Ausgabe 
(31.5.1935) Nr. 149
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

v lkl I M^U

k>as amtliche »man »es SeWts z §«;«, hanseftM vremen^

»er Sreim Lansestaöt vremen

durch di?Post ^M.^°M^inschl^Uebe^^sun^gsarbü^°auÄck?"Nastd^n'n^'m ^inschl. S 0 Rps. Zustellungsgebühr; entrichten. Postscheck Lambura 172 72 Noe^n-r-- ousschl. Postbestellgeld. Der Bezugspreis ist im voraus zu NS.-Eanverlaa Weke! Ems K m D°tr'°bs^t°rung°n i-egründen keinen Anspruch auf Erstattung oder Ersatz S Weser-Ems E. m. b. H.. Bremen. Am Eeeren 6-8 , Fernsprecher: Roland 625.

19 3 5

Anzeigen-Grundpreise: Die L 2 >min.Zeile im Anzeigenteil 12 Rps. die w-mm.Zeile im Lextteil 7 b Rps. Ermäßigte Grundpreise (für kleine Anzeigen. Familien«nzeigen u. a.) sowie sonstige Bedingungen laut Preisliste ». (Nachlaßftassel V.j Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewähr. Annahmeschlutz 18 Uhr. Sprechzeit: Verlag werktäglich von 1212 Uhr: Schriftlektnng Dienstag bis Freitag von 12'/,12'/- Uhr.

Nr. 149 / 3. Jahrgang Freitag, ai.Mai

Einzelpreis 15 Rpf.

Die Hansestadt im Zeichen der Luftsportwerbewoche

Bremen führt im Deutschlandflug

UnsereKiebitze" erste Anwärter auf den GenatSpreis

Unser Ingesspiogel

Die Reichsregiernng hat der englischen Re­gierung den Entwurf eines Luftlocarno- Paktes überreicht.

Der französische Ministerpräsident Flandin teilte in einer stürmischen Kammersitzung den Rücktritt seines Finanzministers mit.

In Nordchina sind die Japaner zu militäri­schen Aktionen entschlossen.

Am 1. Juni werden im Bremer Stratzenvild die braunen Elücksmänner der S. Reichs­lotterie znr Arbeitsbeschaffung erscheinen. Das MotorschiffOsnabrück" absolviert heute seine Probefahrt.

Die deutsche Handball-Länderelf siegte in Hannover über Schweden sicher mit 21:3.

Die Bremer Staffel liegt »ach der Wertung der dritten Etappe des Deutschlandslnges an erster Stelle.

Die Olympia-Kernmannschaft der Schwimmer ist für den 21. und 22. Juni nach Bremen eingeladen.

UUWU8

Rücktritt

der französischen Regierung

Paris, 3V. Mai.

Die Regierung Flandin ist bei der Abstimmung in der Kammer über das Ermächtigungsgesetz in der Minderheit geblieben und demgemäß zu­rückgetreten. Die Kammer hat der Regierung die Ermächtigung mit 353 gegen 2V2 Stimmen ver­sagt.

Bremen, 3V. Mai

Am Himmelfahrtstage wurde die dritte Etappe des Deutschlandfluges von Königsberg nach Bre­men beendet. Zehntausende von Zuschauern hatten sich aus dem Bremer Flughafen im Neuenlander­feld eingefunden, um im Rahmen eines Erotz- flugtages die Deutschlandslieger begeistert zu empfangen. Nach einem Ballonaufstieg und zahl­reichen Kunstflügen trafen die einzelnen Staffeln der Deutschlandflieger in ununterbrochener Rei­henfolge ein. Mit besonderer Freude wurde die Ankunft der Bremer Staffel, bestehend aus drei Focke-Wulf-Kiebitzen", aufgenommen.

Bei einem Kameradschastsabend wurde dann die Wertung vorgenommen, die die weitere Füh­rung der Bremer Staffel ergab. Im übrigen zeigt die Wertung folgendes Ergebnis:

1. ^1 Bremen 1717; 2. 8 8 Breslau 1709; 3. 8 6 Danzig 1708; 1. 6 1 Hannover 1660; 8. 8 7 Dresden 1660 ; 6. 0 3 Stuttgart 1614; 7. 68 Essen 1585; 8. -t. 5 Osnabrück 1568; 9. 6 4 Hal­berstadt 1564; 10. 8 3 Lufthansa 1520; 11. 6 5 Bfünchen 1483; 12. ^ 2 Braunfchweig 1454; 13. 6 2 Eleiwitz 1444; 14. 8 3 RLM. 1440; 15. 8 1 Langfuhr 1436,- 16. v 1 Darmstadt 1412; 17. 6 7 Dortmund 1386; 18. ^ 3 Nordhausen 1365; 19.

