Ausgabe 
(10.10.1935) Nr. 280
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parteiamtl.IagesMtung der

Das Amtsblatt des Senats

Nationalsozialisten Vremens

der freien Hansestadt Dremen

1 g Z 5

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M. 280 / r. lalirgang

Vonnerstag, 18. Vklober

kmzelpreis lS Nps.

Vcis deutsche Winterchlfswerk marschiert!

feierlicher kröffnungsakt durch den siistrer / Vr. öoebbels' Abrechnung mit den Kritikern / der Patenschaftsgedanke

Unser Vogesspiogel

Der Führer eröffnete das dritte Winterhilss- werk.

Nach den ersten Schätzungen entfallen im Memelgebiet aus die Einheitsliste 23 oder 2t von insgesamt 29 Mandaten.

In Genf trat die Völkerbundsvollversamm­lung zusammen.

Nach abessinischen Meldungen befinden sich Adua und Adigrat wieder im Besitz abessi- nischer Truppen.

In Bremen wurde« die ersten 25 WHW.- Sammler eingekleidet.

Am Sonnabend, 29 Uhr, wird das Selbst­anschlußamt Roland in Betrieb gesetzt.

Im April des kommenden Jahres wird in Bremen eine neuzeitliche Lustschau eröffnet. Der Ausbau des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen wurde vom Reichssportsührer vollendet.

! Ein finnisches Verkehrsflugzeug stürzte in den

> Finnischen Meerbusen, wobei alle sechs Jn-

I fassen den Tod fanden.

Die Vorbereitungen sür eine Internationale

> Schifsahrtskonserenz müssen als endgültig

gescheitert angesehen werden.

Der Reichsbankausweis für die erste Oktober­woche zeigt einen kräftigen Aufschwung.

Ausruf

des Reichsbeauftragten für das WHW.

Der Reichsbeauftragte für das WHW., Hil- genfeldt, erläßt zur Eröffnung des Winter- hilfswerkes folgeiwen Ausruf:

DasWinterhilfswerk" nimmt auch in diesem Jahre den Kampf gegen Hunger und Kälte auf. Als einleitende Maßnahmen werden die Lebens- mittelsammlungen für das Winterhilfswerk schon setzt durchgeführt. Die bisher üblichen Herbst­sammlungen der Anstalten und Einrichtungen der konfessionellen Verbände und des Deutschen Roten Kreuzes finden dagegen in diesem Jahre nicht statt. Dafür erfolgt die Versorgung in den An­stalten und Einrichtungen im Rahmen des Win- terhilsswerkes des deutschen Volkes.

Gemeinschaftsgefühl und Opferwilligkeit werden auch in diesem Jahre den Erfolg des Winterhilss- werkes sicherstellen."

-er 2S. Seburtstag Horst wessels

Berlin, 10. Oktober.

^ Am Mittwoch, dem 9. Oktober, hätte der un- vergeßliche nationalsozialistische Vorkämpfer, Sturmführer Horst Wessel seinen 28. Geburtstag feiern können. Sein Grab auf dem Nikolai-Fried­hof, das reich mit Blumen und Kränzen geschmückt , war, war aus diesem Anlaß am Mittwoch das ' Ziel zahlreicher Besucher. Line Ehrenwache vom f Sturm Horst Wessel hatte am Grabe Aufstellung f genommen. In Vertretung des zurzeit dienstlich s abwesenden Obergruppenführers von Jagow legte ! Gruppenführer Späing am Grabe des jungen ! Freiheitsdichters sowie in dem Zimmer im Horst- ^ Wessel-Krankenhaus, in dem er starb, einen Strauß roter Rosen nieder.

SA. un- tösener sc.

Eine Erklärung der Obersten SA.-FLHr«ng i München, 10. Oktober.

