Ausgabe 
(7.5.1935) Nr. 125
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das amttiche Organ des Senats

-er Smen Lanfestadt vremen

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Nr. 12 s / z. Jahrgang

Dienstag, 7. Mai

Einzelpreis is Rps.

Das 2Sjädkige Negierungsjubiläum König Georgs v.

Englands größter Festtag

Ungeheure Begeisterungsstürme in London / Dankgottesdienst in der Gt. Vauls-Kathedrale

Unssr lagvsspisgsk

Die englische Nation beging unter unge­heurem Jubel der Massen das 25jährige Re- giernngsjnbiliium König Georgs V.

Stalin verurteilte in einer Rede anss schärfste die unmögliche Sozialpolitik Sow­jet-Rußlands.

Die französischen Gemeinderatswablen brach­ten den Linksparteien eine empfindliche Ein­buße.

Bei den südslawischen Parlamentswahlen er-

Nach der Aenderung des Brotgesetzes darf in Zukunft Brot gewerbsmäßig nur in bestimm­ten Gewichten hergestellt werden.

hie» ote ««grerung sestttsch die avsoiute Mehrheit.

Der Berater Rooseoelts hält die Stellung der Vereinigten Staaten als Weltglänbiger- Nation für erschüttert.

Regierender Bürgermeister Heider sprach gestern vor der SA.-Sta»darte 73.

Die erste Bremer Schwnrgerichtsperiode die­ses Jahres wurde am Montag eröffnet.

Die Siegerliste der 3. Hanseatischen Orien- tiernngsfahrt ist erschienen.

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Der Fall Galomon

kommt vor ein deutsch-schweizerisches Schiedsgericht (Oisütbsrioüt unserso Lsrlinsr LoüriktlsItuvZ) kr. Berlin, 6. Mai.

Nach einer Mitteilung von zuständiger Stelle Hat die schweizerische Bundesregierung die Ver­handlungen, die mit der Reichsregierung über die angebliche Entführung desBertholdSa- lomon, genannt Jacobs, geführt wurden, nicht mehr fortgesetzt. Die schweizerische Bundesregie­rung Hat beantragt, die Angelegenheit vor ein deutsch-schweizerisches Schiedsgericht zu bringen. Die deutsche Regierung hat demgegenüber noch einmal festgestellt, daß sie keinen Anlaß gegeben habe, die Verhandlungen schon jetzt abzubrechen. Auf die letzte Mitteilung der Reichsregierung an die schweizerische Bundesregierung habe diese keine tatsächliche Erwiderung gegeben. Der schweizerische Gesandte in Berlin hatte nur festgestellt, daß seine Regierung die Auffassung der Reichsregierung ablehne. Die deutsche Regierung werde sich trotzdem den Verpflichtungen nicht ent­ziehen, die sich aus dem deutsch-schweizerischen Schiedsvertrag ergeben.

Die Ausreise derSchamhorft"

Bremen, 8. Mai.

Der neue für den Ostafiendienst des Nord­deutschen Lloyd eingesetzte Schnelldampfer Scharnhorst", der soeben seine Probefahrten zur vollsten Zufriedenheit ausgeführt hat, wofür der Führer der Bauwerst, der Deschimag, und der Reederei, dem Norddeutschen Lloyd, die besondere Anerkennung ausgesprochen hat, wird am 10. Mai seine erste Ausreise von Bremen nach Ostasien antreten. Das Schiff, das in diesen Tagen Ladung in Hamburg aufnimmt, wird am 8. Mai von Hamburg nach Bremen fahren und hier seine Nestladung sowie sämtliche Passagiere übernehmen.

London, 6 . Mai

England beging Montag seinen größten Fest­tag seit dem Weltkriege, das 25jährige Re­gierungsjubiläum König Georgs V. Millionen Londoner und Besucher aus allen Teilen Großbritanniens und des englischen Welt­reiches und der übrigen Welt hatten sich schon in den frühen Morgenstunden in den festlich ge­schmückten Straßen der englischen Hauptstadt ein- gefunden, um den großartigen Jubiläumszug nach der St. Pauls-Kathedrale zu sehen. Es herrschte ein prachtvolles Wetter. Heller Sonnenschein strahlte auf die menschengefüllten, mit Hundert­tausenden von Flaggen und Girlanden geschmückten Straßen der Stadt.

