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Nr. 114 / z. Jahrgang
Freitag, 26. April
Einzelpreis 16 Nps.
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Attacke des englischen Minifteeprästdenten gegen Deutschland
Unsinnige Behauptungen Macdonalds
Warum immer wieder Zweifel an Deutschlands Friedenswillen?
(Vraiitbsrtviit unserer Lerliuer Lvkrittlsituux)
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Der englische Ministerpräsident Macdonald erhebt in einem Artikel unberechtigte Vorwürfe gegen Deutschland.
Zwischen Deutschland und England ist ein Offiziersaustausch durchgeführt worden.
Im Kairoer Judenprozeh hat der Deutsche Verein auch in zweiter Instanz gesiegt.
Der Präsident der Reichspressekammer hat Anordnungen zur Regelung des Zeitungs- »erlagswesens erlassen.
Der Reichsbankansweis der dritten Aprilwoche läßt einen bescheidenen Fortschritt der Entlastung erkennen.
Gruppenführer Pg. Böhmcker sprach gestern in Bremen z« dem Thema „Von der Lebensgemeinschaft zur Volksgemeinschaft".
Ostasiendampfer „Scharnhorst" wurde gestern an den Ausrüstungskai verholt.
Ueber Spessart »nd RHSn ging ein neues Unwetter nieder.
Bremens Fuhball erhält Besuch aus Westfalen: SB. HSntrop spielt morgen gegen Komet in der Bremer Kampfbahn.
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Ehrung unseres Gauleiters
Ernennung zum Gruppenführer des NSKK.
Der Führer «nd Reichskanzler Adolf Hitler hat anlählich seines Geburtstages den Gauleiter und Reichsstatthalter Carl Röver, Oldenburg, zum Ehrenführer des Nationalsozialistischen Kraft- fahrerkorp« mit dem Dienstgrad eines Gruppenführer» ernannt.
Offiriersaustausch
Mische« der deutsche« »nd englischen Arme« Berlin, 28. April.
I» Durchführung eines zwischen der englischen »nd dentschen Armee verabredeten Offiziersaustausches werden drei englische Offiziere in den nächste» Tagen ei« Kommando bei deutschen Truppenteilen antrete». Es handelt sich um je eine» Offizier der Infanterie, der Kavallerie und der Artillerie, die bei den entsprechenden deutschen Waffengattungen für die Zeit von etwa vier Wochen Dienst tun werde». Die im Austausch kommandierten deutschen Offiziere haben ihr Kommando in England bereits angetreten.
Bootsunglück auf der Weser
Am Mittwoch nachmittag verliehen der 80jährige Bauer von Campen, der Süjährige Bauer Kuhlmann und dessen 28 Jahre alter Sohn mit einem Kahn den Ort Werder an der Unter- weser, um von der Ortschaft Lienen Sand zu holen. Aus der Rückfahrt nach Werder geriet der vollbeladene Sandkahn in der Mitte des Stromes iu den Sog eines vorbeifahrenden groben Frachtdampfers der Neptun-Linie, wodurch das schwerbeladene Boot mit dem Hinteren Teil absackte und bald völlig in den Fluten verschwand. Die bestürzten Insassen versuchten sich in das Beiboot zu retten. Bevor sie jedoch die Leine kappen konnten, wurde auch dieses unter Wasser gezogen. Alle drei Insassen ertranken.
Lr. Berlin, 28. April.
Der englische Ministerpräsident Macdonald veröffentlicht einen Aufsatz in der englischen Presse, in dem er zu dem Ergebnis der Verhandlungen von Gens und Stresa und zu der Erklärung der allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland Stellung nimmt. Der Artikel beweist nur, dah der englische Ministerpräsident weder in Stresa noch bei der Vorbereitung dieser Konferenz, noch bei den Vorschlägen, die er machte, von einem ausreichenden Verständnis für die deutsche Nation geleitet wurde.
Macdonald erklärt am Schluß seines Aufsatzes, daß weitere Verhandlungen möglich seien, gibt aber nicht die geringste Grundlage für solche Verhandlungen, denn es ist für Deutschland nicht möglich, auf der Basis etwa der Konferenz von Stresa zu verhandeln. Deutschland hat, abgesehen von der ziemlich inhaltlosen Erklärung am Schluß der Konferenz von Stresa, von dem Ergebnis der dort geführten Verhandlungen nur
Kali«. 2-. April.
Da» Berufungsgericht in Alexandrien hat am Donnerstag das Urteil im Kairoer Judenprozeß r erkundet. Das Urteil erster Instanz wurde bestätigt, die Klage des jüdischen Klägers damit erneut für unzulässig erklärt.
