Ausgabe 
(6.5.1935) Nr. 124
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das amtliche organ des Senats

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Bremer Zeitung erscheint täglich (auch Montags). Monatsbezug: RM. 2,30 einschl. 30 Rps. Zustellungsgebühr: durch die Post RM. 2.30 einschl. Ueberweisungsgebühr. ausschl. Postbestellgeld. Der Bezugspreis ist im voraus zu entrichten. Postscheck Hamburg 172 72. Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch aus Erstattung oder Ersatz.

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Nr. 124 / 3. Jahrgang

Montag, 6. Mai

Einzelpreis 15 Rps.

Unser lagvsspiegel

Der Führer hat an den König von England ein Telegramm gerichtet

Reichsminister Dr. Frank sprach am Sonntag in Hannover vor den Juristen

Der erste Travrenntag in Bremen brachte große lleberraschungen

Das Autorennen um denGroßen Preiz von Tunis" gewann Varzi auf Auto-Union

Bei den Radrennen in der Bremer Kampf­bahn siegten nur auswärtige Fahrer

Schalle 04 schlug Hannover 88 4:1 im Kampf um die deutsche Fußballmeisterschaft

Stern-Emden war im Eauliga-Ausstiegsspiel über Linden 87 mit 8:2 erfolgreich

ASV. Blumenthal triumphiert über die Bremer Sportfreunde 3:1 (1:8)

Adolf Hitler an König Georg

Berlin, 5. Mai.

Der Reichskanzler hat an den König von Eng­land aus Anlaß dessen Regierungsjubiläums fol­gendes Telegramm gerichtet:

Ew. Majestät bitte ich meine und der Neichsre- gierung aufrichtigsten Glückwünsche zum 28. Jah­restag der Thronbesteigung Ew. Majestät, verbun­den mit den besten Wünschen für Ew. und Ihrer Majestät persönliches Wohlergehen, entgegenzuneh- men. Das deutsche Volk verfolgt mit warmer Spin- pathie alle Bestrebungen Ew. Majestät und der Königlich Britischen Regierung zur Festigung des Friedens: es hofft, daß diese Bemühungen erfolg­reich sein mögen zur Wohlfahrt des Britischen Reiches und zum Segen für die ganze Welt.

Adolf Hitler.

Deutscher Reichskanzler.

Aechtung - die schwerste Strafe

(vrabtbsrlokt äussrer Lsrliusr kobriktlsitung) kr. Berlin, 5. Mai.

Zn der ZeitschriftDeutsche Justiz" hat der Amts- und Landrichter Dr. Eoetze, Berlin, das Problem der Aechtung als Ehrenstrafe im künf­tigen Strafrecht behandelt. Diese Strafe soll da­zu bestimmt werden, bei Verbrechen, die einen Verrats-Lharakter tragen, den Verräter für immer aus der Volksgemeinschaft zu entfernen. Es kommen in Frage: Landesverrat, Hochverrat, Führertreuebruch und schwere Sabotageakte gegen die Wehrkraft und Arbeitskraft des deutschen Volkes. Die Aechtung soll nicht als Nebenstrafe, sondern als Haupt st rase gelten. Sie soll vor allem mit dem Verlust der Geschäftsfähigkeit ver­knüpft werden, während die Frage der gleichzeiti­gen Vermögenseinziehung, sowie die Frage des Verlustes des Namens (Aenderung des Namens der Kinder) von Fall zu Fall zu regeln wäre. Die Aechtung soll immer öffentlich bekanntgemacht werden, z. B. durch öffentlichen Anschlag, um da­mit auszudrücken, daß es sich um die schwerste Strafe künftigen Strafrechts handelt.

Von Blomberg in Kiel

Bremen, 5. Mai.

Der Reichswehrminister, Generaloberst v. Blom­berg, hat sich nach der Teilnahme an der Er- probungsfahrt des DampfersScharnhorst" nach Kiel begeben.

