Ausgabe 
(1.10.1935) Nr. 271
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lZremer

p arteiamtl.Iag esz eitung der

Vas flmtsblatt des Senats

Bremer Zeitung erscheint täglich (auch Montags,. Monatsbezug: RM. 2.3« «inschl. »0 Rpf. AustellungSgebüIn:

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Nationalsozialisten Vremens

der Zreien lianfestadt vremen

Nr. 2^1 / Z. Jahrgang

Anzetgen-Krundpretse: Tte 2S-mm<steile im Anzeigenteil 12 Rps. die lv-mm-Zeil« im Lextteli 7b Rpf.

Ermäßigte Grundpreise (sür kleine Anzeigen, s^amilienanzeigen u a.) sowie sonstige Bedingungen laut Preisliste S. (Nachlaßstaliel v.s ffü, Anzeigen durch fternsprecher keine Gewähr Annabmeichlust 1« Uhr. Sprechzeit: Berl^''n»^*ee^^fsch non t2 ig ish.' bis Freilos nsn llhr.

Dienstag, 1. Oktober

kinzelpreis lS Npf.

Italienische Iruppen überschreiten die 6ren;e

ZMert der Kaiser von stbesstnien noch mit der Mobilmachung? / französische Iruppen treffen Sicherffeitsmaßnaffmen

trünssr lagssspivgsl

Der Führer stattete der ostpreugischen Wehr­macht einen Besuch ab.

Der ungarische Ministerpräsident äußerte sich sehr befriedigt über seinen Berliner Besuch.

2m Memelgebiet sind die Wahlen unter gro­tesken Begleitumständen beendet worden.

Die italienischen Truppen haben die abessi- nische Grenze in der Nähe von Französisch- Somaliland überschritten.

Im Zusammenhang mit dem italienisch-abes- sinischen Konflikt wird auf eine engere Zu­sammenarbeit zwischen London und Paris hingearbeitet.

Der Moskauer Kongreß der Jugend-Inter­nationale steht ganz unter dem Einslug des Bolschewismus.

Auf dem zweiten Tag der Bremer Eeschichts- taguug wurden beträchtliche Geldpreise ge­stiftet.

Oberführer llhde des NSKK. sprach vor den Stürmführern und Sportreferenten der Mo­torbrigade Nordsee in Hülsen.

Bei einem letzten Appell «ahm Oberst Wittke Abschied von der Landespolizei Jns.-Rgt. 27.

WWDWM!!!!!!I!IW

Ver sührer in Ostpreußen

> Königsberg, 1. Oktober

Bekanntlich findet am Mittwoch, 2. Oktober, dem Geburtstage Hindenburgs, die feierliche lleberführung der Leiche des verewigten Eeneral- Mdmarschälls und Reichspräsidenten in die Gruft des Tannenberg-Nationaldenkmals statt. Der uhrer und Reichskanzler hat sich bereits nach stpreutzen zur Teilnahme an dieser Feier be­geben. Er stattete gestern der ostpreugischen Wehrmacht und ihren Einrichtungen einen Besuch ab. In der Begleitung des Führers be­finden sich der Reichskriegsminister, Generaloberst von Blomberg, und der Oberbefehlshaber des Heeres, General der Artillerie Freiherr von Fritsch.

Der Führer und Reichskanzler wurde bei seinem Eintreffen in Landsberg von dem kommandie­renden General des ersten Armeekorps und Be­fehlshaber im Wehrkreis 1, Generalleutnant von Brauchitsch, und dem Oberpräsidenten und Gau­leiter Erich Koch empfangen und begrüßt. Der Führer wohnte zunächst einer Felddienstübung des Infanterieregiments Königsberg südlich Landsberg bei. Er begab sich sodann nach Been­digung der Uebung gegen Mittag im Kraftwagen zum Truppenübungsplatz Stablack, wo er an dem Scharfschießen eines Bataillons teilnahm.

