parteiamtl.Iageszeitung der
Nationalsozialisten Vremens
Das Amtsblatt des Senats
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der Freien lzanlestadt Dremen
Nr. 297 / Z. Zalirgang
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Sonntag, 27. Oktober
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kinzelpreis lS Npf.
„Wir alle lind von tiefer Iraner erfaßt"
der fülirer nimmt stbschied von Mllielm toeper / feierliche öeisetzung des verstorbenen Sauleiters und Neichsstattstalters
Unser Vagesspiegvl
Bei der Beisetzung Wilhelm Loepers hielt der Führer eine ergreifende Gedenkrede.
Hermann Göring wurde in Vreslau Lei der Ueberreichung der Ehrenbürger-Urkunde lebhaft gefeiert.
Reichsminister Dr. Frank kündigte die Reform des Ehescheidungsrechts an.
Durch eine Verfügung des Reichsschatzmeisters ist die Ausnahme der Mitglieder der HJ. und des VDM. in die NSDAP. geregelt worden.
Die belgische Regierung mutzte Matznahmen zur Bekämpfung der Teuerung erlasse«.
Herriot wurde wieder zum Vorsitzenden der Radikalsozialistischen Partei gewählt.
Die italienische Somali-Front steht im Zeichen eines verstärkten Tank-Einsatzes.
Wegen Ueberhöhung der festgesetzten Speckpreise ist ein Bremer Unternehmer in Geldstrafe genommen worden.
Senator Dr. von Hoff erließ neue Bestimmungen für Bremens Schulen zur Pflege und Reinerhaltung der deutschen Muttersprache.
Die Bemühungen der „Bremer Zeitung" um die Entdeckung der unterirdischen Gänge Bremens ergaben neue Blickpunkte.
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fldolf Hitler zeichnet einen Straßenbaiinfülirer aus
Berlin, 27. Oktober.
Der Straßenbahnfahrer Arthur Retzke in Berlin hat bei dem schweren Einsturzunglück an der Baugrube der Hermann-Göring-Strahe am 20. August dieses Jahres durch sein geistesgegenwärtiges und entschlossenes Verhalten seinen mit etwa SO Fahrgästen besetzten Stratzenbahnzug vor dem sicheren Absturz in die Baugrube bewahrt. In der Anerkennung dieses umsichtigen Verhaltens hat der Führer und Reichskanzler dem Straßenbahnführer Retzke die Erinnerungsmedaille für Rettung aus Gefahr verliehen. Der Reichs- und Preußische Minister des Innern Dr. Frick hat am 28. Oktober Erinnerungsmedaille und Urkunde persönlich dem Ctraßenbahnführer ausgehändigt und ihm seinen Eliickwunsch ausgesprochen.
Achtung! Mutordenstriiger!
Zum s. November 1938
München, 27. Oktober.
Der Traditionsgau München-Oberbayern gibt bekannt: Die Träger des Blutordens sowie
Parteigenossen, die im Besitze einer gelben Teilnehmerkarte sind und aus dem Reich nach München fahren, müssen sich wegen Benützung des Sonder- zuges, der von jedem Gau in die Hauptstadt der Bewegung fährt, mit ihrer zuständigen Gau- leitung in Verbindung setzen.
gez. Otto Nippold.
öeamtenschaft Im Oienst des WHW.
Der Reichsbund spendet 299 999 RM.
Berlin, 27. Oktober.
Ter Reichsbund der Deutschen Beamten, dessen Mitglieder wie in den Vorjahren auch in diesem Winter ihren Opfersinn und ihr soziales Empfinden im Kampf gegen Hunger und Kälte sichtbar bekunden werden, hat dem Winterhilsswerk einen Betrag von 200 000 RM. zur Verfügung gestellt. Mit dieser Spende stellt der Reichsbund der Deutschen Beamten unter Beweis, daß er festen Willens ilt, im Kampf gegen Not und Elend mit in vorderster Front zu'stehen, um zu seinem Teil den bedürftigen Volksgenossen zu helfen.
stuf Hölzer See verschollen
Hamburg, 27. Oktober.
