Ausgabe 
(30.4.1935) Nr. 118
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das amtliche Organ Ses Senats

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der Sreien Hansestadt vremen

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Nr. 118 / z. Jahrgang

Dienstag,

30. April

Einzelpreis is Apf.

LLntechauö-Ausfprache Wer deutsche Ll-Boote

Zwölf U-Boote zu je 2SV Tonnen

Der englische Außenminister verschließt sich

cknb. London, 30. April.

Im Unterhaus wurde am Montagnachmittag die Frage gestellt, ob der Außenminister darüber unterrichtet worden sei, daß die deutsche Regie­rung Anweisungen für die Kiellegung von Unter­seebooten und die Wiedereröffnung der Untersee­bootsschule in Kiel erteilt habe. Der Außen­minister Sir John Simon erwiderte:

Die deutsche Regierung hat mitgeteilt, daß Anweisungen für den Bau von 12 Unterseebooten zu je 250 Tonnen erteilt worden sind. Die An­gelegenheit wird zurzeit erwogen. Ueber die Unterseebootschule in Kiel ist keine solche amt­liche Mitteilung erfolgt." Auf die Frage Sir Austen Chamberlains, wann die Mitteilung ein- gelausen sei, erwiderte der Außenminister, ihm sei das genaue Datum nicht gegenwärtig, aber er glaube, daß es der 2S. April gewesen sei.

Ein Abgeordneter stellte darauf die Frage, ob der Außenminister die nötigen Schritte unter­

nommen habe, umdiese weitere Verletzung des Versailler Vertrages" zur Kenntnis des Völker­bundes zu bringen, und ob man beabsichtige, die Flottenbesprechungen zwischen Deutschland und Großbritannien stattfinden zu lassen. Sir John Simon erwiderte:Ich habe bereits gesagt, daß wir die Angelegenheit mit dem Ernst prüfen, den sie zweifellos verdiene. Ich möchte jedoch jetzt nicht gedrängt werden, heute eine weitere Ant­wort zu erteilen."

Der konservative Abgeordnete Hauptmann Mac- donald wies daraufhin aufs neue auf die Berichte Wer die Wiedereröffnung der Unterseebootsschule in Kiel hin und darauf, daß frühere deutsche llnter- seebootsoffiziere aufgeboten seien. Sir John Simon sagte, daß hierüber keine amtliche Mitteilung ge­macht worden sei. Der Abgeordnete Thorne fragte, ob Sir John Simon jetzt nicht glaube, daß Hitler ihm bei seinen Berliner Gesprächen nicht die ganze Wahrheit gesagt habe. Der Abgeordnete Herbert

Wer etwas leistet/ soll fordern"

Ein Ausruf des Aeichsorganifalionsleiters Dr Leu

Unser lagesspiegei

Im englischen Unterhaus fand eine Aussprache über den Bau deutscher U-Boote statt Polnisch-litauische Verständigungsverhandlun­gen find eingeleitet worden In einem Ausruf zum 1. Mai kündigt Dr. Leq praktische Ergebnisse in der Lösung der Lohn­frage an

Die Deutsche Arbeitsfront gibt für alle Mit- lieder neue einheitliche Mitgliedsbücher eraus

Die nun bekanntgewordenen Sieger im Reichs- berufswettkampf treffen sich heute in Berlin Der Reichs-Seefischausschuß gewährt dem Handel für Beschaffung von Eiskisten einen wesentlichen Zuschuß

2m Hamburger Vatermörderprozeß würde der Angeklagte Alfred Wegner zum Tode ver­urteilt

In Bad Nenndorf fand eine große Tagung des Landesverkehrsverbandes Weserbergland statt .

Die Kreispropagandaleitung in Bremen er­ließ die letzten Anordnungen für den 1. Mai Nach dem Länderspiel gegen Belgien ist die deutsche Mannschaft gegen Irland ausgestellt

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Verständigung Polen-Litauen

(vrabtbsriobt nnssrsr Lsrlinsr Lobriktleitung)

ür. Berlin, 30. April.