Der Führer traf gegen 17 Uhr, begleitet vom Reichskriegsminister Generaloberst von Blomberg und dem Oberbefehlshaber des Heeres, General der Artillerie, Freiherrn von Fritsch, an der Stadtgrenze von Königsberg ein. Auf der ganzen Fahrt, die über Preußisch-Eylau führte, bereitete

Der Erritedanktkg 1835 steht im Zeichen der Wehrmacht. Zusammen mit ihrem Führer grüßen Bauern, Bürger und Arbeiter den Wehrstand.

die ostpreußische Bevölkerung dem Führer einen überaus herzlichen Empfang. Von nah und fern waren die Volksgenossen in den festlich geschmück­ten Dörfern zusammengeströmt, um den Führer aus der Durchfahrt zu begrüßen. Im Königs- Lerger Stadtgebiet, selbst waren die . Straßen schon lange vor dem Eintreffen der Absperrkom- mandos von einer erwartungsfreudigen Menge dicht besetzt. Der Führer'fuhr den sieben Kilo- meter langen Weg vom Stadtrand bis zum Hotel im Innern der Stadt durch ein Spalier von jubelnden Menschen. Am Abend war der Führer Gast des kommandierenden Generals des ersten Armeekorps und Befehlshaber im Wehr­kreis I, Generalleutnant von Brauchitsch.

knglische Frontkämpfer danken dem

sichrer

Berlin, 1. Oktober.

Eine Abordnung der Ortsgruppe Brighton des englischen FrontkämpferverbandesVritish Le­gion" ist zur Erwiderung eines Besuchs in Deutsch­land eingetroffen, den eine Gruppe deutscher Frontkämpfer vor einigen Monaten in Brighton uird London auf Einladung dieses Verbandes ge­macht hatte. Der Führer dieser Abordnung hat aus Münster in Westfalen an den deutschen Reichskanzler folgendes Telegramm gerichtet:

Tief beeindruckt von der freundlichen Auf­nahme, welche die erste Abordnung alter Solda­ten einer Ortsgruppe der britischen Legion in Deutschland findet, bitten wir ehrerbietig den Führer und das deutsche Volk, unsere aufrichtige Wertschätzung und Dankbarkeit für die groge Freundlichkeit entgegenzunehmen, die wir herz­lichst erwidern. Hauptmann McEaks"

London, 1. Oktober.

Evening Standard" meldet am Montag abend: Es wird berichtet, daß italienische Truppen 32 Ki­lometer über die provisorische abessinische Grenze in der Nähe von Franzvsisch-Somaliland vorgerückt seien. Die italienischen Truppen hätten das Drei­eck zwischen dem Gebirge und Französisch-Somali- land besetzt. Aus Grund der Berichte über den ita­lienischen Vormarsch habe der Befehlshaber der französischen Truppen in Dschibuti sofort Sachver­ständige ausqesandt, um die Grenze aus einer Strecke von 49 Kilometern mit Pfählen zu mar­kieren. Diese Sachverständigen seien von einer Ab­teilung Senegaltruppcn begleitet gewesen. Als weitere Vorsichtsmaßnahme seien 50 französische Flugzeuge zu einem 2-tstündigen Erkundungsslug aufgestiegen. Es werde vermutet. Laß das Ziel des italienischen Vorgehens die Stadt Duanle sei, die etwa 16 Kilometer von der Grenze von Franzö- sisch-Somaliland entfernt liegt. In dem Bericht wird hinzugefügt^ daß die Grenze an der Stelle des angeblichen italienischen Vormarsches nicht genau festgelegt sei.

Addis Abeba, 1. Oktober.

Wie nunmehr feststeht, liegen die Plakate mit dem Aufruf zur allgemeinen Mobilmachung Abessiniens bereits seit einer Woche fertig ge­druckt in der Staatsdruckerei. Die Erklärung der

Memel, 1. Oktober

Die Memelwahl ist in den meisten Bezirken beendet. Die Wahllokale in Memel wurden zwar um 18 Uhr geschlossen, jedoch war die Zahl der noch in den Borräumen und auf der Straße War­tenden so groß, daß der Vorsitzende der Wahl­kreiskommission anordnen mußte, die Vorräume und die Höfe als mit zum Wahllokal gehörig zn betrachten und alle dort befindlichen Personen abzufertigen. In einzelnen Wahllokalen velies sich die Zahl der noch Wartenden nach Hunderten.

Auf der Kurischsn Nehrung, also in Orten, wo die Zahl der Wähler nur klein ist, ist die Wah l- üeteiligung außerordentlich stark. Sie beträgt in den einzelnen Wahlbezirken 96 bis ISO v. H. In Niddsn haben von 451 Wahlberech­tigten 431 Wähler ihr Wahlrecht ausgeübt, in

allgemeinen Mobilmachung wird für nächste Woche erwartet und soll unter großen. Zeremonien erfolgen, wobei im ganzen Lande die Kriegs­trommeln gerührt werden. Die Berater des Kaisers hatten in Anbetracht der Lage in Genf die Verkündung der Mobilmachung bereits in der vergangenen Woche gewünscht. Auf Wunsch des Kaisers wurde sie jedoch hinausgeschoben.

