Ausgabe 
(15.5.1935) Nr. 133
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vremer.

das amtliche Organ -es Senats

leUuna

Ser Sreien Hansestadt vremen

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Nr. 133 / 3. Jahrgang

Mittwoch, 13. Mai

Einzelpreis 15 Rpf.

Dee Bolschewismus zeigt wieder einmal sein wahres Gesicht

Neuer Blutterror in -er Sowjetunion

Todesurteile gegen Deutsche wegen Annahme von Hungechilfe

Berlin, 14. Mai.

Die österreichische Presse bringt in den Morgen­blättern folgende Meldung:Dem interkonfessio­nellen und übernationalen Hilfskomitee unter Vor­sitz seiner Eminenz Kardinal Znnitzer geht soeben folgende Nachricht zu: In der Sowjet-Ukraine wurden die Pastoren Woldemar Seid aus Dnie- propetrowsk und Friedrich Deutschmann aus Hoch­stellt zum Tode verurteilt und harren jetzt der Voll­streckung dieses Urteilsspruches. 27 Pastoren befin­den sich im Gefängnis. Der bekannte evangelische Propst Virth aus Charkow und Pastor Vaumann wurden zu je zehn Zähren Zwangsarbeit verur­teilt. Im ganzen Gebiet der Sowjetunion sind jetzt nur noch etwa 2l> evangelische Pfarrer im Amte."

Die Pastoren Seib, Deutschmann, Birth und Baumann sind sämtlich Deutsch«. Wie verlautet, sind kürzlich noch weitere Todesurteile gegen Deutsche in der Sowjetunion verhängt worden, und zwar wegen der Annahme von Hungerhilse aus dem Ausland bzw. wegen der Bitte um Hilse Es sind zum Tode verurteilt worden: der Bauer Derksen; Johannes Hirsch, Heleental bei Odessa; der Bauer Thicssen; der Bauer Heinrich Raaf, Neusatz bei Odessa; Michael Röhrich Stratzbnrg (Ukraine); der Bauer Regehr, Altonau, Kreis Melitopel.

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Mit diesen Todesurteilen, die überall einen Sturm der Entrüstung hervorrufen werden,

hat der Terror gegen das deutsche Volkstum in Sowjetrußland seinen Höhepunkt erreicht.« Menschen deutschen Blutes sollen die härteste Strafe erdulden, nur weil sie als Opfer der Not und des Hungers im Rätebund die frei­willige Hilfe Mitfühlender in Anspruch nah­men. Unmenschlicher und grausamer haben bisher noch nie die Machthaber eines Staa­tes ihre Politik der Gewalt und des Unrechts durchgeführt. Wir geben der öffentlichen Meinung nicht nur Deutschlands, sondern der ganzen Welt Ausdruck, wenn wir protestie­rend fordern, daß die Todesurteile unter keinen Umständen vollstreckt werden dürfen. Auch diese neueste Kulturschande des Bol­schewismus zeigt, welche Abwege die Diplo­matie des zivilisierten Frankreich beschriften hat, als sie einen Pakt mit denTeufeln des Kreml" schloß.

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Deutschland will keinen Krieg

Der Stellvertreter des Führers spricht in Stockholm über die Ausgaben des Nationalsozialismus

Stockholm, 14. Mai.

Der Stellvertreter des Führers, Pg. Rudolf Heß, hielt am Dienstagabend vor der schwedisch­deutschen Gesellschaft im Grand Hotel zu Stock- holm einen von mehrfachem, starken Beifall unter­brochenen Bortrag über das .neue Deutschland. Prinz Gustaf Adolf und seine Gemahlin Prin­zessin Sibylle wurden vom Vorsitzenden der Ge­sellschaft, General de Champ, und von dem deut­schen Gesandten, Prinzen zu Wied, als Gäste will­kommen geheißen. Rudolf Heß dankte ein­leitend der Deutsch-Schwedischen Vereinigung dafür, daß sie es ihm ermöglicht habe, vor einem ausgesuchten Kreise in Schweden zu sprechen. Er freue sich, die Wahrheit über das neue Deutsch­land in einem Lande künden zu können, dessen Haltung während des Krieges in Deutschland un­vergessen sei.

