Ausgabe 
(28.4.1935) Nr. 116
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das amtliche Organ -es SeMw^^^^^^üer Freien Hansestadt öremen

NS.-wau-eriag Weser-Ems E. m. b. H Bremen. Am Eeeren K-« / Fernsprecher: Roland 625.

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Nr. 116 / 3. Jahrgang

Sonntag, 28. April

Einzelpreis is Rpf.

Britisches Weltreich steht für das Heimatland ein

Lustrüstungsfieber in London

Das Deutsche Reich soll wieder zum Giindenbock gemacht werden

Unser lagesspiegqt

DieBremer Zeitung» rückt den alten Wunsch nach einer Kongreßhalle in Bremen erneut ins Licht.

Die Veranstaltungsfolge zum Nationalen Feiertag ,n Bremen steht nun endgültig fest. Auch das Berliner Programm für den 1. Mai liegt vor.

Dr. Frick gibt wichtige Erklärungen über Las neue Staatsbiirgerrccht ab.

England beginnt fieberhaft mit der Durch­führung eines umfangreichen Luft-Rüstungs- programms.

Die geplante kommunistisch-sozialdemokratische Einheitsfront zum 1. Mai ist gescheitert.

Der Norddeutsche Lloqd konnte im ersten Vierteljahr die Durchschnittsbesatzung seiner Schiffe im Nordatlantik-Verkehr um über 17 v. H. steigern.

Reichsinnungsmeister Heincke, Werden, er­öffnete gestern die Ausstellung der deutschen Kürschner in Leipzig.

Der Sportverein Werder spielte im Fußball- Rückspiel gegen den Hamburger SV. 1:1. Komet unterlag den Westfalen-Fußballern Höntrop" ehrenvoll 1:2.

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Konferenz bei Dr. Goebbels

Berlin, 27. April.

Der Reichsminister für Volksausklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, hielt am Sonn­abend eine Konferenz mit der Organisationslei­tung des nationalen Feiertages des deutschen Volkes am 1. Mai ab. In eingehenden Einzel­besprechungen wurden nach Vortrag der verant­wortlichen Leiter die Maßnahmen erörtert und endgültig festgelegt, die eine reibungslose Durch­führung und würdige Gestaltung des 1. Mai ge­währleisten. 2m Anschluß an diese Konferenz fuhr Reichsminister Dr. Goebbels mit der Organi­sationsleitung zum Tempelhofer Feld, um dort am Ort der kommenden großen Mai-Kundgebung die organisatorischen und baulichen Vorbereitun­gen sowie die Aufmarschpläne zu prüfen. (Einen Bericht hierüber veröffentlichen wir im Innern dieser Ausgabe.)

Flaggvei-bot sm Luden

Berlin, 27. April.

Die Hissung der Reichsfahnen durch jüdische Ge­schäfte und Privathäuser hat wiederholt zu Stö­rungen der öffentlichen Ruhe und Ordnung ge­führt. Um derartige Zwischenfälle für die Zu­kunft zu vermeiden, hat der Reichsminister des Innern bestimmt: Die Hissung der Reichsfahnen, insbesondere der Hakenkreuzslagge, durch Juden hat zu unterbleiben. 2n Zweifelsfällen trifft die örtliche Polizei die erforderlichen An­ordnungen.

In Schutzhaft genommen

Hamburg, 27. April.

Der Betriebssichrer und Mitinhaber einer größeren Firma in Hamburg ist wegen asozialen Verhaltens in Schutzhaft genommen worden. Er hat das Abhängigkeitsverhältnis seiner weiblichen Angestellten und Lehrlinge aus? genutzt und in vielen Fällen gegen Anstand und Sitte verstoßen. Zwei weitere männliche Eefolgschaftsmitglieder des Betriebes wurden aus demselben Grunde in Schutzhaft genommen.

London, 27. April.

Die englische Regierung plant, wie der diplo­matische Korrespondent desDaily Telegraph" z» berichten weiß, eine weitgehende Beschleunigung und Revision ihres Aufrüstungsprogrammes in der Luft. In der White Hall werde bereits eine leb­hafte Tätigkeit 'in dieser Richtung entfaltet, und die neuen Pläne würden ausführlich geprüft. Bereits am Montag werde eine Minister­besprechung über die Lage stattfinden, und es be­stehe wenig Zweifel, daß das Kabinett das vom englischen Lustrat vorbereitete umfangreiche Auf- rüstungsprogramm annehmen «erde.

