Ausgabe 
(9.10.1935) Nr. 279
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parleiamtl.IagesMtung der

Das Amtsblatt des Senats

Nationalsozialisten Siemens

der Zreien lzansestadt Sremen

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Nr. 27S / 5. Jahrgang

Mittwoch, S. Oktober

klnzelpreis 15 kpf.

Me Schaffenden helfen den Notleidenden!

Neichsorganisationsleiter Vr. Lep ruft die flrdeiter der Stirn und sauft zum Winterlzilfswerk 1SZS/Z6 auf

ß Unser Vagesspiegel

^ Dr. Leg ruft die Schaffenden znm Wiater-

k hilfswerk anf.

1 Die deutsche Burschenschaft hat ihre Selbst-

k auflösung Leschlosfe«.

! Wegen Mißachtung der Preisfestsetzungen

wurden in Berlin fünf Schlächtereien ge­schlossen.

Das Ergebnis der Memelwahlen wird für heute abend erwartet.

Abessinische Truppen find im Rücken der Italiener in Eritrea eingefallen.

Nach Meldungen aus Mailand zeigt Musso­lini jetzt eine erhöhte Verhandlungsbereit- L schaft.

! Das Kolonial- und Ueberseemuseum in Bre­

men eröffnet am Sonntag eine ALesstnien- Schau.

Reichsminister Walther Darre hielt sich auf sj einer Durchreise nach Oldenburg für kurze

Zeit in Bremen auf.

ss- Gauleiter Rover besichtigte die Leistungsschau

^ - der HJ.

s Bei einem Antounfall in Harvurg-Wilhelms-

^ bürg verbrannten drei Personen.

fluch das dritte MnterWfswerk

Dr. Goebbels besucht die Einrichtungen des WHW.

Berlin, g. Oktober.

Das Winterhilfswerk des deutschen Volkes 1935/36 wird, wie bereits mitgeteilt, heute durch den Führer und Reichskanzler eröffnet. Die segensreichen Wirkungen dieses gewaltigen Wer­kes sind in dem veröffentlichten Rechenschafts­bericht klar und eindrucksvoll sichtbar geworden. In den Räumen des Hauptamtes der NSV. am Maybach-Ufer in Verlin-Neukölln, das auch diy Organisation des WHW. beherbergt, wird nach einer kurzen Sommerpause wieder mit Hochdruck gearbeitet, um für die großen Aufgaben des dritten Winterhilfswerkes gerüstet zu sein.

Am Dienstagnachmittag stattete Reichspropa- aandaminister Dr. Goebbels, unter dessen Aufsicht die NSV. und damit auch das WHW,

» steht, den Einrichtungen des Winterhilfswerkes

8 einen einstündigen Besuch ab. Unter Führung des

L Reichsbeauftragten für das WHW., Hauptamts-

k leiter Hilgenfeldt, besichtigte der Ministe»

E die einzelnen Abteilungen, insbesondere die Or-

s- ganisations- und Verwaltungsstelle sowie die Ab-

x teilungen Kohlenversorgung und Graphik. E,

? nahm Einsicht in die großen Pläne sowie in die

Statistik und ließ sich über viele Einzelheiten

Auskunft geben. ,_

A. Die gewaltigen Zahlen, mit denen das Winter- W hilfswerk arbeitet, müssen immer wieder Staunen,

U erregen. Beispielsweise.geht ein Viertel der ge-

8 samten Hausbrandversorgung Deutschlands, näm-

ß lich 2 645 000 Zentner, durch das WHW. Fast auf

k allen Gebieten ist das WHW. zum Haupt-

R faktor der Wirtschaftsankurbelung

L geworden. Besonders hervorgehoben zu werden

L verdient die Tatsache, daß diemeisteArbert

A durch freiwillige Helfer geleistet,

' wird, die Kosten insgesamt also außerordentlich

gering sind, während in der Systemzeit bekanntlich z die Kosten der Organisation den Erfolg der Ar-

k beit oft in Frage stellten.

k Nach der Besichtigung hielt Reichsminister Dr.

Goebbels eine Ansprache an die Gefolgschaft.

? Er erklärte dabei, daß er einen außerordentlich ' guten Eindruck schon bei einem früheren Besuch gewonnen habe. Er habe nach seinem jetzigen Be- ' such die feste Ueberzeugung, daß die solide und moderne Organisation und die seelische Haltung ! des deutschen Volkes auch dem dritten Winter- s hilfswerk einen großen Erfolg sichern werde.