8 2 Verlin-Staaken 1358; 20. 8 5 Essen 1357; 21. 6 1 RLM. 1354; 22. 8 4 Königsberg 1336; 23. 6 3 Mannheim 1298; 24. H 6 Nürnberg 1292; 25. 8 4 Karlsruhe 1281; 26. v 2 Berlin-Staaken 1273; 27. 6 6 Münster 1227; 28. 8 1 RLM. 1225 Punkte.

Die Entscheidung über die Verteilung des vom Bremer Senat gestifteten silbernen Ehren- Lecher ist noch nicht gefallen, jedoch ist zu er­warten, daß er in die Hände der Bremer Mann­schaft übergeht. Die Preisverteilung findet in Berlin statt.

(Ausführlicher Bericht im Sportteil.)

Deutscher Lust-Locarno-Entwurf

Auf Wunsch der englischen Regierung in London überreicht

Weiterarbett der NIra?

Washington, 30. Mai

Das Urteil des Obersten Bundesgerichtes der Vereinigten Staaten, das die Ungesetzlichkeit der Nira-Eesetzgebung ausgesprochen hatte, hat in den weitesten Kreisen der amerikanischen Bevölkerung schwere-Bestürzung hervorgerufen. Im Weißen Hause häufen sich die Zuschriften an Roo- fevelt, die sich alle mit der obersten gerichtlichen Entscheidung befassen. In 90 v. H. dieser Schrei­ben wird Roosevelt angefleht, alles zu tun, um die Weiterarbeit der Nira zu ermöglichen.

Roosevelt lehnt es vorläufig ab, sich zum Urteil des Obersten Bundesgerichtes zu äußern. In Re­gierungskreisen wird darauf hingewiesen, daß die Verfassung es verbiete, gegen die Entscheidung des Obersten Bundesgerichtes, die zum Gegen­stand einen Vorgang in einem Einzelstaat der amerikanischen Union hat, eine bundesamtliche Regelung zu treffen, da diese einen Angriff in die einzelstaatliche Souveränität bedeuten würde.

In politisch gut unterrichteten Kreisen wird er­wartet, daß der Bundespräsident Freitag in einer öffentlichen Proklamation seine Stellungnahme zum Nira-llrteil bekanntgeben wird.

Italien verstärkt sein Heer

London, 30. Mai.

Gewisses Aufsehen, erregt in der englischen Presse ein Reuterbericht, wonach Mussolini weitere 200 000 Mann unter die Waffen berufen will. Reuter berichtet, daß diese neue Mobili­sierung damit begründet werden solle, daß es not­wendig sei, die Besorgnisse, die man bei aus­wärtigen Mächten bezüglich der Vrenner- Er'enze habe, zu zerstreuen. Mussolini werde, wenn die weitere Mobilisation durchgeführt sei, 1,1 Millionen Mann unter den Waffen haben.

(Vrsbtborivbt unserer Kr. Berlin, 30. Mai.

Die Reichsreglerung hat» wie von zustän­diger Stelle mitgeteilt wird. der englischen Regierung aus deren Wunsch am Donnerstag den Entwurf eines Lust-Locarno-Palrtes übergeben, wie dies schon früher seitens der französischen und italienischen Regierungen geschehen ist.

In Paris und London waren Gerüchte ver­breitet, daß die Reichsregierung im Zusammen­hang mit der angekündigten Reise des Herrn von Ribbentrop nach London einen allgemeinen europäischen Paktentwurf überreicht hätte. Diese Vermutungen sind falsch. Es handelt sich lediglich um einen Entwurf des erwähnten Luft-Locarno- Paktes, den die englische Regierung schon vor längerer Zeit bei der Reichsregierung erbeten hatte. DieReisedesHerrnvonRibben- trop, der am Sonnabendabend nach London abfahren wird, steht mit diesem Luftpakt nicht in unmittelbarem Zusammenhang, und sie hat auch nichts mit allgemeinen politischen Verhandlungen zu tun. Die Londoner Besprechungen des Herrn von Ribbentrop werden sich auf Vorbe­sprechungen für weitere Verhandlungen be­schränken, die die englische Regierung mit den anderen am Londoner Flottenabkommen betei­ligten Staaten zu führen gedenkt. Dabei handelt es sich wiederum nicht um Vorbesprechungen für eine allgemeine Flottenkonferenz.

