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parteiamtl.Iageszeitung der Nationalsozialisten Bremens
Das Amtsblatt des Senats der Lreien Hansestadt Vremen
Nationalsozialisten Vremens
parteiamtllageszeitung der
Bremer Leitung erscheint täglich (auch Montags). Monatsbezug: RM. 3,39 etnschl. 39 Rps. Zustellungsgebühr; durch die Post RM. 2,39 etnschl. Ueberweisungsgebühr ausschl. Postoestellgeld. Der Bezugspreis ist im voraus zu entrichten. Postscheck Hamburg 172 72. Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch aus Erstattung oder Ersatz. NS.-Eauverlag Weser-Ems E. m. b. H., Bremen, Am Geeren 8—8 / Fernsprecher: Roland 623.
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Nr. 2!? / Jahrgang
Vonnerstag, S. flugust
kinzelpreis 15 Npf.
Sie werden in VeutWand auf Sranit beißen
vokschewist Vimitroff durchschaut / Nachdenklichkeit in Paris / Frankreichs Verantwortung für die europüische Kultur
Vogosspisgel
Die Geistlichkeit in Werne rückt in einer Erklärung von der Wühlarbeit des politischen Katholizismus ab.
In Bad TSlz mutzte ein Hotel wegen provozierenden Auftretens der Juden geschlossen werden.
Im Rahmen einer Feierstunde der auslands- deutschen Jugend sprach der Frankenführer über die Judenfrage.
Im Brester Kriegshafen ist es infolge der bolschewistischen Verhetzung zur völligen Arbeitsniederlegung gekommen.
Die kommunistische Aufruhrbewegung in Frankreich zieht auch den Schiffsverkehr in Mitleidenschaft.
Durch den Herrngsfang mit dem Grund- schlepp- und Treibnetz erweist sich die Fischwirtschaft an der llnterweser wiederum als Pionier.
Der Leiter der Kommission für Wirtschaftspolitik der Partei fetzt stch für eine nachhaltige Förderung des HeimstättenLaues ein.
Bei den Deutschen Tennismeisterschaften befinden sich Cramm, Denker, Szigetti und Henkel unter -en letzten Bier.
WWWWUW
Neue UeberMe
auf deutsche Schiffe angekündigt
Washington, 8. August
Eine Gruppe kommunistischer „Antinazibiind- ler" suchte am Mittwoch den Leiter der Westeuropa-Abteilung des Staatsdepartements, Dünn, auf und protestierte gegen die Festhaltung des amerikanischen Matrosen Simpson vom amerikanischen Dampfer „Manhattan" in Hamburg. Dünn erwiderte, Simpson sei am 28. Juni verhaftet worden, weil er aufrührerische Literatur bei sich führte und kommunistische Agitation betrieb. Es stimme nicht, datz er von der deutschen Polizei entführt oder mißhandelt worden sei. Simpson befinde sich in einem Konzentrationslager, wo er gut behandelt und gut verpflegt werde und jederzeit brieflich mit dem amerikanischen Generalkonsulat in Hamburg verkehren könne. Ein Beamter des amerikanischen Konsulats habe Simpson im Lager aufgesucht und stch persönlich von seinem Ergehen überzeugt. Simpson sei vollkommen gesund und habe stch in keiner Weise über Behandlung beklagt.
Die kommunistische „Antinazigruppe" erklärte sich von den Ausführungen des Staatsvertreters vollkommen unbefriedigt. Sie teilte mit, datz sie heute im Madison Square Garden eine Massen- protestversammlung veranstalten und alle Anwesenden verpflichten werde, fortan das Einlaufen jeden deutschen Schisses in amerikanischen Häfen zn verhindern.
lvrsiitberirZit unserer kerliner Zcstriktleitung) Kr. Berlin, 8. August.
Die Berichte über, den Moskauer Komintern-Kongreß liegen jetzt erst in Berlin in einer für die Beurteilung der dortigen Ereignisse wirklich zuverlässigen Form vor. In maßgebenden politischen Kreisen der Reichshauptstadt macht man dazu folgende Feststellungen:
1. Die schon während des Reichstagsbrand- Prozesses im Jahre 1933 aufgetauchten Vermutungen, datz Dimitroff einer der Führer der kommunistischen Hetzpropaganda in Deutschland gewesen sei, ist in vollem Umfange durch den Kongreß bestätigt worden. Mit den damals vorhandenen, noch aus dem Zwischenreich stammenden juristischen Mitteln war es nicht möglich, Dimitroff zu fasten. Es war aber bei allen maßgebenden Teilnehmern des Reichstagsbrand- Prozesses bekannt, datz Dimitrofs besonders nach dem Duell von Frage und Antwort mit Dr. Goebbels, in dem Dimitroff vollkommen unterlag, auf seine besondere Bedeutung in der kommunistischen Bewegung hingewiesen hatte. Dimitroff war sicherlich nach ' Deutschland geschickt worden, um den Nationalsozialismus zu studieren.
