Ausgabe 
(11.5.1935) Nr. 129
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Bremer Zeitung erscheint täglich (auch Montags). Monatsbezug: RM. 2.30 einschi. SO Rpj. Zustellungsgebühr: durch die Post RM. 2,30 einschl. Ueberweisungsgebühr. ausseht. Postbestellgeld Der Bezugspreis ist im voraus zu entrichten. Postscheck Hamburg 172 72. Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch aus Erstattung oder Ersah. NS.-Eauverlag Weser-Ems E. m. b. H Bremen, Am Teeren 88 / Fernsprecher: Roland 625.

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Nr. 12Y / 3. Jahrgang

Sonnabend, 11 . Mai

Einzelpreis 15 Npf.

Unser lagesspiegel

Der Kaiser von Abessinien kündigt für den Fall weiterer italienischer Maßnahmen gegen sein Land die allgemeine Mobilmachung an. Der französische Außenminister Laval ist in Warschau eingetroffen.

In Berlin wurden zwei Kabaretts wegen staatsverneinender Tätigkeit polizeilich ge­schlossen.

Gewisse norwegische Interessenten möchten dasRecht" auf den Walfang in Erbpacht nehmen.

Die Untersuchung gegen den Knabenmörder Seefeldt hat wichtige Einzelheiten ergeben. DampferScharnhorst" ist zu seiner ersten Ostasienreise ausgelaufen.

In Bremen sprach Gauschulungsleiter Pg. Vuscher über das Kulturschafsen im Dritten Reich.

Der VSV. schlug in einem Freundschafts- Fußballtreffen die Bremer Polizei 8:1.

Den Endkampf im Internationalen Brüsseler Hockey-Turnier bestreiten Deutschland und England.

Erste Ausreife derScharnhorst"

SchnelldampferScharnhorst", das neueste Schiff im Ostasienexpreßdienst des Norddeutschen Lloyd, ist gestern nachmittag 17 Uhr von Bremerhaven aus zu seiner ersten Ausreise nach Ostasien in See . gegangen. Das Schiff war vollbesetzt. Ein« zahl­reiche Menschenmenge war auf der Columbuskaje , erschienen, die an der Ausreise des neuesten Schif- -fes der deutschen Handelsflotte und der Abfahrt des LloydschnelldampfersEuropa", der am glei- ' chen Tage nach Amerika in See ging, lebhaften An­teil nahm.

Dlenftftempel für die SA.

Die Oberste SA.-Führung gibt bekannt:

Die SA.-Dienst- und Eeldve rw al­ter st empel sowie Dienstsiegel dürfen, ihrer Bedeutung entsprechend, von den Einheiten nur über dje Oberste SA.-Führung beschafft werden. Den SA.-Einheiten ist verboten, beim Erzeuger Dienststempel und Siegel in Auftrag zu geben.

In der letzten Zeitkäufen sich die Fälle, daß der SA. fernstehende Personen, in betrügerischer Absicht mit gefälschten Unterlagen SA.-Dienst- stempel bei Stempellieferanten bestellen und ge­liefert erhalten. Die Oberste SA.-Führung weist darauf hin, daß die Herstellung von SA.-Dienst- stempeln nur den von der Obersten SA.-Führung, München, zur Lieferung herangezogenen Firmen genehmigt, allen anderen Erzeugern verboten ist. Anfragen und Gesuche um Zulassung zur Er­zeugung von SA.-Dienststempeln und -Dienst­siegeln sind zwecklos, da eine ausreichende An­zahl von Erzeugern verpflichtet ist.

NGKK.- Dienstgradbezeichnung

Da das NSKK. sein« Motorstandarten nicht wie die SA. in Sturmbanne, sondern in Staffeln unterteilt, verfüge ich, daß die bisherig« Dienst­gradbezeichnungSturmbannführer" undOber­sturmbannführer" künftigStaffel füh r« r" undOberstaffelführer" heißen.

Der Führer des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps

gez. Hühnlein, Korpsführer.

Abessinien legt in Nom telegraphisch Protest ein

Allgemeine Mobilmachung, wenn..."