Die neuen englischen Aufrllstungspläne werden vcmDaily Telegraph" nach der Methode des be­rüchtigten Weißbuches ausschließlich mit der deutschen Luftaufrüstung begründet, de­rengroße Ausdehnung" man in den englischen politischen Kreisen erst jetzt erkannt habe. Die auf Donnerstag angesetzte Unterhausaussprachs über die europäische Lage werde durch diese Tat­sache eine ganz besondere Bedeutung erhalten. Die englische Regierung habe die Absicht, auf keinen

Kr. Berlin, 27. April.

Die englische Presse, besonders derDaily Herald", bemüht sich seit einigen Tagen, den Eindruck zu erwecken, als ob die europäischen S i g n at a r m ä ch t e des Memelabkom- mens, England, Frankreich und Italien, beson­ders eifrig bemüht seien, die litauische Regierung zur Einhaltung des Abkommens zu veranlassen. An Tatsachen liegt aber auf diesem Gebiet vor­läufig nur folgendes vor: In der Note, welche die Signatarmächte der litauischen Regierung übermittelt haben, ist auf die Möglichkeit einer Anrufung des Völkerbundes auf Grund von Artikel 17 des Memelstatuts ver­wiesen worden. Selbst, wenn die Signatarmächte sich zu diesem Schritt entschließen sollten, würde der Völkerbundsrat nach dem Memelstatut nur die Möglichkeit haben, den Fall vor das Haager Schiedsgericht zu bringen. Es würde also dabei im Haag eine juristische Aus­einandersetzung darüber beginnen, wann und unter welchen Umständen die litauische Regie­rung nach Ansicht der Signatarmächte das Memelstatut einzuhalten hat.

Während dieses ganzen Prozesses würde die litauische Regierung formell nicht gezwungen sein, an dem Zustand im Memelgebiet etwas zu ändern. Auch nach einem Urteil des Haager

Fall hinter den Luftrüstungen irgendeines Lan­des innerhalb Reichweite der englischen Küste zurückzustehen.

Das vom englischen Luftrat vorbereitete be­schleunigte Luftaufrllftungsprogramm sieht fol­gende industriellen Maßnahmen vor: 1. Gewisse Aenderungen in den Herstellungsmethoden und sogar ein gewisses Opfer an Sicherheitsfaktoren zugunsten der Beschleunigung. Für gewisse Bom- berklassen wird möglicherweise ein höheres Lade­gewicht zugelassen. 2. Ausweitung der Industrie und Bereithaltung einer Höchstzahl von-Jndustrie- firmen für einNotstandsprogramm". 3. Wicder- einstellung vieler Sozialarbeiter, 4. Ausweitung

des Metallflugzeugbaues zur Erleichterung von Massenherstellung.

WieDaily Expreß" meldet, sollen die Do- miniens ausgefordert werden, sich in größerem Matze an den Luftrüstungen im britischen Welt­reiche zu beteiligen. Damit würden dann englische Flugzeuge, die bisher überseestationiert werden mußten, für die Verteidigung des englischen Hei­matlandes verfügbar. Im Leitartikel desDaily Telegraph" heißt es u. a.: Den Besprechungen mit den Dominienministern komme eine vermehrte Be­

deutung zu. Die Ministerpräsidenten müßten von der englischen Regierung voll und ganz ins Ver­trauen gezogen werden. Ebenso wichtig sei es, daß in der kommenden Unterhaus-Debatte am Don­nerstag die tatsächliche Lage, wie sie der Regie­rung bekannt sei, klar und rückhaltlos vor die Öffentlichkeit gebracht werde. Die Regierung müsse die früheren unklaren und überholten Mit­teilungen über die deutsche Luftflotte berichtigen und gleichzeitig ihr eigenes Luftprogramm be- kanntgeben.