Ob aus den weiteren Besprechungen, die Eng­land mit den am Londoner Abkommen beteiligten Staaten zu führen gedenkt, eine neue Konferenz entstehen wird, wird sich erst ergeben, ebenso, ob

8erliner Lvbriktloilnnxl

Deutschland an einer solchen Konferenz teilnehmen würde. Die Besprechungen des Herrn von RibLen- trop sind ausschließlich auf technische Ma- rinefragen eingestellt. Die englische Regierung hat im übrigen noch keine politische Initiative auf Grund der Kanzler-Rede vom 21. Mai ent- wickelt, und auch die Ueberreichung des Entwurfs

vor 8iilu-er der Delegation, die sieb rm >Ien äentsvli-engliselien 8IottenbespievI>nngen naeb Dondon begeben rvird, der Deaiikli-agto lür .4 b- i-üstnngskragen v. kibbentiop.

zum Luft-Locarno-Pakt ist nicht als eine unmittel- Larq Folge der Kanzlerrede anzusehen. Bei den Besprechungen des Herrn von Ribbentrop handelt es sich um eine Fühlungnahme, deren Notwendig­keit sich schon aus dem Londoner Kommunique vom 3. Februar ergeben hat.

Unbequeme Gäste

Zwischenfälle mit Saarkommnniste» in Straßburg

Paris, 30. Mai.

DemMattn" wird aus Straßburg gemeldet, daß es in einer früheren Kaserne zu Zwischen- fällen mit den dort untergebrachten etwa 300 Saarflüchtlingen, unter denen sich etwa 100 Frauen und 60 Kinder befinden, gekommen ist. Am Montag beanstandeten die Flüchtlinge die Qualität der ihnen verabreichten Nahrung und veranstalteten Kundgebungen. Zur Aufrecht­erhaltung der Disziplin wurde den Frauen ver­boten, ihre Stuben zu verlassen. Sie übertraten dieses Verbot aber und drangen mit Eewalt in die Stuben der Männer ein, beleidigten die wach­habenden französischen Mobilgardisten und leisteten ihnen Widerstand. Die Ordnung konnte jedoch wieder hergestellt werden. Einige männliche Flüchtlinge, die auf die Mobilgardisten einge­schlagen hatten, wurden in Polizeigewahrsam genommen.

Pierre-Cot beim Vortrag verletzt. Bei einem Vortrag des früheren französischen Luftfahrt­ministers und radikalfozialistischen Abgeordneten Pierre-Cot über die zweijährige Dienstzeit wurde dem Vortragenden eine ätzende Flüssigkeit ins Gesicht gespritzt, so daß er am Weitersprechen ver­hindert wurde.

Walter Sawttzky

Die Arsche mit Vrmkniann

nein, nein, lieber Freund, ich trinke nichts mehr, bestimmt nicht! Ich bin heute umge­zogen, ich habe ein neues Zimmer, ich muß nach Hause' Was macht das denn für einen Eindruck, wenn der Möblierte Herr gleich am ersten Abend so spät nach Hause kommt? Außerdem ist mir da einmal etwas Furchtbares passiert, da war ich auch gerade umgezogen und bin abends mit Brink- mann in eine Kneipe gegangen, ich sage Ihnen, das hat ein ganz schlimmes Ende genommen! Na, dann prost, aber wirklich das letzte Glas.

