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Nr. 274 / Z. Jahrgang
srettag, 4 . Nktober
kimelpreis 15 Npf.
Sie Würfel fielen: Her Krieg begann
78 vomben auf fldua /1788 lote und Verwundete! / Ueber eine Million flbessinier unter den Waffen / erbitterte Kämpfe in der Provinz 8gaden / Hilferufe an den Völkerbund / Ver Senfer Nat für Sonnabend einberufen
Mobilmachung in ffbesfinien
London, 4. Oktober.
Nach umfassenden militärischen Operationen Italiens auf abessinischem Gebiet ist der Krieg zwischen Italien und Abessinien in vollem Gange. Der Kaiser von Abessinien hat am Donnerstagvormittag die allgemeine Mobilmachung angeordnet, die sofort im ganzen Lande eine lebhafte Bewegung der Streitkräfte hervorrief. Neben anderen Truppen-
Unser VaZssspisZel
Im Reichspropagandaministerium wurde festgestellt, daß die Lebensmittelversorgung gesichert ist.
In der abessinischen Provinz Ogaden ist bereits eine große Schlacht im Gange.
Bei italienischen Luftangriffen auf Adua sollen 1788 Abessinier getötet und verwundet worden sein.
Der Völkerbundsrat ist für Sonnabend einberufen worden.
Der amerikanische Präsident Roosevelt hat die Neutralität der Vereinigten Staaten erklärt. Das Bremer Bataillon nahm Abschied von Bremen und bezog seine neue Garnison in Delmenhorst.
Die „B.-Z." veröffentlicht Bremens neuen Winterfahrplan.
In feierlicher Veranstaltung wurden 288 Amtswalterinnen der NS.-Frauenschaft verpflichtet.
abteilungen ist auch die militärische Sonder- abteilung des Kaisers mit einer Kerntruppe von etwa hunderttausend Mann in Aufstellung begriffen.
2n einem Aufruf zur Mobilmachung heißt es:
„Italien hat ein zweites Mal unser Gebiet verletzt. Die Stunde ist schwer. Ein jeder erhebe sich, nehme seine Waffen und halte sich bereit, das Vaterland zu verteidigen. Soldaten! Schart euch um eure Führer! Gehorcht ihnen einmütig und weist die Eindringlinge zurück. Die Weltmeinung steht hinter unserer Sache und gegen einen Angriff auf unser Land. Gott sei mit uns! Alles für den Kaiser, alles fürs Vaterland!
Dem italienischen Gesandten in Addis-Abeba, Graf Vinci, sind von der abessinischen Regierung bereits die Pässe zugestellt worden. Der Gesandte wird mit seinem Personal heute in einem militärisch bewachten Sonderzug Addis-Abeba verlassen. Der italienische Konsul in Adua soll nach einer Reuter-Meldung aus Addis-Abeba aus Beseht des Gouverneurs von Tigre verhaftet worden sein.
Sie Lombardierung ffduas
Ueber den italienischen Vormarsch in Abessinien verlauten folgende Einzelheiten: Die Italiener haben gestern morgen an verschiedenen weit auseinander gelegenen Stellen d i s Grenze überschritten und strebten konzentrisch auf Adua zu. Um 6.38 Uhr morgens haben auch mehrere Geschwader Bombenflugzeuge, Kampfflugzeuge und Aufklärungsflugzeuge die Grenze überquert mit Adua, Adigrat und anderen Orten als Ziel. An dem Vormarsch auf Adua nehmen große italienische Truppenkolonnen teil. Unter den Flugzeugführern, die die Grenze überflogen, befinden sich, dem Berichterstatter der British United Preß zufolge, auch die beiden Söhne Mussolinis. Von einem Flugzeughafen allein starteten 15 große Caproni-Bombenflugzeuge. Der italienische Oberbefehlshaber General de Bono hat sein Hauptquartier in die Nähe der Grenze verlegt.
Der sodann durchgeführte Angriff der italienischen Bombengeschwader auf Adua und Adigrat hat viele Tote — man spricht von 1788 Toter; und Verwundeten — gefordert und zahlreiche Häuser zerstört. Bis letzt sind 78 abgeworfene Bomben gezählt worden. In der Provinz Orjaden soll eine große Schlacht im Gange sein. Die abessinische Regierung hat sofort an den Völkerbund eine Note gerichtet, in der sie gegen die noch andauernde Bombardierung Aduas Einspruch erhebt. Es wird in der Note besonders auf den Verlust an Menschen, unter denen sich auch Frauen und Kinder befinden, sowie auf die Zerstörung vcn Sachwerten hingewiesen. Der italienische Angriff stelle nicht nur eine Verletzung der Eernzen des abessinischen Kaiserreichs, sondern auch einen Paktbruch dar. In einem weiteren Telegramm des Negus an den Völkerbund wird erklärt, daß bei dem italienischen Luftangriff besonders Verbandsplätze des Roten Kreuzes mit Vomben belegt worden seien.
