das amtliche Vrgan Ses Semts
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-er Freien Hansestadt vremen
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Nr. 130 / 3. Jahrgang
Sonntag, 12 . Mai
Einzelpreis is Rpf.
„Eines der schönsten Geschenke an die Menschheit"
Das Auto überwindet Klassengegensätze
Adolf Hitler empfängt die Delegierten der ausländischen Automobilklubs
Unser lagesspiegel
London und Paris verlangen ein Schlichtungsverfahren im italienisch - abessinischen Konflikt.
Der Führer empfing die Delegierten der ausländischen Automobilklubs.
Reichsminister Dr. Frick und Frau Scholtz- Klink eröffneten die Düsseldorfer Ausstellung „Frau und Volk".
Der Jahresbericht der „Baltic and International Maritime Conference" bezeichnet die Schissahrts-Subventionen als Hindernis Durchgreifender Rationalisierung.
Zür Warenhäuser wurde die Unterhaltung -on Crfrischnngsriiumen grundsätzlich untersagt.
Die Zahl der Erwerbslosen im Bezirk des Landesarbeitsamtes Niedersachsen ist um i,3"/» gesunken.
Aus dem gestrigen Rundfunksprecher-Wettbewerb ging H. Eichholz als Sieger hervor. Deutschlands Hockey-Elf unterlag in Brüssel dem englischen Gegner nach zweimaliger Spielverlängerung knapp 2:3.
Das Futzball-Rückspiel des SB. Werder in Düsseldorf brachte den Bremern eine 1:3- (9:1)-Nieoerlage.
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Bayreulher Festspiele 1936
Berlin, 11. Mai.
Die Leitung der Bayreuther Festspiele gibt bekannt, daß die Vühnensestspiele 1938 am 19. Juli beginnen und am 31. August schließen. In der Zeit vom 31. Juli bis 17. August einschließlich werden die Festspiele mit Rücksicht auf die Olympiade unterbrochen. Es gelangen zur Ausführung: Lohengrin im ersten Festspielabschnitt dreimal, im zweiten dreimal, Parsifal im erste» Abschnitt zweimal, im zweite» dreimal, der Ring der Nibelungen in jedem Abschnitt einmal in geschlossener Ausführung.
Dolch für Neichöheer-Osfiziere
Der Chef der Heeresleitung hat verfügt, daß für Offiziere, Sanitäts- und Veterinäroffiziere und Beamte im Offiziersrang die kurze Ofsiziers- seitenwaffe (Dolch) mit Portepee und Tragevorrichtung eingeführt wird. Der Offiziersdolch kann wahlweise an Stelle des Säbels oder Seitengewehrs außerhalb des Dienstes, zum kleinen Dienst und bei Dienstreisen sowie Uebungsreisen gelegentlich dienstlicher Meldungen getragen werden.
HZ.-Führef werden geschult
Berlin, 11. Mai.
In den Lehrgängen auf den 38 HJ.-Eebiets- fiihrerschulen und zwei Reichsführerschulen wurden 6336 HJ.- und Jungvolkführer geschult. In 81 Lehrgängen zu je 11 Tagen wurden 4893 Jungvolkführer erfaßt und für die besonderen Aufgaben und Erfordernisse des Staatsjugendtages vorbereitet. In elf weiteren Lehrgängen erfolgte geländesportliche Ausbildung von S20 HJ.-Führern.
Bestrafte Verächtlichmachung des Eisernen Kreuzes. Das Gericht in Oberhausen hat den wegen Verächtlichmachung des Eisernen Kreuzes angeklagten Wilhelm Proth zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt.
Berlin, 11. Mai.
Die NSK. meldet: Einer Einladung des
Führers des deutschen Kraftfahrsports und Präsidenten der obersten nationalen Sportbehörde für die deutsche Krastfahrt (ONS.), Korpsführer Hühnlein, Folge leistend, hält die Association Internationale des Automobile-Clubs Reconnus (AJACR.), die Vereinigung der international anerkannten Automobilclubs der Welt, deren Mitglied die ONS. ist, zum ersten Mal seit ihrem 31jährigen Bestehen in diesen Tagen ihre Frühjahrstagung in Berlin ab. Die an der Tagung teilnehmenden Delegierten von Belgien, Bulgarien, Frankreich, Dänemark, Großbritannien, Holland, SUdslawien, Italien, Lettland, Norwegen, Oesterreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Schweiz, Spanien, Tschechoslowakei und Ungarn tr-ken bereits Donnerstag in Berlin ein.