Die Folgerungen, die Dimitroff jetzt für die Propaganda des Kommunismus gezogen hat, zeigen, datz selbst ein Kenner des nationalsozialistischen Deutschland nicht in der Lage ist, vom Standpunkt des Kommunismus aus irgendwelche wirklich wirksamen Angriffsmahnahmen zu benennen.
2. Seit etwa zwei Wochen treibt Moskau zu einer Einheitsfront aller marxistischen Parteien und Gruppen Europas. Mit dieser Einheitsfront soll eine bessere Möglichkeit der Verteidigung gegen den Nationalsozialismus geschaffen werden. Die Einheitsfrontbewegung ist tatsächlich in Staaten erfolgreich gewesen, in welchen der Kommunismus wegen völlig falscher politischer und wirtschaftlicher Maßnahmen der Regierung gewisse Agitationsmöglichkeiten hat, vor allem in Frankreich und Oesterreich.
3. Zweck des russisch-französischen Vertrages ist offensichtlich nur die Förderung der kommunistischen Propaganda in Frankreich. Man sieht in diplomatischen Kreisen Berlins angesichts der großen wirtschaftlichen Sorgen der französischen Regierung und der starken Erregung
im Volk die jetzigen Vorgänge in Toulo« und Brest für wesentlich ernster an als das zurzeit in Paris geschieht. Man rechnet sogar mit der Möglichkeit, datz der Vertrag nicht ratifiziert wird, «eil die französische Regierung noch im letzte» Augenblick seine Gefahren erkennen Putz.
4. Es besteht, in Europa eine ernste Gefahr, datz von Frankreich aus sich die bolschewistische Propaganda auf andere Staaten ausbreitet, besonders wenn dort innerpolitische Schwierigkeiten auf Grund des Scheiterns größerer Pläne entstehen sollten. Frankreich müßte stch mehr ferner Verantwortung für die vom Bolschewismus gefährdete europäische Kultur gegenüber Moskau bewußt werden.
3. Für das nationalsozialistische Deutschland »gibt sich die Notwendigkeit allerschiirfster Abwehr jedes noch so kleinen Versuchs kommunistischer Propaganda. Dazu gehört auch die bevorstehende gesetzliche Regelung der Judenfrage und die Ausrottung jeder Möglichkeit, auf dem Wege über kirchliche Fragen in Deutschland Unruhe zu stiften.
Vas knde der freimaurerer in Veülfchland
In der Erkenntnis, datz sreimaurerischer Geist und das Ideengut des Nationalsozialismus unüberbrückbare Gegensätze darstellen, für Freimau. rerorganisationen im Dritten Reich kein Platz mehr ist, haben sich nach einer uns zugegangenen Mit. teilung die in Deutschland noch bestehenden Alt- preutz. Logen mit Wirkung vom 21. Juni d. I. aufgelöst. Die bisher ein Sonderdasein führenden sächsischen Logen, d. h. die Grotze Landesloge von Sachsen in Dresden und die Srotzloge „Deutsch« Bruderkette" in Leipzig, Werden sich diesem Vorgehen anschlietzen und ihre Auslösung zum 19. August durchführen.
Lange hat es gewährt, ehe sich in den Kreisen der Volksgenossen die wahre Erkenntnis über das Wesen der Freimaurerei durchgesetzt hat. Infolge der geschickten Tarnungs- und Verdum- munaspolink, die die Freimaurer immer betrieben haben, lag um die Logen lange ein mystisches Geheimnis, von dem an die Oeffentlichkeit nur so viel drang, datz hier in stillen Kreisen „edle Menschlichkeit und Wohltätigkeit gepflegt wurde" Erst die Forschungen der jüngsten Zeit haben diesen Schleier gelüftet und das wahre Endziel der Freimaurerei entlarvt. Ein Endziel, das nicht in
Auch heute bringt die „Bremer Zeitung« wieder den einzigen vom Hauptlagersührer der Bremer HJ.-Lager, Obervannfilhrer Earl Jung, autorisierten Bericht über die Vorgänge des Tages in Bad Esten und Lintorf.
einer beglückenden Erlösung der Menschheit bestand, sondern das bewußt darauf hinausging, die jüdische Weltrepublik zu schaffen. Die Fäden, die hierbei gesponnen wurden und die hochpolitischer Art waren, sind so fein, datz man mit Fug und Recht das Treiben der Freimaurerei als eine „Königliche Kunst" bezeichnen kann.
