parteiamtl.Iageszeitung der Nationalsozialisten Vremens
Das flmtsblatt des Senats der Freien Hansestadt Meinen _
Bremer Zeitung erscheint täglich (auch Montag?). Monatsbezug: RM. 2,80 einschl. 8l> Rps. Zustellungsgebühr; durch die Post RM. 2,3l> einschl. Ueberweisungsgebühr ausschl. Postvestellgeld. Der Bezugspreis ist im voraus zu entrichten. Postscheck Hamburg 172 72. Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch aus Erstattung oder Ersatz. NS.-Eauverlag Weser-Ems 8. m. b. H., Bremen, Am 8eeren 8—8 / Fernsprecher: Roland 623.
Nr. 216 / 5. Jalirgang
1 g Z 5
Mittwoch, 7. Nugust
Anzeigen-Grundpreise- Die 22-mm.Zeile im Anzeigenteil 12 Rps., die M.mm.Zeile im L-rtteil 7b Rpf. ErmSMate Erundpreise (sür kleine Anzeigen. Fomilienanzeigen u. a.) sowie sonstige Bedingungen lm Preisliste 4 (Nachlaßstasiel 0.) Für Anzeigen ^urch Fernspreche^ keme Ukr^
kinzelprels 15 Npf.
So wichlen frankreichs „freunde" aus Moskau
volschewistischec ftusruftr in der Staatswerft von vrest / Note Lappen „ersetzen" die Irikolore / Vier Schwerverletzte
Unssr IkigSsspsSge!
Mussolini hat neue Mobilmachungsmaßnahmen gegen Abessinien angeordnet.
Die Brester Staatswerft muhte wegen bolschewistischer Umtriebe geschlossen werden.
Dr. Gustav Krupp von Bohlen-Halbach, der Führer des Krupp-Konzerns, vollendet heute sein 85. Lebensjahr.
Für die Jnstizbeamten sind neue Bestimmungen über den Nachweis der arischen Abstammung ihrer zukünftigen Ehefrauen erlassen.
In der sowjetrusstschen Schwerindustrie sind von Beamten über 5 Millionen Rubel unterschlagen worden.
Die Mundartforschungsstelle „Niedersächsisches Wörterbuch" der Universität Eöttingen erlägt einen Ausruf zur Mitarbeit.
Anlählich des Steinbruchunglücks in Taschen- hof hat Dr. Ley dem Gauwalter der DAF. in Vreslau ein Beileidstelegramm gesandt.
I» Frankfurt a. M. wurden die deutschen Meister im Florettfechten ermittelt.
WWUW
„Hauptstadt der Velvegung"
Feierliche Verkündung im Münchener Rathaus München, 7. August.
Der Stadtrat München sprach am Dienstagvormittag in einer eindrucksvollen Festsitzung im Sitzungssaal des Rathauses, der mit Lorbeerbäumen und der Büste des Führers geschmückt war, für die Verleihung der offiziellen Bezeichnung „Hauptstadt der Bewegung" seinen herzlichen Dank aus. Die Mitglieder des Stadtrates waren zu der Feier im Ehrenkleid der Bewegung mit der goldenen Amtskette erschienen. Bürgermeister Dr. Tempel, der in Vertretung von Oberbürgermeister Dr. Fiehlcr sprach, hob hervor, dah diese Auszeichnung die größte Ehre sei, die einer Stadt erwiesen werden konnte. Diese Ehre müsse immer wieder aufs neue erworben und verdient werden. Sie bedeute für den Stadtrat auch erhöhte Pflichten. Dr. Tempel verwies dann darauf, dah in München die Denkmäler der Bewegung, die Meilensteine auf dem Wege des nationalsozialistischen Kampfgeistes, ständen. Er sei davon überzeugt, daß die Jugend Münchens im Geiste der Treue zum Führer aufwachse und sie sich des großen Vermächtnisses würdig erweisen werde.
Unterbindung des Zuzuges unerwünschter Elemente nach Berlin. Zwischen dem Staatskommissar der Hauptstadt Berlin, Dr. Lippert, dem stellvertretenden Gauleiter Görlitzer und dem Polizeipräsidenten Graf Hslldorf fand eine mehrstündige Besprechung statt; es wurden Maßnahmen in die Wege geleitet, die den Zuzug unerwünschter Elemente in die Reichshauptstadt in noch stärkerem Maße als bisher unterbinden.