Niemand glaubt heute ernsthaft, so führte Ru­dolf Heß aus, der Nationalsozialismus würde etwa in absehbarer Zeit wieder abtreten. Um so weniger können andere Völker und andere Staaten an seiner Erscheinung vorübergehen. Auf die Dauer müssen sie so oder so zu ihm Stel­lung nehmen, wie sie einst Stellung nahmen etwa zur französischen Revolution und dem von ihr geschaffenen Regime. Wie die französische Re­volution allein durch ihre Erscheinung wirkte, so kann die deutsche Revolution nicht ohne Aus­strahlungen auf die übrige Welt bleiben. Sie wird allein als geistige Erscheinung wirken, ohne daß ihre Träger etwa auf die inneren Verhält­nisse anderer Staaten Einfluß ausüben das ist ihnen ausdrücklich untersagt.

Weil allein die Tatsache des Bestehens dieser Gedanken, die in einem großen Staate praktisch

bestimmend in Erscheinung trete», nicht ohne Wir­kung auf die Umwelt bleiben kann, müssen mei­nes Erachtens die Verantwortlichen der übrige» Länder ein Interesse daran haben, diese Gedan­ken in einwandfreier Form kennenzulernen."

Rudolf Heß gab dann einen Ueberblick über das Werden des Nationalsozialismus und schilderte den unheilvollen Einfluß, den die an viele maß­gebenden Stellen im Staat und in der Wirtschaft stehenden Juden im Deutschland der vornatio- nalsozialistischen Zeit ausgeübt haben;Es bleibt unbestreitbare Tatsache, daß an vielen maßgeben­den Stellen im Staat und in der Wirtschaft des Deutschlands nach 1918 sich Juden befanden zum Teil kurz vorher erst eingewanderte Juden, die kaum der Landessprache mächtig waren. Ich selbst war bis dahin kein Antisemit, sondern nahm im Gegenteil auf Grund der üblichen Geschichte, lehre die Juden gegenüber ihren Widersachern und Verfolgern in Schutz. Die Tatsachen von 1918 und später waren aber so in die Augen springend, daß ich mich zum Antisemitismus bekehren mußte, so sehr ich mich auch innerlich dagegen sträubte, meine

Heß beim König von Schweden

Stockholm, 14. Mai.

König Gustaf V. von Schweden hat am Diens­tag den Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf, Heß, in Begleitung des deutschen Ge­sandten Prinzen zu Wied und seines Adjutanten Leitgsn in einer Privataudienz empfangen. Die Audienz dauerte eine halbe Stunde. Nach dem Empfang besichtigte Reichsminister Rudolf Heß einige Sehenswürdigkeiten von Stockholm.

bisherige Ueberzeugung von der Unschuld des ver-' folgten Judentums berichtigen zu müssen.

Die nationalsozialistische Gesetzgebung hatgegen die Ueberfremdung korrigierend ein­gegriffen. Ich sage korrigierend, denn daß im « nationalsozialistischen Deutschland das Judentum nicht etwa rücksichtslos ausgerottet wurde, beweist die Tatsache, Naß zum Beispiel noch immer 1227 nichtarische Rechtsanwälte, das sind 17,5 Prozent aller Rechtsanwälte, daß in Industrie und Hand­werk 33 500, im Handel und Verkehr 89 800 Juden allein in Preußen tätig sind.

Die Entwicklung hätte, wenn der Nationalsozia­lismus nicht im letzten Augenblick Einhalt geboten hätte, wirtschaftlich im Kampf aller gegen alle, kulturell im Nihilismus, staatspolitisch in der An­archie, kurz in einem Zustand enden müssen, den wir als Bolschewismus bezeichnen.

