Ausgabe 
(13.5.1935) Nr. 131
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Nr. 131 / 3. Jahrgang

Montag, 13 . Mal

Einzelpreis 13 Nps.

Das polnische Volk an dee Bahre feines größten Sohnes

Marschall pilsudski gestorben

Beileidstelegramm des Führers und der deutschen Reichsregierung

Unasr lagssspisgsl

Marschall Pilsudski ist am Sonntagabend um 20.45 Uhr gestorben.

Sowjetrussische Ossiziere erkundigte» in Li­tauen Fluglandungsplätze für die Rote Armee.

Die französische Sonntagspresse drückt ihre Unzufriedenheit über das Warschauer Ergeb­nis aus.

Einer amerikanischen Pressestimme zufolge ist das Luftabkommen zwischen Paris und Rom fertiggestellt.

Das Internationale Autorennen von Tripo­lis gewann Caracciola auf Mercedes-Benz vor Varzi (Auto-Union) und Fagioli (Mer­cedes-Benz).

Den Fuhball-Länderkampf gegen Spanien in Köln verlor Deutschland 1:2 (1:2).

Im Kamps um die Deutsche Fußballmeister­schaft blieben Schalke und Fllrth hoch erfolg­reich.

Im Handball wurden'bei den Männern die deutschen Gruppenmeifter ermittelt.

In Pewsum bei Emden weihte Gauleiter Rover die Eauführerfchule Weser-Ems ein.

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Der kleine Belt überbrückt

, (Oralitboriokt nnssrsr Bsrlivsr Leürlktlsitnng) ' Hr. Berlin, 12. Mai.

Die Brücke über den Kleinen Belt, deren Er­öffnung zetzt bevorsteht, überquert den Kleinen Belt ungefähr in Nordsüdrichtung und verbindet die Insel Fünen mit Iütland. Zusammen mit den llferstrecken überspannt die Brücke eine Ent­fernung von 1177 Metern. Die Brückenkonstruk­tion wurde, wie aus einem Sonderbericht des Völkischen Beobachters aus Kopenhagen zu ent­nehmen ist, von den dänischen Staatsbahnen ent­worfen und in einem internationalen Ausschrei­ben im Jahre 1S28 veröffentlicht. Die Ausfüh­rung ist auf Grund der Ausschreibung einem Kon­sortium aus dänischen und deutschen Firmen über­tragen worden. Die Unterseite der Brücke, die in Ltahlskonstruktion ausgeführt ist, liegt 33 Meter über dem Wasserspiegel. Die mittelste Brücken­öffnung beträgt 220 Meter, die beiden anschließen­den je 165 Meter. Die Brücke besitzt zwei Eisen­bahngeleise, eine 6 Meter breite Fahrbahn und außerdem einen 2,5 Meter breiten Gehweg. Die Ausgaben für den gesamten Brückenbau beliefen sich auf ungefähr 24 Millionen Kronen, wozu noch die Ausgaben für Streckenverlegung in Höhe von 1,8 Millionen Kronen kommen.

Luftabkommen Varis-Rom

Paris, 12. Mai.

Der römische Sonderberichterstatter desNew York Herald" behauptet, daß die Aussprache zwischen dem französischen Luftfahrtminister General Denain und dem Chef der italienischen Luftstreitkräfte, General Vallo, zur Fertig­stellung eines französisch-italienischen Luft­abkommens geführt habe. Der Wortlaut dieses Abkommens sei Mussolini unterbreitet worden. Die Zusammenarbeit der beiden Luftstreitkräfte werde, wie verlautet, auch bei der Verteidigung der österreichischen Unabhängigkeit eine wichiige Rolle spielen.

Warschau, 12. Mai.