Aufsehenerregende Erklärung des Kaisers von Abessinien

London, 18. Mai.

Der Berichterstatter desDaily Telegraph" in Addis Abeva meldet: Der Kaiser von Abessinien teilte mir vor seiner Abreise nach der befestigten Stadt Harrar mit, daß er, wenn Italien seine kriegerischen Vorbereitungen fortsetze, die allge­meine Mobilmachung anordnen werde.

Weiter erklärte der Kaiser, er habe seine Politik, die darauf abgezielt habe, eine schieds­gerichtliche Entscheidung herbeizuführen, noch nicht aufgegeben. Er hoffe immer noch, daß auf der Sitzung des Völkerbundsrates am 20. Mai

ein entscheidender Fortschritt in Richtung auf eine friedliche Lösung erfolgen werde. Der Kaiser fügte hinzu:Wenn dies aber nicht der Fall ist und wenn Italien seine militärischen Vorbereitungen fortsetzt, dann müssen wir mobil­machen. Aethiopien wird sich niemals mit einem Zustand inoffiziellen Krieges abfinden, wie er vorhanden war, als Japan seine Operationen in Mandschukuo durchführte. Wir werden von vorn­herein Widerstand leisten."

Der abessinifche Außenminister hat den abefsini- schen Geschäftsträger in Rom telegraphisch ge­beten, beim italienischen Außenministerium ge­gen diebeleidigenden" Ausführungen des Ko-

lonmlstaatssekretärs Lessona in der italienischen Kammer Verwahrung einzulegen.

In dem Protest wird gesagt, Abessinien habe trotz der kriegerischen Vorbereitungen Italiens in dem Streitfall eine friedliche und korrekte Hal­tung eingenommen, dabei habe es mehrmals, aber erfolglos, das Schlichtungsverfahren verlangt. Der Protest schließt mit der Erklärung, die Verpflichtungen, die Italien sowohl auf Grund des italienisch-abessinifchen Vertrages als auch als Völkerbundsmitglied hinsichtlich der po­litischen Unabhängigkeit und der territorialen Unversehrtheit Abessiniens obliegen, seien von Staatssekretär Lessona mißachtet worden.

Tingeltangel"-Luden am Pranger

Zwei Berliner Kabaretts wegen staatsverneinender Tätigkeit geschlossen

Berlin, 10. Mai.

Auf Veranlassung des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda wurden . die beiden Berliner KabarettsKatakombe" und Tingeltangel" in letzter Zeit mehrfachen Beob­achtungen seitens parteilicher und behördlicher Stellen unterzogen.' Dabei stellte sich heraus, daß die ursprüngliche Tendenz dieser Unternehmen, die darauf hinauslief, durch scharfen Witz dem Empfinden des.Volkös zuwider- > laufende. Zeiterscheinungen zu geißeln und damit ^ in gewisser Weise auch dem neuen Aufbau dien­lich zu sein, unter dem Druck der meist staatsfeindlichen Besucherschaft nach und nach genau ins Gegenteil umgeschlagen ist. So wurde z. V. eine Dirne in Verbindung mit der Sammeltätigkeit für das Winterhilfswerk ge­bracht und allgemein gegen das Sammeln Stim­mung gemacht; Militär- und Parteiuniformen wurden verunglimpft, die Organisationen der Partei ins Lächerliche und die Wehrpflicht in den Schmutz gezogen. Ein reinrassiger Jude, der als solcher in Deutschland nur Gastrecht besitzt, wagte es, über politische Vorgänge in Deutschland seine herabsetzenden Glossen zu machen. Demzufolge setzte sich auch die Vesucherschaft in der Haupt­sache aus Juden und anderen staatsverneinenden Elementen zusammen.

Da das weitere Treiben dieser Unternehmen im Interesse des Ansehens des nationalsozialistischen Staates nicht weiter geduldet werden konnte, hat der Reichsminister für Volksaufklärung und Pro­paganda ihre Schließung durch das Geheime Staatspolizeiamt veranlaßt. Einige Hauptmit- wirkende wurden gestellt und einer polizeilichen Vernehmung unterzogen. In diesem Zusammen­hang fanden auch polizeiliche Haussuchungen statt.