Das deutsche Volk sei gerecht, es habe die k großen Leistungen der nationalsozialistischen Re- s gierung vor Augen und werde stets alle not-

k wendigen Opfer bringen. Wohin es führe, wenn

L eine Regierung sich scheue, vom Volk Opfer zu

k verlangen, habe die Systemzeit gezeigt. Die t nationalsozialistische Regierung wolle nicht aus

x Kosten des Wohlergehens der nächsten Generation ß ihre Aufgaben erfüllen. Damit die Opfer nicht

l allzu schwerfallen, sei das Winterhilfswerk ein- ! gerichtet worden.

s, Der Minister hob den Wert des WHW, für die

f, Moral des Volkes hervor. Wenn einmal schwere

^ Zeiten über das deutsche Volk kommen sollten,

s dann würde dieses Hilfswerk seine Früchte tragen.

Der Nationalsozialismus regiere nicht nur mit , der Macht, sondern der Vollzug der Macht sei auch

! für das Volk da. Den besten Schutz der Regie-

- rung bilde immer die Liebe des Volkes. Immer

k werde die Regierung bemüht sein, dem Volk d»,s i Leben erträglich zu machen.

Memelwaklergebnis erst heute

Memel, 9. Oktober.

! Die Auszählung der Memelwahlen wird. vor-

s aussichtlich erst am Mittwochabend zum Abschluß kommen. Mit Zuversicht und der gleichen Geduld wie bei der Wahlhandlung sehen die Memel- länder der Bekanntgabe des Ergebnisses dieser komplizierten Wahl entgegen.

Berlin, 9. Oktober.

DerAngriff", die Tageszeitung der Deutschen Arbeitsfront, veröffentlichte am Dienstag folgen­den Aufruf von Dr. Robert Ley zum Winter­hilfswerk:

Kameraden der Deutschen Arbeitsfront! Be­triebssichrer und Gefolgschaften! Der Führer er­öffnet am 9, Oktober 1935 das Winterhilfswerk des deutschen Volkes 1935/36. Wer jahrelang die Not am eigenen Leibe verspüren mußte und jetzt dank der nationalsozialistischen Staatsführung wieder in Arbeit und Brot gekommen ist, kann er­messen, was es bedeutet, wenn Millionen hilfs­bedürftiger Volksgenossen auf unsere Opferbereit­schaft warten. Als schaffende deutsche Menschen

wollen wir es nicht zulassen, daß andere hungern und frieren in einer Zeit, in der uns die Möglich­keit eines gesicherten Daseins gewährleistet wird.

Kameraden! Die Not der anderen ist auch unsere Not, und wir, die wir in der Deutschen Arbeits­front vereinigt sind, wollen es als unsere Ehren­sache betrachten, ein leuchtendes Vorbild der Opferwilligkeit zu sein und zugleich damit unsere Pflichterfüllung unter Beweis stellen, die wir der Nation schuldig sind.

Arbeiter der Stirn und der Faust! Auch in diesem Jahre werden wir der Welt ein Bei­spiel echten Zusammenhaltens geben, werden ihr zeigen, daß das schaffende deutsche Volk mit eisernem Willen bereit ist, auch diejenigen

über den kommenden Winter zu bringen, die un­serer Hilfe bedürfen. Die Gemeinschaft, die wir in der Deutschen Arbeitsfront immer und immer predigen, werden wir jetzt auch praktisch beweisen.

Jeder einzelne opfert nach bestem Können. Keiner wird sich dieser Ehrenpflicht entziehen.

Wir alle, die wir in der Deutschen Arbeits­front, der Gemeinschaft der Schaffenden, zu­sammengeschlossen sind, werden mit allen Kräften dazu beitragen, daß auch in diesem Jahr das Winterhilfswerk ein voller Erfolg wird, ein Be­weis dafür, daß die Gemeinschaft keinen, den sie in ihre Mitte aufgenommen hat, Not leiden läßt.

gez. Dr. Robert Leq.

stbestiiMe Iruppen im Kücken ver Italiener

kinfall einielner Abteilungen m kritrea - Überläufe eingeborener italienischer Iruppen? tage an den Ironien

(Orabtibsriobt anssrsr Lsilinsr Lebriktlsitung) Lr. Berlin, 9. Oktober.