Das Urteil hat folgenden Wortlaut: „Das Gericht urteilt in öffentlicher Sitzung und nach streitiger Verhandlung unter Abweisung aller weiteren oder entgegenstehenden Anträge und erklärt die Berufung des Haupt- und Nebenklägers der Form nach für unzulässig, aber der Sache nach für unbegründet. Das Gericht bestätigt das erstinstanzliche Urteil, soweit es die Hauptklage für unzulässig und die Wiederklage für unbegründet erklärt hat. Das Gericht verurteilt die Berufungskläger zu den Kosten der Berufungsinstanz einschließlich des Honorars der Anwälte der Berufungsbeklagten, das auf 75 Pfund für jeden der beiden Anwälte festgesetzt wird."
Das Urteil geht hinsichtlich der Verurteilung zu den Kosten noch über den erstinstanzlichen Entscheid hinaus. Damit ist der monatelange Kampf mit einem endgültigen und vollständigen Sieg der deutschen Sache entschieden worden. Die Freude in allen deutschen Kreisen Aegyptens über den günstigen Abschluß des Prozesses, der den „Deutschen Verein Kairo" durch das Urteil eines
insoweit etwas erfahren, als der britische Botschafter der Reichsregierung von der nochmaligen Bestätigung der Locarno-Earantie Kenntnis gegeben hat. Was sonst in Stresa geplant worden ist, ist der Reichsregierung nicht bekannt. Die Reichsregierung kann deshalb Verhandlungen nur auf der Grundlage der Londoner Entschließung vom 3. Februar führen, wobei allerdings aus den Pressemitteilungen über die Konferenz von Stresa die Befürchtung hergeleitet werden muß, daß die Grundlage der Londoner Vereinbarung in Stresa zum Teil preisgegeben wurde.
Wie wenig Macdonald von der Lage Deutschlands unterrichtet ist, beweisen einige völlig falsche Behauptungen. Der englische Ministerpräsident zweifelt zum Beispiel an dem Friedenswillen Deutschlands. Er weiß also nicht, daß das deutsche Volk in allererster Linie den Frieden wünschen muß, weil der Bestand Deutschlands von einer friedlichen Entwicklung abhängt? Macdonald behauptet weiter, daß
Deutschland abrupt die allgemein« Wehrpflicht eingeführt habe; er hat offenbar vergessen, daß volle 10 -Jahre von allen deutschen Regierungen der Versuch gemacht wurde, das Ab- rüstungsproblem zu lösen, und daß die nationalsozialistische Regierung sich zu jedem Sicherheitsvorschlag, der ernst gemeint war, positiv geäußert hat. Macdonald sagt weiter in diesem Aufsatz nichts davon, daß er selbst einmal einen Abrüstungsplan aufgestellt hat, den der Führer und Reichskanzler ausdrücklich in einer Erklärung annahm, während alle übrigen Staaten ihn ablehnten. Wenn der englische Ministerpräsident behauptet, daß Deutschland bereits ein besonderes Matz von Sicherheit habe, so übersieht er dabei völlig, daß die Verweigerung der Abrüstung durch die anderen Staaten Deutschland gerade diegrößteUnsicherheit brachte. Am unsinnigsten aber ist die Behauptung, daß Deutschland soweit aufrüsten wolle, daß die Staaten Europas seiner Gnade preisgegeben seien.
Unter diesen Umständen trägt der Aussatz des englischen Ministerpräsidenten zur Förderung des Friedens in Europa gewiß nicht bei.
Rüstet die Herzen!
Ein Mahnwort zum 1. Mai
Die Aufmarschleitungen sind seit Wochen an der Arbeit, die Organisation für den 1. Mai vorzubereiten, die Tribünen werden errichtet, d<-r Schmuck der Straßen wird bestimmt, die Zugfolge bearbeitet. Alle die tausend Kleinigkeiten, die mit dem protzen Feiertag Deutschlands zusammenhängen, werden bis ins einzelne durchdacht.
Dieser 1. Mai ist in Deutschland mehr geworden als nur ein Feiertag. Er ist ein Feiertag, der dem Werktag der Schassenden gilt. Er ist der Tag, an dem sich alle die die Hand reichen, die durch Schicksal und Arbeit miteinander verbunden sind. Er ist aber auch ein Bekenntnistag für die inneren Gesetze, nach denen wir den Werktag der Schassenden gestalten.
Deshalb darf die Rüstung für diesen Tag nicht erschöpft sein in der freudigen Teilnahme an den großen Feierstunden — denn diese Feierstunden sollen wecken und wachrufen, sollen auffordern und demonstrieren, sollen hinweisen und erziehen, sie sind ein Ruf an die Herzen, die sich hier von dem Kram des Alltags frei machen sollen, um zueinander zu finden.