Der große Jubiläumszug war ein Ereignis von ungeheurem Glanz und einer Prachtentfaltung, die den großen Ueberlieferungen des englischen Königshauses und des britischen Weltreiches würdig war. Die kilometerlange Prozession wurde in sieben Abteilungen durchgeführt. Als erster fuhr der britische Ministerpräsident Mac- tz o n a ld in voller Staatsuniform in Begleitung von berittener Polizei durch die Straßen, überall

Moskau, 6. Mai.

Gelegentlich der Abschlußprüfung und der Ent­lassung eines neuen Jahrganges roter Offiziere und Militäringenieure hielt Stalin eine große Rede, in der er aufsehenerregende Enthüllungen über die Vorgänge innerhalb der Partei machte. Stalin schilderte die Schwierigkeiten, die sich der Durchführung seines Programmes der Industriali­sierung und Kollektivisierung entgegenstellten. Man habe von ihm den Rückzug gefordert. Als er nicht nachgegeben habe, hätten sich die aufsässigen Genossen nicht mit der Kritik begnügt.Sie haben uns mit der Anzettelung eines Aufruhrs inner­halb der Partei gegen das Zentralkomitee gedroht, ;a mehr noch, sie haben diesem und jenem unter uns mit der Kugel gedroht!"

Das Schlimmste, führte Stalin im einzelnen aus, sei der Hunger nach der Technik gewesen, an dem Sowjetrußland früher litt. Man habe nur wenige Voraussetzungen für die Schaffung einer mächtigen Industrie gesehen- Starke Nerven, Be­harrlichkeit und Geduld seien vonnöten gewesen. Sie hätten aber vielen Genossen gefehlt. Zahl­reiche unter ihnen hätten sich auf den Standpunkt gestellt, daß Industrie und Kollektive das Land nicht retten könnten, daß die Arbeiter erst etwas anzuziehen haben müßten, daß sie mit den täglichen Bedarfsartikeln zu versorgen seien. Denn die Schaffung einer starken Industrie in dem zurückgebliebenen Land sei ein gefährlicher

begrüßt von freudigen Zurufen der Menge. Ihm folgten in fünf offenen Wagen die Ministerpräsi­denten von Kanada, Südafrika, Austra­lien, Neuseeland, der Vertreter.In­diens und die Ministerpräsidenten von Süd- rhodesien und' Nordirland. In der zweiten Prozession folgten der Sprecher des Un­terhauses und in der dritten der Lordkanzler von England und andere hohe Würdenträger.

Die großartigsten Szenen spielten sich kurz nach zehn Uhr am königlichen Vuckingham- Palast ab, wo Hunderttausande von Menschen ihren Monarchen erwarteten. Einige Minuten nach zehn Uhr trafen die Mitglieder der könig­lichen Familie ein, um den König und die Königin zu ihrem Jubelfest zu beglückwünschen. Die nächsten drei Umzüge wurden von den Prin­zen des königlichen Hauses und ihren Familien gebildet. Der Prinz von Wales, der von der Königin Maud von Norwegen, der Schwester König Georgs, begleitet war, trug die pracht­volle Uniform eines Obersten der Walliser Leib­garde, den roten Rock mit Orden bedeckt. Ihm folgt der Herzog von York in Marineuniform.

