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das amtliche organ des Senats
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Nr. 124 / 3. Jahrgang
Montag, 6. Mai
Einzelpreis 15 Rps.
Unser lagvsspiegel
Der Führer hat an den König von England ein Telegramm gerichtet
Reichsminister Dr. Frank sprach am Sonntag in Hannover vor den Juristen
Der erste Travrenntag in Bremen brachte große lleberraschungen
Das Autorennen um den „Großen Preiz von Tunis" gewann Varzi auf Auto-Union
Bei den Radrennen in der Bremer Kampfbahn siegten nur auswärtige Fahrer
Schalle 04 schlug Hannover 88 4:1 im Kampf um die deutsche Fußballmeisterschaft
Stern-Emden war im Eauliga-Ausstiegsspiel über Linden 87 mit 8:2 erfolgreich
ASV. Blumenthal triumphiert über die Bremer Sportfreunde 3:1 (1:8)
Adolf Hitler an König Georg
Berlin, 5. Mai.
Der Reichskanzler hat an den König von England aus Anlaß dessen Regierungsjubiläums folgendes Telegramm gerichtet:
Ew. Majestät bitte ich meine und der Neichsre- gierung aufrichtigsten Glückwünsche zum 28. Jahrestag der Thronbesteigung Ew. Majestät, verbunden mit den besten Wünschen für Ew. und Ihrer Majestät persönliches Wohlergehen, entgegenzuneh- men. Das deutsche Volk verfolgt mit warmer Spin- pathie alle Bestrebungen Ew. Majestät und der Königlich Britischen Regierung zur Festigung des Friedens: es hofft, daß diese Bemühungen erfolgreich sein mögen zur Wohlfahrt des Britischen Reiches und zum Segen für die ganze Welt.
Adolf Hitler.
Deutscher Reichskanzler.
Aechtung - die schwerste Strafe
(vrabtbsrlokt äussrer Lsrliusr kobriktlsitung) kr. Berlin, 5. Mai.
Zn der Zeitschrift „Deutsche Justiz" hat der Amts- und Landrichter Dr. Eoetze, Berlin, das Problem der Aechtung als Ehrenstrafe im künftigen Strafrecht behandelt. Diese Strafe soll dazu bestimmt werden, bei Verbrechen, die einen Verrats-Lharakter tragen, den Verräter für immer aus der Volksgemeinschaft zu entfernen. Es kommen in Frage: Landesverrat, Hochverrat, Führertreuebruch und schwere Sabotageakte gegen die Wehrkraft und Arbeitskraft des deutschen Volkes. Die Aechtung soll nicht als Nebenstrafe, sondern als Haupt st rase gelten. Sie soll vor allem mit dem Verlust der Geschäftsfähigkeit verknüpft werden, während die Frage der gleichzeitigen Vermögenseinziehung, sowie die Frage des Verlustes des Namens (Aenderung des Namens der Kinder) von Fall zu Fall zu regeln wäre. Die Aechtung soll immer öffentlich bekanntgemacht werden, z. B. durch öffentlichen Anschlag, um damit auszudrücken, daß es sich um die schwerste Strafe künftigen Strafrechts handelt.
Von Blomberg in Kiel
Bremen, 5. Mai.
Der Reichswehrminister, Generaloberst v. Blomberg, hat sich nach der Teilnahme an der Er- probungsfahrt des Dampfers „Scharnhorst" nach Kiel begeben.
Spitzen des Staates und der Vartei an Bord
Der Führer auf -er „Scharnhorst
Der erste längere Aufenthalt auf einem deutschen Handelsschiff
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Bremerhaveu, 3. Mai Der Führer traf am Sonnabend früh in Vre- merhaven ein und nahm an der dritten Probefahrt des neuen Ostafienschnelldampfers des Norddeutschen Lloyd „Scharnhorst" teil, dessen Stapel- lauf er im Dezember vorigen Jahres ebenfalls beigewohnt hatte. An Bord des herrliche« Schisses befanden sich aus der Probefahrt, die nach Helgoland und den ostsriesischen Inseln führte, u. a. der Stellvertreter des Führers, Rudolf Hetz, Reichsminister Dr. Goebbels, Reichswehrminister von Blomberg, Reichsbankpräsident und stellvertretender Reichswirtschastsminister Dr. Schacht, Reichsstatthalter Gauleiter Röver, der außenpolitische Beauftragte des Führers von Ribbentrop, der Chef der Marineleitung Admiral Raeder, ferner der Vorsitzende des Aufsichtsrates des Norddeutschen Lloyd Staatsrat Lindemann und der Vorsitzende des Vorstandes des Norddeutschen Lloyd Firle, außer
dem der Leiter der Abteilung Seefahrt der NS- DAP., Klempp, sowie eine weitere Anzahl von führenden Männern des Schifsahrtswesens und die Adjutanten des Führers.