Auf die wiederholten Eingaben von Angehöri­gen des Eösener SE., ob sich die Einstellung der Obersten SA.-Fllhrung nach der Auslösung des ' Tösener SC.-Verbandes geändert habe, wird mit­geteilt: ^

: Eine Veranlassung zur Zurücknahme des Ver-

s bots der Zugehörigkeit ist nicht gegeben. Daran ' ändert auch die inzwischen erfolgte Auflösung - des SC.-Verbandes nichts. Für die Oberste SA.- Führung handelt es sich nicht darum, ob das eine Korps mehr oder weniger nationalsozia­listisch eingestellt ist, sondern darum, daß es den Korps in ihrer Gesamtheit nicht gelang, sich in­nerhalb der zweieinhalb Jahre nach der Macht­übernahme aus sich selbst zu einer klaren Stellung zum Judentum aufzuschwingen. Es ist nicht Aufgabe der Obersten SA.-Fllhrung, Rich­ter über jedes einzelne Korps zu spielen, und sich ! in Streitigkeiten aller gegen alle einzumischen.

! Die Korps mögen erst im eigenen Hause i Ordnung schaffen und entsprechend lange Zeit unter Beweis stellen, daß alles im Sinne dos Nationalsozialismus geregelt ist. Vorher wird an der Verfügung der Obersten SA.-Füh- . rung nichts geändert.

lagung -er Lan-esstellenleiter

Berlin, 10. Oktober.

Die Landesstellenleiter des Reichspropaganda­ministeriums traten am Mittwoch wieder zu einer Tagung in Berlin zusammen, wobei zunächst Reichsminister Kerrl über die Kirchenfrage längere grundlegende Ausführungen machte. An­schließend sprach Reichsminister Dr. Goebbels über aktuelle politische Fragen. Zum Schluß wurde noch eine Reihe von Einzelreferaten Schalten, in denen verschiedene Spezialfragen behandelt wurden.

Berlin, 10. Oktober.

Der Gemeinschaftssinn des Nationalsozialismus ist wohl in keiner anderen Einrichtung besser und überzeugender zum Ausdruck gekommen als in der Schaffung des großen Winterhilfswerkes des deutschen Volkes.

Das deutsche Volk hat in den vergangenen beiden Wintern durch freiwillige Spenden die gewaltige Summe von Milliarden Reichs­mark ausgebracht, damit keine Volksgenossen zu hungern und zu frieren brauchen, und über 1^ Millionen Partei- und Volksgenossen haben sich freudigst ehrenamtlich in den Dienst dieses Wer­kes der wahren Nächstenliebe gestellt.

Die ganze Reichshauptstadt nahm Anteil an diesem Tage, und darüber hinaus hörte das ge­samte deutsche Volk am Lautsprecher die Reden des Führers und des Reichspropagandaministers. Von der Wilhelmstraße, dem Hause des Führers, bis zur Kroll-Oper, den gesamten Weg entlang, den der Führer nahm, stand ein ununterbrochenes Spalier von SS.-Männern; hinter ihm drängten sich in dichten Massen die Volksgenossen, die dem Führer auf seiner Fahrt zujubelten. Der Königs­platz war von Menschen überfüllt. Die meisten Reichsminister, Reichsleiter, Staatssekretäre und die führenden Männer der Bewegung und des öffentlichen Lebens waren schon lange vor Er­öffnung der Kundgebung erschienen. Der nur mit schlichtem Tannengrün und Fahnentuch aus­geschmückte große Sitzungssaal war bis auf den

letzten Platz besetzt. Der Führer wurde, als er um 12 Uhr den Saal betrat, von den An­wesenden stehend mit dem Deutschen Gruß emp­fangen. Staatssekretär Funk eröffnete die Kund­gebung für das deutsche Winterhilfswerk 1938/38:

Zum dritten Male beginnt heute die national­sozialistische Arbeit zur Bekämpfung der Winter­nöte und des freudlosen Daseins unserer Volks­genossen mit einer bis ins letzte durchorganisier­ten Sammlung und Hilfsaktion allergrößten Um­fanges. Die Armee der namenlosen freiwilligen Helfer steht zum Einsatz bereit und wartet auf die Parole zum Beginn des Kampfes gegen die Not des Winters. Wieder wird von dieser Stelle aus der Appell an das soziale Ge­wissen der Nation ergehen und alle, die diesen Ruf vernehmen, solche, die Spenden geben und die, die Spenden empfangen, werden be­greifen, wie dieses Opfer im Geiste unserer neuen nationalsozialistischen Volksgemeinschaft verstan­den, wie es in solchem Geiste dargebracht und auch empfangen werden muß. Nur weil dieses Winterhilfswerk auf dem Bodeix der neuerwach­ten Volksverbundenheit gewachsen ist, erklären sich seine gigantischen, alle ähnlichen Vorhaben weit in den Schatten stellenden Ereignisse. Wir aber, die wir von Ihnen, mein Führer, mit der Durchführung dieser hohen Aufgabe betraut worden sind, werden alle unsere Kräfte freudig dafür einsetzen, daß der Erfolg des diesjährigen Winterhilfswerkes den imposanten Leistungen der Vorjahre in keiner Weise nachsteht. Darauf nahm Neichsminister Dr. Goebbels