Als das englische Königspaar wenige Minuten vor elf Uhr in einer von sechs Grauschimmeln gezogene» offenen Karosse den Vnckingham-Palast verließ, erhob sich ei» ungeheurer Begeisterungs­sturm unter der Menge. Der König, der die in Gold und Purpur strahlende Uniform eines Feld­marschalls der britischen Armee trug, war tief gerührt und dankte der Menge durch Zuwinken. Königin Mary, zur Linken des Monarchen sitzend, trug ein mit Silber und Diamanten geschmücktes Prachtkleid mit dem blauen Band des Hosenband­ordens. Vor der königlichen Karosse ritt eine Es­korte Leivgardisten in roten Uniforme» und mit goldenen Helmen. Hinter dem königlichen Wagen folgte eine endlose Reihe von Staatswagen mit hohen Beamten und Würdenträgern des König­reiches, darunter die Maharadschas von Patiala, Kaschmir und andere indische Fürsten in pracht­vollen orientalischen Gewändern. Weitere berittene Truppenabteilungen in leuchtenden farbenLunte» Uniformen, beschlossen den königlichen Umzug.

(Fortsetzung auf S. 2)

Gerettetes Bauerntum

Pflicht gegen das Blut

Von Karlheinz Backhaus Fachberater im Stabsamt des Reichsbauern» sührers

Alle Staats-, Kultur- und Wirtschaftspoli­tik der letzten Jahrzehnte war darauf ausge­richtet, die völkische Lebenskraft des deut­schen Volkes zu zerbrechen. Ein volksfrem- oes, jeglichem völkischen Empfinden feindlich gegenüberstehendes Führertum versuchte durch Literatur und Presse und andere die Volksmeinung beeinflussende Mittel das Bewußtsein gleichen Blutes und gleicher Rasse zu untergraben. Das Volk, zu sehr im Banne eines sich immer mehr steigernden Wohllebens besangen, wurde sich dieser fremdvölkischen, verderbl­ichen Arbeit nicht bewußt und machte durch eine Gedankenlosigkeit dem Judentum und einen Trabanten die Zersetzungsarbeit lenkbar leicht.

Das Judentum aber war sich bewußt, daß es seine Pläne zur völligen Unterjochung des deutschen Volkes nur dann glücklich beenden konnte, wenn es jegliches völkische Bewußt­sein im deutschen Volke, wenn es insbeson­dere die völkische Kraft des deut­schen Bauerntums vernichtete. Der Menschen Denken und Trachten wurde durch systematische Propaganda darauf gerichtet, möglichst gut und möglich angenehm zu le­ben. Das Gift egoistischen, liberalistischen Denkens fraß sich immer weiter in den Volkskörper ein und begann schließlich von den Städtern her auch in das Land einzu­dringen.

Tll-, der Nationalsozialismus die Macht im Staate übernahm, gelang es ihm dank der Tatkraft seiner Führer und der Opferwillig­keit feiner Mannen, an die Stelle des Wirr­warrs der liberalistisch-marxistisch-kapitalisti- schen Epoche eine neue Ordnung zu setzen, in der jeder Volksgenosse seinen Ar­beitsplatz zugewiesen bekam, den er im In­teresse und im Auftrag des ganzen Volkes auszufüllen hatte, wenn er nicht seines Rech­tes der Staatsbürgerschaft verlustig gehen wollte. Der Kampf aller gegen alle, die un­selige Klassen- und Standeswirtschaft wurde' mit harter Hand beseitigt und an ihre Stelle die blutgebundene Volkskameradschaft ge­setzt, in der jeder nicht als einzelnes Indi­viduum, sondern als Teil des Ganzen ge­weitet wird.

Schwerer aber als die Schaffung einer alle Volksgenossen umfassenden Schicksals­gemeinschaft war es, die Schäden wieder gut­zumachen, die das unselige System der letzten Jahrzehnte dem völkischen Erbgut geschlagen hatte. Die Proklamierung des Eigennutzes als oberstes Gesetz jeglicher Betriebsamkeit hatte eine immer mehr um sich greifende Ge- burtenminderung im Gefolge gehabt. Aus­gehend von den Großstädten und zuletzt sich ausdehnend bis auf das flache Land, wurde die Grundlage völkischer Lebenskraft, die Zahl seiner gesunden Kinder immer mehr verringert. Noch im Jahre 1900 wurden in Deutschland jährlich 2 Millionen

Der Mensch gilt nichts in Rußland

Stalln über Aufruhrpläne innerhalb der bolschewistischen Varieivrganisation

Traum. Stalin kritisierte diesen Plan seiner Gegner und sagte:Man hätte auch diesen Weg gehen können. Man hätte der Bevölkerung alles das geben können, was das Land verschönt. Damit wäre aber die Zukunft des Marxismus ge­fährdet gewesen. Dann wäre die Sowjet-Union ohne Waffen geblieben, dann hätte sie keinie Schwerindustrie gehabt, keinen Maschinenbau und kein« Traktoren, keine Flugzeuge und keine Tanks.