Sonnabend mittag empfing der Führer in der Reichskanzlei die ausländischen Gäste, um sie zu
London, 11. Mai.
Die britische und die französische Regierung haben im Zusammenhang mit der sich aus dem italienisch-abessinischen Streitfall ergebenden Lage miteinander Fühlung genommen, sie wolle» feststellen, welche weiteren Schritte möglich sind, um die Einsetzung eines Schlichtungsausschusses zu beschleunigen. Der britische Botschafter in Rom sowie der Gesandte in Addis Abeba haben Anweisung erhalten, aus die beschleunigte Ernennung des Schlichtungsausschusses zu dringen, der sich aus je zwei Vertretern der beiden Parteien und einem neutralen Mitglied zusammensetzen soll.
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Unsere Berliner Schriftleitung drahtet: Eior- nale d'Jtalia hat die Unverschämtheit besessen zu behaupten, Deutschland liefere Waffen nach Ab essinien. Es ist anzunehmen, daß diese Behauptung in Rom die richtige Antwort bereits gefunden hat, zumal Giornale d'Jtalia sich auf angeblich offiziöse Aeußerungen von italienischer Seite bezog. Die italienische Regierung weiß genau, welche Staaten die Lieferung von Waffen und Munition durch ihre Staatsangehörigen geduldet haben. Daß Deutschland nicht dabei ist, weiß man in Rom auch. Es besteht deshalb ein dringendes Interesse daran, daß die italienische Regierung ihre Kenntnis über den Waffenhandel nach Abessinien öffentlich bekanntgibt. Sie müßte dabei aller
begrüßen. Die Delegierten wurden dem Führer von Korpsführer Hühnlein vorgestellt, der kurz über die Aufgaben und die Bedeutung der AJACR. sprach.
Hierauf nahm der Führer das Wort und sprach von der wirtschaftlichen und kulturellen Be- deutung des Kraftfahrwesens, dessen Förderung sich gerade die Staatsfllhrung des neuen Deutschlands angelegen sein lasse. Er wies in diesem Zusammenhang aus den einzigartig dastehenden Bau der Reichsautobahnen hin, die auch für die Wirtschaft neue Wege in die Zukunft weisen. Die zunehmende Motorisierung werde nach seiner Auffassung eine völlig neue Entwicklung einleiten, die ihren sinnfälligsten Ausdruck darin finden dürfte, daß die Wirtschaft nicht mehr an die Gegebenheiten des Massenverkehrs gebunden sei, sondern der Verkehr sich in Zukunft, in zweckmäßigerer und individuellerer Form der Wirtschaft anpassen werde. Die Erfindung des Automobils sei eines
der schönsten Geschenke an die Menschheit, weil es die Natur wieder von neuem erschließe und bei einer weiteren Fortentwicklung der Motorisierung des Verkehrs weitesten Volksschichten zugute kom- men würde. Wenn die AJACR. in vier bis fünf Jahren wiederum eine Tagung in Deutschland ab- halten werde, dann werde sie Gelegenheit haben, die umfassende Arbeit auf dem Gebiet des modernen Autostraßenbaues und der weiterentwickel- ten deutschen Automobiltechnik in ihren Auswir- kungen kennenzulernen.
In dieser Zeit großer Umwälzungen werde auch das Automobil zu einem Werkzeug der Ueberwindung der Klassengegensätze werden. Der Kraft- fahrsport habe in seinen Spitzenleistungen die Marken abgesteckt für den breiten Strom einer umfassenden Motorisierung. Mit einem nochmaligen Dank und dem Wunsch für eine erfolgreiche internationale Zusammenarbeit der Kraftfahrver- bände schloß der Führer seine Begrüßungsansprache.