Marschall Pilsudski ist am Sonntagabend um 20.45 Uhr im Belvedere-Schloß in Warschau ent­schlafen, nachdem ihm ein Militiirkaplan noch die Sterbesakramente gereicht hatte. Die Krankheit des Marschalls währte bereits mehrere Monate. Die Aerzte hatten einen Magen- und Leberkrebs festgestellt. Am 11. Mai trat eine plötzliche Ver­schlechterung im Befinden des Kranken ein. Der Marschall erlitt einen Magenblutsturz, der eine Schwächung der Herztätigkeit zur Folge hatte. Bald darauf trat der Tod ein.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Nachricht vom Tode des Marschalls Pilsudskis traten die Mitglieder des polnischen Kabinetts zu einer Sitzung zusammen. Ministerpräsident Slawek begab sich darauf ins königliche Schloß, wo er vom Staatspräsidenten Moscicki zu einer län­geren Audienz empfangen wurde. Der Staats­präsident hat zum Eeneralinspekteur der Armee den General Eduard Rydz-Smigly und auf An­trag des Ministerpräsidenten zum Leiter des Heeresministeriums den General Zbigniew Kasprzycki ernannt. 'Auf Veranlassung der Re­gierung wurden sämtliche Theatervorstellungen abgesagt. Der polnische Rundfunk hat für mor­gen sein gesamtes Programm abgesagt.

*

Polens Nationalheros, Marschall Pilsudski, wurde am 5. Dezember 1867 in Zulow in der Nähe von Wilna geboren. Er studierte in Char-

(Vraktberivlit unserer Lr. Berlin, 12. Mai.

Wie aus Kowno berichtet wird, weilt seit An­fang Mai eine sowjetrussische Fliegerabordnung, bestehend aus vier Fliegerosfizieren der roten Luftflotte, in Litauen, um Zwischenlande- pliitze für die rote Luftflotte zu erkun­den. Die sowjetrussischen Fliegerofsiziere werden von einem litauischen Fliegeroffizier begleitet und führe« ihre Erkundungen in Zivil aus. Bisher wurden die Flughäfen Kowno, Schanlen und Me­ine! besichtigt. Ferner find vorgesehen Erkundun­gen in der Umgegend der Kreisstädte Poniewesch und Rakischki, um dort gegebenenfalls neue Flughäfen anzulegen. Das litauische Innenministerium hat an die unteren Verwal­tungsbehörden ein Rundschreiben gerichtet, wonach zu melden ist, inwieweit die Möglichkeit zur Er­richtung von Flugplätzen besteht.

Diese Meldung verdient im Zusammenhang mit den französisch-polnischen Verhandlungen besondere Beachtung. Trotz des schönen Kommuniques, das

kow Medizin, wurde aber wegen seiner poli­tischen Tätigkeit relegiert. Er trat mit soziali­stischen Kreisen in Verbindung und wurde im Jahre 1887 auf fünf Jahre nach Sibirien verbannt. Nach seiner Rückkehr organisierte er die Polnische Sozialistische Partei. In Krakau bereitete er einen nationalen Aufstand grundlegend vor. Er fuhr dann nach Japan, um über die Bewaffnung Polens zum Kampf gegen den Zarismus zu ver­handeln, ein Plan, der jedoch mißlang. Beim Ausbruch des Weltkrieges ernannte ihn die ins­geheim in Krakau gebildetenationale Regie­rung" zum Oberbefehlshaber aller polnischen Streitkräfte. Von Krakau aus führte er dann die berühmte erste Legionärsbrigade nach Kielce, dessen Einnahme ihm gelang.

Am 16. Juli 1017 wurde er in Magdeburg interniert. Die Mittelmächte errichteten den selbständigen polnischen Staat. Als Pilsudski nach Warschau zurückkehrte, übertrug ihm der Regent- schastsrat die Militärgewalt und später die ge­samte Staatsgewalt. Er berief den verfassungs- gebenden Sejm ein, der ihm im Februar 1910 bis zur Uebernahme der ordentlichen Staatsverfassung die weitere Geschäftsführung übertrug. Im De­zember 1922 zog sich Pilsudski von den Regierungs­geschäften zurück, kehrte aber im Mai 1926 wieder, nachdem er nach gewaltigen Kundgebungen des Militärs durch einen Putsch die Macht an sich reißen konnte. Am 21. Mai 1926 wird er zum Staatspräsidenten gewählt, nimmt aber die Wahl nicht an. In der neuen Regierung übernahm er das Kriegsministerium und im Oktober 1926 das