Beim Auslaufen aus der Wesermllndung traf die „Scharnhorst" den gerade von einer „Kraft- durch-Freude"-Fahrt zurückkehrenden Dampfer „Der Deutsche", auf dem an Bord die Besatzung und die Passagiere Aufstellung genommen hatten, um beim Passieren der „Scharnhorst" dem Führer den Dank für die schöne Fahrt abzustatten. Die „Scharnhorst", deren Fahrt von herrlichstem Wetter begünstigt war, lief am Sonnabendabend wieder in die Wesermllndung ein und ankerte bis zum Morgen auf der Reede.
Am Golumbus-Kai hatte sich eine größere Menschenmenge eingefunden, die fast die ganze Nacht hindurch bis zum Morgen ausharrte, um den Führer beim Verlassen des Schiffes begrüßen zu können. Am Sonntag früh hatten auch die Mitglieder
der neugegründeten Ortsgruppe der NSDAP. auf dem Dampfer „Scharnhorst" die Freude, dem Führer vorgestellt zu werden.
Im Verlaufe der Fahrt dankte der Vorsitzende des Vorstandes des Norddeutschen Lloyd, Firle, dem Führer im Namen der deutschen Seefahrt für diesen ersten längeren Besuch auf einem Schiff der deutschen Handelsmarine und versprach dem Führer, daß die deutsche Seefahrt stets im Rahmen des Neuau^aues Deutschlands ihre Pflicht tun werde.
Der Führer sprach sich außerordentlich anerkennend über das Schiff, das ein Wahrzeichen deutscher Werkmanns- und Qualitätsarbeit ist, und seine Einrichtungen aus, das nunmehr das modernste und schnellste Schiff im gesamten Ostasienverkehr sein werde.
Der Führer und die Minister verließen am Sonntag früh Bremerhaven im Flugzeug. — Die „Scharnhorst" wird am 18. Mai vollbesetzt ihre erste Ausreise nach Ostasien antreten.
Ganz England in Iubelstimmung
Das britische Volk feiert das 25jährige KrSnungsjubiiäum feines Königs
London, 8. Mai.
In ganz England hat das Silberne Regierungs- jubiläum Königs Georg V. einen beinahe unvorstellbaren Taumel der Begeisterung und Freude ausgelöst. Das sonst so nüchterne englische Volk ist von einer überschäumenden Jubiläumsstimmung erfaßt, die sich am Montag, dem eigentlichen Jubiläumstage, bis zur Siedehitze steigern wird. London selbst ist vollkommen verwandelt und gleicht mit seinem wogenden Meer von Girlanden und Flaggen, mit seinen Tausenden von Scheinwerfern, mit den bunten Tribünen und den bekränzten und beflaggten Fahrzeugen beinahe einer südländischen Stadt während eines Volksfestes.
Die Jubiläumsbegeisterung erreichte bereits am Sonnabendabend einen beinahe unglaublichen Höhepunkt. Niemals, so berichten die Zeitungen, hat London derartige Menschenmassen gesehen, wiq am Sonnabendabend, selbst nicht am Waffenstillstandstage. Hunderttausende, ja Millionen von Menschen in übermütiger Stimmung waren auf den Straßen und Plätzen zusammengedrängt, sangen vaterländische Lieder, tanzten auf dem Pflaster und staunten die Farbenpracht der Dekorationen an.
Die Polizei war angesichts dieser ungeheuren Menschenwoge vollkommen machtlos und das unbeschreibliche Wirrwarr wurde durch Tausende von dichtbesetzten Fahrzeugen aller Art erhöht, die sich ihren Weg durch die Menge zu bahnen versuchten. Manche Hauptstraßen mutzten vollkommen für den Verkehr gesperrt werden, Autobusse benötigten für eine Fahrt von einem Kilometer manchmal zwei volle Stunden. Sämtliche Gaststätten, Hotels, Cafes, Lichtspieltheater und Theater waren bis auf
den letzten Platz besetzt. Die größten Gaststätten mußten schon am frühen Abend wegen Ueberfiil- luNg polizeilich gesperrt werden.