das Wort. Dr. Goebbels erinnerte einleitend daran, daß bei der Machtübernahme am 30. Ja­nuar 1933 noch die Hälfte des deutschen Volkes gegen den Führer und den Nationalsozialismus gestanden habe. Wenn heute das ganze deutsche Volk hinter dem Führer stehe und seine Sache mit der tiefsten Leidenschaft seines Herzens zur feinen mache, so nicht etwa deshalb, weil er es durch Versprechungen geworben hätte, sondern weil er es durch Leistungen überzeugte.

Nur Ihre nächsten Mitarbeiter", so wandte sich Dr. Goebbels an den Führer,haben einen Begriff davon, wie groß die Sorgen gewesen sind, die Sie, mein Führer, um Deutschlands Zu­kunft getragen haben und wohl bis zum letzten Atemzüge werden tragen müssen. Sie aber wissen auch, wie sich bei Ihnen in allen schwierigen und entscheidenden Situationen Sorge um die Nation immer mit Fürsorge für das Volk verband. Sie haben die großen Probleme, die Deutschland in seiner jetzigen historischen Entwicklung ausgege­ben sind, unablässig in einer einzigen ge­nialen Gesamtschau gesehen. Für Sie waren Wirtschafts-, Sozial-, Innen- und Außen­politik keine voneinander getrennten, in sich be­stehenden Arbeitsgebiete, mit denen man sich je nach Laune oder Zwang beliebig beschäftigen kann; für Sie war das alles immer zusammen­gefaßt zu einem Eleichklang der Arbeit für ein Volk und der Führung einer Nation, die aus tiefster Demütigung zu einer neuen Größe em­porzuheben, Ihre geschichtliche Bestimmung ist."

(Fortsetzung auf Seite 2)

Unser Krieg!

Sie kröffnung des winterlMswerks durch den sichrer

* Bremen, 10. Oktober.

Hehr wie der Gedanke des Winterhilfswerks, war auch der Akt der zum dritten Male erfolgten Eröffnung des in aller Welt einzig dastehenden Werkes durch den Führer. Denkwürdig, wie die durch eine festgeschweißte Volksgemeinschaft ge­weihte Stunde bleiben die tiefen Erkenntnisse, die Adolf Hitler seinem Volke wieder einmal aus dem ewig sprudelnden Vorne seiner welt­anschaulichen Ueberzeugung spendete.

Volksgemeinschaft undJdealismus sind die Pole, um die das Leben einer Nation kreisen muß, sofern sich diese Nation gesund und stark erhalten will.Volksgemeinschaft undJdealis­mus sind aber auch die unerläßlichen Richtpunkte, auf die sich jeder Volksgenosse einzustellen hat, wenn er als würdig befunden werden will, voll­wertiger Staatsbürger im nationalsozialistischen Reiche zu sein. Und so waren denn in des Führers Rede diese Richtpunkte die Hauptmotive, welche seine Ausführungen von Anfang bis zu Ende be­gleiteten, wobei es den Millionen, die dieser Rede lauschten, aus tiefstem Herzen gesprochen war, als der Führer von der allen einleuchtenden Erkennt­nis ausgehend, daß sich heute kein Volk von der internationalen wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeit loslösen könne, feststellte, wie die nationalsozia­listische Staatsfllhrung nach einer Synthese zwischen dem deutschen Volke und seinen Lebens­notwendigkeiten suchen mußte.