Aus Warschau liegt die interessante Meldung vor, daß der Außenminister B eck bei seinem Auf­enthalt in Genf am 18. April den litauischen Ge­sandten in Paris, Klimas, empfangen habe. Es ist in einer jetzt darüber veröffentlichten amtli­che» Meldung gesagt worden, daß sich das Gespräch aus die Frage der Wiederanknüpsung der polnisch- litauischen Verhandlungen bezogen habe. Aus­fällig ist, daß diese Meldung erst 14 Tage nach der Unterredung veröffentlicht worden ist. Man schließt daraus in diplomatischen Kreisen, daß der polnische Außenminister großen Wert darauf legt, für den Fall einer Bereinigung der Beziehungen zwischen Polen und Litauen nach außen zur Kenntnis zu bringen, daß die Znitiative für eine solche Aktion bei Polen liegt.

Gudetenbeutsche mißhandelt

Prag, 29. April

DasPräger Montagsblatt" berichtet über un­glaubliche tschechische Ausschreitungen, die sich nach dem Liga-Spiel des deutschen Präger Fußball­klubs DSL. gegen den tschechischen VereinBo- hemians" ereignet haben. Nach dem ohne jeden Zwischenfall verlaufenen Kampf wurde ein DSC.- Spieler von einem Ordner des gastgebenden tsche­chischen Vereins angefallen und am Halse ge­würgt. Dies bildete das Signal für die im Pu­blikum befindlichen Raufbolde, auf den Platz zu stürmen und die DSC.-Spieler mit Tritten und Ohrfeigen zu mißhandeln. Die an­wesenden Amtswalter des KlubsBohemians" fgnden es nicht der Mühe wert, einzugreifen und die Ordnung wiederherzustellen.

Zeitungsberichte» zufolge hat die tschechoslo­wakische Regierung den NamenSudetendeutsche Heimatfront" verboten, desgleichen ist die Ver­wendung des Schildes mit dem Namenszug SHF." untersagt worden. Wie wir erfahren, wird die Heimatfront unter dem NamenSude­tendeutsche Partei Vorsitzender Konrad Henlein" in die Wahlen gehen.

Berlin, 29. April

Der Reichsorganisationsleiter und Reichs­leiter der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, er-' läßt folgenden Ausruf:

Soldaten der Arbeit, Männer und Frauen der Deutschen Arbeitsfront!

Ihr habt durch die Vertrauensratswahlen 1935 der Welt ein überwältigendes Bekenntnis zu Adolf Hitler, unserem Führer, und zum neuen Deutschland gegeben. 85 Prozent aller Stimmen haben sich zur Betriebsgemeinschaft und darüber hinaus zur Volks« und Leistungsge­meinschaft bekannt. Ihr habt nicht allein be­wiesen, daß unser Erziehungswerk zur Kamerad­schaft und zur Gemeinschaft Erfolg hat, ihr habt darüber hinaus gezeigt, daß ihr bereit und fähig seid, euch über den Alltag mit seinen Kleinheiten zu erheben und daß ihr meinen Aufruf, der Welt ein leuchtendes Vertrauensbekenntnis zum Führer und Nationalsozialismus zu geben, gefolgt seid. Ich danke euch.

Gewiß, das Lohnniveau ist noch das alte, viel Not und Elend sind noch in unseren Reihen und doch beseelt uns alle die Hoffnung des Frühlings unseres Volkes: Es geht aufwärts! In diesem Jahre wird auch der letzte Arbeitswillige Arbeit bekommen, und damit hat der Führer bereits im dritten Jahre seiner Regierung sein Versprechen, die Arbeitslosigkeit zu bannen, ein­gelöst. Ebenso hat der Führer ein anderes Wort

wahrgemacht: Die Nationaffozialistische Deutsche Arbeiterpartei wird dem deutschen Arbeiter seine Achtung und Ehre zurückgewinnen. Nicht allein außenpolitisch hat der Führer die Gleich­berechtigung zurückerobert und die Wehrhoheit und damit die Souveränität Deutschlands pro­klamiert, nein, auch im Innern Deutschlands hat er dem deutschen Arbeiter sein deutsches Va­terland gegeben, den Platz innerhalb der deut­schen Nation, der ihm kraft seiner Leistungen gebührt.