Aehnliche Szenen spielten sich auch am Sonntag ab. Einer der Hauptsammelpunkte der Massen war der große Platz vor dem Königlichen Palast. Zehntausende von Menschen standen st>- denlang auf demselben Fleck, um vielleicht ein Mitglied der Königlichen Familie zu sehen. Als sich der König einige Sekunden an einem Frontfenster zeigte, erhob sich ein ungeheurer Begeisterungssturm.
Ueber eine halbe Million Besucher aus allen Teilen Englands, aus dem britischen Weltreich und aus der übrigen Welt sind zum Jubiläum nach London gekommen. In der ganzen Stadt gibt es kein freies Hotelzimmer mehr und Hunderte müssen im Freien übernachten.
Mit Riesenspannung wird der große Jubiläumsumzug am Sonntag erwartet, der sich zu einer der prächtigsten und prunkvollsten Kundgebungen gestalten wird, die England jemals erlebt hat. 14 000 Gruppen aller Waffengattungen marschieren bereits in der Morgendämmerung im Innern der Stadt auf, um an den Straßen, durch die der Jubiläumsumzug führt, Spalier zu bilden. 40 Musikkapellen werden aufgestellt, um die Menge zu unterhalten. Viele der ganz Begeisterten nahmen bereits in der Nacht zum Montag ihre Stellungen ein. Der Zug der großen Menschenmassen beginnt in aller Frühe, da schon um 0 Uhr das ganze Gebiet, durch das sich der Königliche Umzug bewegt, vollständig abgesperrt wird. Zu diesem Zweck sind an mehreren Punkten regelrechte Holzhauern und Barrikaden er
richtet worden. Der eigentliche Umzug beginnt etwa um 10 Uhr vom Buckingham-Palast aus und trifft nach dem Dankgottesdienst in der St. Pauls-Kathedrale gegen 1 Uhr wieder dort ein. Die Polizei sieht sich vor eine ungeheuer schwere Aufgabe gestellt, um die in die Millionen gehenden Menschenmassen am Montagvormittag in Ordnung zu halten. Große polizeiliche Verstärkungen sind daher aus vielen Teilen Englands nach London gezogen worden.
Das englische Parlament wird am kommenden Mittwoch im Zeichen des Regierungsjubiläums stehen. Von beiden Häusern werden an König Georg Glückwunschadressen gerichtet werden. Im Unterhaus wird der Ministerpräsident als Führer des Hauses die Adresse einbringen. Auch der Oppositionsführer Lansbury und Sir Herbert Samuel und wahrscheinlich auch Lloyd George, der als der „Vater des Hauses" gilt, werden sprechen. Am Donnerstag werden die Lords und die Abgeordneten unter Führung des Lordkanzlers und des Sprechers einen Umzug nach der Westminstcr-Halls veranstalten, wo ein besonderer Festakt stattfinden wird.
Am Mittwoch findet ein glanzvoller diplomatischer Empfang statt, auf dem König Georg den Vertretern aller Länder seinen Dank für die Jubiläumsglückwünsche aussprechen wird. Die diplomatischen Vertreter und die Ministerpräsidenten der britischen Dominien werden bei dieser Gelegenheit besondere Jubiläumsadressen an den König richten.