Da mußte es denn allen, die den Führer sprechen hörten, von neuem klar werden, wieso Marxismus und Demokratie in ihrem Eewährenlassen des Kampfes der Klassen gegeneinander nicht allein ein Volk zugrunde richten, dem der unbedingte soziale Friede unerläßliche Voraussetzung inneren und damit auch äußeren Gedeihens ist, sondern darüber hinaus selbst den Bankerott erleben, der als unumgängliche Folge ewigen Haderns und Streitens im Volke selbst sich bis tief in die eigenen Reihen hinein fortpflanzt.

Nein, wahrlich der Friede, den Deutschland im Innern und damit auch von außen her genießt, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern das wohl- berechnete und zielbewußt erstrebte Erlebnis na­tionalsozialistischer Staatsführung, die nur einen Befehlshaber kennt, der einzig und allein seinem Gewissen und somit seinem Volke verantwortlich ist. Da dieses Volk aber hin­wiederum in seinem Führer den Exponenten seines eigenen Willens erfühlt und empfindet, ergibt sich von selbst die innere aus einem Glau­ben an die ewigen Ideale entsprechende Gleich­artigkeit der Ansichten, welche die Kraft und die Größe der nationalsozialistischen Bewegung aus­macht. Denen aber, die ewig skeptisch alsPhysi­ker und Mathematiker des Lebens" alle Dinge nur mit der Vernunft begreifen zu können ver­meinen, weshalb bei ihnen der Kurs von Idealen am Nullpunkt liegt ruft der Führer unter dem brausenden Beifall der Zuhörerschaft die Worte zu:Was wäre die Welt ohne Ideale!"

Was wäre die Welt ohne Ideale? Das war das zweite große Motiv des von ge­waltigem Beifall widerhallenden Appells an das gesamte deutsche Volk, wobei freilich der Begriff Ideal" durch des Führers Deutung erst seine richtige Prägung erhielt. Was könnte auch ein Volk wie das deutsche, was kann wohl überhaupt ein Volk mit dem WortIdeal" viel anfangen, wenn dieses Wort nicht mehr als den ihm von liberalistischer Weltanschauung gegebenen Inhalt hätte. Das Ideal als Vorstellungeines voll­kommenen Urbildes, dem wir beim Erkennen sitt­lichen und praktischen Handelns nachstreben, das wir aber gleichsam wegen der Sprödigkeit des Stoffes, an den wir gebunden sind, nie erreichen können" ist bestimmt kein Halt, an dem sich, wenn es um Sein oder Nichtsein geht, ein Volk, oder auch nur ein einzelner Volksgenosse, anklammern möchte. Dem Führer war es vorbehalten, dem Worte Ideal erst den richtigen Sinn und Inhalt zu geben, so daß jeder Volksgenosse es verstehen und danach handeln kann. Und in diesem Sinne ist danndie gewaltigste Realität auf dieser Welt das Ideal, das innerer Notwendigkeit ent­spricht".

Was aber entspräche mehr der inneren Not­wendigkeit, als die kameradschaftliche Fürsorge

veuMer Sieg im Memelland

Me kintzeitsliste erhält von 2S Sitzen 2Z oder 24 gegenüber 5 Man-aten -er Litauer

Memel, 10. Oktober.

Die Auszählung der Memelwahlen ist nun endlich soweit gediehen, daß einzelne Wahlergeb­nisse ermittelt wurden, aus denen sich ziemlich genaue Schlüsse über die Zusammensetzung des Landtags ziehen lassen. Im großen und ganzen bleibt das Verhällnis der Parteien untereinander wie bisher. Im einzelnen sind folgende Ergebnisse festgestellt: 74 913 Wahlberechtigte, davon haben von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht 68 641 Wähler, die insgesamt 1915 848 Stimmzettel ab­gaben. In dieser Ziffer ist das Ergebnis der Nach­wahl von Wiessen-Jugnaten nicht enthalten. Von Liefen Stimmen entfallen auf die Einheitsliste 1851467 Stimmen, auf die litauischen Listen 364 081 Stimmen.

Auf die einzelnen Kandidaten der Einheitsliste entfallen durchweg 53 000 bis 64 000 Stimmen, während auf die litauischen Listen die höchste Ziffer von 5441 Stimmen nur auf Eailius entfiel, die übrigen Kandidaten aber teilweise noch weit darunterliegen.

