Ausgabe 
(14.5.1935) Nr. 132
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Nr. 132 / 3. Jahrgang

Dienstag, 14. Mai

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Der Notenkrieg im Konflikt Nom-Addiö Abeba

Protest Abefsiniens in Genf

Gegen die militärischen Maßnahmen der italienischen Regierung

Unosr kagsospisgsl

Abessinien protestiert in einer Note an den Völkerbund gegen die militärischen Schritte Italiens.

Der französische Augenminister Lava! hat in Moskau seine Besprechungen mit Augen­kommissar Litwinow ausgenommen.

Das polnische Kabinett hat für den toten Marschall Pilsudski das Staatsbegräbnis an­geordnet.

Der Stellvertreter des Führers Rudolf Hetz ist in Schweden eingetrossen.

Nach Ansicht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich nähert sich die Welt einem gewissen wirtschaftlichen Gleichgewicht. Gegen die internationale Schifsahrtskonfe- renz erheben jetzt auch die Engländer Be­denken.

Gegen eine Reibe katholischer Orden ist Anklage wegen Devisenverbrechen erhoben worden.

In Kürze werde» die ersten Logger aus der Weser ihre Ausreise zum Heringssang an­treten.

Den inosfiziellen deutsch - französischen Bor­länderkamps in Bremen gewann Deutschland 9:7.

DWUW

Gens, 18. Mai.

Die abessinische Regierung hat beim General­sekretär des Völkerbundes erneut Beschwerde er­hoben gegen die militärischen Maßnahmen der italienischen Regierung, besonders gegen die Ent­sendung zahlreicher Truppen und größerer Menge» Kriegsmaterials nach den italienischen Kolonien.

Die Note bemerkt, daß die offiziellen Reden, die diese Vorgänge begleitet haben, keinen Zwei­fel an den feindlichen Absichten der italienischen Regierung lassen. Abessinien habe schon zu wieder­holten Malen auf die Gefahren solcher Maßnah­men für den Frieden hingewiesen.

Gegenüber den Vorwürfen von italienischer Seite über militärische Vorbereitungen Abessi­

niens verweise die abessinische Regierung auf das wiederholt an die italienische Regierung gestellte Ersuchen, zur Ernennung der Schieds­richter nach Artikel 3 des italienisch-abessini- schen Schiedsvertrages zu schreiten. Der italieni­sche Gesandte in Addis Abeba habe die abessini­sche Regierung aufgefordert, Schiedsrichter abessi- nischer Nationalität zu ernennen. Im Gegensatz dazu sei die abessinische Regierung der Meinung, daß das sicherste Mittel zur Herbeiführung einer unparteiischen und unabhängigen Schiedsinstanz darin bestehe, solche Persönlichkeiten zu wählen, deren Unabhängigkeit, Prestige, Sachkenntnis und Erfahrung von allen Staaten unangefochten sei.

Die italienische Regierung habe angesichts dieser Haltung auf die abessinischen Vorschläge nicht ge­antwortet. Statt dessen haben verantwortliche po­litische Persönlichkeiten Italiens beleidigende

Anschuldigungen gegen Abessinien ausgesprochen und haben die Absicht Italiens an­gekündigt, nzit Abessinien ein für allemal ein Ende zu machen. Die abessinische Regierung er­hebe Protest gegen die Behauptung Italiens, daß der abessinische Kaiser die allgemeine Mo­bilisierung angeordnet habe. Abessinien sel zu keiner Mobilisierung geschritten und bekräftige seine friedlichen Absichten. Ohne Vorbehalt ver­pflichte es sich, sich dem Schiedsspruch unpartei­ischer Richter zu unterwerfen.

Der neue Appell schließt mit der dringlichen Aufforderung an den Völkerbundsrat, nach Artikel 18 eine friedliche Regelung der Streitfrage zu sichern, damit die politische Unabhängigkeit und Unversehrtheit des abessinischen Staatsgebietes geachtet und gegen jeden Angriff aufrechterhalten werde.

Polens Trauer um pilsudski

Ein Ausruf des Staatspräsidenten Moscicki

Rudolf Heßin Schweden

Berlin, 13. Mai.