Paris, 7. August.
Dienstag vormittag kam es aus der Staatswerft von Brest erneut zu Zwischenfällen, die noch bedeutend ernsteren Charakter trugen als die Kundgebungen am Montag. Die am Bau des Panzerkreuzers „Dünkirchen" beschäftigten Arbeiter weigerten sich, auch nur einen Handschlag zu tun, solange das militärische Wachkommando nicht entfernt sei. Als ihrer Forderung nicht nachgekommen wurde, alarmierten sie dir Belegschaft sämtlicher Abteilungen des Marinearsenals. Bald herrschte in der Werst Ausruhrstimmung. Gendarmerie und Mobile Garde, Kolonialtruppen und Marineinfanterie wurden eingesetzt, um die Werft zu räumen. Die tobende Belegschaft leistete erbitterten Widerstand und ging mit aller-
Rom, 7. August
In Rom werden Einzelheiten der neunten Mobilmachungs-Verlautbarung veröffentlicht. In dem amtlichen Text heißt es, infolge der fortschreitenden Mobilisierungsmaßnahmen der abessi- nischen Truppen habe der Duce als Kriegsminister die Mobilmachung zweier neuer Divisionen, der Division Asseta unter dem Befehl des Generals Riccardi und der Division Cosseria unter dem Oberbefehl des Generals Pintor, besohlen.
Die Division Cosseria werde durch eine Division Cosseria Nr 2 ersetzt, die Division Asseln durch eine neue Division Trento, die vollständig motorisiert sein werde. Außerdem sei als s e ch st e Schwarzhemden-Division die Division Tevere gebildet worden, die aus italienischen Freiwilligen im Auslande, Frontkämpfern, Freiwilligen und Kriegsverletzten des Weltkrieges zusammengesetzt sein solle. Ihre Führung übernehme General Boscardi. Die Freiwilligen aus der Slndentenschaft werden in Schnellkurse» auf die baldigste Eingliederung in die für Ostafrika bestimmten Truppenteile vorbereitet.
Es sind nunmehr 13 Divisionen für O st - afrika aufgeboten worden. Gleichzeitig mit der Veröffentlichung der neunten Mobilmachungsverordnung nimmt die römische Presse in Leitartikeln zu dieser neuen Maßnahme Stellung. Es wird ganz besonders hervorgehoben, daß die neue Schwarzhemden-Division vor allem aus Frontkämpfern des Weltkrieges zusammengesetzt sein wird, die sich freiwillig für den abessinischen Krieg gemeldet haben. Die polemischen Auseinandersetzungen und das Eingreifen des Völker
lei Wurfgeschossen, Steinen, Brechstangen. Flaschen usw. gegen die Truppen vor. so daß auf beiden Seiten Blutvergießen zu verzeichnen war. Die Werft wurde schließlich mit Gewalt geräumt und geschlossen.
Die Werftarbeiter zogen später unter dem Gesang revolutionärer Lieder durch die Straßen der Stadt, wo überall Militär zum Einschreiten bereit steht. Die Marinepräfekiur wird von einem starken Eendarmerieausqsbot bewacht
Ein Autobus wurve von den Demonstranten angehalten und vollkommen zerstört. Als der Schnellzug Bre st — Paris gegen 13,3t) Uhr den Bahnyos verlassen wollte, kletterten mehrere tausend Arbeiter über die Einfassungsmauer der Gleisanlagen und stellten sich auf die Schienen, so daß der Lokomotivführer den Zug anhalten
bundes würden den Lauf des italienischen Willens weder aufhalten noch ablenken.
„vollkommen frei"
Mailand, 7. August.
Die Zeitung „Carriere della Sera" wendet sich gegen die vom britischen Völkerbundsminister Eden nach Schluß der Genfer Tagung gehaltene Rundfunkrede, in der er ankündigte, daß der Rat am 4. September nach den im Völkerbundspakt vorgesehenen Verpflichtungen handeln werde Man müsse sich fragen, wie Eden in der Lage sei die künftigen Beschlüsse des Völkerbundes schon jetzt zu verkünden. Die Genier Beschlüsse hätten nur formellen Wert, da das Wesen der Frage unverändert bleibe.