So lange die Menschheit besteht, hat es Frei» maurertum gegeben, d. h. das Streben nach der Verwirklichung einer jlldisch-Iiberalistischen Idee, die mit innerer Notwendigkeit aus dem Judentum hervorgegangen ist, die vom Judentum maßgeblich beeinflußt wurde und die den Zielen eben dieses Judentums gefügig gemacht wurde. Diese Idee des jüdischen Imperialismus ist so alt wie der mosaische Gedanke und wurde durch die Jahrtausende erhalten und bewahrt bis in die Gegenwart, in der die jüdische Weltmacht zu ihrem entscheidenden Schlags auszuholen gedachte. Die Freimaurerei geht daher nicht etwa auf die Bauhütten- oder Steinmetzbrüder- schaften des Mittelalters zurück, sondern bediente sich ihrer nur als tarnende Hülle der Oeffentlichkeit gegenüber. Zweifellos hatten die Bauhütten einen rein znnftgemätzen Charakter, der mit der Idee des Judentums nichts gemein
Meiminer Streik lm vrester Kriegslist»
krneutes Aufflackern der Unruhen / solgen bolschewistischer Zerstörungswut
Paris, 8. August
Die Unruhen in Brest sind Dienstag erneut aufgeflackert. Die Aufrührer versuchten, die Marinepräsektur zu stürmen und errichteten zu diesem Zweck eine Barrikade. Marinesoldaten und Gendarmerie gelang es jedoch, die Menge zu zerstreuen. Kurze Zeit darauf versuchten Arbeiter, die Gitter der Kaserne des II. Kolonial- regiments niederzureißen. Militär mutzte eingesetzt werden, um die Angreifer auseinander- zutreiben.
In den Verkehrsstraßen sind die Geschäfte teilweise geschlossen. Das Straßenpflaster ist an verschiedenen Stellen aufgerissen,' Pflastersteins, die entweder als Wurfgeschosse gegen die Polizei oder zum Bau von Barrikaden verwendet wurden, liegen überall verstreut herum. Zerstörte Kaffeehaus-Terrassen und eingeschlagene Schaufenster, die notdürftig mit Holzbrettern vernagelt sind, bieten einen trostlosen Anblick.
Die Opser der schweren Ausschreitungen sind ein Toter und mehr als Sll Verletzte, darunter 3V Gendarmcriebeamte und ein Seeoffizier, seruer der Unterpräfekt von Brest und der Adjutant der Marinepräsektur. In den Lazaretten befinden sich 13 schwerverletzte Arbeiter, fünf Angehörige der 6nräs mobile und zwei Gendarmen.
Am Mittwochnachmittag ist auf Anweisung der Gewerkschaftsführer im Marinearsenal von Brest von sämtlichen Arbeitern die Arbeit plötzlich eingestellt worden. Die Belegschaften verließen sofort die Arbeitsstätten und zogen in geschlosse
nem Zuge zum Volkshaus, wo beschlossen wurde, datz sämtliche Arbeiter an der heute erfolgenden Beisetzung des ums Leben gekommenen Arbeitskameraden teilnehmen sollen. Der Kriegshasen von Brest ist geschlossen.
In Toulon wurden alle Ansammlungen auf öffentlichen Straßen verboten, da man neue Kundgebungen befürchtet.
7n der pariser presse dammect's
Paris, 8. August.
Die Unruhen von Brest stehen im Mittelpunkt des Interesses der Pariser Morgenpresse. Die Rechtsblätter sehen in den Unruhen die Folgen der kommunistischen Propaganda und ein systematisches Vorgehen der roten Einheitsfront. Die marxistischen Zeitungen versuchen hingegen, die Schuld für die Zwischenfälle auf die Regierung Laval und deren Notverordnungen abzuschieben. In fast allen Blättern wird auf die Häufung von Alarmnachrichten aus allen Teilen Frankreichs hingewiesen.