Die große lleberraschung in den Berichten vom abessinischen Kriegsschauplatz ist heute die Mel­dung, daß die Abessinier im Rücken der italieni­schen Angrifssfront erschienen und in Eritrea ein­gedrungen sind.

Die erste sensationelle Aufmachung dieser Mel­dung scheint sich aber in ihrem ursprünglichen Um­fang nicht zu bestätigen, sondern man hat nach den weiteren Meldungen den Eindruck, daß es sich um eine Reihe Einzelaktionen einiger abessini- scher Truppenabteilungen handelt, die freilich mit großer Kühnheit vorgetragen worden sind weniger um eine strategisch groß angelegt; Aktion des Führers der abessinischen Nord­armee, Ras Seyoum.

Berichte aus Addis Abeba besagen übrigens, daß in der abessinischen Hauptstadt eine gewisse Unruhe über den geringen Widerstand der Italiener gegen diese Aktionen bestehe, da man einen taktischen Schachzug der italienischen Heeres­

leitung vermute, abessinische Truppenabteilungen nach Eritrea hereinzulocken und ihnen dann den Rückzug abzuschneiden. Im übrigen ist man auch auf abessinischer Seite augenscheinlich der Ansicht, daß die Italiener ihre Kriegsfiihrung ausschließ­lich anf den Norden konzentrieren und die an­deren Fronten, vor allem auch die in Ogaden, zu Ablenkungsmanövern benutzen, um auf diesem Frontabschnitt größere Abteilungen abessinischer Truppen festzuhalten und den Kern der italieni­schen Eypeditionsarmee im Norden zu entlasten, Die Begründung für dieses angebliche Vorgehen der italienischen Heeresleitung sieht man in der Absicht, vor allem in den Besitz der reichen nörd­lichen Provinzen Abessiniens zu kommen. Daß die Operationen im Süden sehr viel langsamer vor sich gehen, liegt vor allem auch daran, daß dort der aufgeweichte Boden noch immer größere Operatio­nen erschwert.

Vielfach hat man die Beobachtung machen können, daß auch Luftangriffe der Italiener nur geringen Erfolg hatten, da die Bomben in dem nassen Boden kaum zur Explosion oder zumindest nicht zu größerer Wirksamkeit kamen.

In Addis Abeba selbst hat man die Vor­bereitungen gegen einen Luftangriff der Italiener weiter vorwärtsgetrieben, obwohl man jetzt viel­fach nicht mehr mit einem solchen Angriff rechnet und zwar nach einem Schritt des Diplomatischen Korps. Es ist, vor allem in der Nähe der englischen Botschaft, eine ganze Reihe von Unter­ständen geschaffen worden.

Man nimmt an, daß gerade diese Gegend von Addis Abeba weniger zum Zielpunkt der italieni­schen Flugzeuge gemacht werden dürfte. Im übri­gen heißt es, daß der Kaiser Mitte der Woche in Begleitung mehrerer Kriegsberichterstatter nach der Nordfront abfliegen wird.

Von amtlicher abessinischer Seite ein- getrosfene Meldungen von der Nordfront besagen, daß Massenüberläufe eingeborener Eritrea-Truppen nach Abessinien begonnen haben. Im Gebiet von Makale gingen SO Eritrea-Askaris unter Führung ihres Vorgesetzten zu den Abessiniern über und brachten Kanonen und Maschinengewehre mit. Ein ähnlicher Uebertritt erfolgte bei Agame, wa 200 eingeborene italienische Soldaten mit Ma­schinengewehren übertraten.

Senf bereitet Sühnemaßnahmen vor

Italien wieder verstandlungsbereit? - Heute Völkerbundsvollversammlung

Genf, 9. Oktober.

In Genf wird heute die Vollversamm­lung des Völkerbundes sich mit dem Ratsbeschluß vom Montag, der Italien der Pakt­verletzung beschuldigt, beschäftigen. Am.Dienstag fanden bereits vorbereitende Besprechungen über die Frage der gegen Italien zu ergreifenden Sühne maß nahmen statt. Im besonderen besprach sich der französische Ministerpräsident Laval mit dem englischen Minister Eden. Der italienische Vertreter, Baron Aloist, protestiert in einem Schreiben an den Präsidenten des Völker­bundes dagegen, daß der Rat die Feststellung des Angreifers vorgenommen habe, ohne daß der Vertreter Italiens zu einer ausführlichen Stellungnahme Zeit gehabt hätte. Er, Aloisi, be­halte sich alle weiteren Schritte vor.