Es ist nur zu wenig bekannt, daß in Preußen allein nicht weniger als 640 Polizei-Mannschaften und Offiziere im Kampf gegen Spartakismus und Bolschewismus fielen. Die Menschen, welche bei den Wahlen für die kommunistisch-bolschewistische .Weltordnung stimmten, beliefen sich 1920 auf 689 000, das waren 2,1"/° aller wählenden Deut­schen. Zehn Jahre später, 1930 bekannten sich bereits 4,6 Millionen, das waren 13,1°/° der Wählenden dazu. Bei der Wahl vom Juli 1932 war die Zahl wiederum um fast 1 Million ge­stiegen, und zwar auf 5,4 Millionen oder 14,3"/° und bei der letzten Wahl vor der nationalsozia­listischen Machtergreifung gesellte sich innerhalb von drei Monaten neuerdings eine halbe Mil­lion hinzu, so daß wir fast 6 Millionen kommu­nistische Wähler, das ist rund 17«/° der- lenden hatten.

(Fortsetzung im Innern des Blattes)

Landarbetter als Erbyosbauern

Vor der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus bestand für den Landarbeiter keine Möglichkeit zur Siedlung, denn ihm fehlte das erfor­derliche Kapital. Die Regierung Adolf Hitler hat hier Abhilfe geschaffen, denn sie sieht eine ihrer wichtigsten Aus­gaben in der Neubildung des Bauern­tums. DieNationalsozialistische Par­teikorrespondenz" veröffentlicht über die Stärkung des Neubauerntums durch den Landarbeiter folgende Ausführungen:

Die Neubildung deutschen Bauerntums ist heute eine der wichtigsten Aufgaben der nationalsozialistischen Bauernpolitik. Seit je liegen im Bauerntum die tragenden Kräfte der Nationen. Aus ihnen quillt stets der erneuernde Blutstrom des Volkes. Des­halb ist ein starkes, gesundes Bauerntum vom Nationalsozialismus als wichtigste Vor­aussetzung für eine kraftvolle Nation er­kannt worden. Bei dem Aufbau des Neu­bauerntums ist es nicht zuletzt der Land­arbeit er, der die Zukunft in ganz be­sonderer Weise beeinflußt und gestalten hilft.

Manche Schwierigkeiten waren zu über­winden, um Schutt und Modder der bauern­feindlichen Politik des vergangenen Systems hinwegzuräumen. Durch das Erbhofgesetz und die Bestimmungen über die Neubildung deutschen Bauerntums sind die blutsmäßig wertvollsten Teile unseres Volkes plan­mäßig gesammelt und zur Neubildung deut­schen Bauerntums geführt worden. Mit dem liberalistisch-kapitalistischen System wurde durch diese Gesetze endgültig gebrochen und durch eine Durchdringung des staatlichen und wirtschaftlichen Lebens mit dem Blutsgedan­ken der Rasse und Erbgefundheit neue Vor­aussetzungen für eine Gesundung und Aus­artung unseres Volkes geschaffen. Der Mensch und seine Erbwerte und nicht die Wirtschaft und das Kapital entscheiden heute bei der Schaffung neuen Bauerntums. Von jeher hatte der Bauer wie der Land- arbeiter das Bewußtsein, Diener des Volkes zu sein. Es ist verständlich, daß der für die Neubildung deutschen Bauerntums zur Ver­fügung stehende Boden nur ausgewählten Familien gegeben wird, die alle Voraus­setzungen erfüllen, die an sie als Blutsquell und Nährer des Volkes gestellt werden müssen.

Die statistischen Untersuchungen ergeben, daß hierbei der Landarbeiter maßgeblich be­teiligt ist. Von den in den Jahren 1933 und 1934 angesetzten rund 10 009 Neubauern- familien waren 35,2 v. H, Landarbeiter, 32.8 vorn Hundert selbständige Landwirte und Pächter, 19,5 v. H. Iungbauern, 5,1 v. H. Handwerker, und 7,4 v. H. kamen aus an­deren Berufen. Mehr als ein Drittel sämt­licher Neubauern entstammen demnach dem Landarbeiter beruf. Diese Ermitt­lungen dürften für den Landarbeiter eine befriedigende Feststellung sein und allge­mein bestätigen, daß heute nur der Mensch und nicht mehr das Geld den Ausschlag bei der Ansehung für die bäuerliche Siedlung gibt.

In der marxistischen Zeit hatte man den

Paul Älverdes

Die Oovelle

Unser lagesspiegel

In Sowjetrußland wurden gegen deutsche Pfarrer und Bauern wegen Annahme von Hungerhilfe Todesurteile verhängt.