An Stelle des Hungers nach Technik sei ein neuer Hunger getreten, der Hunger nach Men­schen, nach qualifizierten Arbeitern, die sich die Technik anzueignen und sie anzuwenden verstehen. Früher habe es geheißen:Die Technik entscheidet alles." Diese Losung habe die Schaffung einer mächtigen technischen Grundlage ermöglicht. Aber

Konzentmtionökabinett in Spanien

Madrid, 6. Mai.

Der Staatspräsident hat die von Lerroux ein­gereichte Kabinettsliste genehmigt, die u. a. fol­gende Namen enthält: Ministerpräsident Ler­roux (radikal), Außenminister Rocha (radikal), Kriegsminister Eil Nobles (Ceda), Marine­minister Roya Villanova (Agrarier) Fi­nanzminister Chapaprieta (Unabhängiger Republikaner). Die neue Regierung ist eine aus-

die abstrakte Technik sei tot. Nur die Technik, die von Menschen beherrscht werde, könne Wunder schaffen. Wenn das Eowjetland heute Arbeiter hätte, die die Technik bezwingen könnten dann hätte es drei- und vierfache Erfolge erzielt, dann gäbe es nicht diese unerhörte und empö­rende Behandlung der Menschen un d diesen seelenlosen Bürokratismus. Darauf sei auch zurückzuführen, daß man mit Menschen unerhört leichtsinnig umgehe, daß man sie mißachte- Zum Schluß zog Stalin die Nutzanwendung auf die Armee und sagte, die rote Armee werde erst dann wirklich unbesiegbar werden, wenn sie in genügendem Matze über erprobte und allen Anforderungen entsprechende Menschen ver­füge.

gesprochene Konzentrationsregierung, die von der republikanischen Mitte bis zur republikanischen Rechten einschließlich sämtlich« Gruppen umfaßt. Das Kabinett verfügt über 240 von 439 Stimmen des Parlaments.

Deutsch-rumänisches Zahlungsabkommen. Die deutsche Abordnung zum Abschluß des Zahlungs­abkommens mit Rumänien ist unter Führung von Ministerialdirektor Wohltat in Bukarest einge­troffen.

Alfred Vosenker^,

Dunkelmänner unserer tzeit

Aus der soeben erschienenen Broschüre An die Dunkelmänner unserer Zeit / Eine . Antwort aus die Angriffe gegen denMy­

thus des 20. Jahrhunderts", bringen wir aus der Schlutzoetrachtung folgende Ab­schnitte:

Wenn ich in meinem WerkDer Mythus des 20. Jahrhunderts" manchmal aggressiv gewesen bin, so nicht, um einen sogenannten machtpoliti- schen Kulturkampf zu entfesseln, sondern einfach, um politisch für die Unabhängigkeit der not­wendigen völkischen Entschlüsse zu kämpfen und geistig für die innere Freiheit der nicht katho­lisch denkenden Deutschen, sie zu verteidigen vor Uebergriffen, die, früher mit Hilfe von Sozial- demokratie und Zentrum durchgeführt, heute von den Kanzeln aus in der gleichen unverminderten Heftigkeit gefordert werden. Wie ich schon in der Einleitung zu meinem Werk betonte, habe ich nichtdie Absicht gehabt, Menschen, die innerhalb ihrer Elaubensform glück­lich und zufrieden leben,aus ihr her­auslösen zu wollen, sondern habe nur den Versuch gemacht, die anderen und diese zählen heute nach Millionen mit jenen Problemen tieser zu befassen, die die Ursache ihrer Ablösung aus den alten Formen gewesen waren.