In einem gewissen Gegensatz zn diesem Protest Aloisis steht eine Aeußerung der MailänderGa- zetta del Popolo". Das Blatt läßt eine erhöhte Verhandlungsbereitschaft Italiens durchblicken Es schreibt: Italien gebe allen, die guten Willens sind, zu verstehen nachdem es die italienische Niederlage von Adua im Jahr 1896 wieder gutgemacht hat, daß es heute leichter mit Italien zu verhandeln sei als gestern. Nach der Lösung der Frage der Ehre und des Prestigcs. die nur eine Austragung mit den Waffen zuließ,

beständen über die anderen Probleme Verhand­lungsmöglichkeiten. Natürlich sei es nicht Sache Italiens, zu einer Beschleunigung zu treibe» odez Angebote zu machen.

Der römische Berichterstatter des Pariser ..Ma- tin" meldet abweichend von der Aeußerung der Eazetta del Pololo". man habe nicht den Ein­druck, daß Mussolini gegenwärtig zu Verhandlun­gen schreiten werde. Italien stehe in Abessinien vor gewissen militärischen Schwierigkeiten, die die Regierung in Rom zu größte/ Zurückhaltung veranlaßten.

Zur weiteren Behandlung der Frage der Sühne- maßnahmen ist folgendes festzustellen: Die Aus­arbeitung und Empfehlung von Sanktionsvor­schlägen wird heute vom Völkerbund einem soge­nannten Koordinationsausschuß über­tragen werden, dem die 13 nicht am Konflikt be- teiligten Ratsmitglieder sowie die Nachbarn Ita­liens angehören sollen. Dieser Ausschuß wird auch darüber zu beschließen haben, ob und gegebenen­falls welche Nichtmitglieder des Völkerbundes zur Teilnahme an seinen Arbeiten eingeladen werden sollen. Man nimmt an, daß am Freitag dieser erste Abschnitt der Arbeiten der Versammlung ab­geschlossen sein wird.

Es wird von dem allgemeinen Auftrag, den die Versammlung dem Koordinationsausschuß erteilt.

abhängen, ob dieser sofort einen Gesamtplan für alle beabsichtigten Maßnahmen oder nur ein sogenanntesSofortprogramm" aufstellt. Jedenfalls wird er während der ganzen Aktion bestehen bleiben.

Wre Reuter aus London meldet, wird in dor­tige» maßgebenden Kreise» erklärt, daß die Sühne­matznahmen gegen Italien sich im Rahmen der Grundsätze halten würden, die in der Ent­schließung der Vollversammlung am 4. Oktober 1821 niedergelegt worden sind. Diese Grund­sätze sehen u. a. einen Abbruch der diplomatischen, nicht aber der konsularischen Verbindungen vor, ferner einschränkende Maßnahmen auf dem Ge­biete des Patz- und Eisenbahnwesens und schließ­lich Sühnemaßnahmen, die sich auf die Ausfuhr gewisser Rohmaterialien nach Italien begrenzen würden. Gelinge es nicht mit Hilfe dieser Matz- nahmen, die gewünschte Wirkung zu erzielen, so wird die Blockadefrage aufgeworfen, was jedoch nur als ein allerletztes Mittel bezeichnet wird, da eine Blockade bereits den Charakter von mili­tärischen Sühnematznahmen tragen würde. Eine Blockade würde entweder von sämtlichen Mächte« oder von einer oder zwei Mächte« durchgeführt werden, die auf Anweisung des Völkerbundes handelten.

(Siehe auch Seite 2)

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fteutschland oderftsrika

kin Wort an politisch Unmündige

"Bremen, 9. Oktober. Mit einem Sensationshunger ohnegleichen schaut ein gewisser Teil der deutschen Volksgenossen täg­lich, ja stündlich auf die Karten des Kriegsschau­platzes von Abessinien, als ob von dort das Heil der Welt zu erwarten wäre. Unkontrollierbare Meldungen, bewußt auf diesen Sensationshunger eingestellt, füllten bisher die Spalten mehr oder weniger ernstzunehmender Blätter und leider muß es gesagt werden zogen die höchst not­wendig, ja die selbstverständliche Anteilnahme eines Teiles des deutschen Volkes für seine höchst­eigenen, wichtigen, ja wichtigsten Angelegen­heiten ab.