Spitzen des Staates und der Vartei an Bord

Der Führer auf -erScharnhorst

Der erste längere Aufenthalt auf einem deutschen Handelsschiff

//

Bremerhaveu, 3. Mai Der Führer traf am Sonnabend früh in Vre- merhaven ein und nahm an der dritten Probe­fahrt des neuen Ostafienschnelldampfers des Nord­deutschen LloydScharnhorst" teil, dessen Stapel- lauf er im Dezember vorigen Jahres ebenfalls beigewohnt hatte. An Bord des herrliche« Schisses befanden sich aus der Probefahrt, die nach Helgo­land und den ostsriesischen Inseln führte, u. a. der Stellvertreter des Führers, Rudolf Hetz, Reichsminister Dr. Goebbels, Reichswehr­minister von Blomberg, Reichsbankpräsident und stellvertretender Reichswirtschastsminister Dr. Schacht, Reichsstatthalter Gauleiter Röver, der außenpolitische Beauftragte des Führers von Ribbentrop, der Chef der Marineleitung Admiral Raeder, ferner der Vorsitzende des Aufsichtsrates des Norddeutschen Lloyd Staatsrat Lindemann und der Vorsitzende des Vor­standes des Norddeutschen Lloyd Firle, außer­

dem der Leiter der Abteilung Seefahrt der NS- DAP., Klempp, sowie eine weitere Anzahl von führenden Männern des Schifsahrtswesens und die Adjutanten des Führers.

Beim Auslaufen aus der Wesermllndung traf dieScharnhorst" den gerade von einerKraft- durch-Freude"-Fahrt zurückkehrenden Dampfer Der Deutsche", auf dem an Bord die Be­satzung und die Passagiere Aufstellung genommen hatten, um beim Passieren derScharnhorst" dem Führer den Dank für die schöne Fahrt abzu­statten. DieScharnhorst", deren Fahrt von herrlichstem Wetter begünstigt war, lief am Sonn­abendabend wieder in die Wesermllndung ein und ankerte bis zum Morgen auf der Reede.

Am Golumbus-Kai hatte sich eine größere Men­schenmenge eingefunden, die fast die ganze Nacht hindurch bis zum Morgen ausharrte, um den Füh­rer beim Verlassen des Schiffes begrüßen zu kön­nen. Am Sonntag früh hatten auch die Mitglieder

der neugegründeten Ortsgruppe der NSDAP. auf dem DampferScharnhorst" die Freude, dem Füh­rer vorgestellt zu werden.

Im Verlaufe der Fahrt dankte der Vorsitzende des Vorstandes des Norddeutschen Lloyd, Firle, dem Führer im Namen der deutschen Seefahrt für diesen ersten längeren Besuch auf einem Schiff der deutschen Handelsmarine und versprach dem Füh­rer, daß die deutsche Seefahrt stets im Rahmen des Neuau^aues Deutschlands ihre Pflicht tun werde.

Der Führer sprach sich außerordentlich aner­kennend über das Schiff, das ein Wahrzeichen deutscher Werkmanns- und Qualitätsarbeit ist, und seine Einrichtungen aus, das nunmehr das mo­dernste und schnellste Schiff im gesamten Ostasien­verkehr sein werde.

Der Führer und die Minister verließen am Sonn­tag früh Bremerhaven im Flugzeug. Die Scharnhorst" wird am 18. Mai vollbesetzt ihre erste Ausreise nach Ostasien antreten.

Ganz England in Iubelstimmung

Das britische Volk feiert das 25jährige KrSnungsjubiiäum feines Königs

London, 8. Mai.

In ganz England hat das Silberne Regierungs- jubiläum Königs Georg V. einen beinahe unvor­stellbaren Taumel der Begeisterung und Freude ausgelöst. Das sonst so nüchterne englische Volk ist von einer überschäumenden Jubiläumsstim­mung erfaßt, die sich am Montag, dem eigentlichen Jubiläumstage, bis zur Siedehitze steigern wird. London selbst ist vollkommen verwandelt und gleicht mit seinem wogenden Meer von Girlanden und Flaggen, mit seinen Tausenden von Schein­werfern, mit den bunten Tribünen und den be­kränzten und beflaggten Fahrzeugen beinahe einer südländischen Stadt während eines Volksfestes.

Die Jubiläumsbegeisterung erreichte bereits am Sonnabendabend einen beinahe unglaublichen Höhepunkt. Niemals, so berichten die Zeitungen, hat London derartige Menschenmassen gesehen, wiq am Sonnabendabend, selbst nicht am Waffenstill­standstage. Hunderttausende, ja Millionen von Menschen in übermütiger Stimmung waren auf den Straßen und Plätzen zusammengedrängt, san­gen vaterländische Lieder, tanzten auf dem Pfla­ster und staunten die Farbenpracht der Deko­rationen an.