Der Konflikt Jtalien-Abessinien
Englisch-französischer Schritt in Rom / Deutschland weift Lügen zurück
dings Namen von Staaten nennen, mit denen sie augenblicklich gerade in diplomatischen Verhandlungen steht.
Die Sorge Frankreichs und auch einiger englischer Zeitungen um Italiens Stellung im abessinischen Konflikt ist im übrigen nach einer in diplomatischen Kreisen weit verbreiteten Auffassung in erster Linie darauf zurückzuführen,
Ein «Krenzzwischensall
Berlin, 11. Mai.
Der tschechoslowakische Gesandte hat im Auftrage seiner Regierung beim Auswärtigen Amt gegen die Verhaftung eines deutschen Emigranten protestiert, die am 27. April ds. Js. auf dem Erenzbahnhof Eisenstein und zwar nach tschechoslowakischer Ansicht auf tschechoslowakischem Gebiet erfolgte. Dem Gesandten wurde weitere Untersuchung des Vorfalles zugesagt, der sich nach den bisherigen deutschen Ermittlungen auf deutschem Boden abspielte.
Balkanpakt-Konferenz
Bukarest, 11. Mai.
Die Arbeiten der Bukarester Konferenz der Balkanpaktstaaten konzentrierten sich am Sonnabend auf die Frage der Aufrüstung Bulgariens in Verbindung mit der Aufrüstung Ungarns und Oesterreichs und auf die Frage der Neuregelung der Lage im Donaubecken. Nach Mitteilungen aus Konferenz-
daß man eine Ablenkung Italiens nach Afrika nicht gern sieht. Man möchte lieber eine Bereitstellung Italiens in Europa haben, weil bei den geringsten militärischen Schwierigkeiten Mussolinis gegenüber Abessinien ein Großteil des mühsam aufgebauten diplomatischen Gebäudes gegenüber Deutschland zusammenstürzen müßte.
kreisen stellten sich hierbei sämtliche Valkanpakt- staaten auf den Standpunkt, daß Italien durch sein Vorgehen im Donaubecken die diesbezügliche Entscheidung an sich gerissen habe und deswegen auch die Verantwortung für die Entwicklung der Beziehungen der Donaustaaten übernehmen müsse. Die italienisch-französische Einigung ermögliche es den Balkanpaktstaaten, sich dem Vorgehen Italiens anzuschließen, doch verständen sie die Verantwortung Italiens dahin, daß es auch die Garantie für die Aufrechterhaltung des stutus guo im Donauraum gemeinsam mit anderen interessierten Staaten übernehme.
2m weiteren Verlauf der Verhandlungen brachte Rüschtü Aras die Wünsche der Türkei wegen Aufhebung derEntmilitarisierung der Meerengen mit Nachdruck erneut vor. Es scheint nicht ganz ausgeschlossen, daß ein Ausgleich zwischen den Meerengen-Wünschen der Türkei und den Wünschen Rumäniens und Süd- slawiens in der Habsburger Frage zustande kommt. Auch die Frage des Wirtschaftsverkehrs zwischen den vier Balkanpaktstaaten wurde näher behandelt.
Wagner über alles,
Von unserem römischen Korrespondenten — Dr. Gustav Gberlekn
Rom, im Mai.
Er ist immer noch unser größter Botschafter: vor Wagner beugt sich der kaltschnäuzigste Kano- nenhändler, der gerissenste Diplomat, der unfreundlichste Politiker. Vielleicht kann nur der Ausländsdeutsche so ganz ermessen, erfühlen, was wir an dem musikalischen Kllnder unseres Wesens haben, denn erst im feindseligen Ausland begreift man seine grenzensprengende Kraft. Von ihm geht aus ein Leuchten eine menschen- und feuerzwin- gende Macht wie von Wotans heiligem Speer.
Es gibt überall in der Welt, die uns im Kriege gegenüberstand, Leute, die während der auch über die deutsche Musik verhängten Blockade schier verhungerten, die ohne Wagner nicht leben konnten und sich kümmerlich von Konserven nährten, den heimlich gespielten Schallplatte». Kaum schwieg der Lärm der Waffen, da erzwängen sich die „Wagnernarren" allen Boykottversuchen zum Trotz den Weg nach Vayreuth, die Herren Kapellmeister in Paris sogar gehorchten — ach, und wie gern sie gehorchten!