Arbeiter und Arbeiterin! Du wirst mir ge­stehen, es ist in den Betrieben, Kontoren, Werk­stätten und Fabriken anders geworden. Der Geist i st ein neuer. Ihr werdet heute besser behandelt. Das ist eine unumstößliche Tatsache. Und außerhalb des Betriebes sorgt die NS.-Ge- meinschaftKraft durch Freude" für Kultur, Sport, Reisen.

Die Schönheiten des Lebens sind nicht mehr das alleinige Vorrecht der Besitzenden, sondern Kraft durch Freude" sorgt dafür, daß gerade euch Arbeitern und Arbeiterinnen die Schönheit der Berge, Flüsse und Meere, die Kunst der Theater und Konzerte, die Wohltaten des Sportes und der körperlichen Ertüchtigung erschlossen werden.

So feiern wir den 1. Mai 1935 als einen Tag des Besinnens, des Stolzes, der Freude und der Verpflichtung. Aus alledem ziehen wir eine un­erschütterliche Verpflichtung, die in folgenden 10 Punkten für die Arbeiten der kommenden Zeit festgelegt sei:

müßigen Fragen

fragte:Ist die erklärte Absicht der deutschen Re­gierung, von neuem Unterseeboote zu bauen, nicht ein weiterer Beweis dafür, daß die deutsche Wie­deraufrüstung in der Hauptsache gegen Großbritan­nien gerichtet ist?"

Der Außenminister ließ diese weiteren Fragen unbeantwortet.

Ministerpräsident Macdonald teilte im Unterhaus mit, daß die außenpolitische Aus­sprache am Donnerstag mit einer Erklärung der Regierung eröffnet werde. Eine zweite Aussprache über die technischen Gesichtspunkte der Wehrfrage werde später stattfinden.

Außenminister Sir John Simon erklärte in Be­antwortung einer weiteren Anfrage, daß im Ver­lauf der Aussprache am Donnerstag ohne Zwei­fel die Entschließung des Völker­bundsrates in der Frage der deutschen Auf­rüstung und ihre Folgen zur Sprache kommen werde. (Siehe auch S. 2)

1. Wir grüßen den Führ« am Morgen und danken ihm am Abend dafür, daß er uns Lebenswillen und Lebenshossen neu geschenkt hat.

2. Wir wollen wetteifern, dem Volksgenossen zur Linken und zur Rechten Gutes zu tun und ein guter Kamerad zu sein, weil wir wahre und ehrliche Sozialisten sein wollen.

3. Wir wollen nie mehr von der Gemeinschaft fordern, als jeder einzelne von uns bereit ist, der Gemeinschaft zu geben.

4. Der Kampf soll unseres Lebens Inhalt sein, weil wir wissen, daß der Himmel nur dem die Freiheit schenkt, der bereit ist, sein Letztes dafür einzusetzen.

5. Die Arbeit sei unsere Ehre und die Leistung allein unterscheide den einen vom anderen.

6. Die Ehre der Nation sei unsere persönliche Ehre! Bon Glück und Wohlstand der Nation hängen persönliches Glück und persönlicher

. Wohlstand ab.

7. Wer etwas leistet soll fordern.

8. Eine gerechte Interessenvertretung ist notwen­dig; jedoch haben die persönlichen Interessen dort aufzuhören, wo das Interesse der Ge­meinschaft beginnt.

9. Man darf sich niemals auseinander- raufen, sondern immer zusammen­raufen.

10. Seid untereinander wahrhaftig und ehrlich. Bannt aus euren Reihen Hinterhältigkeit und Verrat.

(Fortsetzung auf S. 2)

Gerechte Lohnpolitik

Der i. Mai wird richtunggebend sein

Bremen, 30. April.

