Ausgabe 
(13.10.1935) Nr. 283
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Das Amtsblatt des Senats

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Nationalsozialisten Vremens

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m. rs; / 5. Jahrgang

Sonntag, 15. Sktober

kinzelpreis 15 Npf.

kine starke und küstnetustwaffe Wmt dasNetch

Seneral SSrlng sprach auf dem Mchtsest des neuen Neichsluftfatirtmintsteriums

Berlin, 1g. Oktober.

Das Richtfest größten Ausmaßes, das je in Deutschland begangen wurde, feierte am Sonn- absndnachmittag die 5000 Mann starke Belegschaft des Neubaues des Reichsluftfahrtministeriums ge­meinsam,mit dem Bauherrn, dem Reichsminister der Luftfahrt, General Gör ing, in Gegenwart zahlreicher Ehrengäste auf dem Neubau in der Wilbelmstratze. In der großen Säulenhalle an der Wilhelm-/Ecke Leipzigerstratze fand die feier­liche Einmaueruna einer bronzenen Kassette statt, in der Dokumente über Ursprung und Geschichte des Bauwerks enthalten sind.

Schon lange vor Beginn des Richtfestes herrschte auf dem Neubau des Reichslustfahrtministeriums'

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Unser?«gesspisgs!

General Göring hielt aus dem Richtfest des neuen Reichslustfahrtministermms eine bedeutsame Rede.

Reichssendeleiter Hadamowsky hat ein Verbot des Niggerjazz im Rundfunk ausgesprochen. Auch England steht im Zeichen starker Butter- knappheit.

Die Genfer Sanktionsausschüsse berate» über eine Kredit- und Handelssperre gegen Italien. Der italienische Gesandte in Addis Abeva wurde nach seiner Weigerung, Abessinien zu verlassen, verhaftet.

Das polnische Kabinett ist zurückgetreten.

Der Oberbefehlshaber des Heeres, General der Artillerie von Fritsch traf in Bremen ein. Wir verweisen auf den Eroßbericht:Auf den Spuren der unterirdischen Gänge Bremens." Die Umstellung des Handamtes Roland auf den Selbstwählbetrieb vollzog sich innerhalb einer Stunde.

Die ersten Reservisten verließen nach ihrer Ausbildungszeit gestern die Kasernenhöfe.

ein fröhliches und geschäftiges Treiben. Riesige Hakenkreuzbanner umsäumen den Rohbau; kleine Richtkränze krönen die Masten. Vom schwarzen Tuchgrund hebt sich wirkungsvoll das neue Hoheitsabzeichen der Flieger^ ein fliegender silber­ner Aar, ab, der in den Fängen ein Hakenkreuz halt.

In der Vorhalle, einem Säulengang, fand im Beisein eines kleinen Kreises von Ehrengästen die feierliche Einmauerung der Bronze­kassette statt. Man sah hier u. a. Reichsmim- ster Darrö, den stellvertretenden Gauleiter von Berlin, Staatsrat Görlitzer, den Präsidenten des Luftsportverbandes Oberst Lörz-rr, Ober­bürgermeister Dr. Sahm, sowie die Generalität Md das Offizierskorps der Reichsluftwaffe unter Führung des Staatssekretärs Generalleutnant Milch und die Amtschefs und Vertreter der Be­amtenschaft des Rsichsluftfahrtministeriums.

Inzwischen war auf dem freien Platz vor der Tiiulenhalle eine Kompanie der Luft­waffe unter Führung eines Mnsikzuges auf­marschiert. Punkt 15 Uhr kündeten Heilrufe vom Wilhelm-Platz her die Ankunft des Reichsmini­sters der Luftfahrt an. Nach der Meldung des Hauptmannes vom Dienst schritt der Oberbefehls­haber der Luftwaffe die Front der Kompanie ab.

kinmauecung einer Stanze-Kassette

Der Baumeister, Pros. Dr.-Jng. Sa gebiet, verlas sodann eine Urkunde, die zum Gedenken an diesen feierlichen Mt von Reichsminister Ge­neral Göring unterzeichnet und in die Bronze- kassette eingelegt wurde. Außerdem wurden in diese Kassette eingelegt die wichtigsten Kulturreden des Führers, die gesamte Bangeschichte des Reichs- lnftfahrtministeriums, Silbermllnzen, Briefmar­ken, ein Säckchen mit beim Bau gefundenem Bernstein, Tageszeitungen, die Bildnisse des Füh­rers, des Reichsministers General Göring und des Professor Sagebiel sowie ein vollständiger Erundriß des Baues. Die Kassette wurde darauf in den Fußboden versenkt und eine schwere Mar- morplatte darübergestülpt. Dann hat der Ober­befehlshaber der Luftwaffe General Göring den Hammerschlag mit folgenden Worten:

Möge dieser Bau so unerschütterlich sein wie unser Wille ist, dem Vaterland zu dienen, damit es ein Volk der Stärke, eine Nation der Ehre und ein Reich der Herrlichkeit bleibe."