Im Laufe der nächsten Woche werden mehrere Waffenlieferungen in Äbessinien erwar­tet. So soll eine große Waffensendung aus Japan und ein Schiff mit Kriegsmaterial aus Belgien in Dschibuti eintreffen. Die Bekanntgabe der vom Kaiser bereits unterzeichneten allgemeinen Mobil­machung wird davon abhängig gemacht, wie der Völkerbund auf das Telegramm des Negus vom Sonntag reagieren wird. In Zentralabessinien schreitet die Teilmobilisierung sort. Aehnliche Meldungen laufen aus den Grenzprovinzen ein. Die Stimmung ist aufs äußerste gespannt.

Nach Meldungen aus amtlicher abessinischer Quelle soll der Völkerbund dem Kaiser bereits mitgeteilt haben, daß er unter den von Äbessinien geschilderten Verhältnissen gegen eine allgemeine Mobilmachung nichts einzuwenden habe, da diese zur Landesverteidigung notwendig sei.

Die italienische Presse glaubt in den abestini- schen Vorbereitungen bereits die vollzogene

Schwarzort von 287 Wahlberechtigten 251, in Preil von 292 193 und in dem kleinsten Wahl­bezirk Süderspitze sämtliche 29 Wahlberechtigten.

Befremdend mutet es an, daß das Bündel mit den Wahlumschlägen von Süderspitze, das am Sonntag Landesdirektor Anysas entgegennahm, am Montag in dem vorgesehenen Raum im Di­rektorium nicht aufzufinden war. Man macht sich in den Kreisen der Einheitsliste Sorge über das Verschwinden dieses Bündels.

Immer neue Klagen geheu in Memel ein über die Wahlbeeinflüssung durch litaui­sche Wahlhelfer, die in einer Unzahl von Fällen für die memelländischen Wähler, die sie zu betreuen hatten, falsche Zettel in den Umschlag gesteckt haben sollen. Bezeichnend für das Ver-

Proklamation der allgemeinen Mobil­machung sehen zu können. In politischen Kreisen Roms habe dies keine Ueberraschung hervorge­rufen, da man hier niemals den Friedensbeteu­erungen des Negus irgendwelchen Glauben ge­schenkt habel Nach römischer Auffassung sei nun­mehr die Maske endgültig gefallen. 'Allgemein wird die Mobilmachung des Negus als erster praktischer Schritt zum Kriege aufgefaßt.

Es steht noch nicht fest, welche Schritte Italien im unmittelbaren Anschluß an diese Mobilmachung tun wird. Man läßt jedoch durchblicken, daß der kriegerische Schritt des Negus auf die direkten und indirekten Ermutigungen zurückzuführen sei, die die abessinienfreundliche Haltung gewisser Mächte in Addis Abeba hervorgerufen habe. Nach der Mobilmachung des Negus wird hier zusam­menfassend erklärt, daß die sich täglich mehr ver­wirrende Situation nur noch mit Mut und Ent­schiedenheit gelöst werden könnte. Wenn man hier auch stets außerordentlich zurückhaltend in irgendwelchen Voraussagen über den Kriegsbeginn ist, deutet doch alles darauf hin, daß Italien keinen Grund habe, noch allzu lange Zeit ver­streichen zu lassen. Auch die norditalienische Presse greift Äbessinien scharf an, dessen Hand­lungsweise heuchlerisch und herausfordernd ge­nannt wird.

halten der litauischen Wahlvorsteher ist folgender Vorgang:

Ausländische Journalisten traten in zwei Meme- ler Wahllokalen kurz vor 19 Uhr, also eine Stunde nach Abschluß der Wahl, an die Wahl- vorsteher heran und fragten sie, ob denn die noch draußen stehenden Wahlberech­tigten nicht ebenfalls noch ihre Stimmen ab­geben könnten. Die Wahlvorsteher, die vorher das Hereinlassen dieser Leute, die noch vor 18 Uh, zur Wahl erschienen waren, rücksichtslos abgelehnt hatten, erklärten jetzt, daß die draußen Stehen­denselbstverständlich" noch wählen könnten.