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in Warschau über die völlige Uebereinstimmung des französischen Außenministers mit der polni­schen Regierung ausgegeben wurde, ist es kein Geheimnis geblieben, daß in allen militärischen Fragen bei diesen Besprechungen durchaus keine Einigung erzielt worden ist, sondern daß die polnische Regierung an ihren bisherigen Neutralitätserklärungen unbedingt festgehalten, also den französischen Wünschen nach Anschluß an das französisch-russische Bündnis bzw. an den Ost­pakt nicht nachgegeben hat. Diese Haltung der polnischen Regierung ist im Hinblick auf die wach­sende Bedrohung, die durch die enorme russische Aufrüstung für Polen entsteht, durchaus begreif­lich. Bereits die Tatsache, daß, in der Tschecho­slowakei russische Flugplätze angelegt wurden, hat seinerzeit größtes Aufsehen erregt, denn bekannt­lich sind die polnisch-tschechischen Beziehungen keineswegs die besten, und wenn nun noch das gleiche Verfahren in Litauen eingeschlagen wird, wenn also auch das litauische Gebiet zu einem

Amt des Ministerpräsidenten, das er bis zum 27. Juli 1928 und später noch einmal vom August bis Dezember 1930 inne hatte. Unter seiner Führung entwickelte sich der Aufbau Polens zu einem starken Staatswesen im Innern und auch nach außen.

Ihm ist auch das Gelingen der guten Beziehun­gen zwischen Deutschland und Polen zu danken, daß im polnisch-deutschen Freundschaftsabkommen seinen Ausdruck hat. Dieser Vertrag, der im deutsch-polnischen Verhältnis für 10 Jahre eine enge freundschaftliche Bindung sichert, ist auch ein wertvoller Beitrag für den europäischen Frieden und somit ein bedeutendes Verdienst Marschall Pilsudskis.

Berlin, 12. Mai.

Der Führer und Reichskanzler hat aus Anlaß des Todes des Marschalls Pilsudski folgendes Beileidstelegramm an den polnischen Staatspräsi­denten gerichtet:

Tief bewegt durch die Nachricht von dem Hin­scheiden des Marschalls Pilsudski spreche ich Eurer Exzellenz und der polnischen Regierung mein und der Reichsregierung aufrichtigstes Beileid aus. Polen verliert in dem verewigten Marschall den Schöpfer seines neuen Staates und seinen treuesten Sohn; mit dem polnischen Volk be­trauert auch das deutsche Volk den Tod dieses großen Patrioten, der durch seine verständnis­volle Zusammenarbeit mit Deutschland nicht nur unseren beiden Ländern einen großen Dienst ge­leistet» sondern darüber hinaus den wertvollsten Beitrag zur Befriedung Europas gegeben hat.

ausgesprochenen Aufmarschgebiet für die russischen Luftstreitkräfte gemacht wird, so muß Polen sich ebenso wie Deutschland von derartigen Maßnah­men unmittelbar bedroht fühlen. Es kann daher für den französischen Außenminister schwerlich kein Zweifel bestehen, warum Polen auf die Wahrung seiner Neutralität gegenüber den französischen Ostpaktbestrebungen in besonderem Matze Gewicht legen muß. Die polnische Presse hat in diesen Tagen eindringlich davon gesprochen, daß die Verhältnisse in Osteuropa recht unübersichtlich ge­worden seien, und sie hat die Frage erörtert, wie man das neue französisch-russische Abkommen mit den vertraglichen Bindungen Polens an seine Nachbarländer in Einklang bringen könne. In Warschau scheint man jedenfalls gewisse Auswir­kungen des französisch-russischen Vertrages auch auf das französisch-polnische Militärbündnis für möglich zu halten, und diese Auffassung kann durch die Meldungen über die russischen Flugplätze in Litauen nur noch weiter bestärkt werden.

(Siehe auch Seite 2)

Seefahrt ist not

Der Sinn desTages der Deutschen Seefahrt"

Wenn wir heute über denTag der Deutschen Seefahrt" sprechen, so ist es selbstverständlich Ehrenpflicht, erst einmal derer zu gedenken, die in vielen Jahrhun­derten für Deutschlands Seefahrt kämpften und ihr Leben liehen.

Die in Deutschland weit verbreitete Auf­fassung, dah die deutsche Seeschiffahrt erst mit der Gründung der Hamburg-Amerika Linie im Jahre 1847 und des Norddeutschen Lloyd im Jahre 1855 in Erscheinung tritt, ist absolut irrig. Die deutsche Seeschiffahrt blickt vielmehr auf eine Geschichte von über 2000 Jahren zurück.