Nachdem erst kürzlich Dr. Ley in einem grundsätzlichen Aussatz aus die bevorstehende Vollendung der neuen Sozialordn ung hingewiesen hat, nachdem auf der Leipziger Tagung der Deutschen Arbeitsfront die Ein­gliederung der Reichswirtschastskammer in die Arbeitsfront bekanntgegeben worden ist, nachdem sich in weiten und interessierten Kreisen des deutschen Volkes das Gefühl Bahn gebrochen hat, daß man nun im drit­ten Jahr der nationalsozialistischen Staats-- führung zielklar an Einzelausgaben, zu denen auch die wirtschaftlichen und sozialen Probleme gehören, Herangehen wird, dürfen wir mit berechtigter Erwartung dem bevor­stehenden Tag der nationalen Arbeit ent­gegensehen. Dieser Feiertag des schaffenden Deutschland verspricht ein Ereignis von weittragender Bedeutung zu werden.

Wieweit die deutsche Arbeiterschaft in ihrem feinen und instinktsicheren Empfinden bereits die Ueberzeugung gewonnen hat, daß die Zeit näherrückt, in der die sozialen Ausgaben im Mittelpunkt des Tages­interesses stehen werden, beweist hinlänglich der Ausgang der Vertrauensratswahlen, die besonders gewisse Teile des Auslandes gerne als eine Niederlage des Nationalsozialismus erlebt hätten. Ihre Kalkulation ging wieder schief. Der deutsche Arbeiter weiß, daß auch seine Rechte im Dritten Reich zur Geltung kommen werden.

War es die vornehmste Aufgabe der natio­nalsozialistischen Staatsfükrung, in einer Zeit, m der durch die Mißwirtschaft der über­wundenen Regierungssysteme es an den not­wendigen Mitteln fehlte, das Existenzmini­mum des Arbeiters zu steigern, zunächst die gesellschaftliche Stellung aller schaffenden, Menschen durch den Adel der Arbeit zu för­dern und die Klassengegensätze zu beseitigen, so rückt nun der Zeitpunkt näher, wo nach der ideellen Revolutionierung die Inan­griffnahme der wirtschaftlichen oder lohn- politischen Aufgaben in den Vor­dergrund tritt.

Das Problem der Zukunft wird nicht mehr heißen Tarif- oder Akkordlohnprinzip, son­dern es wird um die Realisierung eines gerechten Lohnes gehen, der sowohl für den Arbeiter wie auch für den Unternehmer das Optimum an Leistungen und Lebensbedürfnissen sicherstellt. Die Zeit ist vorüber, in der ein ehrlicher Unterneh­mer seine Arbeiter entlassen mußte, weil ein profitgieriger Konkurrent mit Hilfe eines ausgeklügelten Akkordlohnsystems auf Kosten der Arbeitskraft der schassenden Menschen Preise zu unterbieten vermochte und mit diesen Schiebermanieren Geldsäcke zu füllen verstand. Es ging nicht nur um die Seele und das Lebensniveau des deutschen Arbeiters, sondern auch um die anständige Gesinnung eines ehrlichen Unternehmers. Der Gedanke der Betriebsgemein­schaft als eine der vielen Zellen der Volks­gemeinschaft ist nicht nur ideell zur Vollen­dung zu bringen, sondern wird auch mate­riell verwirklicht werden müssen. Es wird

Ein Maler entdeckt seine Heimat

yu Defreggers 100. Geburtstag am 30. Äprtl / Von Matthäus Lecker

Josef Speckbacher so heißt der Tapfere, der neben Andreas Hafer und oft mit noch größerem Ungestüm im tiroler Freiheitskampf seine Lands­leute gegen die Franzosen führte. Daß er ein Wildschütz ist, dessen Stutzen das Ziel nie ver­fehlt, verschafft ihm nur noch größere Achtung. Dazumal und noch geraume Zeit später ist die Trennungslinie zwischen dem Wildschützen und sogar dem wohlhabenden Vauernburschen in Tirol so gut wie unsichtbar.