dit längerer Zeit ist der Hamburger -torsegler „Elfe Kuehlke" verschollen. Bord befanden sich außer dem Schiffseigner le beiden Söhne, ein Motorenwärter und zwei iifsjungen. Zwei Leichen, die bei Terscheinng seschwemmt wurden, sind als Besatzungsmrt- -der der „Elfe Kuehlke" wiedererkannt worden, n der übrigen Mannschaft fehlt jede Spur.
beiden Panzerschiffe der deutschen Kriegs- >c „Deutschland" und „Admiral Schecr . die dem Kommando des Befehlshabers oer stchifse, Konteradmiral Carls, zu einer ^r- mgsfahrt in den Atlantik ausgelaufen waren, i Freitag vor Funchal auf Madeira geanten.
Sank an einen -er flllertreuesten
Dessau, 27. Oktober.
Ein trüber regnerischer Harbstmorgen geht über der anhaltinischen Hauptstadt auf, die dem entschlafenen Reichsstatthalter, Gauleiter Loeper, so viel verdankt. Immer neue Menschenmassen strömen hinein in die Stadt. Kein Haus, an dem nicht eine umflorte Fahne weht. In vielen Fenstern sieht man das Bildnis des Reichsstatthalters mit Blumen geschmückt und schwarz umflort. Die Arbeit ruht teils während des ganzen Tages, teils während der Beisetzungsstunde. Die Werke, die Hauptmann Loeper zu neuem Leben erweckte, liegen still, ihre Belegschaften ordnen sich ein in den Riesenzug von Dessau nach Mildensee. Auch die Geschäfte haben geschlossen. Im Friedrich- Theater ilt der tapfere Streiter Adolf Hitlers im Schmucke der Kränze, Blumen und Orden aufgebahrt. Ter Vlutorden kündet von dem Mute des ehemaligen Pionierhauptmanns in schwersten Stunden der Bewegung. Piel zu klein ist der Raum, um alle die zu fassen, die den feierlichen Staatsakt zum Erlebnis werden lassen möchten.
flnkunst des sükrers
Um 10.18 Uhr war der Sonderzug des Führers auf dem Bahnhof eingelaufen. Der stellvertretende Gauleiter Eggeling erstattete Meldung. In langsamer Fährt ging es dann durch ein dichtes Spalier zum Friedrich-Theater. Vor dem Theater erstatteten der Divisionskommandeur, die Führer der Ehrenkompnie des Infanterieregiments 33, der Leibstandarte und der Trauerparade, dem Führer Meldung. Der Führer begab sich mit seiner Begleitung in das Theater. Er sprach zunächst FrauLoeper in herzlichen Worten seine persönliche Anteilnahme aus. Frau Loeper nahm zwischen dem Führer und dem Stellvertreter des Führers Rudolf Heß Platz. In der großen Trauerversammlung erblickte man fast alle Reichsleiter, Reichsführer SS. Himmler, SA.-Stabschef Lutze, fast alle Gauleiter, die Minister der Länder Anhalt und Vraunschweig, das gesamte Führerkorps des Gaues Magdeburg-Anhalt sowie die Führer sämtlicher NS.-Formationen.
See Staatsakt beginnt
Das mystische überirdische Parsifal-Vorspiel erklingt. Der Gesangschor „Sei getreu bis in den Tod" leitet über zu den Traueransprachen. Als erster spricht der anhaltische Staatsminister Freyberg. Er erinnert an die alte Kampfgemeinschaft, an die Zeiten, da er als Verteidiger den Hauptmann aus das Magdeburger Gefängnis führen konnte und schildert das Charakterbild des Toten mit den Worten: Rücksichtslos gegen sich selbst, aber unerbittlich gegen die Feinde Deutschlands führtest du mit heiligem Eifer und innerer Glut den Kampf. Dein Wort war gewaltig und gewann dir die Herzen des ganzen Landes Anhalt. So führtest du in Anhalt den Nationalsozialismus zum Sieg."