Die „Eazetta del Popolo" in Turin schreibt Italien beharre auf dem Standpunkt, daß der italienisch-abessinische Streitfall in seiner Gesamtheit nicht vom Völkerbund behandelt und gelöst werden dürfe. Mmn daber die Ratstaaunq vom 4. September nicht verschoben werde, werde Italien nicht zögern, die seinen Belangen entsprechenden Beschlüsse zu fassen, selbst wenn sie dem Völkerbund den Todesstoß versetzen würden. In der Zwischenzeit sei Italien vollkommen frei, seine militärischen Vorbereitungen zu Ende zu führen, die um so notwendiger seien, als der Kaiser von Abessinien gleichfalls eifrig rüste.
Sonderkriegssteuer in ftbeffmien
Addis Abeba, 7. August
Dem Vertreter des Deutschen Nachrichtenbüros wurde im abessinischen Auswärtigen Amt erklärt, falls Italien unmittelbare Verhandlungen mit
mutzte. Die Streikenden koppelten daraufhin die Lokomotive ab und brachten sie ins Depot.
Eine andere Gruppe von Streikenden begab sich inzwischen vor die Präfektur, wo die Trikolore, die am Haupteingang angebracht ist. abgerissen und durch einen roten Lappen „ersetzt" wurde. Der Unterpräfekt entfernte ihn jedoch sofort wieder unter dem Geschrei der Streikenden. Daraufhin warfen die Streikenden fast sämtliche Fensterscheiben der Präfektur ein. Alle Geschäfte der Hauptstraßen sind geschlossen.
Bei den Zusammenstößen, die sich im Laufs des Vormittags ereigneten, wurden nach bisher vorliegenden Meldungen vier Personen schwer verletzt. Es handelt sich um zwei Angehörige der Polizei und zwei Arbeiter des Arsenals.
(Siehe auch Seite 2)
Abessinien anbieten würde, die letzten Endes doch nur darauf hinzielen würden, die Streitfragen der internationalen Erörterung zu entziehen, so würde die abessinische Regierung ein derartiges Ansuchen ablehnen.
Uebrigens hat, was eine etwaige feindliche Auseinandersetzung mit Italien betrifft, Abessinien eine Sonderkriegssteuer eingeführt, die 5 Millionen Pfund S'crling erbringen soll.
knslsnd ftchorl r»on Sl»o;-Kanai
Alcxandrien, 7. August
Auf Anfrage nach Gerüchten über britische militärische Vorbereitungen am Suez-Kanal erklärte der erste Sekretär des ägyptischen Ministerpräsidenten, hierüber nicht sprechen zu können. Diese Erklärung bestätigt öffentlich die Nachrichten über den Ausbau von Flotten- stützpunkten bei Suez und längs des Kanals sowie über militärtechnische Vorbereitungen anderer Art.
Die Hafenarbeiter in Port Said haben beschlossen, die Arbeit für italienische Schiffe im Falle des Ausbruches der Feindseligkeiten zu verweigern.
Japan widerruft
Tokio, 7. August
Amtlich wird mitgeteilt, daß die Meldungen der Londoner Presse über japanische Waffenlieferungen nach Abessinien falsch sind. Die japanische Regierung habe keine Genehmigung für die Ausfuhr von Munition und Waffen nach Abessinien erteilt.
Sie politische Wftrung
In der Nationalsozialistischen Parteikorrespondenz lesen wir die folgenden wichtigen Bemerkungen zu einer Reichsgerichtsentscheidung.
Das Reichsgericht hatte sich kürzlich mit der Frage zu beschäftigen, ob ein SA.-Führer unter bestimmten Voraussetzungen als Beamter anzusehen sei. Dies ist eine Frage von juristischer Bedeutung, über die hier nicht diskutiert werden
Vr. öoebbels' Nede im Nundfunk
Berlin, 7. August.
Die Rede des Reichsministers Dr. Goebbels am 4. August auf der Gautagung in Essen, in der er die große Abrechnung mit allen Staatsfeinden hielt, wird von den Reichssendern zu folgenden Zeiten wiederholt: Reichssender Berlin: am heutigen Mittwoch. 18-19.45 Uhr; Breslau: Mittwoch. 19.15—29 Uhr; Frankfurt: Donnerstag, 21.15 bis 22 Uhr; Hamburg: Mittwoch, 19—19.45 Uhr; Köln: Donnerstag. 19.28-20.05 Uhr; Königsberg: Mittwoch, 19.15—2» Uhr; Leipzig: Mittwoch, 19—19.45 Uhr; München: Mittwoch, 19 bis 19.45 Uhr; Stuttgart: Mittwoch, 19—19.45 Uhr.
soll. Wohl aber sind Anmerkungen zu der Begründung erforderlich, die das Reichsgericht für seine Entscheidung, die die Frage verneinte, anführt und die sowohl, in Fach- wie Tageszei- tungen Abdruck fanden.