Da es sich am Tage des deutschen Erntedank­festes zufälligerweise traf, daß der Kampf um Adua einen gewissen Höhepunkt erreicht hatte, wollten unpolitische, wie kleine unverständige Kin­der sich gebärdende erwachsene Menschen dem Er­eignis in Abessinien mehr Bedeutung beigemessen wissen, als dem Tage des deutschen Erntedanks und ließen dadurch wieder einmal so richtig er­kennen, wie sie nach wie vor politisch unmündig geblieben sind, wie sie alles vergessen und nichts hinzugelernt haben von all dem, was das deutsche Volk insgesamt aus den Erfahrungen einer Zeit nationaler Unmündigkeit und darum auch natio­naler Unfähigkeit hat behalten und hinzulernen müssen.

Jeder Mensch von Verstand bestellt im alltäg- lichen Leben zuerst sein Haus, schaut zuerst auf feine Aufgaben, erfüllt zuerst feine Pflichten und feiert zuerst seine Feste. Und dann, wenn ihm noch Zeit bleibt, sich nach den Händeln an­derer umzusehen, wird er sich diese möglichst von weitem besehen, ohne gerade sich dafür zu begeistern oder gar sich davon abhalten zu lassen, in Besorgung der eigenen Geschäfte. Was es vom Standpunkt des deutschen Volkstums für Deutsch- land nützte, daß sich im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts über ganz Deutschland eine ge- sühlsduselige Polenbegeisterung ergoß, was es im Anfang dieses Jahrhunderts Deutschland ein- brachte, daß sich das deutsche Volk einmal zn einer ganz einseitigen Einstellung für die Buren hinreißen ließ, was endlich die große Anteil­nahme Deutschlands an den Valkankämpfen an Vorteilen für Deutschland einbrachte, d. h. was all dies Deutschland nicht einbrachte, ja was für Deutschland durch derlei gefühlsmäßige Fest­legung am Ausbau des eigenen Reiches politisch versäumt wurde, das kann jeder deutsche Volks- genösse sich heute noch nachrechnen und er wird dabei nicht etwa bloß auf eine Null als Er­gebnis kommen, sondern sogar noch ein starkes Passivum verbuchen müssen.

Warum wir hiervon sprechen? Ganz einfach darum, weil wieder einmal so vieleunpolitische", sagen wir lieber politisch-unmündige und unver­ständige deutsche Menschen, ebenso wie sie über den problematischen Meldungen aus Adua die innere und äußere Anteilnahme an dem hehren nationalen Akte auf dem Bückeberg ver­nachlässigten, nun über Abessinien im Be­griffe sind, sich durch den Krieg und das Krieges­geschreida hinten" im dunklen Afrika von ihren Pflichten der Nation gegenüber, soweit das heute beginnende Winterhilfswerk in Frage kommt, ab­lenken lassen. Das Winterhilfswerk ist aber eine für das gesamte deutsche Volk so unermeßlich wichtige Angelegenheit, daß es einfach unbegreif­lich erscheinen müßte, wenn nur ein einziger Volksgenosse dieses Werk oder auch nur sein Be- ginnen am heutigen Tage gleichgültig an sich vorübergehen lassen wollte. Längst hat es die ganze zivilisierte Welt begriffen, daß das deutsche Winterhilfswerk die gewaltigste soziale Tat aller Zeiten ist und es ist schon an dem, daß es nun endlich auch einmal der letzte deutsche Volksgenosse begreifen sollte.

Gemäß der vom Führer dem deutschen Volke gegebenen Botschaft, daß Gemeinnutz vor Eigen­nutz gehen muß, hat sich das von der ganzen Welt bewunderte soziale Hilfswerk vom ganzen Volke ausgehend, das ganze Volk erfassend, auch in diesem Jahre wieder zum Ziele gesetzt, keinen, aber auch keinen in Not be­findlichen Volksgenossen seiner Not zu überlassen. Und wenn wir heute nochmals die gigantischen