Mit einem Spruch des Baumeisters und des Poliers wurde der Festakt in der Säulenhalle beendet.

Während der Bauherr General Göring unter Führung des Baumeisters Professor Dr. Sage­biel die fertiggestellten Bauteile besichtigte, be­baken sich die Ehrengäste zu dem eigentlichen Richtfest, das im Mittelhof des Gebäudes und in dem nach dem Preußenhaus zu sich anschließender? «arten begangen wurde. Hier im Garten hatte b>e gesamte Belegschaft in Stärke von fast 5000 Mann mit Musikzügen der SA., der SS., des Deutschen Luftsport-Verbandes und des Reichs- kuftschutzbundes Aufstellung genommen. Auf der Terrasse sammelten sich die Ehrengäste.

Der Bauleiter Professor Dr.-Jng. Ernst Sage­biel wies zu Beginn der Richtfeier darauf hin,

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daß mit den eigentlichen Vauarbeiten erst gegen Ende Februar begonnen worden sei. Wenn heute nach einer Bauzeit von rund acht Monaten dieses Gebäude nun im Rohbau nahezu ganz vollendet dastehe, so sei das nur unter Anspannung aller Kräfte und mit dem Einsatz von vielen tausend fleißigen Arbeitern und Handwerkern möglich gewesen, die mit voller Hingabe sich dieser großen, vom Führer und seinem Minister gestellten Aufgaben gewidmet hätten.

Dann sprach der Zimmerpolier Hecht, der die bekannte Hamburger Zimmermannstracht trug, den Richtspruch. Darauf ging die 20 Zentner schwere prächtige Richtkrone unter den Klän­gen des Niederländischen Dankgebetes langsam an der Front des Gebäudes hoch.

Festansprache Hermann Sörings

Es folgte dieFestansprachedes Reichs­mini st ers der Luftfahrt General Göring- Alle, so führte er u. a. aus, die in diesem Augenblick hier stehen, werden sich bewußt sein, daß sie an einem einzigartigen Er­eignis teilnehmen, das nicht nur für die Reichshauptstadt, sondern darüber hinaus für das gesamte Deutsche Reich von größter Bedeutung ist. Denn zum erstenmal feiern wir hier das Richtfest für ein gewaltiges Staatsgebäude, das im Sinne Adolf Hitlers ' und im Geist des National­

sozialismus entstanden ist, für ein Gebäude, das Sinnbild der Kraft des neuen Reiches ist. In wenigen Monaten entstand hier ein Bau, zu dem in früheren Zeiten allein das Feilschen der Parteien schon die doppelte Zeit in Anspruch genommen hätte. Wir sehen wieder einmal, daß es nicht darum geht zu reden, sondern zu arbeiten und zuwerken, leidenschaftlich und unermüdlich. Jeden einzelnen von euch muß es mit Stolz und Freude erfüllen, mit Hand angelegt zu haben bei diesem gewaltigen Zeugnis deutscher Kraft und deutschen Schönheitswillens, an diesem Bau, der nicht in überladenem Prunk dasteht, sondern in den strengen Linien, die der Ausdruck unseres strengen Willens sind. In der Disziplin der Architektur drückt sich die Disziplin der Volks­gemeinschaft aus. Ein kühner und schlichter Bau ist hier erstanden, festgefügt, wie die Gemeinschaft unseres Volkes. So wie wir mit heißem Herzen wünschen, daß Sturm und Wetter diesem Gebäude niemals einen Riß zufügen, der es sprengen könnte, so wollen wir auch hoffen, daß unsere Gemeinschaft in aller Zukunft Zusammenhalt.