An Hand dieser juristischen Streitfrage gibt das Reichsgericht eine längere Darlegung darüber, wie — nach seiner Auffassung — das Verhältnis zwischen Partei und Staat gestaltet ist. Diese Auffassung ist deshalb bemerkenswert und korrekturbedürftig, weil sie mit eindrucksvoller Deutlichkeit zeigt, wie wenig das wirkliche Wesen der NSDAP. manchmal auch heute noch erkannt und logisch durchdacht wird.
Wenn das Reichsgericht in seiner Entscheidung versucht, aus den Aufgaben der Partei diejenigen herauszustellen, die zur juristischen Einordnung in bekannte staatsrechtliche Systeme geeignet sind, so führt dieser Versuch zu dem gefährlichen Ergebnis, daß ein neues und falsches Bild von den Rechten und Pflichten der NSDAP. entsteht. Eine Auseinandersetzung mit der nur zum Teil richtigen Darstellung dieser Entscheidung, soweit von der politischen Aufgabe der NSDAP. darin die Rede ist, ist notwendig, um manche falschen Auffassun-
Immer neue MWnen nach Gasrika
Me Spannung In Nom und Wdis flbeba dauert unvermindert an
Karl Liitge
Das Mädchen auf der Briefmarke
Das Mädchen auf der Briefmarke ist ein Bauernkind. Es gelangt zu dem seltenen Ruhm, auf Briefe zu kommen, die in alle Welt gehen.
Wer ist die Bauerntochter, und warum wird gerade ihr Bild Millionen Menschen vorgeführt?
Darf ich etwas weiter ausholen, um von diesem jungen Bauern-Maidle aus dem Schwarzwald zu erzählen?
Die Malerin Irene von W. drang beim Kuraufenthalt im Elotterbad im Südschwarzwald gelegentlich über die Gehegtheit des kleinen Bades unterm Kandel hinaus bis ins lange Taldorf. In fast zehn Kilometer Länge verläuft das Tal bebaut, es reicht von der Höhe bei St. Peter bis in die Freiburger Bucht, und jeder in Baden weiß, daß da ein gehaltvoller, berühmter Wein wächst und daß die stolzesten schwarzwälder Werktagstrachten in der Talmulde von Frauen und Mädchen getragen werden.
Diele Trachten, die. weiten bauschigen Röcke, bunten Schürzen, Mieder, Puffärmel und neckischen weißen oder schwarzen flachen Strohhüte mit langen Samtbändern hielt die Malerin im Bild fest. Vom gebietenden Herrn des Elotter- Lades hörte sie dann von den übrigen Tälern mit Tracht, vom Mühlbachtal und Prechtal, von St. Peter und Eutach. In Gutach, dem reichen Taldorf nahe Triberg, fesselte die Malerin im Aushang des Dorfphotographen ein Kopf — Ein Bauern- mädchen mit schmalem, klugem, ausdrucksvollem Gesicht und großen Augen, in denen der lleber- gang vom Kind zum Mütterlichen stark auffällig war.
Die Malerin malte dieses Mädchen. Es hieß Anna Zwick. Das Bild und die Zeichnungen von Anna Zwick machten auf die Gutacher Trachten, diese bekanntesten Trachten des Schwarzwaldes, deren äußeres reiches Ausdrucksbild der schwere Bollenhut ist, zu einer Zeit wieder aufmerksam, wo altes Brauchtum und Tracht wen'z galten.
Unsere Zeit, die wieder weiß, daß Tracht der Ausdruck und der Spiegel der Volksseele ist, nahm die Bilders zumal die Lichtbilder, die von Elotter- tälern und Eutachern und anderen Trachten von Zeitschriften und Büchern gebracht wurden, freudig auf.