So wurde neuerdings durch Ausgrabungen sogar festgestellt, daß Seeleute der Nordsee­küste schon vor 2000 Jahren, also 1000 Jah­ren vor den Wikingern, Nordamerika be­suchten. Auch steht fest, daß im Jahre 12 n. Chr. in der Emsmündung die Friesen und Oldenburger sich den Römern zu einer großen Seeschlacht stellten. Im Jahre 447 n. Chr. segelten Iüten-, Elbe- und Weserbewoh­ner (Angeln und Sachsen) in die Themse­mündung ein und eroberten ganz Südeng­land. Desgleichen wurden mehrere Flotten von den Deutschen zur Zeit der Kreuzzüge ausgerüstet, die am Nil große, wenn auch nur vorübergehende Eroberungen machten.

Die Blütezeit der deutschen Seeschiffahrt im Mittelalter fällt in die Jahre der See- herrschaft der Hansa, die sich im Jahre 1241 zusammenschloß, um die Freiheit der Meere zu sichern.

Gerade jetzt im Mai sind es genau 400 Jahre, daß sich die Hansa mit den Dänen in der Ostsee bei Bornholm schlug. Danach oe° gann dann leider der langsame Verfall der Hansa, da sie infolge der deutschen Uneinig­keit im Mittelalter nicht mehr genügend Rückhalt hatte. Wir können noch heute stolz sein aus unsere Vorfahren, die es damals fertiggebracht haben, die deutsche Seegel­tung auf allen Meeren der Welt zu erkämp­fen. Im Jahre 1630 fand der letzte Hansatag in Lübeck statt. Die große Zeit der deutschen Seemacht mit unzähligen Schlachten und Er­oberungen, bei denen Tausende deutscher Seeleute ihr Blut für die Sache der deut­schen Seegeltung ließen, fand ihr trauriges Ende. Danach trat der Große Kurfürst bis zu einem gewissen Grade das Erbe der Hansa an und versuchte, sich mit einer neuen Flotte Geltung auf See zu verschaffen und Kolonien in Afrika zu unterhalten. Das Unternehmen ging jedoch über die Kräfte des kleinen Brandenburg hinaus, unter Friedrich Wil­helm l. verluderte die Kolonialverwaltung und Friedrich Wilhelm I. gab sie in weiter Konzentration auf die innere Erstarkung des Staates aus.

Die nächsten 250 Jahre waren für die deutsche Seeschiffahrt nicht von großer Be­deutung, wenn auch vereinzelte Seegefechte stattfanden und Handelsschiffe die Meere be- fuhren.

Als dann im Jahre 1848 die Nationalver­sammlung die Gründung der Reichsmarine beschloß und die ersten Schiffe in die Nordsee kamen, erklärte England die Flagge der

Russische Flugplätze in Litauen

Wachsende Bedrohung Deutschlands und Polens durch die enorme russische Ausrüstung

Die Taler der Maris Theresia

Gin unpolitischer Bericht um den abessintjchen Sreit / Von Hans Med

Ueber dem Reiche des Negus von Abesstnien hangen die Wolken einer besonders starken Regen­zeit, die Steppen saugen sich voll der kostbaren Nässe, in den Gebirgen kommen die Bäche ab und stürzen mit gefährlicher Romantik in ihren steinigen, sommers glühenden Veiten zu Tal. Die Arbeit ruht, niemand wagt eine Reise, und es ist unmöglich, in dem durch viele Tage und Nächte anhaltenden Regen Heere zum Kriege auf­marschieren zu lassen. Man kann nur verhandeln, protestieren, kriegerische Zeitungsartikel inspi­rieren und rüsten, bereitstellen, warten...

Diesseits der ungenauen Grenzen lagern die Streitkräfte Mussolinis. Die Posten vor den zeltenen Hangars der Kampfflugzeuge haben die Aufgabe, in regelmäßigen Zeitabständen die Wasserlachen hoch zu stülpen, die sich auf den Zelt­planen sammeln und die leichten Bauwerke zu zer­drücken drohen, die Offiziere tragen gummierte Pelerinen und schauen mißmutig durch den Wasserschleier, der von ihren Mützenschirmen herunterrieseit und die Feuerkuppen ihrer Zigaretten löscht. Das beste ist immer noch, man kriecht mit ein paar guten Kameraden in einen Tank und spielt eine Partie Domino. Aber, Signore capitano, um welches Geld soll man in diesem Lande spielen?