Nationaler Einheitsstaat
Voo Dr. ssVilbalw b'rlok,
Usioks- und UrsnOisobsr Mvistsr clss Innsrn
Das Teutsche Reich ist viel später als Frankreich oder England ein n itionaler Einheitsstaat geworden. Es gab allerdings schon im Mittelalter einen mächtigen deutschen Nationalstaat. Seine Glanzzeit aber währte kaum mehr als zwei Jahrhunderte. Schon unter den Hohenstaufen begann sein Verfall. Die lange Abwesenheit der deutschen Kaiser aus dem Reichsgebiet bei ihren Zügen nach Italien benutzten die geistlichen und weltlichen Fürsten, um ihre eigene Hausmacht zu stärken. Das Wahlkaisertum schwächte die Bildung einer starken zentralen Staatsgewalt und stärkte die Macht der zahllosen kleineren und größeren Landesherren. In den Religionskriegen wurde die Macht des Ersten Reiches endgültig gebrochen. Wer eine Landkarte des "Reichsgebiets aus der Zeit nach dem Frieden von Münster und Osnabrück zur Hand nimmt, sieht ein grauenhaft zerstückeltes Land vor sich. Es bedurfte Jahrhunderte, ehe aus der Unzahl dieser sich vielfach bekämpfenden Länder ein deutscher Staatsgedanke sich wieder emporrang und an der Stelle staatlicher Zerrissenheit einen Nationalstaat entstehen ließ.
Das Zweite Reich, das durch Otto von Bismarck im Jahre 1871 begründet wurde, war aber kein Einheitsstaat, sondern ein Staatenbund, der aus 22 Bundesstaaten bestand. Jeder dieser Staaten hatte sein eigenes Staatsoberhaupt, sein Parlament, und einzelne von ihnen hatten nicht nur eigene Bahn- und Postverwaltungen, sondern auch eigene Armeen. Von einem zentral geführten nationalen Einheitsstaat kann man also trotz der glanzvollen äußeren und inneren Entwicklung des Bismarckreiches nicht sprechen.
Den gewaltigen Unterschied, der z. B. zwischen Deutschland und Frankreich in der geschichtlichen Entwicklung zum Nationalstaat besteht, kann man sich am sinnfälligsten vorstellen, wenn man bedenkt, daß deutsche Staaten noch vor 70 Jahren Krieg gegeneinander führten, und daß etwa 25 fast völlig souveräne Staatsgebilde auf dem Raume des heutigen Reichsgebietes bestanden, während die Entwicklung Frankreichs zum nationalen Einheitsstaat schon unter Heinrich IV. und dem Kardinal Richelieu etwa um 1600 im wesentlichen beendet war.
„Un roi, une loi, uns koi . . —
„Ein König, ein Gesetz, ein Glaube", so stand es schon vor 300 Jahren aus allen Stadttoren ganz Frankreichs, und die Königsgesetze, die „Ordonnanzen", führten seit 1599 das Französische als Gesetzessprache des französischen Nationalreichs ein. Seit dieser Zeit gab es in Frankreich neben der Pariser Zentralgewalt keine gesetzgebende oder gar souveräne Staatsgewalt.
Mehr als 300 Jahre später hat das Dritte Reich Adolf Hitlers die Deutschen aus dem Irrgarten der staatlichen Zerrissenheit in einen nationalen Einheitsstaat geführt. „E i n Führer, e i n Volk, e i n Reich"
das ist heute die Losung und der staatsrechtliche Zustand des Deutschen Reiches; damit hat es eine Entwicklung abgeschlossen,
Frank F. Vraun
Spazierfahrt mit Georgia
Blendet und Lilius saßen sich am selben Tisch im Tanzraum des Hotels gegenüber. Es gibt Situationen, die man nur weitschweifend erklären kann. Dies war eine solche. Ich könnte eine gute Seite damit füllen, die Beziehungen der beiden darzulegen. Es sei also nur gesagt, daß beide Herren auf die Dame Eeorgia warteten. Ihr Verhalten zueinander war etwa das zweier Hunde, zwischen die man einen guten Knochen geworfen hat. Wobei der Ordnung halber erwähnt sei, daß die Dame Eeorgia eher vollschlang als mager wirkte und ausgesprochen hübsch war.
Die Musik spielte den letzten erfolgreichen Tango: „Mach rotes Licht, ich hab ein blaues Himmelbett". Das Licht erlosch; nur wenige rote Lämpchen glühten noch, es war eine überaus stimmungsvolle Untermalung, als sich die Tür öffnete und Fräulein Eeorgia eintrat. Sie kam gelassen an den Tisch der wartenden Männer und verteilte gerecht ihr Lächeln. Ein Kenner konnte sofort feststellen: hier war noch keine Entscheidung gefallen.