Montag morgen startete der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, vom Berliner Flughafen nach Stockholm, wo er am Dienstagabend vor der deutsch-schwedischen Vereinigung über das neue Deutschland sprechen wird. In der Beglei­tung des Stellvertreters des Führers befinden sich außer seiner Gattin und seinem Adjutanten, Pg. Leitgen, der Reichsärzteführer Dr. Wag­ner und der Eeopolitiker Pros. Dr. Haus- tz ofer. Mittags landete der Stellvertreter des Führers mit seiner Begleitung in Narköping (Schweden), von wo die Weiterfahrt nach Stock- holm im Kraftwagen angetreten wurde.

Deutsch-belgisches Abkommen

Berlin, 13. Mai.

Die in Aachen geführten Verhandlungen zwi­schen deutschen und belgischen Regierungsvertre­tern über verschiedene, die deutsch-belgische Grenze berührende Fragen hab.en am. Mai durch Unterzeichnung mehrerer Abkommen ihren Abschluß gefunden. Die Abkommen betreffen eine im Verkehrsinteresse erforderlich gewordene Erenzberichtigung bei Bahnhof RLtgen und die Einsetzung eines ständigen Ausschusses zur Aufklärung von Erenzzwischenfällen. Weiter betreffen sie eine Reihe den Verkehrsbedürfnissen entsprechender Aenderungen des Abkommens über die deutsch-belgische Grenze vom 7. No­vember 1829.

KeineStandarten der Arbeit"

Berlin, 13. Mai

Reichsorganisationsleiter Dr. Leg hat fol­gende Anordnung getroffen:

Es ist mir gemeldet.worden, daß einige Be­triebsgemeinschaftenStandarten der Arbeit" eingeführt haben. Ich untersage dies hiermit. Begriff und BezeichnungStandarte" sind und bleiben der SA. und SS. vorbehalten, (gez.) Dr. Robert Ley."

Warschau, 13- Mai.

Zum Tode des polnischen Marschalls Joseph Pil- sudfki (dessen Bedeutung als Nationalrevolutionär, Soldat und Staatsmann dieBremer Zeitung" bereits in ihrer gestrigen Ausgabe gewürdigt hat) erläßt der polnische Staatspräsident folgenden Aufruf:

Marschall Joseph Pilsudski ist dahin­gegangen. Durch seines Lebens groß« Mühsal hat er die Kraft im Volke aufgerichtet. Den Staat hat er durch den Genius seiner Gedanken und seines eisernen Willens zum Leben erweckt. Er führte ihn zur Wiedergeburt der eigenen Macht, zur Ent­faltung der Kräfte, auf die sich Polens kommendes Schicksal stützen wird. Als Lohn für seine riesige Arbeit war es ihm vergönnt, unseren Staat als lebendig« Schöpfung und unsere Armee ruhmvoll und siegreich zu sehen. Dieser größte Mann der polnischen Geschichte hat die Kraft seines Geistes aus der Tiefe der nationalen Vergangenheit ge­schöpft und die Zukunft in übermenschlicher Ee- dankenanspannung vorausgeahnt. Sich selbst sah er darin nicht mehr, denn er ahnte schon längst, daß seine körperlichen Kräfte sich dem Ende neigten. Er suchte und zog daher Männer zur selbständigen Ar­beit heran, auf deren Schultern schließlich die Last der Verantwortung ruhen sollte. Er hinterließ dem Volke das Erbe seiner auf die Ehre und die Macht des Staates gerichteten Gedanken. Dieses Testa­ment, uns Lebenden überliefert, haben wir zu übernehmen und fortzuführen. Möge angesichts seines Geistes und der kommenden Geschlechter Trauer und Schmerz in uns das Verantwortungs­bewußtsein des gesamten Volkes erhöhen."

Das polnische Kabinett trat Montag unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Oberst Slawek

zusammen und faßte einige wichtige Beschlüsse im Zusammenhang mit dem Ableben des Marschalls Pilsudski. So wurde beschlossen, daß die Bei­setzung des Marschalls auf Staatskosten er­folgen solle. Alle Theatervorsührungen usw. fallen bis zum Lage der Beisetzung aus. Militär und Beamte tragen sür die Zeit von sechs Wochen schwarze Armbinden. Kränz« solle» auf dem Sarge Pilsudskis nicht niedergelegt werden. Alle Mitglieder der Regierung haben insgesamt 8808 Zloty gesammelt, die anstatt für die Anschaffung eines Kranzes für die Errichtung eines Gedenk­steines für Marschall Pilsudski in Krakau ver­wendet werden sollen.