Dieses Haus, so fuhr Reichsminister General Göring fort, ist aber auch ein Symbol für die Neugeburt unserer Luftwaffe und ihres vorwärts- stürmenden Geistes. Wir haben dieses Instrument, das man uns einst zerschlagen hat, wiederer­stehen lassen, und heute schirmt eine starke und

kühne Luftwaffe das Reich. Sie findet hier eine Zentrale, «inen geistigen Sammelpunkt, von dem aus die Ströme der Kraft bis in die letzte Staffel und die letzte Kompanie ausstrahlen.

Der Minister brachte dann eine eindrucksvolle Gegenüberstellung dieses Ministeriums mit dem dicht dabeiliegenben früheren preußischen Land­tag, dem jetzigen Preußenhaus. Hier Arbeit, so erklärte er, dort Reden. Hier ein einziger Wille, drüben Interesse nur an eigenen Dingen. Weiter gedachte der Minister auch des alten preu­ßischen Kriegsministeriums, das an der Stelle des letzten sich jetzt erst noch erhebenden Neubaues stand. In jenem Bau, so betonte er, saßen einst die großen Männer aus den Freiheitskriegen, und es herrschten dort Pflicht, Gehorsam und Arbeit. Wir übernehmen so ein gutes Stück bester preußisch-deutscher Tradition und wollen noch aus den Fundamenten dieses Hauses die Kraft nehmen, um so wie jene Männer in Pflicht­treue dem Vaterland zu dienen.

Nach der Rede des Ministerpräsidenten for­mierte sich in der Prinz-Albrecht- und in der Wilhelmstraße der Festzug. In bunter Folge mar­schierten die einzelnen Arbeitsgruppen der Be­triebe, die an dem Neubau beteiligt find.

Als die 5000 in den festlich geschmückten Sport- palast, wo der Festschmaus stattfand, einzogen, be­grüßte sie die Kapelle Fuhsel mit flotten Marsch- Weizen.

fluch Kredit- und Handelssperre gegen Italien?

Sie flusschiisse der Venfer Sanktionskonferen; an der flrbeit

Genf, 13. Oktober.

Der Finanzausschuß der Genfer Sank­tionskonferenz hat am Sonnabend eine erste Be­ratung über die Möglichkeit einer Kreditsperre gegen Italien abgehalten. Die Grundlage bildet eine Denkschrift des Ausschusses des Völkerbunds­rats, der im Juli d. I. Vorschläge für etwaige Maßnahmen gegen Vertragsbrüchige Staaten aus­zuarbeiten hat.' Darin wird es abgelehnt, den betreffenden Staat und seinen Angehörigen die Verfügung über ihre ausländischen Guthaben zu entziehen oder den Zinsen- und Til­gungsdienst über ihre ausländischen For­derungen einzustellen. Vorgesehen ist dagegen, die Erlangungen neuer Austandskredite durch den betreffenden Staat oder durch seine Ange­hörigen zu unterbinden. Wie verlautet, beab­sichtigt der Ausschutz nur für Kredite, die länger als einen Monat laufen, ein Verbot vor­zuschlagen.

Man soll sich grundsätzlich darauf geeinigt haben, als fortschreitend anzuwendende Maßnahmen vor­zuschlagen: ein Verbot der Eröffnung von Kredi­ten, der Bewilligung zur Auflegung öffentlicher Anleihen, der Eröffnung von Bankkrediten und der Eröffnung von gewöhnlichen Handelskrediten an Italien oder italienische Staatsangehörige.

Auch der Arbeitsausschuß der Sank­tionskonferenz hat am Sonnabend die Erörte­rung der wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen be­gonnen. Zunächst wurde angeregt, daß die Kon­ferenz an die Richtmitglieder des ^Völkerbundes herantreten soll, um deren Auffapung, die für das Gelingen der Aktion sehr wichtig ist, zu erfah­ren. Ein Beschluß hierüber wurde jedoch nicht gefaßt. Der englische Minister Eden schlug vor, die Ausfuhr aus Italien und die Einfuhr nach Italien zu unterbinden.

Die Maßnahmen gegen die italienische Ausfuhr scheinen aus einen allgemeinen Boq- kott hinauslaufen zu sollen. Man glaubt, bei Beteiligung aller Völkerbundsstaaten unge­fähr 70 v. H. der Ausfuhr aus Italien lahm­legen zu können.

Hinsichtlich der Einfuhr Italiens ist zunächst nur an gewisse Schlüsselprodukte gedacht. Dieser zweite Punkt ist der weitaus schwierigere und kann nur auf Grund eines genauen lleberülicks über die bisherigen Lieferungen der einzelnen Länder nach Italien behandelt werden. Zu die­sem Zweck soll jede Regierung eine Liste ihrer wichtigsten nach Italien gehenden Ausfuhrwaren aufstellen.