Die Hindernisse, die dieser Rüstungdes Herzens sich in den Weg stellen wollen, sind von Jahr zu Jahr germger geworden. Vieles, was am 1. Mai 1933 noch Sensation war, ist uns heute schon in Fleisch und Blut übergegangen. Aber seien wir uns weiter bewußt: der Ruf: „Ehret die Arbeit, achtet den Arbeiter", ist auch heute noch ein Kampfruf. Ihn durch das Land zu tragen, ist der große Sinn des 1. Mai, ihn in oSn Herzen der Menschen unauslöschlich zu verwurzeln, eine der größten Aufgaben unserer Zeit.
Was wir am 1. Mai in feierlichen Stunden erleben, das müssen wir in den 365 Tagen des Jahres weiterleben, in uns fortentwickeln, täglich zur Tat werden lassen. Der Betriebsführer, der an diesem Tag vor seiner Gefolgschaft marschiert, muß es das ganze Jahr hindurch tun, muß sich der neuen Pflichten eines Betriebsführers bewußt bleiben. Der Gefolgsmann, der stolz und aufrecht am 1. Mai vor der Welt demonstriert, darf diesen Stolz mit in seine Werkstatt nehmen.
Am 1. Mai wird vom Führer die Heer- chau abgenommen über die Entwicklung des ozialistischen Geistes in Deutschland. Wir ind stolz darauf, daß die große Heerschau n der kommenden Woche wieder zeigen wird, daß der innere Erneuerungsprozeß im deutschen Menschen wieder werter fortgeschritten ist. Wir wissen, daß ein solcher großer Feiertag nicht Abschluß ist, sondern Ansang weiteren Zusammen- findens aller derer, die in gemeinsamer Arbeit und gemeinsamem Schicksal zusammengehören.
Deshalb: Rüstet die Herzen, rüstet sie für diesen Tag, werft das, was euch vom anderen Volksgenossen zu trennen scheint, fort und ihr werdet sehen, daß unser Weg noch nicht am Ende ist, sondern werter aufwärts geht, zur kraftvollen Nation auch der kommenden Generationen.
Das Judentum schwer blamiert
Niederlage der Drahtzieher im zweiten Kairoer Prozeß
internationalen Gerichts von jeder Schuld reinwäscht, ist groß.
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Der jüdische Rechtsanwalt Leon Castro hatte bekanntlich in Aegy'pten vor zwei Jahren die gegen den jüdischen Boykott- beschluß gerichtete deutsche Abwehrschrift zum Anlaß einer gerichtlichen Klage genommen, mit der nicht nur der deutsche Verein in Kairo sondern der Nationalsozialismus überhaupt getroffen werden
Der verwässerte Pakt
zwischen Frankreich und Sowjetrutzland
Paris, 25. April.
Der französisch-sowjetrussische Abkommensentwurf sieht, wie die Zeitung „Oeuvre" versichert, u. a. vor, daß beide Parteien im Falle eines flagranten Angriffs sofort unter gleichzeitiger Anrufung des Völkerbundsrates Abwehrmaß- nahmen ergreifen. Aus Sorge vor Verwicklungen mit den Locarno- oder sonstigen Bedingungen hätten die französischen juristischen Sachverständigen dem Abkommensentwurf ein Ausführungsprotokoll beigefügt. Im § 1 dieses Protokolls werde im wesentlichen bestimmt, daß die Vertragsparteien auf Grund des Abkommens
sollte. Als Kläger schob die „Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus" einen jüdischen Wechselagenten vor, der die juristisch unhaltbare Behauptung aufstellte, er sei durch die deutsche Schrift persönlich beleidigt worden. Daß die Beleidiger und Ehrabschneider in Wirklichkeit in den Reihen der jüdischen Demagogen sitzen, das ist den Klägern jetzt mit dem Urteil des Berufungsgerichts in Alexandrien indirekt vor aller Welt bescheinigt worden.
niemals in die Lage versetzt werden könnten, Dritten gegenüber früher eingegangenen Verpflichtungen zuwider zu handeln. Damit habe man sagen wollen, daß das Veto eines einzigen der beiden Locarno-Earanten (England und Italien) genügen würde, um den gegenseitigen französisch-sowjetrussischen Beistand hinfällig zu machen. Im Z 2 habe man festgelegt, daß Paris und Moskau, um bei einem flagranten Angriff vorgehen zu können, den Zusammentritt des Völkerbundsrates abwarten müßten. Diese französische Formulierung hätte Sowjetrußland jedoch nicht angenommen. Der abgeänderte Entwurf des Ausfiihrungsprotokolls sehe vor, daß „beide Parteien, um vorgehen zu können, den Völkerbundsrat befassen würden".