Da zahlreiche Mitwirkende an den politischen Darbietungen der Unternehmen, wie sich bei ihrer Vernehmung einwandfrei herausstellte, über wich­tige Einrichtungen des neuen Staates, an denen sie ihr Mütchen kühlten, zum Teil nur sehr ober­flächlich, zum Teil überhaupt nicht orientiert waren, wird ihnen Gelegenheit gegeben werden, das Versäumte in anständiger und solider Arbeit in einem Lager nachzuholen.

Es wird bei dieser Gelegenheit nochmals betont, daß der neue Staat es nicht dulden kann, daß seine Einrichtungen, die nur dem Volke dienen, seitens

einer kleinen, aber um so frecheren und anmaßen­deren Clique einer hetzenden, zersetzenden und böswilligen Kritik unterzogen werden. Der Na­tionalsozialismus wird nicht die Fehler des Vor- kriegsdeutschlands wiederholen, das der Ver­höhnung seiner großen tragenden Einrichtungen, wie Armee, Schule, Staat usw.; nicht Einhalt ge­bieten konnte und deshalb auch in der Stunde der Gefahr zusammenbrach. Vor allem erachtet er es für gänzlich unerträglich, daß deutsche Angelegen­heiten von Juden oder vor Juden lächerlich ge­macht werden.

Ein müdes Urteil

(vratitberielit unserer llerliner LeliriktleitunA.)

Kr. Berlin, 10. Mai.

Vor dem Schöffengericht in Bonn stand, wie die Germania" meldet, der katholische Pfarrer T. als Angeklagter. Ihm war zur Last gelegt, öffentlich in der Kirche Angelegenheiten des Staates in einer den öffentlichen Frieden gefähr­denden Weise erörtert zu haben. Er habe in seiner Predigt die Hitler-Jugend beleidigt und sich auch über die Rassenfrage im abträglichen Sinne geäußert. Der Staatsanwalt beantragte eine Ge­fängnisstrafe von vier Monaten. Das Töricht ver­urteilte den Pfarrer nur zu einer Geldstrafe von 600 RM. an Stelle einer verwirkten Gefängnis­strafe von 60 Tagen. Dem Urteil wurden nur die Aeußerungen über die Hitler-Jugend und nicht die Aeußerungen über die Rassenfragen zugrunde gelegt.

Der französische Lnftfahrtminister General Denain ist am Freitag mit einem Regierungs­flugzeug von Marseille nach Rom abgeflogen.

Amtöleitertagung der Beamten

Berlin, 10. Mai.

Auf einer in Berlin abgehaltenen Tagung der Eauamtsleiter des Hauptamtes für Beamte gab der Hauptamtsleiter und Reichswalter des Relchs- bundes der Deutschen Beamten. Pg. Hermann Neef, Richtlinien für die weitere Tätigkeit der Eauämter. Er betonte, daß der Reichsbund seine Arbeit im Dienste des deutschen Volkes verrichte. Pg Neef berichtete ferner über den Stand der Vorarbeiten zum neuen Veamtengesetz und über Organisationsfragen des Reichsbundes der Deutschen Beamten, wobei er feststellte, daß die Organisation des Reichsbundes sich bewährt habe und finanziell gesund dastehe.

Anschließend erläuterte der Stellvertreter des Hauptamtsleiters, Pg. Reusch, fein« Darlegun­gen über die Notwendigkeit des Bezuges der pa r- teiamtlichen Presse durch die Beam­ten und empfahl die Unterstützung der 'Werbe­aktion der NS.-Presse.