Eine spätere Londoner Meldung besagt: Die Beschleunigung der englischen Lustaufrüstung hat bereits begonnen. Wie das englische Luftfahrt­ministerium mitteilt, wird einebegrenzte An­zahl" englischer Kriegsflieger über ihre Dienstzeit hinaus unter den Fahnen zurückbehalten werden. Gleichzeitig wird mitgeteilt, daß sofort mit der Errichtung eines neuen Kriegsslugplatzeszwecks Ausbau der englischen Heimatverteidigung" in Cransields in der Grafschaft Bedfordshire be­gonnen wird. Im diesjährigen Haushalt ist be­reits eine Summe von 335 llvü Pfund für den Bau eines großen Kriegsflugplatzes bereitgestellt worden.

England rüstet

Ss soll das Kind beim rechten Namen nennen

* Bremen, 28. April.

England rüstet. Ganz groß. Was es insgeheim zu Wasser und zu Lande plant, läßt sich noch nicht so ohne weiteres erken­nen. Aber in der Luft! Was die Beschleuni­gung und Erweiterung des ohnehin schon wohlbemessenen englischen Rüstungspro- ramms in der Luft betrifft, so redet man arüber heute nicht mehr bloß im englischen Luftfahrtministerium, sondern darüber hin­aus in ganz London und im übrigen Eng­land. Die englischen Minister sind am Werke, große und grundlegende Beschlüsse zur er­neuten Ausdehnung der englischen Luft- rüstungen zu fassen, und es ist kein Zweifel, daß das in dieser Woche zusammentretende Unterhaus weitestgehende Kredite -für die geplanten Rüstungen gewähren wird.

Es ist Englands gutesRecht.zu rüsten. Vor ihm taten es längst andere Mächte, ob­gleich sie ständig von Abrüstung sprachen. England glaubte ihren Worten lange genug und blieb, hoffend, daß sie endlich zur Tat werden könnten, tatsächlich in seiner Waffen- bereitschaft hinter jenen Mächten zurück. Wenn es jetzt mit echt angelsächsifcher Tat­kraft unternimmt, den empfindlich geworde­nen Vorsprung der anderen einzuholen, so können wir in Deutschland das sehr gut be­greifen, nachdem wir uns ja selbst in ähn­licher Lage befanden, ehe wir auf Befehl des Führers zur Abhilfe schritten. Wie gesagt, es ist Englands gutes Recht, zu rüsten, und wir, die wir heute in keinem einzigen un­überbrückbaren, ja, nicht einmal grundsätz­lichen Gegensatze zu England uns befinden, sind weit davon entfernt, Englands Rüstun­gen etwa mißtrauisch zu betrachten. Im Ge­genteil: Da wir überzeugt sind, daß England den Frieden wirklich will und am Ende gerade seine verstärkten Rüstungen vielleicht einmal mit in die Waagschale für den Frieden zu werfen hat, empfinden wir sogar so etwas wie Genugtuung über das Aufrüsten Eng­lands und begreifen nur das eine nicht, daß ein Teil der englischen Presse und sogar ein englisches Reyierungsmitglied von Ruf, wie Macdonald, die ja gar nicht in Frage stehende Notwendigkeit der englischen Rüstungen mit herausfordernden Hinweisen auf Deutsch­land zu begründen versucht.

Es ist doch und das sollte in England schon bald der kleinste Mann auf der Straße eingesehen haben einfach widersinnig, Deutschland etwas vorzuwerfen, was man selbst als richtig erkannt hat, zumal, wenn man im Begriffe ist, es nachzuahmen. Weil rings um Deutschland sich eine Mauer von waffenstarrenden Mächten befindet, mußte Deutschland, um nicht die eine oder andere dieser Mächte in Versuchung zu führen, einen risikolosen Spaziergäng nach Berlin zu un­ternehmen, seinerseits rüsten; ganz abgesehen davon, daß ein Volk von Ehre wie das deutsche von heute sich nicht gefallen lassen konnte, als minderbewaffnete, also gleichsam minderwertige Nation in der Welt dazu­stehen. Weil England erkannt hat, daß all seine Bemühungen, eine gemeinsame Ab­rüstung der europäischen Mächte herbeizu-