Ein von den Litauern vorübergehend festge­nommener Vertrauensmann der Einheitsliste, der über Sonntag in das Zuchthaus von Ba­iohren gebracht worden war, hat dort von seinem Zcllcnfenster aus beobachten können, wie am Wahltage Leiterwagen über Leiterwagen mit einigen hundert Menschen von Litauisch-Crottin- gen zur Wahl über die Grenze gefah­ren wurden. Die Eespannführer der Leiterwagen sollen litauische Polizsibeamte gewesen sein.

In einer Schule in Schmelz standen etwa 300 Menschen vor Beginn der Wahl wartend am Ein­gang, als plötzlich sieben litauische Schützen mit aufgepflanzten Bajo­netten, die die litauischen Parteien bezeichnen- derweise schwer bewaffnet zu ihrem Schutz in den Keller des Wahllokals beordert hatten, versuchten, sich durch die Menge zu drängen, ob­wohl sie bequem aus dem Hinterausgang hätten gehen können.

Sie schlugen mit den Kolben wild auf die Wartenden ein. Zwei von den Schlägen ge­troffene Frauen stürzten besinnungslos zu Boden und waren nach Stunden noch nicht wieder zum Bewußtsein gelangt.

Die Wahlkreiskommission trat am Montag­mittag zu einer längeren Sitzung zusammen, um sich darüber schlüssig zu werden, was mit der Neu­wahl im Bezirk Jugnatsn-Wixen werden soll. In Jugnaten hatten Bauern die Wahlurne zer­trümmert und die Wahlzettel verstreut. Die Wahlkreiskommission beschloß, die Wahl für un- gültig zu erklären und Neuwahlen auf den 0. Oktober anzuberaumen.

Es wurde weiterhin beschlossen, den Wahl­bezirk in die Orte Jugnaten und Wixen zu teilen und mindestens 85 Wahlzellen aufzustellen. Am Sonntag, 6. Oktober, wird hier also von 8 bis 20 Uhr nochmals gewählt.

Undurchführbar

Memelland-Vertreter drahtet an die Unterzeichner des Memel-Abkommens

Königsberg, 1. Oktober.

Wie aus Gens gemeldet wird, hat der Vertreter der Mehrheit der memelländischen Bevölkerung, Schulrat Meyer, Montag früh an die Abordnungen der Unterzeichnermächte des Memel-Abkommens in Genf Telegramme gerichtet. Die verantwortlichen Mächte werden in den Drahtungen darauf auf­merksam gemacht, daß der bisherige Verlauf der Wahl im Memelgebiet ergeben hat, daß verschie­dene wichtige Bestimmungen des Wahlgesetzes sich als undurchführbar erwiesen haben.

Die ordnungsmäßige Wahl sei überdies durch die Fälschung der Stimmzettelblocks, die von der einseitig zusammengesetzten Wahlkreiskommission ausgegeben worden seien, sowie durch verschiedene Terrormaßnahmen und Schikanen seitens der li­tauischen Polizei und einzelner Stimmbczirksvor- sitzender gesährdet. Es wird die Sicherstellung einer verfassungsmäßigen Wahl verlangt.

(Weitere Meldungen siehe Seite 2)

feststellen

und doch fortschreiten?

Nur immerMannigfaltigkeit" im Geschäft!

* Bremen, 1. Oktober.

Feststehen und doch fortschreiten", gab soeben eine geschäftige Presse in Bremen als Losung in einem sich selbst stark beweihräuchernden Aufsätze sür sich und ihre Leser aus. Sie ver­sichert dabei, diesen ihren Lesern von altersher guter Freund und Berater gewesen zu sein. Da es indes immer auch schon falsche Freunde und schlechte Berater gegeben hat. will es uns scheinen, als ob es sich einmal der Mühe lohnen würde, zu obiger Losung und dem ihr innewohnen­den für die Eeschäftspresse sehr bezeichnenden Widerspruch etwas ausführlicher zu werden.