In der Tat hat es seit dem vergangenen Sonntag nicht weniger als vier ernste Ereignisse dieser Art gegeben. In Salon wurde eine Gruppe Royalisten von Kommunisten überfallen; in Paris gab es einen Ueberfall von Kommunisten auf Mitglieder der nationalen Jugend, und dann folgten Schlag auf Schlag die noch folgenschwereren Zusammenstöße in Toulon und Brest.
Während des ganzen Dienstags, so schreibt der „Mattn", lag über Brest die Atmosphäre
einSs Bürgerkrieges. Wird man die patentierten Moskauer Agitatoren noch lange weiterwirken lasten, fragt das Blatt, das aus seiner ablehnenden Haltung gegenüber einer französis^
sowjetrustischen Zusammenarbeit nie einen Hehl gemacht hat. Das Blatt schreibt ferner, datz ein Abgeordneter ver kommunistischen Partei den tragischen Lag von Brest organisiert habe. - Es sei endlich an der Zeit, tatkräftige Maßnahmen zu treffen.
Auch das „Echo de Paris" fordert die Regierun. zum Einschreiten auf und weist besonders darauf hin, daß die Unruhen gerade in Brest und Toulon, also in zwei großen Kriegshäfen, aus- gebrochen seien.
In Veulschland nicht möglich
Paris, 8. August.
Der französische Ozeandampfer „Champlain", der am Mittwochmittagvon LeHavre mit über 890 Fahrgästen nach Newyork auslaufen sollte, hat seine Ausfahrt verschieben müssen, weil Sie gesamte Besatzung in den Proteststreik getreten ist. Diese Protestaktion, die sich gegen dre zehn- prozentige Eehaltskllnzung richtet, wurde von den Ingenieuren und Hilfsingenieuren eingeleitet, mit denen stch die übrige Besatzung solidarisch erklärte. In einer gegen Mittag abgehaltenen Versammlung hat die Besatzung beschlossen, ihr Gepäck von Bord zu nehmen.' Im Laufe des Nachmittags soll erneut eine Versammlung abgehalten werden.
Lugen cirtner
Novelle im Moor
Der Deutschlandsender sunkt heute die Uraufführung der „Ballade vom Moor", von Eugen Lrtner, der die hier erzählte Novelle zugrunde liegt.
Das Moor war noch ganz wild am Anfang dieser Geschichte, ganz unaufgeräumt, von der Sonne verbrannt oder aufgeschwemmt vom Regen. Damals kamen wir dreihundert Burschen, weil wir halt Arbeit und Brot suchten und neues Land.
Was so ein Junger erhofft, wenn er noch unverbrauchte Kraft in den Knochen hat. das könnt ihr euch denken! Einen Acker, einen frischen Acker und ein Häuschen daneben und einen Stall! Und Pflug und Egge in beide Fäuste!
Der Walter war unser Führer. Er hatte den Auftrag von der Regierung, 9900 Tagwerk umzu- schippen und neuen Raum zu schaffend Wir mußten ein Jahr lang Kanäle schachten und Zieh- gräben anlegen, daß unser Boden sein Wasser ließ. Dann ging es im zweiten Jahr aus Pflügen und Düngen. Den Mist einer ganzen Großstadt haben wir aufgefahren.
Ilm diese Zeit kam die Berta. Ihr Bruder war bei uns Kantinenverwalter, ein guter Kerl, ein bißchen der „Kaspar" für uns alle. So hieß er auch. Zu ihm kam die Berta. Wir dachten zuerst, sie wäre eine Sommerfrischlerin, denn sie kam aus der Stadt, ein Mädchen mit einem Gesicht wie aus einem Bild geschnitten. Aber dann sagte uns der Kaspar, sie wären ja beide einmal echte Bauernklnder gewesen, eh« ihnen so ein Bodempekulant im Jahre 23 alles wegschnappte, was sie an Haus und Hof besaßen. Waisenkinder waren sie damals, und die Berta war kaum vierzehn. Aber jetzt waren zwölf Jabre darüber hin und die Berta kam aus de: Stadt. —
Jbr könnt euch denken, daß das Mädchen auch aus Walter einen Eindruck machte. Nur ging der nicht gleich einer Schürze nach, hatte immer seinen Kampf mit dem Moor im Kopf und lachte gern wie einer, der mitten im Boxen ist und seiner
Kraft vertraut; Schlag gegen Schlag! Aber dann machte er doch immer größere Augen, wenn die Berta an ihm vorüberging. Eines Tages waren sie ein Paar, kein gewöhnliches Paar freilich. sondern ein ganz besonderes. Nicht eine Zudringlichkeit erlaubte sich der Walter in diesen Wochen, das spürten wir alle. Und die Berta wurde stiller und stiller mit jedem Tag. und wir sahen sie sogar einmal, wie sie in der Heide saß und weinte.