Und nun hat Speckbacher vor wenigen Tagen seinen berühmten Ueberfall auf Hall ausgeführt, die Stadt erobert und mit dem Haller Kronen- wirt Josef Sträub die aus Innsbruck entkommene feindliche Kavallerie gefangengenommen da mutz er zu St. Johann im Pongau selbst kapitu­lieren. Nein, nicht vor dem Feind, sondern vor dem eigenen zwölfjährigen Buben, dem Ander!. Das Vürschchen hat sich, des Vaters strengem Ver­bot zuwider, daheim mit dem Stutzen über der Schulter aufgemacht, um in seiner dreikäsehohen Unbekiimmertheit an der Seite der Männer und Jünglinge teilzunehmen am Guerillakrieg gegen die Franzosen.

Wie der Kriegsrat haltende Speckbacher den gerüsteten Ander! plötzlich vor sich sieht und, noch ehe sein väterlicher Zorn losbricht, schon entwaff­net, gerührt und versöhnt ist diese dramatische Szene erzählt uns ein Gemälde, das ein junger Landsmann Speckbachers in Eemsledernen und Janker, kurz ein echter tiroler Bauer genau 60 Jahre später geschaffen hat: der Defregger-Franzl vom Ederhof im Pustertal.

Auch wenn Defregger nur dieses eine Bild ge­schaffen hätte er wäre damit bereits der Pio­nier gewesen, der er geworden ist, der Pionier

des Pinsels in das bis dahin der Malerei noch unerschlossene Land Tirol. Was nun geschieht, ist allerdings ein wenig beängstigend: Schwärme von Malersleuten ergießen sich in das unberührt« Alpenland, doch was kann Defregger dafür, daß nun jährlich zehnmal mehrStudienköpfe" mit den Unterschriften Älter Bauer oder Vronerl und Reserl hinausgehen in die Welt als von allen andern deutschen Volksstämmen zusammen­genommen! Genug, keinem Malersmann sind schon zu Lebzeiten so viele Epigonen erstanden wie dem ehemaligen Vauernburschen aus dem Pustertal, der einst beklommenen Herzens an die Ateliertüte des Herrn v. Piloty klopfte und der ein hochberühmter und vielgefeierter Künstler wurde.

Wie das BildSpeckbacher und sein Sohn Ander!" noch unvollendet auf der Staffelei steht, hat ein Gemälde eines anderen Malers einen Triumphzug durch die Welt angetreten und den Namen seines Schöpfers mit einem Schlag zu den Sternen erhoben.Die Pest von Florenz" heißt dieses Kolossalgemälde von 7 Meter Länge, und es ist ein A^rk von ungeheurer Theatralik und höchstem koloristischem Raffinement. Der Künstler ist ein österreichischer Landsmann De- freggers; er stammt aus Salzburg, der Stadt des jubilierenden Barock. Er ist ein Schüler desselben berühmten Herrn von Piloty in München, bei dem nach Studien zu Innsbruck, auf der Münche­ner Akademie und in Paris der Pustertaler die Ehrfurcht vor der ausgeglichenen Komposition und dem goldig-braunen Farbton glücklicherweise sich nicht allzu nachhaltig angeeignet hat. Dieser andere ist Hans v. Makart, der große Farben- Dithyrambiker, der Günstling schöner und hoch­

gestellter Damen. Der Günstling? Nein, schöne und hochgestellte Damen erbetteln von ihm ge­radezu die Gunst, als Modell gewürdigt zu wer­den. Der Tiroler dagegen geht unter das Volk, auf die Almen und in die Dörfer seiner Berge und holt sich dort die Anregungen und Stoffe seiner Volkskunst. In den Werken dieser beiden berühmten Schüler desselben Lehrers ist ein Unterschied wie nun ja, wie zwischen einem Makart-Bukett und einem Edelweiß. Der Sieg ist dem Edelweiß geworden.

Aber man soll nur nicht denken, daß die Tiroler hoch beglückt und vielleicht dankbar seien, weil die Welt da draußen sie nun doch noch entdeckt hat. Der Bauer ist kein Museumsschaustück, und wer aus der gewachsenen Tracht eine Maskerade macht, dem kann es ergehen wie dem Salontiroler auf Defreggers bekanntem Bild. Diele klassische

kraim von OekreZAsi-

Verulkung eines lächerlichen Snobismus konnte nur einem Maler gelingen, der nicht nur ein großer Künstler, sondern der selbst Bauer und gleichzeitig auch ein großer Humorist war.