Ein großer
tzum 25. Todestag Björnstjerne Björnsons
Ich wähl mir den April,
In dem das Alte fällt,
Das Neue Kraft erhält;
Wohl liebt er Friede selten —
Doch soll wohl Friede gelten?
Nein: daß man etwas will!
Ich wähl mir den April,
Weil er, der Stürmer, Feger,
Der Eis- und Herzbeweger,
Weil er, der Kräftereger,
Des Sommers Kommen will!
Dieses Gedicht schrieb Björnstjerne Björnson für einen Kalender, den ein dänischer Verleger in den Sechziger-Jahren herausgab. Bekannte Dichter waren gebeten worden, kleine Monatsgedichte beizutragen. Björnson wählte den April. Vjörnson hätte kaum eine bessere Charakteristik feines eigenen Wesens geben können als in diesen Versen; denn er selbst war dieser Stürmer und kämpferische Kräftereger, der des Sommers Kommen wollte. Nicht wissen konnte er, daß er zugleich den Monat bezeichnete, in dem ihm zu sterben bestimmt war. Am 26. April 1910 starb er in Paris. Das Panzerschiff „Norge" überführte die Leiche in die Heimat. Norwegen trauerte um einen seiner größten Söhne.
Breit wurzelte Björnson im Boden des Volks- lums. Liebe zu Land und Volk, dazu eine groge einfache Menschlichkeit waren das Fundament auf dem sein Leben und Werk sich aufbauten. Ero» und unvergeßlich erlebte der Knabe die Schanden feiner norwegischen Heimat, als er 1838 >echs- jührig aus der unwirtlich kahlen Felsengegend des Dovrefjäld in das berühmte Romsdalen kam, wo-
Oorweger
am 2b. Äpril / Von Carl Dietrich Carls
hin sein Vater als Pfarrer versetzt worden war. Die Eindrücke, die dieser plötzliche Wechsel vermittelte, sind in bewundernswert gesehenen Bildern in sein dichterisches Schaffen eingegangen.
Durch Vauernnovellen wurde Vjörnson zuerst bekannt. Er setzte diese Gattung der Erzählung in den skandinavischen Ländern endgültig durch. Er sah, gewandelt und gewachsen, die Umwelt seiner Jugendjahre im neuen Licht. An der nordischen Sage, dem Volkslied und dem Volksmärchen hatte er seine Phantasie und Sprache genährt. Satte Realistik verband sich mit einer romantischen Grundstimmung und verschmolz mit ihr zu einer völligen Einheit der Empfindung und des Tones, die durch ihre Echtheit überraschte und überzeugte. Ebenso nahe wie dem bäuerlichen Leben fühlte sich der junge Vjörnson den Schicksalen der nordischen Sagengestalten. Er versuchte sie in den Dramen „Zwischen den Schlachten", einem Einakter von eigenwillig harter Linienführung, und „Sigurd der Böse", einer breit angelegten Trilogie, zu gestalten.
Früh begann in Björnsons Leben der Kampf, der unablässig neben seinem dichterischen Schaffen einhergegangen ist, der Kampf um Wahrheit und Gerechtigkeit. Ihn trieb die Liebe zu seinem Volke, mitzuarbeiten an seiner Erziehung und den Weg zu seiner vollen Entfaltung bahnen zu helfen. Vom Vaterhaus her lagen Elaubens- sragen Björnson nahe. Den jungen Studenten, der' mit Leidenschaft und Klarheit rang, ergriff die Lehre Erundtvig's vom „frohen Christentum", die zum düsteren Pietismus seiner Heimat in scharfem Gegensatz stand. Das Bestreben, das wahre Christentum zu suchen, ergab den ersten Anstoß, der Umwelt kritisch gegenüberzutreten. Erundt-
vig nährte in ihm auch den Glauben an die hohe Begabung und die Mission des skandinavischen Nordens, der sein öffentliches Wirken fortan befeuerte.