Stimme aus Parts

Louis Bertrand für Aussprache mit Deutschland

In dem Augenblick, da der französische Außenminister Laval über Warschau nach Moskau reist, dürften die folgenden Aus­führungen des französischen Schriftstellers und Mitglieds der Acadsmie Francaise Louis Bertrand besonderem Interesse begegnen. Wir entnehmen die (für das politische Wollen eines Teiles des franzö­sischen Volkes aufschlußreichen) Darlegun­gen auszugsweise dem Mai-Heft derEuro­päischen Revue". Louis Bertrand schreibt:

Wir haben eine Unmenge von Fragen mit unseren Nachbarn zu regeln, und die drin­gendsten und allerwesentlichsten sind gerade diejenigen, die zwischen Deutschland und uns ungelöst und in der Schwebe geblieben sind. Nur wird sich das keinesfalls in Genf, jenem der englischen Freimaurerei hörigen Durch­einander, erreichen lassen, wohin Deutsch­land mit vollem Recht nicht zurückkehren will und wo wir die Rolle eines Dienstboten spielen, dem sämtliche niederen Verrichtun­gen obliegen.

Eine Aussprachezuzweiti st drin­gend geboten. In Frankreich wie in Deutschland fordert sie die Volksstimmung für sobald wie möglich; ich meine jenen Kontenausgleich, der endlich dem ungeheuer­lichen periodischen Gemetzel ein Ziel setzt, das beide Länder zum größten Nutzen der Zuschauer zur Erschöpfung bringt. Es ist nicht zu bestreiten, daß es in Deutschland eine sehr überlegte, sehr entschlossene und kraftvolle Bewegung für eine Verständigung mit uns gibt. Und andererseits beweisen mir die Briefe, die ich aus allen Gegenden Frankreichs erhalte, daß unsere Landsleute die vitale Nötwendiykeit einet: solchen Ver­ständigung zu begreifen beginnen. Gestern noch sagte mir jemand:35 Millionen Fran­zosen deken wie Sie und ich. Nur wagen sie es nicht auszusprechen!" Zweifellos war das etwas, übertrieben. Aber deshalb ist es nicht weniger wahr, daß der gesunde Men­schenverstand des Volkes stärker ist als alle Spitzfindigkeit der Juristen und Diplomaten.

Dieser gesunde Menschenverstand wird schließlich doch die Oberhand gewinnen, so wie er zur Zeit der Jungfrau mit den Kniffen der Rechtsgelehrten und Kirchenleute fertig geworden ist. Die Pariser Universität wollte Frankreich dem König von England. aus­liefern, wie unsere Munster es den Sowjets überantworten wollen denn so hätte es den Verträgen e,.,sprachen. Ein kleines Bauernmädchen aus Lothringen zerstörte mit einem Fußtritt das ganze mkle Gespinst. Sie hatte begriffen,, daß es nur auf eines ankam: den Dauphin nach Reims zu führen und so führte sie ihn nach Reims, allen anderen zum Trotz. Genau so gibt es auch für uns nur eine vitale Ausgabe: dassinn - lose und jahrhundertealte Duell zu beenden, das nur mit dem vollständigen Ruin unseres Landes und dem völligen Untergang alles dessen enden kann, was von der abendländischen Zivilisation noch übrig­geblieben ist.

Aber geben wir acht, daß sich auf beiden Seiten die Männer eines guten Willens keine allzu übertriebenen Illusionen machen. Ehe wir uns einander nähern, gilt es, uns klar zu sein über das, was uns trennt. Auf

Hugo Hertivig

Die nordische Frau

Schon seit den ältesten Zeiten verehrten die Menschen ihre mütterlichen Frauen und sahen in ihnen das Schicksal der Rasse verkörpert. Im Norden sind es die Nornen, welche das Schicksal von Göttern und Menschen schaffen. Sie haben ihre Wohnstätte an der Wurzel des Welten- baumes Pggdrasil, wo sich auch der Urdabrunnen befindet und von hier aus weben sie die Schick­salsfäden für uns Menschen. Noch heute ist uns die nordische Vorstellung vom Webstuhle des Schicksals in Ausdrücken wie Mädchensommer, Altweibersommer usw. erhalten.