Die Nachwahl von Wiessen-Jugnaten dürfte der Einheitsliste noch über 30 000 Stimmen ein­bringen. Unter Berücksichtigung der Nachwahl dürfte sie somit 1583 000 Stimmen erhalten, das sind über 81 v. H. aller Stimmen.

Von den 29 Kandidaten, die als Abgeordnete in den künftigen Landtag einziehen werden, ent­fallen sicher auf die Einheitsliste 23 und auf die

litauische Liste 5 Sitze. Auch der eine Kandidat, der noch durch die Verrechnung der Restsummen ermittelt werden muß, dürste von der Einheits­liste um 29 999 Stimmen höher liegen als die Reststimmen der litauischen Listen.

Die Auszählung der Nachwahl dürfte im Laufe des heutigen Vormittags abgeschlossen werden. Dann folgt aber noch die Prüfung der ungültigen Stimmen, die von der Wahlkreiskom­mission persönlich vorgenommen werden muß, so daß das vorläufige amtliche Ergebnis, wie ge­meldet, noch einige Tage auf sich warten lassen dürfte.

Die Wahlziffern, die der Kownoer Vertreter des englischen Reuterbüros meldet, lauten ähnlich. Danach hat die Deutsche Partei 24 Sitze, die Litauer 5 Sitze erhalten. Für die Deutsche Partei wurden dem englischen Bericht zufolge 1551465 Stimmen abgegeben, für die Litauische Partei 369 407 Stimmen.

Amtliches krgebnis erst nächste Woche

Tilsit, 19. Oktober.

Am Mittwochvormittag wurde die schleppende Auszählung der Stimmen aus der Wahl zum Memelländischen Landtag weiter fortgesetzt.

Mit der Veröffentlichung des vorläufigen amtlichen Resultates wird nicht vor An­

fang nächster Woche zu rechnen fein. Bis Mittwoch vormittag waren nämlich die etwa 1599 Stimmenumschlage mit über 49 999 Stimm­zetteln aus der Nachwahl von Jgnaten noch immer nicht gezählt. Außerdem sollen die fünf Mitglieder der Wahlkreiskommission persönlich noch die 1268 als ungültig festgestellten Umschläge mit ca. 49 999 Stimmzetteln nachprüfen. Erst nach vollständig beendeter Auszählung und Einfügung des Ergebnisses der Nachwahl wird die Feststellung der Stimmenzahl, nach der die Zahl der Kandi­daten auf die einzelnen Listen berechnet wird, erfolgen können.

Man steht bei dieser neuen Verschiebung der amtlichen Bekanntgabe vor einem Rätsel, das sich aber leicht löst, wenn man hört, wie sich die bisherigen Auszählungen für das Wahl- ergebnis auswirken müssen. Während die Wahl­kreiskommission bisher scheinbar bemüht war, das Ergebnis trotz aller Kompliziertheit möglichst zu beschleunigen, so sehen sich die Litauer jetzt nach dem offenbar für sie katastrophalen Ergebnis gezwungen, ihre Taktik zu ändern und die Zählung zu verschleppen. Die fadenscheinige Begründung, die aus fünf Köpfen bestehende Wahlkreis- kommission müßte persönlich die ungültigen Stimmen noch einmal von Zettel zu Zettel prüfen, wirkt ebenso wenig überzeugend wie die weitere Begründung, daß die etwa 40 000 Zettel der Nach­wahl von Jugnaten die Feststellung des Ergeb­nisses ebenfalls verzögerten..

Sie tage an der " 7 front

Heftige Kampfe um Adua, Adigrat un- flksum / Abwetzrmaßnatzmen -es Negus / Italien verwendet Sistgas

vrsütbsriobt unssrsr Lsrlinsr Zoüriktlsituvg) Lr. Berlin, 10. Oktober.

Unklarheit über die tatsächliche Lage ist auch !eute das Hauptkennzeichen des Gesamtbildes, das ttan über die militärische Lage in Abessinien aus en zahlreich vorliegenden Berichten gewinnt.' leber einen Tag lang wußte man nicht, ob ldua und Adigrat nun in dem Besitz der staliener geblieben oder ob sie von den Abessiniern urückgewonnen sind, wußte man nicht, ob die staliener die heilige Stadt Akfum erobert haben .der ob ihnen das' vorläufig noch mißlungen ist. 9as Schwergewicht der Operationen liegt zweisel- os immer noch im Nordabschnitt. Der Befehl des tequs, nunmehr keinen Fußbreit Bodens mehr ampflos preiszugeben, hat sich offenbar schon aus- ,ewirkt und sogar zu sehr energischen abessinischen Segenstößen geführt.

