleichsam die Repräsentation?- räume des deutschen Volkes, das, wo­nach der Ausländer zuerst sieht und urteilt.

Unmögliches darf man allerdings von den Museen nicht verlangen. Einige ihrer Mängel haften ihnen so notwendig an, wie dem Dreieck seine Form. Nur das 19. Jahrhundert hat für die Museen geschaffen, aber gerade diese Produkte eines dem Leben entfremdeten abstrakten Kllnst- lertums verdienen am wenigsten einen Platz in den Museen. Alle übrigen Werke dienten dem Leben, dem körperlichen und geistigen, dem praktischen und relibiösen. Ohne diesen Sinn wären selbst die größten Kunstwerke, wenn sie

Nächtliche Nevolte in loulon

lote und Verletzte bei neuen bolschewistischen Unruhen

Paris, 10. August.

Die Unruhen in Toulon haben'eine« sehr ern­sten Charakter angenommen.. Donnerstag nacht zählte man bereits 2 Tote unter den Aufrührern, einen schwerverletzten Polizeibeamtcn und über 50 Verletzte, darunter 20 Ordnungsbeamte. Der Präsekt forderte ein Bataillon Infanterie an. Die Ausrührr versuchten, den Bahnhof zu stür­men, wurden aber von der Mobile Garde zurück­geschlagen.

Die Unruhen werden von der halbamtlichen französischen Nachrichtenagentur selbst alstat­sächliche Meuterei" bezeichnet. Während das In­nenministerium die Zahl der Todesopfer gleich­falls mit zwei angibt, meldet der Sonderbericht­erstatter desPetit Puristen" fünf Tote und 200 Verletzte. Der Stellvertreter des Bürgermeisters von Toulon ist im Lause der Unruhen angegriffen und niedergeschlagen worden; sein Zustand ist besorgniserregend.

Im Laufe des späten Abends versuchten die Meuterer das Gaswerk zu stürmen; sie wur­den von Senegalschiitzen zurückgeschlagen. Die Po­lizei mutzte immer und immer wieder gegen die Meuterer vorgehen, die zum Teil von den Dächern mit Gewehren auf die Beamten herabschössen. Die Meuterer verteidigten sich mit großer Zähig­keit und errichteten Barrikaden, in deren Schutz die Läden zahlreicher Straßen geplündert wur­den. Sämtliche Straßenlaternen im Unruhe­gebiet wurden zerstört, so datz die Kriegsmarine

Scheinwerfer zur Verfügung stellen mutzte, in deren Lichtkegel die Säuberungsaktion durchge­führt wurde. Etwa 50, Meuterer wurden festge­nommen, unter ihnen ein Italiener und mehrere nordafrikanische Arbeite,

. Ueber, die Lage auf-dem Schlachtfeld von Tau- Ion verbreitet das sranzöüsche Nachrichtenbüro Havas folgendes Stimmungsbild: Die Straßen Trmlons. die den Schauplatz des nächtlichen Bür­gerkrieges bildeten, bieten einen trostlosen An­blick. Vom Platz der Freiheit bis zum Kriegshafen ist der Boden bedeckt mit Trümmern und Scherben der grotzen Fenster. Reklameschilder und Lampen. Die Räume der ZeitungsdruckereiPetit Var" und des dazugehörigen Lesesaals sind von den Meuterern zerstört worden. Ebenfalls ist ein Maffengoschäft von den Aufrührern geplündert worden. Diese Stelle war der Mittelpunkt des verbissenen Widerstandes der Revolutionäre, die von dort aus ein förmliches Schnellfeuer auf die vorrückenden Truppen der Garde mobile eröffneten. Hier gab es Tote und Schwerverletzte auf beiden Seiten. Wie immer bei solchen Ereignissen überstürzten sich die wilde­sten Gerüchte. Die Bevölkerung ist entsetzt und erschreckt über das. was sich in ihrer sonst so fried­lichen Stadt abgespielt hat. Uebertriebene Zah­len werden geglaubt und verbreitet. Aus Lyon sind Verstärkungen der Mobilgards eingetroffen, aus Draguignon 200 Mann eines Artillerie-Regi­ments.

(Fortsetzung auf Seite 2s