In Warschau sind die Fahnen aller öffentlichen Gebäude auf halbmast gesetzt. Auch an den Wohn­häusern der Bevölkerung steht man immer mehr Trauerfahnen. Der Ministerrat, der in der Nacht tagte, beschloß die Anordnung der nationalen Trauer, für die die Einzelanweisungen noch veröffentlicht werden. Der in der Nacht ernannte Leiter des Kriegsmimsteriums erließ einen Tages­befehl an die Armee; darin wird die Anbringung von Trauerkokarden an allen Standarten und Regimentsfahnen angeordnet. Weiter haben alle Generale, Offiziere und Unteroffiziere Trauer­flor anzulegen.

Ueber das Begräbnis des Marsch alls sind noch keine Airordnungen getroffen.Kurier Po- ranny" teilt mit, daß ein Letzter Wille des Mar­schalls über sein Begräbnis seit einigen Jahren vorhanden sei. Danach habe der Marschall als Ausdruck seiner tiefen Hochachtung vor der Wissen­schaft sein Gehirn wissenschaftlichen Zwecken be­stimmt. Sein Herz solle nach Wilna gebracht wer­den, in die Stadt, in der er am meisten weilte und in deren Nähe er geboren ist- Der Marschall habe

den Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß die sterb­lichen Ueberreste seiner Mutter nach Wilna ge­bracht würden, und daß sein Herz zu ihren Füßen niedergelegt werde. Die Beisetzung seines Leich­nams habe er im Wawel-Schloß in Krakau ge­wünscht, das die Gräber der polnischen Könige enthält.

*

Im Auftrage des Führers und Reichskanzlers stattete der Chef der Präsidialkanzlei, Staatssekre­tär Dr. M e i ß n e r, Montag dem polnischen Bot­schafter in Berlin, Exzellenz Lipski, einen Be­such ab, um die tiefempfundene Anteilnahme des Führers und Reichskanzlers an dem schweren Ver­lust, der Polen durch den Tod des Marschalls Pilsudski betroffen hat, zum Ausdruck zu bringen.

Amtlich wird bekanntgegeben: Aus Anlaß des Ablebens des Marschalls Pilsudski flaggen die Gebäude der Präsidialkanzlei, des Reichstages und sämtlicher Reichsministerien auch am Vei- setzungstage halbmast.

Der Führe«' an pilsudskis Witwe

Berlin, 13. Mai.

Der Führer und Reichskanzler hat an die Witwe des Marschalls Pilsudski, Frau Alexandra Pilsudski, das nachstehende Beileidstele­gramm gerichtet:

Die Trauernachricht vom Ableben Ihres Herrn Gemahls Sr. Exzellenz des Marschalls Pilsudski hat mich auf das schmerzlichste berührt. Nehmen Sie, hochverehrte gnädige Frau, und Ihre Familie den Ausdruck meiner tiefempfunde­nen Anteilnahme entgegen. Dem Heimgegangenen werde ich stets ein dankbares Gedenken bewahren. Adolf Hitler, Deutscher Reichskanzler."

Dcet

ir. MlL. Bremen, 14. Mai.