Spürte Lilius das? Er redete wie ein Wasserfall. Geschickt lenkte er das Gespräch auf Automobile im allgemeinen und auf seinen neuen Roadster im besonderen. Er lobte den Zweisitzer. Er pries an, als wollte er den Wagen verkaufen. Am Ende lud er die Dame Eeorgia zu einer Fahrt an die nahen Seen ein. „Wir essen draußen zu Abend, es gibt eine herrliche Mondscheinfahrt zurück. Der Wagen liegt auf der Chaussee, sag ich Ihnen Fräulein Georgia, Sie glauben zu rodeln."
Sie klatschte leicht in die Hände. „Fein sagte sie, wir fahren alle drei. Lilius schüttelte den Kopf. „Nein", sagte er und war kameradschaft
lich betrübt. „Erwähnte ich nicht vorhin, es ist ein Roadster ohne Notsitz; für uns beide ist Platz. Der liebe Brendel könnte mit einer Taxe folgen, wenn er so gern dabei sein möchte."
„Ja", sprach der liebe Brendel, er kochte vor Wut, „da will ich mich doch gleich einmal umsehen." Er ging hinaus. „Sie kommen doch noch einmal wieder?", fragte Eeorgia. „Todsicher", versprach Brendel, „das ist kein Abgang nach meinem Sinn."
Er schritt zum nahen Platz, wo Lilius seinen Wagen stehen gelassen hatte. Viele prächtige far- bene Autos warteten da, aber Brendel fand den braunroten Roadster seines Kollegen Lilius mühelos. Er trat an den Schlag und hupte. Der Wächter, ein Mann, der diesen Posten auf der Basis von Trinkgeldern freiwillig versah, kam heran. Brendel drückte ihm zwei Mark in die Hand. „Passen Sie doch bitte besonders auf diesen Wagen auf", sagte er.
Der Wächter verbeugte sich. „Wird gemacht. Ich lasse nur Sie heran. Fürchten sie Diebe?"
Brendel schüttelte den Kopf. „Diebe fürchte ich nicht", gestand er offen", aber gute Freunde, die eine Freifahrt riskieren".
„Gut, daß Sie mir das sagen, Herr. Ich passe auf. Es kommt keiner an Ihren Wagen."
„Sie erkennen mich wieder?"
„Selbstverständlich", versicherte der Wächter und er sah Brendel noch einmal an. Es hatte keine Not; Vrendels Nase verurteilte alle anderen Gesichtsteile im Schatten zu bleiben. Dieses Gesicht war nicht zu verwechseln.
Brendel verzog sich. Er wartete ab. Nach einer Viertelstunde — solange hatte der Schwachkopf gebraucht! — erschien Lilius mit Eeorgia. Sie
schritten auf den braunroten Wagen zu. Lilius stand schon auf dem Trittbrett, — da war der Wächter heran. „Pscht", machte er, nichts da, bester Herr. Lassen Sie den Wagen in Ruhe. Sie haben da nichts zu suchen!"
„Ich habe . . ." Lilius verschlug es die Worte. „Es ist mein Wagen, Mann. Hier ist mein Führerschein."
„Daß Sie fahren können, will ich Ihnen gern glauben. Aber nicht mit diesem Wagen!" Der Wächter war beinahe erheitert; wie gut, daß er gewarnt war.
Lilius fand keine Worte. „Was fällt Ihnen eigentlich ein!?" Sacht hatte sich ein Publikum angesammelt. Lachen und Zurufe erschollen. Ein Eifriger verlangte, man solle das Hochstaplerpaar gleich festnehmen. „Polizei!" rief eine Frau. Zum Glück war weit und breit kein Schutzmann zu sehen. Der Dame Eeorgia wurde die Szene höchst peinlich. „Ist es denn nun Ihr Wagen oder nicht?", stieß sie gereizt heraus. „Fahren wir oder nicht?" Gelächter antwortete ihr. Der Wächter schaute sie an. „Frollein", sagte er bieder, „lassen Sie sich nicht auf so etwas ein. Verduften Sie. Mit dem jungen Mann will ich schon fertig werden."
Eeorgia erblaßte. Lilius war kupferrot vor Zorn. „Das ist ja geradezu unerhört", schrie er, seine Stimme überschlug sich; er krächzte und mußte husten.
In diesem Augenblick fuhr am Straßenrand ein Mietauto heran und hielt. Der Schlag öffnete sich und Brendel schaute heraus. Er strahlte über das ganze Gesicht. „Verzeihung wenn ich störe, sagte er, „aber meinen Sie nicht, Fräulein Georgia, daß wir mit diesem Taxi besser und eher zum Ziel kommen? Bitte steigen Sie ein."