Die Polizei war angesichts dieser ungeheuren Menschenwoge vollkommen machtlos und das un­beschreibliche Wirrwarr wurde durch Tausende von dichtbesetzten Fahrzeugen aller Art erhöht, die sich ihren Weg durch die Menge zu bahnen versuchten. Manche Hauptstraßen mutzten vollkommen für den Verkehr gesperrt werden, Autobusse benötigten für eine Fahrt von einem Kilometer manchmal zwei volle Stunden. Sämtliche Gaststätten, Hotels, Cafes, Lichtspieltheater und Theater waren bis auf

den letzten Platz besetzt. Die größten Gaststätten mußten schon am frühen Abend wegen Ueberfiil- luNg polizeilich gesperrt werden.

Aehnliche Szenen spielten sich auch am Sonntag ab. Einer der Hauptsammelpunkte der Massen war der große Platz vor dem Königlichen Palast. Zehn­tausende von Menschen standen st>- denlang auf demselben Fleck, um vielleicht ein Mitglied der Königlichen Familie zu sehen. Als sich der König einige Sekunden an einem Frontfenster zeigte, er­hob sich ein ungeheurer Begeisterungssturm.

Ueber eine halbe Million Besucher aus allen Teilen Englands, aus dem britischen Weltreich und aus der übrigen Welt sind zum Jubiläum nach London gekommen. In der ganzen Stadt gibt es kein freies Hotelzimmer mehr und Hunderte müssen im Freien übernachten.

Mit Riesenspannung wird der große Jubiläums­umzug am Sonntag erwartet, der sich zu einer der prächtigsten und prunkvollsten Kundgebungen gestalten wird, die England jemals erlebt hat. 14 000 Gruppen aller Waffengattungen marschie­ren bereits in der Morgendämmerung im Innern der Stadt auf, um an den Straßen, durch die der Jubiläumsumzug führt, Spalier zu bilden. 40 Musikkapellen werden aufgestellt, um die Menge zu unterhalten. Viele der ganz Begeister­ten nahmen bereits in der Nacht zum Montag ihre Stellungen ein. Der Zug der großen Menschenmassen beginnt in aller Frühe, da schon um 0 Uhr das ganze Gebiet, durch das sich der Königliche Umzug bewegt, vollständig abgesperrt wird. Zu diesem Zweck sind an mehreren Punk­ten regelrechte Holzhauern und Barrikaden er­

richtet worden. Der eigentliche Umzug beginnt etwa um 10 Uhr vom Buckingham-Palast aus und trifft nach dem Dankgottesdienst in der St. Pauls-Kathedrale gegen 1 Uhr wieder dort ein. Die Polizei sieht sich vor eine ungeheuer schwere Aufgabe gestellt, um die in die Millionen gehenden Menschenmassen am Montagvormittag in Ordnung zu halten. Große polizeiliche Ver­stärkungen sind daher aus vielen Teilen Englands nach London gezogen worden.

Das englische Parlament wird am kommenden Mittwoch im Zeichen des Regierungs­jubiläums stehen. Von beiden Häusern werden an König Georg Glückwunschadressen gerichtet werden. Im Unterhaus wird der Ministerpräsi­dent als Führer des Hauses die Adresse einbrin­gen. Auch der Oppositionsführer Lansbury und Sir Herbert Samuel und wahrscheinlich auch Lloyd George, der als derVater des Hauses" gilt, werden sprechen. Am Donnerstag werden die Lords und die Abgeordneten unter Führung des Lordkanzlers und des Sprechers einen Umzug nach der Westminstcr-Halls veranstalten, wo ein besonderer Festakt stattfinden wird.

Am Mittwoch findet ein glanzvoller diplo­matischer Empfang statt, auf dem König Georg den Vertretern aller Länder seinen Dank für die Jubiläumsglückwünsche aussprechen wird. Die diplomatischen Vertreter und die Minister­präsidenten der britischen Dominien werden bei dieser Gelegenheit besondere Jubiläumsadressen an den König richten.