Und Nikisch zog nach Rom. Ich sehe ihn noch vor dem See am damals noch ungepflastertcn Bahnhofsplatz stehen, ein Wolkenbruch ging nieder und ich hatte den neuen Strohhut auf. Nikisch fand keine Furt, da hieß es halt durch, der Strohhut flatterte ihm als Signal entgegen, auf einem Seitenweg gelang es, den Maestro zu einer Droschke zu lotsen. Wie die Stimmung sei, fragte er. Besser als das Wetter, sagte ich, und sein durchdringender Blick verlor sich ungläubig in der molluskenhasten Masse, die in der Flohecke der Droschke schwabbelte: Strohhut wie Wagner, das schien ihm heute die gleiche Herausforderung.
Aber dann der Abend im Augusteum! Das Publikum war geladen mit Spannung, aus allen
Fingern sprühte es wie St. Elmsfeuer, die Wag- nerhungrigen verschlangen schon Tannhäuser mit förmlicher Eier. Und schließlich glomm es auf, das überirdische Leuchten, es zog Isoldes Liebestod durch das Mausoleum des Augustus — da hielt es die Menschen nicht mehr, da sprangen sie auf, vergebens rangen Frontkämpfer mit den Tränen, harte Männer gruben die Fingernägel in die Handflächen, um nicht aufschreien zu müssen... und als die letzten Töne hinstarben wie das opale Licht eines Sonnenuntergangs auf dem Bodensee, als unermeßlich einherschritt das Sehnen einer Menschenseele, da, ja da war es, als müsse nun der zweitausendjährige Bau einstürzen. Deutschland hatte gesiegt.
Und wieder herrscht unfreundliches Wetter in Italien; die Zeitungen, kontrapunktistisch gebunden an das Pariser Leitmotiv, scheinen uns nicht verstehen zu wollen, sie ziehen wieder einmal in den Staub, was uns heilig ist. Sie verspotten den Wotan des Rings als „alten Nörgler", sie machen ein lächerliches Duell aus seiner letzten Begegnung mit Siegfried; sie tun sich etwas auf die überlegene lateinische Kultur. Macht auch das Volk dabei mit?
Nun, als die Oper in Turin kürzlich den Ring durchsetzte, mußte das Publikum durch Anschläge ersucht werden, das Beleuchten der Textbücher durch Taschenlampen während der Vorstellung zu unterlassen. So verbissen sich die Wagnerfreudi- gen in die Partitur!
Rom brachte dann in einer vollendeten Darstellung die Meistersinger heraus. Wer keinen Platz mehr errang, hing sich an den Rundfunk. Wer in Deutschland mithörte, weiß, wie die Begeisterung durch das Haus hallte. Wäre der Fernsehen schon da, so hätte man auf der allerhöchsten
Galerie reihenweise junge „Fanatiker" sitzen gesehen, die, das Notenheft auf den Knien, den Kopf in den Händen vergraben, die Welt um sich vergaßen.
Das größte Musikereignis der Saison: Schlußkonzert des Augusteums. Niemand hätte etwas Ungewöhnliches dahinter gefunden, wenn es von den nationalen Musikheroen bestritten worden wäre; ist es ja doch auch guter Brauch, die Opern- saison stets mit einem nationalen Werk zu eröffnen. Ungewöhnliches aber geschah: das Augusteum hatte den Mut, die Saison mit einem Nur- Wagner-Konzert zu beschließen! Von allen Mauern schrien es die Plakate, von Münd zu Mund wurde die Sensation weitergetragen. Nur Wagner! In Rom! Im Augusteum!