Die Moskauer Besprechungen des französischen Außenministers Laval werden aus der Grund­lage des Beistandspaktes geführt.

Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, wurde vom König von Schweden empfange».

Innerhalb von 1414 Monaten wurden 10» ggg Opelwagen fabriziert.

Die Herstellung von Spinnfasern hat in der letzten Zeit beachtliche Fortschritte gemacht.

Der Treuhänder der Arbeit für das Wirt­schaftsgebiet Niedersachsen, Dr. Kimmich, gibt die Richtlinien für den Urlaub bekannt.

Anläßlich des hundertjährigen Bestehens des Katasteramtes in Bremen findet eine Jubilä­umsausstellung in der Knnsthalle statt.

Die Sportämter der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" haben jetzt auch den Segelsport in ihr Programm ausgenommen.

Deutsche Memel-Front

Memel, 14. Mai

Die Vertreter der vier deutschstämmigen Land­tagsparteien im Memelland, der Landwirtschafts­partei, der Memelländischen Volkspartei, der So­zialdemokratischen Partei und der Arbeiterpartei haben in gemeinsamer Sitzung beschlossen, zu den auf den 29. September festge en Wahlen in ge­schlossener Front auszutretc:: Sie werden nur

mit einer einzigen Liste in den Wahlkampf gehen.

Danklelegramm an den Führer

Berlin, 14. Mai

Auf das Beileidstelegramm des Führers und Reichskanzlers zum Ableben des Marschalls Pil- judski hat der polnische Staatspräsident Mos- cicki mit einem Telegramm geantwortet, das in llebersetzung wie folgt lautet:Ich bitte Euer Exzellenz, meinen tiefbewegten Dank für die so herzlichen Worte entgegenzunehmen, die Sie zu dem schmerzlichen Verlust, den die polnische Na­tion soeben in der Person des Marschalls Pil- sudski erlitten hat, an mich und die polnische Re­gierung zu richten die Güte hatten. Der Verstor­bene hat sich mit voller Hingabe darum bemüht, die guten und für die Sicherung des europäischen Friedens so wertvollen Beziehungen zwischen un­seren beiden Völkern glücklich zu festigen."

400 Opfer eines Grubenunglücks

Tsingtau, 14. Mai.

Am Montag ereignete sich in eine« Bergwerk bei Tszetschwan an der Zweiglinie der Schantung- Lahn nach Voschan etwa 80 Kilometer östlich von Tsinanfu ein schweres Grubenunglück. Infolge eines Wassereinbruches ertranken an 400 chinesische Arbeiter und ein japanischer Ingenieur. Das Wasser stieg in den Stollen einen Meter je Se­kunde. Die Rettungsarbeiten mußten nach 40 Mi­nuten abgebrochen werden, da die Pumpen und Auszüge infolge Kurzschlusses außer Betrieb gesetzt wurden. Das Bergwerk wird von einer chinesisch­japanischen Gesellschaft geleitet.

Die Novelle ist noch immer bei den Verlegern, den Buchhändlern und der großen Menge des bücherlesenden und bücherkaufenden Publikums wenig beliebt. 2a es besteht sogar immer noch eine allgemeine Abneigung gegen diese Form. W^nn wir uns aber noch einmal kurz über den Begriff der Novelle verständigen, so werden wir zugleich auch die Gründe dieser Abneigung er­kennen,. Sie hängen mit dem allgemeinen Cha­rakter der Epoche zusammen, an deren Ende wir stehen.