Nach einer noch nicht bestätigten Meldung soll inzwischen die Besetzung Aouas durch ita
lienische Truppen erfolgt sein. Nach einer anderen Meldung soll italienische Infanterie, die gegen die Landschaft Agame vorrückte, von abessinischen Streitkräften zurückgeschlagen worden sein. Für heute wird eine Luft-Attacke auf Addis Abeba erwartet.
Vor ffufmarsch Ver ffbessinier
Die Zahl der durch die allgemeine Mobilmachung aufgebotenen abessinischen Streitkräfte soll, wie in abessinischen Kreisen verlautet, 1188 888 Mann betragen. Zum Führer der Nordarmee mit dem Hauptquartier in Eondar wurde Ras Kassa ernannt, ihm unterstehen 258 888 Mann.
Munition und Verpflegung sollen für zwei Jahre sichergestellt sein. Oestuch des Takaseflusses hat Ras Seyoum das Kommando über 200 080 Mann übernommen. Im anschließenden Abschnitt führt der Gouverneur von Makale, Dedjas Haile Selassie Eugsa, 150 000 Mann. Ras Seyoum ist der Oberstkommandierende im Abschnitt Adua- Makale. Der Kriegsminister Ras Mouloügeta wurde dem Kronprinzen, der der Gouverneur der Provinz Wallo ist, beigegeben. Die Provinz Wallo ist durch den gemeldeten italienischen Vormarsch besonders gefährdet. 100 008 Mann unter dem Befe.hl des Provinzgouverneurs Ras Kebhede Mengescha sind gleichfalls zur Unterstützung des Kronprinzen aufgeboten worden.
Der Kronprinz und der Kriegsminister haben den Befehl erhalten, die Sicherung der Verteidigungslinie von Aussa und der Danakil-Provinzen zu übernehmen. Der Kaiser wird wahrscheinlich sein Hauptquartier in die Umgebung von Harra legen. In diesem Gebiet werden größere Truppen- massen — man spricht von 58 888 Mann — zusammengezogen. Auf der Straße Zeila-Djidjiga gehen große Waffen- und Munitionstransporte auf Lastkraftwagen vor sich. Das Kriegsmaterial soll angeblich englischer und tschechoslowakischer Herkunft sein.
Auf dem Ras Makonnen-Platz im Innern der Hauptstadt Addis Abeba sind zwei Flugab- wehrgeschlltze ausgestellt worden. Vier weitere Flugabwehrgeschütze wurden an der Bahnstation und auf anderen Plätzen postiert.. Aus Amerika sollen in kürzester Zeit 80 Maschinengewehre eintreffen.
von Nom aus gesellen
In Rom wird mit der zehnten Mobil- machungs-Anordnung der italienschen Regierung der tatsächliche Ausbruch der Feindseligkeiten in Ostafrikä „angekündigt". In der Mobilmachungsverordnug heißt es: „Unter dem Druck des kriegerischen Angriffsgeistes in Abessinien, der von den Führern und den Völkerhorden verstärkt wird, die schon seit längerer Zeit mit Bestimmtheit den Krieg gegen Italien verlangen und ihn jüngst vorbereitet haben, bildet die allgemeine Mobilmachung in Abessinien eine direkte und unmittelbare Bedrohung für die Truppen in unseren beiden Kolonien. Die fortdauernde und blutige Angriffslust, die Italien seit 40 Jahren ertragen mutzte, nimmt immer größere Ausmaße und eine weitere Tragweite an und offenbart die schweren und unmittelbar bevorstehenden Gefahren, auf die unverzüglich zu reagieren die elementarsten Grundsätze der Sicherheit erheischen.
Die Oberste Heeresleitung von Eritrea hat daher Befehl erhalten, sich dementsprechend zu verhalten. Die italienischen Truppen sind demzufolge im Vegriss, einige vorgerückte Stellungen jenseits unserer bisherigen Linie einzunehmen.
Weiter wird in Rom der Inhalt der Mitteilung des Kaisers von Abessinien an den Völkerbund über die Bombenabwürfe dementiert. Es heißt in der italienischen Darstellung,
daß es, sich bei dem Telegramm des Negus um abgenützte Lügen handle, deren Tendenz und Böswilligkeit zu offensichtlich seien. Das Vorrücken von italienischen Truppen sei bedeutungslos. Die italienischen Truppen seien lediglich in das sogenannte Niemandsland marschiert. Praktisch hätten die Feindseligkeiten in Ostafrika durch die Mobilmachung in Abessinien ihren Anfang genommen. Der Bombenabwurf über Adua wird in Abrede gestellt.