Georgia besann sich nicht eine Sekunde. Sie stand sowieso auf heißen Kohlen. Mehr fliegend
als gesittet sich nähernd, erreichte sie Brendels Taxe und-stieg ein. Der Fahrer schien instruiert; er fuhr sofort davon. — Der Wächter hatte den Herrn mit der großen Nase sofort erkannt. Er stand mit leicht geöffnetem Mund. Während das Auto mit Brendel und Georgia am Straßenende
verschwand, hob Lilius mit verzweifelter Gebärde beide Hände zum Himmel und rief: „Was war denn das!" Der Himmel antwortete nicht; aber der brave Wächter meinte trocken: „Ich glaube ein Reinfall, werter Herr. Der Langnäsige hat uns angeführt.
therman Wirth 50 Fahre
Heute begeht der durch seine Symboldichtung der germanisch-nordischen Vorzeit bekannte und gegenwärtig an der Friedrich-Wilhelm-Universität Berlin tätige Prähistoriker Professor Dr. Hermen Wirth seinen 50. Geburtstag. Aus Utrecht in Holland gebürtig, erkämpfte er sich im Weltkriege als Freiwilliger die politische Zugehörigkeit zum Deutschen Reich. Seiner Wahlheimat widmete er seine gesamte Schaffenskraft, die der Forschung unserer Urgeschichte gilt.
Seitdem sein Buch „Aüfgang der Menschheit" erschienen war, tobte um sein Werk ein heftiger Kampf. Stand ihm die wissenschaftliche Welt während der ersten Jahre seiner Veröffentlichungen in souveräner Ablehnung gegenüber, so findet er in dem Deutschland Adolf Hitlers die seinem Schaffen gebührende Anerkennung.
Die Friihzeit der Menschheit, für die es bisher überhaupt keine Geschichte gab versucht er seherisch aus vieltausendfachcn. steinzeitlichen und späteren Funden zusammenzustellen und kam dabei zu äußerst interessanten Ergebnissen, die eine grandiose Gottes- und Menschheitsschau und einen tiefen Auferstehungsglauben unserer Vorfahren ahnen lassen.
Mit seiner Zusammenstellung der Funde. die nicht nur in den heutigen Siedlung-g k'eten der Jnüogermanen. müdem weit nach Asien stnein an zahlreichen Punkten ber akritavlchm Küste ebenso aber auch im gesamten Nord- und Mittel- amerika bis weit in das Innere Südamerikas an
getroffen wurden, versucht Wirth nachzuweisen, daß einst in grauer Urzeit auf der nördlichen Erdhalbkugel bis tief in die entgegengesetzte Erdhälfte eine einheitliche Kultur geherrscht hat.
Diese mächtige, in ihrer Ausbreitung nicht zu überbietende Urkultur muß ihre Quelle und ihren Ausgangspunkt noch im heute durch Klimaverschiebungen nicht mehr bewohnbaren arktischen Norden gehabt haben. Ihr nordischer Ursprung ergibt sich aus den zur Jahresmessung benutzten und überall in den angeführten Gebieten der Erde wiederkehrenden Sonnenstandsdarstellung und aus dem Kalender, der einen Sonnenstand als Grundlage haben muß, wie er nur im hohen, arktischen Norden anzutreffen und naturgegeben ist. aber nie in südlicheren Breiten.
Das- große umfassende Werk Herman Wirth's, „Die Heilige Urschrift der Menschheit", die mit einigen hundert herrlichen Bildtafeln ausgestattet ist, geht jetzt seiner Vollendung entgegen. Sein Schaffen hat in der gesamten Kuliurwelt ein gewaltiges Aufsehen erweckt und so tief in die Eei- stesgeschichte eingegriffen, daß viele, die seinen Theorien noch ablehnend gegenüberstehen, bereits sein in unermüdlich! Forschungsarbeit zusammengetragenes äußerst reiches Tatsachenmaterial in ihren Arbeiten schon mit verwerten. Wie weit die Gesamtheit seiner Erkenntnisse von der Vor- geschichtswissenschaft anerkannt werden wird, kann erst die Zukunft erweisen.