Eine längere und sehr wichtige Aussprache ent­wickelte sich über die Frage der Entschädi­gung solcher Staaten,, die durch ihre Beteiligung an den Sanktionen unverhältnismäßig große Ein­bußen erleiden. Eine Reihe von Delegierten, für

deren Länder der Handel mit Italien eine relativ bedeutende Rolle spielt, beriefen sich auf Artikel 16 Absatz 3, mit dem sich die Völkerbundsmitglieder gegenseitige Unterstützung zusagen. Es scheint, daß außer So-wjetvußland auch Rumänien und die Türkei in dieser Hinsicht sehr weitgehende An­sprüche erheben. Den gleichen Grundsatz vertreten aber. auch Griechenland und Jugoslawien. Der russische Delegierte Potemkin regte außerdem an, durch geeignete Maßnahmen zu verhindern, daß die gegen Italien zu verhängende Sperre durch einen verstärkten Export nichtteilnehmender Staaten er­setzt werde.

Italien dreht den Spieß um

Rom, 13. Oktober.

Die Beratungen und Beschlüsse des Genfer Sühne-Ausschusses werden in Italien mit kaum zu überbietender Bitterkeit aufgenommen. Be­sonders wird gegen den Beschluß Sturm gelaufen, Abessinien mit Waffen zu versehen, während jede Waffen- und Kriegsmitteleinfuhr nach Italien strengstens untersagt werden soll.

Eiornale d'Jtalia" setzt sich eingehend mit den Sühnemaßnahmen auseinander und weist darauf hin, daß die italienische Nation niemals vergessen werde, daßEngland und seine Trabanten" dem Sklavenstaat Abessinien" todbringende Waffen gegen italienische Soldaten verschaffen wollen, die inz Weltkrieg dem gemeinsamen Sieg 670 000 Gefallene opferten. Wenn man auch, fährt das Blatt fort, demFeind" nicht die i t a l i e n i s ch e n Hilfsquellen verraten wolle, müsse jedoch festgestellt werden, daß die Organisation und Aktivierung aller wirtschaftlichen und erzeug- nerischen Kräfte mit der Disziplin und der Solidarität des italienischen Volkes Hand in Hand gehe. Man werde in dieser Hinsicht noch Wunder erleben können. So werde man z. B. aus Milch Wolle gewinnen können, die die gleiche Widerstandskraft und Wärmewirkung haben

werde wie die beste aus dem Ausland importierte Wolle. Man werde die Märkte feindlicher Lander meiden und die Wirtschaftsbeziehungen mit den Ländern ausbauen, die freundschaftlich und neutral bleiben. Vor allem in der Kohlen- frage werde sich der italienische Verbrauch immer stärker von der englischen Versorgung frei­machen.

Überraschung in Paris

Paris, 13. Oktober.

Die Schnelligkeit, mit der der Genfer Ausschuß für Sühnemaßnahmen seine ersten Beschlüsse ge­faßt hat, hat in Paris Ueberraschung ausgelöst.

Le Jour" schreibt, in London mache man kein Geheimnis daraus, daß man im Falle des Sturzes der Regierung Lava! mit einem Kabinett Herriot-FIandinMandel rechne, das den Planen ^des englischen Außenministeriums ge­genüber Italien günstiger eingestellt sein würde.

Echo de Paris", schiebt England in Verbin­dung mit den Beschlüssen des Ausschusses für die Sühnemaßnahmen weiter in den Vordergrund mit der Bemerkung, daß seit langem im Sudan und in Vritisch-Somaliland Waffen aufgehäuft worden seien. Man werde sich jetzt beeilen, sie dem krieg­führenden Abessinien zuzuleiten.

(Siehe auch Seite 2)

kciegoftrudel

bcanSen noch kuropa

* Bremen, 13. Oktober.

Die Strudel des ostasrikanischen Krieges bran­den an die europäische Küste. Mit einer Lei der englischen Regierung sonst nicht immer zu beobachten gewesenen Folgerichtigkeit hat Eng­land in der italienisch-abessinischen Streitfrage bisher mit geradezu Lewundernswerter Festigkeit seinen Willen durchgesetzt. Der Völkerbund mußte beschließen und hat zum großen Teil gegen seinen eigenen Willen beschlossen, daß Italien im ostasrikanischen Streit schuldig und der Angreifer sei. Formalrechtlich gesehen be­finden sich somit die Staaten des Völkerbundes mit Italien nunmehr auf feindlichem Fuße. Wie liegen die Dinge vor unseren Augen?