Aber ebenso klar war, daß der Anmaßung der so­genannten Latinität, als der Ausgang aller Kul­tur betrachtet zu werden, eine Absage, soweit Las deutsche Wesen in Frage kommt, erteilt werden mußte, wollte Deutschland nicht von vornherein auf eine ihm gemäße Wiedergeburt verzichten. Wenn meine Gegner sich darauf beschränkt hätten, ihren katholischen Standpunkt eindeutig zu vertei­digen, meine Anschauungen zurückzuweisen, das Feld der Politik und Forschungskämpfe aber außer

acht zu lassen, so hätte ich nie daran gedacht, eine Gegenschrift zu verfassen, sondern hätte die Ent- scheidung ruhig der Zukunft überlassen. Was mich aber besonders veranlaßte, diese Schrift als Ant­wort auf dieStudien" und die verschiedenen Kar­dinalsreden herauszugeben, war nicht nur das, was in denStudien" zitiert und zergliedert wurde, sondern auch, was sie verschwiegen. Und was sie verschwiegen, das enthüllt die letzten Be­weggründe dieser ganzen sogenannten wissenschaft­lichen Arbeit in einer geradezu erschreckenden Weise.

Ich hatte im Kapitel über die Teutsche Volks­kirche und die Schule eine Anzahl von römischen, in deutscher Sprache erschienenen Schriften an­geführt, die sich mit den großen Geistern des deut­schen Denkens und der deutschen Kunst befassen. Ich hatte festgestellt, daß Kant mit einemPest- hauch" verglichen wurde daß die römischen Schrift­steller und die Jesuiten sein Werk alsTäuschung und Humbug" hinstellten, ja, daß ein führender Jesuit ihn denabständigen, marastischen Alten von Königsberg" zu nennen wagte. In dem Welt­bild dieser römischen Schriftsteller erscheint Goethe als ein ..Modegötze", seine Dichtung als dieVerherrlichung des allergewöhnlichsten Erden­treibens . . . ., törichter Theaterabenieuer", als eineGefahr für Religion und Titte". Goethe sei als Mensch ,hohl und oberflächlich" und seine Weltanschauungunsittlich und verderblich'. Schiller wieder wird be,zeichnet alsBrol- literat". dernach pikanten Geschichtsstoffen herum­stöbere, um seine Revue zu füllen". Daß Lütter selbstverständlich alsSchandfleck Deutschlands", alsNounenschänder" undSaurüssel" bezeichnet wird, versteht sich von selbst.

Diese Beschimpfungen, planmäßig seit Jahrzehn­ten durch die römische Literatur verbreitet, er­gänzt durch römische Eeschichtsschreiber, die sich zur Aufgabe stellen, diepreußisch-brandenburgische Geschichtshypnose" zu überwinden, das alles be­deutet nichts mehr und nichts weniger als «inen bewußt und wohlüberlegt eingeleiteten Versuch einer geistigen Gegenreformation . gegen das deutsche Kulturerwachen. Kant und Schiller, Schopenhauer und Goethe bedeuten einen Höhe­punkt deutscher Kultur, deutschen Denkens, deut­schen Forschungswillens, und gegen diese Großen hat sich der römische Kampf gerichtet, der, wenn man auf ihn hinweist, heute sein hundertprozenti­ges deutsches Denken betont und es als Beleidi­gung hinstellt, wenn man an dieser Zusicherung zweifelt.

Da entsteht für das erwachende deutsche Volk die Frage: Kann es sich derartige Herausforde­rungen widerspruchslos gefallen lassen? Kann eine politische und religiöse Duldsamkeit so weit gehen, daß die führenden Sprecher einer konfes­sionellen Minderheit die llrfubstanz des völki­schen Denkens und Forschens als verachtenswert im Dienste eines Ideals hinstellen dürfen, das von der überwiegenden Mehrheit Deutschlands in keiner Weise vertreten wird? Ich glaube, daß diese Fragen sich von selbst beantworten. Die katholische Konfession hat dank der deutschen Duld­samkeit in religiösen Fragen im Unterschied zur römischen Intoleranz das gleiche Recht auf ihr freies Bekenninis wie alle anderen Konfes­sionen in Deutschland. Ihr ist der Schutz des Deutschen Reiches in der Ausübung ihres Kultes Zugesprochen worden, aber das Verhalten maß­gebender Fübrer dieser römischen Konfession zeigt, daß man sich daimi nicht begnügen, sondern den Gehalt der ganzen Staatsgewalt bestimmen will und sich anmaß: dos Denken, Fühlen und Forschen von ganz Deutschland zu diktieren.