lllso die Sache mit Brinkmann! Kennen Sie inkmann? Nicht? Netter Kerl soweit, sehr ällig, anständiger Mensch, nur - - er kann nie l Ende finden, und da war es nlso passiert, ellen Sie sich vor . . . einen Korn noch. Lieber ht! Na, meinetwegen, aber bestimmt der letzte, an, sehen Sie, ich mutz doch nach Hau,e, die che mit Brinkmann liegt mir noch in allen iedern. Sie kennen die Geschichte nicht? Nun, will sie Ihnen gern erzählen. Passen Sie mal f. hören Sie mal zu, prosit, lieber Freund! Also wovon sprachen wir? Richtig, die we­ichte'mit Brinkmann! Ich war also wieder em- il umgezogen, ich hatte kein Glück mit meinem mmer' es'hing mir schon zum Halse raus, das ige Suchen, außerdem hatte ich eine dringende, öftere Arbeit. Schön, also Brinkmann sagt zu r er würde mir behilflich sein, beim Zimmer­ten. Er geht los. ich hatte ihm gesagt, sound- etwa müßte das Zimmer sein und soundso >l dürfte es kosten. Ich hatte mich ganz aus ihn rlassen, ein Tag vergeht nach °°m anüeren es immer noch kein Zimmer da. ^ch sitze über !iner Arbeit, du liebe Zeit, es ist ;a schon der

Letzte, ich muß aus meinem Zimmer raus, da geht das Telephon, Brinkmann hat ein Zimmer ge­funden! Ich muß meine Arbeit abliefern, ich habe gar keine Zeit, was soll ich Ihnen sagen, Brinkmann kommt und holt meinen Koffer, ich gebe ihm das Geld sür die Miete, und dann treffen wir uns beide in einem Lokal.So", sagt Brinkmann,hier sind die Schlüssel, Sie wohnen jetzt da und da, Ihr Koffer ist auch schon da, schönes Zimmer, netto Leute, ich habe Ihre Sachen ein wenig ausgepackt, das Nachtzeug und so weiter, und jetzt gehen wir mal einen lüften . . ."

Das konnte ich ihm nun nicht abschlagen, er hatte sich ja so sehr sür mich bemüht. Wir gehen also Bierchen lüften, was soll ich Ihnen sagen

_nein, wirklich, danke sehr, aber ich trinke

nichts mehr, man muß sehr vorsichtig sein, denn ich bin doch heute umgezogen, ich muß bald nach Hause, denn damals, die Sache mit Brinkmann, also passen Sie mal auf, hören Sie mal zu!

Wir sitzen also zusammen und trinken immer noch eins, und es ist wirklich so gemütlich und nett, und dann gehen wir noch in ein anderes Lokal, wie das manchmal so ist. Und nun ist die Sache nämlich die, daß der Brinkmann so furcht­bar wenig vertragen kann, verstehen Sie. Das mag so gegen 12 Uhr nachts gewesen sein, da fällt er plötzlich ab, der Brinkmann, total ab. Ich war ja auch nicht mehr ganz nüchtern, aber der Brinkmann machte mir direkt Sorge. Kein vernünftiges Wort mehr aus ihm herauszu­kriegen, lauter Blödsinn! Und er wohnt ganz draußen vor der Stadt, ich kann doch nachts um 12 Uhr nicht noch mit ihm rausfahren. Ich rede ihm also gut zu, ich bekomme ihn mit Mühe

und Not hoch und in seinen Mantel hinein, wir gehen bis zur Bahn, ich setzte ihn hinein und sage dem Schaffner, wann und wo er ihn aufwecken soll.

Die Bahn fährt ab, gleich daneben ist doch wieder so ein Lokal und ich habe plötzlich einen gewaltigen Appetit auf einen Kognak. Ich gehe hinein und zische eins, und dann will ich endlich nach Hause gehen. Ich gehe also nach Hause, und wie ich vor dem Hause stehe, da fällt mir erst ein, daß ich ja gar nicht mehr hier wohne! Ich bin ja umgezogen, ich wohne ja ganz woanders jetzt, ich muß jetzt doch in mein neues Zimmer. Na, meinetwegen, aber das ist bestimmt der letzte Prosit! Stellen Sie sich bitte das jetzt vor: Ich will in meine neue Wohnung gehen, und in diesem Augenblick fällt mir ein, daß ich ja gar nicht weiß, wo denn nun eigentlich meine neue Wohnung ist! Brinkmann hatte mir zusammen mit den Schlüsseln einen Zettel gegeben, da hat es genau draufgestanden, die Straße und die Haus­nummer und der Name der Wirtin. Ich suche jetzt in allen Taschen, glauben Sie. daß ich den Zettel finden kann? Keine Ahnung! Der Zettel ist nicht da, er ist weg, spurlos verschwunden! So ein netter, kleiner Zettel war es gewesen, und es hatte alles so deutlich draufgestanden, ich glaube, es war in der Lutherstraße gewesen, mein Gott, die Lutherstraße ist ja so lang, und vielleicht war es auch gar nicht die Lutherstraße! Jeden­falls, der Zettel ist weg, wie leicht kann so ein kleiner Zelte! ,ns Gedränge kommen, wenn man unterwegs ist. Vielleichr hat Brinkmann ihn auch wieder eingesteckt, was weiß ich, ich habe ihn jedenfalls nicht mehr ich weiß nicht, wo ich wohne!