Italien hat, indem es gegen den in Artikel 12, 13 und 15 der Völkerbundssatzungen übernomme­nen Verpflichtungen zum Kriege gegen ein an­deres Völkerbundsmitglied schritt, formalrechtlich eine Kriegshandlung gegen alle anderen Völker­bundsmitglieder begangen und diese können nicht nur alle Handels- und Finanzbeziehungen zu Italien abbrechen, ihren Staatsangehörigen jeden Verkehr mit italienischen Staatsangehörigen untersagen und alle finanziellen Handels- und persönlichen Verbindungen zwischen den Staats­angehörigen Italiens und den Angehörigen jedes anderen Staates, (gleichviel ob Völkerbundsmit­glied oder nicht) abschneiden, sondern sie sind sogar verpflichtet, dieses zu tun. Der Völkerbundsrat aber ist gehalten, den Regierun­gen der Völkerbundsstaaten vorzuschlagen, mit welchen Land-, See- oder Luftstreitkräften jedes Bundesmitglied für seinen Teil zu der bewaff­neten Macht beizutragen hat, die den Bundes­verpflichtungen Achtung zu verschaffen bestimmt ist. So wenigstens will es der in diesen Tagen viel erörterte Artikel 16 der Völkerbunds­satzungen.

Wie wenig allerdings viele Völkerbundsmitglie­der, trotz des durch England unerbittlich herbeige­führten Schuldspruches gegen Italien, wirklich ge­neigt sind, den ihnen von Artikel 16 der Völker- bundsfatzungen auferlegten Verpflichtungen in vollem Umfange zu genügen, hat inzwischen der weitere Verlauf der Dinge in Genf gezeigt. Eines st eht fest: ohne Englands äußerst tat­kräftiges Handeln und Wollen in Genf wäre keines der anderen Völkerbundsmitglieder zu einem Be­schluß von Sühnemaßnahmen gekommen. Und offen bleibt jedenfalls auch heute noch die Frage, wie weit der auf unnachsichtiges englisches Drängen hin zustande gekommene Beschluß wirtschaftlicher Sühnemaßnahmen gegen Italien von den anderen Völkerbundsmitgliedern in die Tat umgesetzt wird. Dabei denken wir gar nicht an die Staaten, die sich überhaupt nicht entschließen konnten, dem Be­schluß auf Sühnemaßnahmen gegen Italien Leizu- treten. Denn außer Albanien, Ungarn und Oester­reich gibt es noch eine ganze Reihe anderer Staa­ten im Völkerbund, die viel lieber Italien Waf­fen geliefert hätten, als diesem Lande die Waffen- zusuhr zu sperren. Und wenngleich der von Italien beim Völkerbundssekretariat eingelaufene italienische Einspruch gegen den Beschluß der Sühnemaßnahmen kaum irgendwie rechtliche Be­deutung erlangt, so lassen sich immerhin bemer­kenswerte Widerstände von Völkerbundsmitglie­dern erkennen, die Englands Drängen zur tatkräf­tigen Auswertung der Völkerbundsbestimmungen gegen Italien sich weiter entgegenstemmen.

Somit ist die entscheidende Frage: Wie wird sich England weiterhin zu den Strudeln des ostafri- kanischen Krieges verhalten? Das ist die entschei­dende Frage in diesen Tagen. Nach wie vor liegt bei London das Gesetz des Handelns. Man kann sich denken was man will: Man kann glauben, daß es England bei seinem harten Auftreten in Genf mehr um eigene, als um die Völkerbunds- interessen zu tun ist. Man kann auch annehmen, daß England den Völkerbund ein für allemal zum Instrument machen will, das sich, wie heute gegen Italien, so in Zukunft auch bei allen weiteren Streitfällen in der Welt brauchbar erweisen soll und somit zum verlässigen Garant des Welt­friedens würde. Wäre doch solch ein Garant be­stimmt nicht zuletzt geeignet, auch dem englischen Weltreich selber zugute zu kommen. Man kann aber auch meinen, daß England,das stolze Al­bion" zutiefst getroffen von dem Verhalten Jta-