Ein bäuerlicher Mensch, ein feinsinniger Humo­rist und ein großer Künstler das zugleich war dieser Franz Defregger. Und nicht zuletzt ein be­geisterter Künder der Geschichte seines Stammes.

Wir Heutigen sehen die Freiheitskämpfe der Tiroler mit seinen Augen, so wie Menzel uns die Armee und die Schlachten des großen Fried­rich mit den seinigen zu sehen gelehrt hat. Men­zel und Defregger sie beide haben an ihre Schöpfungen ungeheure Vorarbeiten und zahllose Einzelstudien gewandt. ZuHafers letztem Gang" fährt Defregger nach Mantua nur um das Festungstor zu suchen, durch das sie den Sand­wirt damals hinausgeführt haben. Und welche dramatische Wucht ist in Bildern wieDas letzte Aufgebot", da der Haufe der alten Männer des Dorfes sich mit Sensen und den auf den Böden zusammengelesenen alten Waffen aufmacht, die Töchter und Enkel. Haus und Scholle zu schützen vor den Franzosen! Das alte Tiroler Lied von der Schlacht bei Spinges könnte darunter stehen:

Hebt's an die Kolben geschwind.

Schlagt ihnen auf die Grind.

Rennt's mit'n Eriesbeil drein,

Denn geschlachtigt mutz itzt sein!

l er ist der elegante und prunkhafte Hans v. Ma-art schließlich nicht doch gerächt worden ge­rächt ausgerechnet durch seine Antipoden, die Im­pressionisten? Verschwanden viele von Defreggers ! Bildern nicht schon zu seinen Lebzeiten aus den ! großen Sälen der Galerien um allenfalls in den ! Nebengemächern wieder aufzutauchen, und ist seit seinem Todesjahr 192l sein Name uns nicht fast entschwunden? Nun. >o sollten wir uns dieses Namens fortan wieder ein wenig öfter erinnern! In der malerischen Technik und Begabung ist er

ein Riese gegenüber den ungezählten Dutzend- begabungen, die um die Jahrhundertwende ihn zur Seite drängen konnten, weil eben dieRich­tung" gefragt war, die sie vertraten. Wenn aber malerische Technik und Begabung vielleicht doch wohl ein Vorzug sind, sollte es keinesfalls als Nachteil gelten, daß der mit diesem Vorzug be­gnadete Künstler sich stets gemüht hat, das höchste Maß seines Könnens zu geben.

Oor-ische Musik tage in Wiesbaden

Im Rahmen der von der städtischen Kurver­waltung unter Förderung der deutschen Akademie in München und der Nordischen Gesellschaft Lübeck veranstalteten Nordischen Musiktage fand am Sonntag im Kurhaus in Wiesbaden eine eindrucksvolle Kundgebung der deutschen Aka­demie statt.

Der Präsident der deutschen Akademie, Gene­ral a. D. Professor Dr. Karl Haushofer, be­grüßte vor allem die zahlreich erschienenen Gäste aus den nordischen Staaten. Der Sinn der Kund­gebung sei die Vertiefung und Festigung der deutsch-nordischen Verbundenheit. Diese' sei heute dringender denn je, da durch mancherlei Um­stände die Beziehungen Deutschlands zu den nor­dischen Staaten gestört seien. Aber durch all die augenblicklichen Schwierigkeiten, seien sie wirt­schaftlicher oder kultureller Art, klänge die Ur- stimme, daß Vlur und Boden verwandt seien, und diese Stimme lasse sich nicht mehr zum Schweigen bringen. Manche Anzeichen, wie der Rückgang des deutschen Buches in den nordischen Ländern, machen auf die Gefahren aufmerksam, die für die ^eutsch-nordischen Beziehungen bestehen.

Haushofer schloß seine mit großem Beifall auf­genommenen Ausführungen mit der Bitte an die, nordischen Käste. Verständnis zu haben für die seelische und völkische Erneuerung des deutschen Volkes, die auch ihr persönliches und völkisches Schicksal irgendwie berühren werde.