Mehr noch: Molinari dirigierte, der römische Nikisch. Und der Rundfunk wollte kein Geheimnis mehr daraus machen, er übertrug auf alle Landes- und viele ausländische Sender, unmittelbar nach der Weihe von Lourdes. So hörte man um sechs Uhr dreißig nachmittags noch den Kardinal, eine Viertelstunde später den Fliegenden Holländer, schließlich Wotan. Und unter dem Fantasma des Wallkürenritts verließen die Menschen summend und singend den Saal,
Da war keiner, der an einen alten Nörgler dachte, als der Gott schied von seinem Kinde. Da war nur ein einziger inbrünstiger Herzschlag, als das Mausoleum selber zu brennen schien in wabernder Lohe. lleberall sind Anschläge, die die Zuhörer ermähnen, kein „bis" zu verlangen, keine Wiederholung; jeder weiß es von Jugend auf, und doch, was vergißt man nicht alles bei einer solchen Musik, die Leute rasten vor' Verlangen: büs! büüüssü Da capo! Vüssss! Sie trommelten mit Fäusten und Füßen, Molinari blitzte weg wie eine Sternschnuppe, der sogleich eine andere folgte, folgen mußte; wäre Wagner selbst dagewesen, man hätte ihn in Stücke zerrissen vor Liebe und Begeisterung.
Er ist immer noch unser größter Botschafter.
Llfons von Cfibulka
Ein deutscher
Als noch allein der Atem Gottes, der Wind, die Schiffe über die sieben Meere trieb, war es von Hamburg nach Südamerika eine weite Fahrt. Das bekam auch die kleine Brigg „Dorothea" zu spüren, die nach Venezuela bestimmt war. Nach zwei Wochen lag sie erst vor der Insel Texel in Holland. Womit für den alten Windjammer die Reise zu Ende war. Den» vor Topp und Takel, ohne Segel und Ruder trieb die Brigg hilflos über die in den Dezemberstürmen brüllende See, auf die der durch schwarze Wolkenfetzen jagende Mond seinen gespenstischen Schein warf. Nicht einmal ein Vaterunser hätte man beten können zwischen dem gellenden Ruf des Mannes im Ausguck „Brandung voraus" und dem Augenblick, in dem die „Dorothea" zerschellt auf den Bänken vor Texel 'ag Es war noch ein Wunder, daß die Mannschaft nach einer furchtbaren Nacht heil die Küste erreichte.
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Damit hatte auch der Kajütenjunge Heinrich Echliemann zum ersten Male ein bißchen Glück. Las war ihm nämlich bis dahin noch nicht widerfahren. Eine Kette von Mühsalen war seine Jugend gewesen; nur seine früheste Kinddheit hatte ein wenig Freude gekannt. Ja, das mecklenburgische Dorf Ankershagen, wo der Vater Landpfarrer war, war für einen rechten Jungen sogar ein Paradies. In dem Hause, das Heinrichs Eltern bewohnten, konnte man das Gruseln lernen: der frühere Pfarrherr ging dort um. Dem kleinen Eartenteiche, der den märchcnschönen, heimeligen Namen „das Silberschälchen" trug. enstieg in Vollmondnächten «ine geheimnisvolle gespenstisch« Jungi.au. Am Dorfrand« erhob sich «in Hünengrab, in dem der Sage nach das Kind eines Ritters
Feinspinner
Deutschland auf dem Weg der Ehre und des Rechts
"Bremen, 12. Mai.
Nach Tagen verhältnismäßiger Ruhe. erwarten wir in dieser Woche wieder verstärktes Pulsieren der außenpolitischen Strömungen. Nicht so sehr im Innern, wo der Reichstag vom Führer zu einer neuen Tagung berufen ist, als vielmehr außenpolitisch, wo neue Entwicklungen sich anzubahnen scheinen.
Herr Laval ist in Warschau gewesen und nun auf dem Wege nach Moskau begriffen. Hier wird man ihn vermutlich herzlicher empfangen als es in Polen geschah. Da hat man es natürlich an freundlichen Formalitäten auch nicht fehlen lassen; aber aus vollem Herzen konnte man dem französischen Gaste nicht zugeneigt sein, nachdem mit dem Abschluß des französtsch-sowjetrussischen Paktes Polen in eine verhängnisvolle Zwangslage gebracht worden ist.