Die Novelle nämlich fordert, kurz gesagt, den Bericht über eine neue, das heißt zugleich eine außerordentliche Begebenheit unter Menschen in dichterischer, das heißt also, auf das Wesent­liche bedachter Sprache. Dies unterscheidet sie von dem bloßen Neuigkeitsbericht der Zeitungen etwa, der sich auf die knappe Mitteilung des Tat­sächlichen beschränkt. Die Forderung ferner, daß sich ihre Begebenheiten in der Welt des Wirk­lichen, ohne das Walten von Wundern, himm­lischen oder teuflischen Mächten zutragen müßen, grenzt sie gegen die verwandte Form der Sage, der Legende und des Märchens ab. Es kann bei einer solchen Form nicht ausbleiben, daß sie sehr häufig, ja in der Regel einen Inhalt von er­regender, erschütternder, wohl auch zunächst be- stürzender Art umfaßt. Denn abgesehen von der seltenen, köstlichen Form der echten humoristischen Novelle, als deren Meister wir Gottfried Keller verehren, hat es ja die hier geforderte außer­gewöhnliche Begebenheit unter Menschen, die schicksalswendende also in der Regel an sich, daß sie den Zuhörer ganz unausweichlich an die letzten Fragen des irdischen Daseins heranführt.

Das sind aber Fragen, von denen gerade der Mensch der nun endenden Epoche so gerne die Ohren verschloß. Er wollte es mit seiner Ueber- schätzung des bloßen Verstandes, nicht wahr haben, daß diese Welt, nach Kleists Wort, eine gebrechliche Einrichtung sei, und daß wir Wahres von ihr weder wissen noch dichten können, wenn wir das unvorhergesehene Walten großer oder doch »»erklärbarer Schicksalsmächte leugnen. Mit diesen aber auf der einen, und mit der unaus­weichlichen Gebundenheit des Menschen an seine Menschenwelt auf der anderen, das heißt an seine Wesensart und an seinen Stand, seine Familie etwa, sein Volk, seinen Glauben oder auch sein ihm eigentümliches Gefühl von Recht oder Sitte, hat es die Novelle zu tun.

Es versteht sich, daß bei dem knappen, ge­drängten und auf einen einzigen großartigen Schwung bedachten Vortrag kein Raum bleibt für breitere Schilderung des nur Gegenständlichen oder auch für das Verweilen in der Psychologie der handelnden oder betroffenen Personen. Die Novelle trägt Begebenheiten vor, und nicht Ge­danken und Betrachtungen über solche. Sie nimmt sie ferner ernst, weil sie wirklich sind, oder doch als wirklich gedacht sind, und eben das sollte in der Leserschast von heute eine neue Liebe zu ihr erwecken. Auch der echte Roman verschweigt ja die tragische Beschaffenheit dieser Welt keines­wegs, wenn anders er den Ehrennamen der Dichtung verdient. Aber da gibt es doch Ver­weilen und Ruhen und heiteres Ausatmen und auch alles das Liebliche und die Spannen des Glücks, die nicht weniger wahr, uns dieses Leben oft erst überhaupt erträglich machen. Die Novelle aber, in einem Gefäß von der edelsten Prägung,

reicht uns den Auszug aller Kräfte dieses Lebens, auch der tödlichen, wie in einem einzigen Trunk.

Wer eine Novelle Heinrich von Kleists liest, des unerreichten Meisters dieser Form unter uns Deutschen, der fühlt sich mit unausweichlicher Ge­walt in die Mitte seines eigenen Wesens und Lebens gezogen und spiele sie in Chile oder in Sän Domingo. Er sieht, auf wenigen Blät­tern, den Tod in das Leben verschlungen, Un­schuld in Schuld verstrickt und die Schuld sich auf Erden rächen. Daher geht von dieser Form, nach derjenigen des Dramas auf der Bühne, die aller- unmittelbarste Erschütterung aus den Menschen aus, und es sollte nicht ausbleiben, daß eine Nation, die nach dem neuen Drama begehrt, sich auch der neuen Novelle wieder mit allgemeinerer Liebe zuwendet.

An den Dichtern wird es dann nicht fehlen.

Rampf um dte Entdeckung Amerikas

Die Geschichtswissenschaft nimmt jetzt energisch gegen die überhandnehmenden Kombinationen über eine vorcolumbische Entdeckung Amerikas Stellung, nachdem der letzte Amerikanistenkongreß in Göteborg in einer Resolution die These des dänischen Geschichtsforschers Larsen, wonach dä­nische und deutsche Schiffer bereits um 1500 die Gegend des St. Lorenz-Stromes entdeckt hätten, nicht scharf genug zurückgewiesen hatte. Nach An­sicht Professors Dr. Zechlin von der Universität Marburg kann weder von einer polnischen, noch von einer dänischen, noch von einer deutschen oder gemeinsamen deutsch-dänisch-porkigiesischen Ent­deckung Amerikas 20 Jahre vor Columbus gespro­chen werden Auch die Ansicht, üaß Columbus aus einer Jslandfahrt von den deutsch-dänischen Ent­deckungen gehört habe, sei ins Reich der Fabel zu verweisen.