Herzliche Worte fand der Minister für die Liebe des Dahingeschiedenen zum Lande Anhalt, seiner engeren Heimat: „Jeder Bittsteller wurde von
dir angehört, ob es kleine oder große Nöte zu lindern galt. Immer warst du hilfsbereit. Du kanntest und liebtest in Anhalt jeden Baum und Strauch, und jeder Mensch in Anhalt, ob jung oder alt, kannte dich und hing an dir, unserm Hauptmann Loeper." Nachdem der Minister noch auf die große Liebe des Toten für die Kunst, in
der er seine einzige Erholung fand, eingegangen war, schloß er mit den Worten.
Dein heiliger Glaube an Deutschland und an die hohe Sendung des Führers ist bei uns geblieben und wird uns weiter führen. Du bist dem Führer und dir treu geblieben bis zum Tode."
Der braunschweigische Ministerpräsident Klag- ges griff in seiner Ansprache zurück auf die Tätigkeit Loepers während der Kampfzeit in Braunschweig. Jede Loeper-Versammlung, so sagte er, war für die kleine Schar der alten Braunschweiger Parteigenossen eine Erholung, eine Kraftquelle und ein Sprung nach vorn, bis zur endgültigen Durchsetzung des Sieges des Na
tionalsozialismus. Ministerpräsident Klagges hob I besonders die Tätigkeit Loepers auf dem Gebiet s der Volkswohlfahrt hervor. Niemals habe man ihn befriedigter gesehen, als wenn er die Meldung entgegennehmen konnte, daß wieder eine Arbeitsstätte eröffnet oder gegründet sei. Das Wohl der großen Masse aller schaffenden Menschen lag ihm besonders am Herzen; er fühlte sich für das Wohl eines jeden einzelnen verantwortlich. „Wenn etwas imstande ist," so schloß der Ministerpräsident, „uns über den schweren Verlust zu trösten, den wir erlitten haben, dann ist es das hohe Vermächtnis, das uns der dahingeschiedene Parteigenosse, Kamerad und Freund in seinem Lebensweg und in seinem Lebenswerk hinterlassen hat.
Sie Anspräche des sülzrers
Dann sprach der Führer. Mit tief bewegten, alle Herzen ergreifenden Worten des Dankes und der Teilnahme nahm der Führer Abschied von seinem alten Mitkämpfer und Gauleiter: „Wenn das Schicksal einen Mann besonders lieb. hat und ihm das Schönste auf der Welt schenken will, dann gibt es ihm treue Freunde, Männer, die Freud und Leid mit ihm gemeinsam zu ertragen entschlossen sind, Männer, die nichts irre machen kann, Männer, die gerade in den Tagen der Not besonders hart und entschlossen zu ihm stehen.
Dieses Glück ist mir wie wohl wenigen Menschen auf der Welt im reichsten Maße zuteil geworden. In der Zeit des großen Ringens um Deutschland, als ich auszog, mir eine Schar zu werben, um diesen Kampf mit mir zusammen zu bestehen, da fanden sich Männer zu einer Gefolgschaft zusammen, wie wir sie nur aus alten Heldensagen kennen. Aber dieses Glück langer Jahre, es wird zum Schmerz, wenn ich es nun erlebe, wie der eine oder andere aus dieser Kampfgemeinschaft abberufen wird.
Zum zweiten Male in diesem Jahre stehen wir an der Bahre eines Kampfgenosse» in diesem Streit um Deutschland. Und wenn ich heute spreche, dann rede ich als der glückliche und doch jetzt io unglückliche Führer, der einen seiner alten Garde nun zu Grabe geleiten mutz, einen Mann, wie es auch in unserer Bewegung nur wenige gibt.
Er ist einst zu mir gekommen, als von dieser Bewegung nichts anderes zu erwarten war als Opfer und Sorgen, Verfolgungen und Schmähungen. Er kam zu mir, als ich — selbst ein gefangener Mann, wehrlos und von vielen ausgegeben — ihm gar nichts bieten konnte. Damals, da stieß zu jener Schar unzertrennlicher Männer, die entschlossen waren, den Kampf für ein neues Deutschland unter allen Umständen und auf jede Gefahr hin sofort wieder aufzunehmen und weiterzuführen, auch dieser unbekannte Parteigenosse.