Nationaler Einheitsstaat

Voo Dr. ssVilbalw b'rlok,

Usioks- und UrsnOisobsr Mvistsr clss Innsrn

Das Teutsche Reich ist viel später als Frankreich oder England ein n itionaler Ein­heitsstaat geworden. Es gab allerdings schon im Mittelalter einen mächtigen deutschen Nationalstaat. Seine Glanzzeit aber währte kaum mehr als zwei Jahrhunderte. Schon unter den Hohenstaufen begann sein Verfall. Die lange Abwesenheit der deutschen Kaiser aus dem Reichsgebiet bei ihren Zügen nach Italien benutzten die geistlichen und welt­lichen Fürsten, um ihre eigene Hausmacht zu stärken. Das Wahlkaisertum schwächte die Bildung einer starken zentralen Staats­gewalt und stärkte die Macht der zahllosen kleineren und größeren Landesherren. In den Religionskriegen wurde die Macht des Ersten Reiches endgültig gebrochen. Wer eine Landkarte des "Reichsgebiets aus der Zeit nach dem Frieden von Münster und Osna­brück zur Hand nimmt, sieht ein grauenhaft zerstückeltes Land vor sich. Es bedurfte Jahrhunderte, ehe aus der Unzahl dieser sich vielfach bekämpfenden Länder ein deutscher Staatsgedanke sich wieder emporrang und an der Stelle staatlicher Zerrissenheit einen Nationalstaat entstehen ließ.

Das Zweite Reich, das durch Otto von Bismarck im Jahre 1871 begründet wurde, war aber kein Einheitsstaat, sondern ein Staatenbund, der aus 22 Bundesstaaten be­stand. Jeder dieser Staaten hatte sein eigenes Staatsoberhaupt, sein Parlament, und ein­zelne von ihnen hatten nicht nur eigene Bahn- und Postverwaltungen, sondern auch eigene Armeen. Von einem zentral geführ­ten nationalen Einheitsstaat kann man also trotz der glanzvollen äußeren und inneren Entwicklung des Bismarckreiches nicht sprechen.

Den gewaltigen Unterschied, der z. B. zwischen Deutschland und Frankreich in der geschichtlichen Entwicklung zum National­staat besteht, kann man sich am sinnfälligsten vorstellen, wenn man bedenkt, daß deutsche Staaten noch vor 70 Jahren Krieg gegen­einander führten, und daß etwa 25 fast völlig souveräne Staatsgebilde auf dem Raume des heutigen Reichsgebietes bestanden, während die Entwicklung Frankreichs zum nationalen Einheitsstaat schon unter Heinrich IV. und dem Kardinal Richelieu etwa um 1600 im wesentlichen beendet war.

Un roi, une loi, uns koi . .

Ein König, ein Gesetz, ein Glaube", so stand es schon vor 300 Jahren aus allen Stadttoren ganz Frankreichs, und die Kö­nigsgesetze, dieOrdonnanzen", führten seit 1599 das Französische als Gesetzessprache des französischen Nationalreichs ein. Seit dieser Zeit gab es in Frankreich neben der Pariser Zentralgewalt keine gesetzgebende oder gar souveräne Staatsgewalt.

Mehr als 300 Jahre später hat das Dritte Reich Adolf Hitlers die Deutschen aus dem Irrgarten der staatlichen Zerrissenheit in einen nationalen Einheitsstaat geführt.E i n Führer, e i n Volk, e i n Reich"

das ist heute die Losung und der staats­rechtliche Zustand des Deutschen Reiches; da­mit hat es eine Entwicklung abgeschlossen,

Frank F. Vraun

Spazierfahrt mit Georgia

Blendet und Lilius saßen sich am selben Tisch im Tanzraum des Hotels gegenüber. Es gibt Situationen, die man nur weitschweifend er­klären kann. Dies war eine solche. Ich könnte eine gute Seite damit füllen, die Beziehungen der beiden darzulegen. Es sei also nur gesagt, daß beide Herren auf die Dame Eeorgia war­teten. Ihr Verhalten zueinander war etwa das zweier Hunde, zwischen die man einen guten Knochen geworfen hat. Wobei der Ordnung halber erwähnt sei, daß die Dame Eeorgia eher voll­schlang als mager wirkte und ausgesprochen hübsch war.

Die Musik spielte den letzten erfolgreichen Tango:Mach rotes Licht, ich hab ein blaues Himmelbett". Das Licht erlosch; nur wenige rote Lämpchen glühten noch, es war eine überaus stimmungsvolle Untermalung, als sich die Tür öffnete und Fräulein Eeorgia eintrat. Sie kam gelassen an den Tisch der wartenden Männer und verteilte gerecht ihr Lächeln. Ein Kenner konnte sofort feststellen: hier war noch keine Ent­scheidung gefallen.