Neue Macke gegen England
Die römische Zeitung „Lavoro Faszista" erhebt erneut heftige Vorwürfe gegen England. Die mittelalterliche Barbarei Abessiniens habe einen unerwarteten Verbündeten in dem zivilisierten England gefunden, das seinen imperialistischen Egoismus mit Wahlsorgen verbinde und all dies hinter der Maske eines Völkerbundspietismus verberge, wobei es sogar versuche, auch Frankreich in das Spiel hineinzuziehen. Zu jedem Opfer bereit, habe das italienische Volk mit dem Generalappell vom Mittwoch versichert, daß es auch der furchtbarsten aller Prüfungen standhalten werde, einem Krieg im Mittelmeer, wenn es für seine Würde und seine Zukunft notwendig sein sollte.
was geschieht in Senf?
Sofort nach Eintreffen der Nachrichten aus Addis-Abeba über den Großangriff der Italiener wurde gestern in Genf der Völkerbundsrat für Sonnabendvormittag einberufen. Es wird angenommen, daß der Völkerbundsrat ohne weiteres eine Verletzung des Artikels 12 der Völkerbundssatzungen feststellen und demgemäß den Artikel 18 über die Sühnematznahmen für anwendbar erklären wird.
Der Dreizehnerausschuß des Völkerbundsrates hielt Donnerstag nachmittag eine Sitzung ab, die über zweieinhalb Stunden dauerte. Er hat sich offiziell nur mir der Ausarbeitung des
Berichtes über den italienisch- abessinischen Konflikt an den Rat beschäftigt. Der historische Teil wurde bereits gebilligt und für die Darstellung des Sachverhaltes — die „Umstände des Konfliktes" im Sinne der Völkerbundssatzung — wurde ein Redaktions- ausschüß eingesetzt. Bezüglich des dritten und wichtigsten Teiles der vorzulegenden Berichtes, der Empfehlungen, soll die nächste Sitzung des Rates abgewartet werden.
Auf Grund der Telegramme des Negus und der italienischen Regierung wurde ferner beschlossen, von der Entsendung neutraler Beobachter abzusehen, da sich der Ausschuß von ihrer Tätigkeit in diesem Stadium nichts mehr verspricht.
vesprechungen in London
Am Donnerstag vormittag sprach der italienische Botschafter in London. Grändi, beim englischen Außenminister Sir Samuel Hoare vor, um ihm mitzuteilen, daß die Zusammenziehuug italienischer Truppen, in der Nähe des Berges Mussa Ali auf die Haltung Abessiniens zurückzuführen sei. Der Botschafter hatte ferner eine Unterredung mit dem ständigen Unterstaatssekretär Sir Robert Vansittart. Weiter sprach der Oberbefehlshaber für Südafrika, Te Waisr, am Donnerstag im Foreign Office vor; auch dieser Besuch kann mit der Lage in Abessinien in Zusammenhang gebracht werden.
In London rechnet man nach dem Ausbruch der Kämpfe in Abessinien ziemlich sicher mit einer vorzeitigen Einberufung des britischen Parlaments, das normalerweise erst am 29. Oktober wieder zusammentreten sollte. Als Grund wird der Umstand angeführt, daß der Völkerbund sein Verfahren jetzt wahrscheinlich ändern muffe und die Möglichkeit der Ergreifung von Sühnematz nahmen nicht länger von der Hand zu weisen sei.
Sämtliche Mitglieder der englischen Regierung halten sich für eine Kabinettssitzung am Sonnabend bereit.
Sobald die Frage von Sühnemaßnahmen für England ein praktisches Problem zu werden beginnt, wird zweifellos das Parlament einberufen werden, um die vom Kabinett bis dahin beschlossenen Maßnahmen zu besprechen und zu billigen.
Völkerbundsmimster Eden ist am Donnerstag gegen 18 Uhr in Paris eingetroffen. Er hat sich sofort in die englische Botschaft begeben.
wo steht Frankreich?
Paris, 4. Oktober.
In französischen politischen Kreisen beschäftigt man sich eingehend mit der Antwort, die die französische Regierung im Ministerrat am Freitag auf die englische Anfrage wegen der Haltung Frankreichs im Mittelmeer erteilen mutz. Man glaubt allgemein, daß diese Antwort folgende Feststellung enthalten wird: Falls Italien nach Anwendung von gemeinsamen Sühnematznahmen eine Kriegs Handlung gegen England begehe, so wäre der Tatbestand des Absatzes 3 des Artikels 16 der Völkerbundssatzungen gegeben, und Frankreich würde seine Ver-
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