Hier wird es notwendig sein, daß mit entspre­chender Sicherheit und Konsequenz der Lebens­raum der römisch-katholischen Minderheit ebenso gesichert wie umgrenzt wird, um die ständigen Herausforderungen gegen Deutschland zu ver­meiden und um endlich den durch diese heraus­fordernden Reden und Schriften gestörten kon­fessionellen Frieden zu sichern.

In diesem Sinne und zur Verteidigung der deutschen Eeistesfreiheit nach innen und nach außen ist auch diese Schrift entstanden, und sie wird so hoffe ich das Ihrig« dazu beitragen, den Standpunkt des Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts gegenüber den überlebten mittel­alterlichen Begriffen aus den Jahrhunderten der Inquisition sicherzustellen.

Gans Tröbst

Än dubio pro reo ...

Dies ist eine Geschichte für scharfsinnige Ju­risten und solche, die es werden wollen. Ich werde sie daher nach dem juristischen GrundsätzeZins ira st stuäio" ruhig und leidenschaftslos be­richten, nichts verschweigen und nichts hinzu­setzen . . . jedem muß es dann überlassen bleiben, Lehre, Moral und Nutzanwendung daraus zu ziehen. . .

Machte ich da neulich während meines letzten Urlaubs auf der Insel Rhodus die Bekanntschaft einer jungen Engländerin aus Aegypten, die . . . aber wozu sie eingehend beschreiben? Sie war . . selbstverständlich . . . wie alle jungen Eng­länderinnen, die man irgendwo kennenlernt, bild­hübsch, forsch, unternehmungslustig und auch sonst einnetter Kerl". Außerdem hieß sie natürlich Mary, wie das in solchen Fällen immer der Fall zu sein scheint.

Eines schönen Nachmittags hatten wir uns zu einem Ausflug nach ..Malpasso". zu Deutsch Der schlechte Schritt" verabredet, nach jener Schlucht :n der Nähe der Stadt Rhodos wo seinerzeit der Hochmeister Dieudonns de Gazon den sagenhaften Drachen von Modus qetötel hat, dessen steinernen Kopf man noch heute in der Ritterkirche von Rhodus bewundern kann.

Von diesemSchlechten Schritt" gingen wir dann querfeldein durch abgeerntete Getreidefelder und Weingärten, die mit vielen Büschen und ver­einzelten Bäumen bestanden und von niedrigen Mauern durchzogen waren, aus das, ein paar Meter entfernte Meer zu, um dort zu baden. Auf halbem Wege trennte sich die die kleine Mary plötzlich einen Augenblick von mir, um eine etwa 100 Meter seitlich stehende, besonders charakte­ristische Palme zu photographieren. Ich hatte das gar nicht bemerkt, weil ich gerade stehen geblieben war, um mit dem Glas die nahe anatolische Küste zu beobachten.

Plötzlich hörte ich einen gellenden Schrei ehrlich erschrocken blickte ich mich um . . . meine Begleiterin war verschwunden. Spurlos ver­schwunden. Spurlos wie fortgezaubert.

Mein Gott", dachte ich,sie wird doch nicht etwa beim Ueberklettern der niedrigen, roh ge­schichteten Felssteinmauer, die die einzelnen Eartenbe.zirke gegeneinander abgrenzten, gestürzt sein und sich den Fuß verknackt haben?" - Im Galopp setzte ich über die nächsten Mauern hin­weg und eilte imMarsch-Marsch" allgemeine Richtungeinsame Palme". Aber auch dort . . .

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