Litauen spielt mit den Großmächten

Der Vrotest der Memel-Garanten wirkungslos / Langwieriges Nechtsversahren

(Viaktberivkt unserer

8 erIiner Lvkriktleitunx)

Schiedsgerichts würde noch nicht ohne weiteres die Durchführung dieses Urteils durch die litau­ische Regierung gesichert sein. Ein solches lang­wieriges Verfahren entspricht natürlich nicht dem Ernst der Lage im Memelgebiet. Es entspricht auch nicht den Forderungen, die im Interesse des Friedens an Litauen gestellt wer­den müssen, wenn jetzt in Frankreich behauptet wird, daß die litauische Regierung einer weiteren Aktion der Signatarmächte durch eine formale

Volksentscheid in Griechenland

Die Frage des Wechsels der Negierungsform Athen, 27. April.

Zu den im Auslande erschienenen Mitteilungen über eine Versammlung der griechischen Monar­chisten in Paris gab der stellvertretende Minister­präsident Kondylis vor den ausländischen Pressevertretern folgende Erklärung ab: Bekannt­lich ist in Griechenland seit dem 2S. März 1924 die republikanische Regierungsform eingeführt, die von sämtlichen politischen Parteien anerkannt wurde. Bis zum gegenwärtigen Augen­blick ist die Frage einer Aenderung der Regie­rungsform nicht aufgeworfen worden. Sobald die

Einberufung des Landtages zuvor­kommen werde. Man kann eine derartige nutz­lose Handlungsweise der litauischen Regierung nicht als einen Abschluß der ganzen Aktion be­zeichnen. Es kommt vielmehr darauf an, daß von Grund auf die Methode der litauischen Regierung gegenüber dem Memelstatut geändert wird und daß die politischen Mordurteile rück­gängig gemacht werden. Das ist das Entschei­dende, nicht irgendein formaler Beschluß der li­tauischen Regierung, der an den Zuständen selbst nichts ändert.

dringenden nationalen Fragen, die sich aus den jüngsten furchtbaren innerpolitischen Ereignissen ergeben haben, geregelt sein werden und das grie- chische Volk die nötige Ruhe wiedergefunden hat, wird die griechische Regierung nicht zögern, ihm die Frage der Regierungsform vorzulegen, wenn der überwiegende Teil des Volkes dies wünscht Selbstverständlich wird das Urteil des griechischen Volkes von allen geachtet werden.

Der frühere König von Griechenland ist in Eng­land eingetroffen. Er hat verlauten lassen, daß die Gerücht« über seine bevorstehende Rückkehr auf den Königsthron unbegründet seien.

Dss nordische Element in Oordamerika

weiche Rasse führt pottttsch und kulturell in den Vereinigten Staaten?

Da sind viele Amerikaner und doch ist es nur einer, der dem Lande das Gesicht gibt. In dem Kontinent, der sich USA. nennt, ist jede Rasse, jede Hautfarbe, jede Art der Existenz, jede Weise des Lebens, jede Phase des Glaubens, jede Grob­heit, jede Feinheit des Gedankens und jegliche Spaltung von Meinungen anzutreffen, die über­haupt zu denken ist.

In Newyork gibt es mehr Italiener als in irgendeiner italienischen Stadt ausgenommen Rom. Da sind Dutzende von Zeitungen in blitzen­den verschiedener Sprachen. Da besteht eine Radiostation, die in über 20 Sprachen gleichzeitig sendet. Da siiüi Organisationen, Firmen, Trusts, Clubs, in denen alle anderen Sprachen gespro­chen werden, nur nicht englisch.

Und trotzdem: an der Spitze dieser siedenden Konfusion verschiedensten Bluts, verschiedenster Typen, Zungen, verschiedensten Glaubens domi­niert das englisch-nordische Element mit seiner standardisierten Zivilisation. So sagte einmal ein berühmter Mann Newyorks: Newyork City mag einen italienischen Bürgermeister haben, aber es wird Jahrzehnte dauern, bevor wir einen Präsidenten ins Weiße Haus senden, der Brodzky oder Vertolini oder so ähnlich heißt.