Das war eine reizende Geschichte, lieber Freund das können Sie mir glauben! Ich stehe nachts um zwei aus der Straße, unrasiert und fern der Heimat, es regnei jetzt mit Bindfäden, ich friere und bin hundemllde, und irgendwo in meinem Zimmer steht ein Bett sür mich aufgemacht, ein

schönes, warmes Vettchen, und mein Pyjama liegt darauf, und unterm Bett stehen meine Pantoffel. Das Zimmer ist bezahlt, für einen ganzen Monat, und ich stehe hier im Regen, in der Nacht, aus der Straße, ich kann nicht hin in mein Zimmer, ich weiß nicht, wo es sich befindet! Wen soll ich denn fragen? Die Polizei? Auf's Revier gehen,Bitte schön, wo wohne ich?"

Stellen Sie sich das einmal vor, lieber Freund! Ich gehe also wieder in eine Kneipe, wo soll ich denn sonst hingehen, aber bald duldet man mich dort nicht länger. Ich gehe zum Bahnhof, aber die Wartesäle sind noch geschlossen, ich muß auf und ab gehen, bis ich reingelassen werde. Dort sitze ich dann bis sieben Uhr und dann sahre ich zu Brinkmann. Ich wecke ihn aus und sage nur: Mensch, wo wohne ich?"

Es dauert eine ganze Zeit, bis Brinkmann alles begriffen Hot, und dann sucht er nach dem Zettel,

Deutsch-bulgarische

Unter dem Zeichen enger freundschaftlicher Zu­sammenarbeit zwischen deutschen und bulgarischen Künstlern stand die Jahre 1929 bis 1934. Damals wirkten an der königlichen Oper, dem bulgarischen Nationaltheater in Sofia, aus Einladung des bulgarischen Staates der deutsche Generalmusik­direktor Hermann Stange als Dirigent und Opernchef, der deutsche Opernsänger Joses Lor - reck als Gast in deutschen Opernaussllbrungen und der deutsche Musikpädagoge und Pianist Otto Daube mit seinen Borträg.n und program malischen Einsübrungen ,n den oeutschen Opern, die im Nat-onalkliealer w''Aus'iiliruiio oelauaten und seinen Konzerten mit r.-,- bniiai'ichen Kam mermusikvcrcinigung. Im RaNnie» der reiche wichtigen Richard-Wagner.Festwoche, die im

Gtaatsnotwehr

Ein Vortrag des Staatssekretärs Dr. Freisler Berlin, 30. Mai.

In der deutschen Hochschule für Politik hielt der Staatssekretär im Reichs- und preußischen Ju­stizministerium Dr. Freisler einen Vortrag über das Thema:Staatsnotwehr im Licht« des Nationalsozialismus".

Von geläufigen Beispielen der Notwehr und des Notstandes ausgehend, deren grundsätz­lich verschiedene Bewertung davon abhängig sei, ob die Tat zu eigenem Nutzen oder zu Ungunsten eines anderen begangen werde, ob das Verhalten sittlich berechtigt wäre oder nicht, leitete der Staatssekretär zu der Frage über, wie weit die anerkannten Grundsätze Geltung hätten, in bezug auf das politische Leben des Staates bzw. des Volkes, wie weit eine Notwehrhandlung zugun­sten des Staates möglich oder zugelassen sei, ob überhäupt das Handeln eines einzelnen für den Staat für zulässig erklärt werden könne.