Hieraus ersehen wir deutlich, daß der Norden weibliches Wesen tief mit dem Naturgeschehen identifizierte. Es ist deshalb verständlich, daß noch heute unsere Marienfeste in besonderer Be­ziehung zum Wetter, zu Heilkräutern usw. stehen. 2m Mittelalter flehte man Maria, deren Saum am Gewand einen Regenbogen zeigt, um Regen an. und noch heute gibt es Gegenden, wo im Walde für die heilige Maria uralte Veerenopfer auf einem Baumstumpf gelegt werden. Und wenn der Germane an das Wirken göttlicher Kraft im Menschen glaubte, so hielt er gerade die Frau dafür besonders fähig, weil das Vegetative ihres Wesens sie dazu geeignet machte.

Es ist ein großer Irrtum zu glauben, daß die Frau im Norden eine zweitrangige Stellung ein­genommen hätte. Das wäre schon nach rein kultischer Vorstellung unmöglich gewesen. Aller­dings hat der Norden nie wie die Frauenbewe­gung der materialistisch denkenden Epoche die Frau zu vermännlichen gesucht. Die Frau war nie selbständiger und verehrter als im Norden. Die Brukterin Veleda leitete sogar den Bataver- aufstand, der Canbara folgten die Langobarden, der Canna die Semnonen. In den Familien­

geschichten der Sagas kann man nachlesen, daß keine nordische Frau sich ungestraft vom Manne schlagen oder betrügen ließ.

Aus ihrer Schicksalsverbundenheit mit dem Mysterium der Natur heraus vermochte die nor­dische Frau zu weissagen, heilen und das Wetter zu beeinflussen. Man hielt sie für mit dem 6. Sinn begabt. Sie gebar nicht nur, indem sie Kinder zur Welt brachte, sondern sie griff in alle Geschehnisse des Lebens, auch in geistige Prozesse gebärend ein, d. h. Wachstum und Leben er­zeugend.

So ist es nicht erstaunlich, daß die germanische Frau als Herrin im Haus mitbestimmt bei der Aufnahme von Gästen, über religiöse und sittliche Pflichten wacht, an den Beratungen der Männer teilnimmt, mit auf die Suche nach Neuland geht, an Gelagen teilnimmt und in Schicksalsstunden zur Waffe greift. Der nordische Mann, der das heilige Wesen der Frau erkannte, empfing gerne aus der Hand der Mutter oder Geliebten die Waffen und erkannte die Frau im Kampfe oft als Führerin an. Und doch ist es im Norden nie zu einer Frauenherrschaft gekommen, denn die Aufgabe der Frau war es eine gute männliche Rasse zu gebären, die männlichen Taten ge­wachsen war. Es herrschte zwischen Mann und Frau das richtige Verhältnis, das auf beiden Seiten Vollmenschen gebar, die nicht gleich wa­ren, sondern grundverschieden und gerade des­halb prachtvoll harmonierten.

Erst die christliche Vorstellung machte die Frau für die Erbsünde verantwortlich und warf ihr niedrige Sexualtriebe vor. Trotzdem gelang es, im Norden nie die uralte heilige Verehrung der Frau zu beseitigen. Selbst die in einer Eva ver­nichtete Frauenehre stellte die Kirche in der

Maria wieder her. Wolfram zeigt sie uns als die Hüterin des Grals, den Feenhände tragen. Die Ritter empfehlen sich der Gnade und Huld der geliebten Frau, die Sage von den Weibern von Weinsberg zeigt uns die Treue der Frau und nach Platon, der an die geistige Ebenbürtigkeit der Geschlechter glaubte, trat in so viel späterer Zeit auch Schiller wieder für sie ein.

Allerdings war das Ansehen der Frau am Ende des 18. Jahrhunderts ungeheuer gesunken. Man bestritt, daß sie eine Seele besitzt, wies ihr eine sozial elende Stellung an, unterließ ihre geistige Ausbildung völlig; das Mönchstum trug besonders zu ihrer moralischen Verachtung bei. Es kam soweit, daß man sogar diskutierte, ob sie

Das Hakenkreuz auf einer 2000 Fahre alten Vase

§

Kuk äer Insel Oxpern verv-äs (liess 2000 llalirs alte Vase gskunäsn, äis ckas Hakenkreuz als Ornsinsntsokinuok zeigt. Der äsutselis IVsbl- konsul in Imrvsoa, Lisriäes, maobts sie äsw IVlirsr zum Sssoksuk.