r« Am kommenden Sonntag KEpLag^ in der ^^n die Völkergrup- Tschechoslowakei ^n der Tschechoslowakei das Präger Parlament neu wählen. Der Wahlkampf, mit erbitterter Heftigkeit ge­führt, steht ganz im Zeichen der innerpoliti­schen Auseinandersetzungen zwischen der Re­gierungsmehrheit und der parteimäßigen Opposition einerseits sowie den tschechischen Machthabern des Hradschin und den nationa­len Minderheiten andererseits. Diese dop­pelte Frontstellung der einzelnen Parteien muß bei einer Beurteilung ihrer Äahlaus- sichten mit berücksichtigt werden. Was die Opposition im engeren Sinne betrifft, so sind seit 1929, dem Jahr der letzten Parlaments­wahlen, erhebliche Kräfteverschiebungen ein­getreten: Die Nationaldemokraten sowie die Tschechische Gewerbepartei haben der Regie­rungsmehrheit den Rücken gekehrt, während sich die (inzwischen stark geschwächten) So- zialdemokraten ins Kabinett hereinnehmen ließen, um zur allgemeinen Ueberraschung mit den tschechischen Agrariern gemeinsame Sache zu machen. Beide Gruppen haben ge­genüber den vom Panslawisten Kramarz ge­führten Nationaldemokraten keinen leichten Stand. Hinsichtlich der nationalen Minder­heiten kämpft die schlagkräftige sudetendeut- sche Bewegung Konrad Henleins gegen die allzu oft versuchte Herabsetzung der Sudeten- deutschen zu Staatsangehörigen zweiten Gra­des. Die 3,5 Millionen Deutschen auf tschecho­slowakischem Boden haben in der Tat ein Recht, sich mit aller Entschiedenheit dagegen u wehren, daß man sie wegen ihrer opfer- wreiten Treue zu ihrem Bolkstum als na­tional unzuverlässig ansieht. Die muster­gültige Disziplin der Massen, die bei allen Riesenkundgebungen der Sudetendeutschen Partei festzustellen ist, kann als Ausdruck des aufbauenden, staatspolitischen Ordnungs­willens der Sudetendeutschen überhaupt ge­weitet werden. Aber wie wir beobachten konnten, daß sich unsere Bruder in Böhmen und in anderen Teilen der tschechoslowaki­schen Republik leidenschaftlich jede Anzweif­lung ihres guten Willens zur Mitarbeit im Staat verbitten, haben wir auch die stolze, felsenfeste Gewißheit, daß sie me kampflos auch nur den geringsten Teil ihrer Bolks- tumsrechte preisgeben werden. Marxistische Verräter werden hier immer Außenseiter bleiben, deren Terror den siegreichen Vor­marsch der sudetendeutschen Einigungsbewe­gung nicht einen Augenblick aufhalten kann. *

Mit der Hinausschiebung Was sich Litauen ^ Termins für die Neu­erlaubte mahl des Memel-Land- tages bis zum September setzt Litauen gegen­über den Forderungen des geknebelten Me- meldeutschtums seine nun schon seit Jahren zur Anwendung gebrachte Verschleppungs­methode fort. Bereits bei den ersten Memel- wahlen, die auf Grund des Autonomie- vertrages im August 1925 stattfinden sollten, verstanden es die litauischen Rechtsbrecher, ihre Niederlage um zwei Monate zu verta­gen. Die Blamage war für sie allerdings um so gründlicher: Die kerndeutsche memel-

Hsrtin Dey, frankfurt a. Watn

Die Loreley bekommt die Oase geputzt

Das Mhrerprinzip im alten Neichsheer

Line Betrachtung von Major a. D. W. v. Stephant Adolf Hitler hat in seinem BuchMein Kampf'

Im engsten Felsental des Rheins bei St. Eoar hallen seit Wochen Tag für Tag dumpfe Schüsse; und wenn das berühmte siebenfache Loreleyecho grollend wie ferner Donner nachklingt, dann nicken die Steuerleute auf dem Strom wehmütig mit dem Kopf. Sie wissen, was die Schüsse be­deuten: Die Loreley bekommt die Nase geputzt; mit Vorschlaghämmern, Eesteinsbohrern und Dy­namit, denn anders ist der Nase einer Loreley nicht gut beizukommen.

Mit der Nase der Loreley hat es, wie über­haupt mit dem ganzen Felsen, seine besondere Bewandtnis.

Wenn es auch Zweifler gibt, die nicht recht daran glauben wollen, daß in grauen Vorzeiten auf der Spitze des Berges eine schöne Nixe ge­sessen habe, um die Schiffer auf dem Strom mit verführerischem Gesang ins Verderben zu locken, so steht doch eins zweifellos fest: daß die Lo­reley, solange man zurückdenken kann, immer ein besonderer Eefahrenpunkt für den Verkehr im Rheintal gewesen ist. Die Vorüberfahrt an der Loreley war von den Schiffern von jeher gefürchtet; und selbst heute, nach zahllosen Strom­bettregulierungen, wagt auch der älteste Rhein­schiffer es nicht, sein Fahrzeug ohne Lotsen am Fuße des sagenumwobenen Berges vorbeizu- steüern. Der Fels schiebt sich so weit in den Strom vor, daß sein Bett sich hier auf nur 200 Meter, die schmalste Stelle seines ganzen Laufs von Basel bis zum Meer (!) verengt. Und dabei fällt der Fels so steil ins Strombett ab, daß ur­sprünglich nicht einmal ein schmaler Fußpfad zwischen dem aufragenden Gestein und den wir­belnden Fluten des Stromes Platz hatte. Als vor gut einem Jahrhundert die rechte Rbeinufer-