Um Lire? Würde man um Lire spielen, könnte man sür seinen Spielgewinn nichts kaufen. Keine Hand voll Datteln, kein Stück Hammelfleisch, keinen Beutel Tabak, nicht einmal einen Schluck Mauleselsmilch. Die Lira gilt nicht am Roten Meer, kein Orientale sieht sie, mag sie noch so glänzen und klingen, als Geld an.

Das haben die braunen Leute dort eben so an sich. Und es ist dasselbe in Abesstnien wie in Arabien. In dem ganzen, fünf Millionen Quadrat­kilometer großen Gebiet um das Rote Meer, überall zwischen Khartum im angloägyptischen Sudan, Bagdad, Oman und Somaliland, auf einem Brocken Erde halb so groß wie Europa, gilt unter den Eingeborenen nur eine Art Geld für richtig, gelten keine Lire und keine Mark, keine Franken und keine Schilling. Es gelten von allen Geldsorten der ganzen weiten Welt die Taler der Maria Theresia.

Sie allein machen dort einen Handel möglich, man braucht sie, um Führer, Lasttiertreiber, Straßenarbeiter und Verräter anzuwerben. Man braucht sie, um Lebensmittel zu beschaffen, Ta­bak, Kaffee und Vieh. Der Duce also braucht eine Menge davon. Es ist ganz seine Sache, den Streit gegen den Negerkaiser nicht aus dem. Grunde zu verlieren, weil er nicht genug von diesen plumpen Silbermünzen mit der Jahreszahl 1780 aus der Tasche ziehen konnte. Er wird es versuchen und dabei den Kopf schütteln über die Rückständigkeit der Menschen zwischen Khartum und Bagdad.

Der Ruhm einer Kaiserin

Es ist nicht einfach, mit wenigen Worten zu sagen, warum heute noch in Arabien und Nord­ostafrika jene achtundzwanzig Gramm schweren Silbertaler Währungsmünze sind, die mit dem Todesjahr der österreichischen Kaiserin Maria Theresia 1780 zum letzten Male ohne Nachdatie- rung geprägt wurden und die noch um einen gan­zen Zentimeter größer sind als unsere alten, jede Hosentasche ruinierenden Fünfmarkstücke. Es kann

nicht anders sein, als daß der Ruhm dieser 1780 gestorbenen Frau schuld daran ist, die als römisch­deutsche Kaiserin, Königin von Ungarn und Böh­men und Erzherzogin von Oesterreich die macht­volle Gründerin des österreichischen Einheits­staates wurde, der immerhin fast zweihundert Jahre hielt. Kein Zweifel, daß sie diesen ge­schichtlichen Ruhm verdient, da sie sechs Kriege führte, sechzehn Kinder gebar, ihren Mann zum Kaiser machte und dieselbe Würde auch zweien ihrer Söhne als Machtanspruch hinterließ. We­der Frankreich noch Bayern noch Italien, nie­mand außer den Preußen bestanden gegen sie. Ihr Name, der ganz ohne Zeitungen in die Welt drang, ihr Ruhm, der bis unter die Zelte der arabischen Scheichs klang, die ungeheuere Sugge­stion ihres Geistes machten ihren Taler zur Welt­münze. In Abesstnien und Arabien kursiert er heute noch als das einzige Geld, mit dem man wirklich bezahlen kann...

Es gibt dieser Taler zwischen dem Tigris und den Nilquellen nach vorsichtigen Schätzungen fünf­unddreißig Millionen Stück. Mit ihnen finan­zieren das Land des Negus und das der arabi­schen Nomaden ihre Kriege und ihre Frieden, sie gelten als unverrückbar in ihrem Wert, sie wer­den gehortet und verliehen, alle nennenswerten Käufe und Verkäufe, alle Dienstleistungen für Fremde und alle Verhandlungen mit Exporteuren aus aller Welt beziehen sich auf dieses Geld. Die Taler der Maria Theresia sind die Schlüssel der Länder um das Rote Meer, die einzigen, die wirklich alle Türen zwischen Hadramaud und Somaliland öffnen.