Immer von neuem griff Vjörnson in die Erörterung der religiösen, politischen und sozialen Fragen ein, die sein Volk bewegten. Er war für den Kampf geschaffen, ihn konnte so leicht nichts zu Boden werfen. Mit dem dröhnenden Lärm der Gesundheit begann der junge Björnson sein öffentliches Wirken, und bald hatte er im Leben des norwegischen Volkes eine Stimme, die nicht überhört werden konnte. Er hatte nicht nur eine gefürchtete Feder, sondern galt auch, vor allem nach seiner Amerika-Reise, als einer der größten Volksredner Skandinaviens. Viele Enttäuschungen mußte er erdulden, aber er ließ keinen Augenblick von seiner Liebe zu Land und Volk. Als
Ljörvstzsrns Björnson
um 1880 die Nachricht verbreitet wurde, Vjörnson beabsichtige, der Streitigkeiten in der Heimat müde, seinen Wohnsitz ins Ausland zu verlegen, erklärte er: „Ich will in Norwegen wohnen, in Norwegen prügeln und geprügelt werden, in Norwegen siegen und sterben!"
Der Kampf reifte ihn, zugleich erhielt er ihn geistig jung. Als am Anfang der Siebziger- Jahre neue Bewegung in die Literatur des Nordens kam, taten sich auch in Björnson, dem damals Vierzigjährigen, überraschend neue reiche Quellen auf. Die Anschauungen, die er aus dem Kampf« heimtrug, flössen in seine Dichtungen ein. Als er mit der Wucht des Wahrheitssuchers die Reihe seiner Gesellschaftsdramen und die große religiös-soziale dramatische Dichtung „Ueber die Kraft" schrieb, wurde jedoch das eine sehr bald klar, daß seine Kritik sich wesentlich von der geißelnden Schärfe Ibsens unterschied, daß er nicht Richter, sondern verheißender Künder einer besseren Zeit sein wollte. Während Ibsen nur die Idee liebte, liebte Björnson den Menschen. Er zeigte Irrtümer und Schäden auf, weil er an ihrer Besserung und Heilung glaubte. Björnson war ein versöhnender Geist, Güte und Zuversicht waren Erundzüge seines Lebens.
Lebensspendende Güte geht als beglückender Strom durch Björnsons Schaffen und macht es wesentlich selbst dort, wo es der letzten Formung entbehrt, wie in manchen seiner Dramen. Besonders rein und liebenswert durchdringt diese menschliche Güte Björnsons Lustspiele „Wenn der junge Wein blüht" und „Geographie und Liebe", die beide die Ehe behandeln, seit dem Jugendwerk „Die Neuvermählten" ein Lieblingst'hema des Dichters.
Vjörnson steht am Anfang der Reihe großer Norweger, die in bedeutendem Maße nach Deutschland herübergewirkt haben. Er vereinigte in sich das strömende, ins Weite strebende Naturgefiihl und den reinigenden Wahrheitsdrang, mit denen die Besten dieses Volkes begnadet sind. Seither
haben uns Hamsun auf der einen, Ibsen auf der anderen Seite und im Bereich der bildenden Kunst Edvard Munch zur Bewunderung dieser Eigenschaften hingerissen. Wenn Björnson zeitweilig von ihnen beschattet wurde, so ist gerade deshalb notwendig, sich seiner Besonderheit zu erinnern und auch auf weniger bequemen Wegen als über-die bekannten Lustspiele Zugang zu ihm zu suchen. Björnson, der Liebhaber des April, der des Sommers Kommen wollte, gehört zu den Geistern, in deren Nähe Freude und Zuversicht gedeihen.
Tsgung des Deutschen Kchülerbundes
An seinem Sitz in Weimar hielt der Deutsche Schillerbund seine diesjährige Haupttagung ab. Der Vorsitzende Dr. E. Scheidemantel feierte nach Begrüßung der Anwesenden das Gedenken des Dichters Musäus, dessen Geburtstag sich am letzten 29, März zum 200. Male jährte; er entwarf ein farbiges Bild von dem Leben und Wirken des allzeit gütigen Menschen, des gemüts- tiefen und geistreichen Dichters und Künders des deutschen Volksmärchens und des Förderers aller edlen Bestrebungen. In letzter Hinsicht fühlt sich der Deutsche Schillerbund mit ihm eins, indem auch er die Ideale geistiger Kultur der heranwachsenden Jugend erweckt und fördert.
Es wurde dann in dem geschäftlichen Teil der Versammlung sestgestellt, daß die Begeisterung der reiferen Jugend für die Veranstaltungen des Bundes nichk erlahmr sei und daß für die diesjährigen Sommer-Festspiele die Anmeldungen zur Teilnahme erfreulicherweise bereits jetzt sehr zahlreich einliefen, so daß man wieder einem 'chönen Erfolg entgegensehen könne Es war onst üblich, in der jeweiligen Haupttagung bereits die Biihnenwerke zu bezeichnen, die für die nächstjährigen Festipiele in Aussicht genommen wurden. Diesmal, so führte Pros. Dr. Scheidemantel aus, sei dies leider noch nicht möglich.