Es war wirklich nur die Liebe zuDeutsch- land : denn sein Eingang in die Bewegung war verbunden mit den schwersten persönlichen Opfern; denn dieser Mann war vorher Soldat gewesen, und er konnte nichts anderes gewesen sein als ein Soldat, Soldat aus der ganzen inneren Hingabe an diesen Beruf. Und nun mußte er aus der Armee scheiden, da er sich für die Bewegung entschied. Das war sein erstes schweres Opfer, das erste Zeugnis der Liebe zu Deutschland.
Und dieser Mann der grenzenlosen Liebe zu Deutschland war auch ein Mann einesuner-
schütterlichen Glaubens; denn er kam nicht in dem Augenblick, da auch dem Zweifler Uie Zukunft der Bewegung als etwas Selbstverständliches vor Augen stehen mußt«. Nein, er kam in dem Augenblick, in dem viele, viele verzagten, da das andere Deutschland schon glaubte, triumphieren zu können.
In dieser Stunde entschloß sich dieser Mann, zur Bewegung und damit zu mir zu kommen. Und diesen Glauben, den hat er gehabt in all den schweren Zeiten, die wir durchkämpften. Wir haben damals nicht davon geredet. Aber die ihn kannten und erlebten, die haben ihn kennengelernt als einen Mann des unerschütterlichen Glaubens, der in keiner Sekunde daran zweifelte: Deutschland wird wieder auferstehen durch diese Bewegung. Es mutz uns gelingen und es wird uns gelingen, mag gegen uns stehen, wer will!
Und dieser Glaube, der sich bei ihm in einer klaren und hellseherischen Hoffnung offenbarte, der hat sich verbunden mit einer einzigartigen Treue.
Es ist heute für Millionen, die zu uns gestoßen sind nach dem großen Kampf, und für die Millionen, die, vielleicht gebannt von dem Erfolg der Bewegung, neben uns und hinter oder seitwärts von uns marschieren, gar nicht verständlich, was . diese Bewegung von ihren Mitkämpfern an Treue fordern mußte, wie groß die Versuchungen waren, die laufend an die einzelnen Männer herangetreten sind. Wie auf der einen Seite das scheinbar. Aussichtslose des Beginnens sich verband mit den lockendsten Versprechungen auf der anderen Seite, und wie zu alledem manchesmal ja auch eine tiefe Verzagtheit stoßen mußte, wenn sich alles gegen uns verschworen zu haben schien und wenn es oft aussah, als ob uns das Glück ganz und gar verlassen hätte. Wenn ich selbst damals als der bestgehaßte Mann in Deutschland stand, wie leicht konnte da nicht die Versuchung an den einen oder anderen herankommen und ihm den Zweifel eingeben, ob es wohl gelingen kann, und selbst, wenn es gelingen sollte, ob das wiederum der Mann ist, der dieses Werk zum Erfolg führen wird, ob nichr das Schicksal einen anderen bestimmt hat oder ob die Zeit dazu überhaupt schon gekommen ist? Ich weiß, es gibt keinen dieser Mitkämpfer, auf den nicht diese Versuchung gestoßen wäre. Einige sind ihr erlegen, die große, die weitaus große Mehrzahl meiner alten Garde aber. sie hat standgehalten.
(Fortsetzung auf- Seite 2)
Nachwuchs Her Partei aus HZ. und VMN.
Mlerjungen werden nach Vollendung des 1S., die Mädchen nach Vollendung des 21.Lebensje ss unter
bestimmten Voraussetzungen in die NSVflp. aufgenommen
Berlin, 27. Oktober.