Es bat nicht an Versuchen gefehlt, die Taler der mächtigen Toten aus ihrem Geltungsbereich zu verdrängen. Man versuchte es mit Ta- lari-Noten, mit Menelik-Dollars, mit Prägungen ganz des gleichen Gewichtes, des gleichen Silber­gehaltes, des säst gleichen Prägebildes. Die La­teiner brachten den italischen Taler nach Erythräa zu keinem anderen Zweck, um die '

Maria-Theresia-Taler aus dem Felde zu schlagen, die Eingeborenen blieben hartnäckig und ver­langten ihr altes Geld. Es muß die Jahreszahl 1780 ausweisen, die Frau auf dem Münzbild muß die Krone mit den sieben Aepfeln haben und das Ordenszeichen aus der Brust. Nirgendwo in der Welt als in Wien kann man solche Taler her­stellen, wenn man nicht als Staat zum Falsch­münzer werden will. Das will niemand, also bleibt es bei den Talern aus Wien_

Exportartikel Maria-Theresia-Taler > Die Taler der Maria Theresia wurden 1753 'zum ersten Male geprägt und seit 1780 immer nur mit dieser Jahreszahl. In Wien gibt man an, daß man abgerundet 250 Millionen davon hergestellt habe, die Produktion sei 1932 einge­stelltworden. Zwischen 1925 und 1932 sind allein 7 Millionen geprägt und nach Aden verfrachtet worden. Aden ist der Zentralplatz für dieses merkwürdige Geld. Dorthin schicken die auslän­dischen Firmen, die in Abeffinien und Arabien einzukaufen wünschen, ihre Vertreter, um solche Taler zu kaufen, dorthin oder nach Wien. Das kommt nur darauf an, wo man die Stücke ge­rade billiger bekommt und wo gerade das Geld in Zahlung genommen wird, das man selbst hat. Sind die Schacherer in Aden schlecht eingedeckt, so mag es billiger sein, in Wien zu kaufen/

Und so wurden die Taler der großen Kaiserin sür das Land Oesterreich zu einer Fabrikations­ware, zu einem Exportartikel wie Stabeisen oder Wein oder Blusen. Man stellt sie auf Bestellung her. Je mehr Menschen abessinische Pläne haben, um so lebhafter ist die Produktion. In den letzten Jahren waren Japaner im Markt, weil sie abessinische Ländereien und Baumwolle kauften. Und der Duce heute, er bezahlt entweder in Aden das Aufgeld, das ihm die Schacherer des Krieges wegen aufdrücken, oder er bestellt in Wien Vorerst hat er eine andere Maßnahme ergriffen. Sie war vordringlicher als eine Bestellung in

Wien. Die Geldhändler in Erythräa nämlich, diese dunkelhäutigen Burschen, die so ganz genau wissen, daß die Generale des Duce eine Masse dieser Taler brauchen, wenn sie gegen Abessinien marschieren, wollen, haben sich zusammengetan und den Preis für die Taler der Maria Theresia überteuert. Man Hai eine Reihe von ihnen ver­haften müssen und die Grenzen gesperrt. Es ist bei hohen Strafen verboten, Maria-Theresia- Taler aus Erythräa oder aus Jtalienisch-Svmali- land auszuführen.

Sie sollen im Lande bleiben, die Taler der Kaiserin, die seit über hundertfünfzig Jahren tot ist .. . sie sollen helfen, den Krieg gegen den Negus zu führen, sie sollen weiter aus den Män- teln der Scheichs in die erdfarbenen Hände der Eingeborenen, zu den Händlern und Wechslern, von diesen zu den Generalen und Soldaten und weiter umanandlaufen . . . kuriose Künder einer längst zerfallenen Macht . . . ruhelos . . . kleine, silberne Ahasver der Weltgeschichte . ..

Pssher Freilichtbühnen 1935

Queidersbach wird Mitte Juli mit dem Eötz .von Berlichingen" (Regie: Karl Eaebler, Titelrolle: Heinrich Schroth) eröffnet. Das Werk wird auch mehrmals auf der saarländischen Frei­lichtbühne in Eräfintal gespielt werden.

.Von den anderen Freilichtbühnen der Pfalz werden O t t e r b e r g und O b e r m o s ch e l Heinz LoienzMusikantendorf" bringen, gespielt vom Landestheater Kaiserslautern. Auf der Limburg bei BadDürkheim soll das mit dem Dietrich- Eckart-Preis ausgezeichnete Volksstück ..Das brot­lose Mahl" von Irma von Drygalski gespielt werden. Ferner sind Vorstellungen -eines Volks- schauspiels in Breitfurt und Opern- und Operettenvorfllhrungen der Pfalzoper vorgesehen.