Spürte Lilius das? Er redete wie ein Wasser­fall. Geschickt lenkte er das Gespräch auf Auto­mobile im allgemeinen und auf seinen neuen Roadster im besonderen. Er lobte den Zweisitzer. Er pries an, als wollte er den Wagen verkaufen. Am Ende lud er die Dame Eeorgia zu einer Fahrt an die nahen Seen ein.Wir essen draußen zu Abend, es gibt eine herrliche Mondscheinfahrt zurück. Der Wagen liegt auf der Chaussee, sag ich Ihnen Fräulein Georgia, Sie glauben zu rodeln."

Sie klatschte leicht in die Hände.Fein sagte sie, wir fahren alle drei. Lilius schüttelte den Kopf.Nein", sagte er und war kameradschaft­

lich betrübt.Erwähnte ich nicht vorhin, es ist ein Roadster ohne Notsitz; für uns beide ist Platz. Der liebe Brendel könnte mit einer Taxe folgen, wenn er so gern dabei sein möchte."

Ja", sprach der liebe Brendel, er kochte vor Wut,da will ich mich doch gleich einmal um­sehen." Er ging hinaus.Sie kommen doch noch einmal wieder?", fragte Eeorgia.Todsicher", ver­sprach Brendel,das ist kein Abgang nach meinem Sinn."

Er schritt zum nahen Platz, wo Lilius seinen Wagen stehen gelassen hatte. Viele prächtige far- bene Autos warteten da, aber Brendel fand den braunroten Roadster seines Kollegen Lilius mühe­los. Er trat an den Schlag und hupte. Der Wächter, ein Mann, der diesen Posten auf der Basis von Trinkgeldern freiwillig versah, kam heran. Brendel drückte ihm zwei Mark in die Hand.Passen Sie doch bitte besonders auf diesen Wagen auf", sagte er.

Der Wächter verbeugte sich.Wird gemacht. Ich lasse nur Sie heran. Fürchten sie Diebe?"

Brendel schüttelte den Kopf.Diebe fürchte ich nicht", gestand er offen", aber gute Freunde, die eine Freifahrt riskieren".

Gut, daß Sie mir das sagen, Herr. Ich passe auf. Es kommt keiner an Ihren Wagen."

Sie erkennen mich wieder?"

Selbstverständlich", versicherte der Wächter und er sah Brendel noch einmal an. Es hatte keine Not; Vrendels Nase verurteilte alle anderen Ge­sichtsteile im Schatten zu bleiben. Dieses Gesicht war nicht zu verwechseln.

Brendel verzog sich. Er wartete ab. Nach einer Viertelstunde solange hatte der Schwachkopf gebraucht! erschien Lilius mit Eeorgia. Sie

schritten auf den braunroten Wagen zu. Lilius stand schon auf dem Trittbrett, da war der Wächter heran.Pscht", machte er, nichts da, bester Herr. Lassen Sie den Wagen in Ruhe. Sie haben da nichts zu suchen!"

Ich habe . . ." Lilius verschlug es die Worte. Es ist mein Wagen, Mann. Hier ist mein Führerschein."

Daß Sie fahren können, will ich Ihnen gern glauben. Aber nicht mit diesem Wagen!" Der Wächter war beinahe erheitert; wie gut, daß er gewarnt war.

Lilius fand keine Worte.Was fällt Ihnen eigentlich ein!?" Sacht hatte sich ein Publikum angesammelt. Lachen und Zurufe erschollen. Ein Eifriger verlangte, man solle das Hochstapler­paar gleich festnehmen.Polizei!" rief eine Frau. Zum Glück war weit und breit kein Schutzmann zu sehen. Der Dame Eeorgia wurde die Szene höchst peinlich.Ist es denn nun Ihr Wagen oder nicht?", stieß sie gereizt heraus.Fahren wir oder nicht?" Gelächter antwortete ihr. Der Wächter schaute sie an.Frollein", sagte er bieder, lassen Sie sich nicht auf so etwas ein. Verduften Sie. Mit dem jungen Mann will ich schon fertig werden."

Eeorgia erblaßte. Lilius war kupferrot vor Zorn.Das ist ja geradezu unerhört", schrie er, seine Stimme überschlug sich; er krächzte und mußte husten.