Anna Zwick erschien in Zeitschriften, in Bilderaufsätzen und als Alleinbild, häufig auf den Titelseiten der größten Zeitschriften; das Maidle, das jetzt erst kaum 23 Jahre zählt, fuhr in den drei letzten Jahren in der Welt herum, als Schwarzwaldmädle nach Berlin zur Grünen Woche, zur Trachtenschau nach Karlsruhe, zu Volkstumskundgebungen im Elotterbad und in Königsberg, über den Rhein hinüber zu den Trachten dort, die die Verwandtschaft rechts und links des deutschen Stromes unterstreichen sollten.
Dies Mädchen, diese kleine, zierliche Anna Zwick, die so unauffällig durch das behäbige Taldorf geht, wurde als vollendeter Ausdruck der Schwarzwälderinnen überhaupt bezeichnet und durch ihr Bild entsprechend gewürdigt. Ein kleines Bauernmädchen-
Im Hanselbauernhof ist sie zu Hause, die zierliche. kleine Anna Zwick. Das ist einer der stolzesten, herrischsten und doch behaglichsten der alten Schwarzwaldhöfe da unten in der Südwestecke des Reiches. Ein mächtiges Dach beschirmt das riesige Holzhaus; um den ersten Stock läuft eine Galerie. Die Scheiben sind blank und fangen das Grün des gesegneten Tals und den Himmel.
Nummer 258 heißt die Hausnummer. Wohlweislich hält sich der Hof mit der Hausnummer 238. einer unter vielen im zehn Kilometer langen Taldorf, etwas seitab der Straße, die heute vom Gebraus des großen Autoverkehrs (Offenburg— Triberg—Bodensee) erfüllt ist. Die Züge über die Schwarzwaldbahn fahren weiter drüben mit langen Rauchfahnen und vielen vollbesetzten Wagen vorüber.
Anna Zwick mit ihren dreiundzwanzig Jahren hat schon viel gesehen. 2ns Elottertal hinüber führt ihr liebster Weg. Dort hängt das erste Bild von ihr, das Bild der Malerin Irene v. W. Sie geht aber nicht des Bildes wegen dorthin. Freundschaft besteht zwischen den Mädchen drüben und hüben, wie zwischen den Mädchen von jenseits des Stromes und denen hüben. Von Elotterbad kam auch Hilfe, als die schwere Last der Wirtschaft den beiden Frauen, Mutter und Tochter, und den beiden Knechten, erdrückend schwer wurde. Der Erbhofbauer ist tot, zwei Frauen allein bewirtschaften den Hof.
Ein Schwarzwaldbuch erscheint in Kürze. Anna Zwick kehrt auf vielen Bildern dort wieder. Sie wurde zum Lieblingsmodell des Trachtenphotographen Retzlaff. Die kleine Anna Zwick, Tochter des Erbhofes im Eutachtal, zeigt ihr Gesicht und ihre schöne, stolze, frohstimmende Tracht taufenden, zehntausenden, Hunderttausenden Menschen.
Bald werden es Millionen sein.
Eine Serie neuer Briefmarken ist im Druck. Wohlfahrtsbriefmarken. Die alten deutschen Trachten sollen lebendig bleiben; ihr tiefer Sinn soll allen kenntlich werden, ihre Schönheit jeden Menschen erfreuen. So sollen auf Briefmarken, die im Spätsommer herauskommen, die lebendigsten Trachten, Frauentrachten aus
Zeitungen!
Beschimpft von vielen, also unentbehrlich, erscheint sie täglich auf dem Tische.
Liebe Herren, seid mal ehrlich, ohne Zeitung wärt ihr stumm wie Fische. Alle sprächt ihr spätestens um halber Zehne: Was ist denn nur mit mir? Ich g . . . ähne!
(Fontäne)
Schäbig, wenn wir dies Jubiläum übersähen! Gerade dieses. Daß vor 30 Jahren die Zeitungen in den deutschen Vundesstaaten die Straßen freibekamen, verkauft und gekauft werden konnten, wie s beliebte. Und ob es beliebte! Die Leute bestaunten in hellen Haufen die Zeitungsstände.
Schwarzwald, Schwaben, Friesenland, Spreewald usw. abgebildet werden.
Retzlaffs Lieblingsmodell, die Anna Zwick aus Eutach, erscheint auf der 12-Pfennig-Marke.
Das Mädchen auf der Briefmarke, dies junge Ding, ist zierlich, doch durchaus echt, vom Gang bis zur Sprechweise schlicht und natürlich, lacht gern, aber immer mit ernstblickenden, fragenden Augen. Sie ist heute noch so wie ich sie vor drei Jahren im Glottertal traf; eher noch etwas wissender und ernster in den Augen. Vielleicht hat sie schon zu viel gesehen, mehr als einem Bauernkind zukommt, das an die Scholle gebunden ist?