Stets ist es so gewesen, daß sich die G«qchäfts- prejse als Freund und Berater ihren Lesern gegen­über zu empfehlen wußte. Ganz gleich, welchen der 29 Parteien im System-Deutschland unseligen Angedenkens eine Eeschäftspresse dereinst nachlief, ganz gleich welche Sonderinteressen sie in dem Jnteressentenhauzen, dem sie angehörte, vertrat: Geschäftstüchtig und gewinnheischend hat sie sich stets oen Anschein zu geben verstanden, als ob ihr das Volkswohl wirtlich am Heyzen läge. Ob getarnter sozialer Marxismus, ob kon­fessionell aufgezogener Ultrarnontanismus, ob hurraschreienoer nationaler Kapita­lismus (letzterer lehnte grundsätzlichSozia- lismus in jeder Spielart" ab): stets ver­sicherte die Eeschäftspresse, so wie es ja alle 29 Par­teien in Deutschland taten daß sie nur und aus­schließlich das Wohl des Volkes im Auge hätte. Wohin Deutschland und das deutsche Volk dabei kamen, haben wir ja alle dann erlebt, und die sehr nützliche Erinnerung daran blieb uns bis heute recht lebhaft im Gedächtnis. Was lag freilich auch der geschäftstüchtigen Presse daran, wohin Deutschland geriet. Sie lebte ja vom ver­heerenden Zwist im Volke, das vom vergifteten Parteienstreit hin und her qezerrt wurde. Und je heißer die Leidenschaften der sich befehdenden Volksgruppen stiegen, um so größer wurde ja das Interesse der Zeitungsleser und um so höher konnte die Auflage steigen. Um so mehr füllten sich aber auch damals die feuersicheren Geldschränke der Zeitungsherren.

Das war im ganzen Reiche so, und das war auch hier so in Bremen. Und seltsam erscheint nur, daß es auch heute noch einen Teil von Zeitungslesern gibt, der dieses alles noch immer nicht durchschaut hat. Aber freilich ist die Eeschäftspresse ja heute wie ehemals darauf bedacht, ihren Lesern Honig­seim, auf die Lippen zu träufeln, ohne die Leser erkennen zu lassen, welche weniger bekömmlichen Stoffe zuweilen in Honigseim gemischt sein kön­nen. Sie versucht eben auch heute wie ehemals allen Anforderungen gerecht" zu werden feststehend und dabei vorwärts schrei­tend".

Von Treue hört man da reden, wo niemals Treu« zu erkennen war. Denn wo politisches Tha- mäleontum zu Hause ist, kann nimmermehr die Treue wohnen. Von Ueberzeugung liest man da und bedauert dabei, wie so eine Presse seiner selber spotten kann; denn wer viele Ueberzeugungen schon gehabt hat, und viele Meinungen schon mit dem Brustton der Ueberzeugung propagierte, sollte das Wort Ueberzeugung heute überhaupt nicht mehr in den Mund nehmen dürfen. Auch Dank verlangt die Eeschäftspresse von ihren Lesern, ja- wohl Dank, und glauht, daß ihre Leser es längst vergessen hätten, wie diese Presse, solange sie Hahn im Korb gewesen, sich rund 50 Prozent mehr bezahlen ließ als heute, wo sie allerdings immer noch sehr gut auf ihre Rechnung kommt. Vertrauen, sogar unerschütterliches Vertrauen setzt so ein Blatt bei seinen Lesern vor­aus und sollte doch eigentlich gut genug wissen, wie oft es selber das Vertrauen seiner Leserschaft ent- täuschte. Und Heimatzeitung nennt es sich auch und ist sich anscheinend gar nicht darüber im klaren, wie wenig es bisher den Heimatgedanken begriff.

Was sonst so ein Blatt noch von sich rühmt? Zeitgemäß" will es sein,vielgestal­tig",politisch", ja sogarkulturell erzieherisch". Und das allen Ernstes. Man braucht aber nur die Spalten einer Nummer recht aufmerksam zu lesen und vor allem auch zwischen den Zeilen lesen zu können und man erhält so­fort einen Begriff vom Festhalten an ver­sunkenen Dingen, von einseitigem An­klammern an abgetane Anschauun­gen, von eintönigem Änbeten überalter­ter Einrichtungen. Die erzieherische Note einer solchen Zeitung soll man wohl darin er­kennen, daß sie, die sich nationalsozialistisch gibt weil sie sich gleichschalten mußte, bis jetzt noch nicht einmal hegriffen hat, was das natio­nalsozialistische Programm für uns Nationalsozia­listen, für Deutschland und die Welt bedeutet.

Wie hätte ein solches Blatt sonst auch seinen Lesern tränenden Auges mitteilen können, daß nurwenig Optimisten" nach der nationalen Er­hebung erwartet hätten, daß die Regelung der Judenfrage mit so unerbittlicher Folgerichtigkeit durchgeführt werden könnte (wie das auf dem Nürnberger Parteitag geschehen ist). Wie hätte diese Presse die Taktlosigkeit besitzen können, nach

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walstchaos im Memelgebiet beendet

srok lttotiisHer Schikanen außerordentlich starke woklbeteiligung / Nokeitsakte der litauischen Polizei