Ueber die achtundvierzig Staaten hinweg im Osten, im Westen, Süden und in Middle West gibt es einestandardisierte amerikanische Oberfläche." Wenn auch der Zug oder das «Flug­zeug den Reisenden in Orte Städte oder Dör­fer bringt, deren Einwohner nur Deutsche, nur Schweden, nur Franzosen, nur Tschechen, nur 2ugoslaven, nur Juden oder nur Neger sind, ,o ist doch sein Hotel, wo immer es auch ist, voraus­gesetzt, daß die Bevölkerung nicht gerade die ärm­

lichste ist, das gleiche mit der gleichen amerikani­schen Bedienung wie überall.

Da wird dasselbe überheizte Zimmer mit Bad sein, dasselbe Telephon, dieselbe blonde Miß mit der gleichen Aussprache desUigbtz--ob", dasselbe Frühstück, beginnend mit Orangensaft oder Erape-fruit, mit Versals und den Massen von Rahm, dasselbe Hühnchen mit Salat, der gleiche geeiste Pudding. Da wird draußen vor dem Hotel ein ckrux-stors (mit den berühmten ame­rikanischen Getränken) sein; da wird das gleiche Kino, das gleiche Radio sein und da werden die gleichen Magazine ausliegen. Die Bedienung wird zahlreich sein, in ihrer Art gut oder ober­flächlich; der Reisende schätzt Oberflächlichkeit.

Dies eins wie's andere ist der Grund, daß der Amerikaner Europa beneidet; Europa, wo es überall anders ist, wo das Monotone des ame­rikanischen Reiselebens zerstört wird, indem Un­mögliches passiert, wie z. B. in England, wo kein Diner ohne Kartoffeln mit durchweichtem Ge­müse serviert wird. Nichts als die pure Freude anetwas anderem" kann es erklären, daß der Amerikaner englischen Kohl ißt und dabei noch ein freundliches Gesicht macht.

Aber außerhalb desamerikanischen" Hotels sieht, fühlt der Beobachtende die Wirklichkeit, das Trennende und das Einende. Newyork als Schmelzpunkt aller Nationen kennt die inter­nationale Atmosphäre und zieht die Umgebung in ihren Bann. Aber schon ISO Kilometer nördlich von Newyork City. wo ein großer Teil der Farmer englischer Herkunft ist merkt man nichts von internationalem oderamerikanischem" Einfluß. Unter der amerikanischen Oberfläche sind und bleiben Charakter und Gedanken englisch.

Dies geht so weit, daß englische Farmer es ab­lehnen, Ehen ihrer Töchter mit Amerikanern lateinischer Herkunft anzuerkennen.

Und keine Meile entfernt von dem Sitz eines solchen amerikanischen Farmers englischer Ab­stammung lebt eine Kolonie von Neger-Pächtern; Abkommen geflohener Sklaven aus dem Süden.

Heute aber noch ist offenbar, daß das nordische Element zuerst kam. Er arbeitete dort, wo See­räuber lateinischen Bluts erforscht und geplün­dert hatten. Es gab dem Land eine Verfassung, gestaltete sie aus. Es fand seinen Weg durch das Chaos der Rassen. Sein Einfluß auf die Regierung wird immer maßgebend sein, wenn auch der Respekt der amerikanischen Masse vor den Männern der Regierung und den Gesetzen nachgelassen hat. Es hat die Oberhand über Streit und Skandal, Kirchenspaltung und Zer­störung behalten. Nach wie vor herrscht es und Washington war selten stärker als unter Roose- velt. Dem nordischen Element ist die Zukunft sicher. Roher Individualismus macht jetzt in USA. bankerott. Dies bewies der Entschluß des Kongresses, als er vor kurzer Zeit die fast 5 Milliarden Dollars die größte Ausgabe, der man je in Washington seine Zustimmung gab zur Behebung der sozialen Not bewilligte. Und da die Länder, die der sozialen Fragen die größte Aufmerksamkeit zukommen lassen, Deutschland England und die skandinavischen sind, deshalb ist auch die Annahme der Vorschläge zur sozialen Unterstützung ein Beweis dafür, daß auch der nordische Amerikaner in Washington vorherrscht.