Millionen wird sie demnächst vor die Augen geführt. Sammler werden die Marke mit dem feinen Gesicht oft und oft betrachten. Das Bild auf der Marke wird wahrscheinlich die vielen Photographien und die Bilder, die von ihr gemalt und geknipst worden sind, noch überdauern.
Diese winzigen Papierstückchen, mit dem Bild eines Mädchens, statt eines Herrschers mit klangvollem Namen, wirken als Ausdruck unserer Zeit: Seht, das ist ein deutsches Bauernmädchen vom Schwarzwald; so mag ihre Urgroßmutter ausgesehen haben, so werden ihre Enkelkinder aussehen. So ist der Mensch von der Scholle im Schwarzwald.
Zeitungen!
Wenn nach Ladenschluß aller andere Straßen- handel verboten war, konnte man immer noch eine Zeitung holen. Lassen sich die Zeitungshäuschen oder die mannshohen farbigen Tafeln an Straßenkreuzungen und in Hausfluren, wo ein Blatt neben dem andern prangt und die Menschen anruft, aus dem Straßenbild wegdenken? Sie gehören dazu, sie beleben die Straße, das viele „Schwarz auf Weiß" ist der feinste Reiz der großen Städte.
Ich sehe noch die Augen eines Arbeitslosen, diese hungrigen Augen, an die großen schwarzen Blöcke der Kopsüberschriften geschmiedet. Aber bei -en entscheidenden Zeilen waren die Zeitun
gen gefaltet. Da trat ein Herr heran, ein guter Beobachter, drei Zeitungen kaufte er, drei Zeitungen drückte er dem Arbeitslosen in die scheuen Hände. Der starrte ihn erschrocken an: „Für
mich?" — „Natürlich", der Herr nickte nur. Diese Freude! Die blassen Backen des Beschenkten röteten sich. Ein schöner, langer Abend lag vor ihm.
Ein Wunder ist die Zeitung, wahrhaftig. Nicht die siebente Weltmacht, dip erste ist sie, die Wetterwarte der Zeit, wo das Wetter (die öffentliche Meinung) gespiegelt und beeinflußt wird. Allgegenwärtig scheint die moderne Presse. An den Entdeckungen und Geschehnissen aus aller Welt beteiligt sie den Leser. Seine Freude am Neuen, sein eingeborenes Bedürfnis nach Anteilnahme wird hier erfüllt. Wieland, ein großer Journalist, rief: Die Presse ist Angelegenheit des ganzen Menschengeschlechts. Man raube uns dies Licht, das freilich danach trachten muß, in der Wahrheit zu leuchten, und wir sinken verarmt in Finsternis." Ein vrophetisches Wort!
Interessant wollen die Zeitungen sein, also „mitten drin", wo das Leben am frischsten fließt. Die Zeitungen sind volksbildend, d, h, sie bilden zunächst einmal Volk, sie schließen die verschiedensten Schichten und Stände zu einem einheitlichen Leserkreis zusammen. Jede Kulturzeitung hat etwas von der „großen Hebammenkunst" des Sokrates: sie entbindet durch anregende Fragen eigene Gedanken des Lesers. Darauf kommt es an. Sie gibt die Goldbarren der Wissenschaft in gültiger Tagesmllnze in den Verkehr. Knappes, geprägtes, volkstümliches, offenes Wort zeichnet ste aus, so daß Nietzsches höhnisches „Schweinedeutsch — Verzeihung, Zeitungsdeutsch" längst überholt ist. Heute schult man sich am Zeitungsdeutsch. „Retterin in Wirtschaftsnot" wird bis Presse in einem Buche Dr. Goebbels' genannt. Unersetzbar für Hauswirtschaft, Stadtwirtschaft, Volkswirtschaft. „Waren, die des Anzeigens nicht wert sind, sind auch des Verkaufens nicht wert". Stimmt,
„Zeitungen! Zeitungen!" Der Zeitungsver- käuser hat es nicht leicht. Wenn das Quecksilber stürzt oder wenn es Bindfaden regnet, stehen die unbekannten Soldaten der Weltmacht-Presse und frieren. An schönen Sommertagen ist es besser.