überhaupt ein Mensch sei und das Wort weibisch begann ein Schimpfwort zu werden.

Für den Menschen, der biologisch empfinden kann, ist es selbstverständlich, daß in der christ­lichen Periode die Befreiung der Frau zuerst wieder im nördlichen Europa begann. Von An­fang an hatte es nordischem Fühlen und Denken widersprochen, das Wesen der Frau für alle Sün­den der Welt verantwortlich zu machen. Der Norden ist immer der Ausgangspunkt für alles ideale Fühlen und Denken gewesen. Sein Seelen- begriff war eng mit der weiblichen Psyche ver­bunden und immer der Inbegriff mystischen Naturgeschehens, der rein materiell mit groben Sinnen nicht faßbar ist. Es gab im Norden nicht wie bei anderen Völkern getrennte Götter und Sprachen für Männer und Frauen.

Gerade darauf, daß das Sinnenleben nicht do­miniert, sondern die Idee immer die Materie zu

gestalten weiß, beruht das wunderbare magische Liebesverhältnis der nordischen Männer und Frauen, deren deshalb so glücklich verlaufenes Familienleben schon von Tacitus bewundert wurde. Es ist das Große und Schicksalshafte in der nordischen Frau auch Goethe versuchte es imFaust" zu gestalten daß sie das Geheimnis des Himmels immer im Herzen trägt und es selbst trotz größter Enttäuschungen nie verliert. Sie ist wirklich die Hüterin des Grals; und mag der Mann auch noch so oft scheitern, sie gebiert ihn immer wieder neu, ob als Mutter, als Geliebte oder als Frau. Deshalb hat ihr auch das Christentum wieder den uralten Namen Maria gegeben, mit dem man einst das Meer meinte, das aus seiner unerschöpflichen Tiefe immer wie­der das Geheimnis der goldenen Sonnenblüte im Raum gebar.

Älte Karte Ostjrieslands

Randüarsteliungen alter ostsriesijcher Trachten aus dem 17. Jahrhundert

Einen sehr bemerkenswerten Kartenfund macht« der bekannte Heimatforscher, Studienrat Dr. A n - dr 6 e, Jsver. In einer von dem Fürsten Ludwig von Anhalt-Zerbst während seiner Tätigkeit als Statthalter in Jever in den Jahren 1720- 1742 angelegten Sammlung, die sich jetzt im Besitze des Marien-Eymnasiums in Jeoer befindet, fand er eine bisher nicht bekannt« alte Karte Ostfrieslands aus dem 17. Jahrhundert von David Fabrizius, Esens. Als groß« Besonderheit ist diese Karte in ihrem unteren Teil mit hinein Fries verziert, der eine sehr anschauliche Darstellung der alten ost- frissischen Tracht enthält. Augenscheinlich geht diese Tracht auf das 16. Jahrhundert zurück. Diese Trachtendarstellung ergänzt in wertvoller

Weise das geschichtliche Bild Ostfrieslands aus dem 16. und 17. Jahrhundert, so daß der Fund der Karte bereits in der Heimatforschung große Beachtung gefunden hat. Bei dem augenblicklch in Jener laufenden Volkstrachtenpuppen-Wen-- bewerb des Jeverländischen Altertums- und Hei­matvereins wird man versuchen, auch mehrere Puppen in der hier angegebenen Tracht anzuklei­den. Von David Fabrizius, Esens, sind zwar noch mehrere Karten bekannt, aber bei keiner ist kiese sehr bemerkenswerte Trachtendarstellung zu fin­den. Auch Eeheimrat Dr. Cello-Oldenburg icheint diese jetzt aufgefundene Karte nicht bekannt ge­wesen zu sein, denn. sie wird in seiner Arben über die heimatlichen Kartenwerke nicht erwähnt.