Der Zusammenbruch des rohen Individualis­mus uyd die steigende Kraft des nach sozialen Ideen geleiteten Staates bedeuten einen weiteren Schritt zur inneren Festigung der Vereinigten Staaten. Er bedeutet, daß Washington in Zu­kunft nicht mehr dieschöne" Stadt an dem Flusse Potomac sein wird; die Stadt, die von politioians" (Politiker im schlechten Sinne)

t

überlaufen ist. Washington, die große Hauptstadt, in der der große Präsident regiert.

Große Politische Fortschritte haben immer ihre paradoxe Seite. Sozialismus wird eher von jungen Konservativen als von alten Anhängern der Linksparteien eingeführt. Siehe Englano; so auch Amerika. Diecksmoorats", die konservativ um Aufrechterhaltung von Unterschieden kämpften

und die Rechte der Einzelstaaten gegen die allge­meine Regierungskontrolle verteidigten, sind jetzt dabei, wirtschaftliche und politische Maßnahmen zu treffen, die nur auf eins: auf Zentralisation abzielen. Die Hauptarbeit desNew Deal" in dem nationalen Wiederaufbau ist die Stärkung des Ganzen, da nur dann der einzelne sich ent­falten kann.

Werner Schumann

Tage der Baumblüte

Es geht ein Leuchten durch die Welt: die

Bäume blühen wieder. Mit den Aprikosen und Kirschen beginnt es, und ehe wir's uns versehen, stehen sie landein, landaus im Flammenmantel ihrer weißen und rosa Blüten. Jeder Baum ist ein tausendflammiger Kandelaber, den die früh- lingshafte Erde stolz dem lichten Himmel ent- gegenhält: sieh, ich leuchte, ich glühe, ich flamme wieder. Ich werde Frucht bringen. Aber noch prahle ich mit meiner Schönheit . . .

Welcher Glanz aber verweht eilender, welche Pracht ist rascher dahin? Es ist ein Aufblühen zwischen Gestern und Morgen, zwischen Schlaf und Erwachen: eilen wir, Freunde, an dem Feste teil­zuhaben! Erinnern wir uns wirklich nicht mehr. daß wir manchen langen und kalten Winter un­seres Lebens diesem ersten Blütentage entgegen- hofften, entgegenjubelten; und wenn er dann kam, schien nicht alles schon wieder vorbei zu sein? Zu früh oder zu spät: wir trafen selten den richtigen Augenblick.

Zwischen Morgen und Abend der Blütezeit liegt das Wunder des ganzen Frühlings beschlossen Noch am Vormittag war die Aprikose vor meinem Fenster ein Allerweltsbaum im schlichten Blätter­rock, mit verborgenem Knospenschatz wie unzäh­lige andere. Aber als ich am Nachmittag das Fenster öffne, sind schon seine ersten zartweißen

Lichter entzündet; sie zittern im warmen Winde, die eben wie vom Schlaf erwachten. Und nun öffnet sich, daß man es beinah mit den Augen verfolgen könnte, Blüte aus Blüte und überströmt die Krone mit lauterem Weiß. Es leuchtet durch die dunkle Nacht, und wenn wir das Wunder anschaun, schlägt unser wildes Herz stiller. Es bändigt die Lauten, rührt die Verstockten, entlockt uns Lieder und ermuntert auf eine süße Weise unsere Seelen: veni orsstor Spiritus!

Das Licht kommt wieder in die Welt, wenn die Bäume zu blühen beginnen. Und es geht ein Spiegeln und Lichterzucken von Horizont zu Ho­rizont, daß kein Ding aus der Welt unberührt bleiben kann.

Ist der einzelne Baum ein heiteres Fest, das uns zur Freude aufruft, so schäumt uns aus einer Masse erblühter Bäume ein Meer von Weiß und Rosa entgegen. Ein ungeheurer Choral von sur­renden, zirpenden, brummenden Käfern schlägt über uns zusammen, das Licht läutet Sturm: können wir standhalten?

Die Nächte im Tal der Obstbaumplantage sind weiß. Es geht wie Sternenglanz von den blü­henden Bäumen aus, und noch die dunkelen Wald­kuppen der nahen Berge empfangen von hier, bei wolkenverschleiertem Himmel, allnächtlich ibr Licht.