Er unterschied Handeln zugunsten des Staates mit dem wirklichen Willen des Staates, Handeln zugunsten des Staates mit dem vermuteten Willen des Staates, Handeln zugunsten des Staates gegen den vermuteten Willen des Staates, aber in dessen vermeintlichem Interesse und Handeln zugunsten des Staates gegen den tatsächlich be­kannten Willen des Staates, aber für das Volks­wohl.

Dr. Freisler wies nach, daß die Beurteilung derartiger Handlungen je nach den Zeitläuften der innerpolitischen Spannung oder der Festi­gung des Staates verschieden sei und stellte fest, daß nach der jetzt tatsächlich erreichten inne­ren Befestigung, nach der Erringung einer wirk­lichen Einheit der Erundanschauungen, die mit dem nationalsozialistischen Umbruch eingetreten sei, gerade von den Vertretern und Vorkämpfern der Bewegung eine derartige Staatsnotwehr ab­gelehnt werde. Man finde auch in der Politik des Staates, soweit es sich um Fälle handelt, in denen jemand glaubte, im Sinne der national­sozialistischen Bewegung zu handeln, keine Billi­gung solchen Verhaltens, sondern in der Amnestie­gesetzgebung der letzten beiden Jahre finde man die Erklärung, daß solches Verhalten unter be­stimmten Umständen zwar verstanden, aber nicht gebilligt worden sei. Es sei selbst­verständlich, daß eine Bewegung, die felsenfest davon durchdrungen sei. daß der frühere Staat in seiner Grundlinie dem Ziel der lÄfreiung des Volkes entgegengesetzt gewirkt habe, in dem Rin­gen um die Beseitigung des Widerstandes sich auf den Standpunkt stellen müsse, daß Handlungen zu­gunsten des Volkes gegen den Staat möglicher­weise zur Pflicht des einzelnen gehörten. In dem Augenblick, in dem diese revolutionäre Be­wegung das Volk als Ganzes ergriffen habe, sei die Vorstellung des Auseinanderfallens von Volk und Staat weggefallen, und so habe sich trotz gleichbleibender grundsätzlicher Einstel­lung eine ganz andere Folgerung aus dem Problem der Staatsnotwehr ergeben müssen. Gegen diesen Staat könne «ine Notwehrhandlung vom nationalsozialistischen Standpunkt aus nicht mehr in Frage kommen. Der nationalsozialisti­sche Staat habe Möglichkeiten genug, um vorkom- mendenfalls eine anzuerkennende Handlung eines Einzelnen, die dieser als Notwehrhandlung sür Staat und Volk gemacht habe, auch anzuerkennen.

aber der Zettel ist nicht da. Jawohl, es war in der Lutherstratze, sagt er, die Nummer weiß er nicht mehr, aber das Haus würde er vielleicht erkennen! Vielleicht! Hübsche Aussichten.

Brinkmann zieht sich an und dann fahren wir nach der Lutherstratze. Na, was soll ich Ihnen viel erzählen, um elf Uhr vormittags hatten wir das Haus glücklich gefunden, es war auch gar nicht in der Lutherstrabe, sondern in der Eise­nader. Ich habe mich dann ausgezogen und ins Bett gelegt, glauben Sie vielleicht, daß das einen sehr guten Eindruck auf meine Wirtin gemacht hat?

Nein, nein, lieber Freund, ich trinke nichts mehr, ich habe genug, die Uhr ist elf, ich gehe nach Hause! Ich habe mir das Zimmer dieses Mal allerdings selbst ausgesucht, ich weiß genau, wo ich wohne, aber sicher ist sicher!"

Mnstlerfreundlchaft

Juli in Detmold stattfindet, wird diese Freund- lchaft erneuert, da neben den gleichen deutschen Künstlern, Hermann Stange als Dirigent, Joses Correck als Sänger und Otto Daube als dem künstlerischen Leiter, zwei bulgarische Künstler an den Aufführungen teilnehmen: der bulgarische Cellist Professor Iwan Zibulka, Direktor der Staatlichen Musikakademie in Sofia und die bul­garische Sängerin Mara Marin owa, Pro­fessorin für Kunstgesang an derselben Staatlichen Musikakademie Zwischen den tn Detmold erneut gemeinsam wirkenden Künstlern besteht seit 1MU> ein berzliches Freundschaftsband, dessen Festigung in der gesamten bulgarischen Presse in den letzten Monaten begeistert begrüßt worden ist.