Heitere Skstje von Erik Verteljen

Ein neuer

Der junge Studienassessor Segrup war ein sehr beliebter Lehrer. Er hatte eine besondere Gabe, seine Schüler zu fesseln. Und jedesmal, wenn die Naturkundestunde herankam, verlief der Unter­richt unterhaltend und lebendig, weil die Kinder am Tage vorher Material gesammelt hatten, das sie mitbrachten. Es gab keine Pflanze, die er nicht kannte. Ein von Mäusen angeknabberter Tannenzapfen konnte als Ausgangspunkt zur Erklärung über das Tierleben im Walde führen.

Eines Tages kam einer der Jungen mit ein paar Rosenblättern, die am Rande einige halb­mondförmige Ausschnitte zeigten und weiter drin zirkelrunde Löcher hatten. Segrup betrachtete sie eingehend und war ausnahmsweise sich nicht ganz klar darüber, was er vor sich hatte. Endlich sah er den Jungen an:Wo hast du die gefunden, Bürge?"

An einem Rosenbusch in unserem Garten das heißt, meine Schwester machte mich darauf aufmerksam."

Es waren doch keine Schmetterlingslarven aus dem Busch?"

Nein, danach habe ich gesehen Aber kann es nicht von einem Rosenkäfer sein? Einmal berich­teten Sie uns von einem Rosenkäfer, der Blatt- stückchen anschneidet, um sein Nest damit zu füllen."

Richtig. Aber sie machen größere Löcher. Ich weiß nicht, was für ein Tier hieran gebissen haben kann. Das muß ich näher untersuchen, bis ich etwas darüber sagen kann "

Der Unterricht ging weiter. Aber er war nicht so lebhaft wie sonst. Segrup konnte die durch­löcherten Rosenblätter nicht vergessen. Es konnte ja auch eine Art Käfer geben, die bisher unbe-

Rosenkäfer

konnt war oder ein anderes Tierchen. Die Natur war voller lleberraschungen. Die Entwick­lung stand nicht still. So war es von Anbeginn gewesen. Die Moskitos waren nicht immer Blut­sauger gewesen. Und die Kreuzspinnen hatten nicht alle Tage gleich gut gesponnen.

Als die Stunde zu Ende war, rief Segrup den Knaben Bürge:Glaubst du, ich könnte in eurem Garten mir den Rosenbusch einmal näher an­sehen?"

Sicher. Die Eltern sind verreist, aber Helga, meine große Schwester, ist zu Hause."

Na, ich kann sie ja anrufen."

Segrup telefonierte, und Fräulein Helga ant­wortete, er wäre willkommen. Als er sich bei ihr einfand, hatte sie Kaffee fertig und ihn in die Laube gebracht. Er wäre zwar lieber gleich zu dem Rosenbusch gegangen, aber er konnte sich Fräulein Helgas Liebenswürdigkeit nicht ent­ziehen. Er kannte sie schon längere Zeit und schätzte sie als kluge, lebhafte junge Dame, die noch dazu sehr hübsch war. Run gefiel sie ihm noch besser als bisher, da sie eine überraschende Kenntnis von Käfern und Insekten besaß.

Als sie schließlich zu dem Rosenbusch gingen, neben dem ein Liegestuhl unter einem gewaltigen bunten Sonnenschirm stand, fragte ,er lächelnd: Glauben Sie nicht, die scharfen Farben ver­scheuchen die Bienen?"

Nein, im Gegenteil. Der Liegestuhl steht nun icho» über vierzehn Tage hier. Nehme ich ihn plötzlich fort, finden die Bienen vielleicht diese Stelle nicht wieder - oder die Käfer falls einer hier im Spiel ist."

Segrup untersuchte den Busch genau. Viele der Blätter waren durchlöchert, wie die, welche