„Gegen wen richtet sich eigentlich dieser Pakt?" So fragte man sich in berechtigter Sorge in Warschau. Gegen Deutschland, ließ Frankreich nach Polen hin verlauten. Aber die polnischen Staatslenker sind schließlich keine politischen Kinder, die sich mit dem ohnehin stark abgeleierten Pariser Wgesang gegen Deutschland einlullen lassen. Klipp und klar stellten sie sich selbst — und nun wohl auch so gelegentlich einmal an den französischen Gast — die Frage, wie das denn eigentlich werden, soll, wenn Sowjetrußland in Erfüllung gegebener Bündnispflichten Frankreich zuliebe gegen Deutschland marschieren wollte? Rußland hat ja keine gemeinsame Grenze mit Deutschland, und die in Warschau erkannte Möglichkeit, daß . in solchem Falle die russische Heereswalze sich über Polen legen könnte, um an die deutsche Grenze zu gelangen, löst in Warschau begreifliches Unbehagen aus.
Polen als Aufmarschgebiet für die russischen Heere! In der Tat keine verlockende Aussicht sür einen Staat, der etwas aus seine Selbständigkeit und seine Ehre hält. Die Rolle Belgiens während des Weltkrieges verlangt Polen bestimmt nicht zu spielen. Gerade diese Rolle aber muß heute vor den erschreckten Augen Polens stehen, wenn es beobachtet, wie alle neu gebauten und noch im Bau befindlichen russischen Schienenwege auf die polnische Grenze hin- und dort aüs- laufen, wie viele, allzu viele Flughäfen der polnisch-russischen Grenze entlang in erster Linie doch Polen und in zweiter Linie erst Deutschland bedrohen. Wie bedrohlich aber diese Lage tatsächlich für Polen ist, dürfte vielleicht gerade Lavals Besuch in Warschau erwiesen haben, der — man kann die Dinge drehen und deuten, wie man will — einen französischen Druckversuch auf die polnische Unabhängigkeit darstellt und erreichen sollte, daß Polen, durch den französisch- sowjetrussischen Pakt bereits vor vollendete Tatsachen gestellt, sich den Verhältnissen fügen und dem Pakt mit Rußland sich anzuschließen bereit fände.
Man kann nicht gerade sagen, daß die so in Warschau angesetzten Daumenschrauben der ohnehin sehr in der Ehre empfindsamen polnischen Volksseele Rechnung trugen. Ganz
Schatzgräber
in einer Wiege aus purem Golde ruhte. Die verfallene Burg, um deren düstere Mauern die Fledermäuse flatterten, hatte einst dem Henning Bra- denkirl gehört, wie das Volk den Raubritter Henning von Holstein nannte, weil er einst einen Kuhhirten bei lebendigem Leibe in einer eisernen Pfanne gebraten haben soll.
Das Geheimnis, das um versunken« Mauern und Schätze webte, hatte es schon dem Buben angetan. Begeistert hörte er dem Vater zu, wenn dieser von Herkulanum und Pompeji sprach oder von der mächtigen, blühenden Königsstadt Troja erzählte, von der nun kein Stein mehr künde. Und eines Tages tat der Zehnjährige einen Ausspruch, dessen Wahrheit er freilich erst vierzig Jahre später beweisen sollte: „Vater, das kann ooch nicht sein, daß dieses Troja verschwunden ist. Solche Mauern können nicht untergehen. Sie sind wohl nur unter Schutt und Staub begraben." — Der Pastor lachte und versuchte, dem Buben zu erklären, daß Troja und seine Helden doch nur Erfindungen des großen Dichters Homer wären. Doch das wollte der Junge nicht glauben. Da meinte der Vater schließlich: „Schön, mein Junge, wenn du also mal groß sein wirst, wirst du Troja ausgraben." — — Selten ist ein« ungewollte Weissagung so seltsam in Erfüllung gegangen.
Vorerst aber brach alles Unheil über Schlie- manns Jugend herein. Die Mutter starb. Der Vater geriet in Not. Er mußte den Buben zu einem Bruder geben, der in einem anderen Orte Pfarrer war. Aber das half nur wenig. Schlie- mann konnte nur wenige Jahre die Mittelschule besuchen, dann mußte «r sich selbst sein Brot verdienen. Aber gerade er hat bewiesen, daß ein