Der Reichsschatzmeister der NSDAP., Schwarz, hat folgende Anordnung erlassen:
Der Führer hat verfügt, daß die Angehörigen der Hitler-Jugend und des Bundes Deutscher Mädel künftighin unter bestimmten Voraussetzungen als Mitglieder in die NSDAP. ausgenommen werden. Aus diesem Grunde hebe ich hiermit alle bisher erschienenen Verfügungen und Anordnungen betr. die Ausnahmen von Angehörigen der Hitler-Jugend und des Bundes Deutscher Mädel auf. 2m Einvernehmen mit dem Reichsjugendsührer bestimme ich nunmehr folgendes:
lerjungen werden nach Vollendung des msjahres und die Mädchen des BDM. llendung des 21. Lebensjahres in die ;. unter folgenden Voraussetzungen
itlerjungen müßen vier Jahre ununter- vor ihrer Aufnahme in die NSDAP. der ugend angehört haben. Die Mädchen des nüssen dem Bunde vier Jahre ununter- vor ihrer Aufnahme in die NSDAP. - haben.
sietzuna für die Ausnahme der Jungen idel in die NSDAP. ist ferner, daß sie
durch eifrige Erfüllung ihrer Dienstobliegenheiten und tadellose Führung innerhalb und außerhalb des Dienstes sich in Gesinnung und Charakter als zuverlässige Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen erwiesen haben und die Gewähr bieten, daß sie auch nach Aufnahme in die Partei wertvolle Mitglieder der NSDAP. werden.
Die Anmeldung der einzelnen Jungen und Mädel hat mit den üblichen ordnungsgemäß ausgefüllten Aufnahmescheinen zu erfolgen. Die Aufnahmeerklärungen sind auf dem Dienstweg, also über die Ortsöruppen oder Stützpunkte'und die Gaue an die Reichsleitung einzujenden. Mit der Aufnahmeerklärung ist gleichzeitig eine Bestätigung der zuständigen Dienststelle (des Bann- führers bzw. der llntergauführerin) über die Zu- ehörigkeit zu den Organisationen und die bis- erige Führung vorzulegen. Eine Aufnahmegebühr ist weder von den Angehörigen der Hitler Jugend noch von denen des MDM. zu entrichten Es wird allen Dienststellen zur Pflicht gemacht, nur die Aufnahmescheine solcher Jungen und Mädel vorzulegen, die das 18. bzw. das 21 Lebens- jähr bereits vollendet haben.
2. Angehörige der Hitlerjugend und des Bundes Deutscher Mädel, die das 18. bzw. 21. Lebensjahr bereits überschritten haben und bis heute aus irgendwelchen Gründen nicht in die Partei
aufgenommen worden sind, können nachträg - lich noch in die NSDAP. aufgenommen werden. (In diesem Falle ist die Bescheinigung über die -Zugehörigkeit zu den Organisationen und die Zuverlässigkeit durch den Eebietsführer bzw. die Obergaufllhrerin zu erstellen.) Es gelten für diese Volksgenossen dieselben Voraussetzungen, wie für diejenigen Angehörigen der HJ. und des VDM., die unmittelbar nach Vollendung des 18. bzw. 21- aus der Jugendorganisation in
die NSDAP. übergeführt werden. Eine Aufnahmegebühr wird gleichfalls nicht erhoben.
Für diese unter Ziffer 2 aufgesührten Angehörigen der Jugendorganisationen wird als letzter Termin für die Vorlage der Aufnahmeerklärungen bei der Reichsleitung der 31. Dezember 1938 bestimmt.
3. Es wird ausdrücklich bemerkt, daß Aufnahmegesuche, die unmittelbar bei der Reichsleitung, also unter Umgehung des Dienstweges, vorgelegt werden, zwecklos sind. Das gleiche gilt für Gesuche, denen die vorgeschriebene Bestätigung der zuständigen Dienststelle der HJ. bzw. des BDM. nicht beigefügt ist.
1. Diese Anordnung tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft.
München, den 25. Oktober 1935.
gez. S ch w a r z.
öeburl -es feie-eng?
* Bremen, 27. Oktober.
Die mehr oder weniger geheim gehaltenen Besprechungen über die Schlichtungsmöglichkeiten im abessinischen Streit schleppen sich mit Schneckentempo dahin und nur unter ganz erheblichen Wehen scheint die Geburt des Friedens vorwärts kommen zu können.