In diesem Augenblick fuhr am Straßenrand ein Mietauto heran und hielt. Der Schlag öff­nete sich und Brendel schaute heraus. Er strahlte über das ganze Gesicht.Verzeihung wenn ich störe, sagte er,aber meinen Sie nicht, Fräulein Georgia, daß wir mit diesem Taxi besser und eher zum Ziel kommen? Bitte steigen Sie ein."

Georgia besann sich nicht eine Sekunde. Sie stand sowieso auf heißen Kohlen. Mehr fliegend

als gesittet sich nähernd, erreichte sie Brendels Taxe und-stieg ein. Der Fahrer schien instruiert; er fuhr sofort davon. Der Wächter hatte den Herrn mit der großen Nase sofort erkannt. Er stand mit leicht geöffnetem Mund. Während das Auto mit Brendel und Georgia am Straßenende

verschwand, hob Lilius mit verzweifelter Gebärde beide Hände zum Himmel und rief:Was war denn das!" Der Himmel antwortete nicht; aber der brave Wächter meinte trocken:Ich glaube ein Reinfall, werter Herr. Der Langnäsige hat uns angeführt.

therman Wirth 50 Fahre

Heute begeht der durch seine Symboldichtung der germanisch-nordischen Vorzeit bekannte und gegenwärtig an der Friedrich-Wilhelm-Universität Berlin tätige Prähistoriker Professor Dr. Her­men Wirth seinen 50. Geburtstag. Aus Ut­recht in Holland gebürtig, erkämpfte er sich im Weltkriege als Freiwilliger die politische Zuge­hörigkeit zum Deutschen Reich. Seiner Wahlhei­mat widmete er seine gesamte Schaffenskraft, die der Forschung unserer Urgeschichte gilt.

Seitdem sein BuchAüfgang der Menschheit" erschienen war, tobte um sein Werk ein heftiger Kampf. Stand ihm die wissenschaftliche Welt während der ersten Jahre seiner Veröffentlichun­gen in souveräner Ablehnung gegenüber, so fin­det er in dem Deutschland Adolf Hitlers die sei­nem Schaffen gebührende Anerkennung.

Die Friihzeit der Menschheit, für die es bis­her überhaupt keine Geschichte gab versucht er seherisch aus vieltausendfachcn. steinzeitlichen und späteren Funden zusammenzustellen und kam dabei zu äußerst interessanten Ergebnissen, die eine grandiose Gottes- und Menschheitsschau und einen tiefen Auferstehungsglauben unserer Vor­fahren ahnen lassen.

Mit seiner Zusammenstellung der Funde. die nicht nur in den heutigen Siedlung-g k'eten der Jnüogermanen. müdem weit nach Asien stnein an zahlreichen Punkten ber akritavlchm Küste ebenso aber auch im gesamten Nord- und Mittel- amerika bis weit in das Innere Südamerikas an­

getroffen wurden, versucht Wirth nachzuweisen, daß einst in grauer Urzeit auf der nördlichen Erdhalbkugel bis tief in die entgegengesetzte Erd­hälfte eine einheitliche Kultur geherrscht hat.

Diese mächtige, in ihrer Ausbreitung nicht zu überbietende Urkultur muß ihre Quelle und ihren Ausgangspunkt noch im heute durch Klimaver­schiebungen nicht mehr bewohnbaren arktischen Norden gehabt haben. Ihr nordischer Ursprung ergibt sich aus den zur Jahresmessung benutzten und überall in den angeführten Gebieten der Erde wiederkehrenden Sonnenstandsdarstellung und aus dem Kalender, der einen Sonnenstand als Grundlage haben muß, wie er nur im hohen, arktischen Norden anzutreffen und naturgegeben ist. aber nie in südlicheren Breiten.

Das- große umfassende Werk Herman Wirth's, Die Heilige Urschrift der Menschheit", die mit einigen hundert herrlichen Bildtafeln ausgestattet ist, geht jetzt seiner Vollendung entgegen. Sein Schaffen hat in der gesamten Kuliurwelt ein ge­waltiges Aufsehen erweckt und so tief in die Eei- stesgeschichte eingegriffen, daß viele, die seinen Theorien noch ablehnend gegenüberstehen, bereits sein in unermüdlich! Forschungsarbeit zusammen­getragenes äußerst reiches Tatsachenmaterial in ihren Arbeiten schon mit verwerten. Wie weit die Gesamtheit seiner Erkenntnisse von der Vor- geschichtswissenschaft anerkannt werden wird, kann erst die Zukunft erweisen.