Ungeachtet der Frage, wer im Augenblick Be- itzer der drei schon genannten Städte ist, steht fest, laß es zu heftigen Kämpfen gekommen ist ind daß der Widerstand der Abcssinier sich von stunde zu Stunde verstärkt. Ueber das Schicksal »er abessinischenfliegenden Kavallerietrnppe", >ie in Stärke von 15 999 Mann 49 Kilometer veit in die italienische Kolonie Eritrea vorge­sungen ist, war noch nichts Genaues zu erfahren. Die Italiener haben diese kühne Operation jetzt festiitigt.

Es ist klar, daß die rückwärtigen Verbindungen ,er Italiener durch dieses überraschende Vorgehen gefährdet erscheinen; andererM- O «türtiS

auch die Lage dieser Stoßtrupps» im Rücken der italienischen Front alles andere als einfach. Ein Teil der in der Nähe von Aksum zusammen­gezogenen abessinischen Streitkräfte, im ganzen etwa 80 090 Mann, bedrohen jetzt unmittelbar die rechte italienische Flanke. Auch hier sind vor allem große Kavallerieabteilungen festgestellt worden.

Eines der von den italienischen Flugzeugen in großen Mengen über der Tigre-Provinz abge­worfenen Flugblätter hat folgenden Wortlaut: In diesem Jahre wird das italienische König­reich vergrößert. Wehe dem, der Widerstand leistet. Die Krone, die der Negus sich widerrechtlich aneignete, wird nach Tigre zurückgegeben, um den Nachkommen jenes Mannes zu ehren, der in Meterra sein Leben für seinen Glauben opferte. Volk von Tigre, man teilt euch diese Prophe­zeiung eines im Kloster lebenden Mönches mit."

An der Ostfront, wo die Italiener die Bahnlinie Addis AbebaDjibouti gefährden, treffen die Abessinier jetzt umfangreiche Abwehr­maßnahmen. Man spricht davon, daß der Kaiser selbst mit 5999 Mann seiner Garde und 120 999 Mann nichtaktiver Truppen an die Front nach Dessie gehen will, wo sich das Hauptquartier des Kronprinzen befindet. Ferner sind größere Truppenmassen im Anmarsch, um den Weg nach der Hauptstadt abzuriegeln.

Die von Osten anrückende italienische Armee soll in der Danakilwüste 40 Kilometer Boden gewonnen haben. Die Italiener bemerkten hier «h kL»« KorLWfch, daß die Eingeborenen vor

dem Zurückgehen nach altem Kriegsbrauch Salz in die Wasserstellen geschüttet hatten, wo­durch die Trinkwasserversorgung der italienischen Truppen erhebliche Schwierigkeiten hatte. Das Ziel an der Djibouti-Bahn ist vor allem Diredaua. Gleich­zeitig mit dem Vorrücken in der Danakilwüste sollen die von Ogaden vordringenden Italiener beträchtliche Fortschritte gemacht haben und be­reits bis 100 Kilometer vor Harrar gelangt sein. Ihr Vormarsch so besagen italienische Meldun­gen sei dadurch erleichtert worden, daß meh­rere in der dortigen Gegend ansässige Stämme zu ihnen übergegangen seien.

An der Süd front ist das Hauptereignis die Anwendung von Giftgas durch die Ita­liener. Der abessinisch: Kommandierende Gene­ral im dortigen Abschnitt berichtet, daß italieni­schen Fliegerbombenein gelbes Gas entströmt, bas Soldaten und Zivilpersonen umwirft und ihnen große Leiden verursacht".

Abreise -eutsttzer Familien

Addis Abeba, 10. Oktober.

Am Mittwoch reisten einige deutsche Familien aus Addis Abeba ab. Insgesamt sind 60 Deutsche, darunter auch der Ortsgruppenleiter der N2. DAP., abgereist. Auch der italienische Konsul von Dessie hat am Mittwoch das Land vorlassen.

(Siehe auch Seite 2)