Dann plötzlich kam einer ins Lager, der uns allen nicht patzte, so ein Protz nämlich mit blanken Knöpfen auf der Weste und einem runden Hut auf dem Kopf, so einer, der einen großen Hos am Moor hatte und doch kein rechter Bauer war, weil er mit Spielen, Saufen und Weibergeschichten Zeit und Geld vertat. Der kam zur Berta.
Dem Walter gab es einen tüchtigen Stoß, das merkten wir. Aber geredet hat er kein Wort und hat auch die Berta nicht gefragt, was der Veit Rupp von ihr wollt«. Aber dann plötzlich wußt« es die ganze Kolonne, daß zwischen der Berta und dem Rupp von früher her ein Verhältnis bestand. Vielleicht hatte sie einmal in der Stadt «ine Sehnsucht nach daheim gehabt, nach Aeckern und Wiesen, oder sie war ganz allein gewesen, wie oft ein Mädchen ist. das nicht mit jedem geht. kurzum, sie kannte den Rupp schon aus ihrer Kinderzeit. So kam das!-
Und dann kaM diese unheimlich tolle Geschichte im Moor, die uns allen wohl noch lang« in Erinnerung ist. Die Berta hatte die Kolonne eines Abends plötzlich ohn« Abschied verlassen. Sie war uns einfach davongelaufen, auch dem Walter, Es war «in gewittriger Abend, das Moor war voll Wasser, denn es hatte die ganzen letzten Tage geregnet. Wir lagen sozusagen alarmbereit denn wenn es «ine Flut gab, war unser neuer Staudamm in Gefahr, und das hätte «ine Katastrophe geben können. So lagen wir noch nach Feierabend
und warteten. Da kam der Vorarbeiter und flüsterte ganz aufgeregt, daß auch der Walter aus dem Lager fort wäre, so plötzlich wie die Berta. Wir dachten zuerst, er wäre vielleicht hinter ihr her, um sie aus dem Unwetter herauszuholen und wieder ins Lager zurückzubringen. Aber denkt euch — ich muß es gleich sagen — er suchte den andern, in'dieser unheimlichen Nacht sucht« er den Veit Rupp, Und er fand ihn. Mitten im Moor trafen sie aufeinander. Was zwischen beiden gesprochen wurde, das hat niemand so recht erfahren, denn der Walter blieb später stumm wie ein Monument. Und den Rupp hat ja damals das Moor gepackt. Der schweigt irgendwo auf dem Grund.
Aber der Heideschäfer erzählte uns paar Freunden, er hätte in jener Nacht zuerst einen Hilferuf der Berta gehört, dann hätte er alsbald de>. Walter und den Rupp Brust an Brust bei den drei Brücken im Kampf gesehen. Dann hätte sich der Rupp vom Walter befreit und währe johlend quer durchs Moor gelaufen, der Walter hinter ihm her. Aber an einer Stelle, wo kein Weg und kein Steg war. wäre dann der Rupp auf eine schwimmendo Wiese geraten und in einem Augenblick verschwunden gewesen. Das erzählte der Schäfer zuerst ganz vertraulich, hat es aber dann später vor dem Untersuchungsrichter auf seinen Eid genommen und noch beigefügt, der Rupp hätte wohl die Berta damals selbst ins Moor stoßen wollen, weil sie von ihm in der Hoffnung war. Das hätte er an einer weglasen Stelle versucht, um einen Selbstmord des Mädchens vorzutäuschen, aber der Walter wäre wohl grad recht dazwischengefahren .... So meinte der alte Schäfer. —
Kurzum: Der Walter hat noch am gleichen Abend die Berta ins Lager zurückgebracht. Dann bat sie nach zwei Tagen in ihrer Qual einem Kind das Leben geschenkt. Wie hat sie geweint die arme Berta! Aber das Büblein war da und schrie in den Tag tinein. Der Walter war fon Noch in der gleichen Nacht ging er von uns nach einem anderen, «ntiernten Kommando. Uns blieb die Berta und ihr Kind. Mit einer seltsamen
Scheu standen wir alle, auch der Kaspar, um die breite Wiege. Dann nahm das Mitleid mit dem Kleinen kein Ende mehr. Bei Gott, mancher harte Bursch, der den Spaten tief im Moor umkehrte, der sagte bei seiner Arbeit: „Das wird ein Acker für die Berta und ihr Kind!"