Der unvereinbar scheinende italienisch-englische Gegensatz, der echt dramatisch, aus zweierlei Auffassungen beruht, wovon jede vom eigenen Standpunkt aus gesehen, einfach unwiderleglich ist, wird noch verschärft durch die natürliche Haltung Abessiniens selbst, das, fest auf den Völkerbund — oder vielleicht besser auf England —> vertrauend, vorerst wenigstens noch nicht daran denkt, vor Italien zu kapitulieren, während dieses wiederum getrieben von Raumnot und Mangel an Rohstoffen, den abessinischen Krieg keinesfalls beenden will, ohne wenigstens teilweise das erreicht zu haben, wofür es großzügig seine Kraft entfaltet und Hunderttausende seiner Söhne nach Ostafrika gesandt hat.
Um einzusehen, wie weit Italien davon entfernt war, etwa aus bloßer Eroberungslust oder Ländergier den abessinischen Feldzug zu beginnen, muß man sich daran erinnern, daß Frankreich sowohl wie England schon früher den italienischen Drang nach Erweiterung seiner Kolonien, als berechtigt anerkannt haben und zwar nicht bloß platonisch in schönen Worten, sondern auch durch Taten. Denn bereits im Jahre 1925 hat England an Italien ein Gebiet des östlichen Libyens abgetreten, das die Ausdehnung eines Raumes zwischen zwei Längegraden besitzt.
Dieser Abtretung folgte dann im vorigen Jahre die lleberlassung eines weiteren britischen Ee- bistsstreifens im Süden Libyens an Italien, das dann noch von Frankreich zu Anfang dieses Jahres ein weiteres allerdings kleines Ee- bietsstück von rund 120 Quadratkilometer erhielt. Damit erfuhr nun allerdings der italienische Kolonialbestand in Ostafrika nicht gerade eine besonders wertvolle Bereicherung und Mussolini sprach selbst einmal in einem verbitterten Augenblicke von einer Wüstensammlung; aber es wurde vor aller WM erkennbar Italiens Anspruch auf kolonialen Lebensraum anerkannt. Und wenn Mussolini nun mit dem vorerst Wertlosen sich nicht zufrieden geben will, so hat er bei Begründung seiner weiteren Ansprüche auf Erweiterung des italienischen Kolonialbesitzes in Ostafrika zumindest die Tatsache für sich, daß eben dieser Anspruch schon von Frankreich und England anerkannt worden ist.
Ob nun diese Anerkennung in Einlösung eines im Frühjahr 1918 von England und Frankreich den Italienern gegebenen Versprechens geschah damals galt es, Italien auf die Seite der Alliierten zu ziehen — oder aber aus wirklicher Einsicht in die italienische Notlage, spielt für Mussolini heute keine Rolle mehr. Erfolgt ist diese Anerkennung nun einmal und Italien be- harrt darauf, daß ihm ein weiterer, und zwar brauchbarer Kolonialbesitz in Ostafrika werde, was freilich — da es sich um den Besitz eines anderen handelt — den Grundsätzen des Völkerbunds, wie sie von England vertreten werden, widerspricht, zumal jener andere, nämlich Abessinien, selbst Mitglied des Völkerbundes ist.
Da wäre denn, was Mussolini als sein Vorschlag zur Beilegung des abessinischen Streits Lei Laval dieser Tage verlauten ließ, vielleicht doch eine Möglichkeit, den Anforderungen der drei Hauptbeteiligten im abessinischen Streite gerecht zu werden.
Denn nur wenn es möglich ist, eine unmittelbare Einigung zwischen Abessinien und Italien zustande zu bringen, eine Einigung, der auch England zuzustimmen in der Lage ist, kann der Völkerbund im abessinischen Streit wieder ausgeschaltet werden, d. h. er kann sich ohne weiteres mit den Abmachungen der sich einigenden Parteien einverstanden erklären. Und gerade das ist es, was man hier in Italien von Mussolinis Vorschlag zu erhoffen scheint.
Davon ausgehend, daß die bisher von Italien eroberten abessinischen Gebiete gemäß dem Selbst- bestimmungsrecht der Völker zu einer Willenskundgebung aufgerufen werden könnten, damit