straße angelegt wurde, mußte sie um den Fuß der Loreley herum zur Hälfte aus dem Gestein her­ausgehauen und zur anderen Hälfte künstlich in den Strom hinausgebäut werden. Obwohl die Straße seitdem manche Verbesserung erfahren hat, wandt sie sich doch bis in unsere Tage noch immer in scharfer Kurve eng und schmal zwischen steilem Fels und jäh abfallender Ufermauer um den mächtigen Berg.

Bei der schnellen Entwicklung des Autowesens und der besonders starken Beanspruchung der Rheinuferstratzen wurde die Loreley daher für den modernen Autoverkehr bald zu einem eben­solchen Eefahrenpunkt, wie sie für die Schiffahrt schon immer gewesen ist. Besonders gefährlich war eine am Fuße des Berges weit und mächtig vorspringende Felsnase, die nicht nur die Straße zu einer scharfen und engen Kurve zwang, son­dern auch jede Sicht auf entgegenkommende Fahr­zeuge nahm.

Bei der im Laufe des letzten Jahres begonne­nen Verbreiterung der rechten Rheinuferstraße auf 12 Meter gab die gefährliche Felsmasse der Lore­ley den Straßenbautechnikern eine harte Aufgabe zu lösen. Nach langem Ueberlegen mußte man sich endlich entschließen, den gefährlichen Felsvor- sprung am Fuße der Loreley zu beseitigen; denn allein damit, daß man die Straße noch zwei Meter weiter in den Rhein vorbaute, konnte die Gefahr nicht beseitigt werden. Es half nichts: die Nase des romantisch verklärten Felsens mußte geputzt, ja, einfach und glatt fortgeputzt werden! Und so sind denn jetzt gut vier Wochen einige Arbeits­kolonnen dabei, auf der Loreleynase herumzuklet- tern, um sie Stück für Stück in die Luft zu sprengen.

Das losgeschossene Gestein wird gleich an Ort und Stelle wieder benutzt. Es dient dazu, die auch nach dem Strom hin verbreiterte Straße bis an die neu errichtete Betonmauer aufzuschütten. Schon heute kann man. übersehen, wie sicher und weit die neue Straße den Autofahrer in Zu­kunft um den gefürchteten Berg führen wird. Seitdem die Loreley ihre Nase verloren hat, wird sie auch dem leichtsinnigsten Herrenfahrer so schnell nicht mehr gefährlich werden.

Das soll allerdings nicht heißen, daß die Lore­ley durch die notwendige Operation ihre Schön­heit verloren habe. Nein, ganz im Gegenteil. Heute, da die Sprengarbeiten am Fuße des Ber­ges wenigstens im großen so gut wie beendet sind, kann man mit ruhigem Gewissen sagen, daß die nüchternen Techniker die vielbewunderte Schönheit des romantischen Felsens nicht verschan­delt haben. Jetzt, da der Felsen von der verbrei­terten Straße nahezu senkrecht hoch aufragt, bie­tet sich dem Reisenden auf dem Schiff und ganz besonders den Autofahrern auf der bald vollende­ten neuen Straße ein viel einprägsameres und drohenderes Bild der Loreley, von deren Gefah­ren man in allen Teilen der Welt ja schon immer singen und sagen gehört hat.