Dann kam der Walter wieder zurück, da war es schon bald Herbst. Ihr wißt nicht, was das für ein Wiedersehen war! Wir heulten all« vor Freude. Er fragte verlegen gleich nach der Berta, der wir ein kleines Häuschen mitten in die Heide gesetzt hatten. Dort wohnte sie. Eine Handvoll blühender Erika, so machte Walter leise die Türe auf . . .
Nach einer Stunde kam er wieder, der große Mann und trug das Kind auf dem Arm. Er neckte den kleinen Wicht mit der freien Hand, und
der lachte, lachte das erstemal in seinem Leben ganz laut und froh. Und der Walter lachte leise mit. Dann ging er mit dem Kind in das Moor wohl an die zwei Stunden und kehrte erst wieder zurück, als er von unserer Arbeit genug gesehen hatte. Denn er führte wieder das Kommando.
Seitdem sind nun drei Jahre vergangen und der kleine Walter ist uns allen ans Herz gewachsen. Unsere Arbeit geht voran und die Saat der Rupp vom Walter befreit und wäre joh- Berta sind unser erstes Paar geworden und der Segen der Erde wird wohl bald wieder einkehren bei ihnen. Denn die Aecker stehen um uns auf und tragen Früchte. Und ein paar Kühe schwenken auf den neuen, fetten Wiesen die vollen Euter. Da möchten wir doch sehen, wie auch bei uns das Leben aufkeimt und daß Kinder da sind, die von uns essen.
vremer Künstler stellen aus
Auf die Bedeutung dieser Ausstellung, die augenblicklich in der Kunsthalle gezeigt wird — und in der lauter (nicht alle, wie aus Versehen geschrieben worden war) bremische Künstler, die Anspruch auf öffentliche Beachtung erheben dürfen, versammelt sind — haben wir in unserer Sonntagsnummer bereits hingewiesen. Hier nämlich wird dem Besucher die eigentümliche Seh- und Gestaltungsweise der Künstler unserer Landschaft deutlich. Im allgemeinen sagt man — im übertragenen Sinne — daß der Künstler des Nordens mit weichem Stift arbeitet. Das ist nicht unzutreffend und ist bedingt durch die Luftverhältnisse des Küstenlandes, die dem Gegenstand seine Umrisse nehmen. So könnte man sich kaum denken, daß ein Maler wie Hellmuth Westhoff anderswo sich hätte entwickeln, anderswo hätte schaffen können als bei uns. Das Blumenstllck. das wir von ihm sehen, gibt den bunten Knollen und Blüten wohl Körperhaftigkeit, aber es läßt sie in einen toni- gen Hintergrund übergehen. Auch Elisabeth
Noltenius' Herbstblätterstrauß hat dieses sanfte Uebergehen in den Grund. Unirdisch muten diese Blätter an man vergißt, was die Farbflecken bedeuten, und nimmt sie als Zeichensprache einer empfindsamen seelischen Aussprache. Emmy Meyer arbeitet ähnlich: sie liebt die Dämmerungen und sinkendes Licht, in dem das Körperliche flächig wird. Künstler dieser Art bleiben stch auch gleich, wenn sie vor fremden Landschaften sitzen, das beweist EmilRöders der eine Lagunenlandschaft aus kostbaren, toniq verfließenden Farben aufbaut.
^ Die weiche Behandlung schließt Stärke der ^arbgebung nicht aus. Das wird besonders deut-
zu Anna Plat« weitergehen. ^>hre Stilleben sind auch weich aus dem Erundton entwickelt, aber sie wirken trotzdem großartig fest, monumental Um das Maß, das den Dingen an körperlicher Substanz,genommen ist, gewinnen sie an sinnbildlicher Kraft. Das ist auch der Eindruck, den man von der Landschaft Udo Peters mitnimmt: ein feierlicher Glanz, der Hauch einer