Deutsche Ausgrabungen in Äegypten

Die deutsche Hermopolis-Expedition hat ihre Ausgrabungen in der antiken Stadt Hermopolis in Mittel-Aegypten in diesem Frühjahr durchge­führt. Die Arbeiten haben zu der Feststellung zweier Bezirke innerhalb der Wohnstadt geführt, die von einer fünfzehn Meter dicken Mauer um­schlossen sind, und eine Reihe von Tempeln und Kapellen in sich schließen. Die Freilegung eines der wichtigsten Heiligtümer innerhalb des grö­ßeren der beiden Bezirke ergab einen Tempel des Mittleren Reiches (um 2000 v. Chr.) von unge­wöhnlichem Grundriß und unter ihm noch ""-"e Tempelmauern.

dem alten Heer ein herrliches Denkmal gesetzt, indem er schreibt, daß das, was das deutsche Volk dem Heere zu verdanken habe, sich in wenig Wor­ten ausdrücken lasse, nämlich: Alles. Der Führer weist dann darauf hin, wie die Schule der Allge­meinen Wehrpflicht den deutschen Jüngling zum Manne erzogen habe. Von berufener Seite ist bereits erklärt worden, daß die Wiedereinführung der Allgemeinen Wehrpflicht durchaus keine Kriegsvorbereitung sei, sondern daß sie in erster Linie berufen ist, die Tugenden des alten Heeres, die in der Reichswehr nur einem beschränkten Teile des Volkes eingeimpft werden konnten, wieder in der Gesamtheit der männlichen Bevölke­rung großzuziehen. -

Die mit der Einführung der Allgemeinen Wehr­pflicht verbundene Verkürzung der Dienstzeit stellt naturgemäß erhöhte Anforderungen an die Aus­bilder, also an die Unteroffiziere und besonders an die Offiziere, die sich die Erziehung des deut­schen Mannes.zum Soldaten als Lebensberuf er-' wählt haben und von deren Fähigkeiten und Kenntnissen nicht nur die Kriegstüchtigkeit der bewaffneten Macht, sondern die Lebenskraft des' ganzen Volkes schlechthin abhängig sein werden. Erzieher und Führer auf allen Gebieten ist der' Offizier. Dies fordert von ihm sowohl liebet-- legenheit an Kenntnissen und Erfahrungen, wie sittlichen Ernst und Charakterstärke.Der Offi­zier ist das Vorbild seiner Leute, sein Beispiel reißt sie mit vorwärts. Er hält die Truppe in schärfster Mannszucht und führt sie selbst nach ge> wältigen Anstrengungen und schweren. Verlusten zum Siege." So lauten die Vorschriften des alten Heeres, und beim Lesen dieser Worte tritt

der unerhörte Siegeszug des deutschen Heeres von 1914 unwillkürlich vor unser geistiges Auge. Wir sehen das ' Westheer, Franzosen, Engländer und Belgier bis dicht an Paris vor sich Hertreiben und die an Zahl so kleine Ostarmee zwei russische weitüberlegene Armeen bei Tannenberg und an den masurischen Seen. vernichten. Ein Beweis, daß die angeführten Worte der Vorschriften nicht nur in den Büchern standen, sondern in Fleisch und Blut des Heeres übergegangen waren.

Zum Führer gehört aber nicht nur das Be­fehlen,, sondern auch die Fürsorge. Die Vor­schriften verlangen daher auch:Seinen Leuten soll er ein treuer Helfer sein, der mit ihnen Freud, Leid und Entbehrungen teilt und so ihr unbedingtes Vertrauen erwirbt." Und an ande­rer Stelle, heißt es:Nie rastende Fürsorge für das Wohl seiner Mannschaft ist das schöne und dankbare Vorrecht des Offiziers."

Die roten und schwarzen Feinde des alten Heeres wurden nicht müde, in Presse und Reichs­tag insbesondere das Offizierkorps anzugreifen und zu verunglimpfen, .ihm Hochmut und Miß­handlungen und Erziehung der Soldaten zum Kadavergehorsam" vorzuwerfen. Dir - Kriegs- erfolge' und die -Tatsache; daß das deutsche Volks­heer sich jahrelang gegen ungefähr, zehnfache Ilebermacht zu wehren- imstande- war, haben diese Verunglimpfungen längst widerlegt.

Der deutsche Soldat-war dank seiner militäri­schen Erziehung und. Ausbildung seinen Kame­raden aller Nationen überlegen. Denn diese Aus­bildung bekämpfte systematisch denKadaver­gehorsam" und bemühte sich, auch den einfachen Musketier zu selbständigem Denken und Handeln zu erziehen.In der gesamten Ausbildung ist